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TEACCH. Ein Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 37 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Autismus
2.1 Verschiedene Ausprägungen von Autismus
2.1.1 Das Kanner-Syndrom (frühkindlicher Autismus)
2.1.2 Das Asperger-Syndrom
2.2 Besonderheiten in der Wahrnehmung bei Menschen mit Autismus
2.3 Kognitive Besonderheiten bei Menschen mit Autismus
2.5 Konsequenzen für die Förderung

3. TEACCH
3.1 Das TEACCH Programm
3.1.1 Die Entwicklungsgeschichte
3.1.2 Ziele des TEACCH Programms
3.1.3 Die wesentlichen Bestandteile des TEACCH Modells
3.1.4 Die TEACCH Philosophie
3.2 Der TEACCH Ansatz
3.2.1 Strukturierung
3.2.2 Visualisierung
3.3 Konkrete Beispiele des Structured Teaching für die Praxis
3.3.1 Bedeutungsvollmachung des Raumes
3.3.2 Bedeutungsvollmachung von Zeit
3.3.3 Bedeutungsvollmachung von Arbeitsorganisation und Arbeitssystem
3.3.4 Bedeutungsvollmachung von Aufgaben, Tätigkeiten und Material
3.3.5 Routinen aufbauen

4. Das entwicklungsdiagnostische Instrument bei TEACCH – P.E.P

5. Wie effektiv ist der TEACCH Ansatz?

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema TEACCH ist sehr umfassend, da es nicht für sich alleine stehen kann. Es ist unmittelbar mit dem Thema Autismus verbunden. Ohne ein Verständnis dessen zu haben, was Autismus ist, welche Reaktionen zu den Angewohnheiten von Menschen mit Autismus gehören, kann ich auch keine didaktischen Überlegungen und keine Förderung dieser Menschen angemessen gestalten. Erst wenn wir verstehen, welche Gründe hinter den für uns „eigenartigen“ Verhaltensweisen stecken, können wir angemessen mit ihnen arbeiten. Deshalb habe ich zunächst ein Kapitel dem Autismus und seinen Besonderheiten gewidmet. Dabei war es mir im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich, umfassend auf alle Kriterien von Autismus einzugehen. Ich habe mich auf die Besonderheiten der Wahrnehmung und der kognitiven Leistungen bei Menschen mit Autismus beschränkt, da ich später, wenn es um TEACCH geht, genau auf diese Kriterien Bezug nehmen werde.

Im dritten Kapitel stelle ich das TEACCH Programm und seine Entstehungsgeschichte vor. Dann gehe ich auf den TEACCH Ansatz ein, bei dem es später auch um sehr konkrete Tipps geht, wie man das Lernen von Menschen mit Autismus erleichtern kann.

Im vierten Kapitel stelle ich nur ganz kurz den Diagnosetest vor, der von TEACCH verwendet wird, um darauf aufbauend ein Förderkonzept zu erstellen. Bei der Beschreibung dieses Diagnosetests bin ich nur kurz auf die Kriterien, die er testet eingegangen ohne näher zu erläutern wie genau der Test durchgeführt wird. Außerdem habe ich noch erläutert, wieso gerade dieser Test so geeignet zu sein scheint, um Menschen mit Autismus auf ihre Fähigkeiten zu testen.

Zum Schluss gehe ich kurz auf die 30 Jahre Erfahrung ein, die man bis heute mit TEACCH gemacht hat, und welche Ergebnisse bezüglich der Effektivität daraus entstanden sind.

2. Autismus

Autismus wird von der WHO in der Klassifikation für Krankheiten unter der Kategorie tief greifende Entwicklungsstörung genannt. „Viele verschiedene Hirnbereiche scheinen im Zusammenhang mit Autismus betroffen zu sein, aber nicht immer sind dieselben Bereiche in derselben Weise beeinträchtigt. Dies führt zu den unterschiedlichen Erscheinungsformen des Autismus“ (siehe Häußler 2005, S. 27).

