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Die Irak-Krise 2003. Wie Realismus und Idealismus die Außenpolitik der USA und der BRD beeinflussten

Hausarbeit 2020 21 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erläuterung der zentralen Theorien
2.1 Realismus nach Morgenthau
2.2 Realismus Kritik
2.3 Idealismus nach Wilson
2.4 Idealismus Kritik

3. Irakkrise2003
3.1 Beziehung zwischen USA und BRD
3.1.1 Standpunkt der USA
3.1.2 Standpunkt der BRD
3.2 Vergleich mit Thukydides Melierdialog
3.2.1 Standpunkt der Athener
3.2.2 Vergleich zu USA
3.2.3 Standpunkt der Melier
3.2.4 Vergleich zu BRD

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Als der iranische Offizier Qasem Soleimani am 03. Januar 2020 auf Befehl des US-Präsidenten Donald Trump im Irak ermordet wurde, kamen überall auf der Welt die Erinnerungen an den zweiten Irakkrieg 2003 wieder hoch.1 Auch wenn das Ziel diesmal ein Iraner war, verbinden viele Menschen militärisches Engagement der USA in der Region mit dem stark umstrittenen Krieg zu Beginn des Jahrhunderts. Damals pochten die USA in Folge des Anschlags vom 11. September 2001 auf die Verbindung Saddam Husseins zu Terrororganisationen. Basierend auf verschiedenen Quellen, die heute alle als unseriös gelten, vermutete man zudem Massenvernichtungswaffen im Irak.2 Die kurze Intervention der USA sorgte 2003 für den Zusammenbruch des irakischen Regimes. In den folgenden sechs Jahren der amerikanischen Besetzung konnte sich das Land aber auch nicht stabilisieren, was immer wieder dazu geführt hat, dass der Krieg und die Intentionen der USA scharf kritisiert wurden. Abgesehen von dem militärischen Konflikt selbst löste der enorme Druck durch die USA damals auch einen Konflikt in der EU und der NATO aus. Neben der Koalition der Willigen, die einen Krieg unterstützen, standen vor allem Deutschland und Frankreich einer Militärintervention im Irak äußerst kritisch gegenüber. Spätestens im Frühjahr 2003 wurde klar, dass die USA keine, den Krieg duldende Resolution bei der NATO erreichen konnte.3 Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte kategorisch nein zum Krieg und so war nicht nur die EU sondern auch die NATO in ihrem Auftreten gespalten.4

Verschiedene Ansichten und Grundsätze der internationalen Politik, sowie innerstaatliche Interessen spalteten damals den so starken Bund zwischen USA und BRD.

Ziel dieser Hausarbeit ist es heraus zu stellen, wie unterschiedlich die Argumentationen beider Nationen waren und dies mit einem ähnlichen Konflikt in der Antike, Thukydides Melierdialog, zu vergleichen. Um die Unterschiede klar herauszuarbeiten, bediene ich mich zwei konträrer Theorien der internationalen Beziehungen. Zum Einem dem Realismus nach Morgenthau und zum Anderen Wilsons Idealismus.

2. Erläuterung der Zentralen Theorien

2.1 Realismus nach Morgenthau

Als Theorie in den internationalen Beziehungen, gewann der Realismus hauptsächlich nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. Sein bedeutendster Vertreter und gleichzeitig Begründer des Realismus, Hans J. Morgenthau, brachte dabei schon tausend Jahre alte Ideen zur politischen Macht mit Beobachtungen der Geschichte zusammen. Morgenthau formulierte eine Theorie die klar als Gegenbewegung zum politischen Bild des frühen 20 Jahrhunderts zu verstehen ist. Die von ihm und anderen Vertretern des Realismus abfällig als Idealismus bezeichnete Denkweise, führte laut Morgenthau auch zum Zweiten Weltkrieg.5

Im Folgenden werden die zentralen Grundsätze, die dem Realismus zugrunde liegen erläutert.

Morgenthau nennt als ersten Grundsatz die allgegenwärtige Präsenz von objektiven Gesetzten. Diese Gesetze finden ihren Ursprung in der Natur des Menschen und sind unabhängig vom Individuum gültig. Konkreter noch, ist der Mensch nach Morgenthau ein schlechtes und von Macht besessenes Wesen. Diese Behauptung begründet er mit Beobachtungen der gesamten Menschheitsgeschichte. Der Kern des menschlichen Wesens ist also unabhängig von Zeit und Ort gleich und ist die Grundlage für objektive Gesetze, welche auch die Politik bestimmen.6

Diese Behauptung hat häufig zu dem Missverständnis geführt, dass politisches Handeln immer böser Absicht unterliege und es quasi keine guten Politiker gäbe. Morgenthau ist sich allerdings bewusst, dass es auch gute Absichten von Staatsmännern geben kann. Die Beweggründe eines Politikers sind aber keine Garantie dafür, dass die Resultate seiner Außenpolitik auch moralisch gut sind. Auch der politische Erfolg von Staatsmännern unterliegt weniger ihren Beweggründen und viel eher den intellektuellen Fähigkeiten im Bereich der Außenpolitik.7 Dieser zweite Grundsatz des Realismus befasst sich des Weiteren mit dem Zusammenhang zwischen philosophischen Ansichten und dem tatsächlichen Handeln von Politikern. Laut Morgenthau lässt sich nicht eins zu eins vom Einen auf das Andere schließen. Da ein Staatsmann im Sinne der politischen Macht seiner Nation handelt, kann er seine persönlichen moralischen Vorstellungen häufig nicht erfüllen. Um im Sinne des eigenen Staates zu handeln, ist es notwendig zu definieren, was das machtpolitische Interesse eines Staates ausmacht. Dieser Begriff des Interesses stellt den dritten Grundsatz in Morgenthaus Realismus dar. Für ihn ist der im Sinne der Macht verstandene Begriff des Interesses, das Zusammenspiel aus der Vernunft, die versucht das internationale politische Treiben zu verstehen und den zu bewältigenden Tatsachen, wie Konflikte oder Krisen.8 Die Definition des Interesses grenzt die Politik zudem von anderen Bereichen ab und ermöglicht so erst, dass eine Theorie entwickelt und nachvollzogen werden kann. Vor Allem ermöglicht dieses Interesse es uns aber, das politische Handeln von Staatsmännern zu verstehen und sogar vorherzusagen. Unter der Prämisse, dass alle Staatsmänner im Sinne eines als Macht verstandenen Interesses handeln, lassen sich nachvollziehbare Gedankengänge und Entscheidungen von Politikern analysieren.9

Auf diesen Gedanken aufbauend, erklärt Morgenthau auch, dass es immer Interessen sind, die das politische Handeln bestimmen. Ideen stellen maximal Weichen für die Weltbilder in gewissen Zeiten dar, das tatsächliche Handeln eines Menschen ist aber immer an seinen Interessen orientiert.10 Da das Interesse der Staatsmänner immer die Erhaltung oder gar der Zuwachs von Macht ist, dominiert auch genau dies die Außenpolitik. Internationale Politik ist also der Kampf um Macht und das Verwirklichen des eigenen Interesses.

Dabei ist sich der Realismus der moralischen Bedeutung politischen Handelns bewusst. Morgenthau erkennt auch die Spannungen zwischen den moralischen Vorstellungen und den Erfordernissen eines erfolgreichen politischen Handelns. Universelle moralische Prinzipien und Sitten müssen allerdings durch die Umstände von Zeit und Ort gefiltert werden, da sie zu abstrakt sind, um auf einzelne Handlungen von Staaten angewendet werden zu können. Sittliche Grundsätze sind zwar Teil des politischen Erfolges, können aber nie als Maxime des politischen Handelns gesehen werden.11

Zuletzt ist es nach Morgenthau immer Ziel eines politischen Realisten, zu erkennen, wo sich die Interessen der Nation von den moralischen und legalen Gesichtspunkten unterscheiden. Er muss stets fragen, wie sich die Politik auf die Macht und Interessen des Staates auswirken. Es ist zentral, dass der Realist die autonome Stellung der Politik beibehält und sämtliche anderen Maßstäbe der Politik unterordnet.12

