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Personenbezogene soziale Dienstleistungen

Hausarbeit 2008 21 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1 Dienstleistung
2.1.1 Dienstleistungen in der Alltagssprache
2.1.2 Dienstleistungen in der Ökonomie
2.1.3 Juristische Definition von Dienstleistung
2.1.4 Zusammenfassung verschiedener Definitionen von Dienstleistung
2.2 Personenbezogen / personenbezogene Dienstleistung
2.2.1 Funktionstheoretischer Ansatz personenbezogener Dienstleistungen
2.2.2 Konsumtions- und interaktionstheoretische Ansatz personenbezogener Dienstleistungen
2.3 Sozial / soziale Dienstleistung
2.4 Personenbezogene soziale Dienstleistung
2.5 Soziale Dienste

3. Kritische Betrachtung des Begriffes der personenbezogenen sozialen Dienstleistung

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Aussagen: „Wir leben in einer Dienstleistungsgesellschaft!“, bzw. „Wir entwickeln uns von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsgesellschaft!“, hat wohl jeder schon einmal gehört. Aber was genau bedeutet es, sich auf dem Weg zu einer Dienstleistungsgesellschaft zu befinden? Die Zahl der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft nimmt von Jahr zu Jahr ab und diese Tendenz der Entwicklung wird sich auf Grund der vielen Probleme in der Landwirtschaft in den kommenden Jahren eher noch verstärkt fortsetzen. Auch in der Industrie sieht es nicht viel besser aus. Hier werden die Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt. Da ist es nicht verwunderlich, wenn die Zahl der Erwerbstätigen im Dienstleistungsbereich - absolut und relativ - fortlaufend steigt.1 Und da mittlerweile weit über die Hälfte aller Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor beschäftigt sind, kann man nicht nur davon sprechen, dass wir auf dem Weg in eine Dienstleistungsgesellschaft sind. Wir bereits in einer solchen leben!2

Schon seit den 1950er Jahren konstatieren verschiedene Autoren für alle kapitalistischen Länder eine quantitative Expansion der Dienstleistungsarbeit und einen damit verbundenen relativen Rückgang industrieller Arbeitsverhältnisse. Diese vollziehen „sich im Rahmen eines ökonomisch- gesellschaftlichen Übergangsprozesses von der ‚fordistischen‘ zur ‚postfordistischen‘ Gesellschaftsformation, also von einem Zusammenhang von hochgradig arbeitsteilig-tayloristischer Massenproduktion und standardi- sierter Massenkonsumtion, Reproduktions- und Lebensformen und hin zu flexiblen produktionstechnischen Systemen, einer Flexibilisierung der Arbeitsorganisation und der Arbeitskraftnutzung, und den daraus folgenden destandardisierten und diversifizierten Konsummustern und Lebensformen“.3 Solche Veränderungen hatten natürlich auch Auswirkungen auf den sozialen Bereich (der Erwerbsarbeit), wie z.B. der Sozialen Arbeit. Man hat angefangen, die Hilfeleistungen aus diesem Bereich, als personenbezogene soziale Dienstleistungen zu bezeichnen. Doch mit der Einführung dieses Begriffes ist ein wahres Begriffschaos entstanden. Einmal abgesehen von dem Begriffschaos - das im sozialen Bereich nicht unüblich ist, tauchte auch die Frage auf, ob es überhaupt sinnvoll ist, diese Hilfeleistungen als personenbezogene soziale Dienstleistungen zu bezeichnen.

Mit dieser Arbeit werde ich versuchen, die einzelnen Begriffe der personenbezogenen sozialen Dienstleistung zu klären, und somit ein klein wenig „Licht ins Dunkle“ zu bringen. Anschließend werde ich der Frage nachgehen, ob es sinnvoll ist Hilfeleistungen aus dem sozialen Bereich, als personenbezogene soziale Dienstleistungen zu bezeichnen.

2. Begriffsklärung

2.1 Dienstleistung

2.1.1 Dienstleistungen in der Alltagssprache

Eine Dienstleistung kann im Alltagsverständis auf verschiedene Weise und unter verschieden Umständen ausgeführt werden. Es ist möglich, dass eine Dienstleistung eine spontan erbrachte Hilfe darstellt, die freiwillig getätigt wurde, oder eine von Vertragspartnern bzw. Vorgesetzten erzwungene Leistung darstellt. „Daneben gibt es den Fall der ‚freiwilligen Dienste‘ und den der offiziellen Autorisierung zu einer amtlichen Dienstleistung gegenüber Dritten.“4 Eine Dienstleistung kann unter anderem also „als uneigennütziger persönlicher Beistand einem Hilfsbedürftigen gegenüber erwiesen werden oder aber in Befolgung einer herrschaftlichen Anforderung bzw. einer vertraglich eingegangenen Verpflichtung erbracht werden. Im Rahmen eines autorisierten Auftrags erfolgt die Dienstleistung Dritten gegenüber als Amtshandlung. Auch das Ergebnis einer Dienstleistung kann sich zum einen aus dem Beistand ergeben, den ein Hilfebedürftiger erfahren hat. Andererseits kann es aber auch aus der Zufriedenheit desjenigen resultieren, der die Dienstleistung zum eigenen Nutzen erzwingen kann oder vertraglich ein Anrecht darauf hat. Amtliche Dienstleistungen im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses (Beamte, Richter) äußern sich in rechtsverwirklichenden Amtshandlungen mit dem Ziel der Erhaltung staatlicher Ordnung. ‚Freiwillige Dienste‘ manifestieren sich in Form eines für eine ‚Sache‘ erbrachten Opfers.“5

Die Dienstleistung kann man alltagssprachlich jedoch nicht nur danach betrachten, wie sie ausgeführt wird, oder welches Ergebnis sie zur Folge hat. Dienstleistung kann man auch als ein Begriff aus zwei zusammengesetzten Wörtern begreifen. Zum Einen aus dem Wort des „Dienens“, welches eine „subjektiv-personale (Macht-)Ordnung“ widerspiegelt und zum Anderen den etwas entgegengesetzten Begriff des „Leistens“, welcher ein „objektives (dann jedoch zumeist unpersönlich / ‚entfremdetes‘) Ordnungskriterium“ darstellt.6

Auch wenn man sich dem Begriff der Dienstleistung alltagssprachlich nähern kann, sollte man sich vielleicht doch eher von seinem eigentlichen Ursprung (was seine Verwendung angeht) her annähern. Der Begriff der Dienstleistung stammt nämlich eigentlich aus der Ökonomie.

2.1.2 Dienstleistungen in der Ökonomie

In der Ökonomie werden Dienstleistungen - grob gesagt - auch als das Ergebnis immaterieller Produktion bezeichnet.7 Etwas ausführlicher kann man Dienstleistungen als „eine besondere Art wirtschaftlicher Güter“8 bezeichnen, die als Sammelbegriff von Leistungen umschrieben werden können, „die nicht in der Produktion von Sachgütern bestehen, sondern persönlicher Art sind“9. Hierbei werden Leistungen erbracht, die „nicht übertragbar, lagerfähig und transportierbar sind“10 und wo die Herstellung mit dem Verbrauch zusammen fällt.11 Dabei werden unter anderem personen- bezogene (z.B. Arztbehandlungen) und sachbezogene Dienstleistungen (z.B. Reparatur einer Tür) unterschieden.12

Dienstleistungen werden in den „tertiärer Sektor“ eingeordnet.13 Der „tertiäre Sektor“ ist einer von drei Wirtschaftssektoren. Die Wirtschaft ist also unterteilt „in den primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei), den sekundären Sektor (Bergbau und Energiewirtschaft, Baugewerbe, verarbei- tendes Gewerbe) sowie den tertiären Sektor (Handel, Verkehr, Kredit- gewerbe, Versicherungen, sonstige Dienstleistungsunternehmen, Staat, private Organisationen ohne Erwerbszweck)“.14 Der absolute und relative Anteil der Erwerbstätigen im tertiären Sektor ist in den letzten 150 Jahren ständig gewachsen.15

Dem Begriff der Dienstleistung kam in der Ökonomie zunächst nur ein untergeordneter Stellenwert zu und zwar als Residualkategorie. In den tertiären Sektor der „Drei-Sektor-Theorie“ fielen diejenigen wirtschaftlichen Dienstleitungstätigkeiten, welche sich weder dem primären Sektor und wirtschaftlichen Bereich der Rohstoffgewinnung, noch dem sekundären Sektor der Rohstoffverarbeitung zuordnen ließen.16 Dem Tertiärbereich wurde damit der Charakter einer statistischen Restgröße zuteil.17 Um diese Restgröße aufzuwerten, wurde „in der Theorie der ‚Dienstleistungs- gesellschaft‘ (…) behauptet, daß sich mit dem ökonomischen und technischen Wandel ein neuer Typus von Gesellschaft herausbildet“ hat.18

Was jedoch rechtfertigt den Begriff der Dienstleistung im Zusammenhang mit der Sozialwirtschaft? Immerhin lässt dieser Begriff vermuten, dass sich die Sozialwirtschaft nun auch voll und ganz am Wirtschaftlichkeitsprinzip ausrichten muss. Zumindest sollten auch die Unternehmen der Sozialwirtschaft nach dem Maximal- bzw. Minimalprinzip handeln, indem sie „mit einem gegebenen Mitteleinsatz einen größtmöglichen Nutzen zu erzielen (Maximalprinzip) beziehungsweise ein gegebenes Ziel mit möglichst geringem Mitteleinsatz zu erreichen“ versuchen (Minimalprinzip).19 Vor allem die volle Kostendeckung (Minimalprinzip) sollte ein erklärtes Ziel der Unternehmen in der Sozialwirtschaft sein. Über die volle Kostendeckung hinaus noch Gewinne erzielen (Maximalprinzip) zu können, ist im Grunde genommen genauso überlebensnotwendig. Da ein Unternehmen, welches keine Gewinne verzeichnet, auch keine Möglichkeit hat, sich weiter zu entwickeln, würde es früher oder später - nach den Gesetzen des Marktes - in Insolvenz gehen müssen. Gewinnorientierung sollte daher auch für ein sozialwirtschaftliches Unternehmen kein Tabu darstellen.20 Doch ist es aus meiner Sicht fraglich, ob (so wie Becker es ausdrückt) das handlungsleitende Prinzip - und zwar der wirtschaftliche Erfolg von erwerbswirtschaftlichen Unternehmen - auch für sozialwirtschaftliche Unternehmen gelten sollte. In diesem Fall wäre auch bei diesen Unternehmen „alles, was sich rechnen lässt, und sich im Rahmen der geltenden Rechtslage bewegt“ zulässig und richtig.21

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1 Mühlbradt, Frank W.: Wirtschaftslexikon. Daten, Fakten und Zusammenhänge, 6. Aktualisierte Aufl., Cornelsen Scriptor, Berlin 1999, S.89-90.

2 Schilling, Johannes / Zeller, Susanne: Soziale Arbeit. Geschichte - Theorie - Profession, 3. Überarbeitete Aufl., Ernst Reinhardt Verlag, München 2007, S.263.

3 Flösser, Gaby / Otto, Hans-Uwe / Schaarschuch, Andreas: Dienstleistung. In: Otto, Hans-Uwe / Thiersch, Hans (Hrsg.): Handbuch. Sozialarbeit, Sozialpädagogik, 3. Aufl., Ernst Reinhardt Verlag, München 2005, S.266.

4 Bauer, Rudolph: Personenbezogene soziale Dienstleistungen. Begriff, Qualität und Zukunft, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, S. 53.

5 Ebd., S. 53-54.

6 Bauer, Rudolph: Personenbezogene soziale Dienstleistungen. Begriff, Qualität und Zukunft, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, S. 58.

7 Sunder, Ellen: Dienstleistung, soziale. In: (Hrsg.) Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge: Fachlexikon der sozialen Arbeit. 5. Aufl., Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, Frankfurt a. M. 2002, S.221.

8 Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus (Hrsg.): Schülerduden. Wirtschaft, 3. völlig neu bearbeitete Aufl., Dudenverlag, Mannheim 2002, S. 98.

9 Rittershofer, Werner: Wirtschafts-Lexikon. Über 4200 Stichwörter für Studium und Praxis, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002, S. 248.

10 Jurkat, Klaus-Peter: Kleines Wirtschaftslexikon Fachbegriffe der Wirtschaft. Fakten und Gedanken zur wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes, Books on Demand, Norderstedt 2005, S.50.

11 Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus (Hrsg.): Schülerduden. Wirtschaft, 3. völlig neu bearbeitete Aufl., Dudenverlag, Mannheim 2002, S. 98.

12 Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus (Hrsg.): Schülerduden. Wirtschaft, 3. völlig neu bearbeitete Aufl., Dudenverlag, Mannheim 2002, S. 98-99.

13 Rittershofer, Werner: Wirtschafts-Lexikon. Über 4200 Stichwörter für Studium und Praxis, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002, S. 248.

14 Brockhaus Enzyklopädie. In vierundzwanzig Bänden, 19. völlig neu bearbeitete Auflage, Vierundzwanzigster Band, F.A. Brockhaus, Mannheim 1994, S.265.

15 Rittershofer, Werner: Wirtschafts-Lexikon. Über 4200 Stichwörter für Studium und Praxis, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002, S. 248.

16 Petersen, Kerstin: Neuorientierung im Jugendamt. Dienstleistungshandeln als professionelles Konzept Sozialer Arbeit, Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied / Kriftel 1999, S. 12.

17 Bauer, Rudolph: Personenbezogene soziale Dienstleistungen. Begriff, Qualität und Zukunft, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, S. 37.

18 Petersen, Kerstin: Neuorientierung im Jugendamt. Dienstleistungshandeln als professionelles Konzept Sozialer Arbeit, Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied / Kriftel 1999, S. 12.

19 Becker, Helmut E. (Hrsg.): Das sozialwissenschaftliche Sechseck. Lambertus Verlag, Freiburg im Breisgau 2002, S. 28.

20 Ebd., S. 28.

21 Ebd., S. 28-29.

Details

Seiten
21
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638062329
ISBN (Buch)
9783638950985
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92649
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Schlagworte
Personenbezogene Dienstleistungen

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