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Welche Einflüsse und Auswirkungen haben das Politik- und das Wirtschaftssystem auf das Sportsystem?

Hausarbeit 2007 22 Seiten

Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in die Systemtheorie
2.1. Was ist ein System?
2.2. Bildung und Entwicklung eines Systems

3. Individualisierung im Sportsystem und Doping
3.1. Das Radsportsystem
3.2. Doping
3.3 Doping im Radsport
3.4. Institutionen gegen den Dopingmissbrauch

4. Einflüsse von Politik und Wirtschaft auf den Sport
4.1. Das Politiksystem
4.2. Das Wirtschaftssystem
4.3. Einflüsse des Wirtschaft- und Politiksystem auf das Sportsystem unter Berücksichtigung der Systemtheorie
4.4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Für mich ist alles, was nicht der Gesundheit des Athleten schadet, kein Doping.“ (www.zeit.de)

Juan Antonio Samaranch

„Von 24 Athleten, die ich betreute, nahmen 10 Drogen, 14 nicht. Manche wollten manche nicht. Diese Entscheidung wurde weder von den Sportlern noch von den Trainern getroffen. Die Realität erforderte sie.“

( www.service.spiegel.de)

Charlie Francis

„Ich habe mich gefragt, warum nehme ich überhaupt Drogen? Ich konnte keine logische Antwort finden. Warum? Es ist Teil des Geschäfts“

(www.fvss.de)

Alex Zülle

Drei Zitate von drei unterschiedlichen Menschen, dennoch haben sie alle eine Gemeinsamkeit, sie sind Teil des Sportsystems. In allen drei Aussagen, sowohl vom ehemaligen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Juan Antonio Samaranch, dem ehemaligen Trainer Charlie Francis sowie dem Profiradfahrer Alex Zülle ist zu erkennen, wie vielschichtig und differenziert das Problem des Dopingmissbrauchs im Profisport ist und wie damit interagiert wird.

Diese Problematik ist Gegenstand der Hausarbeit zum Thema „Welche Einflüsse und Auswirkungen haben das Politik- und Wirtschaftssystem auf das Sportsystem?“ Um eine hinreichende Darstellung und Erläuterung zu konzipieren, werden Niklas Luhmanns Ausführungen zur Systemtheorie zu den Überlegungen hinzugezogen und im Sportsystem soll besonders das Radsportsystem im Vordergrund stehen, welches in jüngster Vergangenheit durch etliche Dopingfälle in den Medien präsent war.

Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil gehe ich einführend auf die Systemtheorie nach Niklas Luhmann ein und werde diese versuchen zu erläutern und die für meine Hausarbeit essentiellen Aspekte dabei hervorheben. Zunächst erfolgen einige Definitionen zum Systembegriff nach Niklas Luhmann und Helmut Willke, um einen Einblick zu geben, was Systeme sind. Im Anschluss daran soll die Systembildung präsentiert und wichtige Begrifflichkeiten, die für die Hausarbeit von Bedeutung sind, veranschaulicht und erklärt werden.

Nach dem Theorieteil stelle ich im zweiten Teil der Arbeit das Radsportsystem vor. Dabei sollen wichtige Institutionen, wie Verbände und Komitees portraitiert werden, in dem ich Strukturen und Kompetenzen erkläre. Auf die Vorstellung des Systems aufbauend, konzipiere ich die dort aktuell vorherrschende Problematik des Dopingmissbrauches. Dabei gehe ich zunächst auf Doping im Allgemeinen ein und werde erläutern, was Doping ist und einen kurzen Abriss der Entstehung und Geschichte des Dopings geben. Abschließend gehe ich in diesem Teil prägnant auf die für den Radsport relevanten Mittel und Verfahren ein, um die dortige Problematik zu vertiefen.

Im abschließenden dritten Teil erfolgt eine kurze Darstellung des Politik- und Wirtschaftssystems in dem Strukturen und Prozesse dargelegt werden sollen, die Auswirkungen auf das Sportsystem, hier speziell das Radsportsystem, haben.

Im Anschluss an die Darstellungen werden der Theorieteil mit den Ausführungen zur Systemtheorie nach Niklas Luhmann, der zweite Teil mit der Darbietung des Radsportsystems und den dort vorherrschenden Problemen sowie die Vorstellung der Strukturen und Prozesse im Politik- und Wirtschaftssystem miteinander verknüpft und es soll eine adäquate Beantwortung der Fragestellung erfolgen, „Welche Einflüsse und Auswirkungen das Politik- und Wirtschaftssystem auf das Sportsystem hat?“

2. Einführung in die Systemtheorie

In der Entstehungsgeschichte der Systemtheorie gibt es eine Vielzahl von Ansätzen. Zunächst sind da der strukturell-funktionale Ansatz nach Talcott Parson, der systemfunktionale Ansatz nach Walter Buckley und James Miller, der funktional- genetische Ansatz, der differenztheoretische Ansatz, der Ansatz einer Theorie selbstreferentieller Systeme sowie der für die Hausarbeit bedeutende funktional strukturelle Ansatz nach Niklas Luhmann.

Der funktional strukturelle Ansatz der Systemtheorie nach Niklas Luhmann bildet die theoretische Grundlage für die Hausarbeit (Willke 2006, 5f).

Allgemein verfügt die Systemtheorie über unterschiedliche Universalitäten zu denen die fachspezifische Universalität, die interdisziplinäre Universalität und die Universalität des Problems der Komplexität zählen.

Mit der fachspezifischen Universalität ist gemeint, „[…] dass die soziologische Systemtheorie nicht auf einen bestimmten Bereich oder Aspekt sozialwissenschaftlichen Denkens und Forschens beschränkt ist, sondern den Anspruch erhebt, grundsätzlich auf alle sozialwissenschaftlichen Fragen anwendbar zu sein.“ (Willke 2006, 1f). Sie bildet also einen einheitlichen Forschungsansatz, der für alle Forschungsbereiche anwendbar ist. Er baut darauf auf, dass alle Systemprobleme über eine gewisse Bedeutungsgleichheit verfügen, aber dennoch alle Formen unterschiedlicher Interpretationen und Wahrheitsvorstellungen zulassen. Als Beispiel für verschiedene Forschungsbereiche seien an dieser Stelle Organisationen oder Gruppen erwähnt; aber auch zur Thematik der Arbeit passend, Sportvereine oder große Verbände, die sich mit dem Sport und dessen Begleiterscheinungen beschäftigen.

Die interdisziplinäre Universalität greift auf die Gleichartigkeit der Systemprobleme in den unterschiedlichen Wissenschaften zurück. Die Systemtheorie ist damit eine Theorie, die nicht zu einer Abgrenzung zu anderen Wissenschaften tendiert, sondern vielmehr die interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Vordergrund stellt und damit eine Anknüpfungsmöglichkeit zu anderen Wissenschaften schafft, um auftretende Probleme kollektiv und effektiv zu lösen (Willke 2006, 3).

Als dritte Universalität ist das Problem der Komplexität anzuführen. Alle gesellschaftlichen Systeme verfügen über Komplexität. Dieser Komplexität kann man nicht mit einfachen Gesetzen und Kategorien entgegenwirken, sondern muss sich der Komplexitätsproblematik stellen. Der Umgang und die Bearbeitung von Problemen ist ein Indikator, um die Wissenschaftlichkeit der verschiedenen Disziplinen zu messen. Das heißt, es wird nicht mehr darauf geschaut, „wie die Komplexität ihres jeweiligen Gegenstandsbereiches nicht künstlich […] reduziert“ (Willke 2006, 4) wird, sondern wie Komplexität ernst genommen, bearbeitet und kontrolliert wird.

Die drei Formen der Universalität sind auch in den Vorformen der Systemtheorie zu erkennen. Zu diesen Vorformen gehören der strukturell funktionale Ansatz, der systemfunktionale Ansatz, der funktional-strukturelle Ansatz, der funktional genetische Ansatz, der Ansatz einer Theorie selbstreferentieller Systeme und schließlich der differenztheoretische Ansatz.

2.1. Was ist ein System?

Um nun den Begriff „System“ zu definieren, gibt es viele verschiedene Ansätze, an dieser Stelle soll aber die Definition nach Niklas Luhmann und Helmut Willke erfolgen.

Nach Niklas Luhmann ist ein System „die Differenz zwischen System und Umwelt.“ (Luhmann 2006, 66). Deutlich wird also, dass es eine Unterscheidung zwischen dem System und der Umwelt gibt und das das System an dieser Differenz oder Verschiedenheit fixiert wird und definiert wird.

Des Weiteren schreibt Luhmann, ein System sei eine „Undheit“ (Luhmann 2006, 67). Das heißt, es setzt sich aus verschiedenen Bezeichnungen zusammen, wie beispielsweise den Begriffen Grenze, Struktur oder Prozess und deren Einheit ist das Und.

Im weiteren Verlauf seiner Darstellungen differenziert Luhmann zwischen offenen und operativ geschlossenen Systemen. Ein offenes System ist durch die Austauschbarkeit mit der Umwelt gekennzeichnet. Jedoch ist die Austauschbarkeit bei allen Systemen, wie beispielsweise einem biologischem System oder einem Sinnsystem unterschiedlich. Während ein biologisches System zum Beispiel Energie aus der Umwelt gewinnt, so erhält ein Sinnsystem Informationen aus der Umwelt (Luhmann 2006, 77).

Das Gegenteil zum offenen System ist das operativ geschlossene System, dort zieht sich ein System indem es operiert, Grenzen. Dadurch kommt es zu einer Unterscheidung zu seiner Umwelt, denn das System operiert nur innerhalb und nicht außerhalb in seiner Umwelt. Das funktioniert nur, so lange es auch eine Umwelt gibt, denn ohne diese kann das System nicht operieren. In einem operativ geschlossenen System laufen diese Operationen immer innerhalb des Systems ab und es gibt keine Beziehungen zur Umwelt, es kann nur „[…] vom Sinn der Operation her auf die Umwelt Bezug nehmen“ (Luhmann 2006, 95) ohne aber Kausalitäten in der Umwelt zu erzeugen. Mit der Umwelt kann sich das System nicht durch Operationen in Kontakt setzen. Dies gilt insbesondere für psychische Systeme, denn Gedanken einer Person, kann nur diese Person wahrnehmen, es gibt dabei keine Möglichkeit, diese Gedanken von außen zu erkennen. Bei sozialen Systemen ist die operative Geschlossenheit dadurch gekennzeichnet, dass man annimmt, dass die sozialen Systeme nicht aus Menschen, sondern aus Kommunikation bestehen und wenn sich diese Strukturen ausbilden, dann werden die im System ablaufenden Operationen zum Kontakt zur Umwelt gezwungen (Willke 2006, 66). Der Kontakt kommt nur durch strukturelle Kopplung zu Stande (Luhmann 2006, 91 ff.).

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Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638061766
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92501
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Schlagworte
Welche Einflüsse Auswirkungen Politik- Wirtschaftssystem Sportsystem Einführung Systemtheorie

Autor

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Titel: Welche Einflüsse und Auswirkungen haben das Politik- und das Wirtschaftssystem auf das Sportsystem?