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Instagram als Bühne. Die Theatralität und Inszenierung von Influencerinnen auf der Social-Media-Plattform Instagram

Hausarbeit 2020 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theatralitat
2.1. Inszenierung
2.2. Storytelling
2.3. Funktion der Bildsprache auf Instagram

3. Instagram Influencer
3.1. Theatralitat und Inszenierung von Instagram Influencer
3.2. Beispiel 1: Carmen Kroll (@Carmushka)

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Medienverzeichnis

Anhang (Abbildungen)

1. Einleitung

In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung, erreicht uns taglich eine Vielzahl an visuellem Material. Dieses konsumieren wir hauptsachlich online und vor allem über die sozialen Netzwerke. Soziale Netzwerke entstanden mit dem Web 2.0 und sind Netzwerke in denen Freunde, Bekannte oder auch Fremde mit ahnlichen Interessen im Internet aufeinandertreffen um sich dort digital miteinander zu vernetzen.1 So verschicken wir unseren Freunden witzige Bilder über WhatsApp, schauen uns auf Facebook Bilder und Videos der aktuellsten Ereignisse an oder schauen uns die Imagevideos von Unternehmen auf LinkedIn oder Xing an.

Besonders bei der Foto-Sharing Plattform Instagram steht der visuelle Aspekt im Fokus. Hier steht das veröffentlichen von Bildern und Videos im Mittelpunkt. Die Plattform gibt es seit 2010 als Applikation für Smartphone Nutzerinnen und Nutzer. Im Januar 2019 vermerkt Instagram 1Mrd. User weltweit, von denen 500 Mio. User aus Deutschland Instagram taglich nutzen.2 Instagram wird mehr und mehr von sogenannten Influencerinnen und Influencer genutzt, welche die Plattform vorrangig für Marketing- und Werbezwecke nutzen. Durch die visuelle Darstellung der Inhalte, können Influencerinnen und Influencer Aufmerksamkeit für Produkte und Dienstleistungen erzeugen (FaBmann/ Moss 2016, 6). Das Geschlecht ist eine Kategorie, die visuell besonders gut funktioniert (Schaschek 2019, 4), so nutzen besonders Influencerinnen die Social-Media-Plattform Instagram besonders gerne, um sich zu inszenieren. So erreichen Instagram-Userinnen und Instagram-User taglich eindrucksvolle Bilder und Videos von schlanken Frauen mit perfekt gebraunter Haut und gestylten Haaren, die die Welt bereisen, in den schicksten Restaurants dinieren und die schönsten Sonnenuntergange an unerreichbaren Orten betrachten.

Obwohl vielen bereits bewusst ist, dass diese natürlich wirkenden Bilder und Videos keine Schnappschüsse oder Momentaufnahmen sind, sondern bloBe Inszenierungen, so sind viele Instagram-Userinnen und Instagram-User immer wieder beeindruckt und hinterlassen den Influencerinnen anerkennende Kommentare und Likes. Dieses Phanomen erinnert teilweise an eine Theateraufführung, wobei die Plattform Instagram die Bühne darstellt, die Influencerinnen die Schauspielerinnen sind und die Instagram-Userinnen und Instagram-User das Publikum verkörpern.

Diese Arbeit beschaftigt sich mit der Theatralitat und der Inszenierung von Influencerinnen auf der Social-Media-Plattform Instagram. Anhand der Instagram­Performance der InfluencerinCarmen Kroll (@carmushka) soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich Aspekte aus der Theaterwissenschaft in der medialen Inszenierungspraxis wiederfinden lassen. Dafür werden zunachst die Begriffe Theatralitat und Inszenierung definiert und in Bezug auf die sozialen Netzwerke genauer betrachtet. AnschlieBend soll auch die Kommunikationsmethode Storytelling genauer betrachtet werden, da diese Methode besonders auf den sozialen Netzwerken genutzt wird, um bestimmte Kommunikationsbotschaften zu vermitteln. In den darauffolgenden Passagen soll die Funktion der Bildsprache auf Instagram genauer betrachtet werden, denn diese ist maBgeblich für den Erfolg der Bilder auf der Plattform. Darauf wirdnaher auf den Begriff Influencerin (Influencer) eingegangen. AbschlieBend sollen die Erkenntnisse am Beispiel der Influencerin Carmen Kroll in Bezug auf die Theatralitat und die Inszenierungspraktiken auf Instagram analysiert werden.

