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Die Folgen der Digitalisierung aus steuerlicher Sicht

Essay 2020 10 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Auswirkungen der Digitalisierung auf Unternehmen
2.1 Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft
2.2 Änderungen aus steuerlicher Perspektive
2.3 Digitalsteuer für Unternehmen

3 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran. Im Zuge dessen hat sich das Internet als Massenmedium etabliert. In den Unternehmen werden digitale Technologien zur Automatisierung eingesetzt. Die Märkte, die Unternehmen und auch die Arbeit unterliegen allesamt einem gravierenden Wandel. Beim Internet handelt es sich heute um eine omnipräsente Erscheinung, ohne die ein Leben kaum vorstellbar ist. Dies trifft vor allem auf die Wirtschaft zu. Denn für viele Unternehmen ist das Internet die Grundlage und viele weitere Unternehmen können auf das Internet wohl nur schwer verzichten. Zu den erfolgreichsten Unternehmen der Welt gehören Amazon, Ebay, Facebook und Google. Alle haben eines gemeinsam – ohne das Internet wäre eine Existenz der Unternehmen und derartiger Geschäftsmodelle nur schwer vorstellbar. In diesem Zuge durchlaufen Geschäftsstrukturen einen Wandel. Insbesondere steuerrechtlicher Perspektive stellen sich Fragen, die es zu beantworten gilt und deren Antworten nicht selten einer grenzübergreifenden Lösung verlangen. Um die Herausforderungen herauszuarbeiten, bedarf es allerdings zunächst einer klaren Differenzierung, was Digitalisierung um-fasst, welche Reifegrade diesbezüglich existieren und in welcher Form dies Auswirkungen auf die steuerliche Betrachtung und die Herangehensweise von Unternehmen hat. An ebendiesem Punkt setzt das vorliegende Essay an.

1 Auswirkungen der Digitalisierung auf Unternehmen

1.1 Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft

Die Digitalisierung hat zweifelsohne die Wirtschaft, ihre Akteure und nahezu alle bestehenden Hierarchien disputiert. Es sind gänzlich neue Geschäftsmodelle entstanden, immaterielle Wirtschaftsgüter haben bedeutend an Relevanz gewonnen, Wettbewerbsmärkte verändern sich und die Grenze zwischen Dienstleistungen und dem Güterhandel drohen zu verschwimmen.1 So besitzen zum Beispiel Air-BnB als weltweit größter Anbieter von Unterkünften keine eigenen Hotels oder Ressorts, Uber besitzt keine eigenen Taxen oder Einzelhandelsunternehmen wie Amazon und Alibaba keine oder nur sehr wenige Ladengeschäfte. Betrachtet man die Börsenwerte der Unternehmen weltweit, wird schnell deutlich, welche Auswirkungen die Digitalisierung unserer Welt auf die Kräfteverhältnisse der Privatwirtschaft hat. Eine im Handelsblatt veröffentliche Studie listet die 100 wertvollsten Konzerne weltweit nach Börsenwert auf. Nicht finden werden Sie dort die traditionellen Automobilhersteller, wie zum Beispiel Audi, BMW oder Daimler sowie ehemalige Industriegrößen wie BASF, General Electrics oder eine Bayer. Stattdessen ist die Top-10 gespickt von Unternehmen, die entweder fast ausschließlich digitale Produkte anbieten wie Facebook, oder wie zum Beispiel Unternehmen wie Apple, die massiv von der Digitalisierung profitieren und diese vorantreiben.2

Die wirtschaftlichen Folgen spiegeln dem Grunde nach das, was sich auf gesellschaftlicher Ebene entwickelt hat. So hat die Digitalisierung zu einer Verschiebung von Diskurs und Diskussion zumindest auch auf die sozialen Medien geführt und das Leben vieler Menschen findet zu einem nicht unerheblichen Teil digital statt. Zumindest mit Blick auf Verbreitung und Dynamik von inhaltlichen Diskussionen ist dies als massive Disruption zu bewerten. Der Medienkonsum hat sich verändert und digitale Medien wie Podcasts oder on-demand Angebote haben Tageszeitungen oder analoges Fernsehen vielerorts ersetzt.3

