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Unternehmenskooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 71 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Einführung in das Thema „Kooperationen“
2.1 Entwicklung des Kooperationsbegriffs
2.2 Wichtige Erkennungsmerkmale von Kooperationen
2.3 Die einzelnen Kooperationsarten

3 Forschung und Entwicklung
3.1 Definition Forschung und Entwicklung
3.2 Phasen der Forschung und Entwicklung
3.2.1 Grundlagenforschung
3.2.2 Angewandte Forschung
3.2.3 Entwicklung

4 Forschungs- und Entwicklungskooperationen
4.1 Konfigurationsmerkmale von F&E-Kooperationen
4.2 Gegenstand von F&E-Kooperationen
4.3 Richtung der F&E-Kooperationen
4.3.1 Horizontale F&E-Kooperationen
4.3.2 Vertikale F&E-Kooperationen
4.3.3 Diagonale F&E-Kooperationen
4.4 Intensität von F&E-Kooperationen
4.4.1 Nicht koordinierte Einzelforschung mit Erfahrungs- und Ergebnisaustausch
4.4.2 Koordinierte Einzelforschung mit planmäßigen Erfahrungs- und Ergebnisaustausch
4.4.3 Zusammenarbeit von F&E-Abteilungen
4.4.4 Gründung eines Joint Ventures
4.5 Räumliche Entfernung des F&E-Kooperationspartners
4.6 Dauer der F&E-Kooperation
4.7 Zutrittsmöglichkeiten zu F&E-Kooperationen

5 Bedeutung von Vertrauen in F&E-Kooperationen
5.1 Definition
5.2 Wissen
5.3 Quellen von Vertrauen
5.4 Weitere Vertrauensinhalte
5.5 Entstehung und Erhaltung von Vertrauen
5.6 Vertrauensbewusste Kooperation und Kontrolle
5.7 Kritische Würdigung von Vertrauen in F&E-Kooperationen

6 Chancen und Risiken von F&E-Kooperationen
6.1 Ziele und Vorteile von F&E-Kooperationen
6.2 Risiken

7 Empirische Untersuchung von F&E-Kooperationen
7.1 Ziel und Konzeption der empirischen Untersuchung
7.2 Ergebnisse der schriftlichen Befragung
7.2.1 Allgemeiner Teil
7.2.2 Merkmale der F&E-Kooperation
7.2.3 Grundsätzliche Aspekte der Kooperationsentscheidung
7.2.4 Nutzung von Informationsquellen bezüglich der Partnerwahl

8 Fazit und Ausblick

9 Literaturverzeichnis

10 AnHang
Anlage 1: Fragebogen
Anlage 2: Fallbeispiele von Kooperationsformen

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Die einzelnen Kooperationsarten

Abbildung 2: Morphologischer Kasten zur Bestimmung der F&E- Kooperationsformen

Abbildung 3: Kooperationsformen nach ihrer Richtung

Abbildung 4: Wissen und Vertrauen

Abbildung 5: Unterschiedliche Arten von Vertrauen

Abbildung 6: Umsatz der Unternehmen

Abbildung 7: Anzahl der Mitarbeiter

Abbildung 8: Branchenzugehörigkeit der Unternehmen

Abbildung 9: Beurteilung des Gesamterfolgs der Kooperation

Abbildung 10: Phase des Forschungs- und Entwicklungsprozesses

Abbildung 11: Verflechtung der Kooperation

Abbildung 12: Geographische Auslegung der Kooperation

Abbildung 13: Leitkriterien für Partnerunternehmen

Abbildung 14: Bedeutung der Ziele der F&E-Kooperation

Abbildung 15: Bedeutung von Informationsquellen

Abbildung 16: Nutzung des Internets zur Informationsbeschaffung

Abbildung 17: Bedeutung des Internets zur Informationsbeschaffung

1 Einleitung

Fundamentale wirtschaftliche, gesellschaftliche und auch politische Veränderungen haben in den letzten Jahren die Bedingungen, unter denen Unternehmen operieren, stark beeinflusst. Schlagworte wie Globalisierung, verkürzte Produktlebenszyklen, steigender Wettbewerbsdruck fallen bei fast allen Autoren ebenso wie die Konzentration auf Kernkompetenzen und die Beschleunigung der Marktbedingungen.[1]

Die Wettbewerbsfähigkeit und somit der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens ist immer stärker durch hohe Flexibilität des Gesamtunternehmens und kurze Durchlaufzeiten in den Entwicklungsphasen geprägt.[2]

