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Geschichte sozialer Arbeit. Aspekte der Armut und Fürsorge vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrhundertwende

Eine kommentierte Literaturliste

Akademische Arbeit 2020 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Themenstellung
1.1 Einführung in den Themenbereich

2. Quellen
2.1 Quelle 1
2.1.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.1.2 Kommentierung
2.2 Quelle 2
2.2.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.2.2 Kommentierung
2.3 Quelle 3
2.3.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.3.2 Kommentierung
2.4 Quelle 4
2.4.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.4.2 Kommentierung
2.5 Quelle 5
2.5.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.5.2 Kommentierung
2.6 Quelle 6
2.6.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.6.2 Kommentierung
2.7 Quelle 7
2.7.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.7.2 Kommentierung
2.8 Quelle 8
2.8.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.8.2 Kommentierung
2.9 Quelle 9
2.9.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.9.2 Kommentierung
2.10 Quelle 10
2.10.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.10.2 Kommentierung
2.11 Quelle 11
2.11.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.11.2 Kommentierung
2.12 Quelle 12
2.12.1 Kurzbeschreibung des Inhalts
2.12.2 Kommentierung

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Themenstellung

Die vorliegende kommentierte Literaturliste befasst sich mit den verschiedenen Aspekten der Armut und Fürsorge vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrhundertwende.

1.1 Einführung in den Themenbereich

In der besuchten Lehrveranstaltung „Geschichte Sozialer Arbeit – in ihrem Verhältnis zu sozialen Bewegungen“ wurden zahlreiche Einblicke und Informationen über die verschiedenen Bewegungen vermittelt, welche das Interesse besonders für den gesellschaftspolitischen Hintergrund der alten Frauenbewegung weckten. Dabei interessierte das Leben der Arbeiter*innen1 in Armut und die Anfänge der Kinderarbeit durch die industrielle Revolution. Ebenfalls behandelte das Seminar die Armenfürsorge und deren Professionalisierung, weshalb man sich im Zuge dessen mit Mary Richmond, einer der einflussreichsten Wegbereiter*innen der professionellen Sozialen Arbeit beschäftigte. Die Thematik der Armut und Fürsorge, vor allem aber die Persönlichkeit Mary Richmonds beschäftigten noch weiter über das Seminar hinaus. Aus diesen Gründen soll das Ziel dieser kommentierten Literaturliste die Auseinandersetzung mit der passenden Literatur zu diesem Thema sein. Dabei möchte man mehr über die Begrifflichkeiten und verschiedenen Arten der Armut und Fürsorge erfahren und Einblicke in die Lebenssituation der Arbeiterfamilien gewinnen. Folgende Fragen kamen zu der Thematik auf und sollen in der kommentierten Literaturliste beantwortet werden: Was bedeuten Armut und Fürsorge? Wer wird als hilfsbedürftig oder arm angesehen? Ab wann gilt man als arm und gibt es einen Unterschied zwischen Hilfebedürftigen und Armen? Auch die Kinderarbeit, die Rolle der proletarischen Frau und die Einflussfaktoren von Bismarcks Versicherungen auf die Arbeiter*innen und die Armut werden bei diesem Thema von Wichtigkeit sein. Es wird nicht nur auf die Kinderarbeit während der Zeit der Industrialisierung eingegangen, sondern auch auf die Bedeutung und Hintergründe des „Schwabengehens“ um die Jahrhundertwende. Zwischen den Literaturquellen, die sich thematisch ähneln, werden Vergleiche untereinander angestellt.