1.2 Änderungen aus steuerlicher Perspektive

So wie sich die Auswirkungen auf die Gesellschaft und Wirtschaft nicht voneinander losgelöst verstehen lassen, so hängen auch wirtschaftliche Entwicklungen und die steuerliche Perspektive untrennbar zusammen. Die steuerliche Betrachtung bekommt dabei im Zuge der ebenfalls untrennbar mit der Digitalisierung verbundenen Globalisierung eine zunehmend internationale Komponente. Geografische oder politische Grenzen, sowie die an diese Grenzen gebundenen Gesetze verlieren an Relevanz, wenn Produkte und Dienstleistungen digital und grenzüberschreitend angeboten, genutzt und bezahlt werden können. Vor diesem Hintergrund haben sich nicht zuletzt auf steuerpolitischer Ebene ganz neue Fragen aufgetan und es droht nach wie vor mit Blick auf die Besteuerung der weltweit dominierenden Digitalkonzerne ein Race-to-the-bottom.4 Mittlerweile haben sich die Staaten und Staatenverbünde mit dieser Thematik intensiver auseinandergesetzt und erste Schritte eingeleitet, um diesen Entwicklungen entgegenzutreten. Schärfere Gesetze, wie zum Beispiel die Europäischen Regulierungen zur Vermeidung von BEPS (Base Erosion and Profit Shifting), haben jedoch auch zur Folge, dass altbewehrte Steuerpraxis in gänzlich unproblematischen Konstellationen neu gedacht werden muss.5

Für Unternehmen stellen sich nun verschiedene Fragen mit Blick auf die Versteuerung digitaler Produkte, der steuerrechtlichen Bewertung von neuen digitalen Geschäftsmodellen sowie deren Klassifizierung. Die mitunter spannendste Herausforderung aus steuerlicher Perspektive ist dabei die Behandlung von Gewinnen aus modernen Geschäftsmodellen, die sich nicht direkt auf ein Leistungsangebot zurückführen lassen und deren Entstehung unter anderem auf den Wert einer Marke, Nutzerdaten oder einer Plattformarchitektur zurückzuführen sind.6

Unternehmen müssen sich grundsätzliche Gedanken darüber machen, was für ein Unternehmen sie sind oder sein wollen, wie Produkte und Dienstleistungen einzuordnen sind und welche Bedeutung diese für das Unternehmen und dessen steuerlichen Pflichten und gesellschaftsrechtliche Konstrukte haben kann und wird.

Dieser kurze Essay wird sich daher mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Besteuerung von Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen und insbesondere mit der möglichen Einführung einer Digitalsteuer auseinandersetzen.

1.3 Digitalsteuer für Unternehmen

Wer sich mit dem Thema Steuern und Digitalisierung auseinandersetzt, der kommt nicht um das Thema Digitalsteuer herum. Während sich wie zuvor beschrieben das Steuerrecht und die Steuerpraxis nach wie vor schwer mit vielen Elementen der Digitalisierung bzw. der Besteuerung von Gewinnen aus digitalen Geschäftsmodellen tun, soll die Digitalsteuer dieser "Schwäche" begegnen. Das Spannungsverhältnis zwischen Steuerrecht und der Digitalisierung beruht dem Grunde nach auf der fehlenden Anwendbarkeit der klassischen Grundsätze der Besteuerung und Gewinnabführung mit Blick auf digitalisierte und grenzübergreifend agierende Geschäftsmodelle. Insbesondere der Begriff der Betriebstätte, nach wie vor zentrales Element der Besteuerungspraxis, ist offensichtlich für digital agierende Unternehmen in der Anwendung nicht mehr praktikabel.7 Schon heute gibt es daher weltweit 24 verschiedene Digitalsteuern, eine grenzübergreifende Lösung gibt es jedoch genauso wenig, wie eine Steuer, die das Groß der weltweiten Tech-Konzerne betrifft. Eine Einführung von weiteren Regelungen zur Besteuerung von digitalen Geschäftsmodellen und Tech-Konzernen wird daher ganz herrschend ausgegangen.8

1. Von welcher Institution ist eine globale Digitalsteuer zu erwarten?

Es gibt verschiedene theoretische Ansätze und auch Gesetzesvorschläge für eine Digitalsteuer. Diese stammen zum einen von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und zum anderen von Teilen der Europäischen Kommission selbst. Des Weiteren gibt es einen über die Grenzen Europas hinausgehenden Vorschlag der OECD. Letzterer gehören allerdings auch die USA an, weshalb von einer Umsetzung auf der Ebene der OECD zum heutigen Stand, mangels Motivation der Besteuerung der eigenen sehr erfolgreichen Tech-Konzerne durch die USA, nicht ausgegangen wird.9

Die Europäische Union galt lange als Pionier einer Digitalsteuer, betrifft schließlich gerade sie die Problematik, dass Tech-Konzerne große Gewinne mit europäischen Bürgern und auf europäischen Boden erzielen, jedoch kaum Steuern zahlen. Im Durchschnitt unterliegen digitale Geschäftsmodelle in der Europäischen Union aktuell einem Steuersatz von ca. 8,5 Prozent. Herkömmliche Unternehmen unterliegen hingegen Effektivsteuersätzen von bis zu 23 Prozent.10 Allerdings lässt sich immer mehr erkennen, wie unterschiedlich auch die Betrachtungsweisen und Ansätze innerhalb der Europäischen Union sind. So scheiterte im Jahr 2019 ein bereits vom Europaparlament angenommener Vorschlag für eine Europäische Digitalsteuer am Widerstand einiger Finanzminister der Mitgliedstaaten. Zu diesen Widerständlern gehörte unter anderem auch der Finanzminister von Irland, einem Land, das immer wieder durch seine Möglichkeiten der Steuergestaltung für Tech-Konzerne in Europa in den Medien ist.11 Spätestens seit diesem Scheitern, wird auch die Entwicklung einer Digitalsteuer in Europa nicht wahrscheinlicher.