Als Folge der zunehmenden internationalen Konkurrenz kommt es zu einer Verkürzung der Produktlebenszyklen. Neue Produkte müssen in immer kürzer werdenden Zeitabständen entwickelt und auf dem Markt positioniert werden. Ein ständig wachsender Anteil des Umsatzes wird dadurch mit sogenannten „jungen Produkten“ erzielt. Daher sind im Laufe der Jahre die Anforderungen an die Abteilungen für Forschung und Entwicklung (F&E) in den Unternehmen stark angestiegen. Oftmals sind einzelne Unternehmungen durch erhöhten Kapitalbedarf, aber auch durch die Existenz von Mitarbeiterkapazitäten mit dem notwendigen Know-how für F&E überfordert. Die fortschreitende Entwicklung geht dahin, dass sich die Unternehmen auf die Dinge konzentrieren, die sie besonders gut können; also auf ihre Kernkompetenzen.[3]

Diese Konzentration auf die Kernkompetenzen, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Zeitersparnis und die Nutzung von Synergieeffekten lassen immer mehr Unternehmen kooperieren. Die zunehmende Bedeutung von Kooperationen wird auch durch Publikationen und Studien betreffend dieser Thematik unterstrichen, die oftmals zu dem Ergebnis kommen, dass die Häufigkeit von Kooperationen in den letzten Jahren stark angestiegen ist.[4] Jedoch hängt der Erfolg einer Kooperation von sehr vielen Faktoren ab. Neben der Existenz von Know-how, Finanzkapital und ähnlicher Unternehmenskultur usw., muss auch ein hohes Maß an Vertrauenspotential vorhanden sein, um eine Kooperation erfolgreich zu gestalten. Speziell bei Kooperationen im Bereich F&E spielt das Vertrauen eine sehr wichtige Rolle. Innerhalb einer solchen Kooperation wird nämlich nur schwer durch vertragliche Konstrukte gesichertes Wissen ausgetauscht. Daher wird das Thema Vertrauen einen wichtigen Teil in unserer Hausarbeit einnehmen.

Das Ziel dieser vorliegenden Hausarbeit ist es, die Merkmale von F&E- Kooperationen zu nennen und sowohl die Chancen als auch die Risiken einer solchen Zusammenarbeit herauszuarbeiten. Unsere aus der Literatur gewonnen Erkenntnisse werden dann durch eine Fragebogenaktion empirisch überprüft.

In Kapitel 2 wird zuerst der Begriff der Kooperation definiert, um dann die wichtigsten Erkennungsmerkmale von Kooperationen zu erörtern. Außerdem werden in diesem Kapitel die verschiedenen Kooperationsarten vorgestellt. Anschließend steht in Kapitel 3 der F&E Begriff im Vordergrund und es werden die einzelnen Phasen von F&E genannt. In Kapitel 4 wird dann mit Hilfe eines morphologischen Kastens die einzelnen Konfigurationsmerkmale von F&E-Kooperationen erläutert, um sich dann in Kapitel 5 der Vertrauensproblematik zu widmen. Durch ein hohes Maß an Vertrauen können Konflikte innerhalb einer Kooperation reduziert werden. Diese Konflikte, aber auch die Chancen von F&E-Kooperationen werden in dem darauffolgenden Kapitel 6 genauer illustriert. Es gibt auf der einen Seite mehrere Gründe und Vorteile, warum Unternehmen kooperieren. Jedoch existieren aber auf der anderen Seite auch Konfliktpotentiale und Nachteile, die sich negativ auf den Erfolg einer Kooperation auswirken können.

Um unsere in den vorangegangenen Kapiteln erarbeiteten theoretischen Grundlagen empirisch zu überprüfen, wurde eine Umfrage durchgeführt. Dazu wurde ausgewählten Unternehmen per E-mail einen Fragebogen zugesandt, welcher im Anhang dieser Arbeit zu finden ist. Die Ergebnisse dieser Umfrage werden in Kapitel 7 präsentiert.

Zum Abschluss dieser Hausarbeit werden die gewonnenen Erkenntnisse kurz zusammengefasst, um letztendlich einen Ausblick auf die Zukunft von F&E- Kooperationen zu nehmen.

