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Schule und Mehrsprachigkeit

Hausarbeit 2008 17 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zielsetzung der Arbeit

2 Definition grundlegender Begriffe
2.1 Sprache
2.2 Mehrsprachigkeit
2.3 Migration

3 Sprache und Gesellschaft

4 Mehrsprachigkeit in der Schule
4.1 Umgang mit Mehrsprachigkeit bei Schülern mit Migrationshintergrund
4.2 Erziehung zu Mehrsprachigkeit

5 Chancen durch Mehrsprachigkeit

6 Fazit

1 Zielsetzung der Arbeit

Unabhängig davon, ob man anerkennt, längst in einer Einwandererge- sellschaft zu leben, entspricht es der in Europa heute geltenden gesell- schaftliche Realität, Mehrsprachigkeit bei einem Großteil der Bevölke- rung voraus zu setzen (Helfrich/Riehl, 1994, S. 1ff.). Wie diese Mehr- sprachigkeit aussieht, differiert stark von Individuum zu Individuum. Dennoch kennt jeder Situationen, in denen er auf unterschiedliche „Sprachen“ zurückgreift. Im Beruf wird man andere sprachliche Aus- drucksweisen benutzen als privat in der Freizeit. Im Herkunftsort spricht man möglicherweise einen anderen Dialekt als in der Wahlheimat (Sie- bert-Ott, 2001, S. 25).

Darüber hinaus ist es verstärkt anzutreffen, dass Kinder bereits mit mehr als einer Muttersprache aufwachsen. Auf diese Entwicklung zu reagieren, ist eine wichtige Aufgabe der Gesellschaft und vor allem der Schule als wichtigster Bildungsinstitution.

Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass jedes Kind dieselben sprachlichen Voraussetzungen mitbringt, um dem Unterricht folgen zu können, so dass sich hieraus Konsequenzen für die Unterrichtsgestal- tung für die gesamte Lerngruppe ergeben. Darüber hinaus stellt die Möglichkeit, in mehr als nur einer Sprache kommunizieren zu können, eine wichtige Voraussetzung dafür dar, an einer globalisierten Gesell- schaft erfolgreich partizipieren zu können, d.h. Mehrsprachigkeit wird mittlerweile auch als Erziehungsziel für alle Schüler entdeckt.

Diese beiden Aspekte der Mehrsprachigkeit werden im Rahmen dieser Arbeit untersucht. Hierzu wird zunächst ein Gerüst grundlegender Beg- riffe vorgestellt, die im weiteren Verlauf der Arbeit vorausgesetzt wer- den. Daran anschließend werden die Zusammenhänge von Sprache und Gesellschaft kurz dargelegt. Im darauf folgenden vierten Kapitel wird der Umgang mit Mehrsprachigkeit in der Schule erläutert, wobei zwei Blickrichtungen behandelt werden: zum einen wird „mitgebrachte“ Mehrsprachigkeit von Kindern mit Migrationshintergrund betrachtet, zum anderen wird die Erziehung zur „erwünschten“ Mehrsprachigkeit erörtert. Das anschließende Kapitel hat die Chancen, die sich durch Mehrsprachigkeit ergeben, zum Thema. Ein Fazit schließt die Arbeit ab.

Im Folgenden werden häufig männliche Formen beispielsweise für Be- rufsbezeichnungen verwendet, um den Lesefluss nicht zu hemmen. Gemeint sind in diesen Fällen natürlich stets beide Geschlechter.

2 Definition grundlegender Begriffe

Im Rahmen dieser Arbeit werden einige Begriffe als bekannt vorausgesetzt. Die zentralen Ausdrücke sind im Folgenden definiert.

2.1 Sprache

Die genaue Abgrenzung einer Sprache ist relativ schwierig und wissen- schaftlich kaum eindeutig zu lösen. Die Grenze zwischen Dialekt und Sprache verläuft zum Teil fließend. Hier werden unter Sprachen natürli- che Sprachen des Menschen, die als Mittel zur Kommunikation einge- setzt werden.

Darüber hinaus wird der Begriff in dieser Arbeit in unterschiedlichen Zusammenhängen benutzt.

Als Nationalsprache wird im Folgenden die offizielle Sprache eines Staates bezeichnet, bei der davon ausgegangen wird, dass sie von der Mehrheit der Bevölkerung gesprochen und überwiegend genutzt wird. Ein Staat kann - wie beispielsweise die Schweiz - auch mehrere Nati- onalsprachen haben, was jedoch nichts an der Sonderstellung dieser Sprache(n) im Vergleich zu allen anderen im Land gesprochenen Spra- chen ändert. Andere Sprachen können von Einwanderern mitgebrachte oder schon lange im Land vorhandene Minderheitensprachen wie bei- spielsweise das Sorbische sein. Diese Sprachen unterscheiden sich vor allem im fehlenden offiziellen Status von den Nationalsprachen, zum Teil auch in der Verbreitung.

Der Begriff der Sprache wird weiterhin zur Unterscheidung der unter- schiedlichen Sprachkompetenzen Mehrsprachiger genutzt. Als Erst- oder Muttersprache wird die zuerst gelernte, in der Familie gesproche- ne Sprache bezeichnet. Dies deckt sich bei Migranten häufig, jedoch nicht immer, mit der Herkunftssprache, da letzterer Begriff in zwei un- terschiedlichen Bedeutungen verwendet wird: zum einen synonym mit dem Begriff der Muttersprache, zum anderen zur Bezeichnung der Na- tionalsprache des Herkunftslandes der Migranten. Diese muss jedoch nicht mit der Erstsprache identisch sein, da auch im Herkunftsland Mehrsprachigkeit existieren kann. Um die Begriffe sauber zu trennen, wird daher im Folgenden wo möglich auf den Begriff der Herkunftsspra- che verzichtet.

Als Zweitsprache wird in dieser Arbeit die Sprache bezeichnet, die die Mehrsprachigkeit einer Person begründet, jedoch nicht die Mutterspra- che ist. Dies kann die Nationalsprache eines Landes sein oder auch ei- ne in der Schule erlernte Sprache (Gogolin, 2007, S. 15ff., Graf, 1987, S. 21 ff.).

2.2 Mehrsprachigkeit

Der Begriff der Mehrsprachigkeit besitzt zwei unterschiedliche Dimensi- onen: zum einen wird damit eine individuelle Fähigkeit bezeichnet, sich in mehr als einer Sprache zu verständigen. Das Ausmaß der sprachli- chen Kompetenz ist dabei nicht festgelegt: sowohl Menschen, die meh- rere Sprachen durch Kontakt parallel erlernt haben und in (annähernd) fließend beherrschen (erworbene Mehrsprachigkeit), als auch Schüler, die gerade am Anfang des Erlernens einer Fremdsprache stehen und nur einige grundlegende Begriffe kennen (erlernte Mehrsprachigkeit), gelten in der Literatur als mehrsprachig (Graf, 1987, S. 18ff.). Beide Ausprägungen werden in dieser Arbeit eine Rolle spielen: zum einen im Hinblick auf den Umgang mit „mitgebrachter“ Mehrsprachigkeit, zum anderen hinsichtlich einer gewünschten Mehrsprachigkeit, auf die die Schule vorbereiten soll.

Die zweite Dimension des Begriffs Mehrsprachigkeit bezeichnet die Verbreitung und Nutzung von mehr als einer Sprache innerhalb eines gesellschaftlichen Raums im Sinne des Satzes „In nahezu allen Staaten der Welt existiert Mehrsprachigkeit.“ (Christ, 1998, S. 337).

2.3 Migration

Migration spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung des gesellschaft- lichen Phänomens Mehrsprachigkeit. Im Rahmen dieser Arbeit wird vor allem die Arbeitsmigration betrachtet, da diese den größten Anteil der Migration stellt. Als Arbeitsmigration wird der Zuzug in ein Land zur Ar- beitsaufnahme und in deren Folge bezeichnet. Arbeitsmigranten sind dabei nicht nur die ausländischen Arbeitssuchenden selbst, sondern auch eventuell nachgeholte Familien. Meist werden Personen aus den so genannten Anwerbeländern wie beispielsweise Portugal und der Türkei als Arbeitsmigranten bezeichnet (Gogolin, 2007, S. 15, Siebert- Ott, 2001, S. 9ff.).

3 Sprache und Gesellschaft

Welch hohe Bedeutung der Sprache für das Zurechtkommen innerhalb einer Gesellschaft zukommt, merkt man spätestens, wenn man plötzlich keine Möglichkeit der Teilhabe mehr hat: kann man im fremdsprachigen Ausland die Straßenschilder nicht mehr lesen, die Anweisungen von staatlicher Seite nicht mehr verstehen und sich nicht um Rat bittend an einen Mitmenschen wenden, so erfährt man aus erster Hand die enge wechselseitige Beziehung von Sprache und Gesellschaft. Ohne Kom- munikation ist ein gesellschaftliches Miteinander von Menschen nicht denkbar - und diese Kommunikation läuft sehr häufig über Sprache ab. Dies trifft vor allem dann zu, wenn es sich um offizielle Kommunikation mit staatlichen Institutionen und Behörden handelt.

Kompliziert wird diese Beziehung zwischen Sprache und Gesellschaft vor allem dadurch, dass auch die Sprache, die als Mittel der Kommuni- kation dient, von der jeweiligen Gesellschaft abhängt, in der man sich gerade befindet. Vor allem in Europa definieren sich Staaten über die in ihnen gesprochenen Sprachen (Oberndörfer, 2005, S. 231), wobei der Fall, dass nur eine Sprache Nationalsprache ist, in Europa sogar noch verbreiteter ist. Dies ist die direkte Folge einer historischen Entwicklung, im Rahmen derer die Staatenbildung sich an völkischem Nationalismus orientierten. Die Staatenbildung des 19. Jahrhunderts hatte als Ziel, einzelnen Volksgruppen jeweils souveräne Staatsgebilde zur Verfügung zu stellen. Der Staat wurde mit der Nation gleichgesetzt, und die Nation definierte sich unter anderem und im Besonderen über die Sprache (O- berndörfer, 2005, S. 231f.). Die Vorstellung, dass die vornehmliche Be- herrschung einer Sprache durch alle Einwohner innerhalb eines geo- graphischen Gebietes und vor allem innerhalb von Staatsgrenzen der Normalfall sei, ist heute vorherrschend, wobei die Entwicklung hierhin relativ neu ist und - wie oben beschrieben - aus dem 19. Jahrhundert stammt. Vor dieser Entwicklung - und in vielen Teilen der Welt auch heute noch - galt und gilt dagegen die Koexistenz mehrerer Sprachen als Normalfall.

Im heutigen Deutschland dagegen wird üblicherweise unterstellt, dass die Bevölkerung vornehmlich eine Sprache, und zwar das Deutsche, spricht. Dies hat weit reichende Konsequenzen, vor allem da diese An- nahme häufig nicht der gesellschaftlichen Realität entspricht. Ohne die Nationalsprache sicher zu beherrschen, hat man nicht die Möglichkeit, an der Gesellschaft teilzuhaben, sei es im Umgang mit Behörden oder im Kontakt mit Mitmenschen beispielsweise in der Schule.

Hierbei ist besonders hervorzuheben, dass Migranten nicht nur zwi- schen zwei Sprachen, sondern oft gleichsam zwischen zwei Kulturen leben, wenn die Herkunfts- und die Aufnahmegesellschaft hierin unter- schiedlich sind. Auch hier spielt die Sprache eine besondere Rolle: durch sie wird das Wissen vermittelt, dass im alltäglichen Gebrauch notwendig ist. Wenn also die Sprachkenntnisse des Einwandererlandes fehlen und es in dieser Gesellschaft auch keine alternative Möglichkeit zur sprachlichen Teilhabe gibt, so werden die Wertvorstellungen aus dem Herkunftsland stets größere Bedeutung haben (Luchtenberg, 1995, S. 61ff.).

Darüber hinaus ist auch das gesellschaftliche Ansehen stark von sprachlichen Fähigkeiten vor allem in der Nationalsprache des Landes geprägt. Die unterschiedlichen Sprachen, die in einer Gesellschaft ge- sprochen werden, sind mit verschiedenen Prestiges verbunden. Das einer Sprache unterstellte Prestige wird im Allgemeinen auf den Spre- cher übertragen. Welches Prestige eine Sprache hat, ist gesellschaftli- chen Wandlungen unterworfen und hängt von unterschiedlichen Fakto- ren ab. Die Machtverteilung innerhalb der Gesellschaft übt den wich- tigsten Einfluss auf das Prestige einer Sprache aus. Die Sprache der Herrschenden ist üblicherweise die Sprache mit dem höchsten Anse- hen innerhalb einer Gesellschaft, insofern nicht innergesellschaftliche Konflikte dem entgegen wirken. Gesellschaftliches Ansehen kann vor allem erreicht werden, indem die Sprache mit dem höchsten Prestige erlernt wird. Dies ist in Westeuropa, aber auch in den meisten anderen Einwandererstaaten, üblicherweise die Nationalsprache. Von Einwan- derern wird entsprechend erwartet, dass sie die Nationalsprache erler- nen, wenn sie sich um gesellschaftliche Anerkennung und sozialen Aufstieg bemühen (Kremnitz, 1994, S. 74ff.). Darüber hinaus lassen die oben beschriebenen Sachzwänge oft keine andere Reaktion zu. Den- noch darf nicht davon ausgegangen werden, dass eine solche Anpas- sung an die Nationalsprache eines Landes letztendlich wieder zum un- terstellten Normalfall Monolingualität führt. Vielmehr existieren Erst- und Zweitsprache parallel.

4 Mehrsprachigkeit in der Schule

Wenn man über Mehrsprachigkeit in der Schule spricht, muss zwischen zwei unterschiedliche Formen der Mehrsprachigkeit unterschieden wer- den. Zum einen muss ein Umgang mit „mitgebrachter“ Mehrsprachigkeit im Unterricht und in der Institution Schule gefunden werden.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638045766
ISBN (Buch)
9783638941495
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91148
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Schlagworte
Schule Mehrsprachigkeit Heterogenität

Autor

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Titel: Schule und Mehrsprachigkeit