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Alternativer Risikotransfer (ART) - Finanzinnovationen im Versicherungskontext, insbesondere Verbriefung von Risiken / Securitization

Seminararbeit 2008 23 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Risikotransfer im Versicherungskontext
2.1 Klassische Methoden
2.2 Insurance Linked Securities als Finanzinnovation

3. Insurance Securitization
3.1 Grundstruktur einer Verbriefung von Risiken
3.2 Systematisierung der Gestaltungsmerkmale von ILB
3.2.1 Risikointensität
3.2.2 Schadenverlaufsabhängigkeit
3.2.3 Ausgestaltung der Trigger
3.3 Kostenaspekte einer Verbriefung
3.4 Bilanzielle Wirkung einer Securitization

4. Bewertung des Einsatzes von Insurance Linked Bonds
4.1 Bedeutung für die Versicherungsnehmer
4.2 Allgemeine Bedeutung aus Sicht der Versicherungsbranche
4.2.1 Spezielle Bedeutung für Erstversicherer
4.2.2 Spezielle Bedeutung für Rückversicherer
4.3 Bedeutung für die Investoren

5. Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Idealtypisches Grundmodell einer Securitization unter Begebung originärer Finanztitel

Abbildung 2: Bilanzielle Wirkung des Alternativen Risikotransfers

Abbildung 3: Reaktion der Kapitalmärkte auf Hurrikan Katrina

1. Einleitung

In Folge einer Reihe von schweren Naturkatastrophen zu Beginn der frühen 90er Jahre in den USA, wie zum Beispiel Hurrikan Andrew[1] oder das Northridge Erdbeben,[2] waren die Rückversicherungskapazitäten knapp und teuer.[3] Zum Zwecke des Risikotransfers wurden daher zum ersten Mal erfolgreich Versicherungsrisiken verbrieft und an den Kapitalmarkt begeben. Durch diese Innovation entstand ein Markt für originäre und derivative Wertpapiere, sogenannte Insurance Linked Securities (ILS), mit Bindung entweder an Schaden- und Unfallversicherungsrisiken (P&C) oder Lebensversicherungsrisiken.[4] Seit der Entstehung des ILS-Marktes ist ein enormes Wachstum zu beobachten.[5]

Ziel dieser Arbeit ist es, aufgrund der aktuell stetig wachsenden Akzeptanz von ILS Produkten den Nutzen von Verbriefungen/ Securitizations als Instrument des Alternativen Risikotransfers (ART) zu identifizieren, um dadurch eine fundiertere Prognose über die Entwicklung von ILS geben zu können. Mithilfe einer Gegenüberstellung der klassischen und alternativen Methoden des Transfers von Versicherungsrisiken soll veranschaulicht werden, inwiefern Verbriefungen eine Finanzinnovation darstellen. Aufgrund der wachsenden Bedeutung von Verbriefungen wird im Folgenden am Beispiel von Katastrophenanleihen (Cat Bonds) die Grundstruktur einer Securitization verdeutlicht, um anschließend anhand einer Analyse der unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten besser beurteilen zu können, warum Katastrophenanleihen für eine breite Masse von Investoren attraktiv sind. Die Beurteilung von Verbriefungen als ART Instrument wird durch eine Betrachtung der Kostenaspekte und eine Darstellung der bilanziellen Wirkungsweise abgerundet. Abschließend folgt eine kritische Bewertung des Nutzens von Verbriefungen aus Sicht der beteiligten Akteure, um dadurch die mögliche Weiterentwicklung von ILS Produkten für den Markt besser beurteilen zu können.

