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Vergleich von Asset Backed Securities und Kreditderivaten als Instrumente für den Risikotransfer

Hausarbeit 2018 33 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gangart der Untersuchung

2. Grundlagen
2.1 Risiko
2.1.1 Semantik und Definition
2.1.2 Risikokategorien
2.1.3 Risikotransfer
2.2 Kreditverbriefungen
2.2.1 Definition und Grundidee der Verbriefung
2.2.2 Arten von Kreditverbriefungen

3. Asset Backed Securities (ABS)
3.1 Funktionsweise und Definition
3.2 Struktur von ABS als traditionelle Kreditverbriefung
3.3 Welche Vermögenswerte sind für ABS geeignet?
3.4 Grundformen der ABS
3.4.1 Mortgage Backed Securities
3.4.2 Collateralized Debt Obligations
3.4.3 Asset Backed Commercial Paper

4. Kreditderivate
4.1 Grundidee und Definition
4.2 Struktur synthetischer Kreditverbriefung mit Hilfe der Kreditderivate
4.3 Elemente von Kreditderivaten
4.4 Grundformen der Kreditderivate
4.4.1 Total Return Swaps
4.4.2 Credit Default Swaps
4.4.3 Credit Spread Options
4.4.4 Credit Linked Notes

5. Vergleich ABS und Kreditderivate als Instrumente des Risikotransfers
5.1 Gliederungskriterien
5.2 Einsatz von ABS und Kreditderivaten als Instrumente des Risikotransfers
5.3 Chancen und Risiken von ABS
5.4 Chancen und Risiken von Kreditderivaten
5.5 Vergleich von ABS und Kreditderivaten anhand von Motiven

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

ABCP Asset Backed Commercial Paper

ABS Asset Backed Securities

CBO Credit Bond Obligation

CDO Credit Debt Obligation

CDS Credit Default Swap

CLN Credit Linked Note

CLO Credit Loan Obligation

CMBS Commercial Mortgage Backed Securities

CSO Credit Spread Option

ISDA International Swaps and Derivatives Association

MBS Mortgage Backed Securities

RMBS Residential Mortgage Backed Securities

RS Total Return Swap

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Finanzwissenschaftliches Gesamtrisiko unterteilt in die einzelnen Risikoarten

Abbildung 2: Grundstruktur einer traditionellen Kreditverbriefung

Abbildung 3: Grundstruktur einer synthetischen Kreditverbriefung

Abbildung 4: Struktur eines Total Return Swaps

Abbildung 5: Struktur eines Credit Default Swaps

Abbildung 6: Struktur einer Credit Spread Option

Abbildung 7: Struktur einer Credit Linked Note

Abbildung 8: Systematisierung von Kreditderivaten und ABS mit Hilfe von Gliederungskriterien

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Im täglichen Handel mit Krediten und anderen Finanzprodukten sehen sich Kreditinstitute einer großen Vielfalt von Risiken ausgesetzt, welche die ökonomische Zielesetzung gefährden. Um diesen Risiken entgegenzuwirken, ist ein ausgeprägtes Risikomanagement, welches auf die Identifikation und Minimierung von Risiken abzielt, von Nöten. Durch Risikotransfer lassen sich die Risiken der Kreditinstitute auf andere Institutionen übertragen und weiterhin rentabel arbeiten. Im Folgenden wollen wir erarbeiten, wie sich solche Risikotransfers in Form von sogenannten Kreditderivaten und Asset Backed Securities darstellen lassen.

1.2 Gangart der Untersuchung

Zunächst beschäftigen wir uns mit dem Risiko, dem Ursprung jedes finanziellen Risikomanagements. Hier untersuchen wir, wie Risiko definiert ist, welche verschiedenen Risikoarten sich abgrenzen lassen und was unter dem Begriff Risikotransfer zu verstehen ist. Danach befassen wir uns mit der Kreditverbriefung im Allgemeinen, wobei unser Ziel ist, die Grundidee der Verbriefung zu vermitteln und verschiedene Arten der Kreditverbriefung zu definieren. Im weiteren Verlauf fokussieren wir uns auf zwei Arten des Kreditrisikotransfers, den Asset Backed Securities und den Kreditderivaten. Hier erläutern wir zunächst die Grundideen und Definitionen beider Arten und zeigen im Anschluss die Strukturen auf, die bei den jeweiligen Kreditverbriefungs-Transaktionen zu Grunde liegen. Im Anschluss Vergleichen wir Asset Backed Securities und Kreditderivaten als Instrumente des Risikotransfers, wobei unser Augenmerk auf den unterschiedlichen Motiven zum Einsatz der jeweiligen Kreditverbriefung liegt. Abschließend werden wir unsere Rechercheergebnisse in einem Fazit beurteilen.

