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Ist es ethisch vertretbar, tierische Produkte zu konsumieren? Die Argumentation Peter Singers

Facharbeit (Schule) 2019 15 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erläuterung des Präferenz-Utilitarismus

3. Speziesismus
3.1. Erläuterung von Speziesismus
3.2 Verschiedene Arten von Speziesismus
3.2.1 Tiere als Nahrung
3.2.2 Tierversuche
3.2.3 Tiere töten

4. Tragfähigkeit von Peter Singers Position

5. Fazit mit Rückbezug auf die Leitfrage

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sobald offiziell wurde, dass ich meine Facharbeit in dem Fach Philosophie schreiben würde, war mir bewusst, dass ich über das Thema Tierethik schreiben möchte. Ich persönlich hege ein großes Interesse daran, da ich mich selbst schon seit einigen Jahren vegetarisch beziehungsweise mittlerweile vegan ernähre und somit schon einige Einblicke in diesen Themenbereich habe. Ein weiterer Grund, der mich dieses Thema wählen ließ, ist die Aktualität der Tierethik. In einer Zeit, in der sich immer mehr Personen für einen veganen Lebensstil entscheiden, nimmt die Häufigkeit der Debatten über die Richtigkeit dieser Bewegung zu. Meine Lehrerin empfahl mir die Lektüre und die Philosophie Peter Singers zur Bearbeitung des Sachbereichs, und so entschied ich mich dafür, die Leitfrage „Ist es ethisch vertretbar, tierische Produkte zu konsumieren?“ anhand der Argumentation Peter Singers zu diskutieren. Bei meiner Arbeit gehe ich folgendermaßen vor:

Zu Beginn erläutere ich Peter Singers Prinzip des Präferenz-Utilitarismus im Allgemeinen und gehe dabei auch auf seine Auffassung von Ethik und Gleichheit ein. Daraufhin definiere ich den Begriff Speziesismus und bearbeite im Folgenden drei Arten des Speziesismus: Tiere als Nahrung, Tierversuche und das Töten von Tieren. Dabei beziehe ich die Thesen Peter Singers mit ein. Darauf folgt die Untersuchung der Tragfähigkeit seiner Position, bei der ich auf die Plausibilität seiner Thesen an sich eingehe und die Möglichkeit der Durchführung in der heutigen Zeit diskutiere. Zuletzt schließe ich mit einem Fazit und dem Rückbezug auf die Leitfrage. Es folgen das Literaturverzeichnis und der Anhang mit der Versicherung der selbstständigen Anfertigung sowie der Einverständniserklärung zur Veröffentlichung.

2. Erläuterung des Präferenz-Utilitarismus

Das Prinzip, das Peter Singer bei all seinen Überlegungen als Grundlage versteht, heißt Präferenz-Utilitarismus. Dieser wurde von ihm selbst als eine gesonderte Art des Utilitarismus entwickelt. Um ein Verständnis für diese Theorie aufzubauen, muss man zuerst verstehen, was Singer unter Ethik und Gleichheit versteht, um dann wiederum nachvollziehen zu können, wie er den Präferenz-Utilitarismus aus dieser Auffassung von Ethik und Gleichheit bezieht.

Peter Singer versteht unter dem Begriff Ethik die Handlungen, die moralischen Maßstäben folgen (die Worte Ethik und Moral, bzw. ethisch und moralisch gebraucht Peter Singer als Synonyme und diese bedeuten demnach in seiner Auffassung dasselbe). Er glaubt, Personen handelten nach moralischen Maßstäben, „sofern sie aus irgendeinem Grunde glauben, es sei richtig, so zu handeln"1. Daraus schlussfolgert Singer, dass das Handeln nach moralischen Maßstäben stets mit der Rechtfertigung der eigenen Lebensweise zusammenhänge. Um jedoch als wahrlich ethisch bezeichnet werden zu können, dürften Handlungen nicht aus bloßem Eigeninteresse ausgeführt werden, sondern müssten des Weiteren „mit Prinzipien verträglich s[ein], die auf einer breiteren ethischen Basis beruhen“2. Peter Singer behauptet also, dass Ethik ein universelles Prinzip ist, das dazu dient, seine Handlungen zu rechtfertigen. Dabei dürfe man allerdings nicht nur an sich und sein Eigeninteresse denken, sondern müsse bei der Überlegung mehrere Individuen, und zwar alle, die von der jeweiligen Entscheidung betroffen seien, miteinbeziehen. Um ethisch handeln zu können, müssten wir demnach den Standpunkt von „ich“ und „du“ verlassen und zu einem unparteiischen Betrachter werden.

In diesem Prinzip der universalen Ethik, bei der man stets die Konsequenzen für alle Beteiligten bedenken muss, sieht Peter Singer die Begründung, eine utilitaristische Position einzunehmen. Der klassische Utilitarismus ist eine Theorie der Moralphilosophie, die ethisches Handeln an dem darauffolgenden Nutzen (lat. utilis) für die Mehrzahl der Betroffenen festmacht. So sei im klassischen Utilitarismus das Einschätzen der Folgen einer Handlung mit dem Ziel der Maximierung von Lust und der Minimierung von Leid der ethische Maßstab. Um allerdings verstehen zu können, inwiefern sich der Präferenz-Utilitarismus von dem klassischen Utilitarismus unterscheidet, ist ein Wissen über Singers Auffassung von Gleichheit erforderlich.

Laut Singer ist eben diese ein grundlegendes moralisches Prinzip und nicht etwa eine Tatsachenbehauptung. Dass Unterschiede zwischen Individuen existieren, egal von welchem Ausmaße, ändere nichts an der Gleichheit zwischen ihnen. Denn Peter Singer legt das Prinzip der Gleichheit nicht an Äußerlichkeiten oder reinen Rechtsfragen fest, sondern an der Gleichheit der sogenannten Interessenabwägung. Diese führt Singer wie folgt aus:

„Das wesentliche Prinzip der gleichen Interessenabwägung besteht darin, daß wir in unseren moralischen Überlegungen den ähnlichen Interessen all derer, die von unseren Handlungen betroffen sind, gleiches Gewicht geben“ 3

Demnach sei es egal, um wen es sich handle; solange zwei Individuen ein ähnliches Interesse aufbringen, müsse man sie gleichermaßen gewichten. Gleichheit lasse sich nach Singer also an den Interessen der Individuen festlegen. Diese könne man auch als Präferenzen betiteln. So sei beispielsweise die Präferenz eines Individuums, das Schmerzen erleidet, schmerzfrei zu leben.

Aus dem Prinzip seiner universalen Ethik und der gleichen Interessenabwägung schlussfolgert Peter Singer das einzig für ihn zutreffende moralische Prinzip: Den Präferenz-Utilitarismus. Dieser unterscheide sich vom klassischen Utilitarismus insofern, dass er Handlungen nicht bloß nach ihrer Tendenz zur Maximierung von Lust, d.h. positiven Empfindungen, und Minimierung von Leid, d.h. negativen Empfindungen, beurteile, sondern nach der Übereinstimmung der Präferenzen eines Individuums und den Auswirkungen der Handlungen eines anderen. Des Weiteren müsse man in einer Situation, in der mehrere Individuen von einer Handlung betroffen seien, abwägen, wie man die ähnlichen Interessen der Mehrheit bzw. die Interessen von mehr Bedeutung als andere erfüllen könne. Demnach sei „eine Handlung, die der Präferenz irgendeines Wesens entgegensteht, ohne daß diese Präferenz durch entgegengesetzte Präferenzen aufgewogen wird, moralisch falsch“4.

3. Speziesismus

3.1. Erläuterung von Speziesismus

Peter Singer bearbeitet in seinen Thesen im besonderen Maße den Bereich der Tierethik. Dabei gebraucht er wiederkehrend den Begriff Speziesismus. Einer offiziellen Definition nach ist der Speziesismus die „Anschauung, nach der der Mensch allen anderen Arten überlegen und daher berechtigt sei, deren Vertreter nach seinem Gutdünken zu behandeln“5.

Peter Singer definiert diesen Begriff sehr ähnlich. Er geht so weit, zu behaupten, man könne den Speziesismus sogar mit dem Rassismus oder Sexismus, bei denen sich ebenfalls ein Vertreter einer ethnische Gruppe oder eines Geschlechts anderen überlegen fühlt, gleichsetzen. Jedoch behauptet er nicht, dass Speziesisten sich und ihrem Leben generell mehr Wert als dem anderer Arten zumessen, sondern dass sie die Interessen ihrer eigenen Spezies mehr gewichten als die Interessen anderer Spezies. In sein Prinzip schließt er jedoch lediglich die sogenannten nichtmenschlichen Lebewesen ein, unter denen Peter Singer alle empfindungsfähigen Tiere, d.h. weder Bakterien noch Pflanzen, versteht, da er „die Fähigkeit zu leiden und sich zu freuen [als] eine Grundvoraussetzung dafür [sieht], überhaupt Interessen haben zu können“6. Nach Peter Singers Auffassung könne man es ebenso als Speziesismus bezeichnen, wenn man den eigenen Schmerz als schlimmer oder wichtiger als der Schmerz einer anderen Spezies bewertet.

3.2 Verschiedene Arten von Speziesismus

3.2.1 Tiere als Nahrung

Ein Aspekt des Speziesismus, der in der Praxis auftritt, ist die Nutzung von Tieren als Nahrung. Darunter wird primär das Fleisch der Tiere gezählt, aber auch die Nebenprodukte Milch und Eier. Die breite Masse der Menschen ist der Ansicht, der Konsum von tierischen Produkten in ihrem Leben sei notwendig und recht.

Betrachte man dies nun aber aus der Perspektive des Tiers, ergäbe sich eine ganz andere Auffassung. Ein nichtmenschliches Tier besäße stets die Präferenz, ohne Leiden und möglichst lang zu leben. Diese Präferenz stehe nun der Absicht des Menschen gegenüber. Wenn ein Mensch ein Tier tötet und es verzehrt, um nicht zu verhungern und dies der einzige Weg wäre, zu überleben, sei es laut Peter Singer moralisch akzeptabel dies zu tun, wenn das Leiden des Tieres das seine nicht übersteige. In dieser Situation überwiege das Interesse des notleidenden Menschen das des Tieres. Die Frage, ob es an sich recht ist, ein Leben zu nehmen, wird bei dieser Überlegung noch nicht miteinbezogen.

Trete nun aber die Notwendigkeit, ein Tier aufgrund des eigenen Überlebens zu verzehren, nicht auf, so sei der Gebrauch von Tieren als Essen ein Luxus. Warum es in diesem Fall moralisch falsch sei, ein Tier zu konsumieren, begründet Peter Singer mit mehreren utilitaristischen Argumenten.

Das Hauptargument Singers basiert auf der gleichen Interessenabwägung. Die zwei Interessen, die sich in diesem Fall gegenüberstehen, sind die des Tieres, ohne Leid zu leben, und die des Menschen, seine Geschmacksnerven zu erquicken. Singer behauptet, „[d]as Prinzip der gleichen Interessenabwägung gestatte[ ] es nicht, größere Interessen für kleinere Interessen zu opfern“7. Offensichtlich sei in diesem Sachverhalt das Interesse des Tieres größer als das des Menschen und dürfe somit nicht missachtet werden. Das Konsumieren des Tieres impliziere nämlich großes Leid, da das Tier innerhalb seines Lebens in Gefangenschaft, oftmals in Massentierhaltungsbetrieben mit unzuträglichen Bedingungen, jeden Tag leide.

Peter Singer ist der Auffassung, dass das Interesse der Linderung von Leid das wohl größte Interesse sei. Genau wie bei dem Prinzip der gleichen Interessenabwägung sei es also notwendig, das Leiden von allen Individuen zu betrachten und abzuwägen, welches Leiden das größere sei, um wiederum so zu handeln, dass dieses gelindert werde. Peter Singer impliziert bei dieser Überlegung auch die Unterschiede des Schmerzempfindens zwischen verschiedenen Arten. Ein Mensch, der weiß, dass er in naher Zukunft leiden muss, empfinde mehr Leid als ein Tier in dieser Situation, das nichts von seinem Schicksal wisse. Denn auch das Fürchten und „[d]er daraus resultierende Schrecken [sei] eine Form von Leiden“8. Dies bedeute jedoch auch, dass Schwerbehinderte und Kinder, die ihre Zukunft nicht einschätzen können, auf derselben Ebene wie nichtmenschliche Lebewesen seien.

Des Weiteren argumentiert Peter Singer, der moderne Mensch könne sich auch ohne den Konsum von tierischen Produkten ausreichend ernähren. Er bindet sogar das Argument mit ein, dass „Fleisch für gute Gesundheit oder langes Leben nicht notwendig“9 sei.

Außerdem führt Singer auf, dass der Konsum von Fleisch ökonomisch nicht effizient sei. Durch das Füttern von den Tieren gehe Getreide verloren und resultiere darin, dass ein Stück Fleisch nur 10% des eigentlichen Nahrungswertes beinhalte. Das bedeutet, man kann nur ein Zehntel der Menschen mit Fleisch ernähren, die man mit dem Getreide hätte ernähren können. Somit seien deutlich weniger Interessen erfüllt.

Peter Singer schlussfolgert aus diesen Argumenten, dass die einzig moralisch korrekte Handlung das Boykottieren von dem Verzehr von tierischen Lebensmitteln, die mit Leid verbunden sind, sei. Denn durch jeden Kauf von einem tierischen Produkt stelle man sein eigenes Interesse über das des betroffenen Tieres.

3.2.2 Tierversuche

Ein weiterer Aspekt des in der Praxis auftretenden Speziesismus ist die Verwendung von Tierversuchen. Tierversuche sind „laut des Tierschutzgesetzes alle Eingriffe an und Behandlung von Tieren, die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für diese Tiere […] verbunden sind“10.

Peter Singer hinterfragt die Behauptung, Tierversuche brächten Aufschlüsse über die Einflüsse verschiedener Faktoren auf Menschen ein. Weiterhin müssten die Speziesisten, die so argumentieren, auch eingestehen, dass dafür eine gewisse Gleichheit zwischen Mensch und Tier vorausgesetzt sein müsse. Dieser Fakt sei jedoch widersprüchlich zu der eigentlichen Auffassung der Speziesisten und decke somit die Unvereinbarkeit ihrer Aussagen auf.

Moralisch verwerflich seien nach Singers utilitaristischen Beurteilung Tierversuche für Kosmetika, Nahrungsergänzungsmittel u.ä.. Dagegen spräche zuallererst das Prinzip der gleichen Interessenabwägung, bei der sich das Interesse des Tiers, nicht zu leiden, und das Interesse des Menschen, sich beispielsweise mit neuen Produkten zu schminken, aufwiegen. Das Interesse des Tiers sei wichtiger und das Leiden müsse demnach verhindert werden. Ebenfalls spräche der Stand als Luxusprodukt des zu testenden Mittels dagegen. Wird der Bereich der Kosmetika als Beispiel herangezogen, so existierten schon genug ähnliche Produkte und damit „kein Bedarf, neue zu entwickeln“11. Es bestehe also keine Notwendigkeit, Tierversuche durchzuführen.

Auch die Tierversuche für militärische Zwecke seien moralisch nicht vertretbar. Den Tieren werde Leid zugefügt, ohne das Ziel der Maximierung von Lust vor Augen zu haben. Vielmehr seien die Versuche mit einem Nutzen im Krieg verbunden, der wiederum selbst ein Grund für Leiden ist.

[...]


1 Peter Singer, Praktische Ethik, 1979, S.25

2 S. 26

3 S.39

4 S. 128

5 Duden, S. 1004

6 Peter Singer, Praktische Ethik, 1979, S. 85

7 S. 91

8 S. 87

9 S. 91

10 Kompaktlexikon der Biologie, Tierversuche, https://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/tierversuche/11874

11 S. 95

Details

Seiten
15
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346273147
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v940795
Note
1,0
Schlagworte
Peter Singer Tierethik Utilitarismus Präferenzutilitarismus Ethik Facharbeit Q1 2019
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