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Der Erste Weltkrieg als Voraussetzung für die Novemberrevolution

Seminararbeit 1996 23 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte zur Entstehung des Ersten Weltkriegs

3. Die Situation in Deutschland während des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs
3.1. Die Stimmung in der deutschen Zivilbevölkerung zu Beginn des
Krieges
3.2. Die Lage bzw. Stimmung in der deutschen Reichswehr zu Beginn des Krieges

4. Die Situation in Deutschland und an der Front im Verlaufe des Krieges
4.1. Vom Bewegungskrieg zum Stellungskrieg
4.2. Der Einsatz neuer Waffen
4.3. Untergang der deutschen Kriegswirtschaft
4.4. Ernährungspolitik bzw. die Nahrungsmittelversorgung des deutschen Volkes und des Sol­daten an der Front

5. Schlußteil

Bibliographie

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Am 3. November 1918 erschütterte eine Welle der Gewalt Deutschland. In Kiel eröffneten kai­sertreue Soldaten das Feuer auf eine Gruppe von Ma­trosen und Werftarbeitern, die gegen die Verhaftung von Matrosen am 31. Oktober demonstrierten.1 Auch im übrigen Deutschland gab es Demon­strationen. Wichtige militärische Anlagen wurden von den Aufständischen besetzt, das militärische, kaisertreue Führungspersonal (Offiziere und Un­teroffiziere) wurde entmachtet und die ersten Arbeiter- und Soldatenräte gebildet.2 Dies geschah, wie z.B. in Hamburg, teilweise unter Anwen­dung von Gewalt, da sich die monarchischen Kräfte diesen Zwangsmaß­nahmen der Revolutionäre widersetzten3. Immer mehr Menschen, darunter auch viele Soldaten, solidarisierten sich mit den Aufständischen, so daß die Re­volution nicht mehr aufzuhalten war4. Der Auslöser dieser Ereignisse war eine Meuterei, die von den Mannschaften der deutschen Kriegsflotte, En­de Oktober durchgeführt wurde. Diese widersetzten sich dem Befehl der deutschen Seekriegs­leitung, in See zu stechen, um gegen die englische Marine militärisch vorzugehen. Die Ma­trosen erkannten aufgrund der Überlegen­heit der Engländer die Sinnlosigkeit eines solchen Unterneh­mens und ver­hinderten durch passiven Widerstand das Auslaufen der Schiffe.5 Die Folge war eine Welle von Verhaftungen aufständischer Ma­trosen. Diese Maßnahme steigerte die Unzufriedenheit der restlichen See­leute und Werftarbeiter,6 und veranlaßte sie daraufhin, den o. g. Aufstand zu wagen. Daraufhin erfolgten die ersten Verhaftungen. Der 3. November, der von der Geschichtsschreibung als Beginn der deutschen Novemberre­volution festgesetzt wurde, bedeu­tete für Deutschland das Ende der Mon­archie. Die traditionsreiche Epoche der mächtigen deut­schen Herrscher war damit endgültig beendet. Mit Wilhelm II. dankte der letzte deutsche Kaiser ab.

Es stellt sich nun die Frage nach den Ursachen und Gründen für diese zur Revolution tendie­rende Stimmung in Deutschland. Was veranlaßte das deutsche Volk, diese Revolution tatsäch­lich durchzuführen?

Der direkte Auslöser war der Konflikt zwischen der Arbeiterschaft bzw. der Gewerkschaft auf der einen Seite und der Regierung, der reaktionären OHL bzw. der Unternehmerschaft auf der anderen Seite.

Schon im Wilhelminischen Kaiserreich war der Zwiespalt zwischen der Arbeiterschaft und dem besitzenden Bürgertum erkennbar7, doch die Si­tuation verschärfte sich im Ersten Weltkrieg. Es entstanden soziale Kon­flikte aufgrund des Scheiterns der deutschen Kriegswirtschaft8. Die Kluft zwischen den o. g. Gruppierungen vergrößerte sich dadurch zusehends. Diese Faktoren führten dann u. a. zur Revolution.

Es existierten jedoch tiefere Ursachen, die das deutsche Volk dieser Zeit prägten und in ihm je­nen Nährboden schufen, der dafür verantwortlich war, daß der deutsche Bürger die Skrupel verlor, die auftretenden Miß­stände notfalls auch mit Gewalt zu beseitigen. Der Schwerpunkt liegt hier in der Kriegsmüdigkeit des hungernden und am Sieg zweifelnden Volkes, sowie in den offenen Mißständen in der Wirtschaft und in der Nah­rungsmittelversorgung, respektive in der Ernährungsfrage. Ebenfalls wird die Situation der Soldaten an der Front erörtert. Was dieses Thema be­trifft, ist ausreichend Literatur vorhanden. Es existieren auch einige be­merkens­werte Quellen dieser Zeit, die die prekäre Situation dieser Zeit recht ein­drucksvoll schildern. Vorsicht ist aber bei Darstellungen ehe­mals kommunistischer Staaten, unter anderem der DDR, geboten, denn hier findet eine erkennbare, extreme Glorifizierung der Arbeiterschaft und gleich­zei­tig eine "Verteufelung" des westlichen Kapitalismus und Impe­rialismus statt, so daß die Lite­ratur zu diesem Thema nicht unbedingt als objektiv zu bezeichnen ist. Das übrige Material dieser Darstellungen ist durchaus brauchbar. Im Folgenden werden die Ereignisse darge­stellt, die dafür verantwortlich waren, daß das deutsche Volk zur Revolution bereit war und die­ses riskante Unternehmen auch letztendlich durchführte.