2. Grundlagen

2.1 Risiko

2.1.1 Semantik und Definition

Hergeleitet wird der Begriff des Risikos von dem italienischen Wort „risci“, was Wagnis, Gefahr oder Verlustmöglichkeit bedeutet. Eine einheitliche Risikodefinition im betriebswirtschaftlichen Kontext gibt es nicht, allerdings wird der Risikobegriff im ursprünglichen Sinne als Unsicherheit über die Ergebnisse des wirtschaftlichen Handelns aufgefasst. So wird mit dem Risikobegriff im Allgemeinen eine Abweichung des tatsächlich eintretenden von dem erwünschten Zustand und eine negative Folgewirkung verbunden.1

2.1.2 Risikokategorien

Das Gesamtrisiko lässt sich in sechs banktypische Risikokategorien aufteilen, welche allesamt von elementarer Bedeutung sind:2

1) Finanzrisiken vs. operationelle Risiken
2) Transaktionsrisiken vs. Positionsrisiken
3) Erfolgsrisiken vs. Liquiditätsrisiken
4) Gegenparteirisiken vs. Marktrisiken
5) einzelgeschäftsbezogene Risiken vs. geschäftsstrukturbezogene Risiken
6) unsystematische vs. systematische Risiken

1) Finanzrisiken vs. operationelle Risiken

Finanzrisiken beziehen sich direkt auf Finanzströme eines Kreditinstitutes und umfassen somit alle Risiken des gesamten Wertbereiches. Operationelle Risiken hingegen enthalten primär Risiken aus dem Betriebsbereich und entstehen „beim Betrieb organisatorischer und technischer Einrichtungen und deren Fehlfunktionen oder Versagen“.3 Operationelle Risiken lassen sich in zwei Teilbereiche aufteilen. Der erste Bereich wird durch die operativen Risiken dargestellt, welche technische Risiken, wie Probleme in der Kommunikation eines Kreditinstitutes und Verhaltensrisiken wie Betrug, Irrtum oder Fahrlässigkeit eines Mitarbeiters oder Dritten beinhalten. Von diesem Bereich klar zu trennen sind die strategischen Risiken. Diese umfassen insbesondere Investitionsrisiken, also die Gefahr fehlerhafter Entscheidungen, und Ereignisrisiken, welche sich durch rechtliche und regulatorische Risiken ergeben.

2) Transaktionsrisiken vs. Positionsrisiken

Finanzrisiken und operationelle Risiken können entweder als Transaktions- oder Positionsrisiken auftreten. Transaktionsrisiken entstehen durch fehlerhafte Abläufe (Abwicklungsrisiken) oder durch die Gefahr der Nichterfüllung von Lieferverpflichtungen seitens der Gegenparteien (Erfüllungsrisiken). Durch Marktbewegung oder Bonitätsveränderungen hervorgerufene negative Wertänderungen einer Geschäftsposition bilden die sog. Positionsrisiken.

3) Erfolgsrisiken vs. Liquiditätsrisiken

Risiken des Wertbereiches sind in Erfolgs- und Liquiditätsrisiken zu unterscheiden. Erfolgsrisiken mindern den Erfolg eines Kreditinstitutes und können auch als Verlustrisiken beschrieben werden.4 Von den Erfolgsrisiken abzugrenzen ist das Liquiditätsrisiko, welches die Gefahr der Illiquidität, also das Nichterfüllen von Zahlungsverpflichtungen, darstellt.5 Ein wichtiger Punkt ist hier, dass sowohl Erfolgs- als auch Liquiditätsrisiken nicht nur aus bilanzwirksamen Geschäften, sondern auch aus Termin-, Options- und Swap-Geschäften resultieren können.

