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Lost decade in translation: Did the United States learn from Japan´s post-bubble mistakes?

Seminararbeit 2007 26 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemhintergrund
1.2 Begriffliche Grundlagen
1.3 Problemstellung
1.4 Gang der Untersuchung

2 Japan in den 1980ern und die USA in den 1990ern
2.1 Finanzielle Lage
2.2 Wirtschaftslage
2.3 Fiskalpolitik
2.4 Geldpolitik
2.5 Unterschiede

3 Situation in der Post-bubble Phase
3.1 Probleme in Japan Anfang der 1990er Jahre
3.2 Ungleichgewicht zwischen Sparen und Investitionsnachfrage
3.3 Probleme im Bankenwesen
3.4 Wechselkursbedingte Argumentation der Krise
3.5 Ähnlichkeiten und Unterschiede zu den USA

4 Lektionen aus Japans Fehlern
4.1 Geldpolitik
4.2 Fiskalpolitik
4.3 Finanzielle Überwachung - Bankenproblem

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemhintergrund

Ende der 1990er Jahre wurden Beobachter aufmerksam auf den starken Anstieg des amerikanischen Aktienmarktes und stellten Vergleiche zu Japan Ende der 1980er auf. Ökonomen machte sich Sorgen, ob die Erfahrung die Japan mit der geplatzten Blase und einer zehn Jahre langen Stagnation auch die USA treffen könnte. Viele Ähnlichkeiten wie der starke Wirtschaftswachstum und rasches Steigen des Aktienmarktes konnten festgestellt werden. Emerging Japanese Superstate oder Japan as Number One, diese Bezeichnung erhielt Japan in den 80er Jahren auch von amerikanischen Volkswirten. Mit einer Wachstumsrate von durchschnittlich 3,9% des BIP ließ man die Welt aufhorchen.[1] Nach dem Platzen der Bubbles allerdings stagnierte die Wirtschaft. Ähnliches wurde auch in den USA befürchtet. Nach dem Platzen der Aktienblase wurde deutlich, dass die USA nicht in eine Stagnation gefallen war. Es braucht halt mehr „than a bubble to become Japan“.[2]

1.2 Begriffliche Grundlagen

In der Literatur sind nicht unbedingt gleichlautende Definitionen für den Begriff des Bubbles (Blase) zu finden. Im Zeitablauf wurden diese Definitionen immer spezifischer und ausführlicher definiert. Josph E. Stiglitz definiert eine Bubble folgendermaßen: “If the reason that the price is high today is only because investors believe that the selling price will be higher tomorrow – when fundamental factors do not seem to justify such a price – then a bubble (boom-bust) exists.” „Wenn der Grund des hohen Preises heute nur ist, dass der Investor glaubt, dass der Verkaufspreis morgen noch höher ist – wenn Fundamentalfaktoren scheinbar keine Rolle spielen, dann entsteht eine Blase.“ Die Bubble stellt somit eine Abweichung vom Fundamentalwert dar, die durch die Erwartung der Investoren auf Kurssteigerungen zustande kommt.[3] In der Konjunkturtheorie sind Konjunkturumbrüche die Folge einer verzerrten Zinsstruktur bei inflatorischen Geldmengenentwicklungen. Daraus ergibt sich folgende Wirkungskette: Die Zinsen werden noch unter den Zinssatz bei freiwilligem Sparen gesenkt. Daraus resultieren steigende Investitionen und Aktienkurse. Die Kurs- und Preisentwicklung bei Aktien und Vermögenswerten löst sich schließlich von der wirtschaftlichen Entwicklung. Steigt der Zinssatz aufgrund eines Liquiditätsmangels an, der oft mit einer restriktiven Geldpolitik einhergeht, können sich die Aktien- und Vermögensanlagen als überbewertet erweisen. Daraus folgt dann eine Strukturbereinigung, dem Platzen der Blase.

1.3 Problemstellung

Ziel dieser Arbeit ist die Beantwortung der Frage, ob die USA aus den Fehlern der Japaner im Post-bubble Verhalten gelernt haben. Dafür ist es notwendig festzustellen, ob die Situationen der beiden Länder vergleichbar waren und ob die Japaner Fehler gemacht haben. Nur wenn dies der Fall ist, können die USA dieses Fehlverhalten vermieden haben.

1.4 Gang der Untersuchung

Im folgenden Kapitel wird die Situation von Japan und den USA in den Jahren vor ihrem Konjunkturhoch und der Blase analysiert. Dabei werden Ähnlichkeiten und Differenzen festgestellt. Im dritten Kapitel wird die Situation der beiden Länder nach dem Platzen der Bubble gekennzeichnet und erste Reaktionen der Entscheidungsträger aufgezeigt. Auch werden wieder Ähnlichkeiten und Differenzen festgestellt. Im vierten Kapitel werden die Fehler der Japaner aufgezeigt und ob die USA ebenfalls dieses Fehlverhalten gezeigt hat. Des Weiteren werden die Unterschiede aus den Kapiteln zwei und drei in den Verhaltensunterschieden deutlich gemacht.

2 Japan in den 1980ern und die USA in den 1990ern

Japan wuchs in den 1980er Jahren schneller als jede andere Volkwirtschaft. Der Aktienmarkt und die Immobilienpreise stiegen schnell und steil. Anfang der 1990er Jahre platzten diese Blasen. Die Wirtschaft Japans brach zusammen und war ein komplettes Jahrzehnt geschwächt.[4] Das Wirtschaftswachstum brach zusammen und kam nicht wieder auf die Beine. Die USA hatte in den 1990er Jahren ein immenses Wirtschaftswachstum. Auch hier bildete sich auf dem Aktienmarkt eine Blase die 2000 mit dem technologie-orientierten Nasdaq platzte.

2.1 Finanzielle Lage

Das Wirtschaftswachstum wurde in beiden Ländern von einem sehr starken Bullenmarkt begleitet. Der japanische Nikkei 225 Aktien Index stieg von 6.000 (1980) auf fast 40.000 Punkte (1989). Der Gesamtwert der Aktien der japanischen Unternehmen war höher als der Wert der Aktien aller US-Unternehmen und das bei nicht einmal der Hälfte der Einwohner und des BIP. Der S&P 500 Index vervierfachte sich von 1996 bis 2000 und stieg dann ca. 20% im Jahr. In beiden Fällen stieg der Aktienpreis mehr als die Gewinne. In Japan war das Preis-Ertrag Verhältnis verdreifacht, während es sich in den USA verdoppelt hatte. Einen Unterschied findet man im sonst ziemlich ähnlichen Anstieg, in der zeitlichen Abfolge und der Höhe der jeweiligen Werte.[5] Der Nikkei sank bereits über ein Jahr vor dem Konjunkturhöhepunkt, während dies in den USA fast ein Quartal vor dem Höhepunkt geschah. Der Umfang des Verlaufes zeigt einen größeren Unterschied zwischen den beiden Ländern. Der Nikkei wuchs 275% in fünfeinhalb Jahren, während der S&P 225% in sechs Jahren stieg. Nach dem Platzen der Aktienblase fiel der Nikkei um 38% pro Jahr und zog eine starke Bankenkrise mit sich. In den USA fiel der S&P um ca. 40% in zwei Jahren, stieg dann allerdings wieder leicht an, während sich der Nikkei über zehn Jahre auf dem abgeflachten Niveau hielt.[6] Ein wesentlicher Unterschied zwischen den USA und Japan ist, dass neben der Aktienblase, sich in Japan eine Immobilienblase gebildet hatte. Die Bank of International Settlements zeigt auf, das die realen Hauspreise in Japan sich in den 1980er Jahren verdoppelt haben, während sie in den USA konstant geblieben sind. Die japanischen Immobilienpreise hatten einen rasanten Anstieg 1981 bis 1991. Als der Konjunkturhöhepunkt überschritten wurde, sanken die Preise sehr rapide und standen 2001 auf demselben Wert wie 1981. Der ganze US-Staat Kalifornien war im Höhepunkt 1991 weniger Wert als das Grundstück des Kaiserpalastes (2,5 qkm).[7] In den USA wird ein völlig anderes Bild deutlich. Kuttner und Harrigan ziehen hierfür den U.S. Office of Federal Housing Oversight Index heran und den constant-quality Index vom U.S. Census Bureau. Trotz starken Wirtschaftswachstums ist in den Jahren vor dem Konjunkturhöhepunkt keine Trendänderung in den USA erkennbar. Nach dem Höhepunkt stiegen beide Indizes mit Werten zwischen 8% und 18% an.[8] Zwischen der Aktien- und der Immobilienblase in Japan bestand eine Wechselbeziehung. Der Aktienmarkt ließ Partnerschaften zu, die hohe Kreditsummen zu geringen Kosten aufnehmen konnte. Diese wurden in Immobilien investiert, um die Preise hochzutreiben und dann gewinnbringend zu verkaufen.

2.2 Wirtschaftslage

Nach dem 2. Weltkrieg gehörte Japan zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Die Wachstumsraten waren trotz Ölkrise 1973 sehr hoch und in der Zeit von 1973 bis 1990 lag das Durchschnittswachstum über derer der meisten OECD Staaten.[9] Eine Ähnlichkeit zwischen den USA und Japan findet sich im Wachstumsverlauf des BIP um den Konjunkturhöhepunkt. Das BIP Wachstum lag in beiden Ländern bei über 6% pro Jahr und die Inflationsrate – ausgedrückt durch die Steigung des CPI – erreichte ca. 4%.[10] Im Jahr nach dem Höhepunkt fielen beide Wachstumsraten Richtung Null. Im weiteren Zyklusverlauf erkennt man, dass die amerikanische Volkswirtschaft, sich danach stetig erholte, während die japanische sich weiter nahe dem Nullwachstum aufhielt.[11] Die Realinvestitionen beider Länder hatten ebenfalls einen sehr ähnlichen Verlauf. In Beiden stiegen die Realinvestitionen im Verhältnis zum BIP stark an. Dadurch konnte die Inflation flach gehalten werden, selbst als die Arbeitslosenzahlen sanken. In Japan hielt sich die Arbeitslosenzahl stetig bei 2%. In den USA sank sie von knapp 7% Anfang der 1990er auf 4% Anfang 2001.[12] Nach dem Konjunkturhöhepunkt kehrte sich dieses Verhältnis wieder um. Die Realinvestitionen stiegen in den USA im dritten Jahr nach dem Höhepunkt wieder an, während dies in Japan erst im vierten Jahr der Fall war.[13] Die Inflationsraten in beiden Ländern wurden von der Fluktuation auf dem Ölmarkt beeinflusst. Stark sinkende Ölpreise führten zu geringen Inflationsraten in Japan 1986 und 1987 und in den USA 98. Zum Ende der jeweiligen Dekade waren die Ölpreise sehr hoch und trieben somit die Inflationsraten an.

2.3 Fiskalpolitik

Während auf den Wachstums- und Vermögensmärkten die Situation etwas besser für die USA aussah, lässt ein Blick auf die Fiskalsituation starke Probleme erkennen. Vor dem Konjunkturhöhepunkt hatten sowohl die USA, als auch Japan einen sehr guten finanzwirtschaftlichen Zustand. Beide Länder erwirtschafteten Überschüsse in Höhe von drei bis vier Prozent des BIP. Nach dem Konjunkturhöhepunkt fiel der amerikanische Überschuss innerhalb von drei Jahren um 7,3% auf -3,2, in Japan ebenfall, aber „nur“ um 5,5%.[14] Blickt man auf die Nettostaatsverschuldung wird deutlich, dass Jahre vor dem Konjunkturhöhepunkt die Verschuldung der Japaner sehr viel stärker gefallen ist und im Höhepunkt einen Wert von unter 13% gemessen am BIP hatte. Die Nettostaatsverschuldung der USA hingegen befand sich im Konjunkturhöhepunkt bei 43%.[15] In Japan war die Ersparnisbildung maßgeblich für den Leistungsbilanzüberschuss, nicht zuletzt weil insgesamt Kapitaleinkünfte auf ein Vermögen von 14,5 Mio. Yen steuerfrei waren. So forderte das Ausland, die steuerliche Sparförderung abzuschaffen, was ab 1988 auch umgesetzt wurde. Man erhoffte sich dadurch eine geringere Sparquote und mehr Konsum.[16]