2 Einführung in das Thema „Kooperationen“

2.1 Entwicklung des Kooperationsbegriffs

Im Gegensatz zur umgangssprachlichen Interpretation des Kooperationsbegriffs als eine Form der Zusammenarbeit zwischen Personen, Gruppen und Institutionen, wird in unserer Arbeit eine differenziertere Analyse des doch recht „verwaschenen“ Begriffs anhand bestimmter Merkmale vorgenommen, um einen Konsens zu erreichen.

Unsere Hausarbeit wird sich auf die ökonomische Perspektive beschränken, andere Sichtweisen werden außer acht gelassen. Diese wirtschaftlichen Kooperationen kann man in inner-, zwischen- und überbetriebliche Kooperation unterteilen. Wir werden uns im folgenden hauptsächlich mit zwischenbetrieblichen Kooperationen befassen.

Durch eine kurze Vorstellung unserer Literaturanalyse wollen wir verschiedene betriebswirtschaftliche Definitionen vorstellen und prägnante Merkmale von zwischenbetrieblichen Kooperationen herausarbeiten:

Bidlingmaier definiert den Begriff folgendermaßen:

„Zwischenbetriebliche Kooperation liegt immer dann vor, wenn zwei oder mehrere Unternehmen aufgrund freiwilliger vertraglicher Abmachungen gewisse Aufgaben gemeinschaftlich erfüllen, in der Erwartung, hierdurch einen -gegenüber dem jeweils individuellen Vorgehen- höheren Grad der Zielerfüllung zu erreichen.“[5]

Für Benisch steht die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Vordergrund:

„...Kooperation bedeutet die Zusammenlegung einzelner Unternehmensfunktionen zu dem Zweck, die Leistung der beteiligten Unternehmen zu steigern und dadurch deren Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.“[6]

Düttmann betont in seiner Definition die freiwillige Zusammenarbeit von Unternehmen:

„Die wirtschaftliche Kooperation ist die bewusste, zwischenbetriebliche und freiwillige Zusammenarbeit selbständiger Unternehmen mit der Absicht, ohne Aufgabe der grundsätzlichen unternehmerischen Entscheidungsfreiheit in bestimmten betrieblichen Teilbereichen gemeinsame wirtschaftliche Ziele zu realisieren.“[7]

Wöhe definiert Kooperationen wie folgt:

„...als eine Verbindung von bisher rechtlich und wirtschaftlich selbständigen Unternehmen zu größeren Wirtschaftseinheiten, ohne dass dadurch die rechtliche Selbständigkeit und die Autonomie der einzelnen Unternehmen im Bereich wirtschaftlicher Entscheidungen aufgehoben werden muss.“[8]

Einen weiteren interessanten Aspekt der essentiellen Notwendigkeit von Kooperationen für ganz bestimmte Ziele liefert die Definition von Picot/Reichenwald/Wigand:

„Die Kooperation ist eine Form der freiwilligen zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit von mindestens zwei Unternehmen unter Wahrung wirtschaftlicher und rechtlicher Selbständigkeit. Auf Basis einer Kooperationsvereinbarung findet eine zweckorientierte Zusammenarbeit statt, die eine gemeinsame Erreichung eines oder mehrerer übergeordneter und nur gemeinsam erreichbarer Ziele anstrebt.“[9]

2.2 Wichtige Erkennungsmerkmale von Kooperationen

Vergleicht man diese verschiedenen Definitionen miteinander, so werden folgende elementare Merkmale herauskristallisiert:

Zusammenarbeit von Unternehmen

Dieses Charakteristikum ist bereits oben kurz erwähnt worden. Bei zwischenbetrieblichen Kooperationen muss es sich um eine Zusammenarbeit zwischen- und nicht innerhalb von Unternehmen handeln.[10]

Selbständigkeit

Dieses Attribut läßt sich weiter in eine rechtliche und eine wirtschaftliche Selbständigkeit differenzieren.[11] Die rechtliche Selbständigkeit von Unternehmen ist solange gegeben, wie es seine eigene Rechtspersönlichkeit beibehält. Übereinstimmend wird in der Literatur die rechtliche Selbständigkeit als ein unentbehrliches Abgrenzungskriterium gefordert.[12] Im Gegensatz dazu existiert mit Bezug zu der wirtschaftlichen Selbständigkeit kein solcher Konsens. Aulinger und Kropeit u.a. schreiben, dass die wirtschaftliche Selbständigkeit nicht eingeschränkt wird[13], jedoch wird eine uneingeschränkt wirtschaftliche Selbständigkeit in der Mehrheit der Literatur als nicht realisierbar angesehen.[14] Wir denken, dass die individuelle Entscheidungsfreiheit zumindest in den von der Kooperation betroffenen Aufgabenbereichen zugunsten von Kollektiventscheidungen partiell aufgehoben wird. Dieser Gegebenheit des partiellen Verlustes der wirtschaftlichen Selbständigkeit wird auch als „Paradoxon der Kooperation“[15] bezeichnet, welches aussagt, dass jede Ausweitung des Handlungsspielraumes zu einer Einschränkung der Entscheidungsfreiheit an anderer Stelle führt.[16]

