Lade Inhalt...

Veränderte Kindheit - veränderte Kinder? Diskussion über den Einfluss moderner Lebensbedingungen auf die Entwicklung von Heranwachsenden

Examensarbeit 2007 121 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Forschungsfrage
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Kindheit im Wandel
2.1 Geschichte der Kindheit
2.2 Kindheit heute
2.2.1 Veränderungen der familialen Lebenswelt
2.2.2 Veränderungen der räumlich- soziale Lebenswelt
2.2.3 Veränderungen der medial- kommerzielle Lebenswelt
2.2.3.1 Fernsehen
2.2.3.2 Computer
2.2.3.3 Sonstige
2.3 Bedeutung der Bewegung für die kindliche Entwicklung
2.4 Bedeutung des Spiels für die kindliche Entwicklung
2.5 Folgen des Wandels – Sichtweisen der Kindheitsforschung
2.5.1 Die pessimistische Sichtweise – das Kind als Objekt
2.5.2 Die optimistischere Sichtweise – das Kind als Subjekt

3 Empirischer Teil
3.1 Forschungsansatz
3.2 Auswahl der Methode
3.3 Datenerhebung
3.4 Datenauswertung

4 Darstellung der Ergebnisse
4.1 Veränderte Leistungsfähigkeit
4.1.1 Spitzenkönner
4.1.2 Bewegungsmangel
4.2 Verbesserte Leistungsfähigkeit
4.2.1 Geschlechtsspezifische Unterschiede
4.2.2 Vereinssport
4.3 Ursachen
4.3.1 Familiale Einflüsse
4.3.2 Räumlich- soziale Einflüsse
4.3.3 Mediale Einflüsse
4.4 Angepasster Sportunterricht
4.4.1 Motivation
4.5 Maßnahmen und Konzeptionen
4.5.1 Institutioneller Ebene
4.5.2 Elternhaus

5 Diskussion

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen dieser Arbeit werde ich aus zeitlichen Gründen ausschließlich auf die motorische Entwicklung der Heranwachsenden eingehen. Anhand eines anfänglichen Theorieteils und nachfolgender Interviews soll der Einfluss der veränderten Lebensbedingungen auf die motorische Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen präzisierter dargestellt werden.

1.1 Problemstellung

Mittwochvormittag, 10:30 Uhr, irgendwo in Deutschland – die Schulklingel ertönt und läutet das Ende der großen Pause ein. Vielen Schülern wird jetzt ganz mulmig zumute, denn Sport steht mal wieder auf dem Stundenplan. Einigen dämmert schon, was sie nun erwarten wird: Den Ausdauerlauf werden sie nach wenigen Metern erschöpft und nach Luft winselnd abbrechen, beim Turnen werden sie sich mit Mühe und Not über die Geräte quälen, und im abschließenden Ballspiel will sie mal wieder keiner in die Mannschaft wählen.

Was früher noch als Ausnahme galt – scheint heute bittere Realität zu sein – traut man der aktuellen Berichterstattung zahlreicher Medien. Das Fernsehen berichtet vom „Verschwinden der Sinne“ (N3, Reinhard Kahl), in den Zeitungen wird von der „Generation Grobmotorik“ (Süddeutsche Zeitung 02.07.2002), der „kranken Generation“ (TV Hören und Sehen), von „Medienfreaks und Körperwracks“ oder der „Generation von Weichlingen, Schlaffis und Stubenhockern“ gesprochen. Der Zustand der heutigen Heranwachsenden wird als „fett und krank“ (Spiegel Special 4/1997) und „früh angeknackst“ (Die Zeit 2/1997) tituliert. Der motorische Entwicklungs- und Leistungsstand der jetzigen Kinder und Jugendlichen – so auch das Ergebnis vieler wissenschaftlicher Studien und Schuleingangsuntersuchungen hat besorgniserregende Formen angenommen – sogar „unsere Volksgesundheit ist in Gefahr“[1], denn gesundheitliche Probleme wie Übergewicht, Adipositas oder Diabetes seien stark auf dem Vormarsch. Noch nie gab es so viele motorische Störungen und Bewegungsdefizite bei Kindern wie heute. Sie werden immer ungelenker – sie verlieren auf dramatische Weise die Fähigkeit, ihren Körper zu beherrschen und Bewegungen zu koordinieren, schon grundlegende kindliche Fertigkeiten wie das Rückwärtsgehen, das Klettern oder das Balancieren seien heute mittlerweile nicht mehr selbstverständlich, beschreiben unter anderem zahlreiche Medien über den schlechten körperlichen Zustand der Heranwachsenden.

