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Soziale Ursachen für Kinderarbeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 10 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Soziale Stabilität der Region

2 Kinder als Zuarbeiter

3 Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen

4 “Sittlicher Verfall” der Kinder

Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

Es gibt eine lange Tradition von Kinderarbeit, die in verschiedenen Wirtschaftssektoren anzutreffen war. In der Agrargesellschaft um 17. Jahrhundert war sie zu einem großen Ausmaß in der Landwirtschaft verbreitet. Ebenfalls wurden die Kinder im Wirtschaftssektor Hausindustrie beschäftigt, bei dem der Betrieb im Wohnhaus integriert war, so dass die Produkte für den Verleger zu Hause ausgearbeitet werden konnten. Der Bereich der Kinderarbeit in Fabriken kam mit der einsetzenden Industrialisierung hinzu, die somit in Tradition von Kinderarbeit in den zuvor genannten Wirtschaftssektoren stand.

Es stellt sich die Frage, welche Ursachen es gab, durch welche die Beschränkung der Kinderarbeit verzögert wurde. Gründe für Kinderarbeit wurden nicht nur von Seiten der Fabrikanten herangetragen. Sie wurden auch aus der Perspektive des Staates und der Eltern für die Befürwortung der Kinderarbeit eingesetzt. In dieser Hausarbeit möchte ich mich auf die sozialen Ursachen für Kinderarbeit aus dem Blickwinkel der Unternehmer beschränken und diese näher erläutern.

1 Soziale Stabilität der Region

Nach dem Allgemeinen Landrecht von 1794 war es zuerst die Aufgabe der Heimgemeinde und seit 1842 der Wohngemeinde, die soziale Stabilität der Region im Rahmen der Armenfürsorge zu sichern. So heißt es im 2. Teil, 19. Titel, §10 ”Auch Stadt- und Dorfgemeinden müssen für die Ernährung ihrer verarmten Mitglieder und Einwohner sorgen” (Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten von 1797, S.663). Die Armenfürsorge wurde über Steuern, die hauptsächlich das Bürgertum zahlte, finanziert. Somit hatten die Kommune und auch die Bürger als Gemeindemitglieder ein besonderes Interesse daran, durch die Erhaltung der Kinderarbeit das Ausmaß der Armenfürsorge zu verringern.

Zudem wurde zu dieser Zeit Armut als selbstverschuldetes Elend betrachtet. Diese Norm- und Werteeinstellung ist eine weitere Ursache, die zu einer begrenzten Einsicht in die Notwendigkeit der Armenfürsorge führte. In der Öffentlichkeit wurde die in Tradition stehende Kinderarbeit als Normalität, nicht als Provokation wahrgenommen. Das erklärt warum Kinderarbeit als Weg zur Sicherung des Existenzminimums der Familie akzeptiert worden.

Aus dem Blickwinkel der Unternehmer waren die arbeitenden Kinder, welche die wichtige Hilfsfunktion der Zuarbeiter übernahmen, v. a. im Hinblick auf den ökonomischen Wettbewerb unentbehrlich. Im Folgenden sollen schwerpunktmäßig die Argumente der bürgerlichen Schicht, insbesondere der Unternehmer, für die Befürwortung der Kinderarbeit erläutert werden. Um diese Argumente zu gliedern, bietet es sich an, diese in die Hauptaspekte “Kinder als Zuarbeiter“, “Konkurrenzfähigkeit der Betriebe” und “sittlicher Verfall der Kinder” einzuteilen.

2 Kinder als Zuarbeiter

Es war nicht von Anfang an möglich, Kinderarbeit in Fabrikarbeit zu integrieren. Die Voraussetzungen für den Einsatz der Kinder in Fabriken wurden erst dadurch geschaffen, dass auf Grund der zunehmenden Spezialisierung und Arbeitszerlegung bei der industriellen Produktion die Anforderungen an die Ausbildung und an die Körperkräfte der Arbeitenden unter die des Handwerks sanken (FELDENKIRCHEN 1981, S.5). Dadurch ergaben sich Aufgaben für die Kinder, die beispielsweise Nadeln in Nadelfabriken verpackten und sortierten oder in Spinnereien und Seidenfabriken Seide spulten, säuberten und abhaspelten.

Kinderarbeit wurde somit durch die Übernahme solcher Zuarbeiten vollständig in den Arbeitsrhythmus der Protofabrik integriert. Fielen die Arbeiten der Kinder aus, so konnten auch Erwachsene ihre Tätigkeiten nicht ausführen, da sie ihre Funktion nur im Anschluss an die Zuarbeiten und Handreichungen der Kinder leisten konnten. Bei der Befürwortung der Kinderarbeit setzten Fabrikherren diesen Aspekt sogar als Argument gegen den Besuch der Schule ein, was aus dem Bericht des Vorsitzenden der Aachener Schulkommission, Propst Claehsen, entnommen werden kann. Diese Quelle schildert die Sicht der Fabrikanten, die nur den Besuch einer Sonntagsschule befürworteten, “weil diese Kinder den erwachsenen Fabrikarbeitern in die Hand arbeiten, folglich die Fabrik für die Schulstunde stillstehen müßte”, wenn die Kinder zur Schule gingen (Propst Claehsen 1837, zitiert nach HERZIG 1983, S.355). Der Berliner Unternehmer G. F. Dannenberger berichtete von schwerwiegenderen Konsequenzen für die Fabrikanten sowie für die Arbeiter “da diese halbe Tage lang müßig sein (müßten), wodurch sie zu unnützen Dingen, besonders zum Trunk verleitet und demnächst durch schlechte Arbeit dem Fabrikherren unersetzlichen Schaden zufügen würden” (Dannenberger 1828, zitiert nach: HERZIG 1983, S. 355).

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Details

Seiten
10
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638070539
ISBN (Buch)
9783640101917
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93425
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1.0
Schlagworte
Soziale Ursachen Kinderarbeit

Autor

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Titel: Soziale Ursachen für Kinderarbeit