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Zusammenarbeit von Pflegepersonal und Ärzten

Hausarbeit 2002 24 Seiten

Pflegemanagement / Sozialmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Intention

2.Geschichtlicher und geschlechtsrollenspezifischer Rückblick
2.1 Die Vor- und Frühgeschichtliche Zeit
2.2 Die Hochkulturen
2.3 Die Griechisch-römische Antike
2.4 Das Mittelalter
2.5 Das 18. Jahrhundert
2.6 Das 19. Jahrhundert
2.7 Das 20. Jahrhundert

3. Potentielle Konfliktursachen heute
3.1 Hierarchien
3.2 Unterschiedliche berufliche Sozialisation
3.2.1 Die Sozialisation der Ärzte
3.2.2. Die Sozialisation des Pflegepersonals
3.3 Äußere/ institutionelle Bedingungen

4. Lösungsmöglichkeiten
4.1 In Deutschland angewandte Konfliktlösungsmöglichkeiten
4.1.1 Qualitätszirkel
4.1.2 Therapeutische Teams
4.1.3 Gemeinsame Konferenzen
4.1.4 Gesundheitszirkel
4.1.5 Organisationsentwicklung
4.2 Internationale Ansätze
4.2.1 Case Management
4.2.2 Risk-Management
4.2.3 Transformational Nursing

5. Persönliche Stellungnahme

Literaturverzeichnis

1. Intention

„Eine menschenwürdige Betreuung, Behandlung und Pflege von kranken, alten und behinderten Menschen bedarf der intensiven Zusammenarbeit zwischen ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiter/innen. Um negative Auswirkungen auf die Patientensituation, wie mangelhafte Schmerzbekämpfung, längere Liegedauer, Alleine lassen von Sterbenden , unnötige Verlegungen zwischen Pflegeheimen und Krankenhäusern zu vermeiden, ist der partnerschaftliche Dialog zwischen beiden Berufsgruppen unumgänglich. Trotzdem scheint er mehr die Ausnahme als die Regel zu sein. Neben hierarchischem Denken und persönlichen Eigenschaften spielen hierbei vor allem eine Reihe struktureller Gegebenheiten eine wesentliche Rolle“ (s. Hofmann 2001, S.207). Diese Aussage trifft genau meine Ansicht zu diesem Thema. Leider habe ich bei meiner Arbeit als Krankenschwester häufig Situationen erlebt, in denen es zwischen Ärzten und Pflegepersonal zum Eklat kam. Aber sollten wir denn nicht zusammenarbeiten? Es macht doch so viel mehr Freude zur Arbeit zu gehen, wenn dort nicht Zwistigkeiten und Streit herrschen. Nicht zu vergessen die Patienten, die durch schlechte Absprachen, verschiedene Behandlungen und Aussagen, sowie ein schlechtes Allgemeinklima verunsichert werden und darunter zu leiden haben, ja sogar wesentliche Einbußen bei ihrer Gesundung erfahren müssen. Wo liegen Ursachen für das häufig mangelhafte Zusammenarbeiten zwischen der Ärzteschaft und der Pflege? Spielt ihre Geschichte eine Rolle? Der heute noch immer recht stark vertretene Geschlechterunterschied (Ärzte oft männlich; Pflegende oft weiblich) ? Welche Lösungsansätze gibt es bereits hier in Deutschland und welche Konzepte hat das Ausland hierzu entwickelt? Diesen Fragen möchte ich in dieser Arbeit nachgehen. Allerdings kann in dem vorgegebenen Rahmen nur ein kurzer Eindruck, oder ein paar Ideen oder Ansätze hierzu vermittelt werden, denn jeder einzelne aufgeführte Punkt hat einen weit größeren Umfang, als dass dies hier Platz finden könnte.

2.Geschichtlicher und geschlechtsrollenspezifischer Rückblick

Das was heute präsent ist, wurde sicherlich auch wesentlich durch die Vergangenheit und Entwicklung welche die beiden Berufsgruppen durchlaufen haben beeinflusst. Daher soll mit einem Rückblick in den geschichtlichen Verlauf der Beziehungen zwischen beiden Professionen begonnen werden. Hierbei wird unter anderem auf die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau eingegangen, da sie bis in die heutige Zeit hinein für die Zusammenarbeit und Unterschiedlichkeit der beiden Berufsgruppen relevant ist.

Bei der Literaturrecherche in Bezug auf die geschichtliche Entwicklung des Verhältnisses zwischen der pflegerischen und der ärztlichen Profession ließ sich feststellen, dass diese Bereiche nicht schon immer klar voneinander getrennt waren.

2.1 Die Vor- und Frühgeschichtliche Zeit

In der Vor- und frühgeschichtlichen Zeit lässt sich nur schwer festlegen, wer wie welche Tätigkeiten vornahm. Allerdings wird vermutet, dass Frauen in dieser Zeit einen gesellschaftlichen Aufschwung erlebten und sie somit auch den Rang von Schamaninnen einnahmen. Zuvor wurden Gerätschaften, die auf heilende Rituale oder chirurgische Instrumente hinweisen, nur in männlichen Gräbern gefunden (vgl. Schmitz 2002, S.305). Herberger äußert sich hierzu wie folgt: „In der Vorzeit waren es Heilerinnen, Schamanen, Medizinmänner und Zauberer, die sich um Kranke gekümmert haben. Sie hatten ein reiches Erfahrungswissen in der Heil -und Kräuterkunde , in praktischer Psychologie sowie auf dem Gebiet der Astrologie und Naturphilosophie. Diese Heiler und Heilerinnen waren gesellschaftlich hochgeachtete Menschen“ (s. Herberger 2000, S.51)

2.2 Die Hochkulturen

In den Hochkulturen Mesopotamiens, Ägyptens, Chinas und Indiens gibt es Hinweise auf das Amt eines Priesterarztes, welches auch von Frauen ausgeübt werden konnte. Allerdings gab es dann eine Veränderung des Weiblichkeitsmythos, so dass Frauen nicht mehr mit etwas Göttlichen assoziiert wurden und somit auch ihre Heilkraft verloren ging. Die Krankenpflege wird zu dieser Zeit so gut wie gar nicht als spezielle heilkundliche Tätigkeit erwähnt. Eine Ausnahme bilden die Schriften eines indischen Arztes namens Charaka. Er benannte in seinen Schriften Medikamente, Arzt, den Kranken und den Pflegenden als Vierzahl. Er führte ebenso die Tugenden auf, die ein Pflegender haben sollte, um positiv auf den Heilungsverlauf des Kranken einzuwirken (vgl. Schmitz 2002, S.305/306). Ansonsten geht man davon aus, dass Krankenpflege meist von der Familie übernommen wurde.

2.3 Die Griechisch-römische Antike

In der griechisch-römischen Antike gibt es Hinweise auf heilkundige Männer und Frauen, allerdings dominieren die Männer. Es gibt aber Quellen, die auf heilkundige Frauen und deren Tätigkeit als Hebammen und Frauenärztinnen hinweisen. Dies war aber wohl eher die Ausnahme. Aufgrund von Heldensagen und Abbildungen vermutet man, dass weibliche Heilerinnen ein großes Ansehen genossen, welches aber um 700 v. Chr. rapide abnahm, so dass zur Zeit von Hippokrates kaum noch Frauen auf diesem Gebiet tätig waren. Auch in dieser Epoche fand keine klare Abgrenzung zwischen Heilkunde und Krankenpflege statt. Es finden sich aber in griechischen und römischen Schriften zahlreiche Anweisungen zu pflegerischen Handlungen innerhalb des Therapieplanes. Pflege wurde in dieser Epoche hauptsächlich von Schülern oder Schülerinnen der Ärzteschaft oder auch von Gehilfen oder Sklaven durchgeführt (vgl. Schmitz 2002, S.305/306). Zusammenfassend kann man also sagen, dass Pflege und Medizin verknüpft waren und beides sowohl von Männern als auch von Frauen ausgeübt wurde, wenn auch die Männer stärker dominierten. Es fanden sich erste Erwähnungen der Pflege und dies lässt vermuten, dass pflegerische Tätigkeiten auch entweder an Familienmitglieder oder, wie zuvor erwähnt, an Schüler oder Sklaven delegiert wurde. Im vierten Jahrhundert wandelte sich das Gedankengut in Bezug auf Pflege noch einmal wesentlich durch die christliche Motivation. Die Verteilung der Geschlechter ist allerdings umstritten.

2.4 Das Mittelalter

Im Mittelalter entwickelte sich die Krankenpflege immer mehr in Form von eigenen Organisationen. Es wurden Hospitäler gebaut, welche von Klöstern, Orden und Bruderschaften unterhalten wurden. Diese widmeten sich den Kranken, Pilgern und Kreuzrittern. Auch auf kommunaler Ebene wurden nun bereits Hospitäler eingerichtet und der Bedarf an Krankenpflege wuchs enorm (vgl. Schmitz 2002, S.306). Dieses durch den christlichen Glauben angeregte Dienen war jedoch nicht ganz selbstlos, man wollte sich ein gutes Leben im Jenseits ermöglichen, sozusagen „den Platz im Himmel“ sichern. Dennoch spielte die Vorstellung von Demut und Dienen eine tragende Rolle. Die Pflege wurde gleichermaßen von Männern wie Frauen ausgeübt. Eine klare Trennung der Pflege von der ärztlichen Therapie in den Hospitälern hatte im 12. Jahrhundert stattgefunden (vgl. Schmitz 2002, S.306). Außerhalb der Spitäler kümmerten sich viele verschiedene Heilkundige um die Kranken. Markant ist eine Klausel welche die Barmherzigen Schwestern dazu verpflichtetet Achtung und Gehorsam gegenüber den Ärzten zu zeigen. Kritik an ärztlichen Anweisungen wurde als Missgriff im Urteil, entstehend aus Unkenntnis bewertet. Dies ist das erste Mal, dass sich eine ausdrückliche Anweisung findet, nach der sich die Krankenpflege den Ärzten zu unterwerfen hat! Die studierte Medizin focht im Mittelalter einen harten Konkurrenzkampf gegen die Heilkundigen, meist Frauen aus, die in der Geburtshilfe tätig waren und sich in der Frauenheilkunde auskannten, „Die Verdrängung der Frauen aus der Heilkunde und ihre Unterdrückung waren keineswegs eine natürliche oder zwangsläufige Entwicklung. Sie beruhten zunächst auch nicht auf einer wissenschaftlichen Überlegenheit der Ärzte, sondern waren Teil eines politischen Macht- und Geschlechterkampfes, den die Ärzte nur deshalb gewinnen konnten, weil sie mit der weltlichen und geistlichen Oberschicht, der sie selbst entstammten, verbündet waren.“ (s. Bischoff 1997, S.33).Wie die weibliche Heilkunde ihr Ende fand und es zu einer Monopolisierung durch die Ärzte kam, hat Claudia Bischoff in ihrem Buch sehr eindrucksvoll, aber auch schockierend umschrieben. Teil dessen ist beispielsweise auch die Hexenverbrennung, welcher viele heilkundige Frauen, die auf Naturheilbasis arbeiteten, zum Opfer fielen.

2.5 Das 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert begannen Ärzte Pflegepersonal auszubilden, damit es „den wachsenden ärztlichen Ansprüchen an die Krankenpflege gerecht werden konnte (s. Schmitz 2002, S.309). Allein diese Aussage drückt deutlich das neu entstandene Hierarchie und Abhängigkeitsverhältnis aus, welches sich bis heute weiter fortgesetzt hat, wenn auch mit Abweichungen. Das neue Ausbildungssystem brachte es mit sich, dass Dokumente entstanden, in welchen Pflichten, Aufgaben und Eigenschaften der Krankenpflegewärter und Krankenpflegewärterinnen aufgeschrieben wurden. Meines Erachtens kommt dies einer ersten Definition und/oder auch einem ersten schriftlichen Tätigkeitskatalog, entworfen von Ärzten nahe. Diese vermerkten, die Pflege solle die Vorschriften und den Rat von Ärzten und Wundärzten genau befolgen und in Sachen welche es erfordern, äußerst verschwiegen sein (vgl. Schmitz 2002, S.309). Ebenso wird erwartet, dass in einem gesunden Körper eine gute wohltuende Seele steckt. Der Krankenpfleger soll nicht “quacksalben“, sondern den Kranken bedienen und fromm und treu sein. Von einem bestimmten Geschlecht, welches sich besonders für die Pflege eignet, war hier noch nicht die Rede.

2.6 Das 19. Jahrhundert

Erst im 19. Jahrhundert. verbreitete sich die Vorstellung sehr stark, dass Frauen besonders geeignet für die Pflege seien. „Die Medizin entwickelte sich zur Naturwissenschaft“ (s. Schmitz 2002, S.309). Der Bedarf an medizinischer und pflegerischer Versorgung wuchs enorm durch Kriege und die Industrialisierung. Frauen befand man von ihrem Körperbau und ihrem Gemüt her für besser geeignet, um in der Pflege zu arbeiten. Andererseits hielt man sie nicht für geeignet, das Medizinstudium aufzunehmen. Der Beruf der Krankenpflege bot sich in dieser Zeit vor allem für Frauen aus dem Mittelstand an. Die brachliegende weibliche Arbeitskraft sollte aktiviert und der Gemeinschaft nützlich gemacht werden(vgl. Bischoff 1997, S.82/83). „Die müßige, untätige und wertlose weiblich-bürgerliche Existenz soll ihr Frau- sein, ihre weibliche Bestimmung im gottgefälligen, rastlosen Tun für andere, im Leben für andere, in der Selbstlosigkeit verwirklichen“(s. ebd., S.83). Das war zu der Zeit die Devise. Die Ausnutzung der weiblichen Arbeitskraft war natürlich auch aus ökonomischer Sicht sehr vorteilhaft. Allerdings wurden meist gebildete Frauen bevorzugt, um in ihrer, den Ärzten bedingungslos unterworfenen Rolle, deren Ansprüchen auch genüge tun zu können. Immer mehr Aufgaben wurden aufgrund des erhöhten Bedarfs und Arbeitsaufwandes an die Pflege delegiert. Die Entwicklung der Medizin trieb den Arzt immer weiter vom Krankenbett weg, er brauchte aber eine gehorsame, ausgebildete, willige und zuverlässige Arbeitskraft für die alltägliche Versorgung. Diese durfte aber keinesfalls seine Kompetenz anzweifeln. Im Zuge dessen wurden von Ärzten Pflichtkataloge entworfen, in denen die Schwestern sehr stark auf die Bedürfnisse des Arztes festgelegt wurden. Die Schwester war untergeordnete Gehilfin und Ergänzung des Arztes und sollte in ihm Lehrer und Meister sehen (vgl. ebd. S.99/100). Sie ist dem Arzt gegenüber informationspflichtig, umgekehrt ist dies aber nicht der Fall. Außerdem hat sie die Vermittlerfunktion inne und soll im vollkommenes Vertrauensverhältnis zum Arzt stehen. Die Pflege wurde der Medizin völlig untertan gemacht.

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Details

Seiten
24
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638159609
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9190
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,7
Schlagworte
Zusammenarbeit Ärzte Pflege

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