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Online-Trolling im Internet. Welche Kommunikationsform stellt es dar?

Hausarbeit 2019 23 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikation und ihre Ausprägung im Internet
2.1. Kommunikation
2.2. Kommunikationsmetaphern bei Krippendorf
2.3. Online- und Internet-Kommunikation

3. Online-Trolling im Internet

4. Das Phänomen des Online-Trollings als besondere Kommunikationsart
4.1. Kommunikation und Online-Trolling
4.2. Metaphern der Kommunikation und Online-Trolling
4.3. Online-Trolling als spezielle Ausprägung der Internet-Kommunikation

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Online-Trolling als eine der größten Behinderungen im gesamtem Online-Gebrauch ist eine weit verbreitete Verhaltensweise im Netz, bei der es darum geht andere Internetnutzer/innen zu täuschen (vgl. Phillips 2015: 13ff.; Dynel 2016: 358).

Allerdings hat sich nach eingehenden Recherchen gezeigt, dass es wenig Forschung diesbezüglich gibt. Besonders im deutschsprachigen Raum ließen sich nahezu keine Titel finden, die sich mit dem Phänomen „Online-Trolling“ beschäftigen. Dies ist der Anlass für die vorliegende Arbeit, die sich mit dem Thema genauer auseinandersetzen wird, nicht zuletzt, weil die Unerfahrenheit in dem Gebiet und das scheinbar starke Aufkommen von Trolling im Internet Gründe genug für die Relevanz des Themas sind.

Da in Bezug auf Trolling bisher die Erscheinung per se aufgegriffen, sie meistens in einen verhaltenspsychologischen Kontext gesetzt und die Verknüpfung des Trollens mit „Kommunikation“ recht sporadisch und nicht explizit ausgeführt wurde, wird diese Arbeit ebendiesen Bezug zwischen Online-Trolling und Kommunikation genauer herstellen. Die Antwort auf die Frage, was das Phänomen Online-Trolling für eine Kommunikationsform darstellt, soll geboten werden.

Zu diesem Zweck wird der Hauptteil der Arbeit in drei große Themengebiete aufgegliedert. Im ersten Hauptteil, welcher in drei Unterkapitel aufgeteilt ist, sollen grundsätzlich Aspekte sowie Begriffe der Kommunikation und vor allem auch der Internet-Kommunikation präsentiert werden. Zunächst wird eine allgemeine Definition von Kommunikation, basierend auf Autor/innen wie Fraas et al. (2012), Blanz et al. (2014) oder Bublitz (2013), behandelt. Anschließend werden ausschließlich die Kommunikationsmetaphern von Klaus Krippendorf (1994) thematisiert. Im letzten Abschnitt wird die Internet- beziehungsweise Online-Kommunikation im so betitelten „Web 2.0“ respektive „Social Web“ umfassender vorangebracht und welche Veränderungen einhergehend mit neuen Gefahren zu klassischen Kommunikationsformen stattgefunden haben. Neben den schon genannten Autor/innen, dienen als weitere Literaturquellen Aufsätze von Runkehl (2013), Marx (2013) und Siever (2013).

Der zweite Abschnitt des Hauptteils umfasst das Online-Trolling, über das die Leser/innen einen umfangreichen Einblick erhalten. Nicht nur das Trolling an sich wird erklärt, sondern auch genutzte Methoden mit Beispielen werden vorgestellt. Die Basis hierzu schafft grundsätzlich englischsprachige Literatur, die ausgiebiger Internet-Trolling thematisiert als anderssprachige Quellen. Zu nennen sind unter anderem Phillips (2015) oder Terho (2018), Hardaker (2010) und Dynel (2016).

Während die ersten beiden Teile größtenteils deskriptiver Natur sind, folgt im letzten Kapitel des Hauptteils eine Analyse des Internet-Trollings hinsichtlich des Kommunikationsverständnisses. Es werden die ersten Teile aufeinander bezogen und in Beziehung gesetzt. Auch hier sind drei Unterkapitel vorhanden, damit schrittweise ein Bezug von Online-Trolling zum allgemeinen Kommunikationsverständnis, weiter zu Krippendorfs (1994) Metaphern der Kommunikation und schließlich zur Internet-Kommunikation hergestellt werden kann. Damit wird eine Relation zwischen Online-Trolling und Kommunikation hergestellt und eine Antwort auf die Fragestellung geboten.

