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Symbolischer Interaktionismus - Konkrete Anwendung und kritische Würdigung

Hausarbeit 2007 12 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Theorie des Symbolischen Interaktionismus
II.I Grundlegende Prämissen
II.II Klassen von Objekten und die Konstruktion von Bedeutung
II.III 6 Stammbilder des Symbolischen Interaktionismus

III Symbolischer Interaktionismus und Rechtsextremismus

IV Kritik

V Schluss

Literaturverzeichnis

I Einleitung

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit dem Symbolischen Interaktionismus als Handlungstheorie. Ich werde zunächst die Theorie des Symbolischen Interaktionismus in wenigen Absätzen zusammenfassend darstellen. Dabei werde ich mich mit einer Ausnahme vorwiegend an Herbert Blumers Ausarbeitung aus dem Jahre 1969 orientieren. Anschließend möchte ich an einem Beispiel zeigen, wie der Symbolische Interaktionismus auf soziale Phänomene angewendet werden kann um diese zu erklären. Dies werde ich am Beispiel des Rechtsextremismus zeigen. Der Fokus meiner Betrachtung wird auf dem handelnden Individuum (Mikroebene) liegen wird. Danach werde ich einige Schwachpunkte der Theorie aufzeigen und auf ein anderes Paradigma der Soziologie verweisen, mit dem diese Schwächen behoben werden können. Hierbei wird die Frage aufgeworfen werden, ob der Symbolische Interaktionismus überhaupt als eine vollwertige Handlungstheorie bezeichnet werden kann. Zum Schluss werde ich versuchen diese Frage zu beantworten und ein abschließendes Urteil über den Symbolischen Interaktionismus abgeben.

II Theorie des Symbolischen Interaktionismus

Der Symbolische Interaktionismus wurde in der amerikanischen Soziologie der 1960er Jahre als alternativer Ansatz zur vorherrschenden Theorie des Strukturfunktionalismus gesehen (vgl. Münch 2002: 159). Er zählt zu den interpretativen Paradigmen und nimmt das Individuum in den Fokus der Betrachtung. Die grundlegende Theorie des Symbolischen Interaktionismus existiert jedoch schon sehr viel länger. Der Sozialbehaviorist George Herbert Mead (1863- 1931) wird, neben Anderen, als Begründer dieses Paradigmas angesehen. Es war Herbert Blumer (1900- 1987), der das Kind in einem 1937 erschienenen Artikel in „Man And Society“ auf den Namen Symbolischer Interaktionismus taufte (vgl. Blumer 1969: 1). Blumer besuchte zunächst als Student die Vorlesung Meads und übernahm diese nach dessen ausscheiden 1931. Er nimmt Gedanken aus Meads umfassendem Werk auf und fasst diese zu 3 Prämissen zusammen. Sie bilden die Grundlage des Symbolischen Interaktionismus.

II.I Grundlegende Prämissen

„The first premise is that human beings act towards things on the basis of the meanings that the things have for them. [...]

The second premise is that the meaning of such things is derived from, or arises out of, the social interaction that one has with one's fellows. [...]

The third premise is that these meanings are handeld in, and modified through, an interpretative process used by the person in dealing with the things he encouters.“ (Blumer 1969: 2)

II.II Klassen von Objekten und die Konstruktion von Bedeutung

Die Bedeutung von Objekten steht im Mittelpunkt des Interesses des SI.[1] Zum Verständnis sind zwei Dinge zu klären. Erstens: die Frage was man unter einem Objekt versteht. Zweitens: wie einem Objekt seine Bedeutung zukommt.

Man kann drei Arten von Objekten unterscheiden.

Es gibt physikalische Objekte wie etwa ein Tisch, ein Fahrrad oder Pflanzen.

Daneben gibt es soziale Objekte. Diese umfassen andere Menschen, jedoch nicht im Sinne des bloßen vorhanden seins. Hier werden vielmehr auch deren Handlungen und Rollen, wie etwa Student, Mutter oder Freund mit einbezogen. Auch gesellschaftliche Gruppen und Institutionen wie etwa Schulen oder Behörden zählen zu den sozialen Objekten.

Zuletzt gibt es die abstrakten, kulturellen Objekte. Zu ihnen gehören moralische Vorstellungen, Normen und Ideen (vgl. Blumer 1969: 10; Münch 2002: 261).

Zusammenfassend lässt sich sagen: alles was ein Akteur wahrnimmt ist ein Objekt.

Woher kommt nun aber die Bedeutung dieser Objekte?

Hier kann man drei verschiedene Positionen unterscheiden. Im Realismus wird behauptet, die Bedeutung der Dinge liegt in ihrem Wesen selbst. So ist ein Stuhl ein Stuhl. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben (vgl. Blumer 1996: 4). Man muss also nur das Wesen eines Objektes erkennen um dessen Bedeutung zu verstehen.

Entgegen dieser Position steht der Psychologismus. Er stellt die Annahme auf, Bedeutungen werden vom betrachtenden Subjekt in die Objekte gelegt. Die Psyche des Akteurs konstruiert also Bedeutung auf Grund von Gefühlen und Erinnerungen (vgl. Blumer 1969: 4).

