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Die Marseillaise - ein kurzer Überblick

Seminararbeit 2007 19 Seiten

Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Definition „Marseillaise“

Wie alles begann

Die Marseillaise

Kurze Inhaltsangabe und Zusammenfassung der Strophen

Kommentar und Kritik zur „Marseillaise“

Die deutsche Nationalhymne: kurze Darstellung und Vergleich

Fazit

Bibliographie

Anhang
Die Partitur

Einleitung

Während die meisten Revolutionslieder die Zeit der Revolution im kollektiven Gedächtnis nicht überdauerten, schaffte es die „Marseillaise“ zu einem der tragenden Symbole der französischen Nation zu werden. Die „Marseillaise“ ist nicht „nur“ die Nationalhymne Frankreichs, sondern spiegelt die Geschichte eines mutigen und revolutionären Volkes wieder. Sie ist Ausdruck des « haine des tyrans» und der « amour de la patrie» (vgl. Marseille, 1999, S. 41).

Im Folgenden möchte ich nun näher auf den Inhalt, die Geschichte und die Bedeutung der „Marseillaise“ eingehen und sie anschließend mit der deutschen Nationalhymne vergleichen; dies alles in Betrachtung folgender Fragestellung: Ist die Marseillaise mehr als nur eine Hymne?

Definition „Marseillaise“

Frz. Freiheits- und Revolutionsgesang, gedichtet in der Nacht vom 25./26.04.1792 von Rouget de Lisle nach der Kriegserklärung an Preußen und Österreich.

Die Melodie entstammt dem Eingang des Oratoriums „Esther“ von Grison (nach Racine). Durch den Gesang des Liedes auf dem Parteitag der Jakobiner am 25.6.1792 in Marseille erhielt das Lied die Bezeichnung „Marseillaise“. Auch Melodie für mehrere spätere Revolutionslieder (siehe Bertelsmann, 1958).

Wie alles begann

Als die Frage der Kriegserklärung an die Habsburgermonarchie im Frühjahr 1792 immer drängender wurde, sprachen sich die girondistischen Zeitungen „Chronique de Paris“ und „Courrier“ für die Förderung von Kriegsliedern, die den Enthusiasmus der Truppen stärken sollten, aus. Der „Courrier“ veranstaltete einen Wettbewerb für das Lied, aber bei Kriegsbeginn am 20. April 1792 war noch immer keine geeignete Hymne gefunden.

Die Kriegserklärung Frankreichs an Österreich löste den ersten Koalitionskrieg aus; der Frankreich aufgezwungene Krieg war von seiner Seite ein gerechter, da dieser der Verteidigung der Revolution und der nationalen Unabhängigkeit diente (vgl Köller/Töpfer, 1973, S. 115). Claude-Joseph Rouget de Lisle[1], Oberbefehlshaber und Gouverneur, der damals aber schon als Dichter und Komponist der „Hymne à la liberté“ bekannt war, befand sich zu dieser Zeit in Straßburg, als am 25. April der Bürgermeister Fréderic de Dietrich in Kontakt mit de Lisle trat und diesen bat, einen chant de guerre zur Ermutigung der in den Krieg ziehenden Truppen zu komponieren. In einer einzigen Nacht komponierte Rouget de Lisle den „chant de guerre pour l’armée du Rhin“. Der Bürgermeister war begeistert und die Hymne verbreitete sich innerhalb weniger Wochen in Windeseile sowohl in handschriftlicher wie in gedruckter Form. Schließlich wurde sie von zahlreichen Pariser Verlegern aufgegriffen.

Am 10. August 1792 sangen die Föderierten aus Marseille, die am Tuilerien-Aufstand teilnahmen , diese Hymne. Von nun an war das Lied nicht mehr nur ein „chant de guerre pour l’armée du Rhin“, sondern erhielt den Namen „Marseillaise“ (vgl. Schulin, 1988, S. 119).

Am 14. Juli 1795 zum sechsten Jahrestag der „Prise de la Bastille“, wurde die „Marseillaise“ feierlich zu einem nationalem Lied erklärt. Zur Zeit der Restauration[2] (1814-1830) wurde sie jedoch verboten und kam erst wieder durch die Revolution im Jahre 1830[3] zu vollem Recht. Hector Berlioz komponierte eine Orchesterfassung , die er Rouget de Lisle widmete. 1879 erlangte die „Marseillaise“ durch die III. Republik den Status der Nationalhymne, es gab jedoch keine einheitliche Fassung der „Marseillaise“ und so wurde schließlich im Jahre 1887 die „offizielle Version“ vom Kriegsminister erlassen. Um die Freiheit und die Märtyrer Frankreichs zu feiern, empfahl ein Rundschreiben des Bildungsministeriums im September 1944, die „Marseillaise“ in den Schulen zu singen. Offiziell als Nationalhymne anerkannt wurde die „Marseillaise“ in den Verfassungen von 1946 und 1958 (vgl. http://www.diplomatie.gouv.fr/de/article-imprim.php3?id_article=113).

Die Marseillaise

In der Kriegserklärung vom Assemblé Législative vom 20. April 1792 lässt sich nicht nur der Grund des folgenden Koalitionskriegs erkennen, sondern auch die Beweggründe, ein doch recht brutales Lied, welches die Marseillaise ist, als Hymne so zu verehren: „...; dass der Krieg, den sie [die Nation] zu führen genötigt ist, kein Krieg von Nation zu Nation ist, sondern die gerechte Verteidigung eines freien Volkes gegen den ungerechten Angriff eines Königs (...); dass sie [die Franzosen] nichts unversucht lassen werden, um die Geißel des Krieges zu lindern, das Eigentum zu schonen und zu bewahren und alle mit dem Krieg unvermeidlich verbundenen Widerwärtigkeiten einzig und allein auf jene zurückfallen lassen, die sich gegen ihre Freiheit verbinden werden;...“ (siehe Markov, S. 235).[4]

Kurze Inhaltsangabe und Zusammenfassung der Strophen

Im Text der Marseillaise werden die Tyrannen und gemeinen Despoten angeklagt, die danach streben, Frankreich in die alte Sklaverei zurückzuführen, und ebenso die Aristokratie, die Emigranten, diese Bande von Sklaven und Verrätern, diese blutigen Frevler und diese Komplizen von Bouillé[5]. Die heilige Liebe zum Vaterland wird gepriesen und zu seiner Verteidigung aufgerufen („Hört ihr die wilden Soldaten brüllen im Lande...“[6] ); dies ist das Vaterland, wie es seit 1789 im Kampf gegen die Aristokratie und den Feudalismus entstand.

1er couplet:

Preußen und Österreich wollen den Unabhängigkeitskrieg der französischen Revolutionäre stoppen.

2e couplet:

Das französische Volk bringt zum Ausdruck, dass es nie wieder in die Sklaverei geraten will.

3e couplet:

Die französischen Bürger fragen sich, wie es wohl sein würde, wenn sie nicht kämpfen würden und sie stellen fest, dass sie sich wieder der Sklaverei der «cohortes étrangères»/ der «vils despotes», beugen müssten, wenn sie aufhören würden. Also führen sie ihren Kampf fort.

4e couplet:

Die Franzosen sind der Überzeugung, dass sie nie aufhören würden zu kämpfen, da es ihr Ziel ist, sich für alles zu revanchieren, was ihnen angetan wurde.

Jeder Mensch, egal ob er Soldat ist oder nicht, kämpft für die Freiheit. Jeder Bürger soll sich gegen die skrupellosen Monarchen auflehnen.

5e couplet:

Es soll nur gegen die Soldaten gekämpft werden, die es nicht anders verdient haben. Das sind jene, die ihr eigenes Vaterland verraten oder jene , die andere zum Kämpfen zwingen sowie die Despoten. Hier wird auf Bouillé eingegangen, einem Adeligen, der im Jahre 1790 drei Regimenter niederschießen ließ, weil die Soldaten ihren unterschlagenen Lohn einforderten. In der Folge wurde Nancy geplündert und 400 Frauen und Kinder ermordet.

6e couplet:

Die Franzosen lieben ihr Vaterland und sie haben Vertrauen in sich selbst gesetzt. Ihre Begierde und ihr Eifer führen sie zum Sieg. Ihr Ziel ist es die Tyrannen zu verjagen.

7e couplet:

Die französischen Bürger sind überzeugt für die Freiheit zu kämpfen und aufrecht zu erhalten, was ihre Vorfahren gegründet und erreicht haben.

[...]


[1] Claude-Joseph Rouget de Lisle wurde am 10. Mai 1760 in Lons-le-Saunier geboren und war ein erfolgreicher Kapitän. Er starb am 26. Juni 1863 in Choisy-le-Roi

[2] Die frz. „Restauration“ bezeichnet die Epoche der Wiederherstellung der Bourbonenmonarchie zwischen dem Ende des Ersten Französischen Kaiserreichs und der Julirevolution; April 1814 - Juli 1830 (s. Bertelsmann, 1958)

[3] « Les Trois Glorieuses » (27.- 29 Juli 1830)

[4] Der komplette Text der Marseillaise sowie die deutsche Übersetzung befinden sich im Anhang

[5] Franςois-Claude-Amour de Boullié (Marquis de Boullié); geboren am 19. November 1739 in der Auvergne, gestorben am 14. November 1800 in London; war ein erfolgreicher frz. General

[6] « Entendez-vous dans les campagnes
Mugir ces féroces soldats?»
Textpassage aus der ersten Strophe der Marseillaise

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638068130
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93353
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,3
Schlagworte
Marseillaise Nationalhymne

Autor

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