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Emblematik im Barock in Andreas Gryphius` "Catharina von Georgien"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 22 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Emblematik im Barock
2.1 Was versteht man unter dem Begriff „Emblem“
2.2 Die Verwendung des Emblems in Andreas Gryphius „Catharina von Georgien“
2.2.1 Das Ikarus Emblem
2.2.2 Das Meer und Seefahrts Emblem
2.2.3 Das Rosen Emblem

3. Darstellung des Emblems im Theater des Barock
3.1 Die Fahne
3.2 Die Person
3.3 Das Requisit
3.4 Die Bühne

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Keine Epoche der europäischen Kulturgeschichte ist so von Widersprüchen geprägt wie das Zeitalter des Barock.“[1]

Während sich zu Zeiten der Renaissance der Mensch seiner Freiheit und seiner schöpferischen Möglichkeiten bewusst wurde, sich erstmals als eigenständiges Individuum zu begreifen schien und sich ein dem Diesseits zugewandtes Lebensgefühl entwickelte, so scheint das Weltbild des barocken Zeitalters dem vollständig entgegen zu stehen. Nahezu jeder Lebensbereich ist von Antithetik geprägt: Ewigkeit und Zeit, Wohlstand und Armut, Aufbau und Zerstörung. Die starken Gegensätze und Spannungen bringen ein großes Vergänglichkeits-bewusstsein in der Gesellschaft zu Tage. Ebenso wirkt die Allgegenwärtigkeit des Todes, ausgelöst durch den 30-jährigen Krieg, der Lebensgier der Menschen entgegen, was sowohl die Entstehung von religiösen Schwärmereien, als auch fanatischem Glauben noch stärker vorantreibt. Die deutsche Barockliteratur versucht das Lebensgefühl der Zeit zu thematisieren und dabei besonders „ die polaren Spannungen, […] das Gegeneinander von üppigem Diesseitsgenuß und fanatischer Jenseitssehnsucht, […] Körperschwere und Geistesauftrieb[2] aufzugreifen und zu diskutieren. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei der Bildlichkeit zu. Über die Jahre hinweg entstand eine Vielzahl an Bildern, deren Bedeutungen festgelegt, und die, systematisiert und geordnet, den Dichtern des Barocks zugänglich waren. Sie wurden immer wieder aufgegriffen und in neuen Variationen dargestellt, wobei verbindliche Inhalte und vorgeschriebene Regeln einzuhalten waren. Die bedeutendsten Stilmittel sind dabei Metonymien, Metaphern, Embleme und Allegorien. So wird das 17. Jahrhundert oft auch als „emblematisches“ oder „allegorisches“ Jahrhundert bezeichnet.[3]

Auch Andreas Gryphius, der als Lyriker und Dramatiker zu den bedeutendsten deutschen Barockdichtern zu zählen ist, bedient sich in seinen Stücken zahlreicher dieser Stilmittel, wobei dem Emblem als solches, eine besondere Bedeutung zukommt. Im Folgenden soll daher die „allgemeine“ Bedeutung und Funktion, die das Emblem in der Zeit des Barock erhält, herausgearbeitet und einige der bekanntesten Embleme, anhand der von Andreas Gryphius verfassten Märtyrertragödie „Catharina von Georgien“, aus dem Jahre 1657, näher betrachtet, deren Auslegung beschrieben und ihre Funktion hinsichtlich des Stücks, diskutiert werden.

2. Emblematik im Barock

2.1 Was versteht man unter dem Begriff „Emblem“

Die Emblematik [französisch: ã`blɛːm; von griechisch: émblēma»Einlegearbeit mit Symbolgehalt«[4] ] stellt eine besondere Bildsprache des Barock dar, die als weit verbreitete Verknüpfung von Kunst und Literatur sowohl bildliche, als auch textliche Elemente miteinander verbindet. Als Schöpfer des Genres gilt der lombardische Jurist Andrea Alciato (1492-1550), der mit seinem „ Emblematum liber[5], einem Emblembuch aus dem Jahre 1531, eine Kombination von Devise und Sinnbild, durch lateinische Verse unterlegt, kreierte. Wider Erwarten sollte dies jedoch keine Sammlung von Mustern für das Kunsthandwerk, sondern eines der ersten Bücher einer sich entwickelnden literarischen Gattung des Barocken Zeitalters werden, in der der Originalität eines Textes nur geringe Bedeutung zugemessen wurde und eine Abgrenzung selbiger vielmehr über die genaue Einhaltung spezieller Vorgaben erfolgte. Der vielfache Gebrauch des Emblems „ beruht auf der Überzeugung, das Weltgeschehen stecke voller aufdeckbarer, heimlicher Verweise, verborgener Bedeutungen und verkappter Sinnbezüge und auf der Vorstellung vom Verweischarakter alles Sichtbaren auf einen höheren, inneren, prinzipiellen Sinn der Weltordnung.“[6] Diese weit verbreitete Annahme führte schnell zur allgemeinen Beliebtheit des Emblems und Einbindung in die Literatur des Barock.