Der SI widerspricht beiden Annahmen. Die Bedeutung eines Objektes kommt ihm weder aus seinem eigenen Wesen zu noch wird sie vom betrachtenden Subjekt einseitig auferlegt. Im SI kann Bedeutung nur aus der Interaktion der Akteuren entstehen, die sich auf das selbe Objekt beziehen. Die Reaktion der anderen Akteure auf die Bedeutung, die der erste Akteur einem Objekt zuteilt haben einen Einfluss darauf, ob der erste Akteur seine Bedeutung beibehalten oder abändern wird. Es handelt sich um einen gegenseitigen Prozess der Zustimmung oder Ablehnung von Bedeutung (vgl. Münch 2002: 161). Dabei ist zu beachten, dass es sich um einen interpretativen Prozess handelt. Er verläuft in zwei Stufen. So macht sich der Akteur zunächst selbst auf die Objekte aufmerksam auf die er sich bezieht. Dies geschieht in einer Art inneren Dialogs, die später noch genauer ausgeführt wird. Durch diesen Dialog ist der Akteur in der Lage die Bedeutung zu reflektieren, die er den Objekten zuschreibt. Dies tut er im zweiten Schritt in Bezug auf die Situation in der er sich befindet (vgl. Blumer 1969: 5). Hier lässt sich bereits erkennen, dass Bedeutung im SI niemals als determiniert oder konstant angesehen wird. Durch den Prozess der Interpretation kann sie immer wieder verändert werden.

II.III 6 Stammbilder des Symbolischen Interaktionismus

Nachdem wir die Prämissen als Grundlage des SI nachvollzogen haben, versuchen wir nun zu verstehen wie der SI die menschliche Gesellschaft beschreibt und erklärt. Blumer stellt hierzu 6 Stammbilder vor. Sie liegen dem SI zu Grunde (vgl. 1969: 6ff).

Beschaffenheit der menschlichen Gesellschaft und des menschlichen Gruppenlebens

Der SI geht davon aus, dass jede Gesellschaft aus handelnden Akteuren besteht. Gesellschaft ist also nicht, wie beispielsweise im Strukturfunktionalismus eine objektiv gegebene Tatsache. Sie ist das Ergebnis eines fortlaufenden Abstimmungsprozesses der handelnden Akteure. Diese können als einzelne Individuen, als Kollektive oder als Repräsentanten handeln. Das entstehen von Normen, Werten und Regeln sowie Status und Rollen sind nur möglich, wenn Akteure handeln. Diese Phänomene gehen also aus Handlungen hervor. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Gesellschaft nur als Handlung existiert und auch als solche wahrgenommen werden muss (vgl. Blumer 1969: 6-7). An dieser Stelle wird deutlich, dass es sich beim SI um eine Handlungstheorie auf der Mikroebene handelt.

Beschaffenheit sozialer Interaktion

Der Prozess der sozialen Interaktion ist verantwortlich für das Verhalten der Akteure. Wie sich ein Akteur einem anderen gegenüber verhält, wird weder durch Rollen oder Normen (wie in anderen soziologischen Paradigmen) noch durch Motive oder Einstellungen (wie es die Psychologie annimmt) bestimmt. Das Verhalten ist vielmehr abhängig von den gegenseitigen Reaktionen und Interpretationen der beiden Akteure. Interaktionen können in zwei Verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Blumer spricht von nicht-symbolische Interaktion und symbolischer Interaktion (vgl. 1969: 8). Bei der nicht-symbolischen Interaktion reagiert der Akteur auf eine Handlung eines Anderen reflexartig, ohne die Handlung des Andren zu interpretieren. Es findet also keine Reflexion der Handlung statt. Symbolische Interaktion besteht im Gegensatz dazu aus Gesten und Reaktionen auf die Bedeutung der Gesten. Unter einer Geste versteht Blumer jede Aktivität (= Teilaspekt einer Handlung) die auf die (Gesamt-)Handlung hinweist (vgl. 1969: 9). Dieser Hinweis wird sowohl vom Sender als auch vom Empfänger der Geste verstanden.[2] Stimmen beide in ihrer Interpretation der Bedeutung der Geste überein, verstehen sie sich. Hieraus lässt sich der triadische Charakter einer Geste verstehen. Jede Geste enthält Informationen darüber was der Empfänger tun soll. Sie zeigt ebenfalls an was der Sender zu tun beabsichtigt und letztlich wie die gemeinsame Handlung aussehen soll. Wird nur einer dieser drei Punkte fehlinterpretiert kann die gemeinsame Handlung nicht zustande kommen. Es kommt zum Missverständnis. Um ein solches Missverständnis zu vermeiden ist es unbedingt notwendig, dass sich jeder Akteur in die Rolle der anderen beteiligten Akteure versetzen kann (vgl. 1969: 9-10). Es liegt auf der Hand, dass Sprache eines der wichtigsten Medien der symbolischen Interaktion ist. Eine gemeinsame Sprache wird von Sender und Empfänger gleich verstanden und interpretiert (vgl. Schröter 2001).

[...]


[1] Der Begriff Symbolischer Interaktionismus wird im Folgenden mit SI abgekürzt

[2] Mead würde das, was Blumer als Geste bezeichnet wohl signifikantes Symbol nennen. Ein signifikantes Symbol wird von Sender und Empfänger in gleichr Weise interpretiert.

Details

Seiten
12
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638049184
ISBN (Buch)
9783638944021
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91537
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1.3
Schlagworte
Symbolischer Interaktionismus Konkrete Anwendung Würdigung Handlungstheorien

Autor

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