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Das Museum als außerschulischer Lernort

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 28 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Literaturlage und Diskussion

2. Aufgabenbereiche des Museums

3. Worin liegt die spezifische Leistung historischer Museen und Ausstellungen?

4. Wie wird historisches Wissen im Museum vermittelt? Fachdidaktische Anforderungen

5. Wann ist ein Museumsbesuch sinnvoll?
5.1. Wie kann ein Museumsbesuchs durchgeführt werden?
5.2. Nachbereitung des Museumsbesuches

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Lehrplan des Landes Schleswig-Holstein wird die Lernausgangslage des Faches Geschichte durch folgende Merkmale charakterisiert: „Durch ihre Aufbereitung und Darbietung in den Medien hat sich der Stellenwert der Geschichte verändert. Populärwissenschaftliche Veröffentlichungen, Kinderlexika, Comics, Ausstellungen, Angebote außerschulischer Lernorte, besonders der Museen, und die Präsentation geschichtlicher Themen in den audiovisuellen Medien führen zu einer Vorprägung der Schülerinnen und Schüler und beeinflussen ihre Erwartungshaltung bei der Begegnung mit historischen Phänomenen, Ereignissen und Persönlichkeiten im Unterricht.“[1] Das Museum wird im Lehrplan als ein Ort bezeichnet, der zu einer geschichtlichen Vorprägung führt. Um dieser Forderung gerecht zu werden, haben sich viele Museen auf Schülergruppen spezialisiert, da diese zu einem wichtigen Kooperationspartner geworden sind. Die Anzahl der Schüler[2], die mit ihren Lehrern ein Museum aufsuchen, ist in den letzten Jahrzehnten beachtlich gestiegen.[3] Die Lehrkräfte sehen in dem Museumsbesuch nicht nur die Möglichkeit den Unterrichtsstoff zu veranschaulichen, sondern auch das Interesse, die Aufgeschlossenheit und das Verständnis der Schüler für die Vergangenheit und Gegenwart zu wecken. Die Museen gehören zu einem festen Bestandteil des öffentlichen Lebens. Sie erhalten Geldbeträge aus den Etats der Länder und Kommunen, da sie meistens keinen kommerziellen Ertrag erwirtschaften.

Zu Beginn der Arbeit werde ich zunächst das Museum mit seinen (klassischen) Aufgaben des Sammelns, Bewahrens, Forschens sowie Ausstellens und Vermittelns vorstellen. Die größte Gewichtung in dieser Arbeit erhält das Ausstellen und Vermitteln von Objekten. Die historische Ausstellung soll genauer betrachtet werden. Dabei sollen Forderungen, die ein Museum betreffen, untersucht werden und auf die Möglichkeiten, die es zu bieten hat, näher eingegangen werden.

Wie werden die Objekte präsentiert und wie wird Geschichte im Museum vermittelt? Der Blick richtet sich dabei auf das Museum als außerschulischen Lernort und die Möglichkeiten des historischen Lernens.

Die vorliegende Arbeit ist in einen theoretischen und einen praxisorientierten Teil gegliedert, da ich es für sinnvoll halte, praktische Aspekte zu bedenken. In diesem Teil werde ich Möglichkeiten betrachten, wann und wie ein Museumsbesuch in den Unterricht zu integrieren ist.

1.1 Literaturlage und Diskussion

Die Literaturlage ist sehr umfassend und vielseitig. Um 1970 wurde der „Bildungsauftrag der Museen“ in der BRD und die Diskussion um die gesellschaftliche Funktion der Museen neu formuliert, da sich in der Zwischenzeit das Museum zu sehr als Institution des Sammelns, Bewahrens und Forschens verstanden hat. In den späten Siebziger Jahren entstanden viele Werke, wobei Gottfried Korff, Annette Kuhn, Gehrhard Schneider und Wolfgang Hug hervorzuheben sind, da sie sich besonders auf das Museum als Lernort konzentrieren. Ein bekanntes und vielfach zitiertes Werk ist das 1994 erschienene Buch von Wolfgang Hochreiter: „Vom Musentempel zum Lernort“.