2. Vorgeschichte zur Entste­hung des Ersten Welt­kriegs

"Ein Krieg, wie er auch ausgeht, hat eine Umwälzung al­les Bestehenden zur Folge. Ringsherum Verblendung, dicker Nebel über dem Volke. In ganz Europa das gleiche.9" (Zitat) Schon Theobald von Bethmann Holl­weg, deutscher Reichskanzler von 1909-1917, er­kannte die möglichen Ausmaße eines bevorstehenden Großmächtekrieges. Die ökonomischen und sozialen Folgen eines länger andauernden Krieges wä­ren verheerend für alle Nationen, be­fürchtete der Militärhistoriker Jean de Bloch schon am Ende des 19. Jhdts.6

10 Angesichts der na­tionalistischen Tendenzen in den europäischen Staaten, dem zunehmenden Streben der Kolo­nialmäch­te nach territorialer Expansion zur Erweiterung der Wirt­schaftsräume (vgl. Kielmansegg / Kriegsziele) und den daraus resultieren­den politi­schen Spannungen der europäi­schen Großmächte, war in abseh­barer Zeit eine militärische Auseinandersetzung zu erwarten. Die Er­mor­dung des öster­reichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Ge­mah­lin in Sarajewo am 28. 06. 1914 durch südslawische Natio­nalisten 11 war dann nur noch der Funke, der die zum Krieg tendierende, hochexplo­sive politische Stimmung in den europäischen Völ­kern zur Ex­plosion brachte. Mit den Schüssen von Sarajewo begann der 1. Weltkrieg.

3. Die Situation in Deutschland während des Ausbruchs des Ersten Welt­kriegs

3.1. Die Stimmung der deutschen Zivilbevölkerung zu Beginn des Krieges

Das Wachsen des "Nährbodens", der die deutsche Nation zur Revolution veranlaßte, wird be­sonders deutlich, wenn man die Stimmung des deut­schen Volkes einschließlich der Reichswehr in Bezug auf den Krieg zu Be­ginn der Auseinandersetzung und im Verlauf des Weltkrieges be­trachtet. Während der zweiten Balkonrede Wilhelms II. am 1. August 1914 betonte der deut­sche Kaiser nochmals: "Ich kenne keine Parteien und auch keine Konfessionen mehr; wir sind heute alle deutsche Brüder und nur noch deutsche Brüder.12" Damit entsprach er exakt dem Volksgeist der deut­schen Nation, die immer noch stark unter dem Einfluß innerpolitischer Dif­ferenzen, insbesondere dem Gegensatz zwischen Arbeitern und Unter­nehmern13, stand.

Der deutsche Staatsbürger versuchte deshalb dem tristen Alltagsleben zu entfliehen. Er erkannte nun endlich den Sinn seiner Existenz14. Er konnte nun als Teil einer großen Gemeinschaft dazu beitragen, daß das Deutsche Reich die imperialistische Machtstellung in der Welt erhielt, die es ver­diente. Damit bestünde dann auch die Möglichkeit, die Einheit des deut­schen Volkes nun tatsächlich zu realisieren.15

Die deutsche Zivilbevölkerung war weitgehend von dem Eintritt Deutsch­lands in den Ersten Weltkrieg begeistert. In der Presse sprach man von Men­schenmassen, die den Kriegsbeginn begei­stert feierten16. Eine Berli­nerin schilderte eindrucksvoll die Ereignisse dieser Augusttage in ihrer Heimat­stadt. Dort jubelte ebenfalls eine begeisterte Menschenmenge we­gen des bevorste­henden Waffenkonflikts17. Sogar die Arbeiterschaft die noch vor Ausbruch des Krieges gegen einen bewaffneten Konflikt de­monstriert hatte, wurde von dieser Kriegsbegeisterung erfaßt18. Ulrich Cartarius spricht in seiner Darstellung von einer regelrechten Hysterie, die teilweise in der Bevölkerung herrschte. Dies ging sogar so weit, daß ver­meintliche Ausländer verfolgt und sogar mißhandelt wurden. Es entstand ein regel­rechter Fremdenhaß, insbesondere gegen Fran­zosen19.

