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Dropshipping im E-Commerce. Eine operative Analyse des Geschäftsmodells

Hausarbeit 2020 32 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehungsgeschichte des Dropshippings

3. Was ist Dropshipping? Konzept und Grundidee
3.1 Welche Parteien sind involviert?

4. Vor- und Nachteile

5. Wo wird Dropshipping betrieben?

6. Die Rolle von Shopify
6.1 Tarife
6.2 Templates & Design
6.3 Backend
6.4 Bezahlmethoden
6.5 Versand
6.6 Steuern
6.7 App Store
6.8 Oberlo
6.9 Support
6.10 Vor- und Nachteile von Shopify
6.11 Alternativen zu Shopify

7. MVMT

8. Produkt

9. Herstellung und Logistik
9.1 Produktqualität und Verpackung
9.2 Lieferkosten und Lieferzeit
9.3 Kommunikation
9.4 Bewertungen
9.5 Standort
9.6 Verhandlungskraft

10. Zahlungsflussanalyse
10.1 Investition und Kosten
10.2 Rücksendungen

11. Organisation

12. Marketing

13. Rechtliche Probleme
13.1 Vertragliche Probleme mit dem Dropshipping-Partner
13.2 Haftung gegenüber dem Endkunden
13.3 Das gesetzliche Widerrufsrecht für Verbraucher
13.4 Datenschutzrechtliche Probleme

14. Fazit & Zukunft

Literaturverzeichnis

Im nachfolgenden Bericht wird zu besseren Leserlichkeit ausschließlich die maskuline Form verwendet. Dabei beziehen sich alle Aussagen gleichermaßen auf alle Geschlechter.

1. Einleitung

Einfach zu bedienen, aber schwer zu verstehen und zu beherrschen, hinterlässt die Technologie in fast allen Bereichen unserer heutigen Gesellschaft ihre Spuren. Besonders im Handel gab es in den vergangenen Jahrzehnten große Veränderungen. Der Handel ist eines der am weitesten verbreiteten Konzepte der Geschichte. Wo eine Nachfrage bestand, gab es meist auch einen Händler mit dem passenden Angebot. Die Notwendigkeit der direkten Interaktion zwischen Käufer und Anbieter ist mit dem Aufkommen des elektronischen Handels und der Entwicklung von Plattformen für elektronische Märkte nahezu gänzlich überflüssig geworden. Um erfolgreich zu sein, werden die Online-Plattformen sowohl von externen als auch internen Faktoren beeinflusst. Um die Aufmerksamkeit der Käufer, durch beispielsweise individualisierte Werbung, zu gewinnen, wird das Kaufverhalten durch Datenverarbeitungsalgorithmen analysiert. Dabei werden die für die Geschäftsstrategie des Unternehmens erforderlichen Geschäftsinformationen herausgefiltert. Mit Big Data und Data Mining wird das Profil eines jeden Konsumenten direkt in die Plattform projiziert und so die notwendigen Informationen zur Vorhersage des Verhaltens bei zukünftigen Plattformbesuchen übermittelt. (Kawa, 2017) Diese Analysetechniken macht sich auch das Dropshipping zu Nutze. Durch Dropshipping können Unternehmer mit geringem Eigenkapital und wenig Vorbereitungszeit bereits ein eigenes Business aufbauen. Der folgende Bericht soll die Frage beantworten, ob Dropshipping als eine Form des E-Commerce mit Zukunftsperspektiven zu betrachten ist. (George, 2019)

2. Die Entstehungsgeschichte des Dropshippings

Der Begriff „Dropshipping“ ist noch nicht lange existent, das Konzept dahinter beläuft sich jedoch auf das des Streckenhandels. Seinen Anfang fand der Streckenhandel mit dem Versandhandel der 50er Jahre. Das damals neue Geschäftsmodel bestand darin, Kataloge flächendeckend zu versenden und sowohl Bestellungen als auch Zahlungen über Postwege zu erhalten. Diese Bestellungen wurden an ein Lager- und Vertriebsunternehmen ausgelagert, welches die Waren kommissionierte, verpackte und versandte – sie fungierten als Streckengeschäftstransporteure. (Info, 2020)