2.1 Verschiedene Ausprägungen von Autismus

Im Allgemeinen wird zwischen drei Arten von Autismus unterschieden, dem Kanner-Syndrom, dem Asperger-Syndrom und dem atypischen Autismus. Atypischer Autismus bedeutet, dass die Diagnosemerkmale des Asperger- und des Kanner-Syndroms nicht vollständig auftreten bzw. später, d.h. nach dem 3. Lebensjahr erscheinen.

2.1.1 Das Kanner-Syndrom (frühkindlicher Autismus)

„Autismus zählt zu den tief greifenden Entwicklungsstörungen und ist durch qualitative Veränderungen in der Interaktion und der Kommunikation sowie durch ein beschränktes Repertoire an Interessen und Aktivitäten gekennzeichnet (DSM-IV 1994) (siehe Boenisch 2003, S. 139).

Bis heute ist es nicht gelungen, Autismus eindeutig zu definieren. Zu unterschiedlich sind die Symptome der Individuen, und einzelne autistische Symptome sind auch bei Kindern anzufinden, die in anderen Verhaltensweisen keine autistischen Merkmale zeigen. 1943 legte Kanner das erste Mal eine Beschreibung dessen fest, was seiner Meinung nach die Hauptursachen von Autismus sind. Da auch hier Merkmale vorkamen, die nichtautistische Kinder haben können, beschränkten Kanner und Eisenberg sich 1956 auf so genannte Kernsymptome, welche nur bei Menschen mit Autismus vorzufinden sind:

- Soziale Isolation
- Drang nach Aufrechterhaltung von Gleichförmigkeit

Heute fügt man dieser Definition noch erste Auffälligkeiten vor dem 30. Lebensmonat und die Verzögerung der sprachlichen Entwicklung hinzu (vgl. Innerhofer 1988, S. 179f.).

„Der Mangel an Kontakt ist schon bei Kleinkindern auffällig, sie reagieren nicht auf die Stimmen ihrer Eltern, sehen sie nicht direkt an, strecken ihnen die Arme nicht entgegen, zeigen keine Gegenseitigkeit im Blick- oder Körperkontakt“ (siehe Jorgensen 2002, S. 84). Kinder mit frühkindlichem Autismus sind sehr auffällig, da sie durch ihre Bewegungsstereotypen, wie das Vor und Zurückwippen des Oberkörpers oder klatschende bzw. flatternde Hände auffallen (vgl. Jorgensen 2002, S.83-86). Die Ursachen von Autismus sind bis heute weitgehend unbekannt. „Eine ganze Reihe von Faktoren können dabei eine Rolle spielen – Umstände, welche die spätere Entwicklung des zentralen Nervensystems vor oder auch nach der Geburt beeinträchtigen“ (siehe Häußler 2005, S. 27). Deswegen geht man davon aus, dass die Ursachen wahrscheinlich auf organische (biologische) Gründe zurückzuführen sind. Eine körperliche Erkrankung, bei der das Gehirn betroffen ist, ist bei 20-30% der autistischen Kinder Ursache für den Autismus, da somit die psychische Entwicklung gestört ist. „Bei 50% ist nachzuweisen, dass eine organische Störung am Gehirn vorliegt, ohne das eine bestimmte Krankheit als primäre Ursache angegeben werden kann“ (siehe Jorgensen 2002, S. 85). Bei den letzten ca. 25% der Betroffenen, kann keine Krankheit nachgewiesen werden, man geht jedoch davon aus, dass trotzdem eine vorhanden war. Der frühkindliche Autismus scheint auch genetisch bedingt zu sein, das ergab eine Studie mit Geschwister- und Zwillingskindern. Etwa 2% der Geschwister von autistischen Kindern zeigen ebenfalls das Erscheinungsbild vom frühkindlichen Autismus. Das ist häufiger als die Auftretenshäufigkeit in der Gesamtbevölkerung. „In zwei neueren Zwillingsuntersuchungen (Folstein & Rutter, 1977; Ritvo et. al., 1982) wurde eine relativ hohe Konkordanz bei monozygotischen, nicht aber dizygotischen Zwillingen festgestellt (paarweise Konkordanzrate nach Folstein & Rutter, 1977: 36%)“ (siehe Innerhofer 1988, s. 160). Veränderungen der Erbanlagen führen schon im Mutterleib zu Schädigungen der Feinstruktur des Gehirns. Aber das alleine ist nicht die Ursache von Autismus. „Vielmehr müssen noch auslösende Faktoren hinzu kommen, wie zum Beispiel Ereignisse, welche zu bestimmten Zeitpunkten in der Entwicklung das Gehirn in einer Weise beanspruchen, auf die es dann nicht vorbereitet ist. Dies können die neuen körperlichen Anforderungen durch die Geburt sein oder auch psychische Anforderungen in der Entwicklung während der ersten zwei Lebensjahre“ (siehe Häußler 2005, S. 27).