Doch gibt es auch negative Stimmen zum Ausbruch des 1. Weltkriegs. Der siebzehnjährige Wilhelm Eildermann schrieb am 1. August 1914 in seinem Tagebuch von klagenden Angehöri­gen, die die Kriegsdienst an der Front leistenden jungen Männer am Bahnhof verabschiede­ten20.

Der deutsche Staatsbürger war sich natürlich der möglichen Entbehrungen und Opfer bewußt, die ein solcher Krieg fordern könnte, denn schon Kai­ser Wilhelm II. betonte in seiner ersten Balkonrede am 31. Juli 1914, daß eine mögliche Auseinandersetzung zwischen den europäischen Völkern "Enorme Opfer an Gut und Blut (...)"21 für die Bevölkerung mit sich brächte. Dennoch überwogen die positiven Tendenzen. Diesen Fakt bestä­tigt unter anderem auch eindrucksvoll die Tatsache, daß in deutschen Zei­tungen Werbetexte für Kriegsaccessoires abgedruckt wurden, wie z.B: die Kola-Dultz Werbung. Dieses Produkt half, so der Hersteller, "Überanstrengung und Erschöpfung" zu überwinden und gab "Mut und frohe Laune". Dazu passend wurde die Zeichnung eines erst erschöpft wirkenden, im zweiten Bild die eines zufriedenen, lächelnden deutschen Landsers abgedruckt22. Dem Leser dieser Werbeanzeige wurde das Bild eines tadellosen, perfekten Soldaten vorgetäuscht. Die Brisanz, die mit dem Begriff "Militär" in dieser Zeit wegen seiner zweifelhaften Tätig­keit während eines Krieges verbunden war, wurde völlig verdrängt. Solche un­scheinbar wirkenden Mittel zur Beeinflussung der Psyche eines Men­schen, die heutzutage recht weit verbreitet sind, verfehlten wahrscheinlich schon damals ihre Wirkung nicht. Der Deutsche wurde praktisch in jeder Situation im Alltagsleben mit dem Krieg und dessen positiven Seiten kon­frontiert. So ist es nicht erstaunlich, daß die breite Masse durchaus von diesem Krieg begeistert war.

[...]


1Günter Hertzschansky u.a. (Hrsg.), Illustrierte Geschichte der deutschen Novemberre­volution 1918/1919, Berlin 1978, S.81, 82.

2Ebenda, S.86 ff.

3Ebenda, S.93.

4Ebenda, S.86.

5Ebenda, S.75.

6Ebenda, S.81.

7Jürgen Kocka, Das kaiserliche Deutschland, Düsseldorf 19772, S.265 ff.

8Hans-Jürgen Puhle, Ebenda, S.340 ff. Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. von Ulrich Cartarius, München 1982, S.43-47.

9Zitiert nach Jost Dülffer (Hrsg.), Ploetz. Geschichte der Weltkriege. Mächte, Ereignisse, Entwicklungen 1900-1945, Freiburg 1981 S.14.

10Jost Düllfer (Hrsg.), Ploetz. Geschichte der Weltkriege. Mächte, Ereignisse, Entwick­lungen 1900-1945, Freiburg 1988, S.14.

11Brockhaus Bd. 24, S.27.

12Zitiert nach Ulrich Cartarius (Hrsg.), Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, München 1982, S.15.

13Jürgen Kocka, Das kaiserliche Deutschland, Düsseldorf 19772, S.265 ff.

14Peter Graf Kielmansegg (Hrsg.), Deutschland und der Erste Weltkrieg, Stuttgart 19802, S.147.

15Gerd-Walter Fritsche, Kriegsalltag. Die Rekonstruktion des Kriegsalltags als Aufgabe der historischen Forschung und der Friedenserziehung, Stuttgart 1989, S.155.

16Jost Dülffer (Hrsg.), Ploetz. Geschichte der Weltkriege, Freiburg 1988, S.10, 11.

17Monika Bönisch u.a., August 1914. Ein Volk zieht in den Krieg, Berlin 1989, S.40, 41.

18Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. von Ulrich Cartarius, München 1982, S.11.

19Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Dokumente 1914-1918, hrsg. von Ulrich Cartarius, München 1982, S.11, 15.

20Gerd-Walter Fritsche, Kriegsalltag, Stuttgart 1989, S.114.

21Zitiert nach Ulrich Cartarius (Hrsg.), Deutschland im Ersten Weltkrieg. Texte und Do­kumente 1914-1918, München 1982, S.13.

22Monika Bönisch u.a., August 1914. Ein Volk zieht in den Krieg, Berlin 1989, S.237.

Details

Seiten
23
Jahr
1996
ISBN (eBook)
9783638161244
ISBN (Buch)
9783638641012
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9415
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Institut für Geistes- Sozialwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Erste Weltkrieg Voraussetzung Novemberrevolution

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