2.2 Realismus Kritik

Der politische Realismus verzeichnete nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einen enormen Siegeslauf. Der Ost- Westkonflikt des Kalten Krieges verkörpert den realistischen Gedanken und ist das Paradebeispiel für Außenpolitisches Handeln im Sinne der eigenen Machterhaltung. Doch genau dort gerät die Theorie auch an die Grenzen ihrer Anwendbarkeit. Zwar handelten Ost und West ständig im Sinne der eigenen Machterhaltung, allerdings war es auch das Duell zweier verschiedenen Weltanschauungen. Etliche Schauplätze des Kalten Krieges existierten nur, um den Kommunismus oder eben den Kapitalismus zu verbreiten und die eigene Weltanschauung durchzusetzen.

Einige Probleme in der Anwendbarkeit des politischen Realismus sind erst nach dem Ende des Kalten Krieges deutlich geworden. Der gesamte europäische Gedanke geht kaum mit der Idee des Realismus einher. Das liegt auch daran, dass es in einer globalisierten Welt kaum noch möglich ist, die Außenpolitik von sämtlichen anderen Prozessen zu trennen und als autonomes Gebiet zu betrachten.13 Die Europäische Union zum Beispiel, basiert auf einem wirtschaftlichen Zusammenschluss von Staaten und kann nicht mit Morgenthaus Interessensbegriff im Sinne der Macht nachvollzogen werden. Generell können die allgegenwärtigen Interdependenzen der Politik nicht mit dem Realismus erklärt oder gar nachvollzogen werden.

2.3 Idealismus nach Wilson

Wie bereits erwähnt, stammt der Begriff des Idealismus vor allem aus Werken, die sich dem Realismus widmen. Man wollte damit zum Ausdruck bringen, wie naiv und realitätsfern der idealistische Gedanke ist. Was genau die Idee hinter dem Idealismus aber ausmacht und wie er zu verstehen ist, wird im Folgenden erklärt.

[...]


1 Vgl. Cassidy, Alan (2020): Wiederholt sich die Geschichte? In: Süddeutsche Zeitung, 08.01.2020. Online verfügbar unter https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-irak-bush-2003- 2020-1,4747364, zuletzt geprüft am 18.04.2020.

2 Vgl. Leyendecker, Hans (2010): George W. Bushs größter Fehler. In: Süddeutsche Zeitung, 17.05.2010. Online verfügbar unter https://www.sueddeutsche.de/politik/massenvemichtungswaffen-george-w-bushs-groesster-fehler- 1,381428, zuletzt geprüft am 18.04.2020.

3 Vgl. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (o.J.) 9/11 - die Folgen der Terroranschläge auf die USA. Online verfügbar unter https://www.lpb-bw.de/terrorusa. zuletzt geprüft am 18.04.2020.

4 Vgl. Deutscher Bundestag (2013): Schröders Nein zur militärischen Option im Irak. Online verfügbar unter https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2013/42835651_kw06_kalenderb latt_irakkrieg-210866, zuletzt geprüft am 18.04.2020.

5 Vgl. Morgenthau, Hans J. (1963): Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik. Gütersloh: Bertelsmann Verlag. S. 56.

6 Vgl. Ebenda, S.49-50.

7 Vgl. Ebenda, S. 52.

8 Vgl.Ebenda, S.50-51.

9 Vgl. Ebenda, S. 63.

10 Vgl. Morgenthau, Macht und Frieden S. 54.

11 Vgl. Ebenda, S. 56.

12 Vgl. Ebenda, S. 57.

13 Vgl. Hilf, Melanie (2000): Probleme und Grenzen des Realismus nach Hans Morgenthau. In: e- politik.de, 19.06.2000. Online verfügbar unter https://e-politik.de/alt.e-politik.de/beitrag7647.html?Beitrag_ID=690. zuletzt geprüft am 18.04.2020.

Details

Seiten
21
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346273154
ISBN (Buch)
9783346273161
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Politikwissenschaft
Erscheinungsdatum
2020 (Oktober)
Note
1,7
Schlagworte
Internationale Beziehungen USA BRD Realismus Idealismus Irakkrise

Autor

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Titel: Die Irak-Krise 2003. Wie Realismus und Idealismus die Außenpolitik der USA und der BRD beeinflussten