Freiwilligkeit des Zusammenschlusses

Ein weiteres Charakteristikum der Kooperation ist die Freiwilligkeit der Zusammenarbeit, d.h. eine kollektive Arbeit unter Zwang[17] ist nicht als Kooperation anzusehen.

Beschränkung von Teilaufgaben

Bei zwischenbetrieblichen Kooperationen werden spezielle Teilaufgaben determiniert und dann gemeinschaftlich erfüllt.[18]

Ziele von Kooperationen

Kooperationen unterstützen die gemeinsame Zielerreichung von mindestens zwei Unternehmen, daher müssen die gemeinsamen Ziele auch miteinander harmonieren. „Das Erreichen des Ziels eines Partners fördert automatisch auch das Erreichen des Ziels des anderen Partners – und umgekehrt.“[19]

Nun wurden die prägnantesten Merkmale des Kooperationsbegriffs beschrieben und abschließend soll dieser Terminus für diese Hausarbeit folgendermaßen definiert werden:

„Die zwischenbetriebliche Kooperation ist eine freiwillige Zusammenarbeit selbständig bleibender Unternehmen mit der Intention, gemeinsam (durch Ressourcenbündelung) einen höheren Grad der Zielerfüllung anzustreben, der bei einer individuellen Vorgangsweise nicht möglich wäre.“

2.3 Die einzelnen Kooperationsarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Die einzelnen Kooperationsarten

Einführung

Kartelle, Joint Ventures, Konsortien, es existieren eine Vielzahl von Begriffen, um eine Kooperationsart zu beschreiben. In dem folgenden Abschnitt nennen und beschreiben wir kurz die einzelnen Arten von Kooperationen und deren wichtigsten Merkmale. Erwähnen möchten wir noch explizit den Unterschied zwischen den Begriffen Kooperationen und Konzentrationen, die teilweise in der Literatur nicht exakt von einander abgegrenzt werden. Kooperationen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Teilnehmer rechtlich und zum größten Teil auch wirtschaftlich selbständig bleiben, bei Konzentrationen[20] verlieren die Partner einer Unternehmensverbindung ihre wirtschaftliche Selbständigkeit und teilweise müssen sie auch noch ihre rechtliche Selbständigkeit aufgeben.[21] Ist unserer Hausarbeit haben wir uns auf die Kooperationsarten beschränkt.

Interessengemeinschaften

Darunter versteht man eine vertraglich festgelegte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen mit der Absicht, durch diese Kooperation die Durchsetzung bestimmter gemeinsamer Interessen zu realisieren. Sie entstehen normalerweise durch die horizontale Zusammenfassung von Unternehmen auf einer vertraglichen Basis.

Gelegenheitsgemeinschaften

Arbeitsgemeinschaften

Diese Art der Gelegenheitsgesellschaften ist ein häufig zeitlich befristetes Bündnis, welches das Ziel verfolgt, einen Auftrag im Kollektiv zu erfüllen. Speziell im Baugewerbe wird diese Form der Kooperation angetroffen, um gemeinsam Projekte, wie z.B. einen Straßenbau zu realisieren.[22] Sie werden gebildet, wenn ein Unternehmen auf Grund seiner fehlenden finanziellen- oder seiner produkttechnischen Kapazität nicht in der Lage ist, einen Auftrag alleine durchzuführen.

Konsortien

Konsortien sind ein vertraglich vereinbarter Zusammenschluss mehrerer Unternehmen (oft Banken), die zur Realisierung von exakt abgegrenzter Aufgaben gebildet werden. Nach Verwirklichung der Aufgabe lösen sich die Konsortien wieder auf. Sie werden mit dem Ziel der Risikostreuung und vor allem zur Durchführung von kapitalintensiven Geschäften und zur Verbesserung von Plazierungsmöglichkeiten gebildet.[23]

Kartelle

Ein Kartell ist ein horizontaler[24] Zusammenschluss rechtlich und kapitalmäßig selbständig bleibender Unternehmen. Das Hauptziel von Kartellen stellt die Marktbeherrschung in Folge von der Beseitigung oder mindestens der Beschränkung des Wettbewerbs dar. Diese Beschränkung widerspricht jedoch den Zielen der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung[25] und daher sind in Deutschland Kartelle auf Basis des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkung (GWB) prinzipiell verboten. Allerdings werden auf Antrag Ausnahmen gemacht, wie z.B. bei Kooperations- und Einkaufskartellen.[26]

Gemeinschaftsunternehmen – Joint Ventures

Charakteristisch für Joint Ventures ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen mindestens zwei voneinander weiterhin völlig unabhängigen Unternehmen, die zur Realisation von bestimmten Zielen ein rechtlich selbständiges Unternehmen gründen, um damit Aufgaben im gemeinsamen Interesse auszuführen. Joint Ventures sind in der Regel zeitlich unbefristet und in generell horizontaler, vertikaler und diagonaler Ebene möglich.[27]

Die vorgestellten Arten von Zusammenschlüssen werden auch als die „klassischen“ Formen der Kooperation beschrieben.[28] Nun werden wir uns noch drei weiteren Kooperationsbegriffen zuwenden, die sich erst in den letzten Jahren etablierten.

Strategische Allianzen

Strategische Allianzen werden als ein Zusammenschluss von mindestens zwei Unternehmen definiert, die häufig im Wettbewerb zueinander stehen,[29] und deren Allianz sich auf ein bestimmtes Geschäftsfeld bezieht.[30] Dieser Begriff kam Mitte der 80er Jahre in Mode und wurde maßgeblich durch Porter geprägt.[31] Durch diesen Zusammenschluss werden einzelne individuelle Fähigkeiten und Ressourcen gebündelt, um dadurch Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten zu erzielen, z.B. durch eine effizientere F&E-Abteilung. Die in einer solchen Allianz verfolgte Strategie ist sehr häufig global ausgelegt, d.h. diese Form der Kooperation wird meist von international ausgerichteten Unternehmen praktiziert.

Die Unternehmen bleiben rechtlich und wirtschaftlich selbständig. Nur im Bezug auf die gemeinsame Zielerfüllung müssen die relevanten Geschäftsfelder untereinander koordiniert werden.[32]

Im Hinblick auf die zeitliche Dauer von strategischen Allianzen ist die Ansicht vorherrschend, dass sie zeitlich begrenzt sind. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, dass häufig ein Ende der Zusammenarbeit nicht explizit festgelegt wird. Häufig existieren auch Optionen zur Verlängerung.[33]

Unternehmensnetzwerke

Im Gegensatz zu strategischen Allianzen kooperieren bei dieser Form teilweise bis zu 100 Unternehmen zusammen. Sie stellen eine Art totale Kooperation dar, d.h. der Zusammenschluss beschränkt sich nicht auf einzelne Funktionsbereiche. Bei Bedarf werden unter den partizipierenden Unternehmen Informationen und Material ausgetauscht. Dieser Zusammenschluss ist auf einen langfristigen Zeitraum ausgelegt. Durch Änderung der gemeinsamen Ziele ist es möglich, dass sich die Zusammensetzung des Netzwerkes im Laufe der Zeit verändert. Ein weiterer Unterschied zu der strategischen Allianz ist die Richtung der Verbindung. Partnerunternehmen von Netzwerken sind weder aktuelle, noch potentielle Konkurrenten, d.h. sie kooperieren auf vertikaler Basis miteinander.[34]

Aulinger[35] unterscheidet drei verschiedene Typen von strategischen Netzwerken:

- Gleichberechtigte Netzwerke:
Alle involvierten Unternehmen werden als gleichwertige Partner angesehen.
- Zentrierte Netzwerke
Die Partnerunternehmen kooperieren mit einem zentralen Unternehmen.
- Emergente Netzwerke

Dieser Netzwerktyp entsteht durch die Überlagerung von mehreren unabhängigen Kooperationen.

Coopetition

Diese neumodische Bezeichnung für Kooperationen entstand aus den Bestandteilen von „ Coo peration“ und „Com petiton , und wurde von Ray Noorda, Gründer des Softwareherstellers Novel, kreiert.[36] Dieses „Kunstwort“ bezeichnet eine Strategie, nach der Anbieter auf einer Wertschöpfungsstufe[37] partiell vertrauensvoll miteinander kooperieren, zum Vorteil von beiden Partnern und zum Nutzen der Kunden.[38] Gerade bei F&E-Kooperationen wird oft von Coopetition gesprochen, wenn Unternehmen der gleichen Wirtschaftsstufe zusammen arbeiten. Speziell in dieser Kooperationsart spielt das Vertrauen auf Grund der sensiblen Daten, die die Partnerunternehmen austauschen müssen eine essentielle Rolle, um den Erfolg der Zusammenarbeit zu gewährleisten.[39]

3 Forschung und Entwicklung

3.1 Definition Forschung und Entwicklung

Viele größere Unternehmen besitzen eine eigene F&E-Abteilung, um auf dem immer härter werdenden Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Automobilfirmen wollen höhere Sicherheitsstandards und noch aerodynamischere Wagen mit noch attraktiverem Design produzieren. Firmen in der pharmazeutischen Industrie forschen und entwickeln nach immer neuen Arzneimitteln. Unternehmen aus der Getränkeindustrie bringen immer „modernere“ Durstlöscher auf den Markt, um up to date zu sein und keinen Trend zu verschlafen. Die meisten Unternehmen verfahren nach dem Sprichwort: Stillstand ist Rückschritt und daher werden in diesem Bereich auch vermehrt Kooperationen angestrebt, um u.a. Know-how zu kompensieren oder Kosten zu minimieren.[40]

In der betriebswirtschaftlichen Literatur existiert bisher keine einheitliche Definition für Forschung- und Entwicklung. In Anlehnung an das Frascati Handbuch der Organization for Economic Cooperation and Development (OECD) werden „Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten als systematische und schöpferische Tätigkeiten charakterisiert, die dem Erwerb neuer wissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse dienen.“[41]

F&E kann also insofern als Produktion neuen Wissens aufgefasst werden. Brockhoff unterstreicht in seiner Definition diesen Wissenserwerb: „Forschung und Entwicklung ist eine Kombination von Produktionsfaktoren, die die Gewinnung neuen Wissens ermöglichen soll.“[42]

Dieser Prozess umfasst verschiedene Tätigkeitsbereiche, welche im folgenden Kapitel näher klassifiziert werden.[43]

3.2 Phasen der Forschung und Entwicklung

3.2.1 Grundlagenforschung

Die Grundlagenforschung dient in erster Linie zur Erweiterung wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Formulierung ihrer Prinzipien. Dabei können die Anwendungsmöglichkeiten nicht vorher festgelegt werden, da nach neuen Erkenntnissen geforscht wird. Ziel der Grundlagenforschung ist „die Erforschung und Sammlung der Naturgesetze“ und die „Analyse der von ihnen ausgehenden Wirkungen“.[45] Der Ursprung der Grundlagenforschung ist sehr oft nur eine Vermutung von Wirkungen der Naturgesetze, z.B. bei der Entwicklung von neuen Medikamenten.[46] Da nutzbare Ergebnisse und neue Kenntnisse oft nicht vorhersehbar sind, wird eine konkrete Durchführung der Grundlagenforschung auch aufgrund der dadurch verbundenen Kosten und Risiken nur von wenigen Unternehmen in der Praxis durchgeführt.[47] Ein wichtiger Vorteil der Grundlagenforschung ist in ihrem systematischen Vorgehen begründet. Forschung, die auf Grundlagenwissen basiert, kann spezielle Versuche von vornherein ausschließen und zeit- und kostenaufwendige Experimente reduzieren. Man kann sagen, dass die Ergebnisse der Grundlagenforschung als Rohstoff für die angewandte Forschung genutzt werden.[48] [44]

3.2.2 Angewandte Forschung

Zum Unterschied zur Grundlagenforschung hat die angewandte Forschung ein bestimmtes Ziel im Visier. Laut der OECD umfasst sie: „...alle Anstrengungen, die auf die Gewinnung neuer Erkenntnisse gerichtet sind. Sie ist jedoch in erster Linie auf ein spezielles, praktisches Ziel oder eine bestimmte Zielrichtung gerichtet.“[49]

Ein wichtiges Ziel ist die Erfindung neuer Produkte, Werkstoffe, Produktionsverfahren, usw., dessen wirtschaftliche Verwertung ein wichtiges Kriterium darstellt. Die Ergebnisse sind sehr häufig patent- oder zumindest gebrauchsmusterfähig, um sie wenigstens für eine Zeit vor der Konkurrenz zu schützen. Im Gegensatz dazu lassen sich neue Erkenntnisse, die auf Grund von Grundlagenforschung entstanden sind, nur meist durch strenge Geheimhaltung sichern.[50]

Ein weiteres Merkmal der angewandten Forschung ist das von vornherein bekannte Ziel, nur der Weg dorthin ist noch ungewiss. Heutzutage ist neben der Erreichung eines gesetzten Zieles auch der schnellste und ökonomischste Weg dorthin von hoher Bedeutung, um konkurrenzfähig zu bleiben.[51]

3.2.3 Entwicklung

Die letzte Phase eines F&E-Projektes wird als Entwicklung bezeichnet, und sie erstreckt sich bis zum Stadium der marktfähigen Reife der Produkte. Diese Phase hat sich zum Ziel gesetzt, die Anwendbarkeit der Erkenntnisse aus der Forschung zu realisieren, also i.w.S. aus technisch funktionierenden Produkten marktfähige Produkte zu konstruieren. Die Übergänge zwischen der angewandten Forschung und dieser letzten Phase sind als fließend anzusehen, da die Entwicklung auf die Ergebnisse der angewandten Forschung aufbaut. In der Entwicklung wird der ökonomische Aspekt mehr betont als der technische, daher steht die Minimierung der Kosten im Vordergrund, um einen absatzfähigen Preis realisieren zu können.[52]

Zur Entwicklung zählen u.a. die Konstruktion, das Design und als ganz wichtiger Punkt die Herstellung und der Betrieb von Prototypen und Versuchsanlagen. Abzugrenzen ist die Entwicklung von der Überwachung des Produktionsprozesses, den Qualitätskontrollen und Materialprüfungen.[53] Für viele Autoren ist jedoch schon die Konstruktion ein eigenständiger Bereich außerhalb der Entwicklung, es besteht also noch kein allgemein gültiger Konsens über die Definition des Entwicklungsbegriffes.[54]

4 F&E-Kooperationen

4.1 Konfigurationsmerkmale von F&E-Kooperationen

Unternehmen haben die unterschiedlichsten Möglichkeiten, wie sie im Bereich F&E zusammen kooperieren können. Anhand eines sogenannten morphologischen Kastens läßt sich eine systematische Aufstellung an Gestaltungsmöglichkeiten von F&E-Kooperationen aufzeigen. Für die Zwecke unserer Untersuchung wird der Begriff F&E-Kooperation folgendermaßen definiert:[55]

„Eine F&E-Kooperation ist eine auf stillschweigender bzw. vertraglicher Vereinbarung beruhende freiwillige Zusammenarbeit zwischen rechtlich und partiell wirtschaftlich selbständig bleibenden Unternehmen. Diese Kooperation dient der gemeinschaftlichen Erfüllung von Teilaufgaben auf dem Gebiet von F&E mit dem Ziel, einen gegenüber dem jeweils individuellen Vorgehen höheren Grad von F&E-Zielen zu erreichen.“[56]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: Morphologischer Kasten zur Bestimmung der F&E-Kooperationsformen

Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Kropeit (1999), S. 32

[...]


[1] Vgl. exemplarisch Justus (1999), S. 15, Kropeit (1999), S. 1, Rotering (1990), S. 2, Bihn (1997), S. 1f.

[2] Vgl. Rotering (1990), S. 2

[3] Vgl. Kropeit (1999), S. 1

[4] Vgl. Rotering (1990), S. 142, Sell (1995), S. 20, Kropeit (1999), S. 269 , Dathe (1999), S. 22

[5] Bidlingmaier, zitiert aus Rotering (1990), S. 39

[6] Benisch (1973), S. 67

[7] Düttmann (1989), S. 73

[8] Vgl. Wöhe (1990), S. 399

[9] Vgl. www.kooperationswissen.de

[10] Vgl. Kropeit (1998), S. 25

[11] Vgl. Justus (1999), S. 25; Düttmann (1989), S. 71 f.; Fratschner (1995), S. 161

[12] Vgl. Düttmann (1989), S. 73; Wöhe (1990), S. 399; Kropeit (1999), S. 27; Rotering (1990), S.41

[13] Vgl. Aulinger: www.aulinger.com: Unternehmenskooperationen: Eine Einführung; Kropeit (1999), S. 25

[14] Vgl. Fratschner (1995), S. 161 f.; Justus (1999), S. 25 f.; Götzelmann (1992), S. 91

[15] Boettcher, in Justus (1999), S. 26

[16] Vgl. Justus (1999), S .26

[17] Beispiele sind finanzielle Abhängigkeiten, Zusammenarbeit aufgrund staatlicher Zwänge, usw.,

vgl. Düttmann (1989), S. 71 f.; Fratschner (1995), S. 162

[18] Vgl. Kropeit (1998), S. 25; Klanke (1995), S. 15 f.

[19] Aulinger: www.aulinger.com : Unternehmenskooperationen: Eine Einführung, Kapitel 2

[20] Konzentrationsarten sind z.B. Konzerne und Fusionen

[21] Vgl. Wöhe (1990), S. 406 f.

[22] Vgl. Dathe (1999), S. 22; Wöhe (1990), S. 418 f.

[23] Wöhe (1990), S. 421

[24] Vereinigung auf gleicher Handels- und Produktionsstufe, ausführliche Darstellung folgt in Abschnitt 4.3.1

[25] Der Wettbewerb stellt eine essentielle Voraussetzung der freien Marktwirtschaft dar.

[26] Vgl. § 5b + §5c GWB

[27] Vgl. Kraege (1997), S. 71 f.

[28] Vgl. Dathe (1999), S. 23

[29] Die Unternehmen befinden sich auf der gleichen Wertschöpfungsstufe.

[30] Vgl. Backhaus (1987), S. 127; Schäfer (1994), S.688

[31] Vgl. Wriebe (2001), S.12

[32] Vgl. Sydow (1991), S. 17 f.

[33] Vgl. Justus (1999), S. 30

[34] Vgl. Wriebe ( 2001), S. 16 f.; Sydow (1991), S. 24

[35] Vgl. Aulinger: www.aulinger.com: Unternehmenskooperationen: Eine Einführung, Kapitel 5

[36] Vgl. Mohe (1999), S.14

[37] Also eine Kooperation unter Konkurrenten.

[38] Vgl. Dathe (1999), S. 22

[39] Zum Vertrauen als Bindungselement wird ausführlich in Kapitel 5 eingegangen.

[40] Die Vorteile von Kooperationen werden in Kapitel 6.1 dieser Arbeit vorgestellt.

[41] OECD, zitiert aus Düttmann (1989), S. 41

[42] Brockhoff (1999), S. 48

Wie mit den Worten „ermöglichen soll“ unterstrichen wird, führen F&E nicht immer zum gewünschten Ziel.

[43] Einteilung in die Phasen Grundlagenforschung, angewandte Forschung und experimentelle Entwicklung.

[44] Weitverbreitet ist in der Literatur ist die schon oben kurz erwähnte Einteilung des F&E-Prozesses in die drei

Phasen: Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Entwicklung, vgl. Düttmann (1989), S. 43 f.;

Kropeit (1999), S. 8. Diese Einteilung des F&E-Prozesses ist im Frascati-Handbuch der OECD festgelegt.

[45] Heuer (1970), S.20

[46] Vgl. Düttmann (1989), S. 44f.

[47] Vgl. Kropeit (1999), S. 9; Brockhoff (1999), S.51f.

[48] Vgl. Düttmann (1989), S.44

[49] OECD, zitiert aus Kropeit (1999), S. 9

[50] Vgl. Kern/Schröder (1977), S. 23

[51] Vgl. Düttmann (1989), S. 46

[52] Vgl. Brockhoff (1999), S. 53; Düttmann (1989), S. 46 f.

[53] Vgl. Kern/Schröder (1977), S. 24; Schätzle (1965), S. 37

[54] Vgl. Kropeit (1999), S. 10

[55] Drei empirische Fallbeispiele bezüglich F&E-Kooperationen von Unternehmen befinden sich im Anhang

dieser Hausarbeit, vgl. Anhang, S. 64 ff

[56] In Anlehnung an Kropeit. Vgl. Kropeit (1999), S. 27

Details

Seiten
71
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638159029
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9109
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Fachbereich 4: Unternehmensführung
Note
1,0
Schlagworte
Kooperationen Forschung&Entwicklung F&E Unternehmensführung Vertrauen

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Titel: Unternehmenskooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung