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Einflussfaktoren auf die Produktionsstandortstrategie europäischer Industrieunternehmen

Seminararbeit 2008 18 Seiten

BWL - Industriebetriebslehre

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG
1.2 AUFBAU DER ARBEIT

2 BEGRIFFSKLÄRUNG
2.1 DIE EUROPÄISCHE INDUSTRIE
2.2 DEFINITION DER PRODUKTIONSSTANDORTSTRATEGIE

3 ZIELE DES AUFBAUS EINER AUSLANDSPRODUKTION
3.1 DIE ZIELARTEN EINER AUSLANDSPRODUKTION
3.2 MARKET-SEEKING
3.3 RESOURCE-SEEKING
3.4 EFFICIENCY-SEEKING
3.5 STRATEGIC-ASSET-SEEKING

4 DIE STANDORTSTRATEGIE EINSCHRÄNKENDE FAKTOREN

5 DIE BEDEUTUNG DER FAKTOREN FÜR EUROPÄISCHE

INDUSTRIEUNTERNEHMEN

6 FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

INTERNETQUELLENVERZEICHNIS

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Mögliche Standortstrukturen.3 Tabelle 2: Standortstrategien bei zwei oder mehr betroffenen Standorten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Immer wieder ließt man in den Zeitungen, dass europäische Unternehmen neue Produktionskapazitäten außerhalb ihres Heimatlandes aufbauen oder sogar Kapazitäten in andere Länder verlagern, also neben dem Aufbau weiterer Kapazität in einem Land Kapazität in einem anderen Land abbauen.

Jüngere Beispiele hierfür sind die Schließung des Mobiltelefonwerks von Nokia in Bochum (vgl. www.welt.de/welt_print/ 2008) oder die Ankündigung von BMW sein amerikanisches Werk auszubauen (vgl. www.faz.net/s/ 2007). Die Gründe für diese Entscheidungen sind vielfältig, in der Öffentlichkeit werden sie jedoch meist auf die Gier der Unternehmensleitung und der Großaktionäre reduziert. Problematisch sind solche Entscheidungen von Industrieunternehmen für eine Volkswirtschaft auch trotz der stark wachsenden Bedeutung der Dienstleistungen insbesondere aus zwei Gründen. Zum einen stellt die Produktion einen Bereich mit hoher Wertschöpfung dar und zum anderen erzeugen produzierende Unternehmen Nachfrage nach Dienstleistungen, sei es direkt wie die Nachfrage nach Sicherheits- und Gebäudereinigungsdiensten, oder indirekt über die beschäftigten Arbeiter und Angestellten (vgl. Eidenmüller 1995, 16-17).

Vor diesem Hintergrund soll untersucht werden, auf welchen Überlegungen die Produktionsstandortstrategien von europäischen Industrieunternehmen beruhen. Hierbei gibt es zwei Eigenschaften, die die Auswahl und Gewichtung der relevanten Einflussfaktoren auf die Produktionsstandortstrategie in dieser Arbeit bestimmen. Das Untersuchungsobjekt sind europäische Industrieunternehmen. Daher muss zum einen berücksichtigt werden, was Industrieunternehmen sind und wie sie sich von anderen Unternehmen unterscheiden, und zum anderen muss untersucht werden, welchen Einfluss Europa als Heimat dieser Unternehmen hat.

1.2 Aufbau der Arbeit

Zuerst werden in Kapitel 2 die Begriffe „Europäische Industrieunternehmen“ und „Produktionsstandortstrategien“ erklärt. Anschließend erfolgt in Kapitel 3 die Untersuchung der Einflussfaktoren die eine internationale Produktionsstandortstrategie begründen können, bevor in Kapitel 4 Faktoren beschrieben werden die gegen internationale Produktionsstandortstrategie sprechen. In Kapitel 5 wird die Bedeutung der Faktoren für Europäische Industrieunternehmen untersucht und mit Zahlen aus empirischen Untersuchungen untermauert.

2 Begriffsklärung

2.1 Die europäische Industrie

Der Begriff Industrie bezeichnet „Betriebe, in denen auf der Grundlage der maschinellen Großproduktion Konsum- und Produktionsgüter hergestellt und Rohstoffe gewonnen werden“ (www.dwds.de/?kompakt=1&qu=Industrie 2008). Wie aus dieser Definition deutlich wird, gehören zur Industrie Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Eine Liste der Industriezweige ist bei o.V. (2007, 10 und 13) zu finden. An gleicher Stelle wird auch deutlich, dass Deutschland der wichtigste Industriestandort der EU ist. Diese Industriezweige sind aufgrund der sehr unterschiedlichen Eigenschaften ihrer Produkte auch auf unterschiedlichen Beschaffungs- und Absatzmärkten aktiv. Daher besitzen auch die Einflussfaktoren auf die Standortstrategie für die einzelnen Industriezweige unterschiedlich hohe Relevanz. Dies wird am Beispiel der Personalkosten deutlich, wenn man sich vor Augen hält, das bei der Mobilfunkproduktion etwa ein Personalkostenanteil von 3% anfällt, während der Anteil der Personalkosten bei Bordnetzen für Kfz 40% beträgt. Im Schnitt kommt das verarbeitende Gewerbe in der EU auf einen Personalkostenanteil von 19% (vgl. Meza/Ploeg 1987, 23; Johansson 2006, 6).

Gemeinsames Merkmal der Industrie ist die Tatsache dass sie Güter herstellt. Dies unterscheidet sie von der Dienstleistungsindustrie. Im Vergleich zu Dienstleistungen können und müssen Güter physisch transportiert werden, um zum Kunden zu gelangen. Im Gegensatz dazu müssen Dienstleistungen in Zusammenarbeit mit dem Kunden erstellt werden und unterliegen dem uno- actu-Prinzip (vgl. Dettmer 2005, 48-49). Daher unterscheidet sich die Relevanz der Einflussfaktoren auf die Standortstrategie stark zwischen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen.

Bei der Eingrenzung auf europäische Unternehmen gibt es mehrere prinzipiell mögliche Betrachtungsweisen für Europa. Man könnte Europa als Kontinent betrachten (geographische Abgrenzung), oder man betrachtet das politische Europa, und hier speziell die Europäische Union (EU). Aus ökonomischer Sicht wäre auch eine Betrachtung des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR)1 sinnvoll, also eine Berücksichtigung aller Länder mit Zugang zum Gemeinsamen Markt.

2.2 Definition der Produktionsstandortstrategie

Der Begriff der (Produktions-)standortstrategie wird in der Literatur nicht einheitlich verwendet. Nach Kontny (vgl. 1999, 43-50) bezeichnet die Standortstrategie das Konzept über die Verteilung der Produktionskapazitäten unter vorhandenen und möglichen Standorten. Kontny unterscheidet dabei zwischen zwei Ebenen. Auf der 1. Ebene wird die Grundform der Standortstruktur festgelegt.

Die beiden Unterscheidungsmerkmale in der Standortstruktur sind die Mengenteilung und die Artteilung. Bei Artteilung werden an den unterschiedlichen Standorten unterschiedliche Leistungsarten erbracht. Hierbei kann es sich etwa um unterschiedliche Produkte, Fertigungsstufen oder Funktionen handeln. Bei Mengenteilung wird die zu erbringende Menge einer Leistungsart auf mehrere Standorte verteilt. Tabelle 1 zeigt die einzelnen Ausprägungen der Standortstruktur.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Mögliche Standortstrukturen Quelle: Ihde (2001, 86)

Auf der 2. Ebene der Standortstrategie befinden sich die Standortstrukturveränderungsstrategien. Bezogen auf den einzelnen Standort ergeben sich die folgenden Möglichkeiten:

- Die Errichtung (oder Erwerb) eines neuen Standortes
- Die Stilllegung (oder Verkauf) eines bestehenden Standortes
- Die Teilstilllegung eines Standortes
- Die Erweiterung eines Standortes

Durch die Kombination dieser Möglichkeiten ergeben sich die in Tabelle 2 dargestellten Strategien wenn zwei oder mehr (bestehende und/oder neue) Standorte betroffen sind (vgl. Kontny 1999, 48-49).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Standortstrategien bei zwei oder mehr betroffenen Standorten Quelle: Kontny (1999, 49)

In anderen Quellen wird der Begriff der Standortstrategie auf die oben genannte 2. Ebene der Standortstrategie beschränkt, während die Standortstrategie der 1. Ebene als Standortstruktur beschrieben wird (vgl. Ihle 2001, 86; Stremme 2000, 231-232). Die Produktionstandortstrategien dienen somit der Gestaltung der internationalen Produktionsstandortstruktur (vgl. Stremme 2000, 233). Hierbei wird grundsätzlich zwischen Innovations- bzw. Wachstumsstrategien und Rationalisierungs- bzw. Variations- oder Eliminationsstrategien unterschieden. Bei den Innovationsstrategien geht es um die Frage, an welchen (möglichen) Standort neue Kapazitäten geschaffen werden sollen, während bei den Rationalisierungsstrategien die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens als Ganzes gesteigert werden soll, indem Kapazitäten abgebaut oder neu verteilt werden (vgl. Zäpfel 1989, 146-148; Stremme 2000, 233-234).

Bei den Innovationsstrategien unterscheidet man zwischen on-site-expansion (Erweiterung bestehender Standorte), der Verdichtung (neue Standorte im alten geographischen Raum, also etwa im gleichen Land) und der Diffusion (neue Standorte im bisher unbesetzten Raum, z.B. in einem Land, in dem bisher kein Produktionsstandort existiert). Bei den Rationalisierungsstrategien unterscheidet man entsprechend zwischen on-site-contraction und Konzentration (Neuordnung der Produktion mit dem Ziel der Bündelung von gleichartigen Prozessen), wobei bei der Konzentration strittig ist, ob für die Klassifikation eine Schließung von Standorten notwendig ist (vgl. Stremme 2000, 233-234; Zäpfel 1989, 146-147).

Auch einfache Definition finden sich in der Literatur, etwa bei Lebefromm (2003, 93), wo der Begriff Standortstrategie die „langfristige Festlegung der Produktionsstandorte“ bezeichnet.

Wie aus der Unterscheidung zwischen Strategie der 1. und 2. Ebene ersichtlich wird, stehen die beiden Ebenen, die Standortstruktur und die Standortstrategie, in einem internen Zusammenhang.

[...]


1 Zum EWR vgl. www.efta.int/content/ (2007)

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640098743
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94209
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,3
Schlagworte
Einflussfaktoren Produktionsstandortstrategie Industrieunternehmen

Autor

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