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Die Herausbildung des baskischen Nationalismus im 19. Jahrhundert

Hausarbeit 2007 18 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Baskenland
2.1. Die baskischen Gebiete
2.2. Euskera – Die Sprache der Basken
2.3.Die Fueros – Ursprung und Inhalt

3. Spanien und das Baskenland im 19.Jahrhundert
3.1.Politische Entwicklung – Zentralisierung
3.2.Wirtschaftliche Entwicklung – Industrialisierung

4. Die Entstehung des baskischen Nationalismus
4.1.Sabino Arana und seine Ideologie

5. Schlussbemerkung

6. Quellenverzeichnis
6.1. Literatur
6.2. Internet

1. Einleitung

MADRID, 30.12.2006: ETA verübt Bombenanschlag auf Flughafen

Bei einer Bombenexplosion auf einem Parkplatz des größten Flughafens von Madrid wurden 19 Personen verletzt. Per Telefon bekannte sich die baskische Separatistenorganisation ETA zu dem Anschlag.[1]

Immer wieder gelangt das Baskenland durch Schreckensmeldungen wie diese in die Schlagzeilen der Medien Westeuropas. Schon mehr als 800 Menschen fielen der Organisation ETA seit dem ersten Mordanschlag im Jahr 1968 zum Opfer. Seit dem Autobombenanschlag auf dem Madrider Flughafen am 30.12.2006 bei dem zwei Menschen getötet wurden, ist ein Ende der Attentate auch nicht abzusehen.

Ein Phänomen wie Gewalt der ETA hat verschiedene Ursprünge. Dazu gehört besonders die Franco-Diktatur, unter der die baskische Identität und ihre Sprache unterdrückt wurden. Im Grunde genommen wurde die ETA jedoch vom radikalen baskischen Nationalismus genährt, der eine fundamentale antispanische Haltung enthält, die alles ablehnte, was aus Spanien kam.[2] Die Wurzeln dieses fundamentalen baskischen Nationalismus sind im 19. Jahrhundert zu finden, dem Zeitraum, der für diese Arbeit zentral sein soll. Um den baskischen Nationalismus in all seine Facetten nachvollziehen zu können, ist es unerlässlich sich mit dem Ursprung und der Entstehung dieser Bewegung auseinanderzusetzten. Unter diesem Aspekt, sollen in Kapitel 2 zunächst grundlegende Informationen über das Baskenland gegeben werden, wobei Besonderheiten hervorgehoben werden sollen, die für die Entstehung eines baskischen Nationalismus als konstituierend gelten können. In Kapitel 3 soll aufgezeigt werden, welche politischen und wirtschaftlichen Veränderungen im 19. Jahrhundert im Baskenland stattfanden. Die Entstehung des baskischen Nationalismus, die sehr stark mit den Konsequenzen dieser politischen und wirtschaftlichen Veränderungen zusammenhängt, soll in Kapitel 4 dargestellt werden. Kapitel 5 zeigt schließlich, inwieweit sich die baskisch-nationalistischen Visionen des 19. Jahrhunderts heute verwirklicht haben

2. Das Baskenland

2.1. Die baskischen Gebiete

Das spanische Baskenland, das in baskischer Sprache „Euskadi“ genannt wird, liegt im Norden Spaniens am Golf von Biskaya und erstreckt sich von Bilbao bis zur französischen Grenze und etwa 200 km ins Landesinnere der Iberischen Halbinsel. Offiziell umfasst es die drei Provinzen Gipuzkoia, Biskaya und Alava, nach Ansicht baskischer Nationalisten zählt jedoch die Provinz Navarra ebenfalls zu Euskadi, welche jedoch eine eigenständige Region in Spanien bildet.[3] Diese vier Territorien, bilden den südlichen Teil des Baskenlands, genannt Hegoalde. Die drei baskischen Territorien Labourd, Soule und Basse-Navarre, die sich in Frankreich befinden, werden als Iparralde bezeichnet.

Das Baskenland wird vom kantabrischen Gebirge, das sich vom Westrand der Pyrenäen bis nach Galizien erstreckt, in zwei klimatisch unterschiedliche Zonen getrennt. Zu unterscheiden sind das „mediterrane Baskenland“, welches Alava und den Großteil Navarras beinhaltet und das „atlantische Baskenland“, welches von Biskaya, Gipuzkoia, dem nordwestlichen Teil Navarras und Iparralde gebildet wird.[4] Durch die unterschiedlichen geographischen Bedingungen sind auch unterschiedliche wirtschaftliche, sprachliche und historische Entwicklungen zu erklären. So wurde z.B. der mediterrane Raum stärker romanisiert, weshalb sich in diesem Gebiet schon früh größere befestigte Ortschaften bildeten und es außerdem zu einer Verdrängung der baskischen Sprache kam, weshalb heute auch in Alava und im mediterranen Navarra nur noch von einem kleinen Teil der Bevölkerung baskisch gesprochen wird.[5]

Die sieben genannten Territorien des Baskenlandes haben jedoch niemals eine politisch-administrative Einheit gebildet; man kann eher von einer ethnischen und kulturellen Gemeinschaft sprechen. Die Basken selbst, bezeichnen ihr Land als Euskal Herria, was „Land der Baskisch-Sprecher“ bedeutet. Dies drückt auch aus, dass sich das Zusammengehörigkeitsgefühl der Basken nicht durch politisch-administrative, sondern durch ethnische, historische, kulturelle und vor allem sprachliche Identität definiert.[6]

2.2. Euskera – Die Sprache der Basken

Als wichtiger Träger des baskischen Nationalismus fungiert Euskera, die Sprache der Basken. Sie ist die älteste und einzig überlebende vorindoeuropäische Sprache in Westeuropa und bildet damit ein einzigartiges Phänomen und Kulturgut in Europa.[7] Die Herkunft der baskischen Sprache ist nicht geklärt, in der Literatur werden verschiedene Theorien vertreten. Die besondere Sprache, die Bluttypenhäufigkeit[8] und zahlreiche Höhlen, in denen Malereien und Knochen oder andere archäologische Überreste gefunden wurden, werden gerne als Beweis einer vorindogermanischen Existenz der Basken auf der Iberischen Halbinsel herangezogen.[9] Seit mehr als 2000 Jahren wurde die Sprache und Kultur der Basken erst von der römisch-lateinischen, dann von der französischen und spanischen Sprache und Kultur dominiert.[10] Dennoch blieb die baskische Sprache, im Gegensatz zu anderen vorrömischen Sprachen, bis heute lebendig erhalten. Die Gründe sind sowohl geographisch, als auch wirtschaftlich und sozial bedingt. Viele Gebiete des Baskenlands waren aufgrund ihrer geographisch isolierten Lage nur schwer zugänglich und wurden daher nur schwach oder überhaupt nicht romanisiert. Außerdem fehlte es an städtischen Zentren, welche für die Verbreitung des Lateins wichtig gewesen wären. Hinzu kommt die relativ spät einsetzende Christianisierung, die im 10. Jahrhundert einsetzte und erst im 16. Jahrhundert abgeschlossen war. Dadurch konnte sich die lateinische Sprache, vermittelt durch das Christentum, erst spät und nur schwer durchsetzen und blieb vor allem auf den Klerus beschränkt. Zudem verfügt das Baskische über eine starke typologische Distanz zu den Nachbarsprachen, weshalb eine Assimilierung an diese nicht stattfand.[11] Dennoch kam es in den letzten drei Jahrhunderten zu einem Rückzug des baskischen Sprachraums.[12] Im 19. Jahrhundert, dem zentralen Zeitraum für diese Arbeit, war das Baskische bereits weitgehend, aufgrund einer starken nichtbaskischen Einwanderung, vom Spanischen aus den städtischen Zentren verdrängt worden, und wurde nur noch im Hinterland gesprochen. Obwohl Euskera nur von einer relativ kleinen Sprecherzahl gesprochen wird, weist es eine große dialektale Vielfalt auf. Dies ist zum einen durch die politisch-administrative Trennung und das Fehlen größerer Städte als Konzentrationspunkte der Sprache bedingt und zum anderen durch die mangelnde schriftliche Tradition, welche das Entwickeln einer einheitlichen Schriftsprache zudem verhinderte. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Euskera Batua (Einheitsbaskisch) als Standardsprache für das Baskische erarbeitet, das heute neben Spanisch offizielle Amtssprache im Baskenland ist.

Heute gibt es in den sieben baskischen Territorien lediglich 22,4 % baskisch Sprecher, welche in der Regel zweisprachig sind. Lediglich eine kleine Minderheit, die vor allem aus älteren Leuten besteht, spricht nur Baskisch.[13]

2.3.Die Fueros – Ursprung und Inhalt

Der baskische Nationalismus beruft sich nicht nur auf eine eigenständige geschichtliche Tradition und auf eine eigene Sprache, sondern auch auf heute ehemalige institutionelle Privilegien, die so genannten Fueros.[14] Wenn man die Entstehung des Nationalismus im 19. Jahrhundert nachvollziehen möchte, ist eine Kenntnis des foralen Systems, der Sonderrechte der Basken wichtig.

Der Begriff Fueros bezeichnet die von den Königen verliehenen Stadtrechtprivilegien sowie die Sonderrechte der Territorien auf der Iberischen Halbinsel.[15] Die baskischen Fueros bestanden schon seit dem Mittelalter und wurden mit der Integration der baskischen Territorien in den spanischen und den französischen Staat durch königliche Anerkennung zum Gesetz. Hierbei wurden die baskischen Fueros ausdrücklich als Gewohnheitsrecht niedergeschrieben; sie garantierten die Freiheiten, die die baskischen Gebiete innerhalb den Verpflichtungen gegenüber dem Staat genossen.[16] Die Inhalte der Fueros unterschieden sich teilweise in den jeweiligen Gebieten, doch grundsätzlich kann man von den folgenden Inhalten ausgehen. In allen Gebieten gab es regionale Selbstverwaltungsorgane, die in Form von Parlamenten der Volksvertreter, welche von den Gemeinden entsandt wurden, regelmäßig zusammentrafen um über die Belange des jeweiligen Gebietes zu entscheiden. Als Voraussetzung zur Teilnahme an den Parlamenten war ein Minimum an Grundbesitz und Kenntnis der spanischen Sprache nötig. Dadurch war die Teilnahme im Wesentlichen den lokalen Eliten vorbehalten, was zu einer Dominanz dieser innerhalb des politischen Systems führte.[17]

[...]


[1] „Eta verübt Bombenanschlag auf Flughafen“, Spiegel Online 30. Dezember 2006, 11:35. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,457154,00.html (17.03.2007)

[2] vgl. Interview mit Fernando Saveter, in: Die Zeit, 18.7.1997. www.spielederwelt.de/spiele/pelota/material/eta.rtf (17.03.2007)

[3] vgl Römhildt, Kerstin. (1994). Nationalismus und ethnische Identität im „spanischen“ Baskenland. Münster: LIT Verlag. S.19.

[4] vgl. Kasper, Michael. (1997). Baskische Geschichte in Grundzügen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. S. 2.

[5] vgl. ebd.

[6] vgl. Kasper, Baskische Geschichte in Grundzügen, S.1.

[7] vgl. ebd. S.6.

[8] Bei den Basken gibt es häufig Bluttypen mit Blutgruppe 0 und Rhesusfaktor, was sie vom Rest der europäischen Bevölkerung unterscheidet.

[9] vgl. Römhildt, Nationalismus und ethnische Identität im „spanischen“ Baskenland, S. 20.

[10] vgl. Kasper, Baskische Geschichte in Grundzügen, S.6.

[11] vgl. Kasper, Baskische Geschichte in Grundzügen, S. 10.

[12] vgl. ebd.

[13] vgl. ebd.

[14] vgl. Bernecker, Walther L .. (1997). „Ethnischer Nationalismus im Baskenland“, in: Kollektive Identität in Krisen. Ethnizität in Religion, Nation, Europa. Opladen: Westdeutscher Verlag. S. 123.

[15] vgl. Kasper, Baskische Geschichte in Grundzügen, S.51.

[16] vgl. ebd.

[17] vgl. ebd.

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638070799
ISBN (Buch)
9783638955898
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v93924
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,7
Schlagworte
Herausbildung Nationalismus Jahrhundert

Autor

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Titel: Die Herausbildung des baskischen Nationalismus im 19. Jahrhundert