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Muslimische Schulen in freier Trägerschaft in den Niederlanden – Positive Ergebnisse und Konflikte

Hausarbeit 2005 11 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte des niederländischen Bildungssystem

3. Einwanderung und Immigration in den Niederlanden

4. Positive Ergebnisse und Konflikte mit muslimischen Schulen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

“Das niederländische Bildungswesen nimmt im Spannungsfeld von Demokratisierung und Privatisierung unter den europäischen Bildungssystem zweifellos eine Sonderstellung ein. Wie in kaum einen zweiten Land sind die charakteristischen Merkmale dieses Systems das Streben nach Freiheit, die Ablehnung zentraler Gewalt und das Beharren auf lokaler Autonomie“.[1] Die Einleitung von Brinkmann und Rijcke bringt die Sonderstellung der Niederlande in Sachen Bildung auf den Punkt. Kein anderes europäisches Land hat diese Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung.

Zunächst möchte ich auf die Geschichte des Bildungssystems eingehen, welches die Grundlage der heutigen Bildungspolitik bildet und zeigt wie es möglich ist, dass es die unterschiedlichsten Schulen gibt, so auch viele muslimische. Im 3. Kapitel möchte ich außerdem näher beleuchten, wie es dazu kam, dass der Islam eine der Hauptreligionen in den Niederlanden wurde.

Diese Multikulturalität bringt natürlich Probleme mit sich, die zusammen mit den bisherigen positiven Ergebnissen, trotz dieser schwierigen Lage im 4. Teil dieser Hauarbeit aufgezeigt werden. Doch die Bildungspolitik der Niederlande hat längst noch nicht alle Konflikte beseitigt, wie der Anschlag auf den islamkritischen Schriftsteller und Filmregisseur Theo van Gogh im November 2004 gezeigt hat, der zu heftigen Diskussionen über die Integration von Ausländern und über das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen führte.

2. Geschichte des niederländischen Bildungssystem

Das Schulsystem der Niederlande wurde durch vielfältige Wandlungen und politische Auseinandersetzungen geprägt. Wie in ganz Europa gab es im 11. Jahrhundert vor allem kirchlich orientierte Schulen. „Mit dem Aufblühen der Städte im 12./13. Jahrhundert wurden eigenständige städtische Lateinschulen gegründet [... und g]egen Ende des 15. Jahrhunderts kam die ‚französische Schule’ hinzu“, welche vor allem Kinder aus höheren Schichten besuchten, „während die große Masse des Volkes nicht einmal die Kosten für den Elementarunterricht aufbringen konnte“. Bis zum Jahre 1795 war das Schulsystem zersplittert und dezentralisiert, für jede Schule gab es eine eigene Ordnung. Danach „wurde der partikularistische Staatenbund der alten Republik abgelöst durch einen Einheitsstaat mit zentralisierter Staatsverwaltung nach französischem Vorbild. Damit entstand erstmals die Möglichkeit, die vielen offenkundigen Missstände im Schulwesen durch eine zentralisierte Bildungspolitik allmählich zu beseitigen.“ Im Jahre 1806 schuf ein Gesetz „die Grundlagen für ein nationales Schulsystem. Es verankert auch den bis auf den heutigen Tag bestehenden Dualismus zwischen öffentlichen (openbare) und privaten (bijzondere) Schulen und legte damit den Grundstein für den großen Schulstreit um die Freiheit des Unterrichts.“.

Vor allem Bevölkerungsgruppen mit eigener Weltanschauung bestanden auf das Recht der Freiheit in der Gestaltung des Lehrplanes und Unterrichts. Dies gelang 1848 mit einer Änderung im Grundgesetz, in der zwar „Freiheit des Unterrichts und [...] religiöse[r] Überzeugung“ festgelegt waren, nicht aber die Finanzierung solcher privater Schulen. „Das führte zum Kampf um die materielle Gleichstellung aller Schulen [... ,welcher] erst 1917 durch die [erneute] Änderung des Grundgesetztes beigelegt wurde. Seitdem sind öffentliche [,circa 30%] und private Schulen [,circa 70 %] in den Niederlanden prinzipiell finanziell gleichgestellt.“ Dies hat „das Problem der ‚Versäulung’ [(verzuiling)] der niederländischen Gesellschaft in der Vergangenheit verschärft“, das heißt es entwickelten sich mehrere Gruppierungen, auf der Basis ihrer Weltanschauung, parallel nebeneinander. „Erst das ‚Mammutgesetz’ aus dem Jahre 1963 bzw. 1968 sollte den Mangel an Zusammenhang und Koordination innerhalb des Schulsystems beheben und zur Vereinheitlichung des weiterführenden Schulsystems beitragen“. Dies wird vor allem mit Hilfe eines einheitlichen Lehrplan für das Sekundarschulwesen durchgesetzt, der „bei Beibehaltung der differenzierten Schulstrukturen“ eine ‚Basisbildung’ festlegen soll.

„Das Bildungssystem in den Niederlanden [erhielt] seine Form [...] als ein Ergebnis eines Ausgleichs zwischen drei [...] Prinzipien: Einheitlichkeit, Freiheit im Sinne des Rechts auf Diversität und Gleichheit der finanziellen Unterstützung vom Staat. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war die Einheitlichkeit der Bildung, die Gestaltung eines Systems überhaupt, das wichtigste Ziel.“ 1847 wurde wie oben beschrieben die Freiheit in der Verfassung verankert und 1917 das dritte Element die gleiche Finanzierung. Aufgrund politischer Spannungen wurden diese drei Prinzipien doch wieder verdrängt und der „Staat dehnte seine Verantwortlichkeit [...] allmählich aus und spezifizierte sie, was von den Schulen vor allem aus dem Grund akzeptiert wurde, das mehr Regeln vor Unsicherheiten schützen.“[2]

3. Einwanderung und Immigration in den Niederlanden

„Die Niederlande haben schon immer viele Immigranten [(Allochthone)] aufgenommen [...] vor allem im 17. und 18. Jahrhundert erlebten die Niederlande eine starke Migration“, nach der Einwanderer den größten Teil der Gesamtbevölkerung ausmachten. „Anschließend folgte eine lange Periode der wirtschaftlichen Stagnation, in welcher die Immigration stark zurückging“ und nur während der Weltkriege Flüchtlinge aus Belgien oder Deutschland aufgenommen wurden. Erst ab 1950 stieg die Zahl der Immigranten wieder und nahm vor allem auch an Verschiedenheit zu, denn nun kamen auch vermehrt Einwanderer aus außereuropäischen Ländern.[3] „Die Immigranten der Nachkriegszeit stammten aus allen Teilen der Welt und kamen aus sehr verschiedenen Gründen in die Niederlande. Sie lassen sich vier großen Gruppen bzw. Strömen zuordnen“: Einwanderer aus den (ehemaligen) niederländischen Kolonien, Arbeitsemigranten aus dem Mittelmeergebiet, Flüchtlinge und Asylbewerber sowie andere, kleinere Emigrantengruppen. Für diese Betrachtung sind vor allem die Einwandere aus der Mittelmeerregion, die Flüchtlinge sowie Asylbewerber wichtig.

[...]


[1] Brinkmann, Günter und Ferry de Rij>Privatisierung: das Beispiel Niederlande“. Tertium Comparationis. Vol. 2., Nr. 1. Waxmann Verlag. 1996.

[2] Brinkmann und Rij>Beispiel Niederlande“. TC. 1996. S. 40 - 44

[3] Böcker, Anita und Kees Groenendijk: „Einwanderungs- und Integrationsland Niederlande“. Länderbericht Niederlande. Hrsg.: Wielenga/ Taute. Bundeszentrale für politische Bildung. 2004.

Details

Seiten
11
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638062497
ISBN (Buch)
9783638951012
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v92695
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Schlagworte
Muslimische Schulen Trägerschaft Niederlanden Positive Ergebnisse Konflikte

Autor

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Titel: Muslimische Schulen in freier Trägerschaft in den Niederlanden – Positive Ergebnisse und Konflikte