Am Wahrscheinlichsten erscheint es momentan, dass zunächst einzelne Länder oder Länderverbunde eine Digitalsteuer einführen werden und sich daraus ein nach und nach wachsender Cluster an Ländern entwickeln könnte. So ist zum Beispiel Österreich im Zusammenspiel mit Frankreich zu einem Vorreiter der Digitalsteuer geworden.12

2. Welche Umsätze könnten von einer Digitalsteuer umfasst sein?

Auch wenn es wie zuvor erläutert unklar ist, von welcher Seite und mit welcher Unterstützung eine Digitalsteuer kommen wird, ist die Ausgestaltung bzw. die Zielrichtung einer Digitalsteuer vergleichsweise unstrittig. Sowohl die Vorschläge der Europäischen Kommission, als auch der Vorschlag der OECD haben im Grund drei Dienstleistungen als für die Digitalsteuer zentral definiert und halten eine pauschale Besteuerung von rund 3 Prozent dieser Umsätze für angemessen.13

So soll das Platzieren von Werbung auf digitalen Schnittstellen und das Übermitteln von Nutzerdaten, die durch Aktivitäten von Nutzern selbst entstanden sind zukünftig im Rahmen einer Digitalsteuer besteuert werden. Darüber hinaus sollen Unternehmen, die digitale Schnittstellen für den Austausch von Waren und Dienstleistungen sowie Interaktion zwischen Nutzern bereitstellen, ebenfalls im Rahmen der Digitalsteuer besteuert werden.14

3. Was bedeutet das für die steuerliche Betrachtungsweise von Unternehmen?

Unternehmen mit digital erzielten Umsätzen müssen sich mit Blick auf die steuerlichen Entwicklungen und den fortgeschrittenen Zeitpunkt und das Stadium der Diskussion um eine transnationale Digitalsteuer fragen, inwieweit diese Entwicklungen die eigenen Umsätze betreffen können und wie damit umzugehen ist.

Insbesondere das kommerzielle Betreiben von Plattformen wird steuerrechtlich neu zu bewerten und eine klare Definition und Abgrenzung der Herkunft von Umsätzen wird darzustellen sein. Auch wird die Erzeugung von Daten, wenn sie zum Beispiel durch Sensoren an anderen Orten als der eigenen Betriebsstätte erfolgt, neu zu bewerten sein. Unternehmen werden aber auch damit beschäftigt sein, Wertschöpfungseffekte, entstandene immaterielle Wirtschaftsgüter und hierfür aufgebrachte Kosten einzelnen Gesellschaften zuzuordnen.15

[...]


1 Vgl. Fuest, C., Digitalisierung und Steuerpolitik, 2018, S. 21.

2 Vgl. Sommer, U., Deutsche Unternehmen verlieren den Anschluss, 2019, o. S.

3 Vgl. Wallner, R. M., Digitale Medien zwischen Transparenz und Manipulation, S. 39-41.

4 Vgl. Wohlrabe, K. und Rathje, A.-C., Der internationale Steuerwettbewerb aus Unternehmenssicht,2018, S. 42.

5 Vgl. OECD, Steuerliche Herausforderungen der Digitalisierung, 2018, S. 3, 87-89.

6 Vgl. Kowallik, A., Update: Besteuerung digitaler Geschäftsmodelle, 2020, o. S.

7 Vgl. Bräuninger, D., Digitalsteuer: Skepsis angebracht, 2019, S. 2-5.

8 Vgl. Greive, M., OECD legt neues Konzept für globale Digitalsteuer vor, 2019, o. S.

9 Vgl. Greive, M. und Hanke, T., OECD-Reform, 2020, o. S.

10 Vgl. EC, Ein faires und effizientes Steuersystem in der Europäischen Union für den digitalen Binnenmarkt, 2017, S. 6-7.

11 Vgl. Ueberbach, S., Vorerst keine Digitalsteuer in Europa, 2019, o. S.; Kleine Zeitung, FPÖ-Pläne Kurz: "Freiheitsentzug ist nicht rechtens", 2018, o. S.

12 Vgl. Kleine Zeitung, FPÖ-Pläne Kurz: "Freiheitsentzug ist nicht rechtens", 2018, o. S.

13 Vgl. Fuest, C. et al., Die Besteuerung der Digitalwirtschaft, 2018, S. 10.

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. Brüninghaus, D., Kaufman, R. und Hengst, A., Sind Sie für die Digitalsteuer gerüstet?, 2019, S. 18.

Details

Seiten
10
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346303530
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v944721
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
folgen digitalisierung sicht
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