In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse zusammengefasst und Ausblicke für weitere Forschungen mitgegeben.

2. Kommunikation und ihre Ausprägung im Internet

Im ersten Teil dieser Arbeit soll den Leser/innen ein Überblick von Kommunikation und Internet-Kommunikation gegeben werden. Die Aufteilung in drei Unterkapitel sieht inhaltlich wie folgt aus: Zu Beginn wird der Begriff der Kommunikation im Wesentlichen aufgefasst und eine allgemeine Definition aufgegriffen. Daraufhin werden, basierend auf Klaus Krippendorf (1994), weitere relevante Faktoren und Definitionen der Kommunikation genannt. Im letzten Segment des ersten Teils erfolgt die Betrachtung der Kommunikation im Internet, genauer die Online-Kommunikation im Web 2.0 beziehungsweise Social Web.

2.1. Kommunikation

Kommunikation hat keine einheitliche Definition, vielmehr existieren über hundertsechzig verschiedene Begriffsbestimmungen (vgl. Fraas et al. 2012: 6). Sie ist nicht greifbar, sondern stellt einen Prozess dar, in welchem eine In-Beziehung-Setzung stattfindet, und zwar zwischen Kommunikator/innen (Adressant/innen), die eine Botschaft senden, und Rezipient/innen (Adressat/innen), die auf diese Botschaft reagieren (vgl. Blanz et al. 2014: 13ff.). Dabei werden bei diesen Botschaften gewollte, somit intentionale Symbole verwendet, wie beispielsweise Buchstaben, die zusammengesetzt verständliche und interpretierbare Wörter ergeben können (vgl. ebd.: 19ff. & 30). Eine Botschaft kann sowohl durch Sprache als auch über die Mimik, der Gestik und über die Körperhaltung transportiert werden, somit verläuft Kommunikation multimodal (vgl. Fraas et al. 2012: 10; Bublitz 2013: 29). Eine soziale Interaktion mit einer wechselseitigen Reaktion findet zwischen Kommunikator/innen und Rezipient/innen statt, es entsteht somit eine Reziprozität.

Grundsätzlich wird bei Kommunikation zwischen drei Ebenen differenziert: Zum einen die Individualkommunikation unter zwei Interagierenden, zum anderen die Kommunikation in geschlossenen sowie größeren Gruppen und als letztes die Massenkommunikation, bei der sich eine Nachricht an ein unendlich großes Publikum richtet (vgl. Blanz et al. 2014: 26; Fraas et al. 2012: 8).

Die Art der Vermittlung von Botschaften verläuft über eine materielle Hülse, ein Medium, zum Beispiel Printmedien oder das Fernsehen, die Medialität ist bei der Kommunikation ein zentraler Aspekt (vgl. Fraas et al. 2012: 10f.). Gerade in der Massenkommunikation wird sich der Massenmedien bedient, wobei eine entwickelte technische Infrastruktur dabei die Voraussetzung darstellt (vgl. Gerhards & Neidhardt 1991: 54f.).

Fraas et al. (2012) bedienen sich des sozialwissenschaftlichen Kommunikations-begriffs und fassen zusammen, „...dass Kommunikation sowohl für die interpersonale als auch für die öffentliche Ebene als sozialer Interaktionsprozess bestimmt werden kann, der auf der wechselseitigen Konstitution von Bedeutung beruht und durch Multimodalität, Medialität und Symbolhaftigkeit gekennzeichnet ist.“ (13).

2.2. Kommunikationsmetaphern bei Krippendorf

Klaus Krippendorf (1994) behandelt in „Der verschwundene Bote. Metaphern und Modelle der Kommunikation“ diverse Kommunikationsmodelle, -metaphern und -theorien. Bevor auf die Online- und Internet-Kommunikation eingegangen wird, sollen einige Metaphern und Ansätze skizziert werden.

Unter anderem geht Krippendorf (1994) auf die Containermetapher ein: Worte können hierbei als Behälter oder Container von Ideen gesehen werden. Die Ideen sind Botschaftsinhalte, die einen Sinn und eine bestimmte Bedeutung haben und so von Empfänger/innen entnommen werden sollten. Ist dies nicht der Fall, so handelt es sich um einen Übertragungsfehler oder um inkompetente Rezipient/innen (vgl. ebd.: 87).

Zudem lässt sich Kommunikation als „cognitive sharing“ verstehen, das heißt, dass der Versand und der Empfang einer Botschaft identisch sein müssen, unter denselben Regeln, Konventionen und massenmedialen Ereignissen (vgl. ebd.: 88f.).

Die Kriegsmetapher behandelt eine Kommunikationssituation als einen Konflikt, wobei es Gewinner/innen sowie Verlierer/innen gibt. Dies richtet sich nach der Überzeugungskraft eines Arguments (vgl. ebd.: 90), welche im Übrigen notwendig ist, um (öffentliche) Meinungen durchsetzen zu können (vgl. Gerhards & Neidhardt 1991: 70f.).

Des Weiteren nennt Krippendorf (1994) die Kontroll-Metapher, bei der Kommunikation als Machtquelle, Beherrschung und Manipulation verstanden wird. Sprecher/innen bestimmen die Kriterien der Kommunikation und können den eigenen Erfolg an das durch (sprachliche) Kommunikation erreichte Ziel messen. Dabei besitzen sie eine gewisse Autorität und entziehen durch Überzeugung Rezipient/innen die Macht (vgl. Krippendorf 1994: 94ff.). In einem Kommunikationsprozess hat ein Individuum die Möglichkeit drei Rollen einzunehmen, die im Prozess selbst gewechselt werden können: die/der Werdende, die/der eigene kognitive Autonomie entfaltet, die/der Beobachter und die/der Sich-Unterwerfende, die/der die herrschende Macht oder Autonomie akzeptiert (vgl. ebd. 110).

2.3. Online- und Internet-Kommunikation

Bei der Kommunikation im Internet handelt es sich in erster Linie um eine technologisch vermittelte multimediale und -modale Kommunikation, es wird überwiegend von Computer zu Computer oder Smartphone zu Smartphone kommuniziert, die reale Welt wird in eine virtuelle Welt überführt. Dabei kann Kommunikation sowohl synchron, aber vor allem auch asynchron ablaufen, beispielsweise über soziale Netzwerke oder Chats. Die Notwendigkeit der Dimensionen Raum und Zeit fällt hierbei weg, da es im Internet möglich ist einer Nachricht zeit- und ortsungebunden zu antworten (vgl. Siever 2013: 13; Bublitz 2013: 29ff.). Durch private Chats oder die Emailkommunikation, Gruppen bei sozialen Netzwerken oder Nachrichten an ein unbegrenztes Publikum, vereint das Internet als Hybridmedium unterschiedliche Kommunikationsformen, nämlich die Individual-, Gruppen- und Massenkommunikation (vgl. Blanz et al. 2014: 35).

Der Begriff der Interaktivität findet im Internet als eine computervermittelte Kommunikation die beste Ausprägung: denn die Möglichkeit eines Rollenwechsels zwischen Kommunikator/innen und Rezipient/innen wird am effektivsten gefördert (vgl. Fraas et al. 2012: 10). Bei der klassischen Offline-Massenmedialkommunikation, bei Medien wie Radio, Zeitung und Fernseher, besteht ein einseitiger, vor allem aber auch selektierter Informations- und Nachrichtenkanal von Sender/innen zu Empfänger/innen und beide müssen in ihren Rollen verharren. Das Internet bietet hingegen spätestens seit dem sogenannten „Web 2.0“ als Online-Medium eine aktive Eigenbeteiligung seitens der Rezipient/innen, wodurch sie traditionelle Offline-Instanzen selbst mitgestalten können indem sie beispielsweise über Kommentarfunktionen direkt reagieren (vgl. Runkehl 2013: 53ff.). Das bedeutet, dass eine direkte Reziprozität stattfinden kann, durch den Open Access des Internets hat jede/r die Möglichkeit, Daten bereitzustellen, zu bearbeiten und Nachrichten zu kommentieren (vgl. Siever 2013: 10f.).

Nutzer/innen können sich seit dem Web 2.0 mit einer persönlichen Accounteinrichtung (auf sämtlichen Plattformen) eine virtuelle Identität schaffen, sich sichtbar machen, die eigenen Inhalte aussuchen und sie selbstbestimmt selektieren, während dies hingegen bei den klassischen Offline-Medien übernommen wurde (vgl. Runkehl 2013: 55). Wo im Web 1.0 noch Expert/innen für die technische Nutzung und die Bereitstellung von Daten von Nöten waren, kann sich nun jede/r im Web 2.0 durch die vereinfachte Bedienung der Benutzeroberflächen selbst an der Nutzung und Gestaltung von Daten beteiligen (vgl. ebd.: 56).

Ein weiterer Meilenstein der Kommunikation im Internet ist das „social networking“. Durch das Bereitstellen sämtlicher Anwendungen und Plattformen, wie zum Beispiel Facebook oder YouTube und Online-Blogs sowie die Möglichkeit eigene Websites zu erstellen, finden soziale Prozesse des Zusammenwirkens zwischen Nutzer/innen im Internet statt, weshalb das Web 2.0 auch als „Social Web“ bezeichnet wird (vgl. Fraas et al. 2012: 14ff.).

Ein wesentlicher Faktor der Online-Kommunikation ist die Online-Identität. Bei den „social networking“ Seiten spielen die Selbstdarstellung und die Publikums-orientierung relevante Rollen, da Internetnutzer/innen durch Resonanzen die Bestätigung der erstellten Identität erhalten können. Genauso können sie sich Mitgliedschaften einer ausgewählten Online-Community oder Online-Gruppe aussuchen, in welchen soziale Identitäten geschaffen werden (vgl. Blanz et al. 2014: 127ff.).

Diese Mittel der sozialen Identitätsbildung und der Kommunikation im Internet bringen jedoch sämtliche Gefahren mit sich. Alleine die Tatsache, dass im Internet jede/r alles preisgeben kann, Privates über sich öffentlich macht, verwischt die Grenzen der medialen Privatheit und der Öffentlichkeit (vgl. Bublitz 2013: 44). Alle Nutzer/innen machen sich angreifbar, da der Zugriff auf Informationen sofort für eine Masse an anderen Internetnutzer/innen zur Verfügung steht, die wiederum diese Daten bearbeiten und manipulieren können. Bublitz (2013) spricht hierbei von der Erosion des dualen Prinzips von EGO und ALTER: es ist schwierig zuzuordnen wer Sender/innen und wer Empfänger/innen sind und inwiefern Daten korrekt oder falsch sind. Fremde Informationen sind nicht wirklich identifizierbar (vgl. ebd.: 35ff.). Das Nichtwissen mit wem kommuniziert wird, ob EGO oder ALTER, führt zu einem fremden reziproken Kontakt, bei welchem „...sogar jeglicher menschliche Kontakt“ verloren geht (ebd.: 41).

Diesbezüglich hat die Anonymität ebenfalls hohe Relevanz: Mit der Erstellung eines selbst konzipierten Profils, der selektiven Selbstdarstellung für ein gewisses Publikum, der Pseudonymität über Nicknamen, herrscht eine Nichtidentifizierbarkeit der Online-Identitäten (vgl. Fraas et al. 2012: 76). Die Selektion von Informationskanälen, die im Grunde die eigenen Werte und Meinungen bestärken, führt zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität, da eine Meinungsopposition verringert wird. Insofern kommuniziert das EGO ein Stück weit mit sich selbst, da es sich ein eigenes Echo im Internet sucht (vgl. Runkehl 2013: 59). Zwecks der enormen und unüberschaubaren Menge an Daten im Internet und der Unmöglichkeit dieses „Chaos“ zu ordnen (vgl. Bublitz 2013: 38), bietet die Anonymität im Netz ein Sprachrohr für viele rassistische, fremdenfeindliche sowie antisemitische Nutzer/innen. Diffamierende, diskrimi-nierende und auch volksverhetzende Kommentare, Gruppen, Communitys und Netzwerke sind schwer kontrollierbar (vgl. Schwarz-Friesel 2013: 215). Anonymität schafft Sicherheit und fordert keine Konsequenzen für Verfasser/innen solcher Äußerungen, im Gegenteil: durch das Aussuchen der eigenen Kanäle finden Ausdrücke solcher Art sogar Zuspruch, womit die Motivation steigt und zugleich die Hemmschwelle sinkt, extremistische Kommentare und Ansichten zu verbreiten (vgl. ebd.: 216ff. & 232).

Diese Art der virtuellen und sprachlichen Gewalt lässt sich auch beim Cybermobbing identifizieren (vgl. Marx 2013: 239ff.). Da das Social Web also eine offene, unkontrollierbare sowie anonyme virtuelle Bühne bietet, unter anderem Angst und Verbalangriffe als Methoden zu nutzen, um Randgruppen zu diskriminieren oder bestimmte Personen aus der Offline-Realität online zu mobben, kann es als Nährboden für virtuellen Rufmord gesehen werden (vgl. ebd.: 250ff.). Die Größen der virtuellen Machtausübung sind zum einen die schon erwähnte Anonymität, die technische Kompetenz, mit der Daten manipuliert werden können, und auch der soziale Online-Rank beziehungsweise die Reichweite und der Zuspruch einer virtuellen Identität (vgl. ebd.: 248). Opfer von virtueller Gewalt werden zu Objekten einer öffentlichen Berichterstattung gemacht. Außerdem können Täter/innen immer wieder neue Fake-Profile erstellen, um fortlaufend oder stärker zu diskreditieren (vgl. ebd.: 253).

All dies führt zu einem Glaubwürdigkeitsproblem im Internet, da bei der Menge an Profilen, Daten und Täuschungen die Skepsis im Web 2.0 steigt. Das bedeutet allerdings auch, dass beispielsweise Täter/innen glaubhaft wirken müssen, um Schaden anrichten zu können (vgl. ebd.: 254).

Insgesamt lässt sich schlussfolgern, dass klassische argumentative Strategien auf Grund von verstärkten Möglichkeiten der Täuschung nicht mehr vertrauenswürdig sind (vgl. ebd: 259). Umso wichtiger ist es, dass Internetnutzer/innen eine ausgeprägte Technologie- und Medienkompetenz besitzen und dabei verantwortungsbewusst mit dem Internetgebrauch umgehen, um beispielweise Diskreditierungen, Täuschungen jeglicher Art, Mobbing et cetera entgegenwirken zu können (vgl. Bublitz 2013: 49).

3. Online-Trolling im Internet

In diesem Teil der Arbeit wird das Phänomen des Internet-Trolls näher beleuchtet. Da es schwierig ist dem Begriff „Trolling“ in einer einzigen Definition gerecht zu werden und die Tätigkeit des Trollens mehrere Facetten aufweist, werden verschiedene Faktoren berücksichtigt. Nicht alle Punkte können aufgefasst werden, weshalb nur maßgebliche Aspekte in Erwägung gezogen werden, damit im letzten Teil der Arbeit der Bezug zwischen Online-Trolling und (Online-) Kommunikation hergestellt werden kann.

Die Bezeichnung „Trolling“ stammt einerseits aus dem Fischerjargon und bezeichnet eine Fangtechnik zum Fischen, dabei kann das Fischen erfolgreich sein oder auch nicht. Andererseits kommt die Bezeichnung der skandinavischen Mythologie respektive nordischen Mythologie nach, in welcher der Troll unter der Brücke lebt und nur die Personen passieren lässt, die die richtigen Antworten auf die hinterhältigen Fragen des Trolls bieten können. Die Art des Trolls wird eher als schlecht und missbräuchlich gedeutet, da dieser versucht, sich über Passant/innen lustig zu machen (vgl. Dynel 2016: 355; Phillips 2015: 15).

Die Definitionen von Internet-Trollen, also Internetnutzer/innen, die Trolling im Internet praktizieren, variieren sehr stark, da Trolle unterschiedliche Verhaltensweisen aufweisen und an sich weiter kategorisiert werden können. Zudem gilt eine akademische Definition von Trolling oder Internet-Troll als schwierig, da die Verlässlichkeit der Proband/innen bei Studien nicht hundertprozentig gegeben ist (vgl. Hardaker 2010: 237). Hinzu kommt, dass die akademische Forschung beispielsweise Trolling von Cybermobbing abgrenzt, während Medien die meisten Formen der Täuschung im Internet als Trolling präsentieren (vgl. Terho 2018: 17 & 85).

In erster Linie ist das Ziel eines Trolls oder des Trollings andere Kommunikationspartner/innen zu täuschen und (öffentliche) Diskussionen zu stören (vgl. Terho 2018: 32). Online-Trolling ist schon seit 1996 im Usenet, ein eigenständiger Internetdienst neben dem World Wide Web, verbreitet gewesen und gilt als einer der größten Behinderungen im Online-Gebrauch (vgl. Phillips 2015: 16). Oftmals handelt es sich bei diesen Täuschungen um Versuchungen die ausgesuchten Opfer zu provozieren und eine ziellose Diskussion zu führen, wofür beispielsweise bewusst naive Fragen gestellt oder schlechte Tipps gegeben werden. Die eigentliche kommunikative Absicht zwischen anderen Kommunizierenden wird somit gestört und getäuscht (vgl. Dynel 2016: 357ff.)

Phillips (2015) nennt exemplarisch einen „Überfall“ auf ein Tierforum aus dem Jahre 1993 seitens der Trolle von der Plattform „alt.tasteless“. In diesem Beispiel fragt ein trollender Nutzer nach Tipps für die Katzen „Choad“ und „Sootikin“, übersetzt „Penis“ und „vaginales Wachstum“, woraufhin seriöse und ernst gemeinte Ratschläge gegeben wurden (vgl. ebd.: 19ff.). Ein weiteres Beispiel ist der Troll unter dem bekannten Pseudonym John Lindsay, welcher über E-Mail Schriftverkehr mit einer potentiellen Käuferin eines neuen Fahrzeugs hatte. Lindsay provozierte mit offensichtlich schlechten Angeboten von komplett defekten Wagen, die er nicht wirklich besaß. Je mehr sie sich aufregte, desto weiter ging Lindsay auf die Käuferin ein. Dies geschah nicht nur einmal, sondern mit verschiedenen Fake-Accounts, die Lindsay sich absichtlich erstellte. Im Nachhinein wurden diese Konversationen online gestellt (vgl. Dynel 2016: 361ff.).

Das Wichtige beim erfolgreichen Trollen ist, dass das Opfer die kommunizierten Inhalte ernst nimmt, sodass Empörung bezweckt wird, während der Troll im Mantel der Anonymität sowie einer falschen Identität bleibt und dabei die ausgedrückten Inhalte nicht unbedingt ernst meint. Opfer sollen nicht wissen, dass es sich um eine Täuschung handelt oder sie getrollt werden (vgl. ebd.: 375; Phillips 2015: 25ff.).

„...trolling is a spectrum of behaviors“ (Phillips 2015: 23): Trolling drückt sich in verschiedenste Formen aus, wofür diverse Mittel verwendet werden. Ein Troll kann sich antisozial und/oder humoristisch verhalten, eine ernste oder nicht ernst gemeinte Provokation bezwecken (vgl. ebd.: 31; Terho 2018: 29). Ebenso kann es sein, dass durch das Trolling soziale Kritik ausgeübt wird, indem zum Beispiel bestimmte Formate oder Bewegungen stark kritisiert werden. Trolling kann also auch eine Form des Aktivismus sein (vgl. McCosker 2013: 205; J. Asenas & R. Hubble 2018: 40f.).

Das „RIP Trolling“ provoziert Familien und/oder Angehörige, die Facebook-Accounts oder generell Webseiten für die verstorbene, nahestehende Person erstellt haben. Trolle machen sich über diese Art der Trauer lustig und ziehen sie ins Lächerliche (vgl. Terho 2018: 35). Vor allem stigmatisierte Gruppen stehen im Fokus, es ist beispielsweise klar erkennbar, dass die meisten Trolle gegen Feministinnen wettern und selber meistens männlich sind (vgl. ebd.: 19 & 35).Weitere Mittel des Trollings sind zum Beispiel das „doxxing“, bei der persönliche Informationen von einer Person im Internet gehackt und veröffentlicht werden, oder das „Raiding“, wobei ein bestimmtes Ziel von mehreren Trollen massig belästigt wird (vgl. ebd.: 30). Beim Trolling werden auch, besonders auf den Online-Plattformen der Internet-Trolle, Rassismus, Sexismus und Homophobie als Mittel der Belustigung vermittelt (vgl. Terho 2018: 17).

Durch diverse psychologische Studien wurde festgestellt, ob eine bestimmte Art von Menschen Trolling betreibt, jedoch lässt sich grundsätzlich aussagen, dass im Grunde jede/r ein Troll werden kann (vgl. Cheng et al. 2017: 1ff.). Denn Trolling hat es, nach der eigenen Etablierung als Subkultur durch eigene Trolling-Webseiten wie 4Chan, zum Teil in die Mainstreamkultur des Internets geschafft (vgl. Phillips 2015: 22).

Auffällig ist, dass diese Art des antisozialen Verhaltens schnell verbreitet wird. So stellen Cheng et al. (2017) fest, dass schon alleine die schlechte Laune des Individuums neben dem Diskussionskontext ausreichen kann, um zu trollen. Weiterhin überträgt sich diese Form des antisozialen Verhaltens auf andere User/innen, die gegebenenfalls das Gleiche tun (vgl. ebd.: 2ff.). Weitere oft genannte Gründe um zu trollen sind Langeweile, Aufmerksamkeit oder Unterhaltung (vgl. Terho 2018: 22).

Bei allen Formen und Arten des Trollings, ob harmlos, leichtsinnig oder ernsthaft schadend, steht vor allem das sogenannte „lulz“ als oberstes Prinzip. „Lulz“ bezeichnet eine Art Schadenfreude und hochsarkastisches Gelächter, die der Troll empfindet und ausdrückt, sobald er jemanden erfolgreich provoziert und getäuscht hat. Dies wird von den Täter/innen ebenso als Argument genommen, um überhaupt zu trollen. Alle, die sich provozieren lassen, seien auch bei Ahnungslosigkeit der Täuschung selber daran Schuld und hätten es verdient. Ansonsten habe es das Opfer spätestens ab diesem Punkt verstanden (vgl. Phillips 2015: 24ff.).

Das ahnungslose Opfer kann sich nicht wirklich zur Wehr setzen, da argumentieren oder diskutieren nicht hilft, sondern vielmehr die Selbstbelustigung des Trolls steigert. Aus diesem Grund heißt es „Don’t feed the troll!“, ein Appell an Internetnutzer/innen auf Trolling nicht einzugehen, da dies einige der wenigen Methoden ist, um dem Troll entgegenwirken zu können (vgl. Terho 2018: 22 & 43). Ein Troll, welchem nicht geantwortet wird, hat keinen Erfolg und ist folglich frustriert (vgl. Hardaker 2010: 234ff.). Terho (2018) fasst zum Umgang mit Trollen weitere Punkte, neben dem Ignorieren, zusammen, die effektiv sein können, um den Erfolg einer Trollingaktivität zu stoppen (43): Als Opfer kann ehrlich geantwortet und ernsthaft weiter auf die Aussagen des Trolls eingegangen werden, es lässt sich quasi auf das Spiel ein und lässt sich nicht provozieren. Das Trolling gilt bei dieser Methode als fehlgeschlagen (vgl. Hardaker 2010: 237). Überdies kann der Troll kritisiert oder parodiert werden und die Qualität seiner Kommentare als schlechtes Trolling dargestellt werden, sodass eine direkte Konfrontation möglich wird und der Troll sich eventuell selbst provoziert fühlt und bestenfalls darauf reagiert. Damit wird die Absicht des Trolls durchkreuzt und neutralisiert (vgl. ebd.: 237). Den Troll selber trollen kann auch eine Möglichkeit sein, wobei das Trollen dann eher bestärkt wird und sich die Trolle gegenseitig unterhalten könnten.

All dies setzt allerdings voraus, dass Trolling erkannt wird und diese Form der Täuschung bekannt ist. Ist dies nicht der Fall, so ist das ahnungslose Opfer, welches vielleicht sogar nicht anonym ist, den Täter/innen ausgesetzt. Ist dies der Fall, hat der Internet-Troll das absolute Privileg und kann tun, was er möchte (vgl. Phillips 2015: 26).

4. Das Phänomen des Online-Trollings als besondere Kommunikationsart

Den Leser/innen wurde in den vorherigen beiden Kapiteln dieser Arbeit zuerst ein Bild über die Begriffsdefinition der Kommunikation und Internet- oder Online-Kommunikation nahegelegt. Als Zweites folgte ein Überblick über das Phänomen des Online-Trollings. An dieser Stelle soll der letzte Teil Aufschluss darüber geben, ob klassische Kommunikationscharakteristika auf das Internet-Trolling zutreffen und weshalb das Online-Trolling eine typische Kommunikationsform des Internets, besonders des Social Webs, darstellt. Dabei werden die ersten beiden Kapitel aufeinander bezogen, sodass die genannten Eigenschaften von (Internet-/Online-) Kommunikation mit dem Online-Trolling in Beziehung stehen.

4.1. Kommunikation und Online-Trolling

Zu Beginn ist aufzugreifen, dass sich Trolle der Sprache bedienen und diese nutzen, um Diskussionen oder Empfänger/innen zu täuschen (vgl. Dynel 2016: 358). Ferner kommunizieren Online-Trolle zwar auch in Videospielen und stören auch durch das destruktive Handeln andere Spieler/innen (vgl. Terho 2018: 29), dies soll hier jedoch nicht genauer betrachtet werden. Ein Troll ist demnach der/die Kommunikator/in, sendet Empfänger/innen intentionale Botschaften, schlüpft mit einer falschen Identität in eine andere Rolle (vgl. Dynel 2016: 361f.) und nutzt eine den Rezipient/innen verständliche Sprache. Mit den Reaktionen der Empfänger/innen, ob Empörung oder Belustigung, entsteht eine Reziprozität.

Durch die Nutzung des Internets findet die Kommunikation auf massenmedialer Basis statt. Dabei ist es der trollenden Person möglich, wie schon gezeigt wurde, provokante Nachrichten über Chats oder per E-Mail in geschlossenen Gruppen oder massenkommunikativ an ein unbegrenztes Publikum zu senden (vgl. ebd.: 365; Philipps 2015: 18 & 24). Damit tangiert das Online-Trolling alle drei Kommunikationsebenen: die Individual-, die Gruppen- und die Massen-kommunikation (vgl. Blanz et al. 2014: 26; Fraas et al. 2012: 8). Daraus leitet sich ab, dass das Trollen einen sozialen Interaktionsprozess auf interpersonaler und öffentlicher Ebene darstellt.

Wie verhält es sich jedoch mit der wechselseitigen Konstitution von Bedeutung zwischen Sender/innen und Empfänger/innen? Das Ziel, welches sich der Troll sucht, soll schließlich beim erfolgreichen Trolling bestenfalls gar nicht erst wissen, dass es getrollt wird (vgl. Dynel 2016: 359). Zwar kann das Opfer die Nachricht entschlüsseln, jedoch ist die Intention für die ahnungslosen Empfänger/innen nicht klar. Dynel (2016) spricht dabei von einer Täuschung der kommunikativen Absicht (vgl. ebd.: 359). Daraus lässt sich schließen, dass es sich hierbei um keine „übliche“ Kommunikation handelt: die kommunikative Absicht des Trolls ist die Täuschung der kommunikativen Absicht selbst.

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Details

Seiten
23
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346259080
ISBN (Buch)
9783346259097
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v933318
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Schlagworte
Online-Trolling Trolling Troll Kommunikation Internet-Kommunikation Social Web Web 2.0 Klaus Krippendorff Manipulation Medien

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