2. Quellen

2.1 Quelle 1

Amthor, Ralph-Christian (2012): Einführung in die Berufsgeschichte der Sozialen Arbeit. Weinheim: Beltz Juventa (Studienmodule Soziale Arbeit)

2.1.1 Kurzbeschreibung des Inhalts

Amthors Monografie verweist auf die Not und das Elend während der industriellen Revolution. Die Arbeiter*innen lebten in „menschenunwürdigen“ Unterkünften und die Löhne sanken bis an die Grenze des Existenzminimums (vgl. S. 74). Diese soziale Not trieb viele Menschen zur Auswanderung. Die Fabrikarbeiter*innen beschreibt Amthor als Angstarbeiter*innen, da sie in ständiger Angst um ihren Arbeitsplatz und Lohn lebten. Aufgrund des massiven Arbeitskräfteangebots sank der Lohn auf ein Minimum. Für die Existenzsicherung mussten schon die Kinder einer Familie arbeiten. Marx und Engels verfassten 1847 in London das „Kommunistische Manifest“, worin sie die Geschichte als Weg der Befreiung des Menschen von Ausbeutung und Unterdrückung schildern.

2.1.2 Kommentierung

In der Monografie wird die Situation der Arbeiter*innen nachvollziehbar dargestellt. Es wird verdeutlicht, wie die Lebenssituation zwischen Existenzängsten und der Obdachlosigkeit oszilliert. Auch die Kinderarbeit in den Fabriken spielt hier eine zentrale Rolle, da sonst durch die zusätzliche Arbeit der Kinder der Lebensunterhalt der Familie nicht gesichert werden konnte. Amthor geht am Anfang des Kapitels ausführlich auf die gesellschaftliche Gliederung der Gesellschaft sowie die politische und wirtschaftliche Lage des Landes ein. Um die damalige Situation zu verstehen, ist das hilfreich, jedoch nicht relevant für das Thema. Wenn man diese Literaturquelle mit der von Lepenies (vgl. Quelle 2.62 ) vergleicht, wird deutlich, dass beide Autoren die Lebens- und Wohnsituation zur Zeit der Industrialisierung fast identisch beschreiben. Der einzige Unterschied ist, dass Lepenies auf die industrielle Reservearmee und Amthor auf die Angstarbeiter*innen eingeht. Bei Amthor wird das Kommunistische Manifest von Engels und Marx als ein wichtiger Lösungsansatz herausgestellt, um die Ausbeutung und Unterdrückung der Arbeiter*innen zu bekämpfen. Lepenies stellt Marx und Engels als zwei Menschen dar, die gegen die Industrialisierung sind. Was für eine Rolle in dieser Literaturquelle das „Kommunistische Manifest“ spielt, wird nicht ersichtlich.

2.2 Quelle 2

Baier, Jo (2003): Schwabenkinder (Film). Österreich, Deutschland: Film - Line Productions GmbH (de), Epo-Film Produktionsges.m.b.H. (at).

2.2.1 Kurzbeschreibung des Inhalts

Der Heimatfilm „Schwabenkinder“ von Baier spielt in Tirol zum Ende des 19. Jahrhunderts und beruht auf einer wahren Begebenheit. Im Jahr 1908 kommt Kaspar, der Protagonist der Geschichte, nach 20 Jahren zurück in sein Heimatdorf um seinem Vater, der im Sterben lag zu erzählen, wie es ihm beim Schwabengehen ergangen ist. Nach dem Tod von Kaspars Mutter wusste sein Vater nicht, wie er die Familie ernähren soll. Durch die Geldnot riet der Pfarrer dem Vater, seinen Sohn beim „Schwabengehen“ anzumelden. Ein katholischer Hilfsgeistlicher führte Kaspar und viele andere Kinder notleidender Bergbauer*innen über verschneite Gebirgspässe nach Ravensburg. Auf einem Straßenmarkt wurden die Kinder von dem Hilfsgeistlichen als Dienstbot*innen, Mägde und Knechte verkauft. Kaspars beste Freundin Magdalena kam als Hausmädchen in ein Handelshaus. Als Kaspar bei einem Saubauern arbeitete, floh er mithilfe eines Knechts. Er rannte nach Ravensburg und überredete Magdalena, die von ihrem Arbeitgeber geschwängert wurde, mit ihm fortzugehen. Sie migrierten nach Amerika und heirateten in Chicago. Als Kaspars Vater davon hörte, starb er glücklich im Beisein seines Sohnes.