2. Theatralitat

Ausgangspunkt und Hintergrund der vorliegenden Arbeit ist der Theatralitatsbegriff. Um die Zusammenhange zwischen Theater und den sozialen Medien zu verdeutlichen, ist es zunachst sinnvoll den Begriff Theatralitat genauer zu betrachten. Nach der Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte lasst sich Theatralitat als ein Komplex, der sich aus vier Aspekten zusammensetzt, beschreiben (Wilhelms/ Jurga 1998, 86). Zum einen aus dem Aspekt der Performance (1), die unter den Vorgang einer Darstellung durch Körper und Stimme vor körperlich anwesenden Zuschauer und Zuschauerinnen gefasst wird und ein ambivalentes Zusammenspiel aller Beteiligten beinhaltet (ebd.). Zweitens nennt Fischer-Lichte den Aspekt der Inszenierung (2). Damit ist der Prozess der Produktion gemeint, an dessen Ende als Ergebnis die Performance steht (ebd.). Der dritte Aspekt ist die Korporalitat (3), die sich aus der Darstellung bzw. aus dem Material ergibt. AbschlieBend nennt sie den Aspekt der Wahrnehmung (4), dieser Aspekt bezieht sich auf die Perspektive und die Beobachterfunktion des Zuschauers und der Zuschauerin.

Möchte man den Theatralitatsbegriff für die sozialen Medien gelten lassen, dann bedarf es zweier Modifikationen. Zum einen ist die Performance auf den Sozialen Medien im Gegensatz zu der des Theaters nicht als Vorgang einer Darstellung durch Körper und Stimme vor körperlich anwesenden Zuschauer und Zuschauerinnen zu fassen (Willems 2001, 385). Die verschiedenen Typen der Medientechnik und die entsprechenden Modi und Stile ihres Gebrauchs stellen eigenstandige wirklichkeitswirksame Ebenen zwischen Performance und Wahrnehmung dar (ebd.). Dazu spielt der Aspekt der Korporalitat, als Leibhaftigkeit verstanden, im Rahmen der Massenmedien eine andere Rolle als im Theater (ebd.). Wahrend im Theater der Körper und insbesondere die Stimme von allergröBter und unverzichtbarer Bedeutung sind, können andere Massenmedientypen wie die sozialen Medien diese Korporalitat verknappen oder verandern (ebd.). Beispielsweise ist beim Massenmedium Radio die Korporalitat auf die Stimme beschrankt und auch auf sozialen Medien kann in der Kommunikation die Korporalitat durch Bild-, Ton- oder Videomaterial erweitert werden. Um Massenmedien wie die sozialen Medien in die Theatralitatsforschung miteinbeziehen zu können, muss der Theatralitatsbegriff entsprechend erweitert werden (ebd.). In dieser Hinsicht ist der Theatralitatsbegriff ein auBerst anschlussfahiger Begriff (Pranz 2009, 28). Die Auseinandersetzung mit anderen Medientheatralitaten, stellt nicht nur einen zunehmend bedeutsamen Gegenstand kulturwissenschaftlicher Theatralitatsforschung dar, sondern stellt auch eine besonders anspruchsvolle Anforderung an das Konzept der Theatralitat (ebd.). Der im Zusammenhang mit den sozialen Netzwerken bedeutendste Begriff des Theatralitatskomplexes ist die Inszenierung. In welcher Beziehung der Inszenierungsbegriff und soziale Netzwerke wie Instagram zueinanderstehen, soll nun naher betrachtet werden.