In der Blütezeit der Emblematik zwischen 1530 und 1650 war es in der Literatur sogar kaum denkbar, auf Embleme zu verzichten. Ihre Bedeutung war „ festgelegt und durch Tradition verbürgt[7]. Wollte jemand ein literarisches Werk verfassen, das bei der Gesellschaft oder seinem Leser Anklang finden sollte, so war die Einbindung eines oder mehrerer Embleme unerlässlich, da diese mittlerweile Einzug in die „speziellen Vorgaben“ der Literatur gefunden hatten. Variationen des vorgegebenen Musters waren jedoch durchaus erwünscht.

Die äußere, festgelegte Form des Emblems, wie sie in barocken Sammlungen in Erscheinung tritt, ist durch eine dreiteilige Gliederung bestimmt: Die Überschrift, die so genannte „inscriptio“, die meist der lateinischen oder griechischen Sprache entstammt und durch Sprichwörter oder moralische Forderungen gekennzeichnet ist, beschreibt und verdeutlicht das sich darunter oder nebenan befindende Bild, die „pictura“ und verleiht ihm seine eigentliche, ganz individuelle Bedeutung. Die „pictura“ lässt sich als Sinnbild verstehen, mit dessen Hilfe in der Überschrift genannte Sprichwörter oder moralische Forderungen durch Motive aus dem biblischen Bereich, der Natur oder auch aus Vorgängen des täglichen Lebens, bildlich verdeutlicht und vereinfacht werden sollen. Die Herstellung der „pictura“ erfolgte meist in Form eines Holzschnittes, beziehungsweise Kupferstiches. Den dritten und letzten Teil des Emblems stellt die „subcriptio“ dar, ein Epigramm in lateinischen Versen, das wechselseitig sowohl Sinnspruch, als auch Sinnbild näher beleuchtet und dabei das „ bildlich Dargestellte erklärt, seine Bedeutung auslegt, es auf die Überschrift bezieht und vielfach daraus eine Lebensweisheit oder eine [...] Verhaltensregel abstrahiert,“[8] wie es Gero von Wilpert in seinem „Sachwörterbuch der Literatur“ aus dem Jahre 1989 definiert.

Abb.1: Brevis et damnosa voluptas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. Schöne, 1968.

Jedoch lassen sich auch hier sehr unterschiedliche Ansichten, Auslegungen und Verbindungstheorien zwischen „ inscriptio “, „ pictura “ und „ subcriptio “ finden. Albrecht Schöne beispielsweise versucht, die Funktion der drei Bestandteile dahingehend zu bestimmen, dass die „ inscriptio “ (Überschrift) eine Lebensregel aus der „ pictura “ (Bild) ableitet, ohne einen direkten Zusammenhang zwischen Bild und Motto

erkennen zu lassen, um dann mit Hilfe der „ subcriptio “ (lateinische Verse), in Form

eines Epigramms, eine Verknüpfung von Bild und Motto herbei zu führen, die das vom Dichter eingebundene Rätsel zu lösen versucht. Nimmt man die Ansichten jedoch genauer unter die Lupe, so besitzt jede der Definitionen etwas Wahres und keine ist als vollkommen falsch zu betrachten, da wie bereits erwähnt, Variationen im Rahmen festgelegter Begrenzungen möglich waren. Während zu Beginn der Emblematik Bilder gleicher Motive identischen Bedeutungen zu Grunde lagen, lässt sich im Laufe der Zeit die Veränderung durch Variation der Bilder und deren Bedeutungen deutlich erkennen. Eine Vielzahl der Erscheinungen in den Emblembüchern, weisen zahlreiche Abweichungen in Form und Interpretation auf. Dies ist vermutlich auf den enormen Ehrgeiz der Barockdichter zurückzuführen, deren Interesse neuen Auslegungen tradierter Bilder galt, um Altes neuartig zu wiederholen.

[...]


[1] Sanjosé, 1995.

[2] Gryphius, 1657, Abdr. der Ausg. von 1663, S. VII.

[3] Vgl. Herzog, 1979, S.92.

[4] Brockhaus Redaktion, 1997, Band 4.

[5] Alciato, 1531.

[6] Wilpert, 1989, S.230.

[7] BBT; EDK, 2005.

[8] Wilpert, 1989, S.230.

Details

Seiten
22
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638052030
ISBN (Buch)
9783638945066
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91646
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,3
Schlagworte
Emblematik Barock Andreas Gryphius` Catharina Georgien

Autor

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Titel: Emblematik im Barock in Andreas Gryphius`  "Catharina von Georgien"