Seit den Siebziger Jahren diskutieren die Historiker über ein Historisches Museum und die Frage, ob Geschichte ausstellbar sei. Auf der einen Seite stehen die Befürworter, die in der musealen Geschichtsdarbietung die Chance sehen, historische Ereignisse effektvoll und publikumswirksam zu vermitteln. Auf der anderen Seite warnen die Kritiker vor einer Überschätzung des Museums. Ein wichtiges Argument liefert die Beschränkung auf Teileinblicke in die Vergangenheit, da ein Museum nicht in der Lage sein kann, ein umfassendes Geschichtsbild zu geben.[4]

Der ehemalige Direktor des Bayerischen Nationalmuseums, der Volkskundler Lenz Kris- Rettenbeck äußerte 1979 seine Kritik an historischen Ausstellungen „Große historische Ausstellungen sind keine Lehrveranstaltungen,…sondern feierliche Begehungen und Handlungen, mit denen geschichtlichen Deutungen der Charakter von sakrosankten Erkenntnissen verliehen wird…“[5] Er empfindet die großen Ausstellungen als autoritativ belehrend bis indoktrinierend und sieht sie als Mittel der politischen Praxis an. Für Rettenbeck ist eine Ausstellung nur dann sinnvoll, wenn der Besucher die Chance erhält, eigene Interpretationen zuzulassen.[6] Rainer Wirtz äußert sich ebenfalls kritisch gegenüber der Geschichtsausstellung und bezeichnet sie als „Lehrbuch mit Bildern“.[7] Er kritisiert, dass die Exponate zwar ausführlich beschrieben werden, es dadurch aber zu keiner Annäherung an die Geschichte kommt und diese nicht vermittelt werden kann.

Der Volkskundler Gottfried Korff sieht gerade durch die Exponate eine Annäherung an die Vergangenheit und schreibt dem Museum ein großes Leistungspotential zu. Es ist verständlich, dass das Museum ein anderes Lernen als in der Schule fordert, aber genau hier erkennt Gottfried Korff den Vorteil. In seinem Aufsatz zum Thema „Ausgestellte Geschichte“ beschreibt er das Museum als einen Ort der sinnlichen Anschauung. Durch die verschiedenen Materialien und die Medialität wird ein visuelles Lernen ermöglicht. Nicht selten können auch Emotionen und Suggestionen ausgelöst werden.[8]

Die Frage, ob Geschichte ausstellbar ist, werde ich in dieser Arbeit nicht weiter vertiefen, sondern vielmehr darauf eingehen, wie Geschichte im Museum präsentiert und vermittelt wird. Insbesondere richte ich meinen Blick auf das Museum als einen außerschulischen Lernort.

2. Aufgabenbereiche des Museums

Die Geschichte des Sammelns ist so alt, wie die Geschichte des Menschen selbst. Das Sammeln von Dingen gehört zu den Urbedürfnissen des Menschen, er hat als Jäger und Sammler begonnen um sein Überleben zu sichern.

Im Laufe der Zeit wurde der Punkt erreicht, an dem er mehr sammelte als er notwendigerweise zum Leben brauchte. Das Sammeln kultureller und natürlicher Objekte geht bis in die Anfänge menschlicher Gesellschaften zurück.[9]

Das Gesammelte begann seinen Besitzer auszuzeichnen und es verlieh ihm eine besondere Qualität.

Eng verbunden mit diesem Sammeln ist auch das Bedürfnis, durch die Ansammlung der Dinge die eigene Herkunft zu legitimieren und deren Bedeutung auf die eigene Nachkommenschaft zu übertragen. Das Verlangen nach Geschichte wird anschaulich, es vergegenständlicht sich in der Sammlung.[10] Das Museum ist der Ort, an dem das Gesammelte seinen Platz erhält. Auch das Bewahren von Objekten, denen ein materieller, ideeller oder persönlicher Wert zugesprochen wird, hat eine lange Tradition.[11] Eine weitere Aufgabe des Museums besteht darin, die Objekte vor dem Verfall zu schützen und für weitere Generationen zu erhalten. Die Erkenntnisse, die die Objekte vermitteln, werden erforscht und die Informationen dokumentiert. Diese wissenschaftliche Bearbeitung führt dazu, die Objekte in ihren ursprünglichen Kontext einzuordnen.[12] Dieses ermöglicht erst die Aufnahme in eine thematische Präsentation.

Das Ausstellen und Vermitteln von Sammlungsobjekten gilt als weitere Aufgabe, die ein Museum zu erfüllen hat. Das Museum präsentiert der Öffentlichkeit seine Tätigkeiten und kommt seinem Bildungsauftrag nach.[13] Dabei setzt es auf Vermittlungsformen, die sich im Laufe der Jahre geändert haben. Objektbeschriftungen, Kataloge und öffentliche Vorträge werden durch Personen, die Führungen im Museum anbieten, unterstützt und ergänzt.