2.4 Geldpolitik

Die Befürchtung über stockendes Wirtschaftswachstum veranlasste in beiden Ländern zur Mitte der Dekade ein Absenken der Zinssätze. Mit dem Plaza Agreement 1985 versuchte die japanische Regierung die Wechselkurse, des aufwertenden Yens, politisch zu steuern. Durch Senkung der Leitzinsen und einer expansiven Geldpolitik wurde einer weiteren Aufwertung entgegengewirkt. Außerdem wurde befürchtet, dass ein hochwertiger Yen die Wirtschaft verlangsamen würde. Dies war eine Antwort auf den externen Druck die Binnennachfrage zu stärken und die Handelsüberschüsse zu reduzieren. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel 87 in Venedig erklärten die G7 Staaten, außenwirtschaftliche Ungleichgewichte zu beseitigen, indem Überschussländer wie Japan die Binnennachfrage stärken und Überschüsse abbauen sollen.[17] Japan wollte diesen Forderungen nachkommen und setzte weiter auf eine expansive Geldpolitik. Im selben Jahr kamen die ersten Befürchtungen der Bank of Japan (BoJ) auf, über das Geldangebot und die stark wachsenden Vermögenswerte. Allerdings waren ihnen weiterhin durch das Plaza Agreement und dem Louvre Accord 1987 die Hände gebunden. Selbst 1988, als die USA ihre Leitzinsen senkte, wurde von Seiten der BoJ nicht reagiert. Eine Erklärung für die Beibehaltung könnte sein, dass die Inflation sehr gering war. Die Konsumentenpreise stiegen.[18] Die BoJ warnte daraufhin, dass die Wirtschaft zu schnell und steil wachsen würde, aber die Inflation zu gering sei.[19] Die BoJ senkte zur Rezessionsbekämpfung die Zinsen. Die Japaner sollten sich günstig Geld leihen können um zu konsumieren. Nach dem keynesianischen IS-LM-Modell verschiebt sich die LM-Kurve bei einer expansiven Geldpolitik nach rechts, die Zinsen sinken und die Investitionen steigen.[20] Die Auswirkung war, dass sich die Geldmenge ausweitete, die Rendite auf Yen-Anlagen sank, der Kurs des Yen zum Dollar stieg, was einer Abwertung entspricht. Dadurch stiegen die Nachfrage nach japanischen Gütern und die Gesamtnachfrage. So senkte man in Japan in den späten 1980ern den langfristigen Zinssatz und weitete die Geldmenge kontinuierlich aus. Die BoJ gab der Stabilisierung des Yen mehr Gewicht, als ihre Konzentration auf die Stabilisierung der Vermögenswerte zu lenken. Dadurch wurde der Diskontsatz erst im Mai 1989 kontinuierlich erhöht.[21] Trotz dessen konnte der Wechselkurs nicht gehalten werden und die Wettbewerbsfähigkeit der importierten Güter nahm zu.[22]

[...]


[1] Vgl. Saxonhouse, G./Stern, R., 2002, S. 1.

[2] Vgl. Posen, A., 2003, S. 1.

[3] Goldberg, J./Nietzsch, R. von, 1999, S. 27.

[4] Vgl. Browne, L., E., 2001, S. 3.

[5] Vgl. Browne, L., E., 2001, S. 5.

[6] Vgl. Harrigan, J./Kuttner, K. N., 2004, S. 82.

[7] Vgl. Krugman, P., 2001, S. 93.

[8] Vgl. Harrigan, J./Kuttner, K. N., 2004, S. 83.

[9] Vgl. Bigsten, A., 2005, S. 596.

[10] Vgl. Clouse et al, 2000, S. 19.

[11] Vgl. Harrigan, J./Kuttner, K. N., 2004, S. 81.

[12] Vgl. Bowne, L., E., 2001, S. 6.

[13] Vgl. Harrigan, J./Kuttner, K. N., 2004, S. 81.

[14] Vgl. Harrigan, J./Kuttner, K. N., 2004, S. 84.

[15] Vgl. Harrigan, J./Kuttner, K. N., 2004, S. 84.

[16] Vgl. Browne, L., E., 2001, S. 5.

[17] Vgl. Schnabl, G., 2000, S.80f.

[18] Vgl. Jinushi, T./Yoshihiro, K./Ryuzo, M., 2000, S. 122f.

[19] Vgl. Okina, K./Shirakawa, M./Shiratsuka, S., 2000, S. 24.

[20] Vgl. Görgens E./Ruckriegel, K., 2002, S. 154f.

[21] Vgl. Fukao, M., 2003, S. 291.

[22] Vgl. Bigsten, A., 2005, S. 597.

Details

Seiten
26
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638058490
ISBN (Buch)
9783638948609
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v91791
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,7
Schlagworte
Lost United States Japan´s

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Titel: Lost decade in translation: Did the United States learn from Japan´s post-bubble mistakes?