In der Gesamtbevölkerung tritt das Kanner-Syndrom ungefähr mit einer Häufigkeit von 0,05% auf. Dabei ist das Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen 1:3 (vgl. Wikipedia: frühkindlicher Autismus. Stand: 01.03.2007). Das Wiederholungsrisiko für eventuelle Geschwister liegt bei einem Jungen mit Autismus bei 7% bei einem Mädchen mit Autismus bei 15%. In der Zwillingsuntersuchung fand man heraus, dass eineiige Zwillinge, bei denen ein Kind betroffen ist, zu über 50% auch das andere betroffen ist. Für zweieiige Zwillinge wurde keine Konkordanz gefunden (vgl. Witkowski 1995, S. 128f.).

2.1.2 Das Asperger-Syndrom

1944 nahm der Kinderarzt Hans Asperger das erste Mal eine Beschreibung von einer Gruppe von Kindern vor, welche seiner Meinung nach „an einer Abweichung von der normalen Persönlichkeitsentwicklung litten“ (siehe Jorgensen 2002, S. 12). Danach wurde lange nicht darüber geredet. Lorna Wing entdeckte das Asperger-Syndrom knapp 35 Jahre nach seiner ersten Beschreibung wieder, während sie Untersuchungen an Kindern mit Störungen im sozial-kommunikativen Bereich durchführte. Sie konnte die Kinder in drei Gruppen einteilen. Erstens die Kinder, die zu den Beschreibungen Kanners passten, zweitens die Kinder mit atypischen Autismus und drittens eine Gruppe mit autismusähnlichen Kontaktstörungen, welche jedoch weniger stark ausgeprägt sind. Sie gab diesem Phänomen den Namen Asperger-Syndrom und definierte es folgendermaßen:

1) Mangel an Empathie
2) Abweichende soziale Interaktion
3) Abweichende verbale Kommunikation
4) Abweichende nonverbale Kommunikation
5) Spezialinteressen
6) Begrenzte Fantasie
7) Motorisches Ungeschick (siehe Jorgensen 2002, S. 33f.)

Der Kinderpsychiater Christopher Gillberg sieht das Asperger-Syndrom und Autismus als verwandt an und hat sich für die Existenz eines „Autismusspektrums“ ausgesprochen:

Atypischer Autismus – Autismus – Asperger-Syndrom.

Wo in diesem Spektrum sich der jeweilige Zustand befindet, ist nicht so sehr eine Frage der Ausprägung des Autismus, sondern wie schwer eine eventuell begleitende Behinderung ist“ (siehe Jorgensen 2002, S. 34). Die Behinderung ist dabei von links nach rechts schwächer ausgeprägt.

Es ist jedoch bis heute ungeklärt, ob das Asperger-Syndrom eine Variante des Autismus ist, oder eine eigene diagnostische Einheit (vgl. Jorgensen 2002, S. 33ff).

