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Nett im Net? - Eine soziologische Analyse von Feindseligkeit in der Online-Gruppenkommunikation

Masterarbeit 2004 98 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Verzeichnis der Tabellen, Abbildungen und Schaubilder

VORWORT

0.Einleitung
0.1 Einleitung und Fragestellung
0.2 Aufbau der Arbeit

1. Einfuhrung in das Thema Feindseligkeit
1.1 Definition von Feindseligkeit
1.2 Emotionen in der Soziologie
1.3 Feindseligkeit als soziologisches Phanomen

2. Theorie der Online-Gruppenkommunikation
2.1 Formen der Online-Kommunikation
2.2 Exkurs: Diskussionsforen - Die Schwarzen Bretter des WWW
2.3 Konzepte virtueller Gruppen und Gemeinschaften
2.4 Spezielle Eigenschaften des Mediums Internet und ihre Auswirkungen auf Kommunikationsprozesse
2.4.1 Anonymitat
2.4.2 Reduzierung von Sinneseindrucken und Statusmerkmalen
2.4.3 Enthemmung

3. Feindseligkeit in der computervermittelten Kommunikation
3.1 Was ist Feindseligkeit im Netz?
3.2 Unterschiedliche Erscheinungsformen von Feindseligkeit im Internet
3.2.1 Flaming
3.2.2 Hacking
3.2.3 Spamming
3.2.4 V irtuelle Gewalt
3.3 Gegenstrategien des World Wide Web
3.3.1 Moderatoren und andere Amter im Netz
3.3.2 Die Netiquette - Verhaltenskodex mit Empfehlungscharakter
3.3.3 Sanktionsmoglichkeiten
3.4 Exkurs: Warum es Sinn macht, Feindseligkeit im Web zu untersuchen
3.4.1 Service und Beratung - Gesundheitsplattformen
3.4.2 Wirtschaft und Handel - Kommerzielle Plattformen
3.4.3 Politik und Partizipation - Virtuelle Gemeinschaften als Partizipationsmoglichkeit

4. Forschungsstand zum Thema Feindseligkeit online
4.1 Genereller Uberblick
4.2 Preece und Ghozati: “Observations and Explorations of Empathy online”
4.2.1 Begriffliche Definitionen bei Preece
4.2.2 Zusammenfassung der Studie

5. Eigene Forschungsfragen und ihre theoretischen Grundlagen
5.1 Einbettung in Offline-Strukturen
5.2 Ausdruck virtueller Identitat
5.3 Vielschichtige Hierarchiestrukturen
5.4 Verweis auf eine Netiquette

6. Empirische Untersuchung
6.1 Anspruch und Ziel dieser Untersuchung
6.2 Methodisches Vorgehen
6.3 Die Anbieter der untersuchten Diskussionsforen
6.4 Grundgesamtheit und Stichprobenziehung
6.5 Kategorisierung der Beitrage
6.6 Durchfuhrung der Erhebung und Auswertung
6.6.1 Einbettung
6.6.2 Netiquette
6.6.3 Mehrschichtige Moderation
6.6.4 Ausdruck virtueller Personlichkeit
6.6.5 Gesamt
6.7 Probleme im Verlauf der empirischen Untersuchung

7. Ergebnisse und Ausblick

8. Literatur

9. Anhange
9.1 Haufigkeiten innerhalb der Stichprobe
9.2 Glossar der verwendeten Begriffe und Abkurzungen

Verzeichnis der Tabellen, Abbildungen und Schaubilder

Tabellen

Tabelle 1: Asynchrone und synchrone Kommunikation im Internet

Tabelle 2: Acht Effekte von Online-Disinhibition nach John Suler

Tabelle 3: Die 16 Regeln der klassischen Netiquette von Rinaldi

Tabelle 4: Vier Arten von Sanktionsmoglichkeiten im Internet nach Doring

Tabelle 5: Kategoriensystem in der Untersuchung von Preece und Ghozati

Tabelle 6: Kategorien von Diskussionsthemen bei parsimony.net

Tabelle 7: Kategorien von Diskussionsthemen bei foren.de

Tabelle 8: Vorauswahlkriterien zur Definition der Grundgesamtheit

Tabelle 9: Codierregeln fur die dichotome Kategorisierung der Beitrage

Tabelle 10: Untersuchte Foren fur „Einbettung in Offline-Strukturen“

Tabelle 11: Kreuztabelle Einbettung in Offline-Strukturen / Feindseligkeit

Tabelle 12: Untersuchte Foren fur „Netiquette“

Tabelle 13: Kreuztabelle Netiquette * Feindseligkeit

Tabelle 14: Untersuchte Foren fur „mehrschichtige Moderation“

Tabelle 15: Untersuchte Foren fur „Ausdruck virtueller Personlichkeit“

Tabelle 16: Kreuztabelle Ausdruck virtueller Personlichkeit * Feindseligkeit

Tabelle 17: Haufigkeitsauswertung aller 800 Forenbeitrage

Tabelle 18: Feindselige Beitrage nach Forenanbieter:

Tabelle 19: Verteilung aller Foren auf die Forenanbieter

Tabelle 20: Verteilung der untersuchten Foren auf die Forenanbieter

Tabelle 21: Haufigkeit von Netiquette in allen Foren

Tabelle 22: Haufigkeit von Einbettung in allen Foren

Tabelle 23: Haufigkeit von Mehrschichtige Moderation in allen Foren

Tabelle 24: Haufigkeit von Ausdruck virt. Personlichkeit in allen Foren

Tabelle 25: Verteilung von Netiquette bei foren.de und parsimony.net

Tabelle 26: Verteilung von Einbettung bei foren.de und parsimony.net

Tabelle 27: Verteilung von Mehrschichtige Mod. bei foren.de und parsimony.net

Tabelle 28: Verteilung von Virtuelle Personlichkeit bei foren.de und parsimony.net

Abbildung 1: Beispielhafte Darstellung (Ausschnitt) eines Diskussionsforums

Abbildung 2: Ausschnitt aus dem Beitrag eines Mitglieds von www.travar.de

Abbildung 4: Screenshot der Startseite von www.parsimony.net

Abbildung 5: Screenshot der Startseite von www.foren.de

Schaubilder

Schaubild 1: Unterscheidung von Arger, Feindseligkeit und Aggression

Schaubild 2: Schematische Darstellung einer in eine Offline-Gemeinschaft eingebetteten Online-Gemeinschaft

Schaubild 4: Schematische Darstellung des Erhebungsverfahrens

Schaubild 5: Schematische Darstellung einer einfachen Threadstruktur

Schaubild 6: Schematische Darstellung einer komplexeren Thread-Struktur

Vorwort

Der amerikanische Kolumnist David Weinberger nimmt in Bezug auf Feindseligkeit in der Internetkommunikation kein Blatt vor den Mund und fragt in einem 2001 verfassten Text frei heraus: „Why are we all such jerks online?“ Er unterstellt damit, dass sich mehr Menschen im Internet zu feindseligen AuBerungen und unfreundlichem Verhalten hinreiBen lassen, als sie dies offline tun wurden. Seine ironische Kolumne war zumindest einer der Beweggrunde, diese Masterarbeit zu verfassen.