2. Risikotransfer im Versicherungskontext

2.1 Klassische Methoden

Der Transfer von Versicherungsrisiken ist insbesondere im Bereich der Schaden- und Unfallversicherung (P&C) kein neues Phänomen. Als klassische Methode bezeichnet man in diesem Zusammenhang den Risikotransfer mittels versicherungstechnischer Instrumente.[6] Die einfachste Möglichkeit eines Risikotransfers ist im Rahmen der Vertragsgestaltung realisierbar, wodurch erreicht wird, dass ein Teil des Risikos beim Versicherungsnehmer verbleibt.[7] Darüber hinaus können, wie bei der traditionellen Rückversicherung, Versicherungsunternehmen als Risikoträger fungieren, um im Schadenfall die Verluste des Zedenten ganz oder teilweise zu kompensieren.[8] In der Praxis findet man Fälle, bei denen das Ursprungsrisiko auf mehrere Versicherungsunternehmen gleichzeitig verteilt wird. Dies erfolgt im Rahmen von Mitversicherungen oder sogenannten Versicher­ungspools. Mittels einer Übertragung von Risiken auf andere Versicherungsunternehmen können diese i.w.S. von der gesamten Branche getragen werden. Folglich ist es durch einen Risikotransfer möglich, Ereignisse zu versichern, welche die Deckungsmöglichkeiten eines einzelnen Versicherungsunternehmens überschreiten.

2.2 Insurance Linked Securities als Finanzinnovation

Unter dem Begriff ‚Alternativer Risikotransfer’ versteht man die innovativen Methoden, versicherungstechnisches Risiko unter Verwendung von kapitalmarktspezifischen Instrumenten zu transferieren.[9] Die verwendeten Instrumente können in originäre und derivative Finanztitel unterteilt werden. Als Innovation und damit als etwas Neuartiges kommt dieser Methode zuteil, dass im Gegensatz zu den klassischen Methoden des Risikotransfers nun sämtliche Kapitalmarktteilnehmer als Risikoträger in Frage kommen.[10] Bezugnehmend auf die zuvor angesprochenen Deckungsmöglichkeiten im Sinne der klassischen Methoden ist anzumerken, dass durch Alternativen Risikotransfer die Versicherungskapazitäten[11] enorm erweitert werden, sodass nun Risiken, die bisher als unversicherbar galten, übernommen werden können.[12] [13] Darüber hinaus ist die innovative Methode des ‚Alternativen Risikotransfers’ sowohl für Erst- als auch für Rückversicherer praktikabel, wodurch Engpässe im Bereich des klassischen Risikotransfers vermieden werden.[14] Selbst Nichtversicherungsunternehmen[15] haben theoretisch die Möglichkeit, ohne Versicherer Risiken an den Kapitalmarkt zu begeben. Insurance Linked Securities erfüllen nicht nur den heutigen Bedarf an Risikotransferalternativen für die Versicherungsbranche, sondern haben gleichzeitig durch ihren innovativen Charakter zu einer Erweiterung der Versicherungs- und Anlagemöglichkeiten beigetragen.

3. Insurance Securitization

3.1 Grundstruktur einer Verbriefung von Risiken

Als Insurance Securitization wird die Verbriefung und der anschließende Transfer von Versicherungsrisiken an den Kapitalmarkt bezeichnet.[16] Zielsetzung der Verbriefung ist die Vereinfachung und Kostenreduktion einer Überführung der zuvor vom Versicher­ungs­markt getragenen Risiken auf den Kapitalmarkt.[17] Zu diesem Zweck können sowohl originäre als auch derivative Kapitalmarktinstrumente eingesetzt werden; die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Verbriefung mittels originärer Finanztitel, insbesondere Cat Bonds.[18]

