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Berlins Weg zur Musikhauptstadt Deutschlands

Seminararbeit 2008 24 Seiten

Kulturwissenschaften - Empirische Kulturwissenschaften

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Der Begriff ´Musikwirtschaft´
2.1 Die Musikwirtschaft innerhalb der ´Kulturwirtschaft´

3 Die Bedeutung der Musikwirtschaft für Berlin
3.1 Die Struktur der Berliner Musikwirtschaft
3.2 Die „Grundsteinlegung“ der Berliner Musikwirtschaft und ihre Entwicklung bis heute
3.3 Gründe für die Entwicklung der Berliner Musikwirtschaft
3.3.1 Der Begriff ´Creative Class´
3.3.1.1 Berlin als ´Creative Center´
3.3.2 Die Aus- und Weiterbildungssituation
3.3.3 Die Rolle der Politik

4 Zusammenfassung

5 Abstract

Literaturverzeichnis
Internetquellen

1 Einleitung

In den letzten Jahren wurde die Stadt Berlin in den Medien häufig als ´Musikhauptstadt´ Deutschlands bezeichnet. Die Stadt nimmt dies gern auf und fördert dieses Image im Zeichen einer Erfolg versprechenden Marketingstrategie. In der vorliegenden Arbeit soll zunächst der für diese Ausarbeitung zentrale Begriff ´Musikwirtschaft´ definiert werden und ihre Position innerhalb der Kulturwirtschaft dargestellt werden. Anschließend wird die Bedeutung der Musikwirtschaft für Berlin und ihre Struktur aufgezeigt. Nachfolgend wird die Entwicklung ab den siebziger Jahren zusammengefasst. Es wird sich zeigen, dass besonders seit dem Jahr 2000 mehrere, für die Branche, bedeutende Unternehmen und Verbände nach Berlin gezogen sind und zudem viele gegründet wurden. Die Frage ist anschließend wie es zu dieser Entwicklung kam und welche Aspekte dabei eine Rolle spielten und worin sich die Attraktivität Berlins für diese Branche begründet. Von Relevanz werden dabei der Begriff ´Creative Class´, die Aus- und Weiterbildungssituation in Berlin sowie die Politik Berlins sein. Abschließend wird eine Zusammenfassung formuliert.

2 Der Begriff ´Musikwirtschaft´

Abb. 1: Wertschöpfungskette der Musikwirtschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Mühlhans, T. (2005: 40).

Als die zentralen Unternehmen gelten in der deutschen Musikwirtschaft die Tonträgerhersteller und Verlage. Sie zeigen sich verantwortlich für die Erschaffung und Verwertung urheberrechtlich geschützter Musikproduktionen beziehungsweise Musikrechte. In Deutschland gab es im Jahr 2001 fünf Majors unter den Tonträgerunternehmen und ungefähr 1000 KMUs, dies sind kleine und mittlere Unternehmen der Tonträgerbranche. Zu den fünf Majors zählten Universal Music, EMI Music, BMG Bertelsmann, Warner und Sony Music. Dabei vereint Universal Music 22 Prozent der Top 100 Singles auf sich, EMI Music 20 %, BMG Bertelmann 19,2 %, Warner 11,1 % und Sony 9,4 %. Mit der Fusion von Sony Music und BMG Bertelsmann zu Sony BMG Music Entertainment im Jahr 2004, reduzierte sich die Anzahl entsprechend auf vier Majors.[1] Die Tonträgerhersteller sind in drei Branchenverbänden organisiert. Dies sind der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft e.V. (BV Phono), die deutsche Landesgruppe der „International Federation of the Phonographic Industry“ (IFPI) und der Verband Unabhängiger Tonträgerunternehmen, Produzenten und Musikverlage (VUT).[2]

Auf dem Tonträgermarkt wird mit über 40 Prozent am Gesamtmarkt der mit Abstand größte Umsatz mit dem Musikgenre ´Pop´ erreicht. An zweiter Stelle findet sich das Genre ´Rock´ mit gut 15 Prozent. ´Dance´ macht einen Umsatzanteil von knapp 8 Prozent aus, gefolgt von ´Klassik´ mit 7,5 Prozent, ´Schlager´ mit gut 7 Prozent, ´Kinderunterhaltung´ mit gut 6 Prozent ´Volksmusik´ mit 2,5 Prozent. ´Film-Soundtracks´ sind mit gut 2 Prozent vertreten, ´Jazz´ mit knapp 1,5 Prozent. Mit je rund einem Prozentpunkt sind ´Instrumentalmusik´, ´Weihnachtsmusik´, ´Country&Folk´ vertreten. Weitere Genres bringen es noch mal auf 2,4 Prozent des Gesamtumsatzes.