Die Zusammenhange und Hintergrunde der zwischenmenschlichen Kommunikation im Internet sind, obwohl inzwischen wahre Berge von Literatur und untersuchenden Studien existieren, in soziologischer Hinsicht nach wie vor ungeheuer spannend. Sie zu verstehen und zu analysieren kann dazu beitragen, bessere Kommunikationsraume und - situationen im Internet zu erschaffen.

Nach meiner im Jahr 2001 verfassten Bachelor-Arbeit mit dem Titel „Soziale Beziehungen im Internet - Eine Untersuchung computervermittelter Kommunikation am Beispiel einer Fantasy-Community“ war mir daher klar, dass auch die Masterarbeit sich mit diesem Thema befassen sollte, allerdings weniger allgemein und mehr auf ein spezielles Gebiet ausgerichtet. Die Wahl des Themas „Feindseligkeit“ war nicht unbedingt die leichteste, da dieses Thema weniger gefallig ist als etwa die Untersuchung von Freundschaft oder emotionalen Beziehungen im World Wide Web; zudem existiert speziell fur dieses Gebiet eher wenig Literatur.

Die Ergebnisse, die sich im Verlaufe der Untersuchung herauskristallisiert haben, sind einerseits hinter meinen Erwartungen zuruckgeblieben (in Bezug auf die Menge verwertbarer Ergebnisse innerhalb meiner empirischen Studie), jedoch andererseits erfreulich (fur das Internet): Es scheint im der Internet-Gruppenkommunikation weitaus weniger feindselig zuzugehen als vermutet.

Weinberger selbst ruft die Internetnutzer am Ende seiner Kolumne einfach dazu auf, es ruhig angehen zu lassen, NICHT ZU SCHREIEN!1 und es sich zweimal zu uberlegen, bevor man unfreundlich oder ausfallend wird: „Yelling isn't going to help, and calling them stupid freakin' jerks probably isn't going to direct their minds to your issues. So, take your finger off the caps lock and back away slowly before you become an even bigger jerk than you began as this morning.”

0. Einleitung

0.1 Einleitung und Fragestellung

„Resist the temptation to ‘flame’ others on the list. Remember that these discussions are ‘public’ and meant for constructive exchanges. Treat the others on the list as you would want them to treat you.”

- aus der Netiquette von Arlene D. Rinaldi (1998)

„On the Web, however, matters might proceed differently. When I post my stupid idea to the Dickinson mailing list, I can't see how people are taking it. So, I turn up the volume. Still no response? Better pump up the invective another couple of notches. In order to get any response at all, I learn to become quite obnoxious.“

- David Weinberger, Kolumnist (2001)

“You are a worthless clown, a pathetic joke whose entire identity on this message board is built around post-humping one of the least interesting members here. Don't be surprised if I ignore your unsightly pleas for attention.”

- ATVile, Forenuser (2004)2

Die vorliegende Masterarbeit beschaftigt sich mit dem Phanomen der Feindseligkeit in der Internet-Gruppenkommunikation. Schon in den 1980er Jahren wurde die Frage, ob das Internet als Mittler sozialer Kommunikation nutzt oder ob es schadet, ob es Beziehungen fordert oder diese zerstort, ausfuhrlich und kritisch diskutiert. Zahlreiche Forschungsarbeiten der 90er Jahre beschaftigen sich mit den „netten“ Seiten des Internet und untersuchen Freundschaften, Hilfsbereitschaft, soziale und emotionale Unterstutzung (zum Beispiel bei Parks und Floyd 1996, Rheingold 1994, Turkle 1998, Doring 1999). Andere Ansatze kritisieren gegenlaufige Phanomene wie die befurchtete Zerstorung zwischenmenschlicher Beziehungen, Anonymitat und Entfremdung oder das hohe Konfliktpotential von rein textbasierter Kommunikation (zum Beispiel bei Kraut et al. 1998, Mullert 1984, Mettler-Meibom 1990). Online-Gemeinschaften konnen ihren Mitgliedern materielle und emotionale Gratifikationen bieten (Matzat 2000: 11ff); sie bewegen sich zwischen Extremen von Netz-Anonymitat und gesteigerter Intimitat. Zugleich fuhren sie einen standigen Kampf gegen „Spammer“3, „Trolle“4, streitlustige Verfasser von so genannten „Flames“5 und andere virtuelle Unruhestifter. Dass Feindseligkeit im Internet eine ernstzunehmende Bedrohung fur virtuelle Gemeinschaften und soziale Prozesse sein kann, zeigen die Beispiele von einzelnen feindseligen Konflikten, die zum Ende einer ganzen virtuellen Gruppe fuhrten (vgl. hierzu Kapitel 3.2.4). In welchem Zusammenhang und unter welchen Umstanden feindseliges Verhalten in Online-Communities auftritt, wurde bisher noch nicht erschopfend diskutiert.

Diese Arbeit konzentriert sich in ihrem empirischen Teil in Anlehnung an eine Studie zum Thema Empathie und Feindseligkeit von Jennifer Preece und Kambiz Ghozati (2001) auf vier Fragen:

- Wirkt sich eine Einbettung von Online-Gemeinschaften in Offline-Strukturen positiv gegen das Auftreten von Feindseligkeit aus?
- Spielt es eine Rolle, ob den Mitgliedern einer Online-Gruppe die Moglichkeit zum Ausdruck ihrer virtuellen Identitat gegeben ist?
- Kann eine moderierende Struktur mit mehreren Hierarchie-Ebenen Feindseligkeit wirkungsvoller verhindern als ein einziges moderierendes Amt in einer Online-Gruppe?
- Kann ein expliziter Hinweis auf die Netiquette oder ahnliche Regeln innerhalb eines Internet-Diskussionsforums feindseliges Verhalten verhindern helfen?

„Nett im Net?“ - ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ soll nicht der Gegenstand dieser Untersuchung sein, sondern eher ein mogliches „Warum?“. Diese Arbeit mochte nicht das Internet als besonders feindseliges Medium charakterisieren, denn Feindseligkeit ist nach bisherigen Erkenntnissen in der Online-Kommunikation eher die Ausnahme als die Regel. Vielmehr sollen spezielle Merkmale von Online-Gemeinschaften und ihre mogliche Auswirkung auf Feindseligkeit innerhalb diesen Gruppen untersucht werden.

0.2 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil, wobei beide in etwa gleich gewichtet sind. Kapitel 1 definiert zunachst Feindseligkeit, geht kurz auf die Rolle von Emotionen fur die Soziologie ein und betrachtet dann Feindseligkeit aus soziologischer Sicht.

Kapitel 2 gibt einen Uberblick uber die Theorie der Online-Gruppenkommunikation in Bezug auf Kommunikationsformen, Eigenschaften der Internet-Kommunikation und Merkmale von Online-Gruppen.

In Kapitel 3 wird auf das Phanomen der Feindseligkeit im Internet eingegangen. Es werden die unterschiedlichen Formen von Feindseligkeit aufgezeigt sowie in einem kurzen Exkurs die forschungsrelevante Bedeutsamkeit des Themas dargelegt.

Kapitel 4 stellt den Forschungsstand zum Thema Feindseligkeit im Internet zunachst allgemein dar und geht dann ausfuhrlicher auf die von Preece und Ghozati durchgefuhrte Studie zum Thema „Empathy and Hostility“ (2001) ein.

