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Die Berliner Freischule im Vergleich mit der deutsch-jüdischen Schulanstalt in Prag

Seminararbeit 2005 19 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Jüdisches und christliches Schulwesen vor bzw. während der Aufklärung

3. Zu den Bildungsprogrammen der Haskala

4. Die Freischule Hinuch-ne`arim in Berlin

4. Die deutsch-jüdische Schule in Prag (1782-1848)

5. Vergleich zwischen der Freischule in Berlin und der Schule in Prag

6. Zusammenfassung

7. Bibliographie

1. Einleitung

1778 wurde in Berlin die Freischule, eigentlich Gesellschaft für Knabenerziehung, gegründet. Sie war die erste jüdische Schule, an der auch weltliche Fächer unterrichtet wurden. Vier Jahre später wurde in Prag von der staatlichen Schulbehörde in Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde eine deutsch-jüdische Hauptschule ins Leben gerufen. Nach den Toleranzpatenten Josephs II. waren auch jüdische Kinder unterrichtspflichtig. Die Schule stellte eine Möglichkeit dar, dieser Verpflichtung nachzukommen. Beide Anstalten sind Beispiele für frühe jüdische Schulgründungen im Zeitalter der Aufklärung. Dennoch gab es erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Projekten. Beispielsweise haben wir es in Berlin mit einer privaten Initiative zu tun, in Prag mit einer staatlichen.

Thema meiner Arbeit ist ein Vergleich zwischen beiden Schulen. Zu Beginn gebe ich eine kurze Übersicht über die traditionelle jüdische Bildung und die Bildungsideen der Maskilim; letztere haben für das Thema eine große Bedeutung. Danach behandle ich die Geschichte der Freischule und anschließend jene der Schulanstalt in Prag. Für die Freischule gibt es eine hervorragende Quellensammlung aus dem Jahr 2002, die ich bei meiner Arbeit mit einbezogen habe. Deshalb konnte ich diesen Teil meiner Arbeit auf Primärquellen stützen.

Ich habe mich bei der Darstellung der Schulen und ihrer Geschichten auf das Wesentliche beschränkt. Über Mendelssohns Beteiligung am Freischulprojekt (und ob eine direkte überhaupt bestanden hat) beispielsweise gibt es innerhalb der Forschung heftige Kontroversen.[1] Auf diese oder Ähnliches einzugehen war mir im Rahmen der Arbeit nicht möglich. Punkt 4 befasst sich mit dem Vergleich zwischen beiden Schulen, wobei es hier in erster Linie um Gründung, Gründer, die wesentlichen Schulmerkmale und Probleme, mit denen man jeweils zu kämpfen hatte, geht. Anschließend folgt eine kurze Zusammenfassung.

2. Jüdisches und christliches Schulwesen vor bzw. während der Aufklärung

Um die Schulen und ihre Bedeutung besser einschätzen zu können, sollte man sich zuerst ein allgemeines Bild vom Schulwesen dieser Zeit machen.

Bildung stellte im Judentum traditionellerweise einen zentralen Wert dar, allerdings handelte es sich hierbei fast ausschließlich um religiöse Unterweisung. Ab dem dritten oder vierten Lebensjahr besuchten jüdische Knaben eine Art Elementarschule, den Chedar. Sie wurden dort bis zum dreizehnten Lebensjahr (Bar Mizwa) unterreichtet. Erwies sich ein Kind als besonders begabt, konnte es danach an einer Jeschiwa weiter lernen, und möglicherweise Rabbiner werden. Diese hatten im Judentum ein besonders hohes Ansehen; ein Rabbi zu werden galt als besonders erstrebenswert. Manchmal durften auch Mädchen die Elementarschule besuchen. In der Regel lernten sie allerdings zu Hause was für die Haushaltsführung notwendig war

Sonstige Bildung, beispielsweise für den Beruf notwendig, war im Prinzip den Kindern reicher Familien vorbehalten die sich Hauslehrer leisten konnten.

Massive Änderungen im jüdischen Bildungswesen ergaben sich im Zeitalter der Aufklärung.

Diese wurden entweder von Seiten des Staates initiiert, wie z.B. in Österreich unter Joseph II. oder auch von den Maskilim. Erst damals wurden Schulen für jüdische Kinder gegründet, in denen diese weltliche Bildung erwerben konnten. Dass dies erst im ausgehenden 18. Jahrhundert geschah, erscheint uns vielleicht etwas überraschend. Man darf aber nicht vergessen, dass sich auch das christliche Schulwesen erst in dieser Zeit entwickelte. In Österreich wurde die Unterrichtspflicht 1774 unter Maria Theresia eingeführt (Allgemeine Schulordnung).

3. Zu den Bildungsprogrammen der Haskala

Strittig innerhalb der Forschung ist, inwieweit Bildungsziele der Hasakala mit der Freischule verwirklicht wurden. Auch im Zusammenhang mit der Schule in Prag stößt man immer wieder auf Forderungen und Wünsche der Maskilim. Ihre wichtigsten Vorstellungen in Bezug auf Bildung stelle ich deshalb kurz vor.

