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Die Figurenbehandlung in der Oper "Benvenuto Cellini" von Hector Berlioz im Vergleich mit der Vita Cellinis

Hausarbeit 2006 20 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Kurzbiographie von Hector Berlioz

2 Allgemeines zur Oper "Benvenuto Cellini"
2.1 Einordnung
2.2 Entstehung
2.3 Handlung

3 Figurenbehandlung in der Oper
3.1 Figurenkonstellation
3.2 Musikalische Figurencharakteristik
3.3 Die Figur Cellini in Berlioz' Oper

4 Die Vita und die Oper im Vergleich

5 Parallelen zwischen dem Komponisten Berlioz und dem Künstler Cellini

6 Liszts Bild von Benvenuto Cellini

7 Fazit

Bibliographie

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit soll die Figurenbehandlung in der Oper "Benvenuto Cellini" von Hector Berlioz mit den Originalvorlagen aus der Vita des Benvenuto Cellini vergleichen. Es wird besonders auf die musikalische Umsetzung der verschiedenen Charaktere und Figurenebenen eingegangen, da diese in besonderer Art und Weise von Berlioz heraus gearbeitet wurden. Dies wird im Verlauf der Hausarbeit ersichtlich werden. Die Arbeit wird sich außerdem auf einen Text mit dem Titel " Der Perseus des Benvenuto Cellini" von Franz Liszt beziehen. In diesem zieht der befreundete Komponist spezielle Parallelen zwischen Berlioz und Cellini und man erfährt, welche Ansichten Liszt über den Künstler Cellini im allgemeinen vertritt. Ich bestätige hiermit, dass ich nur die in der Bibliographie angegebenen Materialien zum Erstellen dieser Hausarbeit verwendet habe.

1 Kurzbiographie von Hector Berlioz

Hector Berlioz wurde am 11. Dezember 1803 in La Côte-Saint-André als Sohn eines humanistischen Arztes geboren. Er erhielt seine gesamte schulische Ausbildung privat durch seinen Vater. Ab dem Jahre 1817 erhielt der junge Berlioz Flötenunterricht und übte sich in ersten Kompositionsversuchen. Seit 1819 erhielt er noch zusätzlich Gitarrenunterricht und es erschien eine seiner ersten Kompositionen unter dem Titel "Le Dépit de la bergère" als Druck.

Im Jahre 1821 begann Hector Berlioz auf Wunsch seines Vaters mit dem Medizinstudium und erreichte hierbei sogar 1824 sein Vordiplom. Dennoch zog es ihn immer wieder zur Musik und zum Komponieren zurück. Am 10. Juli 1825 wurde seine "Messe solennelle" erfolgreich aufgeführt und im Jahre 1826 wurde er endlich offiziell in die Kompositionsklasse von Professor Le Sueurs am Pariser Conservatoire aufgenommen. In diesen Jahren begann auch Berlioz' Freundschaft zu Humbert Ferrand, welcher später Librettist seiner ersten Vokalwerke wurde.

Die Jahre 1827 und 1828 waren für Berlioz besonders prägend. Er entdeckte für sich Goethes "Faust", verfiel in ein regelrechtes Shakespear-Fieber und studierte mit großer Leidenschaft die Sinfonien Beethovens.

Berlioz’ wohl bekanntestes Werk, die „Sinfonie fantastique“, wurde 1830 im Rahmen eines Kompositionswettbewerbes uraufgeführt und er gewann damit einen einjährigen Studienaufenthalt in Rom. In Italien begegnet der junge Komponist zum ersten Mal Felix Mendelsohn-Bartholdy. Diese Begegnung hinterließ bei Berlioz einen bleibenden Eindruck. Nach vielen Umwegen, unglücklichen Umständen und einem Selbstmordversuch heiratete er schließlich 1833 seine schon lange Angebetete, die englische Schauspielerin Harriet Smithson. Neben seinen Kompositionen verdiente Berlioz seinen Lebensunterhalt zusätzlich als Journalist und Musikkritiker.

Im Jahre 1834 entstand ein weiteres sehr bekanntes Werk, „Harold en Italie“ und nach einem Streit mit dem befreundetem Dirigenten Narcisse Gitard steht Berlioz erstmals selbst am Dirigentenpult. Nach dieser Erfahrung entschied er, alle seine Werke nur noch selbst zu dirigieren. Im Jahre 1837 erhielt der Komponist den Auftrag eine „Grand Messe des morts“ für das Staatsbegräbnis des in Algerien gefallenen Generals Damrémort zu komponieren.

Nach der gescheiterten Uraufführung seiner ersten Oper „Benvenuto Cellini“ im Jahre 1838 schwur Berlioz, nie wieder eine Oper in Paris aufzuführen und 1840 begann er seine Reise durch Europa. In diesen Jahren kam es außerdem erstmals zu einer vermehrten Drucklegung seiner Kompositionen. 1844 arbeitete Berlioz seine Lebenskrisen in der Novelle „Euphonia“ auf. Eine bearbeitete Fassung der Oper „Benvenuto Cellini“ wird im März 1852 durch Franz Liszt in Weimar mit großem Erfolg aufgeführt und im November desselben Jahres fand sogar eine Berlioz-Woche in Weimar statt. Auch der Komponist selbst hielt sich in den Jahren 1855/56 einige Male in Weimar auf. Mit 66 Jahren stirbt Hector Berlioz am 8. März 1869 in Paris, nachdem zuvor noch seine Memoiren veröffentlicht wurden.[1]