Der Museumsbund stellt neben diesen verschiedenen Vermittlungsformen ganz besonders die „Begegnung der Besucher mit dem Original“[14] heraus.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Obwohl der Museumsbegriff in Deutschland nicht geschützt ist und auch die Aufgaben und der Auftrag des Museums gesetzlich nicht geregelt sind, gelten die vom Internationalen Museumsrat ICOM erfassten anerkannten Richtlinien.[15] Das ICOM stellt fest, dass ein Museum als eine gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienst der Gesellschaft und ihrer Entwicklung steht und die zu Studien-, Bildungs- und Unterhaltungszwecken materieller Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt. Diese Definition aus den ICOM- Statuten (1986/2001) wird weitgehend als verbindlich anerkannt. Zu ihren klassischen Aufgaben des Sammeln, Erforschen, Bewahren sind vor allem die öffentliche Präsentation und die Bildung hinzugekommen.[16]

Der Schwerpunkt der musealen Sammeltätigkeit ist im bildlichen und gegenständlichen Bereich, so dass es zur wichtigsten Funktion eines Museums zählt, die Objekte auszustellen und zu öffentlichen Bildungszwecken möglichst uneingeschränkt zugänglich zu machen.[17]

Museen sollen also auch Stätten der Information sein. Hier können Gespräche geführt und Meinungsbilder erworben werden. Dabei definiert sich die Vermittlung von Geschichte im Museum über ihren Quellenbereich, wobei nicht den schriftlichen, sondern den materiellen Hinterlassenschaften, den „Überresten“ eine große Aufmerksamkeit zukommt. Die Objektbezogenheit ist also das Charakteristikum. Der Besucher soll mit den Objekten in Kontakt kommen und das Museum als transparenten und neutralen Ort wahrnehmen.[18]

Diese Leitideen sollen im folgenden Kapitel genauer betrachtet und untersucht werden. Die Präsentation der Objekte und die Vermittlungsformen sind dabei die entscheidenden Aufgaben des Museums. Da das Museum als außerschulischen Lernort überprüft werden soll, konzentriere ich mich besonders auf diese Punkte.

[...]


[1] Lehrplan Schleswig- Holstein, Fach Geschichte, Erlass vom 30.4.1997.

[2] Zur besseren Lesbarkeit verwende ich nur die männliche Form.

[3] Seit 1990 ist eine leicht steigende Tendenz bei den Museumsbesuchen in Deutschland zu beobachten. Die Museen in Deutschland haben im Jahr 2006 mit über 102,6 Millionen Besuchern ihre Besuchszahlen leicht um 1,2 Prozent gesteigert. Im Jahr davor waren es 101,4 Millionen Besucher. Zusammen mit den Einzelprojekten in den anderen Ausstellungshäusern wurden nun 109,7 Millionen Gäste gezählt, etwa so viel wie 2004. Diese vom Institut für Museumsforschung ermittelten Zahlen für das Vorjahr wurden von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz veröffentlicht (Stand 21. Dezember 2007).

[4] Vgl. Korff, Gottfried: Objekt und Information im Widerstreit, In: Museumsdinge, S. 113.

[5] Rettenbeck, Lenz- Kris: Das Problem großer Ausstellungen. In: Museumskunde 45(1980), S. 127.

[6] Rettenbeck, Lenz- Kris: Das Problem großer Ausstellungen. In: Museumskunde 45(1980), S. 127.

[7] Vgl. Korff, Gottfried: Objekt und Information im Widerstreit, In: Museumsdinge, S. 113.

[8] Korff, Gottfried: Ausgestellte Geschichte S. 32.

[9] http://www.museumsbund.de/cms/index.php?id=230( Zugriff 24.04.08)

[10] Katharina Flügel: Einführung in die Museologie, S. 19.

[11] http://www.museumsbund.de/cms/index.php?id=231 (Zugriff 24.04.08)

[12] http://www.museumsbund.de/cms/index.php?id=232( Zugriff 24.04.08)

[13] http://www.museumsbund.de/cms/index.php?id=232( Zugriff 24.04.08)

[14] http://www.museumsbund.de/cms/index.php?id=233( Zugriff 24.04.08)

[15] http://www.museumsbund.de/cms/index.php?id=135&L=0&STIL=0 (Zugriff 16.02.08)

[16] Heuer- Pyka, Gerhild: Museumspädagogik, In: Museum und Schule, S. 7.

[17] Hoffmann, Detlef: Geschichtsunterricht und Museen, In: Handbuch der Geschichtsdidaktik, S. 489.

[18] Lepenies, Annette: Wissen vermitteln im Museum, S. 47.

Details

Seiten
28
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783638066372
ISBN (Buch)
9783656661566
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93402
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Philosophisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Museum Lernort Fachdidaktik

Autor

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