Als Grundlage einer solchen Transaktion separiert der Erst- oder Rückversicherer aus seinem gesamten Versicherungsportfolio genau abgegrenzte Risiken, welche anschließend verbrieft und am Kapitalmarkt emittiert werden sollen. Für diese Transaktion sind in der Praxis zwei Methoden zu beobachten.[19] Im Rahmen einer direkten Emission werden die Wertpapiere direkt vom Versicherungsunternehmen an den Kapitalmarkt begeben. Die zweite Methode ist in ihrer Anwendung wesentlich häufiger zu beobachten und wird als indirekte Emission bezeichnet. Dabei werden die zuvor separierten Risiken an eine Special Purpose Vehicle (SPV)[20] zediert, die speziell für diesen Zweck gegründet wurde. Diese auch als Zweckgesellschaft bezeichnete Unternehmung fungiert im weiteren Sinn als Rückversicherer, da zwischen den beiden rechtlich selbstständigen Unternehmen unter Zahlung einer Prämie ein Rückversicherungsvertrag[21] abgeschlossen wird.[22] Das SPV refinanziert sich im Folgenden durch die Emission von Wertpapieren, die eine verbriefte Verbindung mit den versicherungstechnischen Risiken des Sponsors beinhalten. Das durch die Ausgabe der Wertpapiere an die Investoren erschlossene Kapital wird von der Zweckgesellschaft in Anlagen höchster Bonität, wie zum Beispiel Staatsanleihen, investiert und bei einer Depotbank hinterlegt. Die Anlage muss jederzeit liquidierbar sein, damit das Kapital im Fall eines Schadeneintritts beim Versicherungsunternehmen als Deckungsmittel zur Verfügung stehen kann. Die aus der Anlage in Anleihen höchster Bonität erzielten Erträge fließen nach Ablauf der Versicherungsdauer, sofern kein Schadenereignis eingetreten ist, samt der Prämienzahlung und des Deckungskapitals an die Investoren zurück. Auf die Behandlung im Schadenfall wird im folgenden Abschnitt im Rahmen der Gestaltungsmerkmale der Wertpapiere genauer eingegangen. Die folgende Abbildung 1 stellt die zuvor beschriebenen Erläuterungen idealtypischerweise dar.

Abbildung 1:Idealtypisches Grundmodell einer Securitization unter Begebung originrer Finanztitel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle in Anlehnung an: Eickstädt, J. (2001), S. 184.

In der Realität ist dieses Modell wesentlich komplexer, da diverse Dienstleister den Kreis an beteiligten Akteuren erweitern. So wird das SPV meist von einem Treuhänder operativ betreut, um die sachgerechte Verwendung des Kapitals zu gewährleisten und dadurch das Vertrauen der Investoren zu erhöhen.[23] Darüber hinaus ist es oft notwendig, die Wertpapiere von einer Rating Agentur bewerten zu lassen, da die Investitionen in ILB zum größten Teil von institutionellen Anlegern und Großanlegern getätigt werden, die zuweilen Verpflichtungen unterliegen, nur in bestimmte Bonitätsklassen zu investieren. Abgesehen von diesem Aspekt ist der Versicherungsmarkt ein sehr komplexes Gebilde, dessen spezifische Risiken für die Kapitalmarktakteure oft schwer einzuschätzen sind. Mittels eines Ratings können die Ausfallrisiken transparenter gemacht werden, was wiederum die Akzeptanz und Begebbarkeit von Insurance-Securitizations erhöht.

Modelling-Agenturen bieten technische Unterstützung bei der Verknüpfung des Katastrophenereignisses mit der gewünschten Zahlungsstruktur des zu transferierenden Versicherungsportfolios.[24] Die Strukturierung sowie die Vorbereitung und die tatsächliche Platzierung des Wertpapiers übernimmt i.d.R. eine Investmentbank. Zudem begleiten Rechtsanwälte und Steuerberater den Prozess, wodurch das Grundmodell nochmals erweitert wird.[25]

3.2 Systematisierung der Gestaltungsmerkmale von ILB

Von übergeordneter Bedeutung für den Zedenten und die Investoren ist die tatsächliche Ausgestaltung des mit dem Versicherungsrisiko verbundenen Wertpapiers. Im Folgenden soll dies unter besonderer Berücksichtigung von Katastrophenanleihen, sogenannten CAT Bonds, verdeutlicht werden.

In der Realität lassen sich eine Vielzahl von unterschiedlichen Erscheinungsformen von CAT Bonds beobachten, was auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Akteure zurückzuführen ist. Das Versicherungsunternehmen beabsichtigt mit der Verbriefung eine Deckung des versicherungsspezifischen Risikoexposures zu erreichen, muss dabei jedoch ein angemessenes Risiko-Rendite Verhältnis für die Investoren schaffen. Da deren Risikoneigung sehr unterschiedlich ausfällt, ergibt sich eine hohe Vielfalt an verschiedenartig gestalteten Anleihen, die insbesondere die Investorenbeteiligung im Schadeneintrittsfall regelt. Drei Gestaltungsparameter werden aufgrund ihrer besonderen Bedeutung im folgenden Abschnitt genauer behandelt.[26]

[...]


