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Kriegsende 1945: Der Film "Der Untergang" im Geschichtsunterricht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 36 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Fragestellungen

2 Überblick über den geschichtsdidaktischen Forschungsstand

3 Das Medium Film im Kontext von Geschichtskultur und Geschichtsbewusstsein

4 Das Beispiel Der Untergang
4.1 Der Untergang – ein „historischer Spielfilm“?
4.2 Entstehungshintergrund
4.3 Kritik
4.4 Historischer Exkurs: Die Situation im Dritten Reich im Frühjahr
4.5 Die Filminhalt: Das letzten Tage im Führerbunker in Der Untergang
4.6 Die Filmsprache in Der Untergang
4.7 Die Darstellung der Handlungsfiguren

5 Der Untergang im schulischen Kontext
5.1 Der Untergang im Unterricht: Chancen und Schwierigkeiten
5.2 Der Einsatz im Unterricht

6 Schluss: Der Untergang – Ein sinnvoller Beitrag zum aufgeklärten Geschichtsunterricht?

7 Bibliographie

1 Einleitung: Fragestellungen

„Dieser Film macht schlichtweg keinen Sinn und deswegen sollte man sich diesem Film verweigern[1] “. Wie diese Aussage zeigt, rief Der Untergang[2] zweifellos ein enormes, häufig kontroverses Medienecho hervor. Die Thematik des Kriegsendes 1945 war in der Öffentlichkeit so präsent wie selten zuvor. Solche Filme sind zwangsläufig Konkurrenz zum Geschichtsunterricht – doch dürfen sie auch dessen Voraussetzung, Hilfsmittel oder Gegenstand sein[3] ? Soll oder muss sich der Geschichtsunterricht, nach Borries der einzige Ort, wo Geschichte nicht fixierend und übermächtigend aufgezwungen wird, sondern gelassen und kontrovers reflektiert werden kann, mit Filmen wie Der Untergang auseinandersetzen[4] ?

Zentrale Fragestellung dieser Arbeit ist also: Wie ist der Film Der Untergang in Hinblick auf seine didaktische Wirkungsmacht zu beurteilen, kann er im Geschichtsunterricht verwendet werden? Nach einem kurzen Abriss über den gegenwärtigen Forschungsstand soll Der Untergang zunächst als Phänomen von Geschichtskultur und Geschichtsbewusstsein betrachtet werden. Auch muss hierbei erläutert werden, inwieweit Der Untergang tatsächlich als historischer Spielfilm zu bezeichnen wäre. Danach soll Entstehungshintergrund und Filmkritik in den Mittelpunkt gerückt werden, bevor in einem kurzen historischen Exkurs zwischen dem filmisch dargestellten Kriegsende und dem modernen Forschungsstand verglichen wird. Anschließend muss auch Filmsprache, Wirkung und Deutung näher untersucht werden. Im Rahmen einer Hauptseminararbeit kann dies allerdings nur ausschnittweise und exemplarisch geschehen. Im vierten Abschnitt dieser Seminararbeit sollen mögliche Einsatzmöglichkeiten aufgezeigt werden sowie Chancen, Grenzen Voraussetzungen und Beispiele eines solchen Unterfangens dargelegt werden. Abschließend wird diskutiert, inwiefern Der Untergang tatsächlich einen Beitrag zum aufgeklärten Geschichtsbewusstsein liefern kann. Die Arbeit orientiert sich dabei vor allem an einem möglichen Einsatz an der Schule, und lässt außerschulische Kontexte bewusst unberücksichtigt.

2 Überblick über den geschichtsdidaktischen Forschungsstand

Anfangs muss die Frage gestellt werden, inwiefern eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Medium Film in Hinblick auf dessen Bedeutung für die Historik und ihre Didaktik stattgefunden hat. Für die universitäre Filmforschung, die erst nach 1945 an den deutschen Hochschulen entstand, reichte die zunächst forcierte Beschäftigung mit der historischen Richtigkeit des Dargestellten nicht mehr aus[5]. Erste Ansätze zum Thema Film und Geschichte stammten in den 50ern und 60ern von Fritz Terveen, Wilhelm Treue oder Günter Moltmann. Visualität in Geschichtswissenschaft, Geschichtsdidaktik und Geschichtsunterricht wurde unter der Zielsetzung betrachtet, die Quellenbasis zu erweitern und die Lerntechniken zu optimieren – der Themenkomplex des historischen Denkens blieb dagegen weitestgehend außen vor[6]. Die Durchdringung des Films als Medium geschichtlichen Lernens war gering und die Lücke zwischen historischer Filmforschung und der geschichtlichen Rezeption war (und ist) noch größer als beim Bild[7]. Selbst ein einheitliches System zur Kategorisierung der Filmgattungen existiert noch nicht. So unterschied K. Fidelius Filme nach ihrem Faktualitätsgrad; seine daraus resultierende Einteilung in Filmdokument, historischen Spielfilm und Geschichtsfilm ist aber bisher kaum diskutiert[8]. Es verwundert deshalb nicht, wenn Bodo von Borries 1985 feststellt: „Systematische geschichtsdidaktische Bearbeitungen von Spielfilmen liegen kaum vor.[9] “ Auch heute trifft diese Feststellung teilweise noch zu, muss aber differenzierter betrachtet werden.

Trotz der zunehmenden Akzeptanz des Films als wichtiges Anschauungsmittel, Arbeitskreisen wie Geschichtswissenschaft in den Massenmedien und der Zeitschrift Geschichte fernsehen gibt es immer noch Defizite in der geschichtsdidaktischen Auseinandersetzung – auch in Hinblick auf interdisziplinäre Forschungen[10]. Es war vor allem B. Borries, der forderte, literatur- und medienwissenschaftliche Methoden, sowie soziologisch-psychologische Einsichten mit der Geschichtsdidaktik zu verbinden[11]. Ziel war die Entwicklung eines interdisziplinären, für das Konsumverhalten und die Urteilsfähigkeit fruchtbaren Analyse- und Bewertungsrasters.

Umstritten bleibt weiterhin die Frage nach der Wirkung des Mediums Films. Die noch in den 60ern verbreitete Euphorie einer Effektuierung, Stimulierung, Objektivierung und Optimierung des Unterrichts durch den Einsatz von Filmen und Videos wurde zunehmend kritisch betrachtet[12]. Die Leistung des Lernens durch Film wurde zwar mittlerweile vielfach untersucht, ist aber bisher immer noch nicht empirisch abgesichert worden[13]. Trotzdem sieht etwa Schneider die Befürchtungen von Pädagogen und Psychologen über eventuelle negative Wirkungen von Spielfilmen als obsolet an[14]: Es ist die Rede von signifikanten Leistungszuwächsen im Vergleich zum konventionellen Unterricht, die sich dadurch begründen lassen, dass mit der Verwendung des Films im Geschichtsunterricht an die vertraute Beschäftigung der Schüler und an gängige Muster der Informationsaneignung angeknüpft wird[15].

3 Das Medium Film im Kontext von Geschichtskultur und Geschichtsbewusstsein

Geschichtskultur als gegenwärtige gesellschaftliche Kommunikation über persönliche Erinnerungen und historisches Wissen umfasst auch die mediale Repräsentation historischen Wissens - und damit Film und Fernsehen gleichermaßen. „Das Fernsehen beeinflusst historisches und politisches Interesse, Wissen, Verständnis und Bewußtsein mehr als die Schule, erst recht mehr als der Geschichts- und Politikunterricht.[16] “ Dem kann zweifelsohne nur zugestimmt werden: Das Geschichtsbewusstsein der Massen wird durch Filme – mehr als durch literarische Geschichtsschreibungen – verändert, Millionen von Zuschauern beziehen ihre historischen Vorstellungen vor allem aus Filmen[17].

Filme sind gleichzeitig Produkt und Faktor des Geschichtsbewusstseins. Sie sind Teil der Gesellschaft und Reflektion derselben – Filme dürfen deswegen nicht isoliert von ihrem geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergrund betrachtet werden[18] [19]. So verwundert es nicht, dass sich zahlreiche Untersuchungen über Spielfilme mit der Frage beschäftigten, inwiefern die bewussten Entscheidungen, die jeder ästhetischen Gestaltung zugrunde liegen, historisch aufschlussreich sind; inwiefern sie Analyse oder Gegenanalyse der Gesellschaft sind[20]. Auch das Fehlen von Themen könne darauf hindeuten, dass eine Tabuisierung in der Gesellschaft vorliege[21]. Siegfried Kracauer erkannte zuerst die Bedeutung des Spielfilms als Quelle für den bewussten oder unbewussten Transport von Ideen, Einstellungen oder Ideologien[22]. Spielfilme sind so immer auch Ausdruck ihrer Entstehungszeit – je trivialer ein Film ist, desto unmittelbarer spiegelt er die sozio-psychologischen Grundstrukturen einer Zeit wider[23]. Sie offenbaren relativ unverdrängt das Unterbewusstsein ihrer Macher und Zuschauer und transportieren gleichzeitig Mythen für die Bedürfnisbefriedigung des Publikums[24].

Für die Geschichtsdidaktik spielen die Frage nach dem Geschichtsbewusstsein eine entscheidende Rolle. Lernziele des Geschichtsunterrichts umfassen nicht lediglich eine kindgemäße Vermittlung von Geschichte, sondern auch die Erschließung des Lernenswerten für künftige aufgeklärte und kritische Staatsbürger. Es geht also darum, Denken, Verstehen und Beurteilen im Fach Geschichte zu ermöglichen und Geschichtsbewusstsein unter Berücksichtigung von Vergangenheitsbewältigung, Gegenwartswahrnehmung und Zukunftserwartung zu begreifen.

Nach Jeismann ergeben sich aus dem Geschichtsbewusstsein drei grundsätzliche Funktionen: Identifikations- und Legitimationsinteresse und eine dem Orientierungsbedürfnis dienende Deutung von Geschichte[25]. Der Weg zu einer Erschließung des Geschichtsbewusstseins führt somit über Analyse, Sachurteil und Werturteil[26]. Diesen Weg muss auch die folgende Auseinandersetzung mit dem Film Der Untergang nehmen.

4 Das Beispiel Der Untergang

4.1 Der Untergang – ein „historischer Spielfilm“?

Ein einheitliches Klassifikationsschema für Filme mit historischen Inhalten fehlt bislang und so wurde auch Der Untergang auf unterschiedliche Weise klassifiziert.

Nach Borries lässt sich Der Untergang als geschichtliches Dokumentarspiel kategorisieren, da er korrekte Quellentreue und Rekonstruktion beansprucht – basierend auf den Tagebüchern der Traudel Junge[27]. Gerade aber dieser Ausdrucksform wurde vorgeworfen, Dichtung als Wahrheit auszugeben und eine Interpretation als verbindlich zu suggerieren[28]. Der Untergang beansprucht historische Faktizität, doch ist darauf hinzuweisen, dass kaum alle Dialoge und Handlungen die im Film gezeigt werden, tatsächlich so stattgefunden haben.

Schneider klassifiziert Den Untergang dagegen als „historischen Spielfilm“; ein Oberbegriff für alle Arten von fiktionalen Filmen, deren Handlung augenfällig in der Vergangenheit angesiedelt ist[29]. Im „historischen Spielfilm“ gibt es auch erfundene Handlungselemente und ausgestaltete Dialogstellen. Es werden hier Fakten und Fiktion so miteinander verbunden, dass eine dramaturgische Wirklichkeit entsteht – die nichtsdestotrotz kommunikationspolitisch und geschichtsdidaktisch ernst zu nehmen ist. In diesen Filmen kann so häufig nachvollzogen werden, wie sich eine Gesellschaft ihrer Geschichte versichert beziehungsweise diese interpretiert[30]. Gleichzeitig muss auch hier gefragt werden: Beanspruchen die Filme Repräsentativität und werden sie als authentisch vom Publikum wahrgenommen? In Hinblick auf das gewählte Beispiel ließe sich diese Frage sicherlich bejahen.

Was kann ein solcher historischer Film überhaupt leisten? Schon 1938 fordert Ernst Iros in seinem Werk Wesen und Dramaturgie des Filmes, dass Film „(…) den tieferen Sinn des historischen Geschehens, das Wesen der darin verwobenen Gestalten, das Antlitz der Zeit und des Volkes (…) wahr und echt [widerzuspiegeln][31] “ habe. Auch Bracher betont die Bedeutung des Bemühens um Vielschichtigkeit und innere Wahrheit[32]. Ferro vertritt dagegen folgende These: Wenn Filmemacher die Fakten und Grundtendenzen auswählen, die ihre jeweilige Interpretation stützen, dann unterscheiden sie sich darin nur wenig von anderen Diskursformen über Geschichte, wie etwa dem historischen Roman, dem Theater oder sogar den akademischen Arbeiten[33]. Der Versuch, die Realität nachzustellen wird immer ein Versuch bleiben. Erhebt ein Film wie Der Untergang allerdings diesen Anspruch, so ist dies durchaus als problematisch in Hinblick auf die Wirkung auf den Zuschauer anzusehen.

Es ist durchaus einleuchtend, Den Untergang als „historischen Spielfilm“ zu klassifizieren, da seine Handlung augenfällig in der Vergangenheit angesiedelt ist, nichtsdestotrotz aber auch Elemente eines Spielfilms enthält[34]. Zwar tritt Der Untergang als Aufbereitung realer Geschichte auf und kann somit nicht auf historisch zuverlässige Faktizität verzichten. Gleichzeitig werden aber auch nicht überlieferte Dialoge hinzugefügt. Der Film bleibt somit zu einem hohen Grad ein fiktionales Werk.

Egal ob nun historischer Spielfilm oder geschichtliches Dokumentarspiel – zentral ist die Frage nach Faktizität und Fiktionalität. Die Trennung zwischen Faktizität und Fiktionalität muss aber als fließendes Kontinuum begriffen werden: Es gibt sowohl Fiktionen in Dokumentationen als auch Fakten in Spielfilmen[35]. Somit kann in Übereinstimmung mit H.-D. Kübler festgehalten werden:

„Richtig oder falsch im Sinne von nachprüfbarer Faktizität oder positiver Genauigkeit kann für fiktionale Werke kein angemessenes Kriterium sein. Eher sind sie mit dem Maß an Wahrhaftigkeit zu beurteilen, die sich min der Triftigkeit ihrer Sujets, in der Stimmigkeit ihrer Darstellungselemente, im exemplarischen Charakter ihrer Botschaften und nicht zuletzt in ihrer – früher sagte man: ideologischen – Tendenz, also in ihrer Grundhaltung zu geschichtlichen Ereignissen ausdrückt.[36]

Diese Problematik soll im Folgenden noch näher untersucht werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass historische Filme – interdependent zu ihrem Geschichts- und Traditionsverständnis – meist bestimmte Aussagen über die Gegenwart bezwecken bzw. tagespolitische Tendenzen bis hin zu Propaganda verfolgen.[37] Auch wenn das Bemühen um Objektivität (wie im untersuchten Beispiel) scheinbar im Vordergrund steht, so sind auch Filmemacher nicht frei von subjektiven und objektiven Einschränkungen. Es muss also gefragt werden: Welche Geschichte wird hier als erinnerungswürdig präsentiert?

4.2 Entstehungshintergrund

Der Untergang kostete über 13 Millionen Euro und ist damit einer der teuersten deutschen Filme überhaupt. Produzent und Drehbuchautor des Films war der Deutsche Bernd Eichinger; Regie führte Oliver Hirschbiegel. Im September 2004 feierte der Film in Deutschland Premiere und wurde mit ca. 4,5 Millionen Kinobesuchern und einem Einspielergebnis von mehr als 90 Millionen $ zu einem großen finanziellen Erfolg. Die Hauptrolle als Hitler übernahm Bruno Ganz, der als Faust und Mephisto-Darsteller großes Renommee genießt. In Mimik, Gestik und Artikulation versuchte er, Hitler möglichst genau zu imitieren, wobei er sich in seiner Sprechweise vor allem an den bekannten Auftritten des Führers bei Großveranstaltungen orientierte. Auch die anderen Rollen sind mit Alexandra Maria Lara als Traudl Junge, Corinna Harfouch als Magda Goebbels, Ulrich Matthes in der Rolle des Joseph Goebbels oder Heino Ferch als Albert Speer prominent besetzt[38]. 2005 war Der Untergang für einen Oscar in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ nominiert, gewann den Preis jedoch nicht. In Deutschland wurde Der Untergang in mehreren Kategorien beim Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet[39].