2.2.2 Kommentierung

Baiers Film stellt die Situation der notleidenden Familien treffend dar. Dies wird deutlich durch Szenen, in denen die Kinder fortgeschickt wurden, damit die Familie überleben kann. Die Wanderung der Schwabenkinder wird als sehr gefährlich dargestellt, da sie im Winter über risikobehaftete Gebirgspässe laufen. Im Vergleich zu Uhligs Artikel (vgl. Quelle 2.12) wird das Schwabengehen ganz anders aufgeführt. Er benennt den Frühling als Startzeitpunkt der Wanderung. Der Film hingegen zeigt eine Seite, die mehr Gefahren birgt, weil dieser darlegt wie die Kinder bei Schnee über die Berge laufen und manche erfrieren. Außerdem stellt der Film es so dar, dass die Kinder nicht mehr zurückkamen und im Artikel beschreibt der Autor, dass die Kinder jeden Winter wieder nach Hause kamen. Es wird der Eindruck erweckt, dass entweder der Artikel verharmlost oder der Film zu überspitzt dargestellt wird. Mithilfe des Films kann sich gut in die Gedanken und Gefühle der Schwabenkinder bezüglich der Armut hineinversetzt werden, was ein wichtiger Aspekt für das Thema ist. Es müssen zu dieser Thematik mehr Literaturquellen miteinander verglichen werden, da die beiden verglichenen Quellen sich sehr stark unterscheiden, obwohl der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, laut Baier.

2.3 Quelle 3

Baron, Rüdeger (1995): Die Entwicklung der Armenpflege in Deutschland vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg. Die Wende zur staatlichen Sozialpolitik. In: Baron, Rüdeger; Landwehr, Rolf (Hrsg.): Geschichte der Sozialarbeit. Hauptlinien ihrer Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert. 3., korrigierte Auflage. Weinheim; Basel: Beltz (Edition Sozial), S. 34 – 40.

2.3.1 Kurzbeschreibung des Inhalts

Der Autor Baron beschäftigt sich in seinem Artikel des Sammelbandes mit der Armenpflege, Bismarcks verschiedenen Arten der Sozialversicherungen und deren Auswirkungen auf das Armenwesen. Zu Anfang erläutert er die Gründe für eine Arbeiterversicherung für Arbeiter*innen und geht darauf ein, warum diese notwendig ist. Außerdem befasst Baron sich mit Bismarcks Plan und welche Mittel er nutzt, um die deutschen Arbeiter*innen an die Monarchie und den Staat zu binden, jedoch scheiterte er (vgl. S. 39). Nur die Alters- und Invalidenrenten wurden mit einem Zuschuss vom Staat beschlossen. Ausgeschlossen von den Versicherungen waren körperlich und geistig Behinderte sowie arbeitsunfähige Menschen. Es wurde eine Prüfung der Bedürftigkeit durchgeführt, die den Fürsorgeanspruch regelte. Die deutsche Sozialversicherung gewann zusehends an Attraktivität und wurde in vielen Industriestaaten nachgeahmt. Am Ende des Artikels ist der Autor der Meinung, dass keine klare Grenze zwischen Sozialversicherungsnehmer*innen und Klient*innen der Fürsorge festgelegt werden kann, da sie dem ständigen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Wandel unterlegen sind.

2.3.2 Kommentierung

Bismarcks Versicherungen stellen einen wichtigen Aspekt dieser Themenstellung heraus, da es sich um die ersten Anfänge zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Armut handelt. Jedoch beschreibt und erklärt Baron sie so ausführlich, dass es für das in dieser Arbeit behandelte Thema zu weit führt. Zwischen den Sozialversicherungen und den Auswirkungen auf das Armenwesen stellt der Autor gute Bezüge her, da durch die Versicherungen die Armen einen Rechtsanspruch auf die notdürftigste Unterstützung im Falle von Krankheit, Invalidität und Rente bekamen (vgl. S. 39). Wenn man die Literaturquellen von Lepenies (vgl. 2.6) mit der von Baron vergleicht, wird erkennbar, dass Lepenies Bismarcks Sozialgesetze erwähnt aber nicht im Einzelnen benennt. Dieser Artikel verschafft einen detaillierten Überblick über die Arten der Versicherungen und zeigt somit die Relevanz für das Thema.