In Kapitel 5 werden die fur die empirische Studie relevanten eigenen Forschungsfragen dargelegt und theoretisch begrundet.

Im Anschluss folgt in Kapitel 6 die eigentliche empirische Untersuchung, wobei ausfuhrlich auf Vorgehensweise und Probleme eingegangen wird. Kapitel 7 prasentiert die Ergebnisse der Untersuchung sowie einen allgemeinen Ausblick. Kapitel 8 dokumentiert die verwendete Literatur, in Kapitel 9 finden sich die Anhange der Arbeit.

1. Einfuhrung in das Thema Feindseligkeit

1.1 Definition von Feindseligkeit

Im Bedeutungsworterbuch des Dudens ist Feindseligkeit definiert als „feindlicher Sinn“. Das seit dem 16. Jahrhundert bekannte Wort „feindselig“ bedeutete ursprunglich „verhasst“, spater „gehassig“. Das Wort „Feind“ steht in seiner Grundbedeutung fur „Der Hassende“ (Dosdowski 1997: 181f). In seinem Bedeutungsgehalt kann das Wort jedoch weiter gefasst werden als „Hass“; die Bandbreite von Feindseligkeit reicht von unfreundlichem Verhalten bis hin zu offener Aggression oder sogar gewalttatigen Aktionen gegen eine andere Person. In der Sozialpsychologie findet sich folgende Definition:

“Hostility is a multidimensional construct that is thought to have cognitive, affective, and behavioral components. The cognitive component is defined as negative beliefs about and attitudes toward others, including cynicism and mistrust.

The affective component typically labeled as anger refers to an unpleasant emotion ranging from irritation to rage and can be assessed with regard to frequency, intensity, and target.The behavioral component is thought to result from the attitudinal and affective component and is an action intending to harm others, either verbally or physically.” (MacArthur 1997)

Diese Definition umfasst in drei verschiedenen Dimensionen die negativen Emotionen Arger, Wut, Misstrauen und Zynismus gegenuber anderen und beinhaltet auBerdem die Motivation, anderen Personen Schaden zuzufugen, entweder verbal oder physisch. Dementsprechend wird der Begriff haufig in einem Atemzug mit dem der Aggression verwendet. Feindseligkeit, Arger und Aggression (in der Literatur teilweise als AHA!- Syndrom bezeichnet - Anger, Hostility, Aggression (Spielberger et al., 1985)) sollten aber voneinander differenziert werden, da Arger eine Emotion ist, Aggression eine Handlung, Feindseligkeit aber eine Einstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schaubild 1: Unterscheidung von Arger, Feindseligkeit und Aggression

Feindseligkeit umfasst demnach eine Gruppe von Einstellungen bzw. kognitiv- affektiven Orientierungen (Hodapp et al. 1993: 11f), ist aber keine Emotion - sie ist vielmehr mit vielfaltigen Emotionen wie zum Beispiel Neid, Zorn, Arger, Hass, Misstrauen oder Geringschatzung gegenuber anderen Personen oder Objekten verbunden. Arger kann feindseliges Verhalten auslosen, muss es aber nicht (vgl. Weber 1994:55). Weil Feindseligkeit so eng mit unterschiedlichen Emotionen verknupft ist, lohnt sich ein kurzer Blick auf die grundsatzliche Rolle der Emotionen fur die Soziologie, bevor diese Arbeit sich ihrem eigentlichen Untersuchungsgegenstand, der Feindseligkeit im Internet, zuwendet.

1.2 Emotionen in der Soziologie

Die Erforschung von Emotionen spielt in sozial- und individualpsychologischer Hinsicht eine groBe Rolle, in der Soziologie aber wird die Rolle von Gefuhlen fur soziologische und gesellschaftliche Zusammenhange tendenziell vernachlassigt. Im Mittelpunkt der Wissenschaft steht nach wie vor die Erklarung von Strukturen des sozialen Handelns, von sozialen Handlungssystemen und sozialem Wandel. Obwohl die Erforschung von Gefuhlen fur die Soziologie eine verhaltnismaBig kleine Rolle einnimmt, wird zumindest der generelle Einfluss von Emotionen auf Handlungen und Verhaltensweisen nicht in Frage gestellt. Martina Flam schreibt in ihrem Buch „Soziologie der Emotionen“ uber das „Schattendasein“ der Erforschung von Emotionen:

„Die Soziologie ging mit Emotionen sehr hart um - sie wurden regelrecht ignoriert, und, wenn uberhaupt wahrgenommen, niedergemacht. (...) Die soziologische Grundfrage ist und sei schon immer gewesen: Wie ist die soziale Grundordnung moglich? Die richtige Antwort war: dank der gemeinsamen Normen. Und daraus folgte, dass andere Fragen entweder nicht soziologisch oder uninteressant waren." (Flam 2002: 114)

Beruhmte europaische Soziologen, die Emotionen in ihren Werken thematisiert und sogar in den Mittelpunkt gestellt haben, sind Georg Simmel (1995, erstmalig erschienen 1903), Max Weber (1980, erstmalig posthum veroffentlicht 1922) und Emile Durkheim (1999, erstmalig erschienen 1897). Als Verfasser einer neueren Theorie, in denen die Rolle von Emotionen fur soziologische Betrachtungsweisen menschlichen Verhaltens aufgezeigt wird, ist Robert Frank zu nennen. In seinem Buch „Strategie der Emotionen“ (1992) verknupft er Emotionen, zum Beispiel Liebe, Fairness und Anstand, mit Kooperationsmodellen aus der Soziologie und Spieltheorie, etwa dem klassischen Gefangenendilemma (unter anderem bei Rapoport und Chammah 1965) und der Tit-for- Tat-Strategie von Robert Axelrod (1984).

1.3 Feindseligkeit als soziologisches Phanomen

Feindseligkeit taucht, wie Emotionen generell, vermehrt in Werken der Individual- und Sozialpsychologie auf, die sich mit Arger und vergleichbaren Gemutsbewegungen beschaftigen. Weiterhin existieren in der Einstellungsforschung vielfaltige Werke uber feindselige Haltungen gegenuber Fremdgruppen, etwa gegenuber Auslandern und Minderheiten (z.B.: Stolz 2000), oder im Bereich der Stadtsoziologie6, die zum Beispiel Ghettobildung in urbanen Gebieten zu erklaren versucht. Feindseligkeit muss aus soziologischer Sicht jedoch nicht zwingend negativ sein, wie diese Betrachtung von Martina Flam zeigt:

„Feindseligkeit verleiht sozialen Gruppen ihre scharfen Grenzen, positioniert sie gegenseitig und ist in diesem Sinne direkt produktiv. Mit Feindseligkeit gewinnt die Gruppe Relevanz und Signifikanz. Sie ist nicht mehr gleichgultig. Deshalb werden Feindseligkeit und ihre Aufierungen oft bewusst gezuchtet." (Flam 2002: 28)

Negative Affekte innerhalb einer sozialen Gruppe verleihen dieser unter Umstanden Grenzen nach Innen (zur Darstellung der sozialen Position der Gruppenmitglieder untereinander) und nach AuBen (zur bewussten Abgrenzung von anderen Fremdgruppen). Somit konnen Feindseligkeit, Arger und Hass als Einstellungen beziehungsweise Emotionen angesehen werden, die einen berechtigten und nutzlichen Platz in einer Gemeinschaft einnehmen und die gegebenenfalls sogar eine starkende Funktion ausuben.