Der Untergang basiert auf den Tagebuchaufzeichnungen von Hitlers Sekretärin Traudl Junge, die schon in den Nürnberger Prozessen als Zeugin befragt wurde und auch an der Produktion von Der letzte Akt aus dem Jahre 1955 mitwirkte[40]. Ihre Aussagen fanden auch Berücksichtigung in dem für den Untergang maßgeblichen Essay des Historikers Joachim Fest[41]. Daneben stützt sich das Drehbuch auf die Erinnerungen von Albert Speer und Hitlers Leibarzt Ernst Schenck.

4.3 Kritik

Trotz dieser Auszeichnungen war sich die Kritik in der Beurteilung des Filmes nicht einig. Ausschnittweise soll hier die kontroverse Beurteilung widergegeben werden, wobei auf einzelne Punkte im weiteren Verlauf der Arbeit näher eingegangen wird. Vielfach wurde die Authentizität des Filmes gelobt, der sich durch historisch verbürgte Zitate möglichst eng am wirklichen Geschehen orientieren will. Daneben wurde auch die atmosphärische Inszenierung und die schauspielerische Leistung der Hauptdarsteller – allen voran die von Bruno Ganz - immer wieder positiv hervorgehoben.

Auch Ian Kershaw, Autor der vielbeachteten, zweiteiligen Hitler-Biographie, äußert sich sehr positiv:

„Aber einen solchen Film zu drehen ist Teil des kontinuierlichen, unausweichlichen Prozesses, die Zeit Hitlers als Geschichte zu sehen und wahrzunehmen. Das heißt nicht, dass man die NS-Vergangenheit leidenschaftslos betrachten soll, ohne Emotionen, ohne Betroffenheit. Auch muss die Beurteilung des Dritten Reichs nicht drastisch revidiert, müssen seine furchtbaren Verbrechen nicht relativiert werden

(...)

Die makabre, unheimliche Atmosphäre im Bunker wird wunderbar eingefangen. Anschaulich wird die verrückte Welt der Bunkerinsassen gezeigt – alkoholselige Unbekümmertheit, Gespräche über die beste Selbstmordmethode, Hoffnungen, dem unterirdischen Grab zu entkommen, das hilflose Eingesperrtsein, solange Hitler noch am Leben war. Die Verhältnisse außerhalb des Bunkers werden jedoch nicht ausgeblendet. Jeder bekommt zu sehen, was Hitlers Herrschaft bedeutete. Die schrecklichen Bilder von Tod und Zerstörung im Freien, das furchtbare Leid im Krankenhaus unter der zerstörten Reichskanzlei, die letzten Phasen des Kriegs, der in den Straßen Berlins tobt, während im Bunker das absurde Theaterstück aufgeführt wird – das alles ist sehr eindrucksvoll.[42]

[...]


[1] Thomas Nöske: Deutsche am Rande des Nervenzusammenbruchs. Der „Untergang“-Film als zweckfreies Kunstwerk betrachtet; in: Willi Bischof (Hg.): Film:riss. Studien über den Film „Der Untergang“. Münster 2005, 9-28, 9.

[2] Oliver Hirschbiegel (Regie) und Bernd Eichinger (Produktion und Drehbuch): Der Untergang. Mit Bruno Ganz, Alexandra-Maria Lara, Corinna Harfouch u.a. DVD, Deutschland 2004.

[3] Bodo von Borries: Geschichte im Fernsehen - und Geschichtsfernsehen in der Schule; in: Geschichtsdidaktik 3 (1983), 221-238, 221.

[4] Bodo von Borries: Geschichte im Spiel- und Dokumentarfilm. Fach- und mediendidaktische Überlegungen (1985); in: Bodo von Borries und Klaus Bergmann (Hg.): Lebendiges Geschichtslernen. Bausteine zu Theorie und Pragmatik, Empirie und Normfrage. Bodo von Borries zum 60. Geburtstag. Schwalbach 2004, 192-225, 223.

[5] Peter Meyers: Film im Geschichtsunterricht; in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 52 (2001), 246 – 259, 246f.

[6] Hans-Jürgen Pandel: Bild und Film. Ansätze zu einer Didaktik der "Bildgeschichte"; in: Bernd Schönemann, Uwe Uffelmann und Hartmut Voit (Hg.): Geschichtsbewusstsein und Methoden historischen Lernens. Weinheim 1998, 157-168, 157.

[7] Ebd., 158.

[8] Ebd., 159.

[9] Borries: Geschichte im Spiel- und Dokumentarfilm, 193f.

[10] Paschen, Joachim: Film und Geschichte; in: Geschichte lernen 42 (1994), 13-19, 13; Borries: Geschichte im Spiel- und Dokumentarfilm, 193.

[11] Borries: Geschichte im Spiel- und Dokumentarfilm, 223f.

[12] Borries: Geschichtsfernsehen, 235.

[13] Gerhard Schneider: Filme; in: Hans-Jürgen Pandel und Gerhard Schneider (Hg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht. Schwalbach 2005, 365-386, 367.

[14] Ebd., 366.

[15] Ebd.

[16] Hans Dieter Kübler und Helga Kübler: Geschichte als Film - Film als Geschichte; in: Geschichtsdidaktik 6 (1994), 6-12, 6.

[17] Meyers: Film im Geschichtsunterricht, 247.

[18] Frans Nieuwenhof: On the Method of Filmanalysis; in: K.R.M. Short und Karsten Fledelius (Hg.): History & Film. Methodology, Research, Education. Kopenhagen 1980, 33-38,33-35.

[19] Entsprechende Analysemodelle mit expliziter Bezugnahme auf die Wechselwirkung zwischen Film und Gesellschaft wurden etwa von F. Nieuwenhof entwickelt. Ebd., 36f.

[20] Rainer Rother: Geschichte im Film; in: Klaus Bergmann (Hg.): Handbuch Geschichtsdidaktik. Seelze-Velber 19975, 681-687, 685.

[21] Ebd.

[22] Meyers: Realitätsprojektionen, 38.

[23] Ebd., 51.

[24] Paschen: Film und Geschichte, 16f.

[25] Karl-Ernst Jeismann: „Geschichtsbewußtsein“ als zentrale Kategorie des Geschichtsunterrichts; in: Gerold Niemetz (Hg.): Aktuelle Probleme der Geschichtsdidaktik. Stuttgart 1990, 44-78, 49.

[26] Meyers: Realitätsprojektionen, 69.

[27] Borries: Geschichte im Fernsehen, 231.

[28] Ebd.

[29] Meyers: Film im Geschichtsunterricht, 251.

[30] Schneider: Filme, 368.

[31] Iros, Ernst: Wesen und Dramaturgie des Films. Zürich 1938, 353.

[32] Meyers: Film im Geschichtsunterricht, 252.

[33] Ebd.

[34] Meyers: Realitätsprojektionen, 48f.

[35] Borries: Geschichte im Fernsehen, 229.

[36] Kübler: Geschichte als Film, 10.

[37] Borries: Geschichte im Fernsehen, 233.

[38] Besonders peinlich für die Produktion war zudem die Tatsache, dass der wegen Volksverhetzung verurteilte Rechtsradikale Karl Richter von der verantwortlichen Castingagentur als Komparse für die Rolle des Adjutanten von Generalfeldmarschall Keitel engagiert wurde.

[39] Neben dem Publikumspreis wurde der Film in den Kategorien „Bester Produzent“ (Bernd Eichinger) und „Bester Darsteller“ (Bruno Ganz) ausgezeichnet.

[40] Gertraud Junge und Melissa Müller: Bis zur letzten Stunde. Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben. München 2004.

[41] Joachim Fest: Der Untergang. Hitler und das Ende des Dritten Reiches. Eine historische Skizze. Reinbek 2006.

[42] Ian Kershaw: Der Führer küßt, der Führer ißt Schokolade; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (17.09.2004), 37.

Details

Seiten
36
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640106394
ISBN (Buch)
9783640336227
Dateigröße
692 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94456
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,0
Schlagworte
Kriegsende Film Untergang Geschichtsunterricht Geschichte Jahrhunderts

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Titel: Kriegsende 1945: Der Film "Der Untergang" im Geschichtsunterricht