Naftali Herz Wessely, stellte seine Ideen in der Schrift „Worte des Friedens und der Wahrheit“ der Öffentlichkeit vor. Er wollte Bildung auch unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit sehen. Für ihn gab es zwei Arten von Wissenschaften, die göttlichen und die vom Menschen. Erstere umfassten für ihn die mündliche und schriftliche Tora. Letztere beinhalteten Fremdsprachen, Naturwissenschaften, moralische Lehren und allgemeine Umgangsformen. Die Maskilim sprachen sich sowohl für eine religiöse, als auch eine weltlich-praktische Erziehung aus. Sie strebten ein Gleichgewicht zwischen spezifisch jüdischen Fächern und allgemeinen an. Der Unterricht sollte sowohl auf Hebräisch, als auch auf Deutsch stattfinden. Die Erziehung hätte die Aufgabe die jüdische Identität zu erhalten und trotzdem die Möglichkeit zu bieten an der europäischen Kultur teilzuhaben. Die Juden sollten eine guten Berufsausbildung erhalten, um somit auch nützliche Bürger zu werden.

Ein wichtiger Begriff war die sogenannte moralische Verbesserung. Durch Erziehung sollte es zu einer umfassenden Persönlichkeitsbildung kommen. Moralunterricht wurde auch an christlichen Schulen mit der gleichen Zielsetzung erteilt. Die Maskilim verbanden den aufklärerischen Moralbegriff mit traditionellen jüdischen Werten. Der Jude sollte sich nicht nur Gott und den religiösen Lehren verpflichtet fühlen, sondern auch dem Staat und der Gesellschaft. Hier wurden also sehr hohe Ansprüche gestellt.

Traditionelle jüdische Kreise standen den Bildungsprogrammen der Haskala sehr skeptisch gegenüber.

4. Die Freischule Hinuch-ne`arim in Berlin

Die Schule wurde im Jahr 1778 von den beiden Berliner Juden Isaak Daniel Itzig und David Friedländer gegründet, wobei sie offiziell erst im Jahr 1781 eröffnet wurde. Es handelte sich hierbei um eine rein private Initiative. Finanziert wurde sie mit Hilfe von Spenden und Schulgeld. Etwas später kamen die Einnahmen aus der orientalischen Buchdruckerei dazu. Der Name Freischule stammt daher, dass der Schulbesuch für die Kinder mittelloser Eltern kostenlos war. Deshalb wird sie in der Literatur gelegentlich auch als Armenkinderschule bezeichnet, wobei dieser Ausdruck neuerdings nicht ganz unumstritten ist.

Die beiden Schulgründer und Direktoren waren Mitglieder der jüdischen Oberschicht Berlins. Isaak Daniel Itzig, der Sohn von Daniel Itzig, war Bauunternehmer (1790 vereidigter Hofbauinspektor), später im Immobilienhandel und Transportgeschäft tätig. 1796 kam es zum französischen Staatsbankrott, der in Folge auch das Bankhaus Itzig & Co. betraf, das deshalb schließlich Konkurs anmelden musste. Nach dem Tod seines Vaters 1799 erhielt I.D. Itzig eine jährliche Rente und erlebte einen ziemlichen finanziellen Abstieg. Bis zu seinem Tod im Jahr 1806 blieb er allerdings Direktor der Freischule. David Friedländer war nicht nur Kaufmann, sondern auch Maskilim Er selbst sah sich als Schüler Mendelssohns. Seine Ansichten wurden mit der Zeit allerdings immer radikaler, sein Hauptziel sah er in der Emanzipation der Juden, wofür er auch zu großen Opfern bereit war. Er verfasste 1779 die erste deutsche Lesefibel für jüdische Kinder. Die Schüler sollten mit Hilfe dieses Buches Deutsch lernen. Friedländer legte seinen Posten als Direktor der Schule bereits um das Jahr 1784 wieder zurück.

Die ersten Jahre der Freischule lassen sich ziemlich schlecht rekonstruieren, weil die Quellen hierzu spärlich sind. In einem Schreiben an Friedrich II. aus dem Jahr 1781 bitten Friedländer und Itzig den König um Erlass der Porzellansteuer. Sie berichten darin, dass seit vier Jahren jüdische Kinder von jüdischen und christlichen Lehren unterrichtet werden. Da die Schülerzahl gestiegen sei, haben sie die Absicht ein Haus zu kaufen, um dort die Schule einzurichten. Die Bitte um Erlass der Steuer begründen sie damit, dass die Schule für die Nation und die Menschheit von Nutzen sei. Die Porzellansteuer wurde dann tatsächlich erlassen.[2]

[...]


[1] Gegensätzliche Positionen vertreten in dieser Frage Shmuel Feiner und Britta L. Behm Vgl. hierzu: Shmuel Feiner, Erziehungsprogramme und gesellschaftliche Ideale im Wandel: Die Freischule in Berlin, 1778-1825, in: Jüdische Erziehung und aufklärerische Schulreform. Analysen zum späten 18. und frühen 19. Jh (=Jüdische Bildungsgeschichte in Deutschland)., ed.: Britta L. Behm, Uta Lohmann, Ingrid Lohmann (2002). Und: Britta L. Behm, Moses Mendelssohns Beziehungen zur Berliner Jüdischen Freischule zwischen 1778 und 1786. Eine exemplarische Analyse. Ebd.

[2] Vgl. Schreiben von Itzig und Friedländer an den König, in: Chevrat Chinuch Nearim. Die jüdische Freischule in Berlin (1778-1825) im Umfeld preußischer Bildungspolitik und jüdischer Kultusreform. Eine Quellensammlung (=Jüdische Bildungsgeschichte Bd. 1), ed. Uta Lohmann (München 2000) 192. Folgend zitiert als Lohmann, Jüdische Freischule.

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640098347
ISBN (Buch)
9783656210016
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93590
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Berliner Freischule Vergleich Schulanstalt Prag Aufklärungsbewegung Jahrhundert

Autor

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