2.2 Besonderheiten in der Wahrnehmung bei Menschen mit Autismus

Viele Menschen mit Autismus zeigen Wahrnehmungsstörungen auf die dazu führen, dass später die Informationsverarbeitung zur Erklärung der eigenen Welt beeinträchtigt wird. Einer oder mehrere Sinneskanäle können von so einer Störung betroffen sein. Die Schwere der Beeinträchtigungen kann sich im Laufe der Entwicklung sowohl positiv als auch negativ verändern. „Dabei funktionieren die betreffenden Sinnesorgane in der Regel einwandfrei; die Probleme scheinen vielmehr damit zusammen zu hängen, wie die Sinnesreize im Gehirn verarbeitet werden“ (Häußler 2005, S. 28). Genaue Angaben darüber, wie viele Menschen mit Autismus von Wahrnehmungsstörungen betroffen sind gibt es nicht. Verschieden Studien nennen Zahlen von 40-90%. Im Folgenden werde ich nun stichpunktartig Beeinträchtigungen der verschiedenen Sinneskanäle bei Menschen mit Autismus aufführen. Diese Merkmale können bei Menschen mit Autismus auftreten, müssen aber nicht.

Beispiele zum HÖREN:

- bestimmte Stimmlagen werden als unangenehm empfunden
- mehr Umweltgeräusche werden wahrgenommen
- Empfindlichkeit gegen eigene Körpergeräusche (z.B. eigener Herzschlag) [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] psychische Dauerbelastung
- zu viele akustische Reize [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Abschalten/Taubschalten
- beeinträchtigtes Richtungshören
- Schwierigkeit aus der Menge an akustischen Reizen die Wichtigen herauszufiltern (Nebengeräusche übertönen z.B. Gespräch)

Beispiele zum SEHEN:

- Faszination von bestimmten visuellen Reizen (z.B. Lichtreflexe, Glitzern)
- Überempfindlichkeit auf helles Licht, helle Farben
- Vermeidung von Blickkontakt
- Keine Verfolgung von Bewegungen mit den Augen
- Beobachtung aus den Augenwinkeln
- Schwierigkeiten mit räumlicher Wahrnehmung
- Wahrnehmung winziger Veränderungen

Beisiele zum RIECHEN, SCHMECKEN, TASTEN:

- Vermeidungsverhalten gegenüber bestimmten Materialien
- betasten, schmecken, riechen an Gegenständen und Körperteilen
- isst evt. nur eine begrenzte Auswahl an Speisen. Abneigung wegen Festigkeit, Geruch oder Geschmack der Nahrung
- suche nach extremen Reizen (z.B. Seife essen, Autoaggression)
- leichte Berührung wirkt unangenehm
- druckvolle Berührung wirkt angenehm
- gedämpfte Wahrnehmung von Temperatur und Schmerz
- verzögerte Schmerzreaktion

Auch das Schaukeln ist ein Merkmal, welches man bei Menschen mit Autismus sehr häufig sieht. Dieses wirkt in der Regel zur Beruhigung des Organismus und hilft, sich nach großer Erregung wieder zu beruhigen. Es könnte jedoch auch ein Hinweis darauf sein, dass der Gleichgewichtssinn zu wenig Reize erhält und dieses durch das Schaukeln ausgeglichen wird (vgl. Häußler 2005, S. 28ff.).

2.3 Kognitive Besonderheiten bei Menschen mit Autismus

Es gibt viele Untersuchungen, die sich mit der kognitiven Informationsverarbeitung beschäftigt haben. Dabei wurden hauptsächlich die Punkte Aufmerksamkeits-verhalten; Integration und Analyse von Informationen; Gedächtnisleistungen und Problemlösungsverhalten untersucht. Ob diese Störungen Ursache oder Folge des Autismus sind, ist noch unklar. „Wichtig sind diese Beobachtungen zur Informationsverarbeitung für die Praxis in jedem Fall, da sie uns helfen, Informationen so zu vermitteln, dass sie von Menschen mit Autismus am ehesten verstanden werden“ (siehe Häußler 2005, S. 30).

