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Gottesmutter und Messias - Eine religionswissenschaftliche Analyse über den Archetypus der Mutter in den Alien-Filmen

Seminararbeit 2007 19 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Grundsätzliche Überlegungen Zur Archetypentheorie C. G. Jungs
1.2 Weitere religionswissenschaftliche Aspekte

2. Alien
2.1 Die Mutterthematik
2.1.1 Muttergottheiten
2.1.2 Gute Mutter – böse Mutter
2.2 Apokalyptisches Szenario und Messiasthematik

Schluss

Literatur und Quellenverzeichnis

Einleitung

Seitdem ich mich für Rockmusik interessiere, begleitet mich ein schrulliger Schweizer Künstler mit seinen albtraumhaften Bildern. Es war das Cover der Schallplatte Brain Salad Surgery von Emerson, Lake & Palmer aus dem Jahr 1973, das mich zum ersten Mal mit Hansruedi Gigers Werk konfrontiert hat. Seit dem Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts – ich werde damals, als ich mir die Platte gekauft habe etwa 14 Jahre alt gewesen sein – kenne und schätze ich diesen Maler und Bildhauer. Bald darauf machte ich auch die erste Bekanntschaft mit Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, die jedoch aufgrund meiner Jugend und dem Horror dieses Filmes mehr als distanziert ausfiel. Dennoch haben mich dieser Film und in weiterer Folge seine Fortsetzungen immer wieder verfolgt, bis ich irgendwann einmal auch die Furcht vor den unheimlichen Kreaturen verloren habe (mein zunehmendes Alter und die damit verbundene Reife mögen hier wohl ihr Übriges getan haben).

Es sollte allerdings bis zu diesem Proseminar dauern, bis ich mich eingehender mit der Thematik auseinandersetzte. Und ich bin froh darüber, da ich die Filme nun in einem völlig anderen Licht betrachte. Plötzlich ergeben sie für mich einen tiefgründigeren Sinn, der abseits des bloßen Horrors mehr zu bieten hat.

Was dies ist, soll folgende Arbeit teilweise aufzeigen; wobei ich gleich zu Beginn bedauern muss, dass ich bei weitem nicht alle Aspekte so intensiv behandeln kann, wie ich es gerne gewollt hätte. Leider lässt der Rahmen dieser Arbeit keine ausführlichere Analyse zu. Dennoch hoffe ich, einen möglichst detaillierten Einblick in die tiefenpsychologische Struktur und religionswissenschaftliche Relevanz der Alien-Tetralogie geben zu können.

1. Grundsätzliche Überlegungen

Den Schwerpunkt der filmischen Analyse auf religionswissenschaftliche Aspekte zu legen, stellt bereits eine notwendige Einschränkung der vorliegenden Arbeit dar, da die Mannigfaltigkeit der Interpretationsmöglichkeiten derartiger cineastischer „Opera magna“, wie sie die Alien-Filme (unabhängig von der qualitativen Beurteilung) in ihrer Gesamtheit zweifelsfrei darstellen, natürlich evident ist. Dennoch muss für die folgenden Untersuchungen geklärt werden, welche Schwerpunkte gesetzt werden, da die Religionswissenschaften für sich bereits ein riesiges Gebiet von Inhalten und Themen abstecken. So haben etwa die Star-Wars-Trilogie (bzw. die zweifache Trilogie) und der „Hype“, der um sie entstanden ist, gezeigt, dass nicht nur die Inhalte dieser Filme unter entsprechenden Gesichtspunkten zu betrachten sind, sondern auch die Auswirkungen, die diese Geschichten auf unsere („westliche“) Gesellschaft bis heute gehabt haben. Im ersten Fall würde man sich wohl eher mit mythologischen oder quasi mythologischen Aspekten beschäftigen, im zweiten mit religionsphänomenologischen oder –soziologischen. Immerhin ist die Religion der „Jedi“ in Australien mittlerweile eine statistisch erfasste Größe. Doch darauf soll hier nicht näher eingegangen werden.

Zugegeben, Auswirkungen in derartigen Dimensionen, wie sie das Lucas-Imperium hervorgebracht hat, lassen sich bei den hier zu betrachtenden Filmen nicht nachweisen. Und dennoch kann man durchaus behaupten, dass Alien seinen kleinen Beitrag zur Gestaltung unserer Gesellschaft geleistet hat: Wenn der Begriff „Alien“ für außerirdische Lebensformen auch nicht durch die gleichnamige Filmreihe entstanden ist[1], so hat er sich im deutschen Sprachraum vor allem vor diesem Hintergrund (wohl gegen so prominente Konkurrenten wie „E.T.“ oder „A.L.F.“) durchgesetzt – und ist spätestens seitdem auch endgültig negativ konnotiert. Zudem gilt es als wesentliches Verdienst von Ridley Scott, dem Regisseur des ersten Teils, „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, dass er entgegen den damaligen Gepflogenheiten und Vorgaben (und auch gegen alle Widerstände der Produzenten!) zum ersten Mal eine starke Frauenfigur als Heldin im Action-Genre etabliert hat.[2]

In dieser Arbeit möchte ich mich im Besonderen auf eine Analyse der Filme und ihrer Charaktere vor dem Hintergrund der Archetypentheorie C. G. Jungs konzentrieren, da, wie wir sehen werden, diese Vorgangsweise aufgrund der Figurenkonzeption durchaus plausibel erscheint.

Grundsätzlich möchte ich voranstellen, dass ich auf eine detaillierte Darlegung der Inhalte der einzelnen Filme verzichte, da diese ohne größere Schwierigkeiten jedermann/jederfrau zugänglich sein sollten und außerdem der Umfang dieser Arbeit nicht dafürsteht.

1.1 Zur Archetypentheorie C. G. Jungs

Obwohl die Ideen Carl Gustav Jungs einen zentralen Aspekt meiner Untersuchungen bilden, möchte ich sie nur zusammenfassend und in Ansätzen präsentieren, da ich sie in ihren Grundzügen als bekannt voraussetze. Dennoch möchte ich meinen Untersuchungen einige zusammenfassende Zeilen zu diesem Thema voranstellen, um die wichtigsten Aspekte der Jung’schen Archetypenlehre in Erinnerung zu rufen.[3]

Mit Archetypen (griechisch: Urbilder) werden in der analytischen Psychologie Strukturelemente, sogenannte Strukturdominanten, bezeichnet, die das Bewusstsein beeinflussen. Diese Archetypen sind in ihrer Wirkung durch Symbole erfahrbar, etwa in Träumen oder aber auch in Märchen und mythologischen Bildern. Nach C. G. Jung gehören diese Archetypen einer „allgemein verbindlichen Schicht an, die er das ,kollektive Unbewußte’ nennt“[4]. Dieses ist laut Jung „ein Teil der Psyche, der von einem persönlichen Unbewußten dadurch negativ unterschieden werden kann, dass er seine Existenz nicht persönlicher Erfahrung verdankt und daher keiner persönliche Erwerbung ist“[5].

Zum Begriff der Archetypen und deren Verhältnis zum kollektiven Unbewussten führt Jung in seinem gleichnamigen Buch weiters an:

Der Begriff des Archetypus, der ein unumgängliches Korrelat zur Idee des kollektiven Unbewußten bildet, deutet das Vorhandensein bestimmter Formen in der Psyche an, die allgegenwärtig oder überall verbreitet sind. […] Im Unterschied zur persönlichen Natur der bewussten Psyche gibt es ein zweites psychisches System, von kollektivem, nicht-persönlichem Charakter, neben unserem Bewusstsein, das seinerseits durchaus persönlicher Natur ist und das wir […] für die einzig erfahrbare Psyche halten. Das kollektive Unbewußte entwickelt sich nicht individuell, sondern wird vererbt. Es besteht aus präexistenten Formen, Archetypen, die erst sekundär bewusstwerden können und den Inhalten des Bewusstseins festumrissene Form verleihen.[6]

Als zentrale Archetypen unterscheidet Jung: Persona (die „Seelenmaske“, mit der wir unser „wahres Gesicht“ vor der Außenwelt verhüllen), Schatten (der lebendige negative Teil der Persönlichkeit, der mit dem persönlichen Unbewussten identisch ist), Anima/Animus (kollektive Erfahrungen des Weiblichen bzw. Männlichen als das jeweils gegengeschlechtliche Nicht-Ich) und Selbst (den Gesamtumfang der psychischen Phänomene im Menschen).