2.4 Quelle 4

Küster, Thomas (2008): Der Einfluss von Industrialisierung und sozialer Gesetzgebung auf die ländliche Armenfürsorge in Westfalen. In: Brandes, Inga; Marx-Jaskulski, Katrin (Hrsg.): Armenfürsorge und Wohltätigkeit. Ländliche Gesellschaften in Europa, 1850 -1930. Frankfurt am Main: Lang (Inklusion, Exklusion, 11), S. 54 – 59.

2.4.1 Kurzbeschreibung des Inhalts

Küsters Artikel im vorliegenden Sammelband bezieht sich auf die Formen der Armenfürsorge in den ländlichen Gebieten Westfalens bis 1870. Die kirchliche Fürsorge wird als ein entscheidender Faktor für das soziale Handeln auf dem Land dargestellt. Der Pfarrer hat die Armengelder verwaltet, bestimmt und verteilt je nach seinen verfügbaren Mitteln. Es wurden Landgemeinden wie Lippstadt und Brilon als Beispiel genannt, wo es außerhalb der öffentlichen Unterstützung private Hilfeleistungen gab. Darunter zählen Geldeinnahmen durch Kollekten oder Gewährleistung von Nahrung und Schlafplätzen gegen Tätigkeiten in Haus und Hof. Mit der Einführung des Unterstützungswohnsitzes nach 1842 hatte jeder einen Leistungsanspruch, der mindestens drei Jahre in der Gemeinde wohnte. Wollte jemand einen eigenen Hausstand in einer Gemeinde gründen, wurde vor Erwerb eine Prüfung durch die Gemeindeversammlung durchgeführt. Eine Familie musste verschiedene Kriterien erfüllen, um das Recht am Kauf von Grund und Boden zu erhalten. Dadurch ging man sicher, dass sie die Dorfbewohner*innen finanziell nicht belasteten. Die Vertreter*innen der Gemeinden übten damit eine massive Form der sozialen Kontrolle über das Recht auf Ansiedlung aus.

2.4.2 Kommentierung

Küsters Artikel gibt gute Einblicke in die ländliche Armenfürsorge, welche diese Arbeit gut ergänzen. Besonders die kirchliche Fürsorge nimmt eine wichtige Rolle ein, welche vorher nicht ersichtlich war, da in den meisten Literaturquellen aufgrund der Industrialisierung von städtischen Gebieten gesprochen wird. Der Autor zeigt die Wichtigkeit der ländlichen Armenfürsorge auf und bringt viele Beispiele als Erklärungen mit ein, um die Hilfeleistungen und die Situationen der Dorfbewohner*innen zu verdeutlichen. Diese Aspekte stellen sich als elementar für die Themenstellung heraus. Anfangs schreibt Küster verständlich mit vielen Beispielen ohne Überhäufung des Fachterminus, was sich jedoch im Laufe des Textes ändert und dieser wird erst nach mehrmaligen Lesen verständlich. Dennoch hat sich diese Literaturquelle als geeignet für weitere Recherchen erwiesen.

2.5 Quelle 5

Lambers, Helmut (2018): Geschichte der Sozialen Arbeit. Wie aus Helfen Soziale Arbeit wurde. 2., überarbeitete Auflage. Bad Heilbronn: Verlag Julius Klinkhardt