2.1. Inszenierung

In Ihrem Werk Inszenierung von Authentizitat (2007) beschaftigt sich Fischer-Lichte ausführlich mit dem Begriff der Inszenierung. Der Begriff Inszenierung stammt ursprünglich aus dem Bereich des Theaters und tauchte erstmalig nach 1800, ausgehend von dem französischen Begriff mis en scène, auf (Fischer-Lichte 2007, 13). Wahrend der Begriff Inszenierung ursprünglich die Umsetzung eines literarischen Werkes auf die Bühne bezeichnete, entwickelte sich in den 1920er und 1930er Jahren eine neuere Definition des Begriffs (ebd.). Ursprünglich war es nicht die Aufgabe der Regisseurin bzw. des Regisseurs Aspekte wie die Requisite, das Licht oder die Schauspielerinnen und Schauspieler auBergewöhnlich darzustellen. Mit der neuen Auffassung des Begriffs, wurde das Augenmerk nun auf den schöpferischen Prozess und die künstlerische Gestaltung der Regisseurin/ des Regisseurs gelegt (ebd.).

Die Inszenierung ist somit ein Bestandteil der Theatralitat im Theater, denn sie greift den Aspekt der Theatralitat auf, welches die schöpferische Leistung darstellt (14). Von Bedeutung ist hierbei, dass der Inszenierung bestimmte Aspekte vorliegen. Hiermit sind Aspekte wie Korporalitat oder Wahrnehmung gemeint (ebd.). Auf sozialen Netzwerken wie Instagram findet man diese Aspekte ebenfalls wieder. Hier wird beispielsweise der Körper einer Person inszeniert. Diese Person stellt so die Hauptperson in dem Instagram Account dar, bezieht man diesen Aspekt auf das Theater, ist die Person vergleichbar mit der Darstellerin/ dem Darsteller auf der Bühne. Die Rezipientinnen und die Rezipienten bzw. die Abonnentinnen und Abonnenten auf Instagram erfüllen den Aspekt der Wahrnehmung. Indem sie einer bestimmten Person bzw. bestimmten Personen auf Instagram folgen, fungieren Sie als das Publikum. So lassen sich viele Aspekte aus dem Theater in mediale Inszenierungspraktiken wiederfinden. Gefallt den Abonnentinnen und Abonnenten die Inszenierung, so können sie ahnlich wie beim Applaus nach einer Theateraufführung ihre Anerkennung durch Likes oder Kommentare ausdrücken. Gefallt ihnen das gesehene nicht, so hat das Publikum die Möglichkeit Ablehnung auszudrücken, indem sie ihre Kritik in die Kommentare schreiben oder den Beitrag nicht liken. Auch Requisiten wie die neue Tasche oder der Starbuckskaffee und Kulissen wie die Urlaubslocation oder das eigene Heim lassen sich gekonnt auf Bildern oder Videos arrangieren und liegen der Inszenierung zu Grunde. Dazu können auch Nebenrollen durch Freunde, Familie oder Partner besetzt werden.

Auf der Social-Media-Plattform Instagram, bedienen sich Influencerinnen einer besonderen Art des Inszenierens mittels Bilder und Videos. Oft publizieren sie ihre Beitrage gezielt, indem sie die Inhalte vorab bearbeiten, um die Beitrage asthetischer wirken zu lassen. Zwar wird die sogenannte Caption (Bild- bzw. Videounterschrift) oft als weniger relevant empfunden, doch diese spielt ebenfalls eine Rolle in der Kommunikation mit den Rezipientinnen und Rezipienten. Hier platzieren Influencer oft pragnante Texte zum Bild, formulieren passende Hashtags oder setzen Verlinkungen zu Produkten oder Unternehmen. So lassen sich Beitrage gezielt publizieren, indem sie in einen bestimmten Interpretationsrahmen gesetzt werden. Durch diese Begebenheiten besitzt Instagram die optimalen Voraussetzungen als Storytelling-Plattform (FaBmann/ Moss 2016, 7). Mit einem gut durchdachten Storytelling, können Influencerinnen ihre Beitrage auf bestimmte Zielgruppen richten.