4) Gegenparteirisiken vs. Marktrisiken

Das Erfolgsrisiko lässt sich unterteilen in Gegenparteirisiken und Marktrisiken. Gegenparteirisiken beinhalten unter anderem Kredit-bzw. Bonitätsrisiken, welche die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit und der Bonitätsverschlechterung einer Gegenpartei umfassen. Marktrisiken sind allgemeine negative Entwicklungen des Marktes, hervorgerufen durch z.B. Währungsschwankungen oder Veränderung der Rohstoffpreise und damit einhergehende Erfolgseinbußungen.

5) einzelgeschäftsbezogene Risiken vs. geschäftsstrukturbezogene Risiken

Je nach Risikoart sind nur einzelne Geschäftsbereiche oder gleich mehrere Geschäftsstrukturen betroffen, wodurch eine Unterteilung in einzelgeschäftsbezogene Risiken und geschäftsstrukturbezogene Risiken notwendig macht. Welche der beiden Kategorien ein Risiko zugeordnet werden kann, ergibt sich hier aus der Folge des Risikos.6

6) unsystematische vs. systematische Risiken

Das Gesamtrisiko als Ganzes lässt sich untergliedern in sog. systematische und unsystematische Risiken, welche sich durch ihre Konkretisierung unterscheiden. Somit beziehen sich systematische Risiken auf Faktoren wie Inflation oder Naturkatastrophen, die den ganzen Markt bzw. alle Wertpapiere gleichermaßen betreffen und unsystematische Risiken auf Faktoren, die sich nur auf ein Unternehmen einer Branche auswirken. Das unsystematische Risiko kann also auch als Unternehmensspezifische Risiko bezeichnet werden.7

Da das Ausmaß dieser verschiedenen Risikoarten und deren Verbindungen zueinander sehr komplex ist, sind sie nachfolgend in einer übersichtlichen Abbildung zusammengefasst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Finanzwirtschaftliches Gesamtrisiko unterteilt in die einzelnen Risikoarten

2.1.3 Risikotransfer

Risikotransfer ist eine Variante der Risikohandhabung und beschreibt einen Vorgang, bei dem ein oder mehrere Risiken eines Risikoträgers auf einen Dritten übertragen werden. Das Risiko wird hier also auf andere abgewälzt. Dies geschieht im Rahmen von Versicherungsverträgen zwischen einem Versicherungsnehmer und -geber. Kommt es nun zu einem vorher definierten Versicherungsfall, ist der Versicherungsgeber, welcher nun das Risiko trägt, dazu verpflichtet, dem Versicherungsnehmer eine vertraglich vereinbarte Entschädigung zu zahlen. Der Risikotransfer beinhaltet somit einen Zahlungsstrom zwischen den beiden Parteien, notwendige Bedingung ist hier jedoch der Eintritt eines Versicherungsfalles. Als Gegenleistung für die Übernahme des Risikos, zahlt der Versicherungsnehmer eine vereinbarte Prämie an den Versicherungsgeber.8

2.2 Kreditverbriefungen

2.2.1 Definition und Grundidee der Verbriefung

Der Verbriefungsmarkt weist eine starke Dynamik und ständig neue Strukturvarianten auf, wodurch eine allgemeine Begriffsdefinition von Verbriefung schwer durchzusetzen ist. Nachfolgend sind beispielhaft zwei Definitionen dieses Begriffsverständnisses aufgeführt:9

- Stefan Bund definiert die Verbriefung als Finanzierungstechnik, „bei der eine Unternehmung einen Pool von Forderungen an eine Zweckgesellschaft verkauft, die sich wiederum über die Ausgabe von Wertpapieren refinanziert“10
- Das Wirtschaftslexikon „Onpulson“ definiert die Verbriefung als „die wertmäßige Umwandlung von Forderungen zu handelbaren Wertpapieren. Das Risiko von Marktpreisschwankungen und das Risiko des Kreditausfalls wird auf den Erwerber der verbrieften Forderung verlagert. Als Ausgleich für die Risikoübernahme erhält der Wertpapierverkäufer eine Verzinsung“11

Als Verbriefung gilt demnach jegliche Struktur, bei der Kreditinstitute Forderungen und deren Risiken an Dritte verkaufen, wobei daraus resultierend Schuldverschreibungen emittiert werden. Das Ziel hierbei ist, illiquide Aktiva durch Bündelung ausgewählter Forderungspositionen zu einem Referenzportfolio in liquide Wertpapiere umzuwandeln.

Unter eine solche Verbriefung fallen auch die sog. Asset Backed Securities-Transaktionen, Kreditderivate jedoch sind jedoch nicht unter den Begriff Verbriefung im engeren Sinne zu fassen, da hier zwar ein Transfer der Forderungen stattfindet, dieser aber keine Wertpapieremission nach sich zieht. Da sie jedoch ähnliche Strukturen und Beteiligte aufweist, werden Kreditderivate trotzdem dem Themenkomplex Verbriefung zugeordnet.12

Auf eine genauere Erläuterung der Asset Backed Securities und Kreditderivate als Arten von Verbriefungstransaktionen wird im weiteren Verlauf der Hausarbeit eingegangen.

2.2.2 Arten von Kreditverbriefungen

Kreditverbriefungen lassen sich im Allgemeinen in traditionelle, hierzu zählen die Asset Backed Securities (ABS), und synthetische Kreditverbriefungen aufteilen. Die synthetische Kreditverbriefung wird mit Hilfe von Kreditderivaten durchgeführt. Beide Verbriefungsarten sind sich in ihrer Struktur und ihren beteiligten Parteien ähnlich, unterscheiden sich jedoch auch in einigen Punkten. Eine genauere Abgrenzung bezüglich der Struktur beider Arten von Kreditverbriefung wird im weiteren Verlauf der Seminararbeit unter Kapitel 3 bzw. 4 vorgenommen.

3. Asset Backed Securities (ABS)

3.1 Funktionsweise und Definition

Asset Backed Securities entwickelten sich im Laufe der Jahre zu einer der beliebtesten Finanzinstrumente für die Kreditwirtschaft.13 In wörtlicher Übersetzung bedeutet der Begriff „Asset Backed Securities“ durch Vermögensgegenstände gesicherte Wertpapiere. Dies ist eine Form der Verbriefung, auch genannt „Securisation“, von Zahlungsansprüchen in handelbaren Wertpapieren gegenüber einer Zweckgesellschaft.14 Ziel ist es dabei bisher nicht liquide Vermögensgegenstände in der Regel Kreditforderungen in festverzinsliche handelbare Wertpapiere umzuwandeln.15 Die Besonderheit des Konstruktes der ABS ist, dass das Risiko des Finanztitels nicht auf die unternehmenseigene Bonität, sondern auf die Risikocharakteristika eines unternehmerischen Portfolios an Vermögenswerten, hauptsächlich Forderungen abstellt und bieten somit die Möglichkeit eines Risikotransfers.16 Die Forderungen stellen eine Art Sicherung dar, auf die der Investor zurückgreifen kann, wenn der Wertpapieremmitent das Geld nicht zurückzahlt.17

3.2 Struktur von ABS als traditionelle Kreditverbriefung

Eingeleitet werden ABS-Transaktionen als traditionelle Verbriefungstransaktionen, auch als „True-Sale-Verbriefung“ bezeichnet, von Banken, mit der Absicht, sich von Kreditforderungen zu trennen. Diese Banken bezeichnet man in diesem Zusammenhang als Originatoren. Der Originator wird hierbei von dem sog. Arranger; üblicherweise eine Investment-Bank, die auf strukturierte Finanzierung spezialisiert ist; beraten. Des Weiteren strukturiert der Arranger die Transaktion und stellt Kontakte zu den übrigen beteiligten Parteien her. Zum Transaktionszeitpunkt überträgt der Originator die Kreditforderungen an eine extra dafür errichtete Zweckgesellschaft, welche den Kern jeder Verbriefungstransaktion darstellt. Die Zweckgesellschaft zahlt dafür dem Originator einen verhandelten Kaufpreis und refinanziert sich durch Emission von Wertpapieren, welche wiederum von Investoren erworben werden. Die Funktion einer Zweckgesellschaft wird von Dritten, dem sog. Servicer übernommen, wofür er während der Laufzeit der Kredite eine Servicegebühr erhält. Die emittierten Wertpapiere werden während ihrer Laufzeit von mehreren Rating-Agenturen bewertet, wodurch es Investoren leichter fällt, über die Bonität eines Wertpapieres zu urteilen. Die Verwaltung von Zweckgesellschaften wird von sog. Treuhänder übernommen, welche somit eine Mittelfunktion zwischen den Beteiligten darstellen. Zur Erhöhung der Qualität der Wertpapiere, wird ein Teil der Risiken durch externe Sicherungsgeber übernommen.18 Die Zins- und Zahlungsmodalitäten der Wertpapiere, „können zudem den Abschluss von Zins- und Währungsswap-Geschäften mit ausgewählten Swap-Partnern erfordern.“19 Dies führt z.B. zur Absicherung gegen Marktzinsänderungen. Bei Zahlungsengpässen wird den Zweckgesellschaften von Liquiditätsgebern liquide Mittel zur Verfügung gestellt. In der Regel sind Liquiditätsgeber Banken mit erstklassiger Bonität.20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Grundstruktur einer traditionellen Kreditverbriefung 21

3.3 Welche Vermögenswerte sind für ABS geeignet?

Für ABS Transaktionen sind solche Vermögenswerte geeignet, die permanente Cashflows erzeugen. Zudem sollten die Vermögenswerte separierbar sein. Deswegen bieten sich diese Transaktionen insbesondere für Forderungen an, welche dann verbrieft werden. Die Verbriefung ist nicht mehr auf bestimme Vermögenswerte beschränkt, sondern mit dem Transaktionskonzept Whole Business Securisation, mit welchem alle operativen Erträge verbrieft werden.22

3.4 Grundformen der ABS

3.4.1 Mortgage Backed Securities

Im Folgenden werden die Grundformen von ABS vorgestellt und erläutert. Zu Beginn seien die Mortgage Backed Securities (MBS) zu nennen, welche in der Finanzkrise 2007 eine wesentliche Rolle spielten. Als MBS werden handelbare Wertpapiere bezeichnet, die durch einen Pool an Hypothekendarlehen gedeckt sind. Es werden hierbei Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS) und Residential Mortgage Backed Securities (RMBS) differenziert. Der Unterschied dieser beiden Formen liegt in ihrer jeweiligen Besicherung. So werden CMBS durch Darlehen für gewerbliche Immobilien und Mehrfamilienimmobilien besichert, während die RMBS durch Darlehen für private Immobilien besichert werden. Im Nachgang der Verbriefung und Veräußerung eines solchen Hypothekendarlehens werden die Zahlungsleistungen der Hypothekenschuldner an den entsprechenden Wertpapierkäufer geleitet. Dadurch wird das Ausfallrisiko auf mehrere Parteien verteilt und somit Stabilität geschaffen. Darüber hinaus verfügt das Kredite ausgebende Institut als Emittent von MBS über frische Liquidität um neue Darlehen vergeben zu können.23

3.4.2 Collateralized Debt Obligations

Neben den MBS als erste und volumenmäßig größte ABS-Form existieren die Collateralized Debt Obligations (CDOs). Diese fassen die Collateralized Bond Obligations (CBOs) und die Collateral Loan Obligations (CLOs) zusammen. Die CBOs sind mit Anleihen von Unternehmen besichert, während CLOs mit Forderungen gegenüber derselbigen besichert sind. Außen vor gelassen werden hierbei Forderungen aus der Vergabe von Hypothekendarlehen.24

3.4.3 Asset Backed Commercial Paper

Als ABS im weitesten Sinne werden nun die Asset Backed Commercial Papers (ABCPs) vorgestellt. Die ABCPs umfassen kurzfristig laufende Forderungen von Unternehmen, vornehmlich Forderungen aus Lieferung und Leistung. Die Laufzeit eines Commercial Papers beträgt allgemein sieben bis 364 Tage.

Für dieses Segment werden sogenannte ABCP-Programme ins Leben gerufen. Innerhalb dieser Programme verkauft der Originator seine Forderungen an das Programm. Dieses refinanziert sich am Kapitalmarkt über die kurzfristig laufende Emission von Commercial Papern. Wesentliche Unterschiede über die ABS-Struktur im engeren Sinne werden nachfolgend aufgezeigt:

- Kurzfristigkeit: Laufzeit zwischen 7 und 364 Tagen.
- Vergabe einer einzigen Ratingklasse für ABCP
- SPV bündelt Forderungen mehrerer Verkäufer (Multi-Seller-Struktur); typischerweise kurzfristige Forderungen wie Handels- oder Kreditkartenforderungen
- Anonymität des Forderungsverkäufers
- Mit dem Rating konforme Zusammensetzung des ABCP-Pools obliegt dem Betreiber des ABCP-Programms
- ABCP-Programme sind revolvierende Programme, das heißt zurückgeführte Kredite/Forderungen können durch neue Forderungen aufgefüllt werden

Zur Gewährleistung der Liquidität der Struktur wird vom Betreiber des Programms eine Liquiditätslinie zur Verfügung gestellt, die greift, falls der Absatz an Commercial Paper nicht ausreicht, um den Ankauf der Forderungen zu finanzieren. Hierdurch wird der Ankauf der Forderungen auch dann sichergestellt, wenn das SPV aus dem Verkauf der Commercial Paper über zu wenig Liquidität verfügt. Durch das Investment in kurzlaufende Commercial Paper beteiligt sich der Investor somit an einem Forderungspool, der Assets verschiedener Forderungsverkäufer enthält. Das Risiko der Struktur liegt demnach in der Auswahl der Forderungen für das ABCP-Programm sowie in der Ausgestaltung der Struktur. In Bezug auf den Risikotransfer impliziert dies eine Relevanz für Kreditinstitute, wenn diese im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit als Betreiber von ABCP-Programmen auftreten.25

[...]


1 Vgl. Form (2005), S. 18-20.

2 Vgl. Schierenbeck/Lister/Kirmße (2008), S. 3f.

3 Form (2005), S. 32.

4 Vgl. Schierenbeck/Lister/Kirmße (2008), S. 4f.

5 Vgl. Form (2005), S. 32.

6 Vgl. Schierenbeck/Lister/Kirmße (2008), S. 6-8.

7 Vgl. Welt der BWL: https://welt-der-bwl.de/Systematisches-und-unsystematisches-Risiko

8 Vgl. Gabler Versicherungslexikon: https://www.versicherungsmagazin.de/lexikon/risikotransfer-1946457.html

9 Vgl. Emse (2005), S. 7.

10 Bund (2000), S. 10.

11 Wirtschaftslexikon Onpulson: https://www.onpulson.de/lexikon/verbriefung/

12 Vgl. Emse (2005), S. 8 f.

13 Vgl. Andreas Bertl (2004) S. 5

14 Vgl. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/asset-backed-securities-abs-30604

15 Vgl. https://boerse.ard.de/boersenwissen/boersenlexikon/asset-backed-securities-abs-100.html

16 Vgl. Marcus Sinki (2013) S. 71

17 Vgl. https://welt-der-bwl.de/Asset-Backed-Securities

18 Vgl. Ricken (2007), S. 25-27.

19 Ricken (2007), S. 27.

20 Vgl. Ricken (2007), S. 27.

21 Darstellung in Anlehnung an Ricken (2007), S. 26.

22 Vgl. Ralf Struffert (2006) S.13

23 Vgl. Deutsche Bundesbank Glossar-Eintrag zu MBS: https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Glossareintraege/M/mortgage_backed_security.html

24 Vgl. Schmittat (2007), S. 17; Paul (2015), S. 3 (Asset Back Securities (ABS), in: DVFA Kompendium, Vol. II, No. 2, Frankfurt am Main 2015. http://www.dvfa.de/fileadmin/downloads/Publikationen/DVFA-Kompendium/DVFA_Kompendium_ABS.pdf)

25 Vgl. Bayerische Landesbank (2006), S. 12

Details

Seiten
33
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346239938
ISBN (Buch)
9783346239945
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v920456
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Schlagworte
Asset Backed Securities Kreditderivate Risikotransfer Risiko

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