2 Allgemeines zur Oper "Benvenuto Cellini"

2.1 Einordnung

Bei Berlioz’ Oper „Benvenuto Cellini“ handelt es sich um eine „operà comique en deux actes“. Das bedeutet, dass die Oper aus insgesamt vier Bildern besteht und immer zwei Bilder zu einem Akt zusammengestellt sind, also zwei Akte. Es gibt von dieser Oper insgesamt drei verschiedene Fassungen. Die so genannte Urfassung wurde noch vor der eigentlichen Uraufführung, am 10. September 1838 in der Operà, Salle de la rue Le Peletier in Paris, umgearbeitet. Eine zweite Fassung der Oper wurde am 20. März 1852 am Hoftheater in Weimar unter der Leitung von Franz Liszt aufgeführt, wobei Verschiedenes gekürzt wurde und die Oper in vier Akte aufgeteilt wurde. Peter Cornelius publiziert im Jahr 1856 eine dreiaktige Fassung, welche seit dem für Weimarer Aufführungen genutzt wurde. Eine Aufführung der rekonstruierten Urfassung fand am 15. Dezember 1966 am Royal Theater Covent Garden in London statt.

Die offiziellen Librettisten waren Armand François Leon de Wailly und Henri Auguste Barbier. Einige Teile des Textes stammen aber auch von Berlioz selbst und von dem Dichter Alfred de Vigny. Letzterer wollte allerdings nicht in Verbindung gebracht werden mit der Oper „Benvenuto Cellini“. Das darin enthaltene Künstlerbild und die Darstellung der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft stellte einen kompletten Gegenentwurf zu seinem bereits 1835 erschienenem Drama Chatterton dar. In diesem wird eher die Isolation des Künstlers problematisiert.[2]

Das Libretto der Oper basiert zum einem auf den Memoiren Benvenuto Cellinis, also der Vita, und zum anderen auf der Novelle Signor Formica von E.T.A. Hoffmann. Diese handelt von einem Maler namens Salvator Rosa, welcher einen besonders genialen Malstil vertritt, aber auch zu Gewalt und Brutalität neigt.

„Als Salvators Ruf Neapel, Rom, Toskana, ja ganz Italien durchdrang, als die Maler, wollten sie gefallen, seinen absonderlichen Stil nachzuahmen streben mussten, gerade zu der Zeit trugen sich hämische Neider mit allerlei bösen Gerüchten, die in die herrliche Glorie seines Künstlerruhms häßliche Schattenflecke werfen sollten. Sie behaupteten, Salvator habe in einer früheren Zeit seines Lebens sich zu einer Räuberbande geschlagen und diesem ruchlosen Verkehr all die wilden, trotzigen, abenteuerlich gekleideten Gestalten zu verdanken, die er auf seinen Gemälden angebracht.“[3]

Hoffmann entnahm für seine Novelle verschieden Episoden aus den Biographien des Malers, welcher von 1615 bis 1675 lebte. Die Parallele zu der Vita von Benvenuto Cellini ist deutlich zu erkennen. Auch die Charaktereigenschaften der beiden Künstler ähneln sich. Es ist daher verständlich, dass Berlioz auch aus diesem Werk Hoffmanns schöpfte, um seine Darstellung Cellinis plastischer zu gestallten.

Aus Zensurgründen tritt, sowohl in der ersten, wie auch in der zweiten Fassung, in der Pantomimeszene an Stelle des Papstes der Kardinal Giovanni Salviati auf.

2.2 Entstehung

Es ist wahrscheinlich, dass Berlioz die Idee zu einer Oper über das leben von Benvenuto Cellini bereits 1834 entwickelt hatte. Während seines Aufenthaltes in Italien hatte er Cellinis Vita gelesen.

„Gewisse Episoden aus dem Leben Benvenuto Cellinis hatten auf mich einen lebhaften Eindruck gemacht; ich hatte das Unglück zu glauben, sie könnten ein interessantes Thema zu einer dramatischen Oper bilden, und bat Léon de Wailly und August Barbier, den furchtbaren Dichter der Spottgedichte, mir daraus ein Libretto zu machen.“[4]

Im Juli 1836 war die Oper zur Hälfte und 1837 gänzlich fertig gestellt. Aber das Textbuch wurde von der operà comique abgelehnt, woraufhin eine Umarbeitung der Urfassung stattfinden musste. Die gesprochenen Dialoge, welche Berlioz vorgesehen hatte, mussten, entsprechend der Tradition der tragédie lyrique, zu Rezitativen umgearbeitet werden. Auch die Einstudierung und die Uraufführung waren nur mit vielen Schwierigkeiten möglich.

[...]


[1] Berger, Christian: „Berlioz, (Louis-) Hector“, in: MGG (neu), Personenteil, Bd.2, Kassel, 1997, Sp. 1322 – 1345.

[2] Rainer Schmusch: „Benvenuto Cellini – Genese des Kunstwerks und sozialer Prozeß“, in: Musikkonzepte 108. Hector Berlioz. Autopsie des Künstlers, hrsg. von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn, 2000, S.88.

[3] E.T.A. Hoffmann: Künstler-Geschichten: Der Artushof. Die Jesuitenkirche in G. Das Sanctus. Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde. Signor Formica., Weimar, 1924, S. 239.

[4] Hector Berlioz: Memoiren mit der Beschreibung seiner Reisen in Italien, Deutschland, Rußland und England 1803 – 1865, Leipzig, 1980, S. 209.

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638068475
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93395
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Schlagworte
Figurenbehandlung Oper Benvenuto Cellini Hector Berlioz Vergleich Vita Cellinis

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