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Planung und Entwicklung von Produkten nach Logistikkriterien

Hausarbeit 2008 9 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Die Produktentwicklung

3 Logistikgerechte Konstruktion oder Design for Logistics
3.1 Transportgerechte Konstruktion
3.2 Vereinfachung des Varianten- und Teilemanagements
3.2.1 Strategie der Komplexitätsreduzierung
3.2.2 Strategie der Komplexitätsbewältigung und Komplexitätsbeherrschung
3.2.3 Komplexitätsvermeidung
3.3 Berücksichtigung der Entsorgungslogistik in der Produktgestaltung

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Versicherung.

1 Einleitung

Diese Hausarbeit behandelt das Thema „Entwicklung / Planung von Produkten unter Logis- tikkriterien“. Wenn man über Logistik spricht, denkt man oft nur an den Transport von Gütern von einem Ort auf der Welt zum anderen, eventuell auch noch an den Transport innerhalb einer Firma. Weniger jedoch an die Logistikplanung, die schon während der Produktentwick- lung in vollem Gange läuft. In dieser Hausarbeit möchte ich einen Einblick in das Thema Lo- gistik vor Start-of-Production (SOP) geben und werde dabei auf ökonomische, wie auch auf technische Aspekte eingehen.

2 Die Produktentwicklung

Die Entwicklung neuer Produkte ist existenziell für Unternehmen. Dabei sehen sich immer mehr Firmen konfrontiert mit immer kürzeren Produktlebenszeiten und sind somit gezwungen, auch die Dauer von der Produktidee bis zur Markteinführung zu reduzieren. Die Logistik ist als Querschnittsfunktion auch in der Produktentwicklungsphase wichtig.

Bereits in der Entwicklungsphase werden 70-80% der gesamten Lebenszykluskosten festge- legt. Eine logistikgerechte Gestaltung der Produkte bereits in der Entwicklungsphase ist somit unumgänglich. Mit relativ geringen Planungskosten in frühen Phasen der Produktentstehung können große Kosteneinsparungen in den weiteren Lebensphasen, z. B. produktionslogisti- sche Kosten in der Fertigungsphase oder Kosten in der Verwertungsphase, die größtenteils aus Logistikkosten bestehen, eingespart werden. Durch diese Argumente wurde ein neuer Ansatz der Produktgestaltung geschaffen, der Design for Logistics genannt wird und eine lo- gistikgerechte Konstruktion anstrebt.

3 Logistikgerechte Konstruktion oder Design for Logistics

3.1 Transportgerechte Konstruktion

Notwendiger Bestandteil einer logistikgerechten Konstruktion ist zunächst eine transport-, umschlags-, lager- und verpackungsgerechte Konstruktion, die dazu führt, ein Produkt leicht durch das logistische System zu führen.1

Es gilt diese Kriterien bereits in der Entwicklung zu beachten und konstruktive Lösungen zu finden. Eine schlechte Produktgestaltung kann zum Beispiel eine übergroße Verpackung er-fordern. Allein durch diesen Umstand werden, verursacht durch das höhere Volumen (auch im unverpackten Zustand), die Kosten für Handhabung, Lagerhaltung, Transport und letztendlich auch für die Verpackung, in die Höhe getrieben. Oft ist man sich den Auswirkungen der Produktgestaltung auf die Distributionslogistik nicht bewusst.2

Deshalb sollte man sich stets vor Augen führen, welche Probleme sich aus der Gestaltung eines Produktes für die Auslieferung und im Lagerhaus ergeben könnten. Eine vorausschauende Sicht auf das potentiell kostentreibende Merkmal eines Produktes kann schon in der Entwicklung geringere Kosten für den späteren Transport bedeuten. Im schlimmsten Fall löst zum Beispiel das Volumen das Gewicht als Kostentreiber ab, wenn auf das Transportmittel, angenommen ein LKW, aufgrund Platzmangels keine Waren mehr aufgeladen werden können, bevor das zulässige Gesamtgewicht erreicht ist.

Bei einem Hersteller von Stühlen konnte nachgewiesen werden, dass sich die Kosten für die Auslieferung verdoppelten, wenn sie so konstruiert wurden, dass sie nicht ineinander passten.3 Die konstruktive Lösung lautete somit Stecksystem, oder auch Rub- bermaid Design (benannt nach der Firma, welche dieses System als Erstes nutzte, siehe Abbildung links) .

In einem anderen Fall konnte ein Hersteller von Büromaschinen durch eine Umgestaltung der Konsole einer Maschine die Transport- Das sogenannte Rubber- maid-Design: Die Produkte lassen sich zum kosteng ü ns- tigen Transport zusammens- tecken und vor Ort leicht montieren.

Quelle: www.rubbermaid.eu kosten um 60% senken.4

Aber nicht nur bei den Auslieferungskosten lassen sich durch eine sinnvolle Produktgestaltung Kosten einsparen. Moderne Logistikan- sätze wie zum Beispiele Just-in-Time erfordern häufiges Kommis- sionieren und Umschlagen der Produkte. Deshalb ist für den gesam- ten Transportweg - auch innerhalb der Produktionsstätten - Sorge zu tragen, dass die Waren und Güter transportfreundlich gestaltet sind.

Um die Transport- und Lagerkapazitäten möglichst ökonomisch zu nutzen, müssen die Güter verpackt, wie auch unverpackt, möglichst transport- und lagergerecht gestaltet sein. Es sollten nach Möglichkeit Standardpaletten und Behältnisse genutzt werden, damit keine zusätzlichen Transportiereinrichtungen gekauft werden müssen. Ebenfalls sollte das Produkt gut stapelbar sein, was sich meist durch kostengünstige konstruktive Maßnahmen erreichen lässt.5

Wie man sieht, besteht zwischen der Konstruktion und der Logistik eine Wechselbeziehung. Zum einen muss die Konstruktion bei der Werkstückgestaltung logistische Bedingungen er- füllen, zum anderen muss sich jedoch auch die Logistik den konstruktiven Gegebenheiten anpassen.6

3.2 Vereinfachung des Varianten- und Teilemanagements

Logistikgerechte Konstruktion beinhaltet aber auch eine Vereinfachung des Varianten- und Teilemanagements. Hierzu bieten sich laut Pfohl7 sechs Möglichkeiten an:

1. Reduktion der Kundenbreite
2. Reduktion der Programmbreite
3. Reduktion der Halbzeugvielfalt
4. Reduktion der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffvielfalt
5. Verschiebung des Variantenbestimmungspunktes Richtung Ende der Wertschöp- fungskette
6. Fertigungssegmentierung

„Mehr Varianten und Teile verursachen wegen der zunehmenden Komplexität der Abläufe und schwieriger werdenden Koordination Kosten, für die ein umgekehrtes Erfahrungskurven- gesetz formuliert werden kann: Mit jeder Verdoppelung der Variantenvielfalt steigen die Stückkosten um 20% bis 30% bei herkömmlicher Fertigungstechnologie. Bei flexibel automa- tisierten […] Fabriken kann dieser Kostenanstieg auf 10% bis 15% gesenkt werden.“8

3.2.1 Strategie der Komplexitätsreduzierung

Die ersten vier Ansätze aus 3.2 sind Teil einer Strategie der Komplexit ä tsreduzierung, wobei sich die ersten beiden Vorschläge gegenseitig beeinflussen. Eine Reduktion der Kundebreite ist zum Beispiel durch eine umsatzorientierte ABC-Analyse der Kunden möglich. Für ge- wöhnlich neigen Firmen jedoch dazu, die Komplexität durch eine geringere Teilevielfalt zu reduzieren.

[...]


1 Vgl. Pfohl, 2004, S. 147.

2 Vgl. Pfohl, 1995, S. 211.

3 Vgl. Pfohl, 1995, S. 210.

4 Vgl. Smykay, 1967, S. 36f.

5 Vgl. Wegner, 1996, S. 161.

6 Vgl. Becker, 1995, S. 212.

7 Vgl. Pfohl, 2004, S. 147.

8 Wildemann, 1990, S. 40.

Details

Seiten
9
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638066259
DOI
10.3239/9783638066259
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Hochschule Osnabrück
Erscheinungsdatum
2008 (Juni)
Schlagworte
Planung Entwicklung Produkten Logistikkriterien Logistik
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Titel: Planung und Entwicklung von Produkten nach Logistikkriterien