[1] Auf 2006 indexierter Gesamtschaden von 22 987 Mio. US Dollar; o.V. (2007): Natur- und Man-made-Katastrophen in 2006, in: Sigma Nr. 2, S. 35.

[2] Auf 2006 indexierter Gesamtschaden von 19 040 Mio US Dollar; o.V. (2007): Natur- und Man-made-Katastrophen in 2006, in: Sigma Nr. 2, S. 35.

[3] Stahlmann, Bert / Teller, Nicholas (2007), S. 915.

[4] o.V. (2006): Verbriefung - Neue Möglichkeiten für Versicherer und Investoren, in: Sigma Nr. 7, S. 5.

[5] Für eine Übersicht über die Wachstumsentwicklung von Katastrophenanleihen siehe Anlagennummer 4.

[6] Vgl. Liebwein, P. (2000), S. 368.

[7] In der Praxis wird dies zumeist durch Schadenbeteiligung, Schadenhöchstgrenzen oder Schadenminderungspflichten erreicht; Vgl. Liebwein (2000), S. 368.

[8] Vgl. Liebwein (2000), S. 368.

[9] Vgl. Zietsch, D. (2005), S. 361.

[10] Vgl. Liebwein, P. (2000), S. 369.

[11] „Die Branchenkapazität ist definiert als die Summe der finanziellen Ressourcen des Versicherungsmarktes im Verhältnis zum Ausmass (sic) möglicher Schäden.“; o.V. (2005), S. 31.

[12] o.V. (2005): Innovationen zur Versicherung unversicherbarer Risiken, in: Sigma Nr. 4, S. 1-42.

[13] Bereits 1 % des US-Kapitalmarktvolumens würde die Kapazität des gesamten US Versicherungsmarktes verdoppeln; Vgl. Liebwein, P. (2000), S. 370 f.

[14] Vgl. Liebwein, P. (2000), S. 390 f.

[15] Im Mai 1999 versicherte sich der Betreiber des Disneyland Tokio (Oriental Land) gegen die Schäden aus einer Naturkatastrophe ab; Vgl. Eickstädt, J. (2001), S. 204 f.

[16] Bereits in den 70er Jahren etablierte sich vor allem in den USA der Handel von forderungsgestützten Verbriefungen, sog. Asset Backed Securities (ABS). Insbesondere der Handel von Hypothekenkrediten, sog. Mortgage Backed Securities (MBS), führte zu einem rasanten Anstieg des Handelsvolumens von verbrieften Krediten; Vgl. Hartmann-Wendels, T. / Pfingesten, A. / Weber, M. (2004), S. 260 f.

[17] Vgl. Speck, K. (2005), S. 11.

[18] Man spricht in diesem Zusammenhang von sog. Insurance Linked Bonds (ILB).

[19] Vgl. Anders, S. (2005), S. 36 f.

[20] SPVs werden u.a. aufgrund steuerlicher Vergünstigungen in Gebieten gegründet, in denen gemilderte regulatorische Bedingungen zu finden sind. Damit ist zum Beispiel eine gemilderte Eigenkapitalhinterlegungspflicht gemeint. Zu diesen Gebieten gehören unter anderem die Cayman Islands.

[21] Die bilanzielle Darstellung erfolgt als Rückversicherung und wird von den Aufsichtbehörden anerkannt und hat somit positiven Einfluss auf die Solvabilität.

[22] Vgl. Hochrainer, S. (2006), S. 99.

[23] Vgl. Eickstädt, J. (2001), S. 185.

[24] Vgl. Ritter, M. (2006), S. 224 f.

[25] Siehe Anhang Anlagennummer 1 für eine erweiterte Darstellung des Grundmodells zur Securitization von Versicherungsrisiken.

[26] Eine umfangreiche Übersicht über wesentliche Gestaltungsmerkmale befinden sich im Anhang unter der Anlagennummer 2.

Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640102136
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91778
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,3
Schlagworte
Risikotransfer Finanzinnovationen Verbriefung Risiken Securitization Alternativer ART Versicherung Risiko ABS Alternativer Risikotransfer Zweckgesellschaft SPE SPV

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