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„... die Beförderung der Naturwissenschaften...“ - Die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg i. Br. in der Zeit von 1871 – 1914

Seminararbeit 2005 29 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das frühe Vereinswesen
2.1. Das naturwissenschaftliche Vereinswesen im 19. Jahrhundert
2.2. Geschichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i. Br. bis zur Reichsgründung 1871

3. Die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg in der Zeit des Kaiserreiches
3.1. Zunehmende Wissenschaftlichkeit, Professionalisierung und Spezialisierung
3.2. Nähe zur Universität
3.3. Die NFG zwischen Universität und Bürgertum – die öffentliche Darstellung
3.4. Differenzierung der Disziplinen

4. Zusammenfassung

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1. Quellenverzeichnis
5.1.1. Ungedruckte Quellen
5.1.2. Gedruckte Quellen
5.2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vereine sind aus unserem heutigen gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Die naturwissenschaftlichen Vereinigungen sind dabei ein Teil der umfassenden Assoziationsbewegung und stellen einen wesentlichen Faktor im Wissenschaftsleben dar, auch wenn sie noch immer nicht ausreichend untersucht wurden.[1]

Mit dem Begriff der Assoziation entwickelte sich im 18. Jahrhundert eine neue Organisationsform, die sich abhob vom mittelalterlichen Korporationswesen.[2] Werner Conze definiert das moderne Vereinswesen „als vereinbarter Verband", dessen gesatzte Ordnung nur für die Mitglieder galt.[3] Wichtige Elemente waren die freiwillige Vereinigung der Personen und eigene Regeln. Die Entwicklung des Vereinswesens im 18. Jahrhundert war eine Voraussetzung zur Modernisierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert.[4] Beteiligt an diesem Prozess waren zunächst die bürgerlichen Bevölkerungsschichten.

Vereine besitzen zudem eine besondere Rolle, da sie als „intermediäre Systeme fungieren“.[5] In den Vereinen, in denen es zu einem Zusammentreffen gesellschaftlich verschiedener Standespersonen kam,[6] konnten die Mitglieder nicht nur eine eigene Identität entwickeln, sondern es wurden komplexe Verflechtungen zwischen den Individuen hergestellt, die sich zu Großstrukturen der Gesellschaft verbreiten konnten.[7] Mone trennt begrifflich noch in Korporationen und Vereine. Erste sind natürliche Gesellschaften, Vereine künstlich geschaffene.[8] Heute werden Begriffe, wie Verein, Bund, Sozietät, Assoziation und Gesellschaft weitgehendst synonym benutzt.[9]

Das Jahr 1871 erweist sich bei der Themenstellung als doppelt wichtig. Es war zum einen der Zeitpunkt der Reichsgründung und zugleich das 50-jährige Jubiläum der „Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg“.[10] Diese besteht heute noch, tief verankert mit der Universität. Um zu verstehen, wie sich das Vereinswesen nach 1871 entwickelte, scheint zunächst einmal die Entwicklung des frühen Vereinswesens wichtig. Die Vereinsgeschichte der NFG selbst wurde bereits zu den großen Jubiläen durch August Gruber 1891 und Ludwig Neumann 1921 ausführlich dokumentiert.[11] Deren Veröffentlichungen bilden eine wichtige Grundlage dieser Arbeit. Deshalb soll hier, im Hinblick auf das Thema, nur einführend auf die Gründungsgeschichte bis 1871 eingegangen werden.

Hier soll eine differenzierte Betrachtung der Vereinsgeschichte erfolgen. Neumann und Gruber beschrieben vornehmlich die großen Ereignisse und Verdienste des Vereins, wie es bei Festzeitungen üblich war. Insgesamt wird bei ihnen die NFG als eine selbständige und ehrenhafte Organisation beschrieben, mit einem hohen Einfluß im Freiburger Wissenschaftsleben. Die Vermutung liegt nahe, daß die Mitgliedschaft eng an die Berufung des Universitätsdozenten gekoppelt war, da am Anfang und in der Folgezeit diese die NFG bestimmten, wie ein Blick in die ausführlich aufgearbeiteten Mitgliederlisten bei Neumann und Gruber zeigen. Durch die gemeinsame Arbeit im Verein verfestigte sich die Struktur der naturwissenschaftlich arbeitenden Dozenten. Zudem kam es durch die doppelte institutionelle Verankerung innerhalb der NFG zu einer Anpassung an den universitären Organisationsablauf. Somit würde sich zeigen, daß die Gesellschaft weniger selbständig war als es in den Jubiläumsschriften beschrieben wurde.

Die Universität unterlag im späten 19. Jahrhundert starken Veränderungen, wie Differenzierungs- und Spezialisierungsprozessen. Wenn diese bei der NFG ebenfalls zu beobachten wären, würde das noch einmal den dominanten Einfluß der Institution Universität auf den Verein beweisen. Deshalb scheint es wichtig, bestimmte Veränderungen innerhalb der Organisation der NFG näher zu untersuchen. Das wären zum einen interne Prozesse, wie die zunehmende Verwissenschaftlichung oder die Herauslösung der medizinischen Abteilung aus der NFG. Da sich in dieser ein Großteil des Freiburger Bürgertums widerspiegelte, soll in einem weiteren Kapitel betrachtet werden, wie genau sich die Gesellschaft zwischen Universität und Bürgertum positionierte und wie sie sich selber öffentlich darstellte.

2. Das frühe Vereinswesen

Der Beginn des Vereinswesen lag im 17. Jahrhundert, in den Sprachgesellschaften, Akademien und anderen Gelehrtensozietäten, während ab dem 18. Jahrhundert die frühen Vereine das Sozietätsbild bestimmten.[12] Bereits zum Ende des 19. Jahrhundert war es selbstverständlich, daß sich jeder Bürger, zur Verfolgung und Verwirklichung irgendwelcher Ziele oder Interessen, zu Gruppen oder Vereinen zusammenschloß.[13] Der Verein diente zur Erlernung von Konfliktaustragung und –regulierung in einer Zeit, in der sich der Staat erkennbar aus gesellschaftsordnenden Funktionen zurückzog. In dieser Phase der Dekorporierung konnte der Staatsbürger diese Lücke schließen, indem er sich z.B. in Assoziationen selbst organisierte.[14] Der Verein entwickelte sich so zum Strukturprinzip der industriebürgerlichen Gesellschaft,[15] in der sich die Ebenen des Privaten und des Öffentlichen miteinander verbanden.[16]

„Erst gegen das Ende dieses Zeitraums [d. Verfasser: gemeint war die Auflösung des Reiches um 1806] tritt der Gedanke der modernen freien Assoziationen in seinen Anfängen auf, um dann in unserem Jahrhundert eine so gewaltige umbildende und neuschaffende Kraft zu entwickeln, daß es gerechtfertigt erscheint, in ihm das gestaltende Prinzip der fünften Periode, in deren Beginn wir stehen, zu erblicken.“[17]

Zu Zeiten Gierkes stand die Vereinsbewegung noch am Anfang ihrer Entwicklung, doch war, trotz dessen neuem Wesen, ihr Aufstieg und zunehmender Einfluß schon den Zeitzeugen durchaus bewußt.[18] Nach der Reichsgründung ließ die Vereinseuphorie stark nach,[19] was aber nicht heißt, daß die Quantität abnahm. Es kam weiterhin zu einer Vielzahl von Neugründungen, so daß der Bürger des 19. Jh. geradezu zum „Vereinsmensch in einem fürchterlichen, nie geahnten Maße“ wurde.[20]

2.1. Das naturwissenschaftliche Vereinswesen im 19. Jahrhundert

Die älteste naturwissenschaftliche Vereinigung auf späterem deutschen Reichsgebiet war die 1622 in Rostock privat gegründete „Societas Ereunetica“.[21] Sie existiert heute noch als „Deutsche Akademie der Naturforscher“, kurz „Leopoldina“ genannt. Bereits zum Ende des 18. Jahrhunderts entstanden in weiteren Städten privat initiierte naturforschende Gesellschaften[22]. Diese hatten durch Pflege und Befriedigung der naturkundlichen Interessen zum einen die Selbstbildung und Selbstkultivierung der Mitglieder zum Ziel, meistens durch den Aufbau einer eigenen naturwissenschaftlichen Sammlung.[23] Zum anderen wirkten sie durch öffentliche Belehrung nach außen auf die bürgerliche Gesellschaft.

Vom 17. bis zu den grundlegenden Reformen der Universitäten im 19. Jahrhundert[24] fanden die Wissenschaftler in den Sozietäten eine höhere wissenschaftliche Genugtuung als an den Hochschulen. Die Vereinigungen bildeten durch die regionale Zersplitterung ein weitaus größeres Gesellschaftsnetz als in den anderen europäischen Staaten. Durch Mehrfachmitgliedschaften der Universitätsprofessoren in unterschiedlichen Sozietäten und Städten läßt sich sogar von der Entstehung eines frühen Bildungsnetzwerkes sprechen.[25] Ein kurzer Einblick für Freiburg läßt sich bei C. Jäger gewinnen, der zu einzelnen Professoren kurzgefaßte Lebensläufe schrieb. Bei den Universitätsprofessoren, die zugleich auch Mitglied in der NFG waren, fällt auf, daß sie immer auch weiteren Vereinigungen angehörten.[26]

2.2. Die Geschichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i. Br. bis zur Reichsgründung 1871

Die NFG wurde am 06. August 1821 auf Initiative von 16 Freiburger Bürgern unter dem Namen „Gesellschaft zur Beförderung der Naturwissenschaften“ gegründet. Die Stifter waren Baader, von Beck, Buchecker, Buzengeiger, Ecker, Haller, von Ittner, Keller, Kern, Perleb, Schmiderer, Schultze, Schütz, von Wänker, Weber, Wucherer. Vorbilder waren die bereits bestehende „große Zahl vaterländischer Vereine ähnlicher Art“[27] und andere wissenschaftliche Vereine in England.[28] Aber bereits vor diesem Gründungsdatum muß es zwischen einigen Stiftern engere Kontakte gegeben haben. Gruber berichtet von „früheren Versammlungen“[29], in denen die Errichtung einer Gesellschaft besprochen wurde. Bei der Gründung und in der Folgezeit schien Prof. Alfred Schultze einer der wichtigen Initiatoren gewesen zu sein. Er wurde zum ersten Sekretär der NFG gewählt.[30]

Bis zur Mitte des 19. Jahrhundert existierte kein kodifiziertes Vereins- oder Versammlungsrecht. So war die Vereinsgründung und eine eventuelle Änderung der Statuten auf die jederzeit widerrufbare Genehmigung des Landesherren angewiesen.[31] Gerade die Protektion des Landesfürsten schien für damalige Vereinsgründungen aus mehreren Gründen sehr wichtig gewesen zu sein.[32] In der Gesellschaftsgeschichte wird sie immer wieder erwähnt.[33] So wurde das Stiftungsfest der NFG seit 1827 auf den Namenstag des jeweiligen Großherzogs verlegt. Die Protektion schien eine rechtliche Funktion innegehabt zu haben, neben der Ehrerbietung für den Landesfürsten.[34] Mit dieser fördernden Anteilnahme des Landesfürsten kam es zu einer Kooperation mit der Staatsregierung.[35]

Zentrales und durchgängiges Ziel der NFG war „die Beförderung der Naturwissenschaften“.[36] Die Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, veränderten sich bis 1871 entscheidend. Das zentrale Mittel war und blieb die „wechselseitige Belehrung über die neusten Entdeckungen und Untersuchung der nächsten Umgegend“.[37] Das geschah vor allem durch die Vorträge und Mitteilungen in den Versammlungen. Bis zur Neukonstituierung 1846[38] gehörte auch der Aufbau einer eigenen naturkundlichen Sammlung sowie die Einrichtung und Erweiterung einer eigenen Bibliothek zu den Zielen.[39] Mit der Sammlung trat der Forscher in Auseinandersetzung mit seinen Vorgängern, denn um eine bestehende Sammlung nutzen zu können, bedurfte es der genauen Kenntnis um deren Systematik.[40] Von diesem Mittel der wissenschaftlichen Arbeit distanzierte man sich ab der Neugründung immer weiter, auch wenn sich der Wandel nicht sofort vollzog.[41] Der Grund für die Veränderung lag in der allgemeinen Umorientierung der Naturforschung ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Gegensatz zur Naturgeschichte, charakterisiert durch das Ordnungsprinzip von Sammeln, Aufbewahren und Verzeichnen, wendete man sich nun eher experimentellen und quantitativen Methoden zu.[42] Das Vorhandensein von Sammlung oder Bibliothek war somit nicht mehr zwingend notwendig. Priorität hatte nun vor allem, daß „alles Neue so rasch als möglich zu erfahren und zu verwerthen“[43] sei.

Die Veröffentlichung einer eigenen Zeitschrift wurde, neben der gegenseitigen Belehrung, zu einem wichtigen Instrument der öffentlichen wissenschaftlichen Arbeit der Gesellschaft.[44] Die ersten Publikationen der NFG wurden als „Beiträge zur Rheinischen Naturgeschichte“ 1849-1853 in eigener Regie herausgegeben. Sie sollten die Arbeit bereits bestehender naturhistorischer Vereine in Baden bündeln und damit die Lücke von Veröffentlichungen in diesem Raum schließen.[45] Man sah sich als ein Teil der badischen Naturwissenschaft, mehr noch, man beanspruchte, durch den Beginn der eigenen Publikation, eine führende Rolle im Großherzogtum.

[...]


[1] Vgl. Helmut Siefert, Das naturwissenschaftliche und medizinische Vereinswesen im deutschen Sprachgebiet (1750-1850), Hannover 1969, S. 6. Sieferts Darstellung ist die einzige über die Entwicklung des naturwissenschaftlichen und medizinischen Vereinswesen für die Zeit von 1750-1850. Für die folgende Zeit existiert bis heute kein vergleichbarer Überblick, lediglich eine große Anzahl von historischen Darstellungen einzelner Vereine. Weiter grundlegend für die Entwicklung des allgemeinen Vereinswesens Thomas Nipperdey, Verein als soziale Struktur in Deutschland im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Eine Fallstudie zur Modernisierung I, in: Gesellschaft, Kultur, Theorie. Gesammelte Aufsätze zur neueren Geschichte, hg. von ders.., Göttingen 1974 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 18), S. 175-205. Zum politischen Vereinswesen Otto Dann, Die Anfänge politischer Vereinsbildung in Deutschland, in: Soziale Bewegung und politische Verfassung. Beiträge zur Geschichte der modernen Welt, hg. von Ulrich Engelhardt u.a., Stuttgart 1976, (S. 197-232).

[2] Von Zeitzeugen wurde der Entwicklung des Vereinswesens zugetraut, daß sie die Korporationen auflösen und so die bis dahin existierende Einteilung des Volkes aufheben konnten. Vgl. Mone, Ueber das deutsche Vereinswesen, in: Deutsche Vierteljahrsschrift, 10. Jg., (1840), 3. Heft, (S. 287-330), S. 294f..

[3] Vgl. zu dieser Definition Werner Conze, Der Verein als Lebensform des 19. Jahrhunderts, in: Die innere Mission, Bd. 50 (1960), (S. 226-234), S. 226f.; ähnlich Otto Dann, Anfänge politischer Vereinsbildung, S. 198f..

[4] Neben den Assoziationen führten zudem die Eigeninteressen des Staates zu einer Modernisierung, vgl. Friedrich H. Tenbruck, Modernisierung – Vergesellschaftung – Gruppenbildung – Vereinswesen, in Gruppensoziologie. Perspektive und Materialien, hg. von Friedhelm Neidhardt, (Sonderhefte der KZSS, Heft 25 (1983)), (S. 65-74), S. 74.

[5] Siewert, H.-Jörg, Zur Thematisierung des Vereinswesens in der deutschen Soziologie, in Vereinswesen und bürgerliche Gesellschaft in Deutschland, hg. von Otto Dann, München 1984 (HZ Beihefte; Heft 9), (S. 151-180), S. 172.

[6] Vgl. Dann, Anfänge politischer Vereinsbildung, S. 199f..

[7] Vgl. Siewert, Thematisierung des Vereinswesens, S. 172.

[8] Vgl. Mone, Ueber das deutsche Vereinswesen, S. 294f..

[9] Diese gleichbedeutende Verwendung der Begriffe soll im folgenden verwandt werden. Vgl. zur sprachlichen Entwicklung der Begriffe z.B. Otto Dann, Vereinsbildung in Deutschland in historischer Perspektive, in: Vereine in Deutschland. Vom Geheimbund zur freien gesellschaftlichen Organisation, hg. von Heinrich Best, Bonn 1993, (S. 119-142), S. 126.

[10] Aus Gründen der Vereinfachung wird die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg in weiterer Folge mit NFG abgekürzt.

[11] Gruber, August (Hg.), Die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg i. B. in den siebzig Jahren ihres Bestehens. Nebst einem Register ihrer sämtlichen Publicationen und einem Mitgliederverzeichnisse, in: Ber. der Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i. Br., 5. Bd. (1891), S. 200-276 und Ludwig Neumann (Hg.), Die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg i. Br. in den hundert Jahren ihres Bestehens 1821 – 1921, Freiburg 1921.

[12] Vgl. Siewert, Thematisierung des Vereinswesens, S. 154f..

[13] Vgl. Tenbruck, Modernisierung, S. 74.

[14] Zu den soziologischen Betrachtungen des Vereinswesens vgl. Tenbruck, Modernisierung und ebd., Friedrich H., Freundschaft. Ein Beitrag zu einer Soziologie der persönlichen Beziehungen, in: KZSS, 16. Jahrgang (1964), (S. 431-456), S. 436f..

[15] Besonders die sich rasch beschleunigende Industrielle Revolution in den deutschen Ländern nach 1850 setzte einen schnellen Konjunkturaufschwung in Gange, die zu einer Beschleunigung der Organisationsbewegung führte. So kam es nach der Jahrhundertmitte zu einem starken Aufschwung im Vereinswesen. Vgl. Tenfelde, Modernisierung, S. 68f

[16] Vgl. Friedrich Schmoll, Erinnerung an die Natur. Die Geschichte des Naturschutzes im deutschen Kaiserreich, Frankfurt/ New York 2004 (Geschichte des Natur- und Umweltschutzes, Bd. 2), S. 181f..

[17] Otto von Gierke, Rechtsgeschichte der deutschen Genossenschaft, (Das Deutsche Genossenschaftsrecht, 1. Bd.), Berlin 1868, S. 638.

[18] Vgl. ebd., S. 652; dazu auch Mone, Ueber das deutsche Vereinswesen, S. 287, der das Vereinswesen bereits um 1840 als Erscheinung charakterisierte, welches sich dazu eigne, die damalige Zeit von allem Vergangenen abzuheben.

[19] Vgl. Klaus Tenfelde, Die Entfaltung des Vereinswesens während der industriellen Revolution in Deutschland (1850-1873), in: Vereinswesen und bürgerliche Gesellschaft in Deutschland, hg. von Otto Dann, München 1984 (HZ Beihefte, Beiheft 9), (S. 56-114), S. 56.

[20] Weber, Max, Geschäftsbericht, in: Verhandlungen des 1. Deutschen Soziologentages vom 19. bis 22. Okt. 1910 in Frankfurt a.M., Tübingen 1911, S. 52-62, S. 52.

[21] Vgl. zum frühesten wissenschaftlichen Vereinswesen und deren Veröffentlichungen Siefert, Das naturwissenschaftliche Vereinswesen, S. 18-59 und Martha Ornstein, The Role of the Scientific Societies in the Seventeenth Century, New York 1913.

[22] So z.B. 1773 Naturforschenden Freunde in Berlin, 1779 Halle, 1789 Leipziger Linneische Sozietät, 1793 Jena. Vgl. zu den einzelnen Sozietäten Holger Zaunstock, Untersuchungen zur Struktur naturforschender Gesellschaften im 18. Jahrhundert: Die Sozietäten in Halle, Leipzig und Jena, in: Naturwissenschaften um 1800. Wissenschaftskultur in Jena-Weimar, hg. von Olaf Breidbach und Paul Ziche, Weimar 2001, S. 155-175; zur Geschichte der Naturforschenden Freunde zu Berlin Katrin Böhme, Im Tempel der Natur. Naturgeschichte, Esoterik und Traditionen in der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin, in: Sozietäten, Netzwerke, Kommunikation. Neue Forschungen zur Vergesellschaftung im Jahrhundert der Aufklärung, hg. von Holger Zaunstöck und Markus Meumann, Tübingen 2003 (Hallesche Beiträge zur Europäischen Aufklärung, Bd. 21), S. 57-83.

[23] Vgl. Mone, Ueber das deutsche Vereinswesen, S. 327.

[24] 1832 beschloß die Regierung in Karlsruhe die Schließung der Freiburger Universität, was aber dann aber letztendlich abgewendet wurde. Folge waren die umfassende Reorganisation der Universitätsstruktur. Rektor und Senat wurden durch die Regierung ernannt. Vgl. Eduard Seidler, Die Medizinische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. Grundlagen und Entwicklungen, Berlin 1991, S. 115; dazu auch Robert E. Schofield, Histories of Scientific Societies: Needs and Opportunities for Research, in: History of Science, No. 2 (1963), S. 70-83.

[25] Vgl. zur Entstehung von Bildungsnetzwerken Paul Ziche, Peter Bornschlegell, Überregionale Wissenschaftskommunikation um 1800. Briefe und Reisen einer Jenaer Wissenschaftsgesellschaft, in: Sozietäten, Netzwerke, Kommunikation. Neue Forschungen zur Vergesellschaftung im Jahrhundert der Aufklärung, hg. von Holger Zaunstöck und Markus Meumann, Tübingen 2003 (Hallesche Beiträge zur Europäischen Aufklärung, Bd. 21), (S.251-268), S. 267f.; Richard van Dülmen, Die Gesellschaft der Aufklärer, Frankfurt a.M. 1996 (durchgesehene Neuausgabe von 1986), S. 129-132.

[26] Vgl. C. Jäger, Literärisches Freiburg im Breisgau oder Verzeichnis der gegenwärtig zu Freiburg im Breisgau lebenden Schriftsteller, mit Angabe der Hauptzüge ihrer Laufbahn und den von ihnen im Druck erschienenen Schriften, Freiburg 1839.

[27] Vgl. Erster Jahresbericht der Gesellschaft für Beförderung der Naturwissenschaften zu Freiburg vom 6. August 1821 bis 6. August 1822, Freiburg 1822.

[28] In England existierten bereits zum Ende des 17. Jahrhundert freie Assoziationen mit freiwilligem Aus- und Eintritt, wobei die „Royal Society for the improvement of natiral knowledge“ die bekannteste war. Kennzeichen dieser frühen Assoziationen war schon damals der Zusammenschluß von Personen zu einem selbstgesetzten Zweck. Sie bildeten einen ersten organisatorischen Rahmen für den folgenden sozialen Strukturwandel, vor allem während der Industriellen Revolution. Vgl. zu der frühen Entwicklung des Vereinswesens in England Adolf M. Birke, Voluntary Associations. Aspekte gesellschaftlicher Selbstorganisation im frühindustriellen England, in: Gesellschaftliche Strukturen als Verfassungsproblem. Intermediäre Gewalten, Assoziationen, öffentliche Körperschaften im 18. und 19. Jahrhundert, Berlin 1978 (Beihefte zu „Der Staat“; Heft 2), S. 79-91.

[29] Gruber, 70 Jahre NFG, S. 201.

[30] Der Sekretär galt damals als der Repräsentant der Gesellschaft, vergleichbar mit der Rolle des Präsidenten.

[31] Vgl. Siefert, Das naturwissenschaftliche Vereinswesen, S. 46-49.

[32] Die Protektion wurde der NFG auf Antrag vom Landesherren Großherzog Ludwig I. von Baden ausgesprochen. Danach durfte die Gesellschaft ihre Gesetze drucken und ein eigenes Sigel führen. Vgl. Böhme, Tempel der Natur, S. 63 und Dann, Anfänge politischer Vereinsbildung, S. 215.

[33] Der Fünfte Jahresbericht der NFG weist auf das Protektorat der Staatsbehörden bzw. des Großherzogs hin: „Die Gnade der höchsten Staatsbehörden hat sich durch fortwährenden Schutz und namentlich die Huld Sr. Kön. Hoheit des Großherzogs durch gnädigste Uebernahme des Protectorats der Gesellschaft und fortwährenden Antheil an ihren Leistungen auf die erfreulichste Weise ausgesprochen“. Vgl. Fünfter Jahresbericht der Gesellschaft für Beförderung der Naturwissenschaften zu Freiburg vom 6. August 1825 bis 6. August 1826, Freiburg 1826.

[34] Vgl. Gierke, Rechtsgeschichte, S. 652.

[35] Vgl. Conze, Verein als Lebensform, S. 227.

[36] Vgl. dazu die einzelnen § 1 in den einzelnen Gesetzen der NFG, abgedruckt bei Gruber, 70 Jahre NFG und Neumann, 100 Jahre NFG.

[37] Vgl. Erster Jahresbericht der NFG.

[38] Vgl. zur Neugründung Fußnote 51.

[39] In den ersten Jahresberichten werden besonders die Erweiterungen der Naturaliensammlung, so mit Kaiserstühler Mineralien und einheimischen Pflanzen angestrebt. Vgl. z.B. Zweiter Jahresbericht der Gesellschaft für Beförderung der Naturwissenschaften zu Freiburg vom 6. August 1822 bis 6. August 1823, Freiburg 1828.

[40] Die großen naturkundlichen Sammlungen waren die Nachfolger der Naturalienkabinette des 18. Jahrhundert In diesen sollten möglichst alle Formen der Natur (Mineralien, Pflanzen, Tiere) in einer Ordnung dargestellt werden, entsprechend der Tradition der Naturgeschichte. Vgl. Böhme, Im Tempel der Natur, S.77-79.

[41] Noch 1849 wurde die Sammlung von wissenschaftlichem Material weiterhin als eine der vorrangigsten Aufgaben der NFG betrachtet. Vgl. Beiträge zur Rheinischen Naturgeschichte, Bd. 1 (1849), S. III f..

[42] Vgl. Katrin Böhme, Die Gesellschaft Naturforschende Freunde zu Berlin, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte, Bd. 24 (2001), (S. 271-283), S. 276; Rudolf Stichweh, Wissenschaftliche Disziplinen: Bedingungen ihrer Stabilität im 19. und 20. Jahrhundert, in: Sozialer Raum und akademische Kulturen. Studien zur europäischen Hochschul- und Wissenschaftsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, hg. von Jürgen Schriewer u.a., Frankfurt a.M. u.a. 1993 (Komparatistische Bibliothek, Bd. 3), (S. 235-250), S. 240. Zum Wertewechsel in der Naturwissenschaft vgl. auch das ausführliche Werk von Wolf Lepenies, Das Ende der Naturgeschichte, München 1976.

[43] Vgl. Gruber, 70 Jahre NFG, S. 31.

[44] Bereits in den ersten Jahren war die Veröffentlichung ein Ziel. So wurde im fünften Jahresbericht bereits die Veröffentlichung des ersten Bandes der Abhandlungen für das Jahr 1827 angekündigt, was aber nie stattfand. Vgl. Fünfter Jahresbericht.

[45] In Baden existierten bereits einige naturhistorische Vereine, die eigene Veröffentlichungen herausbrachten. Vgl. Vorrede in Beiträge zur Rheinischen Naturgeschichte, Bd. 1, S. III-VI.

Details

Seiten
29
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638045674
ISBN (Buch)
9783638941471
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91116
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Historisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Beförderung Naturwissenschaften Naturforschende Gesellschaft Freiburg Zeit Hauptseminar

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Titel: „... die Beförderung der Naturwissenschaften...“ - Die Naturforschende Gesellschaft zu Freiburg i. Br. in der Zeit von 1871 – 1914