2.2. Storytelling

Der Begriff Storytelling stammt aus dem Englischen und beschreibt eine Kommunikationsmethode mit derer man mittels Bilder, Videos oder Texten bestimmte Kommunikationsbotschaften an die Rezipientinnen und den Rezipienten vermitteln kann (Schach 2016, 2).Beim Storytelling liegt der Fokus vor allem darauf, eine Geschichte zu einem Produkt, einer Person oder einer Dienstleistung zu kreieren, um dadurch eine emotionale Bindung zu erzielen (ebd.). Durch ein gut platziertes Storytelling können beispielsweise positive Kaufentscheidungen erzielt werden oder nachhaltige Beziehungen zwischen dem Endverbraucher und der Influencerin bzw. dem Unternehmen hergestellt werden.

Für ein erfolgreiches Storytelling sind die visuellen Komponenten ebenfalls von besonderer Bedeutung. Bilder entfalten besonders starke emotionale Wirkungen, da sie die Wirklichkeit lebendiger, farbiger und realitatsnaher abbilden als beispielsweise Worte (FaBmann/ Moss 2016, 8). Bilder sind deshalb das ideale Mittel zum Aufbau einer emotionalen Erlebniswelt (ebd.). Allein beim Betrachten eines Bildes oder eines Videos interpretiert jeder Mensch die abgebildeten Aspekte individuell. Daher spielt die Bildsprache beim Storytelling eine essenzielle Rolle. Welche Funktion die Bildsprache genau hat und welche Grundregeln beachtet werden sollten, soll im nachsten Abschnitt naher betrachtet werden.

2.3. Die Funktion der Bildsprache auf Instagram

In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung, erreichen uns taglich eine Vielzahl an visuellen Eindrücken in Form von Bildern und Videos. Diese erzeugen Emotionen und wirken nachhaltig und oft unbewusst auf uns ein. Bilder erzeugen in uns eine starke Wirkung, denn über die Augen nimmt der Mensch etwa 80% aller Informationen wahr (Greule 2015, 60). Besonders die Social-Media-Plattform Instagram lebt von der Visualitat. (Firsching 2017, 89). Wer auf Instagram etwas ausdrücken möchte, muss es mit Bildern oder Videos tun, die möglichst auf den ersten Blick funktionieren (Schaschek 2019, 2).

Vor allem Influencerinnen haben oft ein sehr gutes Gespür dafür, welche Bildsprache bei den Nutzerinnen und Nutzer gut ankommt. Dabei geht es nicht nur um süBe Bilder von Hundewelpen und Katzenbabies, sondern vielmehr darum qualitativ hochwertige Inhalte zu veröffentlichen (Firsching 2017, 88). Influencerinnen leben von der Selbstinszenierung und von der Inszenierung von Marken, Produkten, Personen und Situationen (89). Bei einer optimalen visuellen Inszenierung geht es darum, wie das Produkt, das Unternehmen oder auch die Dienstleistung inszeniert wird und in eine eigene Instagram-Bildsprache übertragen wird (ebd.). Besonders auf Instagram gehört der Einsatz von Bildbearbeitungsfilter zu einer individuellen Bildsprache dazu. Diese Bildbearbeitungsfilter können auf Bilder und Videos angewendet werden, um Bildeigenschaften und Farben noch intensiver zur Geltung kommen zu lassen. Ahnlich wie beim Theater das Licht dazu genutzt wird, eine passende Stimmung zu schaffen, können Bildbearbeitungsfilter eine passende Bildatmosphare erzeugen, die auf den Augenblick bezogen ist. Das Licht auf der Bühne, sowie die Filter auf Bildern und Videos dienen nicht nur dem Ausleuchtungszweck, sondern die damit verbundenen Farbeffekte initiieren ein subjektives Empfinden (Keller 1991, 23). Dieses Empfinden lasst die Zuschauerin/ den Zuschauer in eine Welt eintauchen, die mit der jeweiligen Inszenierung verbunden ist (ebd.). Die Filter tragen folglich dazu bei, die Inszenierung zu unterstützen, indem sie dem Bild eine gewisse Atmosphare verleihen, welche zum einen die Bildperformance steigern kann und zum anderen den Wiedererkennungswert im Instagram-Feed steigern kann (Firsching 2017, 89). Welche Filter dabei funktionieren und wie die Bilder genau inszeniert werden müssen, lasst sich nicht mit einer allgemeingültigen Faustregel erklaren. Grundsatzlich gilt es sich von anderen Inhalten visuell abzugrenzen (ebd.).

Auf Instagram ist der vermeintliche Moment der Aufnahme entscheidend (92). Es geht darum den Eindruck zu vermitteln, im perfekten Moment den Auslöser betatigt zu haben. Personen, Produkte etc. sollen dabei in bestimmte Szenarien prasentiert werden. Deshalb müssen Influencerinnen vorab analysieren, in welchen Szenarien Produkte, Personen oder Dienstleistungen besonders gut zur Geltung kommen und wie die Instagram-Community auf die Inszenierungen reagiert. So kann im Vorfeld bereits ermittelt werden, welche Inhalte die Abonnentinnen und Abonnenten besonders gerne sehen(93).

Nach einer Studie zur Selbstinszenierung von Influencerinnen auf Instagram von Maya Götz (2019), publizieren Influencerinnen vor allem Bilder auf ihrem Account, auf denen sie selbst im Mittelpunkt stehen, auf denen sie mit Freunden oder ihrem Lebenspartner bzw. ihrer Lebenspartnerin zu sehen sind, sowie Bilder von sich mit Hunden oder Katzen (Götz 2019, 25). Die bildliche Selbstinszenierung findet also in erster Linie über die Person/ der Influencerin selbst statt und wird durch weitere Personen aus deren Leben erweitert (ebd.).

Auf den Bildern und Videos sind die Influencerinnen vor allem in Ganzkörperaufnahmen oder in Portraitaufnahmen mit Gesicht, Schultern und beginnendem Oberkörper abgelichtet (26). Insgesamt zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Instagrammerinnen, wahrend einige Influencerinnen wie Shirin David vor allem ihren Körper prasentieren (Abbildung 1) und sich dabei deutlich sexualisiert prasentieren, inszenieren sich Influencerinnen wie Lisa und Lena auf ihren Bildern ohne explizite Erotisierung oder Sexualisierung (Abbildung 2) (ebd.). Im Allgemeinen strahlen die Bilder von Influencerinnen eine idealisierte Weiblichkeit aus. Es werden in der Regel Bilder von schön inszenierten und gut gelaunten Frauen publiziert, die ausgesprochen schlank sind, schön frisierte Haare haben, keinerlei Hautunreinheiten besitzen und keine sichtbaren Fettpölsterchen haben (ebd.).

Folglich können Influencerinnen mit einer individuellen Bildsprache und einer gezielten Inszenierungsstrategie eine hohe Nutzeraktivitat generieren und zusatzliche Zielgruppen erreichen (Firsching 2017, 102). Dies steigert nicht nur die Reichweite der Influencerinnen, sondern auch den Marktwert.

3. (Instagram) Influencerinnen

Nun ist uns im Laufedieser Arbeit der Begriff Influencerin bzw. Influencer bereits einige Male begegnet. Doch wer oder was ist eine sogenannte Influencerin bzw. ein sogenannter Influencer genau? Der Begriff Influencer stammt aus dem englischen Wort influence (Einfluss) bzw. to influence so./sth. (jemanden oder etwas beeinflussen) (Altendorfer 2019, 38). Bereits im Wortstamm lasst sich die Bedeutung, die einer Influencerin oder einem Influencer grundlegend zugeschrieben wird, erahnen (ebd.). Dennoch existieren zahlreiche Definitionen, wovon zwei Definitionen besonders auf die Instagram Influencerin und dem Instagram Influencer passen.

Klespe beschreibt Influencerinnen und Influencer als digitale Multiplikatoren, die mit möglichst hoher Reichweite Produkte und/ oder Markenbotschaften verbreiten und fester Bestandteil erfolgreicher Kommunikationsstrategien sind. Dabei agieren sie vor allem über die Social-Media-Plattformen Instagram und YouTube (Klespe 2017, 66). Der Bundesverband deutscher Pressesprecher beschreibt Influencer als Menschen, die durch ihre Popularitat einen groBen Einfluss auf das Verhalten anderer Menschen haben. Die Performance dieser Influencer kann Auswirkungen auf die Meinung, das Kauf- oder Konsumverhalten haben. Nach dem Verband zahlen zu den klassischen Influencerinnen und Influencer Prominente, Journalistinnen und Journalisten aber besonders Social- Media-Influencerinnen und Social-Media-Influencer mit einer sehr hohen Reichweite.3

Fasst man beide Definitionen zusammen, so erkennt man einige zentrale Aspekte, die den Begriff der Influencerin bzw. des Influencers besonders pragen. So ist das gewöhnliche Handlungsfeld einer Influencerin/ eines Influencers das Internet bzw. das Social Web. Sie agieren auf Social-Media-Plattformen wie YouTube, Twitter, Facebook und Instagram (Altendorf 2019, 42). Zudem verfügen Influencerinnen und Influencer über eine hohe bis sehr hohe Reichweite und eine groBe Anzahl an Followerinnen und Follower. Oft besitzen sie auch verschiedene Fahigkeiten bzw. Kenntnisse in einem oder mehreren Bereichen wie etwa im Bereich Beauty, Sport, Entertainment oder Lifestyle. Dadurch haben sie einen gewissen Status bei den Rezipientinnen und Rezipienten als Experten und genieBen hohes Ansehen und Anerkennung (43). Ihnen wird eine Autoritat zugeschrieben und sie werden als digitale Meinungsführerinnen und Meinungsführer eingeschatzt, so fungieren sie für ihre Followerinnen und Follower oft als Identifikationsobjekt (ebd.). Aufgrund dieser Popularitat, aber auch durch ihr Handeln, durch Ratschlage oder das Teilen von Erfahrungen nehmen sie Einfluss auf andere. Dies kann sich auf Kauf- und Konsumverhalten auswirken aber auch auf Meinungen (ebd.). Rezipientinnen und Rezipienten haben ein groBes Vertrauen zu ihren Lieblingsinfluencerinnen und Lieblingsinfluencer, was zu einer hohen Akzeptanz und einer geringen Reflexion der Inhalte führt (ebd.). Das Kommunikationsverhalten von

Influencerinnen und Influencer lasst sich als aktiv, haufig und offen beschreiben, doch ob diese Kommunikation generell als unabhangig und authentisch zu bewerten ist, ist mit Blick auf die bereits vorgestellten Kommunikationsmethoden kritisch. Influencer werden im Marketing und PR genutzt. Hier üben sie als menschliche Werbeplattformen ihren Einfluss auf ihre meist sehr spezifische Zielgruppe gegen Bezahlung aus (ebd.).

3.1. Theatralitat und Inszenierung auf Instagram

Auf der Social-Media-Plattform Instagram kann jeder mittels seines Profils persönliche Geschichten kreieren und veröffentlichen. Das eigene Profil dient dabei als Bühne, auf der man sich selbst inszenieren kann. Je mehr Abonnentinnen und Abonnenten man hat, desto gröBer ist diese Bühne und desto aufwendiger kann man sich selbst inszenieren. Genau wie im Theater spielen Requisiten und auch die Kulisse eine groBe Rolle. Wie bereits festgestellt, bedienen sich besonders Influencerinnen dieser virtuellen Bühne um sich selbst, Unternehmen, Produkte oder Dienstleistungen gezielt zu vermarkten. Am Beispiel von einer deutschen Influencerin möchte ich analysieren, wie sich durch Inszenierungspraktiken die mediale Theatralitat auf Instagram veranschaulichen lasst und welche der oben aufgeführten Inszenierungstechniken dabei verwendet werden.

3.2. Beispiel 1: Carmen Kroll (@Carmushka)

Mit ca. 800.000 Follower auf Instagram (Stand: Dezember 2019)4 zahlt Carmen Kroll, besser bekannt unter ihren Instagram-Pseudonym @Carmushka, zu den beliebtesten Instagram Influencerinnen in Deutschland (Abbildung 3). Sie ist 28, schlank, blond und versorgt ihre Abonnentinnen und Abonnenten taglich mit Instagram-Beitragen aus ihrem Leben. Ganz gleich wo sie sich auf der Welt befindet, ihre Followerinnen und Follower werden taglich mit Instagram-Beitragen in Form von Bildern und Videos auf dem neusten Stand gehalten.

MaBgeblich für den Erfolg von Krolls Instagram-Account ist die Art und Weise wie sie sich auf ihrem Instagram-Profil inszeniert.

Sie selbst spielt die Hauptrolle auf ihrem Account und prasentiert sich dabei in den verschiedensten Alltagssituationen. Dabei wirken ihre Bilder oft so, als hatte man im richtigen Augenblick den Auslöser betatigt und eine spontane Momentaufnahme aus ihrem Alltag oder aus einem privaten Moment festgehalten. So inszeniert sie sich oft in ihrem perfekt eingerichteten Heim, im Urlaub am Meer oder dabei wie sie leidenschaftlich Zartlichkeiten mit ihrem Ehemann austauscht. Auf dem ersten Blick erhalt man als Zuschauerin/ als Zuschauer den Eindruck, Kroll sei lediglich eine junge Frau, die gerne private Momente auf ihrem Instagram-Profil teilt. Doch wie so oft, lohnt es sich einen zweiten Blick auf ihre Bilder zu werfen, denn erst dann erkennt man, dass Kroll sich bei ihrer Selbstinszenierung an einigen theatralischen Hilfsmittel bedient. So positioniert sie gekonnt bestimmte Requisiten, wahlt ihre Kulisse gezielt aus, und setzt sich mit Hilfe von gewissen Posen und Bildbearbeitungsfiltern in Szene.

Ein gutes Beispiel für ein gut inszenierten Instagram-Beitrag liefert Abbildung 4. Das Bild zeigt Kroll wie sie in Ihrer Wohnung auf dem Boden sitzt und liebevoll andeutet wie sie sich um das Fell ihrer Katze kümmert. Im Hintergrund erkennt man eine Bilderleiste, auf dem unter anderem zwei Bilder mit ihrem Ehemann zuerkennen sind. Auf einem der vier Bilder erkennt man Kroll mit ihrem Ehemann, der vor ihr kniet, um um ihre Hand anzuhalten. Ein anderes Bild zeigt das Ehepaar in einem Bett, wie beide einen zartlichen Kuss andeuten. Ohne die genauen Umstande zu kennen, lasst die Kulisse darauf schlieBen, dass Kroll sich in ihrem eigenen Zuhause befindet. Dazu lasst der von Kroll ausgewahlte Bildbearbeitungsfilter die Umgebung in einem angenehmen Beigefarbenen Schleier zur Geltung kommen. Der im Bild dominierende Beigeton lasst die Kulisse bodenstandig und natürlich wirken. Der Staubsauger in ihrer Hand und auf dem Boden unterstützen die heimische Atmosphare, scheinen allerdings zunachst nur eine Nebenrolle zu spielen. Dabei spielt der Staubsauger neben Kroll die Hauptrolle auf dem Bild. Obwohl Kroll auch in der Bildunterschrift auf eine gewisse heimische und bodenstandige Atmosphare abzielt, wird beim Lesen schnell deutlich, worum es ihr in dieser Inszenierung geht:

Werbung Home Sweet Home Kaum zuhause angekommen, haben wir nur kurz Zeit die Koffer umzupacken, die Wohnung auf Vordermann zu bringen und die Schlüssel an @8mirja8 zu übergeben! Dann geht es gleich morgen weiter nach Ibiza zum langersehnten ,Carmushka Summerhouse‘ Zeit um Balu abzusaugen ist selbstverstandlich auch noch drin! Und nur möglich weil man den SpeedPro Max von @philips_dach in binnen von Sekunden zum Handstaubsauger umfunktionieren kann! Aber nicht nur die Katzenhaare sind super einfach zu entfernen, auch weiterer Schmutz und Staub wird dank der einzigartigen Saugdüse gleich von allen Seiten aufgenommen! Und das ganze komplett kabellos Da die Frage nach einem Rabattcode für Philips mittlerweile zu den meist geschicktesten Nachrichten in diesen Jahr zahlt, hier nochmal verschriftlicht: mit ,carmushka15‘ bekommt ihr 15% im Philips Online Shop auf alle SpeedPro Max Modelle. #philips #makelifebetter #speedpromax (Kroll 2019)5 In der Bildunterschrift wird deutlich, dass sie mit diesem Bild Werbung für den Staubsauger der Marke Philips macht. Mittels der Kommunikationsmethode des Storytellings, setzt Kroll dabei bestimmte Kommunikationsbotschaften in die Bildunterschrift. Indem sie eine zum Bild passende Bildunterschrift verfasst, in der sie einige Zeilen aus ihren Alltag teilt, setzt sie die Werbung in die inszenierte Alltagssituation und verschleiert dabei einige typischen Aspekte einer gewohnten Werbung (z.B. Logos).

Kroll beherrscht die visuellen Inszenierungstechniken auf Instagram. Sie setzt diese immer wieder gekonnt in ihrer Bildsprache und in ihrer Bildunterschrift ein und schafft es so z.B. ihre Werbebotschaften subtil in Alltagssituationen einzubauen. So inszeniert Kroll auch mal ein einfaches Frühstück und platziert auch in dieser gewöhnlichen Alltagssituation gekonnt eine Werbebotschaft. Auf Abbildung 5 ist Kroll wieder zusammen mit ihrer Katze abgebildet, dieses Mal befinden sich beide an einem gedeckten Tisch. Im Hintergrund befinden sich zwei Bilder, auf einem dieser Bilder ist der Schriftzug BON appetit (deutsch: guten Appetit) zu erkennen. Auch hier scheint es so, als ob eine Momentaufnahme festgehalten wurde. Doch auch hier deckt ein genauerer Blick auf die Requisiten und auf die Bildbeschreibung, die Inszenierung dahinter auf:

Werbung Kein Ort der Welt ist schöner als Zuhause. Gerade die letzten Wochen waren sehr turbulent und aufregend, aber jetzt freue ich mich erstmal die nachsten Wochen jeden Tag in meinem eigenen Bett aufzuwachen und mit Jola & Balu zu frühstücken. Denn wenn eine Sache bei den ganzen Reisen zu kurz kommt, dann die Ernahrung. In den USA gab es zum Frühstück schon Burger & Pommes, auf Ibiza Brot & Aioli und in Budapest so gut wie gar nichts, da ich echt krank war So sieht natürlich kein guter Start aus, weshalb ich ab jetzt wieder mein Müsli ohne zugesetzten Zucker von W.K Kellogg frühstücken werde. Der einzige Nachteil von Zuhause ist aber, dass Niclas dann morgens schon vor dem Frühstück ins Büro verschwindet oder mit Freunden wo anders frühstücken geht - naja sein Pech, dann nimmt Balu eben seinen Platz ein Frühstückt ihr jeden morgen gemeinsam oder getrennt? Habt einen schönen Sonntag #mybetterstart #wkk #kellogg (Kroll2018)5

[...]


1 https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/social-network?interstitial (aufgerufen am 22.12.2019).

2 https://www.futurebiz.de/artikel/instagram-statistiken-nutzerzahlen/ (aufgerufen am: 22.12.2019).

3 https://www.bdp-net.de/sites/default/files/bdp pr-branchenreport gesundheit.pdf (aufgerufen am 12.01.2020).

4 https://www.instagram.com/carmushka (aufgerufen am 05.01.2020).

5 https://www.instagram.com/pZBnf64SZl3e / (aufgerufen am 12.01.2020).

Details

Seiten
21
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346225207
ISBN (Buch)
9783346225214
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v911625
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Theater- Film- und Medienwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Instagram Carmushka Inszenierung Theatralität Social Media Shirin David Gender Diversity Diversity Performativität
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Titel: Instagram als Bühne. Die Theatralität und Inszenierung von Influencerinnen auf der Social-Media-Plattform Instagram