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Charakterisierung der Beziehung von Erec und Enite im Spannungsfeld von Liebe (minne) und Ehe

Essay 2004 7 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Dieser Aufsatz charakterisiert das Königspaar Erec und Enite und dessen Schwierigkeiten, seine Minne mit der Ehe als öffentlich-höfische Verpflichtung in Einklang zu bringen.

Die Ehe war hauptsächlich eine politische Angelegenheit. Eine Ehe war keine Heirat aus Liebe, sondern eine möglichst lukrative Zweckverbindung, die als »Absicherung oder Erweiterung des eigenen Herrschaftsbereichs, zur Befestigung politischer Bündnisse, zur Versöhnung alter Feindschaften oder zur Einheirat in Familien von höherem Rang diente«[1]. Die Herkunft des Wortes „Ehe“, zurückzuführen auf das westgermanische Wort *aiwæ, das „Sitte, Recht“ bedeutet[2], unterstreicht den offiziellen Charakter des damaligen Verständnisses von Ehe.

Anfangs erscheint auch die Beziehung von Erec und Enite eine solche Zweckverbindung zu sein: »Erec braucht eine Frau für den Sperberkampf als Mittel zum Sieg über den Schänder seiner Ehre (499 ff.)... Als Gegenleistung bietet er an, Enite im Falle eines Sieges zu heiraten.«[3] Diese Annahme wird jedoch rasch widerlegt: Nach dem siegreichen Kampf löst Erec sein Versprechen ein und nimmt Enite mit an den Artushof. Auf dem Weg dorthin sind die beiden zum ersten Mal allein, das heißt sie sind nicht der Öffentlichkeit und deren Anforderungen ausgesetzt. Diesen Umstand nutzt Hartmann von Aue sofort, um die beiden sich durch Blicke näherkommen zu lassen. Hartmann schreibt von minne (Liebe), triuwe (Aufrichtigkeit) und stæte (Beständigkeit)[4] (1490 ff.), Eigenschaften, die insbesondere in Bezug auf Enite, durch den gesamten Roman hinweg erhalten bleiben.

Die Hochzeit findet am Artushof statt. Erec fällt es schwer, die Zeit bis zu diesem Tag abzuwarten, um endlich mit Enite das Bett teilen zu können. Hartmann beschreibt Erecs Verlangen jedoch nicht auf seine Person bezogen, sondern auf sein Herz: » daz Êreckes gemüete vil herzenlîche nâch ir ranc.« (1845 f.). Dieses Verlangen wird am Hofe nicht geduldet, deshalb muss es heimlich geschehen, heimlich im Herzen Erecs.

Die Minne, ursprünglich für „Verlangen“ (altirisch: mían), „Genuss, Vergnügen“ (altindisch: máyan) und sogar „Beischlaf“ (avestisch: maiiah-)[5], wird hier als „Frau Minne“ (1858) personifiziert. Diese Personifizierung verdeutlicht, dass das körperliche Verlangen zu sehr in den Vordergrund gestellt wird.

[...]


[1] Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im Mittelalter. München 5 1990. S.534-535

[2] Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin 242002. Stichwort Ehe.

[3] Ursula Schulze: âmîs unde man. Die zentrale Problematik in Hartmanns Erec. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. 105. 1983. S. 20.

[4] Bumke: Höfische Kultur. S. 524.

[5] Kluge: Etymologisches Wörterbuchder deutschen Sprache. Stichwort Minne.

Details

Seiten
7
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638071970
ISBN (Buch)
9783656754480
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91233
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2
Schlagworte
Erec Enite Hartmann von Aue minne

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