Was die Kunst im Allgemeinen betrifft – und hier wird es für unsere weitere Filmanalyse interessant -, hebt Götz Pochat in seinen Ausführungen über den Symbolbegriff in der Ästhetik und Kunstwissenschaft auch die Bedeutung Jungs hervor.[7] Er betont die Bedeutung, die das kollektive Unbewusste für das künstlerische Symbol habe:

Nicht die einzelnen Bilder oder Mythen werden über die Jahrhunderte hinweg vererbt, sondern der Drang des Individuums, instinktiv gewisse gleichbleibende Vorstellungen, die einem bestimmten Thema zugehörig sind, zu entwickeln – symbolische Bilder, deren Grundmuster unveränderlich bleiben. Die Symbole lassen sich nicht auf ein bekanntes Faktum zurückführen, aber gerade deshalb scheinen sie den einzig möglichen Weg zur Kenntnis jener irrationalen und unbewußten, deshalb jedoch nicht minder wirklichen Sphäre der menschlichen Natur zu eröffnen.[8]

Natürlich ließe sich bei der Behandlung unseres Themas eine detaillierte psychologische Aufgliederung der einzelnen Filme und derer jeweiligen Komponenten (Figuren), eine umfassende tiefenpsychologische Interpretation durchführen, dies würde jedoch den Rahmen dieses Textes sprengen. Stattdessen möchte ich mich, zumindest was Jungs Archetypentheorie betrifft, auf den Aspekt der Anima beschränken.

1.2. Weitere religionswissenschaftliche Aspekte

In der Betrachtung der Alien-Filme soll als besonderer Fall der Anima die Mutterthematik als Grundlage dienen. Daneben gibt es freilich auch weitere Elemente, die gleichsam als Schablonen zur Betrachtung der betreffenden Inhalte fungieren können, etwa die messianische Struktur der Hauptfigur Ellen Ripley und der damit verbundenen Opferthematik oder das apokalyptische Szenario, das sich wie ein dunkler Nebel beim Betrachten der Filme um einen legt und dadurch erst die Essenz des Horrors ausmacht. Denn bei aller wissenschaftlichen Wertschätzung, die der Alien-Reihe durch diese Arbeit zuteil werden mag, darf man doch nie vergessen, dass man es hier hauptsächlich mit einem Medium zu tun, das der Unterhaltung dient. Doch alleine dies wäre es wiederum wert, einer religionswissenschaftlichen Betrachtung unterzogen zu werden – etwa in religionsphänomenologischem Sinn

[...]


[1] Der Begriff „Alien“, der sich von lat. „alienus“ – fremd, fremdartig - oder von lat. „alius“ – ein anderer – ableitet und im Englischen ursprünglich „staatenlos“ oder „Staatenloser“ bzw. „Fremder“ bezeichnet, lässt sich erstmals 1944 in der Science-Fiction-Literatur nachweisen (Vgl. dazu u.a. das OnlineEtymology Dictionary: www.etymonline.com)

[2] Vgl.: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt. In: http://de.wikipedia.org [18.03.2007].

[3] Vgl. zu diesem Kapitel die Ausführungen in: C. G. Jung: Archetypen. München: dtv 2006, S. 45ff.

[4] Götz Pochat: Der Symbolbegriff in der Ästhetik und Kunstwissenschaft. Dt. Erstveröff. Köln: DuMont 1983 (= DuMont-Taschenbücher 134), S.108.

[5] Jung: Archetypen., S. 45.

[6] Ebd., S. 45f.

[7] Vgl. Pochat: Symbolbegriff, S. 103ff.

[8] Ebd., S. 108.

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638052207
ISBN (Buch)
9783638945165
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91664
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Religionswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Gottesmutter Messias Eine Analyse Archetypus Mutter Alien-Filmen Darth Vader Herkules Morgana Mythologische Grundstrukturen Deutungsansätze Transformation Religionswissenschaften

Autor

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