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Schulbuchkritik: richtlinien- und lehrplanvergleichende Analyse

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 15 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Der Inhalt des 8. Kapitels und seine Einfügung in Richtlinien und Lehrplan

2. Kritik an folgendem, im Vorwort an die SchülerInnen gerichteten Text

3. Genutzte Literatur

4. Weiterführende Literaturhinweise

(1.) Der Inhalt des 8. Kapitels und seine Einfügung in Richtlinien und Lehrplan.

- Die Eingliederung des 8. Kapitels in den Lehrplan kann entweder in den Bereich 1 „Einführung in pädagogisches Denken – Erziehung geht alle an“ für das erste Halbjahr der Jahrgangsstufe 9 oder in den Bereich 2 „Die gesellschaftliche und individuelle Bedingtheit von Erziehung – Erziehung ist immer anders“, erfolgen.

Für 9/I eignet sich das Kapitel zur Thematisierung des Aspekts „Erzieherische Instanzen und Institutionen“ mit dem möglichen Gegenstand „Arbeitsbereiche der Sozialpädagogik“ (Aufgaben, Institutionen und Tätigkeitsfelder).

Für 9/II eignet sich das Kapitel zur Thematisierung von zwei Gegenständen, die je zwei Aspekten zuzuordnen sind: Vereinbar sind die Thematisierung der Aspekte „Erziehung in modernen Industrie- und Mediengesellschaften“ und „Gefährdungen und Misslingen von Erziehung“ mit den möglichen Gegenständen „Bedingungen des Aufwachsens heute – Einrichtungen für Kinder und Jugendliche“ und „Krisen im Lebenslauf – Das schwierige Alter und die gefährdeten Jugendlichen“.

Der thematische die Sub- und Multikulturalität betreffende Aspekt des 2. Bereiches ist in Kapitel 8 ebenfalls integriert, jedoch nur mit einer solch erheblichen Nachrangigkeit, die keine Einstufung als Eignung erlaubt.

Mit ergänzendem Medienmaterial aber ist auch Kapitel 8 als Einstiegspunkt für die Thematisierung dieses Aspekts verwertbar.

Folgende Zitate erläutern die Lernziele der drei geeigneten Aspekte und der zwei Bereiche :

- „[...] Der Unterricht im Kurshalbjahr 9/I erschließt den Schülerinnen und Schülern methodisch und fachlich gesichert einen zentralen Bereich ihrer Wirklichkeit: Erziehung ist unausweichlicher Prozeß im Leben eines jeden Menschen. Der erzieherischen Einflussnahme sind Schülerinnen und Schüler in schicksalhafter Weise unterworfen. [...] Indem erzieherische Instanzen und Institutionen unterrichtlich behandelt werden, wird den Schülerinnen und Schülern ihre Teilhabe an diesen sozialen Gebilden bewusst. Durch das fachlich gesicherte Verständnis der Beziehungen zwischen Individuum und Institution gewinnen sie Einblick in Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen erzieherischen und sozialpädagogischen Handelns. [...]“
- „[...] Unter dem Aspekt Erziehung in modernen Industrie- und Mediengesellschaften wird die grundlegende Einsicht vermittelt, dass bestimmte Gesellschafts- und Lebensformen durch bestimmte erzieherische Konsequenzen gekennzeichnet sind. Eine Mediengesellschaft – oft wird sie auch mit den Begriffen „Erlebnisgesellschaft“, „Risikogesellschaft“ oder „mobile Gesellschaft“ beschrieben – erzieht ihren Nachwuchs anders als die Agrargesellschaft eines Entwicklungslandes. [...] Im Bereich 2, also im Halbjahr 9/II, liegt der Schwerpunkt eher auf den Erfordernissen der Gegenwart: Wie kann Erziehung zum kritischen Umgang mit Medien, zum mündigen Umgang mit sich selbst und zur verantworteten Teilhabe am demokratischen Gemeinwesen beitragen? [...] Ferner gilt es, anhand verschiedener Belastungsfaktoren, Hauptgefahrenquellen in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu verdeutlichen. Unterrichtseinheiten zu dem Aspekt Gefährdungen und Misslingen von Erziehung sollen auf jeden Fall die Behandlung von Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten einschließen. [...]“

(Lehrplan. S. 34 bis S. 35; S. 38 bis S. 39).

Die Möglichkeit der Zuordnung des 8. Kapitelthemas zu möglichen im Lehrplan fixierten Gegenständen ist keine Zufallswillkür, sondern struktureller Ausdruck des Schulbuches und auch für die anderen neun Kapitel durchführbar.

Auf die hier beispielhaft belegte Übereinstimmung der Kapitel mit den curricularen Vorgaben weisen auch die AutorInnen im Vorwort hin:

- „Das Schulbuch ist thematisch wie methodisch so konzipiert, dass es die Forderungen des Lehrplans für das Fach Erziehungswissenschaft für die Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen erfüllt.“ (Menschen-Kinder. Vorwort. S. III.)

Das Schulbuch ist – wie im Vorwort auf Seite V bis VI dargelegt, nach als Kapitel fixierte “thematische Schwerpunkte” strukturiert, deren Behandlung im Unterricht über “Arbeitsanregungen”, “besondere Arbeitsformen”, vorschlagende „Symbole“, Empfehlungen für das Thema vertiefende „Projekte“ und verschiedene „Methoden“ gelenkt wird.

Die Aufmerksamkeit auf das über das Schulbuch mögliche Methodenlernen verlangt auf Seite VI das Vorwort über eine seitenspezifische Aufzählung der als „pädagogische Werkzeuge“ gleichgesetzten Methoden von Brainstorming auf Seite 87 bis Utopie auf Seite 171. Die Methoden sind, da ihre Erläuterungen stets schwarz umrahmt sind, ebenso leicht identifizierbar wie die grau hinterlegten Arbeitsanregungen und die mit einem verständlichem Symbol versehenen Arbeitsformen.

In Kapitel 8 von Seite 128 bis Seite 145 sind vier der insgesamt fünfzehn methodischen Vorschläge integriert, und zwar zum Clustering, Mindmapping, zur methodischen Gestaltung des Projektunterrichts als Arbeitsform und zur Präsentation von Arbeitsergebnissen.

Das intendierte Passungsverhältnisses des Schulbuches mit dem Lehrplan ist – wie bereits oben erwähnt, über seine strukturelle Konzeption identifizierbar:

- So erfüllen Vorschläge für Projekte und Exkursionen als Anreize für besondere Arbeitsformen den Grundsatz der Unterrichtsgestaltung, für einen „[...] Umgang mit authentischen Erziehungssituationen [...] der Erziehungswirklichkeit direkt zu begegnen.“ (Lehrplan. S. 53).
- So wird in Kapitel 8 über Tagesverlaufsprotokolle das sechstägige Projekt einer Schülergruppe aus Remscheid zum Thema „SOS: Schüler in Not! Jugendliche suchen Hilfe bei Problemen mit Schule, Eltern, Partnern, Freunden, Freizeit, Drogen ... An wen können sie sich wenden?“, abgebildet. Nach einer kritischen Nutzenerörterung potentiell in Frage kommender Personen und Institutionen grenzen die ProjektteilnehmerInnen den Projektauftrag folgendermaßen ein: „Wir untersuchen Einrichtungen zur Jugendarbeit, zur Jugendsozialarbeit und zum Jugendschutz in Remscheid in bezug auf ihre Aufgabenbereiche und wir testen, ob sie uns in Problemsituationen behilflich sein könnten.“ Rückführbar ist dieses Thema auf diesbezüglich orientierte, in der Vorbesprechung artikulierte Themenvorschläge von ProjektteilnehmerInnen in Problemsituationen. Als Beispiel wird Daniel in Klasse 11 genannt, der mit einer „Hausaufgabenbetreuung“ die Beseitigung von Versetzungsschwierigkeiten intendiert. Als Beispiel wird weiter die 17 Jahre alte Katrin angeführt, die Hilfe von außen für die Auseinandersetzung mit Problemen in ihrer Familie ersucht. Die SchülerInnen werden im Kapitel mit zwei Aktionsanreizen für die Recherche nach Einrichtungen der Jugendhilfe allgemein und speziell für lernbehinderte Jugendliche zur Selbstdurchführung von Projekten kleineren Ausmaßes ermuntert. Im Anschluss der sachlichen Auseinandersetzung mit dem im Schulbuch protokollierten Projekt ist folgender Anreiz für die Selbstpraxis eines größeren Projektes gesetzt:
- „Überlegt, ob ihr nicht selbst ein größeres Projekt – zu diesem oder auch einem ganz anderen Thema – organisieren wollt! Sicherlich lässt sich fundiert über Projektarbeit erst urteilen, wenn man eigene praktische Erfahrungen damit gemacht hat.“

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638160506
ISBN (Buch)
9783638806046
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9318
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Pädagogik
Note
gut
Schlagworte
vergleichende Schulbuchanalyse Lehrplan Richtlinien für Erziehungswissenschaft

Autor

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