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Das Falkenlied des Kürenbergers: Eine Interpretation

Seminararbeit 2002 9 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhalt

1. Das Falkenlied als Objekt literaturwissenschaftlicher Kontroversen

2. Interpretation des Falkenliedes
2.1. Einordnung in den historischen und literatur-historischen Kontext
2.2. Interpretationsansätze des Falkenliedes
2.2.1. Wechsel des Sprechers (Dialogform)
2.2.2. Der Sprecher als Mann
2.2.3. Der Sprecher als Frau
2.3. Der Schlussvers

3. Schlusswort

4. Literaturverzeichnis

1. Das Falkenlied als Objekt literaturwissenschaftlicher Kontroversen

Das Falkenlied[1] bietet bis heute Stoff für eine große Zahl an Diskussionen in der Literaturwissenschaft: Es gibt zahlreiche teils sehr widersprüchliche und umstrittene Interpretationen, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass das Lied für eine textimmanente Analyse nur äußerst wenig Spielraum lässt. So lassen sich in erster Linie die Fragen nach dem Sprecher, der übertragenen Bedeutung des Falken sowie der Bedeutung des letzten Verses nicht vollständig beantworten.

Gerade die Kontroversen, die aus diesen Fragen erwachsen sind, machen das Falkenlied des Kürenbergers jedoch beliebt bei den literaturwissenschaftlichen Interpreten.

Ich werde in dieser Hausarbeit auf die wichtigsten vertretenen Deutungsansätze der Literaturwissenschaft eingehen und anhand derer zu einer eigenen Interpretation des Falkenliedes kommen.

2. Interpretation des Falkenliedes

2.1. Einordnung in den historischen und literatur-historischen Kontext

Das Falkenlied entstand Mitte des 12. Jahrhunderts zur Zeit des donauländischen Minnesangs. Wie im gesamten Mittelalter, so war auch in dieser Zeit die Falkenbeize in der adligen Gesellschaft, zu deren Unterhaltung der Minnesang diente, sehr verbreitet[2]. Das Falkenmotiv galt als internationales Wandermotiv[3] und somit als Symbol der Freizügigkeit. Der Schlussvers des Falkenliedes deutet jedoch an, dass es sich nicht um eine realistische Darstellung eines Falkenfluges handelt – vielmehr besitzt der Flug eine übertragene Bedeutung.

Für die Interpretation des Liedes ist das Muster der frühen Minne heranzuziehen, das sich „darauf festlegte, in der fest umgrenzten [...] Einzelstrophe die Rollen der Minne zu Wort kommen zu lassen“.[4] Somit zeigt sich die Dialogform des Wechsels von Männer- und Frauenstrophen als charakteristisch. Die jedoch bevorzugte Form der monologartigen Frauenklagen unterscheiden den donauländischen Minnesang von der hohen Minne, in der sich die Dame nicht „aktiv um die Liebe und Gunst des trotzenden Mannes“[5] bemüht.

Beim Falkenlied könnte es sich um einen Ausbruch aus diesem eng gefassten Rollenschema zu handeln: In der Literaturwissenschaft werden bis heute Kontroversen geführt, ob es sich beim Sprecher beider Strophen um eine Dame, einen Ritter oder beide im Wechsel handelt.

2.2. Interpretationsansätze des Falkenliedes

2.2.1. Wechsel des Sprechers (Dialogform)

Zahlreiche Interpreten wie Ittenbach[6] oder Jansen[7] wollen im Falkenlied einen Wechsel sehen. Die Form der Kadenzen scheint diese Annahme zunächst auch zu unterstützen: In der ersten Strophe könnte ein männlicher Sprecher durch einsilbige Kadenzen, in der zweiten Strophe eine Sprecherin durch zweisilbige Kadenzen dargestellt werden. Zudem war die Rollenverteilung im frühen Minnesang starr an Einzelstrophen gebunden.[8]

Der Interpretation widerspricht zunächst das „Sît“[9], das eine Nähe zwischen erster und zweiter Strophe schafft und somit annehmen lässt, dass es sich in beiden Strophen um denselben Sprecher handelt.

[...]


[1] Der von Kürenberg: Ich zôch mir einen valken (Falkenlied). In: Des Minnesangs Frühling (MF). Unter Benutzung der Ausgaben von Karl Lachmann und Moritz Haupt, Friedrich Vogt und Carl von Kraus; bearbeitet von Hugo Moser und Helmut Tervooren. I: Texte. 37., revidierte Auflage. Stuttgart: Hirzel, 1982. 8,33 – 9,12.

[2] vgl. Peter Wapnewski: Waz ist minne: Studien zur Mittelhochdeutschen Lyrik. München: Beck, 1975. S.27.

[3] vgl. Hilkert Weddige: Einführung in die germanistische Mediävistik. 4. Auflage. München: Beck, 2001. S. 250.

[4] Rolf Grimminger: Poetik des frühen Minnesangs. München: Beck, 1969.

[5] Bernd Weil: Das Falkenlied des Kürenbergers: Interpretationsmethoden am Beispiel eines mittelhochdeutschen Textes. Frankfurt am Main: Fischer, 1985.

[6] vgl. Max Ittenbach: Der frühe deutsche Minnesang. Strophenfügung und Dichtersprache. In: Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte. Hrsg. von Paul Kluckhohn und Erich Rothacker. Bd. 24. Halle: Niemeyer, 1939.

[7] vgl. Rudolf K. Jansen: Das Falkenlied Kürenbergs – Eine Arbeitshypothese. In: Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte. Bd. 44. Halle: Niemeyer, 1970.

[8] vgl. Grimminger 1969.

[9] MF 8,33 – 9,12. V. 5.

Details

Seiten
9
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638161077
ISBN (Buch)
9783638933742
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9391
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Germanistisches Seminar (Germanistik III)
Note
2,0
Schlagworte
Falkenlied Kürenbergers Eine Interpretation Grundlagen Studiums Sprache Literatur

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Titel: Das Falkenlied des Kürenbergers: Eine Interpretation