2.5.1 Kurzbeschreibung des Inhalts

Das Kapitel von Lambers’ Monografie thematisiert die Armut, Hilfebedürftigkeit und der daraus folgenden gesellschaftlichen Reaktion im 19. Jahrhundert. Der Autor beschäftigt sich mit der offenen und geschlossenen Armenfürsorge, welche sich beide jeweils in das System der privaten und öffentlichen Wohlfahrtspflege differenzieren lassen. Im privaten Bereich bildeten sich Anstalten für Waisen, Behinderte und Kranke heraus, während im öffentlichen Bereich das Prinzip der Arbeitshäuser und Arbeitsanstalten weiter ausgebaut wurde. Durch die Französische Revolution und die „Erklärung der Menschenrechte“ von 1793 wurde die öffentliche Fürsorge verpflichtend für alle Städte und Gemeinden vorgeschrieben (vgl. S. 127). Erste Sozialversicherungen wurden zum Schutz der Armen vor Risiken der Krankheit, Arbeitsunfähigkeit und der Versorgung im Alter gesetzlich eingeführt. In der offenen Armenpflege kristallisierten sich die unterschiedlichsten Organisationen der privaten Fürsorge heraus. In der öffentlichen Fürsorge führte die Stadt Elberfeld durch eine stark wachsende Armenbevölkerung das Elberfelder System ein, dabei wurde die Stadt in Quartiere aufgeteilt, wo jeweils ein*e Armenpfleger*in für vier Familien zuständig war.

2.5.2 Kommentierung

Der Autor geht sehr ausführlich auf die offene und geschlossene Armenfürsorge und deren Organisationen ein, die sich bei dieser Thematik als wichtige Aspekte erweisen. Die Organisationen werden nicht nur erklärt, sondern ihre Entstehung und Begründer*innen werden beschrieben, wodurch die Wichtigkeit der Organisationen deutlich herausgestellt wird. Als ein guter Lösungsansatz im Umgang mit der Armut zeigt sich das Elberfelder System für die Themenstellung, da es zum Vorbild in der Organisation der Armenpflege wurde (vgl. S. 132). Lambers weist darauf hin, dass die ehrenamtlichen Armenpfleger*innen auf Vorschlag der Kirche benannt wurden und ihr Amt drei Jahre ausüben mussten (vgl. ebd.). Vergleicht man diesen Verweis mit der Literaturquelle von Sachße (vgl. Quelle 2.11) fällt auf, dass er die Festlegung des Ehrenamts der Armenpfleger*innen auf drei Jahre in keinem Satz erwähnt. Der Vergleich zwischen den beiden Quellen wird angestellt, da sie beide die gleiche Thematik behandeln. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich diese Quelle für das Thema als hilfreich darstellt.

2.6 Quelle 6

Lepanies, Philipp (2017): Armut. Ursachen, Formen, Auswege. 1.Aufl. München: C.H.Beck (C.H.Beck Wissen)

2.6.1 Kurzbeschreibung des Inhalts

Der Autor behandelt im vierten Kapitel seiner Monografie das Thema „Armut und Industrialisierung“ und geht dabei auf die Lebens- und Wohnsituation der Industriearbeiter*innen ein, sowie auf Bismarcks Sozialversicherungen. Die Aufspaltung zwischen Kapitalisten und Proletariern wurde immer größer, der Autor beschreibt dies als zwei gegenüberstehende Pole (vgl. S. 56). Aus diesen Gründen führte der Kapitalismus zu immer stärker werdender Massenarbeitslosigkeit, was die Bildung einer industriellen Reservearmee begünstigte. „Wer arbeitslos wurde, sank meist sofort in die extreme Armut herab [... C.H.]“ (S. 59). In Deutschland verursachte zunächst nicht die Industrialisierung die Massenarmut, sondern das hohe Bevölkerungswachstum, welches zu einem Überangebot an Arbeitskräften führte. „Im Jahre 1880 gründete sich der Deutsche Verein für Armenpflege und Wohltätigkeit ‚gegen Verarmung und Bettelei‘ [... C.H.]“ (S. 60). Eine bewusste Trennung von Arbeiterversicherung und Armenfürsorge wurde vorgenommen, da Armenfürsorge anzunehmen, als stark stigmatisierend galt.

2.6.2 Kommentierung

Lepanies’ Kapitel verschafft einen guten Überblick über den Themenbereich der Armut in der Zeit der Industrialisierung, da er prägnant die Lebenssituation der Industriearbeiter*innen beschreibt. Ein wichtiger Aspekt in Bezug auf das Thema sind die Ursachen der Armut, die der Autor durch das Überangebot an Arbeitskräften und dem daraus resultierenden Risiko der Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit herausstellt (vgl. S. 59). Bismarcks Versicherungen beschreibt Lepanies als ersten Schritt, um einen Ausweg aus der Armut zu schaffen, da die Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen verbessert wurden und sie zunächst gesicherte Unterkünfte hatten (vgl. S. 58f). Durch mehrere Vergleiche mit anderen Literaturquellen (vgl. Quelle 2.1; Quelle 2.3) sind Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zwischen den Quellen aufgefallen. Lepenies und Baron beschreiben das Leben der Industriearbeiter*innen recht ähnlich. Auffallend ist, dass Amthor bei Bismarcks Sozialgesetzen tiefer in die Thematik geht als Lepenies und Marx und Engels werden bei ihnen in Bezug auf das Kommunistische Manifest sehr unterschiedlich dargestellt. Zwischen den Quellen von Lepenies und Amthor sind große Unterschiede feststellbar. In anderen Quellen wird darauf genauer Bezug genommen.

2.7 Quelle 7

Marx-Jakulski, Katrin (2008): Armut und Fürsorge auf dem Land. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1933. Göttingen: Wallstein (Moderne Zeit, 16)

2.7.1 Kurzbeschreibung des Inhalts

Marx-Jakulski setzt sich in ihrer Monografie mit der Definition und den verschiedenen Arten der Armut auseinander. Sie unterscheidet dabei zwischen absoluter und relativer, primärer und sekundärer sowie objektiver und nicht-objektiver Armut. Jede Form der Armut wird mit Beispielen in Bezug auf Nahrung, Wohnung und Kleidung sowie Arbeitsmöglichkeiten, soziale Kontakte und gesundheitliche Versorgung belegt. Personen können nach der Autorin nur als Arme erfasst werden, wenn sie einen Antrag auf Fürsorge oder Unterstützung stellen. Außerdem wird zwischen Armut und Bedürftigkeit unterschieden, wobei sich die Armut wieder in würdige Arme und unwürdige Arme unterteilen lässt. Die unwürdigen Armen waren überwiegend männlich und zeichneten sich durch seine*ihre noch vorhandene Arbeitsfähigkeit aus, die aber als Arbeitsunwilligkeit verstanden werden kann. Während die würdigen Armen weiblich, sehr jung bzw. sehr alt waren, genossen sie ein Recht auf Unterstützung durch die Verwurzelung in der Gemeinschaft.

2.7.2 Kommentierung

Die verschiedenen Arten der Armut stellen sich für diese Thematik als fundamental dar, weil somit die Fragen geklärt werden können, die zu Anfang der kommentierten Literaturliste aufkommen. Um Armut und die verschiedenen Arten besser verstehen und differenzieren zu können, nennt Marx-Jakulski einige Beispiele. Die Autorin geht am Anfang des Kapitels darauf ein, dass es schwierig sei, eine klare Definition von Armut zu finden, da es keine genauen Grenzen gebe. Für die weitere Bearbeitung der Themenstellung ist das bedeutend. Dabei betont die Autorin, dass Bedürftigkeit nicht als ein statischer, endgültiger Zustand angesehen werden, sondern als eine Lebensphase (vgl. S. 24). Jedoch sagt sie nichts über die Armut aus, ob das ein statischer Zustand oder eine Lebensphase ist, die genauen Unterschiede und Merkmale zwischen Armut und Bedürftigkeit werden nicht ganz ersichtlich. Besonders die Vergleiche zwischen Armut und Bedürftigkeit beschreibt sie sehr komplex, was zu Verwirrungen der Leser*innen führen kann. Ihre Erklärungen sind auch für fachfremde Personen geeignet und der Lesefluss wird nicht durch komplexe Fachbegriffe gestört. Es ist nicht klar ersichtlich, woher die Autorin ihre Schlüsse zieht, dass unwürdige Arme in der Regel männlich und würdige Arme in der Regel weiblich waren (vgl. S. 25).

2.8 Quelle 8

Müller, Carl Wolfgang (2013): Wie Helfen zum Beruf wurde. Eine Methodengeschichte der Sozialen Arbeit. 6. Auflage. Weinheim, Basel: Beltz Juventa (Edition Sozial)

2.8.1 Kurzbeschreibung des Inhalts

Der Autor Müller geht im ausgewählten Kapitel seiner Monografie auf den Seiten 23 bis 35 auf die Biografie und Fürsorgearbeit von Mary Richmond und die Hausbesucherinnen und ihre Hilfen im Einzelfall ein. Anfang des 19. Jahrhunderts organisierte Thomas Chalmers ehrenamtliche Mitarbeiter*innen für die Armenhilfe auf nachbarschaftlicher Basis und wurde mit diesem System Erfinder der „ehrenamtlichen Hausbesucherinnen“. Als Gründer der Charity Organization Society (COS) gilt Stephen Humphrey Gurteen, der 1877 die erste COS in Buffalo im Staat New York ins Leben rief. Diese Organisation galt als Clearingstelle, um Hilfesuchende zu registrieren und an geeignete Wohltäter weiterzuvermitteln. Außerdem geht Müller auf die geschichtliche Entwicklung und ersten Hilfsmaßnahmen zur Bekämpfung der Armut ein. Richmond wurde selbst zu einer Hausbesucherin und später zur Geschäftsführung der COS. Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete Mary Richmond die erste Fachschule für Sozialarbeit in New York. Sie publizierte ein eigenes Lehrbuch, wo sie die Ergebnisse einer Datensammlung von Personen veröffentlichte. Das Buch gilt als wissenschaftliche Grundlegung der vertieften und differenzierten Einzelfallhilfe.

2.8.2 Kommentierung

Die vorliegende Monografie ist für diese Arbeit von Nutzen, da sie die Anfänge der Fürsorge für Hilfsbedürftige ausführlich beschreibt und somit einen guten Einblick in die Thematik gibt. Durch die Biografie von Mary Richmond bekam das Kapitel einen roten Faden und war so leicht nachvollziehbar. Jedoch wurde teilweise die geschichtliche Entwicklung der Armut bis zurück ins 17. Jahrhundert (vgl. S.27f) aufgeführt und somit ausführlicher dargestellt, als es für das Thema erforderlich ist. Müller bringt die Erklärungen des Fachterminus gezielt mit ein, sodass der Lesefluss nicht unterbrochen wird. Die Gründer*innen der „ehrenamtlichen Hausbesucherinnen“, der Charity Organization Society und der ersten Fachschule für Sozialarbeit sind relevant, um die Geschichte der Fürsorge zu verstehen, und welche Auswirkungen es auf die jetzige Soziale Arbeit hat. Müllers Monografie ist verständlich geschrieben und Interessent*innen werden dazu ermutigt, sich näher mit dem Themenkomplex auseinanderzusetzen.

[...]


1 In dieser kommentierten Literaturliste wird das Gendersternchen als Mittel der sprachlichen Darstellung aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten mit der Intention verwendet, Menschen sprachlich gerecht zu werden, die sich nicht ausschließlich als männlich oder weiblich identifizieren möchten.

2 Es wird auf Quellen verwiesen, die in der Literaturliste erst später erwähnt werden, da die Sortierung der Quellen alphabetisch erfolgen muss.

Details

Seiten
19
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346239532
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v916944
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Darmstadt, ehem. Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Note
1,0
Schlagworte
Armut Fürsorge 19.Jahrhundert Geschichte Literaturliste kommentierte soziale Bewegungen Jahrhundertwende Werk Hausarbeit

Autor

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Titel: Geschichte sozialer Arbeit. Aspekte der Armut und Fürsorge vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrhundertwende