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Die Gründung des Korinthischen Bundes. Philipp II.'s Intention eines gemeinsamen Friedens?

Hausarbeit 2019 12 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diod. 16,89,2
2.1 Begriffsklärungen

3. Die Relevanz des Korinthischen Bundes für Philipp II

4. Fazit

5. Originalquelle Diod. 16,89,2 (C. B. Welles)
5.1 Übersetzung (von Otto Veh)

6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Gründung des Korinthischen Bundes unter König Philipp von Makedonien im Jahre 338/7 v. Chr. gilt in der Forschung als ein Ereignis, dem viele Historiker einen hohen Bedeutungswert zusprechen.1 Dies liegt unter anderem daran, dass Philipp II. und dessen Sohn Alexander als die Wegbereiter der hellenistischen Herrschaft betrachtet werden2 und der Korinthische Bund als die Krönung der Griechenlandpolitik Philipps seit 346 eingestuft wird.3 Ob die Intention eines allgemeinen Friedens die Basis dieses Bündnisses darstellte, ist Gegenstand der vorliegenden Untersuchung.

Die Grundlage dieser Arbeit ist der Quellenauszug Diod. 16,89,2, der im Folgenden im Hinblick auf die oben aufgeworfene Fragestellung analysiert wird. Ein abschließendes Fazit wird die vorausgehende Untersuchung zusammenfassen und die für die Argumen­tation relevantesten Punkte darlegen.

2. Diod. 16,89,2

Über das Leben des Diodorus Siculus lässt sich wenig in den historischen Quellen finden. Das meiste Wissen über ihn verdanken wir seinem eigenen Geschichtswerk Historische Bibliothek.

Allgemein wird Diodor nachgesagt, er habe keine eigene Forschung betrieben und sich zu jedem Thema seines Werks die nötigen Informationen aus bereits vorhandenen Quel­len angeeignet.4 Die Stellen, für die der Geschichtsschreiber keine passenden Werke auf­finden konnte, weisen daher grobe inhaltliche und chronologische Lücken auf.5 Ähnlich verhält es sich mit der vorliegenden Quelle. Diodors knapper Bezug auf die Gründung des Korinthischen Bundes beschränkt sich inhaltlich auf Philipps Offenbarung des Plans gegen die Perser zu ziehen und in diesem Zusammenhang die Forderung von verbündeten Truppen. Informationen, wie beispielsweise Bedingungen der Friedensvereinbarung als solche werden von ihm nicht thematisiert.6 Auch eine Beschreibung der Bundesorgane und deren Funktion innerhalb des Friedensschlusses wie dem Bundesrat, welchen man Synhedrion nannte7, sowie Angaben zum Bundesfeldherrn, zu dem Philipp ernannt wurde, behandelt Diodor im vorliegenden Auszug nicht.

Trotz der Mängel, die die Kompilation aufweist, ist sie für die nachfolgende Zeit nicht unbedeutend, da viele alte und in großen Teilen verlorengegangene Schriften bei Diodor noch zu finden sind.8

2.1 Begriffsklärungen

Die Auseinandersetzung mit dem Quellenauszug Diodors und der Fragestellung, ob die Intention Philipps II. für den Korinthischen Bund ein neuer gemeinsamer Frieden war, erfordert zunächst die Klärung einiger Begrifflichkeiten und die Vorstellung der Person Philipps.

Philipp II.: Philipp II. war 356-336 der König Makedoniens und gilt als der Begründer der makedonischen Großmacht. Er schuf einen zentral regierten Staat und betrieb durch eine Heeresreform eine expansive Außenpolitik. Seine kluge Heiratspolitik gewährte ihm finanzielle und diplomatische Mittel, um den Süden anzugreifen. Ein Ausgreifen nach Asien verhinderte letztlich seine Ermordung. Sein Vorhaben führte sein Sohn Alexander fort.9

Koine eirene: Koine eirene meint den Allgemeinen Friedensschluss. Dieser war ein mul­tilaterales Friedenskonzept des 4. Jahrhunderts. Inhalt der Koine eirene war stets die For­derung nach der Autonomie der Polis sowie die Verbindlichkeit für alle.10

Korinthischer Bund: Der Korinthische Bund meint den Zusammenschluss der griechi­schen Staaten 338/7 durch Philipp II. von Makedonien nach der Schlacht von Chaironeia bei einem Treffen in Korinth. Dieser Bund umschloss den Quellen zu Folge alle griechi­schen Staaten außer Sparta und war mit einem Vertrag zur Schaffung eines Allgemeinen Friedens verknüpft.11

3. Die Relevanz des Korinthischen Bundes für Philipp II.

Innerhalb des Quellenauszugs wird Philipps Vorhaben gegen Persien in den Krieg zu zie­hen deutlich.12 Der König verstand es, die Griechen auf seine Seite zu ziehen. Die For­schungsliteratur untermauert dies aus zwei Gründen. Das Rachemotiv für erlittenes Un­recht von Philipp, welches als der entscheidende Grund für den Zug gegen die Perser verkündet wurde, war bei den Griechen eine verbreitete und populäre Kategorie des Den­kens und Fühlens und in keiner Weise anstößig.13 Hinzu kommt, dass dem König „die Kunst zu bestechen und die Gabe, durch seine Freundschaft die Menschen an sich zu fesseln“14 zugeschrieben wurde. Deutlich wird dies in Diod. 16,3,1. Diodor beschrieb eine Situation, in der Philipp den Makedoniern Mut einflößt und sie zur Tapferkeit auffor­dert.15 Daraus lässt sich schließen, dass Philipp in solchen Situationen zu ahnen schien, welche Worte bei seinen Hörern auf Zuspruch treffen würden. Ulrich Wilcken betitelte Philipp II. regelrecht als „Meister der Diplomatie und Staatskunst“16. Diesen Begründun­gen nach zu urteilen, schien er zu wissen, wie er die Bündnismitglieder von seinem Vor­haben überzeugen konnte und wie er somit die Grundvoraussetzung für das Erreichen seiner Ziele schaffen konnte.

In der Forschung herrscht Uneinigkeit darüber, ob der Rachekrieg tatsächlich Philipps Ziel war oder nur ein Vorwand, um seinen Siegeszug in Kleinasien fortzuführen und die damit verbundene Ausdehnung der makedonischen Hegemonie.17 18 So schrieb auch Polyb­ios in seinen Historien, dass Philipps Vorwand für den Krieg die Rache an den Persern gewesen sei.

Diodor schrieb, dass es in Philipps Interesse lag, die Angelegenheiten des gemeinschaft­lichen Nutzens zu diskutieren.19 Athen war für ihn von Bedeutung, da er sein Vorhaben nur schwer ohne die Unterstützung der Athenischen Flotte hätte durchsetzen können.20 Daher erklärte sich Philipp bereit, den Athenern die im Krieg Gefallenen zurück in die Stadt zu holen und so Athens Zuspruch zu erhalten. Er zeigte sich ihnen gegenüber äußerst großmütig.21 Einen weiteren Grund für Philipps milde Strafen beschrieb Ralf Ur­ban, indem er sagte, dass Philipp für die Durchsetzung seines Vorhabens Ruhe in Grie­chenland benötigte. Es war nicht unwichtig, die in den Städten herrschende Schicht nicht zu sehr zu verärgern oder gegen sich aufzubringen, da sonst die Gefahr drohte, dass sich die Betroffenen nicht wie in der Vergangenheit Hilfe und Schutz bei anderen Mächten suchten.22 Dies hätte Unruhen und eine Bedrohung für die Hegemonialstellung des ma­kedonischen Königs mit sich ziehen können. Dennoch hatten die teilnehmenden Staaten gewisse eidliche Pflichten, wie beispielsweise keinen Krieg gegen ein anderes Mitglied zu führen, nicht gegen die Königsherrschaft Philipps und seiner Nachkommen vorzuge­hen und den Weisungen des Synhedrions und Hegemons zu folgen.23

Dass Philipp die Poleis, aus denen er mehr eigenen Nutzen ziehen konnte besser behan­delte als die weiteren Staaten, zeigt sich auch in seinem Umgang mit Theben. Hermann Bengtson drückte deutlich aus, dass „nur Theben [...] die ganze Schwere der Faust [Ma­kedoniens] spüren [musste]“24. Ihnen ließ der König Makedoniens keine Wahl hinsicht­lich des Beitritts zum Korinthischen Bund und ordnete die Aufnahme einer makedoni­schen Garnison an.25 Die Bedrohung, die von der Vormachtstellung Thebens im Böoti- schen Bund ausging, wurde somit beseitigt.26 So musste Philipp keine Sorge mehr hin­sichtlich seiner Hegemonialstellung haben. Die Installation der makedonischen Besatzun­gen empfanden die Griechen als „ein Zeichen von Knechtschaft“27 oder „Fußfesseln“28 wie Bengtson und Welwei es formulierten. Pedro Barcelo folgte diesem Gedanken, dass bei den Griechen keine Begeisterung nachzuweisen sei und der Kampfaufruf Philipps nur unter Zwang geschah.29

Die Bedingungen dieser Koine eirene und der vorausgegangenen Friedensbündnisse wa­ren die Freiheit und Autonomie der einzelnen Poleis.30 Philipps Umgang mit Theben lässt es zweifelhaft erscheinen, dass der Freiheitsgedanke des Friedensvertrags für ihn an oberster Stelle stand. Dass Sparta kein Mitglied des Korinthischen Bundes war, erweckt den Eindruck, dass die Teilnahme formell freiwillig war.31

Auch die Autonomieklausel wurde in der Praxis nicht vertragsgemäß eingehalten. Man hat die Anwesenheit der makedonischen Besatzungen in Theben, auf Akrokorinth und in Chalkis auf Euböa mit der Sorge für die öffentliche Sicherheit begründet.32

4. Fazit

Der makedonische König Philipp II. verfolgte klare Pläne für die Durchsetzung seiner Ziele. Zwar wollte Philipp Frieden schließen, doch der Korinthische Bund war, der vo­rausgehenden Untersuchung nach zu urteilen, nur das Machtinstrument, welches „die mi­litärische Kraft Makedoniens erheblich zu stärken vermochte“33. Im Vordergrund stand vielmehr die Festigung seiner eigenen Macht und die Kontrolle Griechenlands, die den Einsatz seiner Garnisonen in vielen Poleis zur Folge hatte. Philipp II. nutzte zur Durch­setzung seiner Macht die konstituierende Sitzung 337, wo er die Griechen in seine Pläne einweihte. Sein eigentliches Vorhaben wurde jedoch Diodor zufolge nicht öffentlich be­kannt gegeben, sondern mit dem Racheplan gegen die Perser verschleiert.

Der analysierte Quellenauszug Diodors allein liefert nicht ausreichend viele Anhalts­punkte, die den genauen Aufbau und die Konditionen des Korinthischen Bundes thema­tisieren. Daher ist für genauere Informationen das Heranziehen weiterer Quellen zur Be­antwortung der Fragestellung von Nöten, wie beispielsweise die des antiken griechischen Geschichtsschreibers Polybios. Hinsichtlich des Hintergedankens Philipps II. zeigt eine Quelle Polybios‘, dass die Rache an den Persern nur ein Vorwand zu sein schien. Ein weiterer antiker Autor Theopompos, der eine Schrift über die Regierung Philipps ver­fasste, bietet aufgrund der Informationsmenge ebenfalls die Möglichkeit einer ausführli­cheren Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Thema.34

[...]


1 Alle nachfolgenden Jahreszahlen beziehen sich auf dem Zeitraum vor Christi Geburt.

2 Vgl. Scholz 2015, S. 15.

3 Vgl. Dobesch 2001, S. 15.

4 Vgl. Wiemer 2005, S. 19f.

5 Vgl. Rathmann 2016, S. 172.

6 Vgl. Worthington 2009, S. 216f.

7 So nannten griechische Staaten ihren Rat.

8 Vgl. Pohler 1885, S. 10.

9 Vgl. Badian 2000, Sp. 798.

10 Vgl. Beck 1999, Sp. 633.

11 Vgl. ebd., Sp. 742.

12 Vgl. Diod. 16,89,2.

13 Vgl. Rhodes 1994, S. 162.

14 Volquardsen 1868, S. 115.

15 Vgl. Diod. 16,3,1.

16 Wilcken 1917, S. 5.

17 Vgl. Wiemer 2005, S. 75.

18 Vgl. Polyb. 3,6,13.

19 Vgl. Diod. 16,89,2.

20 Vgl. Engels 2006, S. 38.

21 Vgl. Wiemer 2005, S. 74.

22 Vgl. Urban 1981, S. 19.

23 Vgl. Welwei 2011, S. 421.

24 Bengtson 2009, S. 300.

25 Vgl. Urban 1981, S. 73.

26 Vgl. Ebd., S. 73f.

27 Bengtson 2009, S. 302.

28 Welwei 2011, S. 422.

29 Vgl. Barcelo 2007, S. 64.

30 Vgl. Urban 1981, S. 74.

31 Vgl. Hampl 1966, S. 37.

32 Vgl. Bengtson 2009, S. 301.

33 Bengtson 2009, S. 302.

34 Zu finden sind die überlieferten Fragmente Theopompos‘ bei Felix Jacoby, Die Fragmente der griechi­schen Historiker (FGrHist), Nr. 115.

Details

Seiten
12
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346277831
ISBN (Buch)
9783346277848
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v919354
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Schlagworte
Friedensschlüsse im 4. Jahrhundert v. Chr. Philipp II Alexander der Große Korinthischer Bund Antike Griechenland Makedonien

Autor

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