Früher dachte man, dass die Aufmerksamkeit sspanne bei Menschen mit Autismus sehr gering sei. Heute weiß man, dass das nicht stimmt. Sie können ihre Aufmerksam sehr lange auf eine Tätigkeit lenken, wenn dieses für die Peson bedeutsam zu sein scheint. Durch Verstärkung bzw. Belohnung kann man sie auch dazu bringen, ihre Aufmerksamkeit auch auf für sie zunächst uninteressante Reize zu lenken. „Die Aufmerksamkeitsspanne hängt also sehr von der Motivation ab, sich mit einer Reizquelle auseinanderzusetzen“ (siehe ebd.). Ein weiteres Merkmal ist, dass Menschen mit Autismus ihre Aufmerksamkeit den Reizen schenken, die uns eher als nebensächlich erscheinen. So wird z.B. bei einem Bild oft der Hintergrund betrachtet nicht aber das Zentrale im Vordergrund. Sie nehmen eine andere Bewertung dessen vor was wichtig und was unwichtig ist. „Besonders soziale Reize werden seltener beachtet“(siehe Häußler 2005, S. 31). Auch neigen diese Menschen oft zu einer so genannten „Überselektivität“. Das bedeutet sie sind nicht in der Lage, ein gesamtes Bild zu erfassen, sondern konzentrieren sich auf einzelne Details. Der Zusammenhang wird nicht erfasst. „Dies bezieht sich besonders auf Reize, die mehrere Sinne ansprechen, so dass die Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Sinneskanäle gerichtet werden muss, um das Ganze zu erfassen“ (siehe ebd.). Es fällt den Menschen mit Autismus schwer ihre Aufmerksamkeit zu wechseln, d.h. wenn sie die Aufmerksamkeit auf etwas gerichtet haben, fällt es ihnen schwer sich davon wieder zu lösen, um sich etwas Neuem zuzuwenden. Zusammengefasst bedeutet dies, dass Menschen mit Autismus Probleme damit haben den Gesamtzusammenhang im Blick zu behalten. Einzelne Kleinigkeiten zu entdecken macht ihnen dagegen keine Probleme.

Zur Integration und Analyse von Informationen lässt sich sagen, dass es Menschen mit Autismus leichter fällt Informationen aus den Nahsinnen zu verarbeiten als Informationen aus den Fernsinnen. Zu den Nahsinnen gehören das Tast- und Bewegungsempfinden, zu den Fernsinnen der Seh- und der Hörsinn. Bei der Verarbeitung von Informationen kommt es nur selten zu Verknüpfungen der verschiedenen wahrgenommen Reize aus den verschiedenen Sinneskanälen. Somit können diese Menschen z.B. Handlungen nur schlecht nacherzählen, „die Abbildung der Realität [bleibt] eindimensional und begrenzt“ (siehe Häußler 2005, S. 31). Auch innerhalb der Fernsinne gibt es noch mal Unterscheidungen der Verarbeitung. Räumlich-visuelle Reize, z.B. Bilder, können wesentlich besser verarbeitet werden als auditive Reize. Informationen, die zum Beispiel die Erinnerung an eine Begebenheit sein kann, werden eher als einzelnes Bild (Gesamteindruck) gespeichert, nicht zeitlich eingeordnet. Somit sind auch die Vorerfahrungen dieser Menschen begrenzter als bei Menschen ohne Autismus. „Dies erschwert das Erkennen eines größeren Zusammenhangs, in dem die Einzelereignisse stehen. Daraus entstehen Probleme, Beziehungen von Gegenständen und Ereignissen zueinander zu erkennen und Bedeutungen von Handlungen und Sachverhalten zu verstehen“ (siehe Häußler 2005, S. 32).