Betrachtungen zu Feindseligkeit in der Soziologie finden sich unter anderem in Georg Simmels Ausfuhrungen zur Soziologie der Konkurrenz (1903), und, aktueller, in Samuel Huntingtons viel diskutiertem Werk „The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order“ (1996).

2. Theorie der Online-Gruppenkommunikation

Dieses Kapitel erlautert in zwei Blocken zum einen Grundlegendes zu Formen der Kommunikation im Internet und gibt zum anderen einen Einblick in virtuelle Gemeinschaften und deren fur diese Arbeit verwendete Definition.

2.1 Formen der Online-Kommunikation

Bei der Kategorisierung von Formen der Online-Kommunikation ist eine Einteilung in asynchrone und synchrone Kommunikationsformen hilfreich. Bei asynchronen Formen der Online-Kommunikation findet die Verstandigung zeitlich versetzt bzw. verzogert statt; die Botschaften werden aufgezeichnet beziehungsweise aufgeschrieben und sind mit zeitlicher Verzogerung abrufbar. Beispiele hierfur sind E-Mails, Mailinglisten, Newsgroups, Diskussionsforen und (mit Einschrankung) auch Internetseiten. Unter die synchrone Kommunikation, die zeitgleich oder beinahe zeitgleich vermittelt wird, fallen Chats, MUDs und synchrone Dienste wie Messengerprogramme (etwa ICQ, AOL Messenger oder Trillion) und Video- oder Telefonkonferenzen via Internet (ausfuhrlich beschrieben bei Doring 1999: 33 - 137).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Ubersicht asynchrone und synchrone Kommunikation im Internet

2.2 Exkurs: Diskussionsforen - Die Schwarzen Bretter des WWW

Da die empirische Untersuchung dieser Arbeit in Online-Diskussionsforen statt fand, sollen diese hier ausfuhrlicher dargestellt werden. Diskussionsforen im Internet sind thematisch organisierte Austauschforen; sie funktionieren ahnlich wie Schwarze Bretter: Teilnehmer an einer Diskussion konnen eine schriftliche Nachricht hinterlassen, auf einen Diskussionsbeitrag reagieren oder ein neues Thema zur Debatte stellen; sie konnen aber auch unerkannt als so genannte „Lurker“ mitlesen, ohne sich daruber hinaus aktiv zu beteiligen oder zu erkennen zu geben (vgl. z.B. Wood und Smith 2001: 11f). Die fur diese Studie untersuchten Diskussionsforen unterscheiden sich strukturell von den so genannten Newsgroups (vgl. Thimm 2000: 221ff) oder Mailinglisten, die entweder uber spezielle News-Server oder uber E-Mail-Kommunikation funktionieren. Online-Diskussionsforen zeichnen sich zum einen durch technische Voraussetzungen und Eigenschaften, zum anderen durch die damit verbundenen sozial-kommunikativen Rahmenbedingungen aus:

- Die Mitteilungen sind in den meisten Fallen mit Angaben zu Datum und Uhrzeit versehen, die eine Einordnung in einen zeitlichen Kontext ermoglichen.
- Beitrage werden unter einem Namen verfasst - was aber nicht notwendigerweise bedeutet, dass der Verfasser eindeutig identifizierbar ist. Wahrend in einigen Foren als „Gast“ ohne weitere Informationen gepostet werden kann, ist in anderen eine vorherige Registrierung und Anmeldung unter einem festen Namen notwendig. Diese Registrierung erfordert zumindest die Angabe einer gultigen E- Mail-Adresse, an die die erforderlichen Login-Daten oder Passworter gesendet werden. Dennoch tragt dies, ahnlich wie in Mailinglisten und Newsgroups, nicht tatsachlich zu einer Identifizierung einer Person bei, da viele Internetnutzer uber mehrere E-Mail-Konten verfugen oder diese eigens fur eine bestimmte Diskussionsgruppe einrichten. Die Anmeldung bei kostenlosen Anbietern von E­Mail-Services wie etwa Yahoo, Lycos oder GMX erfordert in den allermeisten Fallen nicht zwingend die Angabe von korrekten Daten. Eine Uberprufung der Identitat eines Nutzers in Form einer Uberprufung seiner IP-Nummer7 ist zwar generell moglich, sie ist aber mit Aufwand verbunden und wird daher selten durchgefuhrt. In manchen Diskussionsforen wird die IP-Nummer des Autors automatisch erfasst und gespeichert8, unter Umstanden sogar fur jeden Betrachter sichtbar dargestellt; dies schreckt manche Internetnutzer sicherlich ab, da sie dadurch ihre Anonymitat aufgeben.

- Je nach Struktur und technischem Rahmen sind die Botschaften eines Internet- Diskussionsforums fluchtig, da sie nach einiger Zeit geloscht werden. Durchgesetzt hat sich allerdings in den meisten Diskussionsforen die Praxis, ein Archiv fur Beitrage alteren Datums einzurichten, in dem gelesen werden kann - teilweise uber mehrere Jahre hinweg.
- Die Kommunikationssituation ist offentlich, was bedeutet, dass jeder Internetnutzer mitlesen kann. Somit sind die Diskussionsbeitrage oftmals nicht an konkrete Personen gerichtet, sondern an ein multiples, in unterschiedlichem MaBe partizipierendes Publikum.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Beispielhafte Darstellung (Ausschnitt) eines Diskussionsforums, in diesem Fall: LegoForum von www.1000steine.de, online unter <http://f24.parsimony.net/forum61776>. Zu sehen sind die einzelnen Themen oder „Threads“ sowie die darauf verfassten Antworten; die Namen der Verfasser, Datum und Uhrzeit.

2.3 Konzepte virtueller Gruppen und Gemeinschaften

Zur Definition und Beschreibung virtueller Gruppen und Gemeinschaften existieren eine Vielzahl unterschiedlicher Konzepte, die unterschiedliche Schwerpunkte fur die Bewertung des Wesens virtueller Gemeinschaften, ihrer Mitglieder und deren Interaktion untereinander festlegen. Der ,Internetpionier’ Howard Rheingold, Mitbegrunder der um die San Francisco Bay angesiedelten Internet-Gemeinschaft WELL, definiert virtuelle Gemeinschaften zum Beispiel wie folgt:

„Virtuelle Gemeinschaften (VG) sind soziale Zusammenschlusse, die dann im Netz entstehen, wenn genug Leute diese offentlichen Diskussionen (Kommunikation) lange genug fuhren und dabei ihre Gefuhle einbringen, so dass im Cyberspace ein Geflecht personlicher Beziehungen entsteht." (Rheingold 1994: 16)

Diese Definition beschreibt nicht nur eine Personengruppe von kommunizierenden Personen im Internet, sondern impliziert auch eine Dauerhaftigkeit in der Beziehung dieser Personen. Sie enthalt daruber hinaus bereits eine emotionale Qualitat. Rheingolds virtuelle Gemeinschaft ist, mutmaBlich stark gepragt durch seine personlichen Erfahrungen, eine von Gefuhlen und Zusammenhalt gepragte Gemeinschaft, deren Interesse weitaus mehr von Altruismus und positiven Emotionen gepragt ist als von Egoismus und Okonomisch motivierten Zielen9.

Zusammenhalt und Gefuhle mogen als gemeinschaftsfordernde MaBnahmen fur das Uberleben und die Effizienz einer Online-Gemeinschaft zwar auf lange Sicht entscheidend sein10, dennoch existieren naturlich auch Online-Gruppen, die vorrangig zweckgebunden agieren und auf einer sachlichen, auf reziproken Austauschbeziehungen von Wissen und Informationen basierenden Ebene verbleiben (vgl. Wellman und Gulia 1999: 336). Armstrong und Hagel beschreiben in einem Artikel zur kommerziellen Nutzung von Online-Gemeinschaften vier Typen von Online-Communities: 1.

Communties of Transaction, 2. Communities of Interest, 3. Communities of Fantasy und 4. Communities of Relationship (Armstrong und Hagel 1996: 135). Gleichzeitig betonen die beiden Forscher, dass diese vier Gemeinschaftsformen im Internet nicht scharf voneinander zu trennen sind und sich haufig uberschneiden.

Fur die im Rahmen dieser Arbeit durchgefuhrte empirische Studie wurden die personlichen Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft nicht erfasst, daher ist es zunachst unerheblich, ob es sich um Gemeinschaften handelt, die rein sachlich oder aber vom emotionalem Zusammenhalt gepragt sind11. ZweckmaBig fur diese Untersuchung von feindseligem Verhalten im Internet ist deshalb eine Definition von Internet- Gruppen, die zwar die wesentlichen Aspekte einer virtuellen Gemeinschaft beschreibt, die aber keine direkte Aussage uber die Emotionalitat oder die Beziehungen ihrer Mitglieder untereinander macht. Ein Beispiel fur eine solche Definition liefert Joachim Hoflich, der eine virtuelle Gemeinschaft beschreibt als eine Gemeinschaft von Personen, die uber das Internet als Kommunikationsmedium „im Kontext gemeinsamer Gebrauchsweisen verbunden sind und trotz wechselnder Mitgliedschaften von relativer Bestandigkeit sind“ (Hoflich 1996: 260).

Dabei wird nicht impliziert, dass die Mitglieder der Gemeinschaft sich schon einmal face-to-face, also personlich, begegnet sind; die Konstitution der Gemeinschaft erfolgt vielmehr uber eine technisch vermittelte, unter Umstanden erheblich zeitlich versetzte12 Kommunikation untereinander und uber einen gemeinsamen Kontext. Auch Hoflichs Definition beinhaltet eine gewisse Dauerhaftigkeit, jedoch relativiert diese sich im Vergleich zu Rheingold. Laut Hoflich handelt es sich bei virtuellen Communities um „neue Formen zukunftiger Beziehungen, die nicht mehr auf einem Zusammenleben, sondern nur auf gemeinsamer Kommunikation, auf einem Zusammenkommunizieren, grunden. “(Hoflich 1996: 260). Vergleichbar allgemein gehaltene Definitionen finden sich bei Urs Gattiker: „A virtual community is based on virtual reality, that is, it is usually an artificial social construct, whereby people with similar interests (e.g., growing a rose garden), meet and exchange ideas, messages, and communicate (...)” (Gattiker 2001), bei Matzat: “We use the term online-community to describe a group of users who interact with each other by using the computer-mediated communication tools of this site. Interaction is centered on at least one topic that reflects the common interest(s) of the site users.” (Matzat 2000: 45) und bei Preece: “An online community is a group of people, who come together for a purpose online, and who are governed by terms and policies.” (Preece 2000a)

Diese Definitionen sind weit genug gefasst, um die meisten Arten von Online-Gruppen zu erfassen, sie schlieBen dabei rein auf Interessen oder Austausch basierende Gruppen nicht aus.

2.4 Spezielle Eigenschaften des Mediums Internet und ihre Auswirkungen auf Kommunikationsprozesse

Das Internet als noch verhaltnismaBig jung zu nennende Kommunikationsplattform weist gegenuber anderen Plattformen der Kommunikation Unterschiede auf, die sich sowohl auf das Individuum als auch auf die Gesellschaft auswirken. Diese Arbeit verzichtet auf den klassischen Abriss des Internet-Werdegangs von seinen Anfangen als Netzwerk der ARPA[13] bis hin zu seinem Siegeszug zum allgegenwartigen Massenkommunikationsmedium. Stattdessen geht sie direkt auf die spezifischen Eigenschaften ein, die das Internet von anderen Medien unterscheiden. Obgleich die Kommunikationssituation im Internet noch weitere bedeutsame strukturelle Besonderheiten aufweist (unter anderem Synchronitat, Hypertextualitat, Multimedialitat, Interaktivitat; vgl. Wood und Smith 2001: 35 - 41), werden im Folgenden die Merkmale Anonymitat, Reduzierung von Sinneseindrucken und Enthemmung angesprochen, da sie in Zusammenhang mit dem Auftreten von Feindseligkeit im Internet stehen.

2.4.1 Anonymitat

Computervermittelte Kommunikation ist zumeist von der Anonymitat der Teilnehmer gepragt, auBer es handelt sich um offizielle Kommunikation (z.B. per E-Mail mit einem Arbeitskollegen). Reale Namen, Nutzermerkmale wie zum Beispiel Aussehen, Status und oftmals auch das Geschlecht der Kommunizierenden konnen nach Belieben verschleiert oder neu kreiert werden (vgl. z.B. Thiedeke 2000: 25ff; Wood und Smith 2001: 58). Die Tatsache, dass in der Internetkommunikation der Gesprachspartner nicht oder nur teilweise bekannt ist, ist ein viel diskutiertes Thema in der Literatur, da die anonyme Situation im Internet sowohl Privatheit, also den Schutz der eigenen Person und Privatsphare, als auch Enthullung bedeuten kann. Aaron Ben-Ze’ev beschreibt in seinem Aufsatz „Privacy, emotional closeness, and openness in cyberspace“ (Ben-Ze’ev 2003) die ambivalente Wirkung des Zusammenspiels von Anonymitat und Offenheit im Internet. Er argumentiert, dass die relative Anonymitat, mit der sich Personen im Internet bewegen, zum einen zu einer leichteren Bewahrung der eigenen Privatsphare fuhrt, weil man nur das preisgibt, was man mochte:

„In online relationships, becoming closer also means having more information about the other person, but since one has greater control over the revealed information, this information may not include those aspects one would like to keep private.” (Ben-Ze’ev 2003: 457)

Zum anderen entwickelt sich aus dieser Anonymitat paradoxerweise auch eine groBere Offenheit und gefuhlte emotionale Nahe, die dazu fuhren kann, dass Personen im Virtual Life (VL) Dinge uber sich preisgeben, die sie im Real Life (RL) fur sich behalten wurden. Damit verbunden tritt im Internet eine „Pseudonymitat“ auf: Die Nutzer konnen statt mit ihrer wahren Identitat durch eine selbst kreierte, kunstliche Identitat in Erscheinung treten (vgl. zu „Pseudonymity“: Wood und Smith 2001: 59 - 61). Auf die Thematik der virtuellen Identitat wird in Kapitel 5.2 im Rahmen der empirischen Untersuchung noch naher eingegangen.

2.4.2 Reduzierung von Sinneseindrucken und Statusmerkmalen

Da die Kommunikation im Internet weitestgehend textbasiert funktioniert (abgesehen von Video- oder Telefonkonferenzen), befinden sich die Kommunizierenden in einem sinnlich reduzierten Raum im Vergleich zur Face-to-Face-Kommunikation, bei der neben den durch Sprache kommunizierten Inhalten auch Gestik, Mimik, Stimmlage, Sprechtempo und auBeres Erscheinungsbild der Sprechenden eine Rolle spielen (vgl. Kiesler, Siegel, McGuire 1984: 1125). Diese extralinguistischen Botschaften sind gerade fur die Vermittlung emotionaler Botschaften existentiell und dienen als Orientierungs- und Beurteilungshilfen (vgl. Bahl 1997: 71), fehlen aber bei der textlich basierten Kommunikation im Internet weitgehend. Dies fuhrt zum einen dazu, dass schneller Missverstandnisse auftreten, weil Botschaften luckenhaft oder falsch interpretiert werden, und zum anderen dazu, dass das geschriebene Wort eine gesteigerte Bedeutung einnimmt:

„Online sind wir das, was wir schreiben, und zwar auf eine weit eindringlichere und unflexiblere Weise als wenn wir etwas definitiv in einer Face-to-Face-Diskussion betonen." (Reid-Steere 2003: 276)

Das Kanalreduktions-Modell (Winterhoff-Spurk und Vitouch 1989) kritisiert in diesem Zusammenhang, dass computervermittelte Kommunikation im Vergleich zu Face-to- Face-Kommunikation arm an Reizen und Ausdruck sei und dass deshalb eine generelle (zwischenmenschliche) Verarmung der Kommunikation und eine Reduktion gemeinsamer Handlungsmoglichkeiten die Folge seien. Dementsprechend sieht das Kanalreduktionsmodell computervermittelte Kommunikation (cvK) gegenuber der Individualkommunikation als hochst defizitar, zum Teil auch als destruktiv an. Kritiker des Kanalreduktionsmodells wenden ein, dass die Teilnehmer der

Internetkommunikation den Mangel an sinnlichen Eindrucken durch alternative expressive Ausdrucksmittel zu kompensieren versuchen (vgl. z.B. Hoflich 1998: 147). Moglichkeiten zur Erleichterung der Internetkommunikation sind dabei unter anderem Emoticons (z.B.: ;-) = zwinkernd, :-) = lachend, >:-( = wutend), Sound- und Aktionsworter - *umfall*, *laut schrei* -, vgl. Doring 1999: 41 - 46). Fur nonverbale Eindrucke stehen also eine Reihe von Substituten zur Verfugung. Unklar bleibt aber dennoch, wie aussagekraftig diese auf die einzelne Situation bezogen sind und ob sie von den Kommunizierenden gleichermaBen verstanden und gedeutet werden. Missverstandnisse bei der Interpretation von Online-Botschaften konnen haufiger auftreten und Streit auslosen:

„The literature on flaming shows that the narrower bandwith of communication facilitates the misinterpretation of remarks and the asynochronous nature of the most conversations hinders the immediate repair of damages.” (Wellman und Gulia 1997: 347)

Wahrend ein zwinkernder Smiley unter einer Botschaft diese fur den einen Leser eindeutig als ironisch oder scherzhaft kennzeichnen kann, kann ein zweiter Leser die gleiche Botschaft als vollig ernst gemeint deuten oder einen harmlosen Scherz als Zynismus auffassen.

Andere Filtermodelle (z.B. Reduced-Social-Cues-Approach, Sproull und Kiesler 1984) gehen weniger von einer generellen Verarmung der Kommunikation im Internet aus, sondern thematisieren vielmehr den Umstand, dass bei der rein textlichen Kommunikation neben fehlenden nonverbalen Hinweisen auf Stimmungen und Bedeutungsinhalte auch Hinweise uber den Status einer Person (z.B. Alter, Aussehen, Bildung, Sozialstatus) ausgeblendet sind. Dies fuhrt dazu, dass (soziale) Hemmungen abgebaut werden, was sowohl Offenheit, Freundlichkeit und Egalitat als auch verstarkte Feindseligkeit und normverletzendes Verhalten fordern und verstarken kann (vgl. Doring 1999: 214). Es ist jedoch nicht pauschal davon auszugehen, dass sich Status- und Hierarchieunterschiede durch die sinnliche Begrenzung und Anonymitat der Kommunikationsteilnehmer wirklich nivellieren. Moglich ist, dass Statusunterschiede erst bei der cvK entstehen, und dass netzexterne soziale Hierarchien in den Netzkontext ubertragen werden (vgl. Doring 1999: 215).

2.4.3 Enthemmung

„Enthemmung“ in der computervermittelten Kommunikation wird von verschiedenen Autoren, die sich mit der Kommunikation in Online-Gruppen beschaftigen, beschrieben (Suler 2004; Reid-Steere 2003: 267f; Thiedeke 2000: 27). Gemeint ist, dass Personen sich durch die (vermeintliche) Anonymitat, mit der sie sich im Internet bewegen, durch die Filterung von Statusmerkmalen des Kommunikationspartners und durch die Eingeschranktheit der Sanktionsmoglichkeiten negativen Verhaltens, anders benehmen, als sie dies normalerweise tun wurden. Thiedeke beschreibt dieses Phanomen als „Selbstentgrenzung“:

die Anonymitat bei CMC (= computer mediated communication, Anm. d. Verf.) begunstigt die Uberschreitung sozialer Grenzen. Durch den Wegfall der Adressierbarkeit des Kommunikationspartners schwindet auch die Moglichkeit, soziale Sanktionen wie Ausgrenzung, Herabsetzung, Tadel, psychische oder gar physische Strafen zur Anwendung zu bringen." (Thiedeke 2000: 27)

Er bezeichnet die AuBerungen der cvK als „ungehemmt und non-konform“ im Vergleich zu unmittelbaren Kontakten. Enthemmung kann generell sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Person und den Akt der Kommunikation haben: Der Psychologe John Suler beschreibt in einem ausfuhrlichen Artikel positive und negative Seiten des „Online Disinhibition Effects“. Er kategorisiert in seinem Essay mit dem gleichnamigen Titel (Suler 2004) neun bemerkenswerte Phanomene, die im Rahmen der Online-Kommunikation auftreten und die sich unter der Bezeichnung Online Disinhibition Effect - also Online-Enthemmungs-Effekt - zusammenfassen lassen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Neun Effekte von Online-Disinhibition nach John Suler

Enthemmung ist demnach ein mehrschichtiger Effekt, der unter anderem durch Anonymitat, Entraumlichung, Asynchronitat der Kommunikation und durch fehlende Statusmerkmale begunstigt wird. Suler sieht in diesem Enthemmungs-Effekt sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf das Verhalten von Internetnutzern und unterteilt diese Auswirkungen in ,gut’ (benign disinhibition) und ,schlecht’ (toxic disinhibition):

“It's well known that people say and do things in cyberspace that they wouldn't ordinarily say or do in the face-to-face world. They loosen up, feel more uninhibited, express themselves more openly. Researchers call this the ‘disinhibition effect.’ It's a double-edged sword. Sometimes people share very personal things about themselves. They reveal secret emotions, fears, wishes. Or they show unusual acts of kindness and generosity. We may call this benign disinhibition.

On the other hand, the disinhibition effect may not be so benign. Out spills rude language and harsh criticisms, anger, hatred, even threats. Or people explore the dark underworld of the internet, places of pornography and violence, places they would never visit in the real world. We might call this toxic disinhibition.“ (Suler 2004)

Das von Suler als ,toxic disinhibition’ bezeichnete Verhalten spiegelt klar Aspekte des hier thematisierten feindseligen Verhaltens im Internet wieder: unhofliche

Ausdrucksweise, scharfe Kritik, Arger, Hass oder sogar Drohungen gegenuber anderen Nutzern. Negative Aspekte der Enthemmung in Online-Gemeinschaften beschreibt auch Elizabeth Reid-Steere in ihrem Aufsatz „Das Selbst und das Internet“:

„Die relative Anonymitat und die korperliche Sicherheit in der virtuellen Umwelt konnen durch ihre enthemmende Wirkung aggressives und beleidigendes Verhalten fordern. Die scheinbare Sicherheit virtueller Foren kann einige Leute dazu veranlassen, sie als eine Plattform fur Feindseligkeit zu nutzen. Genauso wie die Enthemmung Befangenheit reduziert und die intime Vertrautheit fordert, kann sie den Online-Nutzer dazu verfuhren, Zorn und Hass frei zu aufiern.“ (Reid-Steere 2003: 267)

Das Auftreten enthemmten Verhaltens kann somit als ein Phanomen beschrieben werden, das nicht eigenstandig ist, sondern das erst durch vielfache, unterschiedliche Faktoren direkt und indirekt entsteht und begunstigt wird, und das sich sowohl in positiven als auch in negativen Verhaltensweisen auBern kann. Diese Ambivalenz des Enthemmungs-Effektes wird von mehreren Autoren beschrieben (Rheingold 1992: 105, 111; Reid-Steere 2003: 267, Suler 2004).

Bereits in den 80er Jahren wurde die Wirkung der hier genannten spezifischen Eigenschaften der Kommunikationssituation im Internet von Kiesler, Siegel und McGuire in einem Essay thematisiert (Kiesler et al. 1984). Die Autoren beschrieben (allerdings ohne unmittelbar von ,Enthemmung’ zu sprechen) unter anderem die folgenden Aspekte der cvK und ihre vermuteten Auswirkungen auf das Sozialverhalten der User:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Sozialpsychologische Aspekte der cvK nach Kiesler et al. (1984)

Fur Kiesler et al. fuhrten diese Charakteristika zu drei Schlussfolgerungen: Es ist erstens in der cvK schwieriger, Mitteilungen zu koordinieren, richtig zu verstehen und unmissverstandlich zu interpretieren. Zweitens konnten sich Status- und andere soziale Merkmale unter den Usern nivellieren, weil Informationen uber Macht und Status in der cvK weitgehend verdeckt sind. Drittens konnten soziale Standards, Regeln und Normen weniger wirksam sein. Die Kommunikation wird dadurch freier und ungezwungener, die Aufmerksamkeit wird weniger auf den Kommunizierenden selbst gelenkt, sondern vielmehr auf den Inhalt seiner Botschaft (Kiesler et al. 1984: 1125f).

Ein interessanter Ansatz, der kritisch in Frage stellt, ob feindselige AuBerungen im Internet tatsachlich bedingt werden durch die Faktoren Anonymitat, durch die Reduzierung von Statusmerkmalen und Sinneseindrucken oder durch De- Individuationseffekte, ist das Social-Influence-Modell von Philip Thompsen (1996). Er bemangelt, dass klassische Theorien zur Begrundung normverletzenden Verhaltens in der Internetkommunikation wichtige Merkmale auBer Acht lassen und sich hauptsachlich auf Faktoren beziehen, die technisch begrundet sind14. Neben den Erklarungsversuchen des Cues-filtered-out-Ansatzes (Kiesler et al. 1984) und dem SIDE-Modell (Social Identity model of De-individuation Effects; Spears und Lea 1998) sieht Thompsen verstarkt den Einfluss sozialer Faktoren als entscheidend fur Flaming im Internet an. Darunter fallen zum Beispiel existente Gruppennormen und Nachahmungsverhalten (z.B. das Beobachten anderer ,Flamer’). Als weitere EinflussgroBen betrachtet er situationsbedingte Faktoren, zum Beispiel die Lange einer Diskussion, die Anzahl verfasster Beitrage, der Ort, an dem ein Beitrag verfasst wurde (etwa von Zuhause aus, vom Arbeitsplatz aus, ...), die Medienerfahrung, die ein User bereits gesammelt hat sowie seine Medienkompetenz. Zusammenfassend argumentiert Thompsen, dass Flaming und andere normverletzende Verhaltensweise im Internet ganzheitlich erforscht werden sollten, und dass bereits bestehende Theorien diesen Anspruch noch nicht erfullen.

3. Feindseligkeit in der computervermittelten Kommunikation

3.1 Was ist Feindseligkeit im Netz?

Wo Menschen in sozialen Gruppen zusammen kommen, ist auch mit dem Auftreten von antisozialem Verhalten zu rechnen. In der englischen Literatur uber Internetforschung ist teilweise generell von „deviant behaviour“, also von abweichendem Verhalten, die Rede (vgl. z.B. Bruckman 1994, Suler 1998). Abweichendes Verhalten meint in diesem Fall die Abweichung von den Normen und Regeln der entsprechenden Gruppe 15. Dieses Verhalten kann sich in vielen Facetten ausdrucken; untersucht werden sollen aber in dieser Arbeit nur diejenigen Phanomene, die tatsachlich feindselig motiviert sind. Von der Gruppennorm abweichendes Verhalten muss nicht automatisch feindselig sein - jemand, der die Gruppenregeln ignoriert und zum Beispiel einen Crosspost16 verfasst, handelt nicht zwingend in feindseliger Absicht, auch wenn dies oftmals nicht gem gesehen wird.

In Kapitel 1.1. wurde Feindseligkeit als eine Haltung definiert, die negative Gefuhle gegenuber anderen Personen mit sich bringt - etwa Arger, Wut, Misstrauen, Hass - und die zu Handlungen fuhren kann oder sich in Handlungen ausdruckt, mit denen man einer anderen Person Schaden zufugen will, sei es verbal oder physisch.

Im Internet unterscheidet sich die Kommunikationssituation von der des Real Life, weil die beteiligten Personen sich nicht physisch begegnen, sondern im Regelfall auf rein textlicher Basis miteinander kommunizieren. Physische Verletzungen des Gegenubers sind somit ausgeschlossen, Aggression und Wut manifestieren sich in schriftlichen AuBerungen. Grenzfalle bilden feindselige Aktionen in virtuellen Realitaten, etwa in MUDs, in denen zumindest fiktiv korperliche Personlichkeiten physisch attackiert werden konnen. Ob dies eine tatsachliche physische Verletzung darstellt - handelt es sich dabei doch um Fantasie-Figuren und nicht um echte Menschen - ist strittig. Falle virtueller Gewalt werden in Kapitel 3.2.4 angesprochen.

Nicht zuletzt sind (systematisch verbreitete) hasserfullte und feindselige AuBerungen im Internet auch in Bezug auf politische, gesellschaftliche oder religiose Themenbereiche allgegenwartig; das Internet ist langst zum massenmedialen Instrument verschiedenster Organisationen weltweit geworden (vgl. Zehnder 1998: 55 - 84). Die Verbreitung von Texten, die zu Fremdenhass, Gewalt oder religiosem Extremismus aufrufen, ist ein ernst zu nehmendes Problem geworden, welches von hochster Stelle thematisiert und bekampft wird, zum Beispiel im Rahmen des EU-Forderprogramms „Sicherheit im Internet“ (nahere Informationen online unter http://www.saferinternet.org). Der Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit beschrankt sich jedoch auf die alltagliche, zwischenmenschliche Kommunikation in Online-Gruppen, konkret in Internet-Diskussionsforen.

3.2 Unterschiedliche Erscheinungsformen von Feindseligkeit im Internet

3.2.1 Flaming

Unter Flaming versteht man das Verfassen eines beleidigenden oder provozierenden Beitrags, ursprunglich nur im Usenet, aber auch als E-Mail oder Beitrag in einem Internet-Forum. Thompsen nennt 13 verschiedene Definitionen von ,Flaming’ aus der Literatur, um darzulegen, wie unterschiedlich das Phanomen teilweise aufgefasst wird (Thompsen 1996: 299). Die meisten dieser Definitionen umfassen jedoch in unterschiedlicher Formulierung entscheidende Merkmale wie beleidigende Inhalte, feindselige Absichten, die Intention, andere zu verletzen, Unhoflichkeit, der Gebrauch von Fluchen und Schimpfwortern. Eine schnell aufeinander folgende Reihe solcher Beitrage wird im Internetjargon als ,Flamewar’ bezeichnet. Flames konnen reine Kunstbeitrage mit dem einzigen Zweck sein, in einem Forum oder einer Mailingliste bewusst Widerspruch oder Streit hervorzurufen; sie sind andererseits auch oft einfach ungehaltene Reaktionen gegenuber dem Fehlverhalten anderer Internetnutzer, etwa wenn jemand die Netiquette missachtet und zum Beispiel unerwunschte Werbeeintrage verfasst. Einige Internetseiten und Newsgroups haben es sich zur Aufgabe gemacht, Flames, Beschimpfungen und andere VerstoBe gegen die Netiquette aus dem Internet zu sammeln, zum Beispiel die Seite http://brawl-hall.com oder eine unter alt.flame.hall-of- flame erreichbare Newsgroup; andere betrachten auf satirische Art und Weise die Kunst des Flamings und geben Tipps fur das Verfassen von Flames:

[...]


1 Die durchgangige Verwendung von GROBBUCHSTABEN wird in der Internetkommunikation als unhofliches Schreien aufgefasst.

2 Online unter <http://www.brawl-hall.com/forums/viewtopic.php?t=12892>, zitiert an 28.7.2004

3 Verfasser von Spam (unerwunschte, inhaltsleere Masseneintrage)

4 Als „Trolle“ werden im Internet-Jargon Verfasser von Beitragen bezeichnet, die erkennbar nur die Intention haben, zu storen, andere User zu belastigen, zu provozieren und so weiter. Auch der Beitrag selbst wird als „Troll“ bezeichnet. vgl. Wikipedia, online unter <http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Internet)>, zitiert am 26.7.2004

5 „Flames“ sind beschimpfende oder verletzende Beitrage in Newsgroups oder Diskussionsforen, etwa Beleidigungen. vgl. Wikipedia, online unter <http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Internet)>, zitiert am 26.7.2004

6 Eine umfangreiche Literaturliste wichtiger Werke der Stadt- und Wohnsoziologie findet sich online unter < http://www2.hu-berlin.de/stadtsoz/Leseempfehlungen/leselikurz.html>, zitiertam 23.8.2004

7 Die IP-Nummer (= Internet Protokoll Nummer) dient der Identifikation des Internetnutzers, sie wird jedes Mai neu vergeben, wenn sich ein Computer mit dem Internet verbindet. Homepages besitzen eine feste IP-Nimmer. Mit bestimmten technischen Mitteln kann die IP-Nummer auch „versteckt“ und unkenntlich gemacht werden.

8 zum Beispiel im Diskussionsforum des Vereins „Dicke Dusseldorf e.V.“, online erreichbar unter <http://www.deutschlands-dicke-seiten.de/cgi-bin/ultimatebb.cgi>, zitiert am 29.6.2004

9 Ein erklarendes Zitat in diesem Zusammenhang ist Rheingolds Aussage: „Aber die Ubereinkommen, die ich beschreibe, erscheinen mir mehr als eine Art Okonomie des Schenkens, bei der Menschen etwas fureinander tun aus dem Streben heraus, Verbindungen miteinander zu schaffen, als eines wohlkalkulierten Quidproquo.“ (Rheingold 1994: 79)

10 Die Rede ist von den so genannten „sozio-emotionalen Gratifikationen“, von denen die Mitglieder einer Real-Life- oder Online-Gemeinschaft profitieren, zum Beispiel bei De Vos (2000: 11) und bei Wellman und Gulia (1996).

11 Obwohl dies fur weiterfuhrende Untersuchungen naturlich von Interesse ist.

12 Bei zeitversetzter Kommunikation werden aufgeschriebene Botschaften mit einer zeitlichen Verzogerung vermittelt, die Beteiligten sind nicht zu gleichen Zeit aktiv. So kann es unter Umstanden Stunden oder sogar Tage und Wochen dauern, bis ein Benutzer eines Diskussionsforums eine Antwort auf einen Beitrag erhalt. (vlg. Doring 1999: 34)

13 ARPA: Advanced Research Projects Agency, US-amerikanische Militarbehorde. Naheres zur Entstehung des Internet unter: SELF HTML / Internet und WWW / Entstehung des Internet. Online unter <http://www.netzwelt.com/selfhtml/intro/internet/entstehung.htm>, zitiert am 10.3.2004

14 Die Reduzierung von Sinneseindrucken etwa ist durch die technischen Gegebenheiten des Internet bedingt, nicht durch das Verhalten der Kommunizierenden.

15 Dies schlieBt ein, dass ^abweichendes Verhalten” von der Definition desselben abhangig ist. Flaming muss nicht unbedingt feindseliges Verhalten sein, wenn es in einer Gruppe stattfindet, die es duldet. Verletzungen von Normen mussen damit immer auf die jeweilige Gruppe bezogen werden, nicht auf das Internet als Ganzes.

16 Unter ^Crossposting” versteht man das Versenden ein und desselben Beitrages in mehreren Newsgroups oder Mailinglisten. Da diese meist themenspezifisch sind, sind Crossposts oftmals nicht erwunscht.

Details

Seiten
98
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640888337
ISBN (Buch)
9783640888597
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93367
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Sozialwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Analyse Feindseligkeit Online-Gruppenkommunikation Soziologie Online-Communities Online-Gemeinschaften Internet World Wide Web CvK Computervermittelte Kommunikation Diskussionsforen empirische Untersuchung Emotionen Flaming virtuell virtuelle Identität Netiquette

Autor

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Titel: Nett im Net? - Eine soziologische Analyse von Feindseligkeit in der Online-Gruppenkommunikation