Der Streckenhandel war als ein kostensparender Prozess gedacht, der keine Lagerung der Produkte seitens des Zwischenhändlers durch die An- und Verkäufe erforderte. Ein Großhändler oder Hersteller verschickte die einzelnen Bestellungen direkt an den Endverbraucher. Die Produkte des Großhändlers konnten auf diese Weise, durch die finanziellen Einsparungen, in größeren Mengen beworben werden, was wiederum den Umsatz des Zwischenhändlers steigerte. Das Dropshipping bedient sich eben diesem Prozess, mit der Anpassung, dass die Bestellungen auf elektronischem Wege an den Großhändler weitergeleitet werden. Auf diese Weise ist es möglich, den Bestell- und Lieferprozess zu beschleunigen. (Jones, 2017)

Dropshipping wurde zunächst nur Online eingesetzt, daher ist dieses Geschäftsmodel erst nach der Computerrevolution mit der Einführung des Internets aktiv geworden. Die Produktion war der erste Bereich, der durch die Entstehung von Computern und des Internets stark beeinflusst wurde. Die neue Art der Vernetzung führte zu der japanischen Fertigungsrevolution oder auch der Just in Time (JIT)-Produktion.

Die Hersteller erhielten Bestellungen von den Einzelhändlern, in dem Moment, in dem Warenknappheit herrschte und die Nachproduktion konnte begonnen werden. Diese Neuerung verbesserte nicht nur die Logistik der Hersteller und Einzelhändler, sondern ermöglichte es den Einzelhändlern auch, Vorbestellungen und Zahlungen von den Verbrauchern anzunehmen und die Bestellung direkt an den Hersteller für die Just-in-Time-Produktion weiterzuleiten (ein Beispiel sind Möbelgeschäfte). Der Hersteller produzierte die Ware und lieferte das fertige Produkt direkt an den Endverbraucher.

Eine der ersten großen Firmen, die durch den Streckenhandel bekannt wurde, ist Amazon. Amazon wickelte den Versand von Beginn an ausschließlich über das Internet ab. Da Amazon anfangs nur Bücher verkaufte, hatte das Unternehmen einen Partner-Buchhandel in Seattle, USA, welcher die Bestellungen auslieferte. Das Unternehmen setzte das Streckengeschäft so erfolgreich ein, dass es heute als einer der größten Einzelhändler der Welt gilt. Zwar verfügt Amazon heute auch über eigene Lagereinrichtungen, dennoch wird für zahlreiche Produkte das System des Streckenhandels nach wie vor genutzt. Private Kleinunternehmer nutzen dabei die bekannte Plattform, um Aufmerksamkeit auf die eigenen Produkte zu generieren, ohne selbst viel investieren zu müssen. (Jones, 2017)

3. Was ist Dropshipping? Konzept und Grundidee

Unter Dropshipping im herkömmlichen Sinne versteht man eine Form des Online-Handels, bei welcher der Händler Produkte anbietet, ohne diese selbst gelagert zu haben. (Eisenberg, 2019)

Das Konzept funktioniert, indem eingehende Bestellungen (siehe 6.8 Oberlo) an den Großhändler weitergeleitet werden, welcher die Bestellung aufnimmt, abwickelt und direkt an den Kunden versendet. Der Dropshipper selbst hat somit keinen physischen Kontakt mit dem von ihm beworbenen und verkauften Produkt. (Kenning & Altmann, 2020)

Die beschriebene Strategie stellt somit das konkrete Gegenteil des klassischen Einzelhandels dar, bei welchem Waren auf Vorrat gelagert und dem Kunden bei Zustandekommen eines Kaufes sofort übergeben beziehungsweise zugesandt werden.

3.1 Welche Parteien sind involviert?

Am Vertriebsmodell Dropshipping sind immer mindestens drei Parteien beteiligt. Welche das sind und wie ihr Beitrag zum Vertriebsmodell im Detail aussieht, wird im Folgenden erläutert:

Beim Großhändler kommt die Bestellung, ausgehend vom Dropshipper, an. Er verpackt die Ware und sendet sie auf direktem Weg an den Endkunden beziehungsweise die Adresse, die ihm vom Dropshipper bereitgestellt wurde. Ein Hinweis auf den Großhändler findet sich auf dem Paket nicht, wenn überhaupt wird das Branding des Herstellers verwendet. Der Großhändler ist auch verantwortlich für alle Formalitäten in Zusammenhang mit der Bestellung, einschließlich Versand, etwaigen Zollgebühren und Vertriebswegen.

Die Aufgabe des Dropshippers besteht darin, durch Anwenden des Marketing-Mixes möglichst viele Kunden zu gewinnen. Er ist für die Internetpräsenz, sprich die Pflege seines Onlineshops, Werbeanzeigen auf allen Kanälen und die Kommunikation mit dem Endkunden verantwortlich. Geht eine Bestellung bei ihm ein, leitet der Dropshipper die Details an den Großhändler weiter. Meist geschieht das automatisiert, durch Einbindung des entsprechenden Programms (siehe 6.8 Oberlo).

Der Endkunde kauft ein Produkt online oder offline. Oft weiß er dabei nicht, ob sein Kauf per Dropshipping versendet wird oder nicht, er hat nie Kontakt zum Großhändler. Die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme besteht für den Endkunden lediglich zum Dropshipper, auch Beschwerden jedweder Art werden an diesen gerichtet.

4. Vor- und Nachteile

Sehr offensichtlich hält Dropshipping einige Vorteile bereit. Zum einen gehört das geringe Startkapital, welches benötigt wird, um ein E-Commerce zu eröffnen, eindeutig dazu. Die Produkte müssen nicht zuvor eingekauft und gelagert werden, sondern werden erst bei Bestellungseingang geordert. Dadurch entfällt nicht nur das Lager selbst, sondern auch jede andere physische Anlaufstelle: ein Onlineshop kann von überall betrieben werden, wo eine Internetverbindung zur Verfügung steht. Durch den Entfall eines Verkaufsraumes und Lagers werden Kosten für Mieten oder Immobilien eingespart, außerdem muss sich nicht um überschüssige Warenbestände gesorgt werden. Es kann eine deutlich größere Produktpalette bei signifikant geringeren Kosten angeboten werden, als es im klassischen Einzelhandel möglich ist.

Trotz der vielen Vorteile, müssen auch die Nachteile berücksichtigt werden, um eine fundierte Beurteilung abgeben zu können, ob Dropshipping eine Alternative zum Einzelhandel bietet. So ist zum Beispiel der Fakt, dass der Dropshipper kaum in der Lage ist, die Kundenzufriedenheit zu beeinflussen, besonders schwerwiegend. Hier sind unterschiedliche Szenarien denkbar. Beispielsweise eine verspätete, beschädigte oder sogar verlorene Sendung. Probleme, die bei der tagtäglichen Paketflut im internationalen Versand immer wieder auftreten. (Wahl, 2011) Daraufhin bleibt dem Endkunden keine andere Möglichkeit, als sich beim Dropshipper zu beschweren, denn dieser ist für ihn die einzige Kontaktmöglichkeit. Oftmals weiß ein Kunde auch gar nicht, dass es sich bei seiner Bestellung um Dropshipping handelt. Lange Lieferzeiten können jedoch Aufschluss darüber geben. Das Problem für den Dropshipper besteht nun darin, die Beschwerde des Endkunden zu entkräften und ihn zufrieden zu stellen – Informationen über den Verbleib der Sendung hat der Dropshipper selbst jedoch meist nicht. Auch die Kontaktaufnahme mit dem Großhändler kann sich als sehr langwierig und schwer entpuppen, oft ist es die Kommunikation mit dem Großhändler beziehungsweise dem Hersteller, welche aufgrund sprachlicher Barrieren scheitert. Auch die unterschiedlichen Zeitzonen zögern eine schnelle Abwicklung oftmals hinaus. Der schnellste und einfachste Lösungsansatz ist deshalb oft die Rückerstattung des geleisteten Betrages an den Endkunden. Als Dropshipper stellt man somit zumindest sicher, keine negativen Rezensionen seitens des Kunden zu erhalten – ebenso muss aber auch der Rückschlag einer gescheiterten Bestellung akzeptiert werden. (siehe 10.2 Rücksendungen)

Ein anderer Nachteil kann aus dem Verkauf von mehreren Artikeln verschiedener Großhändler resultieren. Dabei kann es passieren, dass sich bei einer Bestellung von eben jenen Artikeln die Versandkosten addieren. Der Endkunde wird diesem Umstand wenig Verständnis entgegenbringen, daher sollte der Dropshipper auch diesen Kostenfaktor übernehmen, um die Kaufentscheidung des potentiellen Kunden nicht zu beeinträchtigen.

Ein weiterer, großer Nachteil ist die Gewinnspanne. Natürlich kann ein Produkt, nennen wir es Produkt A, für 10€ verkauft werden, während der Einkaufspreis beim Großhändler nur 1€ beträgt. Dass diese Strategie aufgeht, ist jedoch selten der Fall. Meist besteht Konkurrenz, welche Produkt A für beispielsweise nur 5€ vertreibt. Einen Preis-Krieg gilt es, besonders im Anfangsstadium, unter allen Umständen zu vermeiden. Der Dropshipper sollte stattdessen ein weniger umkämpftes Produkt suchen und sich in diesem Markt/Nische etablieren. (siehe 8. Produktwahl)

Das gelingt durch diverse Marketing Strategien, wie etwa:

- Search Engine Optimization: Durch On- und Off-Page-Optimierung wird versucht, die Algorithmen relevanter Suchmaschinen von der Bedeutung und Qualität des E-Commerce zu überzeugen, und somit das Ranking desselben zu verbessern.
- Storytelling: Durch das Erzählen einer Geschichte wird ein Produkt oder E-Commerce sympathisch. Dem Endkunden fällt es leichter, sich mit dem Unternehmen zu identifizieren, eine Kaufentscheidung wird deutlich wahrscheinlicher.
- Shopsiegel: Das Vertrauen der Kunden hat als Onlineshop oberste Priorität, da Ware nicht vor dem Kauf begutachtet werden kann. Entsprechende Gütesiegel sollen die Seriosität widerspiegeln. Statistiken belegen, dass 65% der Kunden sich beim Kauf mit Shopsiegeln sicherer fühlen. (Heller, 2019)

5. Wo wird Dropshipping betrieben?

Die Vertriebsstrategie des Dropshipping ist mit fast allen Handelsmethoden vereinbar.

Die herkömmliche Option, als Onlineshop, ist die am weitesten verbreitetste. Synchronisiert der Dropshipper sein E-Commerce mit dem Onlineshop des Großhändlers, kann die manuelle Arbeit für den Dropshipper auf ein absolutes Minimum reduziert werden. (siehe 6.8 Oberlo)

Eine ebenfalls gern praktizierte Möglichkeit, Dropshipping einzusetzen, ist die Nutzung bereits bestehender E-Marketplaces, wie beispielsweise Amazon oder Ebay. Der entscheidende Vorteil liegt bei den bereits bestehenden Kunden und deren enorme Frequenz. Zudem entfällt der Bau des eigenen Onlineshops, jedoch können auf der anderen Seite Regeln nicht frei festgelegt werden. Händler die Dropshipping auf großen Plattformen betreiben, müssen sich deren Richtlinien anpassen. In jedem Fall ist eine Gebühr für die Nutzung der Plattform zu entrichten, diese kann in Form von Monats-, Jahresbeiträgen oder Provision anfallen.

Die dritte Variante des Dropshipping ist nicht so offensichtlich, jedoch mittlerweile ebenfalls weit verbreitet: Offline im stationären Einzelhandel. So kann der Dropshipper in seinem Verkaufsraum ein Produkt ausgestellt haben, welches jedoch in verschiedenen Variationen verfügbar ist. Dazu liegt ein Katalog bereit, beim Zustandekommen eines Kaufs wird dann beim Großhändler bestellt, welcher die Ware an den Endkunden schickt. Der Händler kombiniert hier die Vorteile des traditionellen Einzelhandels mit denen eines E-Commerce: Verkaufsfläche inklusive Beratung fördern die Kundenbindung stark, während Lager- und Versandkosten eingespart werden.

6. Die Rolle von Shopify

Möchte man mit dem Dropshipping beginnen und hat sich bereits Gedanken über das Produkt und die Nische gemacht, in welcher man sich und seine Marke etablieren will, ist der nächste Schritt jener, in welchem es konkreter wird. Die eigentliche Verkaufsplattform, der Dropshipping-Store, muss programmiert werden. Doch nur wenige Menschen besitzen die erforderlichen Kompetenzen, so können im Alleingang viele Komplikationen und überraschende Mehrkosten auftreten. Shopify hat dieses Problem erkannt und es sich zur Aufgabe gemacht, den gesamten Prozess zu vereinfachen, sodass die Welt des E-Commerce grundsätzlich jedem offensteht.

Shopify ist ein etabliertes, börsennotiertes Unternehmen. Der Hauptsitz des E-Commerce liegt in Ottawa, Kanada, wo der deutsche Tobias Lütke ursprünglich eine Plattform zum Vertrieb von Snowboards und Zubehör eröffnen wollte. Der heutige CEO erkannte jedoch schnell den Bedarf an Vereinfachung, da der gelernte Programmierer bei der Umsetzung seines Vorhabens selbst vor Problemen stand – so änderte er seinen Plan und legte im Jahr 2004 den Grundstein für Shopify. Heute ist Shopify in 175 Ländern vertreten, nach eigenen Angaben vertrauen über eine Million Unternehmen auf die Lösungen von Shopify. (Dohrmann, 2019) Das Unternehmen vertreibt ein cloudbasiertes Shopsystem, mit dessen Hilfe Händler jeder Größe eigene Onlineshops erstellen können. Der Verkauf der Produkte kann über soziale Netzwerke, Online-Marktplätze oder stationär im Ladengeschäft erfolgen. (Markop, 2020)

6.1 Tarife

Zunächst stellt Shopify mehrere Tarifoptionen zur Auswahl. Dabei kann man für den Verkauf seiner Produkte jede beliebige Währung auswählen. Die Rechnung für Shopify selbst jedoch muss (in USD bezahlt werden. Shopify begrenzt in seinen Tarifen weder die Anzahl der Produkte, die verkauft werden können, noch den potentiellen Traffic. Stattdessen unterscheiden sich die Tarife durch verfügbare Funktionen wie Mitarbeiterzugänge oder die Höhe der Transaktionsgebühren. Beispielsweise ist der Tarif „Basic Shopify“ zu empfehlen, wenn nicht mehr als zwei Mitarbeiterzugänge und als Werbemittel keine Geschenkgutscheine benötigt werden. Gerade für das Anfangsstadium ist dieser der sinnvollste Tarif. Ist das Geschäft erstmal etabliert und alle Abläufe funktionieren reibungslos, kann man den Tarif immer noch anpassen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, Shopify als Tool für 14 Tage kostenfrei zu testen, jedoch ist keine Rückerstattung möglich, wenn einmal gezahlt wurde.

6.2 Templates & Design

Um die Produkte bestmöglich zu vermarkten, bedarf es einem ansprechenden Design. Hier sind der eigenen Kreativität grundsätzlich keine Grenzen gesetzt, allerdings ist der einfachste und schnellste Weg die Verwendung der von Shopify zur Verfügung gestellten Vorlagen. Die bereitgestellten Templates für den Onlineshop sind elegant und modern gestaltet, zudem sind sie vollständig responsive. Man kann also sicher sein, dass die Templates auf jedem Endgerät gut aussehen, sprich auch für die Anzeige auf mobilen Endgeräten optimiert sind. Es besteht eine große Auswahl an Themes, allerdings sind nur zehn davon kostenlos verfügbar. Für wen jedoch nur ein individuelles Design infrage kommt, der kann das tun – muss es jedoch selbst programmieren. Die entsprechenden API’s sind verfügbar.

6.3 Backend

Der Blick hinter die Kulissen von Shopify legt offen: Die Einstellungen der Plattform lassen sich in mehreren Sprachen anzeigen, was es sehr angenehm für den Nutzer macht. Auch erklärt dies Shopify’s internationalen Erfolg. Shopify bietet ein sehr übersichtliches Backend. Die Bedienung desselben ist intuitiv, man findet sich dank des klaren Designs schnell zurecht. Zudem findet sich auf der linken Seite ein einfaches, aber logisch aufgebautes Menüband, welches die Orientierung und Navigation nutzerfreundlich macht.

Produktverwaltung und das Hinzufügen neuer Artikel in das Sortiment gelingt durch das Aufrufen einer Liste mit allen angebotenen Produkten, möchte man daraus eines bearbeiten, wählt man es an. Sofort tut sich ein neues Fenster mit allen Bearbeitungsoptionen auf.

Über eine präsente Schaltfläche lässt sich schnell und einfach ein neuer Artikel in das Sortiment hinzufügen. Als würde man eine Anzeige bei Ebay aufgeben, folgt nun die Eingabe aller Produktinformationen einschließlich Titel und Beschreibung, Bildern und/oder Videos, Preisen und anderen Details, abhängig von der Art des Produkts. Mithilfe verschiedener Optionen können zudem das virtuelle Warenlager verwaltet und Produktvarianten wie Farben und Größen hinzugefügt werden.

Unter dem Reiter „Bestellungen“ werden diese nach Eingang verwaltet. Der Status einer einzelnen Bestellung ist einsehbar, Informationen darüber ob ein Kunde bereits bezahlt hat sowie die Auftragsbearbeitung kann angezeigt werden. Detailliertere Informationen erhält man durch Auswählen eines einzelnen Auftrages. Es lassen sich nun Hinweise oder Kommentare mit dieser speziellen Bestellung verknüpfen, die Lieferadresse überprüfen oder der Auftrag als abgeschlossen markieren. All diese Funktionen werden stark vereinfacht dargestellt, sodass der Anwender kaum etwas von den komplexen Aktionen im Hintergrund, die jede Handlung mit sich bringt, mitbekommt. Kennt man sich jedoch mit der Materie aus, ist es zu jeder Zeit möglich, auf den Quellcode zuzugreifen und diesen nach eigenen Vorstellungen zu modifizieren.

6.4 Bezahlmethoden

Natürlich muss bei einem E-Commerce auch eine Bezahloption integriert sein. Mit Shopify stehen mehrere Dutzend Zahlungsanbieter zur Auswahl, vor allem internationale. Neben den üblichen Anbietern wie PayPal, Amazon Pay oder Apple Pay stehen sogar Zahlungsmöglichkeiten mit Bitcoin zur Verfügung. Auch Offline-Bezahlungen wie Bezahlung bei Lieferung oder Banküberweisung sind verfügbar.

Möchte man hingegen andere Anbieter nutzen, wird eine zusätzliche Transaktionsgebühr erhoben, welche je nach gewähltem Tarif zwischen 0,5% und 2% liegt. Aufgrund der vielen Möglichkeiten die Shopify Payments bietet, besteht jedoch für die meisten Shops kein Mehrbedarf und es empfiehlt sich daher dringend, das eigens von Shopify bereitgestellte Bezahlsystem zu nutzen.

6.5 Versand

Um eine Bestellung abzuschließen, muss vorab der Versandpreis einkalkuliert werden. Dafür können Versandzonen für jedes einzelne Land festgelegt werden oder mehrere Länder in einer Versandzone zusammenzufassen. Auch können einzelne Länder oder Regionen aus einer Zone ausgeschlossen werden, was sich beispielsweise zeitnah im europäischen Raum im Hinblick auf das Vereinigte Königreich und den Brexit bemerkbar machen dürfte. Die praktischste Versandfunktion ist aber die Echtzeitberechnung der Versandtarife. Dabei werden mehrere Logistikunternehmen, wie beispielsweise DHL oder UPS, eingebunden, die Versandkosten abhängig von der Zieladresse individuell berechnet und dem Kunden beim Checkout angezeigt. Mit dieser Methode ist der Anbieter immer auf der sicheren Seite, denn vorab festgelegte Pauschalpreise können zu Mehrkosten führen.

6.6 Steuern

Die Verwaltung der Steuersätze ist bei Shopify sehr einfach gehalten. Für jede Versandregion lässt sich ein Standardsteuersatz festlegen. So kann entschieden werden, ob die ausgezeichneten Preise im späteren Shop inklusive oder exklusive der Mehrwertsteuer angezeigt werden sollen. Außerdem können Steuern auf die Versandkosten hinzugefügt werden, dem Anbieter stehen alle Möglichkeiten offen.

6.7 App Store

Damit gehen wir auch schon auf eines der Alleinstellungsmerkmale von Shopify ein, das Shopsystem bietet Zugriff auf einen eigenen App-Store. Wie bereits erwähnt, können weitere Apps hinzugefügt werden, um den Onlineshop mit neuen Funktionen auszustatten. Manche dieser Apps sind kostenpflichtig, andere kostenlos. Insgesamt ist der App Store jedoch eine sinnvolle Möglichkeit, um Funktionen zu integrieren, die Shopify selbst nicht anbietet, darunter zusätzliche SEO-Tools, Berichterstattungen und Analyse-Tools oder E-Mail-Marketing. Shopify hat weitere Verkaufskanäle eingebunden: So wird beispielsweise die Brücke zu Facebook, Instagram, Ebay und Amazon ergestellt und die Möglichkeit eingeräumt, dort zu verkaufen.

Auch Betreiber eines Ladengeschäfts können dank des Point-of-Sale-Kassensystems die Produkte verkaufen. Dabei lässt sich die Verkaufsabwicklung im Laden problemlos mit den Onlineverkäufen verbinden.

Zur Nutzung von Shopify für Dropshipping, stellt Shopify die App „Oberlo“ bereit, welche den Prozess erheblich erleichtert.

6.8 Oberlo

Mit der App Oberlo können Produkte aus dem chinesischen Konzern AliExpress direkt in den Onlineshop eingepflegt werden. Oberlo ist die Schnittstelle zwischen dem Shop und dem Großhändler, dabei erleichtert Oberlo das Leben des Dropshippers um ein Vielfaches: Dank Oberlo hat der Dropshipper nicht nur die Möglichkeit, innerhalb von Sekunden neue Artikel in seinen Shop einzupflegen, durch die Synchronisation mit dem Großhändler AliExpress müssen Bestellungen an diesen nicht manuell übermittelt werden. Eine eingehende Bestellung wird von Oberlo erfasst, der gesamte Prozess wird nach Zahlungseingang des Endkunden vollautomatisch eingeleitet. Dabei beschränkt sich Oberlo lediglich auf den Großhändler AliExpress. Wirft man einen Blick auf die Umsätze des Mutterkonzerns Alibaba Group, wird dessen Größe noch surrealer: Der chinesische Internetgigant, vergleichbar mit der deutlich kleineren Plattform Amazon, verzeichnete zum vierten Quartalsende des Jahres 2019 rund 376,8 Milliarden chinesischer Yuan, was circa 49,5 Milliarden Euro entspricht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jahresumsatz Alibaba Group von 2010 – 2019 (Alibaba Group, 2019)

6.9 Support

Im Falle eines Problems kümmert sich Shopify zügig. Support wird per Hilfedatenbank, E-Mail und sogar über Twitter angeboten. Ein telefonischer Support steht bislang nur auf Englisch zur Verfügung.

6.10 Vor- und Nachteile von Shopify

Vorteile:

- Benutzerfreundlichkeit : Um technische Details muss sich der Anwender nicht kümmern. Mit wenigen Klicks lässt sich fast alles erreichen, einfache Leitfäden und Dokumentationen verringern die Einstiegsbarriere auch für Anfänger. Zwar hält Shopify viele verschiedene Features bereit, ist aber durchweg logisch aufgebaut. Somit findet man sich schnell zurecht, die Bedienung erfolgt intuitiv. Die Einrichtung eines Onlineshops ist simpel, da während des Designens des Shops parallel eine Live-Vorschau im Backend erfolgt. Zudem sind die entsprechenden Apps verfügbar, um den eigenen Shop auch vom Smartphone aus zu verwalten.
- Designs : Die vorgefertigten Designs und Templates können mit Qualität und Eleganz überzeugen. Auch sind sie für mobile Endgeräte optimiert, was definitiv ein großer Vorteil ist. Findet man unter den knapp 170 Vorlagen nichts für das eigene Vorhaben, kann man schnell und einfach ein eigenes Design entwerfen oder optional weitere Vorlagen kaufen.
- Flexibilität : Zusätzlich zum eigentlichen System und den verfügbaren Templates, gewährt Shopify vollen Zugriff auf den Code. So können, dank dieser API, Programmierer einfach neue Funktionen in den Shop einbauen. Ist man technisch nicht versiert, bietet Shopify die Implementierung von diversen Apps an. In den meisten Fällen wird damit jedes Problem gelöst, falls Wünsche offen bleiben ist der Customer Support erreichbar.
- Skalierung : Shopify ist nicht nur nutzerfreundlich, sondern vor allem leistungsfähig. Sowohl kleine als auch große E-Commerce weltweit vertrauen auf das leicht skalierbare All-inclusive-Shopsystem, nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als eine Million. (Breuer, 2019) Damit gehört Shopify international zu den größten E-Commerce-Lösungen und die Wahrscheinlichkeit, dass die Plattform abgeschaltet wird, tendiert gegen null. Auch die Leistung der Server muss den Anwender nicht beunruhigen, denn als Unternehmen dieser Größenordnung und mit derart viel Verantwortung, wurden alle nötigen Vorkehrungen wie Backup-Server und USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung) getroffen.
- SEO : Die geläufigsten Features, die benötigt werden, bietet Shopify an. Sollte etwas fehlen, implementiert man eine der zahlreichen Apps. Ein kleiner Nachteil ist die nicht vollständig anpassbare URL, denn der fixe String wird ausschließlich auf Englisch gehalten. In Bezug auf SEO ist das für nicht-englischsprachige Länder suboptimal.
- Bezahlung und Versand : Shopify bietet diverse Zahlungsoptionen, zudem entfallen die Mehrkosten bei Kreditkartenzahlung, wenn Shopify Payments genutzt wird. Alle Zahlungsdetails werden dabei über SSL (https) verschlüsselt – ohne Mehrkosten für den Anwender.

Die Versandkosten sind für jedes Land individuell oder nach Spedition festzulegen. Damit hat der Anwender volle Kontrolle und stets den Überblick. Dank Apps wie Oberlo wird auch Dropshipping zum Kinderspiel.

Nachteile:

- Verwaltung : Durch SKU Nummern fällt der Überblick über Warenbestände leicht. Kundendaten und Bestellvorgänge können als CSV-Datei exportiert werden, automatische Analysen und Berichte zur Performance des Shops gibt es in regelmäßigen Abständen – allerdings nicht mit dem Tarif Basic Shopify.
- Zahlung in USD : Bislang kann man die Ausgaben für Shopify nur in USD begleichen. Das ist ungünstig, da Shopify in weitaus mehr Ländern aktiv ist – doch diese haben entweder Glück oder Pech, je nachdem, wie der Wechselkurs steht.
- URL-Struktur : Leider sind die URL der einzelnen Unterseiten nicht vollständig individualisierbar. Shopify arbeitet mit Unterverzeichnissen, was gerade auf dem deutschen Markt wenig Sinn ergibt und dem SEO entgegenspricht.
- Domain & E-Mail Hosting : Domains mit .de sind kein Bestandteil von Shopify, jedoch können sie über Shopify erworben werden. Für E-Mail Hosting wird eine externe Lösung benötigt.
- Multilingual : Verschiedene Sprachen lassen sich mit Shopify nicht in einem Onlineshop darstellen. Um dies zu erreichen, müssen entsprechende Apps im Store gekauft werden, doch auch diese erweisen sich als nicht ausgereift. Eine händische Übersetzung und Überarbeitung der App ist nach wie vor die beste Option.

6.11 Alternativen zu Shopify

Natürlich hat Shopify kein Monopol. Es gibt zahlreiche Alternativen, wobei jede ihre eigenen Vor- und Nachteile hat. Nachfolgend stellen wir drei Shopsystem-Alternativen des deutschen Marktes vor.

- 1&1 E-Shops ist ein Anbieter, welcher den Betrieb des Onlineshops in mehreren Sprachen ermöglicht, ohne zusätzliche App. Ebenso wird eine Anbindung zu anderen Marketplaces sowie Templates für den Shop geboten. Jedoch lassen sich keine digitalen Produkte verkaufen, außerdem fehlt ein Blog.
- WooCommerce ist ein Plugin für WordPress. Bringt man technisches Verständnis mit, erhält man ein unglaubliches Maß an Flexibilität. Diese Option ist nicht für Einsteiger gedacht, da man hier nicht an die Hand genommen wird, sondern genau wissen sollte, was man tut.
- Wix ist eine Plattform, die sich vor allem an designorientierte, kleinere Shops richtet. Sehr einfach aufgebaut fällt die Bedienung wirklich jedem leicht. Zwar bietet das Portal weniger Features als Shopify, die essentiellen Dinge wie Kundenkonten oder mehrere Zahlungsmöglichkeiten sind jedoch gegeben.

Dank Shopify konfiguriert man sein E-Commerce wie einen Neuwagen, mit allen Optionen bis ins kleinste Detail – und kann am Ende alle entstandenen Mehrkosten durch eigene Preisgestaltung auf den Endkunden umlegen.

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Details

Seiten
32
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346250667
ISBN (Buch)
9783346250674
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v921469
Institution / Hochschule
BSP Business School Berlin (ehem. Potsdam)
Note
1.0
Schlagworte
Dropshipping Operations Management

Autor

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Titel: Dropshipping im E-Commerce. Eine operative Analyse des Geschäftsmodells