Oft hört man von Menschen mit Autismus im Zusammenhang mit ungewöhnlichen Gedächtnisleistungen. So gibt es einige, die z.B. besonders gut und detailgetreu zeichnen können oder andere, die über größere Zeiträume hinweg die Daten den Wochentagen zuordnen können. Jedoch wäre es falsch verallgemeinert zu sagen, dass Menschen mit Autismus grundsätzlich eine außergewöhnliche Begabung haben. Diese Begabungen sind jedoch Folgen dessen, wie das Gedächtnis dieser Menschen funktioniert. Das Langzeitgedächtnis funktioniert, wenn es sich um Zahlen, Fakten und Auswendiggelerntes geht, dies können sich Menschen mit Autismus sehr gut merken. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie auch verstehen, was sie da auswendig gelernt haben. Der Bedeutungszusammenhang wird oft nicht erfasst. „Relativ unbeeinträchtigt sind das akustische Gedächtnis für Töne, das Echogedächtnis für die unmittelbare Wiedergabe eines Sinneseindruckes, das assoziative Gedächtnis, mit dem zeitgleich auftretende Reize verbunden werden, sowie das Kurzzeitgedächtnis für visuelle und auditive Reize“ (siehe ebd.). Da es Menschen mit Autismus jedoch schwer fällt, mehrere Informationen gleichzeitig zu verarbeiten, geht man davon aus, dass der Arbeitsspeicher nicht richtig funktioniert. Man hat auch herausgefunden, dass es für sie schwer ist, sich daran zu erinnern, was sie gerade getan haben, wenn sie zwischendurch unterbrochen wurden bzw. zwischendurch etwas anderes getan haben. In der allgemeinen Pädagogik wird gesagt, dass wir 90% von dem was wir selbst tun, in unserem Gedächtnis speichern. Dies gilt anscheinend nicht für Menschen mit Autismus. In einer Studie von Millward et. al. (2000) wurde festgestellt, dass Personen mit Autismus sich an Handlungen an denen sie selbst beteiligt waren nur sehr schwer bis gar nicht erinnern können. Handlungen, die sie dagegen beobachten konnten, bleiben ihnen viel besser in Erinnerung. Hinweise und Erinnerungshilfen führen in der Gedächtnisleistung zu ähnlichen Ergebnissen, wie bei Menschen mit vergleichbarem Entwicklungsstand.

Um ein angemessenes Problemlösungsverhalten aufzubauen müssen einige Voraussetzungen gegeben sein. Man muss in der Lage sein planvoll und zielgerichtet zu handeln. Zeitliche Abfolgen müssen überblickt werden können, man muss sich von der aktuellen Lage lösen können und eine innere Vorstellung entwickeln können, wie man (evt. in Zukunft) angemessen auf eine Situation reagiert. Außerdem muss man Strategien entwickeln und evaluieren, um die Vorhandenen wenn nötig durch eine Bessere zu ersetzen. Flexibles Denken und Handeln ist Voraussetzung dafür. Diese Funktionen werden vom Frontalhirn gesteuert. Es wurde festgestellt, dass Menschen mit Autismus ähnlich reagieren und agieren wie Menschen, die eine Verletzung des Frontalhirns erlitten haben. „Sie verhalten sich eher starr und unflexibel, können sich nur schwer auf veränderte Situationen einstellen und halten an Routinen fest. Oft beharren sie auf einem einmal gefundenen Lösungsweg, zeigen stereotypes Verhalten und wiederholen Reaktionen immer wieder, auch wenn sie nicht mehr zu der Situation passen“ (siehe Häußler 2005, S. 33). Dabei kann man nicht sagen, dass Menschen mit Autismus grundsätzlich nicht in der Lage sind diese Problemlösungsstrategien zu entwickeln. Sie sind in der Lage angemessene Reaktionen zu lernen. Wenn die Umweltreize jedoch sehr neu und unbekannt sind, haben sie große Probleme (vgl. Häußler 2005, S. 30-33).

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Details

Seiten
37
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638056359
ISBN (Buch)
9783638947596
Dateigröße
3.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91393
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Sonderpädagogik
Note
1,3
Schlagworte
TEACCH Ansatz Förderung Menschen Autismus Didaktik Unterrichts Schule Förderschwerpunkt Entwicklung

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Titel: TEACCH. Ein Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus