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Die Rolle der Hochzeit in Jane Austens „Pride and Prejudice“

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Heirat im frühen 19. Jahrhundert
2.1 England zur Zeit der industriellen Revolution – ein Abriss
2.2 Gründe für eine Heirat im frühen 19. Jahrhundert
2.3 Alternativen zu einer Hochzeit zu Jane Austens Zeit

3. Die Eheschließungen im Roman „Pride and Prejudice“
3.1 Die Heirat von Elizabeth und Mr. Darcy
3.2 Die Heirat von Jane und Mr. Bingley
3.3 Die Heirat von Charlotte Lucas und Mr. Collins
3.4 Die Heirat von Lydia and Mr. Wickham
3.5 Die Ehe von Mrs. Bennet und Mr. Bennet

4. Zusammenfassung

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Women’s novels over the Centuries“ beschäftige ich mich unter anderem mit dem Roman „Pride and Prejudice“ von Jane Austen. Schon beim ersten Lesen fiel mir auf, dass das zentrale Thema dieser Geschichte das Heiraten darstellt. Es wird immer wieder thematisiert und dem Leser wird bewusst, welch wichtige Rolle die Eheschließung zu Jane Austens Zeit gehabt haben muss. Hat man sich im Vorfeld keine Gedanken über dieses Thema gemacht, so regt die Lektüre dazu an, sich ein wenig mehr mit der Thematik des Heiratens auseinanderzusetzen. Mir wurde bewusst, dass dieses gesellschaftliche und persönliche Ereignis im Laufe der Zeit einen großen Wandel erlebte und wir diesem heutzutage wohl eine andere Bedeutung beimessen. Nicht zuletzt, dass sich die Hauptperson des Romans, Elizabeth Bennet, in meinem Alter befindet, führte mich zu der Idee, mich speziell mit dem Gegenstand Hochzeit eingehender zu beschäftigen.

Zunächst werde ich einen kurzen Überblick über das Zeitalter um 1800 geben, was ich für wichtig halte, um den folgenden Inhalt der Arbeit den angemessenen Umständen zuordnen zu können.

Anschließend gehe ich speziell auf die Rolle der Heirat, in eben dieser Zeit, ein.

Im nächsten Abschnitt sollen ausgewählte Eheschließungen aus dem Roman vorgestellt und analysiert werden, wobei der Bezug zum vorangegangenen Kapitel hergestellt werden wird.

Abschließend werde ich eine Schlussbetrachtung vornehmen, in der ich auch einen Bogen zu der heutigen Zeit schlagen werde.

2. Die Heirat im frühen 19. Jahrhundert

2.1 England zur Zeit der industriellen Revolution – ein Abriss

Niemand kann genau sagen, zu welchem Zeitpunkt die industrielle Revolution stattfand. Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass es nicht falsch sein kann ihren Anfang in der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert zu sehen. Ihren Ursprung hatte sie demzufolge in England unter der königlichen Herrschaft Georg III.[1]

Es war eine Zeit des Umbruchs und der Instabilität. Neue Straßen und Kanäle entstanden, erste Schienenstränge der Eisenbahn wurden gebaut und Fabriken wurden geschaffen. Daraus ergab sich eine vollkommen neue Art der Arbeit und es kündigten sich erste Anzeichen eines gesellschaftlichen Wandels an, auch bedingt durch das enorme Bevölkerungswachstum. Anzeichen hierfür waren eine neue Mentalität und veränderte Wertevorstellungen. Die neuen Leitbilder waren Innovation, Wandel, Expansion und Fortschritt.[2] Eine schon immer da gewesene Besonderheit der englischen Sozialstruktur verfestigte sich zunehmend: Wirtschaftlicher Erfolg hatte den gesellschaftlichen Anstieg zur Folge.[3]

Alles in allem sprechen Wissenschaftler von einem Übergang von der Stände- zur Klassengesellschaft, zur Industriegesellschaft. Hierbei ist die Rede von einem einschneidenden wirtschaftlichen und tief greifenden gesellschaftlichen Wandel. Weiterhin hatten jedoch der Adel und der Landadel ihre unangefochtene gesellschaftliche Führungsposition inne, wobei sich von nun an neben ihnen neue Unternehmergruppen gründeten.[4]

Die industrielle Revolution hatte nicht nur positive Seiten. Durch den zunehmenden Einsatz von Maschinen kam es zu Massenarbeitslosigkeit, insbesondere unter den Weberfrauen, und zur Verarmung der Landarbeiter.[5] Allein stehende Frauen hatten es schwer sich weiterhin zu finanzieren und fielen ins Elend oder wurden in vielen Fällen in die Prostitution getrieben, welche zu jener Zeit enorm anstieg und im Kontrast zur eigentlich gelebten Sittsamkeit der Engländer stand.[6]

Da die Löhne der Männer der Arbeiterklasse nicht ausreichten, um die gesamte Familie ernähren zu können, wurden Frauen verstärkt mit in die Arbeit einbezogen. Doch damit nicht genug, war eine weitere schlimme Folge der Industrialisierung die Kinderarbeit. Kinder waren aufgrund ihrer physischen Eigenschaften in vielen Bereichen einsetzbar, konnten gut an Missstände am Arbeitsplatz gewöhnt werden und gaben sich mit wenig Geld zufrieden.[7]

Im Kontrast hierzu stand das Leben der mittleren Oberschicht. Hier galt der Herr als Ernährer der Familie und die einzige Aufgabe der Frau und der Töchter war es die „weibliche Vollkommenheit“ zu verkörpern, welche sich der Gatte wünschte.[8] Alles Vermögen der Frau fiel bei der Eheschließung an den Mann. Ladies verbrachten ihre Zeit mit Gedichten, Französisch lernen und tanzen und ließen sich von Männern den Hof machen.

Zu jener Schicht zählte auch Jane Austen, welche sich genau dieser Thematik in vielen ihrer Romane widmet.[9] Aus diesem Grund beleuchten die folgenden Ausführungen ausschließlich die mittlere Oberschicht Englands im späten 18. bzw. frühen 19. Jahrhundert.

2.2 Gründe für eine Heirat im frühen 19. Jahrhundert

Eine Hochzeit zur Zeit Jane Austens war grundsätzlich gleichbedeutend mit ökonomischer Sicherheit. Besonders für Frauen, speziell elegante und vornehme, war eine Hochzeit von unschätzbarem Wert. Es bedeutete aus dem elterlichen Haushalt in einen eigenen, bzw. den des Mannes, zu ziehen, ohne sich Sorgen um die finanzielle Lage machen zu müssen oder jegliche Art von Verantwortung zu tragen. Sobald eine Frau verheiratet war, wurde sie umsorgt und beschützt. Heirat galt also als Sicherung der Existenz.[10]

[...]


[1] Michael Maurer. Kleine Geschichte Englands (Stuttgart: Reclam, 1997) 398-402

[2] Peter Wende. Geschichte Englands (Stuttgart: Kohlhammer,1985) 200

[3] Wende 204.

[4] Wende 206.

[5] Jens-Ulrich Davids. Rise like Lions (Oldenburg: Köhler und Foltmer, 1982) 255

[6] George Macaulay Trevelyan. Kultur- und Sozialgeschichte Englands (Hamburg: Claassen und Goverts, 1948) 470

[7] Maurer 389-395.

[8] Trevelyan 468.

[9] Trevelyan 468-472.

[10] Renate Brosch. Eleganz und Autonomie (Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag, 1984) 11

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638067027
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93014
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
2,3
Schlagworte
Rolle Hochzeit Jane Austens Prejudice“

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Titel: Die Rolle der Hochzeit in Jane Austens „Pride and Prejudice“