Neben den Tonträgerherstellern und Verlagen stellt die Veranstaltungsindustrie mit Konzertveranstaltern und Konzerthallen eine überaus relevante Größe dar. Weiterhin umfasst der Kernbereich der Musikwirtschaft Unternehmen und Akteure wie Tonstudios, Presswerke, Diskotheken und Clubs, Komponisten und Instrumentenhersteller. Zum peripheren Bereich gehören Tonträgerhändler und Dienstleister wie Promotion-Firmen, Grafiker, Rechtsberater, Werbeagenturen, Multimedia-Agenturen. Darüber hinaus sind es Merchandiser, die Unterhaltungselektronikbranche, Musikfachpresse, Radio und Television, die von den Ausbringungen der Musikwirtschaft profitieren.[3]

2.1 Die Musikwirtschaft innerhalb der ´Kulturwirtschaft´

Unter dem Begriff ´Kulturwirtschaft´ werden gemeinhin folgende Wirtschaftssektoren subsumiert:

- Buch- und Pressemarkt
- Film- und Fernsehwirtschaft
- Kunstmarkt (inklusive Mode, Design und Kunsthandwerk)
- Softwareentwicklung/ Telekommunikationsdienstleistungen
- Musikwirtschaft
- Werbung
- Architektur und Kulturelles Erbe
- Darstellende Kunst[4]

Die Kulturwirtschaft stellt eine der größten Wirtschaftsbranchen Deutschlands mit 74 Milliarden Euro Jahresumsatz und circa 965.000 Erwerbstätigen dar.[5]

Die Musikwirtschaft ist innerhalb der Kulturwirtschaft neben dem Kunstmarkt, der Film- und TV-Wirtschaft und dem Presse- und Buchmarkt einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige und erwirtschaftete im Jahr 2005 einen Gesamtumsatz in Höhe von 15,8 Milliarden Euro.[6]

Wie in den letzten Jahren wird die Riege der fünf größten Musikmärkte der Welt – die etwa 75 Prozent des weltweiten Umsatzes ausmachen – von den USA und Japan angeführt. Dabei stieg der Umsatzanteil Japans deutlich von 15 Prozent auf 18 Prozent, während der Umsatzanteil der USA von 36 Prozent auf 34 Prozent leicht zurückging. Deutschland konnte erstmals seit vier Jahren seinen Marktanteil um 1 Prozent auf 7 Prozent steigern und liegt damit hinter England (10%) und vor Frankreich (6%) im internationalen Vergleich auf Platz vier. Innerhalb Europas belegt Deutschland damit den zweiten Rang.[7]

3 Die Bedeutung der Musikwirtschaft für Berlin

Seit den 90er Jahren zeichnet sich in Berlin in der traditionellen Industrie, die Textil, Metall, Auto und Maschinenbau umfasst, ein stetiger Abbau ab. Grund für diese Entwicklung sind Schließungen von Produktionsstätten im Osten Berlins und ein strukturschwacher Westen.[8] Entgegen dieser Entwicklung verzeichnet Berlin Wachstum in den Bereichen Softwarewirtschaft, Biotechnologie, Medizintechnik, pharmazeutische Industrie, sowie in der Kulturwirtschaft.[9]

Die Umsätze der Kreativwirtschaft in Berlin sind seit 2000 um fast 23 Prozent (über 3,4 Mrd. €) auf rund 18,6 Milliarden Euro gestiegen.

Abb. 2: Umsatzentwicklung der Berliner Kreativwirtschaft von 2000 bis 2005

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Projekt Zukunft (2006: 3).

Abb. 3: Entwicklung der Unternehmenszahlen von 2000 bis 2005

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Projekt Zukunft (2006: 3).

In Berlin waren im Jahr 2005 7,5 Prozent der Musikunternehmen in Deutschland ansässig, 2004 waren es noch 7 Prozent. Das entspricht ungefähr 1.500 Unternehmen, die 6.200 Mitarbeiter beschäftigen. Ein Jahr zuvor, 2005, waren es noch 8 Prozent weniger Beschäftigte. Die Musikwirtschaft erlangt dadurch in Berlin den Stand der Branche mit den höchsten Wachstumsraten bei Umsätzen und Beschäftigten innerhalb der Kreativwirtschaft.

Innerhalb von vier Jahren ab 2001 hat sich die Zahl der Berliner Mitglieder des Verbands Unabhängiger Tonträgerunternehmen (VUT) von 64 auf 212 Unternehmen mehr als verdreifacht. Dadurch ist der Anteil Berlins an den bundesweiten Mitgliedern von 11 Prozent auf über 18 Prozent gestiegen. Fast jedes fünfte VUT-Mitglied ist in der Stadt ansässig, mehr als in jedem anderen Ballungsraum in Deutschland.

Heute hat der VUT über 1.130 Mitglieder, circa doppelt so viele wie im Jahr 2001. Rund 62 Prozent dieser Unternehmen sind in den letzten sieben Jahren gegründet worden.[10]

Schon heute werden über 60 Prozent der Umsätze aus der deutschen Musikbranche in Berlin getätigt.[11] Die Unternehmen der Berliner Musikwirtschaft (Kernbereich) erwirtschafteten 2002 rund 8,5 Prozent des Umsatzvolumens der Musikwirtschaft in Deutschland. Die höchsten Umsatzanteile innerhalb der Berliner Musikwirtschaft erwirtschafteten die Musiklabels (88 Mio. €) gefolgt von den Konzertveranstaltern (70Mio. €), den Musikverlagen (43 Mio. €), den Herstellern von Musikinstrumenten (42 Mio. €) sowie den selbständigen Komponisten.[12]

Das Umsatzvolumen lag 2005 bei über 1 Milliarde Euro und weist einen Zuwachs von 4 Prozent seit dem Jahr 2000 auf. Zu den umsatzstärksten Wirtschaftszweigen zählen die Konzerthallen mit 140 Millionen Euro, gefolgt von Verlagen und Herstellern von Rundfunkgeräten mit 106 Millionen Euro. An dritter Stelle finden sich die Musiklabels mit 81 Millionen Euro Umsatz, dann kommen die Konzertveranstalter mit 76 Millionen Euro.[13] Im Vergleich dazu erwirtschaftete die Berliner Musikwirtschaft im Jahr 2004 über 1,1 Milliarden Euro. Die umsatzstärksten Zweige waren dabei Labels mit 173 Millionen Euro, die Hersteller von Rundfunkgeräten mit 171 Millionen Euro, gefolgt von den Musikverlagen mit 146 Millionen Euro und Konzertveranstaltern mit 62 Millionen Euro.[14] Damit lässt sich konstatieren, dass das Umsatzvolumen von 2004 zu 2005 leicht abnahm und es bei den Wirtschaftszweigen mit dem stärksten Umsatzvolumen zu folgenden Verschiebungen kam: Während 2004 die Musiklabels an erster Position standen, fallen sie im Jahr 2005 an die dritte Stelle. Die Musikverlage verzeichnen zwar weniger Umsatz als im Vorjahr, können sich aber trotzdem auf dem zweiten Platz positionieren. Die Konzertveranstalter bleiben auf dem vierten Platz, können ihren Umsatz aber von 2004 zu 2005 um gut 22 Prozent steigern. Die Hersteller von Rundfunkgeräten halten sich auf dem zweiten Platz, müssen aber Umsatzeinbußen in Höhe von 38 Prozent verzeichnen. Mit 140 Millionen Euro Umsatz sind die Konzerthallen im Jahr 2005 neu vertreten und damit als überaus aufstrebend zu bewerten.[15]

[...]


[1] Vgl. Kurp, M. (2004: EU gibt grünes Licht für Sony BMG).

[2] Vgl. Block, A. (2002: Musikexportförderung).

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. Mühlhans, T. (2005: Kulturwirtschaft in Berlin – Entwicklung und Potenziale).

[5] Vgl. Fesel, B. (2006: Wirtschaftsbranche Kulturwirtschaft).

[6] Vgl. Projekt Zukunft (2007: Musikwirtschaft 2007).

[7] Vgl. a. a. O.

[8] Vgl. Krätke, S. (2005: 74).

[9] Vgl. a. a. O.: 75.

[10] Vgl. Projekt Zukunft (2006: Berlin. Klingt gut!).

[11] Vgl. Projekt Zukunft (2002: Klänge der Großstadt – Musikwirtschaft in Berlin).

[12] Vgl. Mühlhans, T. (2005: Kulturwirtschaft in Berlin – Entwicklung und Potenziale).

[13] Vgl. Projekt Zukunft (2007: Musikwirtschaft 2007).

[14] Vgl. Projekt Zukunft (2006: Musikwirtschaft 2006).

[15] Vgl. Mühlhans, T. (2005: Kulturwirtschaft in Berlin – Entwicklung und Potenziale).

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640099450
ISBN (Buch)
9783656476207
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93607
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) – Fakultät für Kulturwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Berlins Musikhauptstadt Deutschlands Einführung Wirtschafts- Sozialgeographie

Autor

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