„Es ist 5 Minuten vor 12!“, warnt der Karlsruher Sportpädagoge BÖS. Er appelliert an alle Beteiligten, dem Problem entgegenzusteuern, damit sich die konstatierten (motorischen) Bewegungsauffälligkeiten heutiger Kinder und Jugendlicher nicht zu einem zukünftigen Problem mit kaum abschätzbaren Folgen ausweiten sollen.[2]

Die Ursachen des Leitungsrückgangs und der Entwicklungsdisharmonie sind vielfältig. Hauptsächlich liegen sie aber im zunehmenden Bewegungsmangel der Heranwachsenden sowie in ungünstigen Veränderungen der Umweltbedingungen; gerade mediale Einflüsse werden als besonders negativ für die nachkommende Generation interpretiert. Computer, Fernsehen und Video besitzen einen derartigen Faszinationsgrad, dass sich die Freizeitaktivitäten der Kinder erheblich von draußen nach drinnen verlagert haben. Steigendes Verkehrsaufkommen, bewegungsfeindliche Wohn- und Lebensumwelten, der geringe Anteil an nötigen Spielflächen und –erfahrungen, aber auch die Erziehungseinstellung vieler Eltern verstärken diesen Trend und lassen die Attraktivität des innerhäuslichen Wohnraums weiter ansteigen. Gummitwist müsse heute im Wettstreit gegen den Gameboy antreten und dabei habe Gummitwist die eindeutig geringere Lobby.[3]

„Anstatt über Parkbänke zu springen, auf Wiesen und Feldern zu toben oder auf Bäumen zu klettern, neigen die Kinder dazu, sich lieber im Elterntaxi zu McDonalds, ins Kino oder zum Freund mit dem neuesten Playstation-Spiel fahren zu lassen. Fantasievolle und aktionsreiche Abenteuer werden häufig nur noch passiv in digitalisierter Form mit Hilfe des Fernsehgeräts, der Spielkonsole und des Computers in geschlossenen Räumen erlebt.“[4]

Der Schulbus hat das Fahrrad ersetzt, das Privatauto den Fußmarsch. Am Nachmittag wird zur Entspannung der Fernseher eingeschaltet, danach geht es an den Computer und vor dem Abendessen werden noch schnell die Hausaufgaben erledigt, bevor dann zum Ausklang des Tages nochmals die Mattscheibe angemacht wird. Kinder verbringen mehr als neun Stunden liegend und weitere neun Stunden sitzend.[5] Der Körper wird quasi seinem ureigenen Bedürfnis der Bewegung beraubt, mit ernsthaften Folgen für die körperliche, aber auch emotionale, geistige und soziale Entwicklung der Heranwachsenden.

Im Gegensatz zu früheren Generationen ist die heutige kindliche Lebens- und Bewegungswelt vor allem durch den Verlust an Eigentätigkeit und der Mediatisierung an Erfahrungen zu beschreiben.

Fest steht: Die Wandlungsprozesse der Modernisierung werden für die kindliche Entwicklung tendenziell negativ beschrieben und für defizitäre motorische Fähigkeiten und gesundheitliche Probleme verantwortlich gemacht. Das vermehrte Medienangebot, der gestiegene Massenkonsum, die zunehmende Verstädterung und Verhäuslichung, ein verstärktes Verkehrsaufkommen und der damit verbundene Mangel an freien Spielflächen sowie ein Wandel in familialen und sozialen Strukturen (Geburtenrückgang, Pluralisierung der Familienformen, Erwerbstätigkeit der Eltern, etc.) hätten dazu geführt, dass es heutigen Kindern an Sinnes-, Bewegungs- und Spielerfahrungen fehle. Gerade der Verlust an Eigentätigkeit und Bewegung im Leben der Heranwachsenden sorge für einen eklatanten gesundheitlichen Zustand. Die derzeitige individuelle und gesellschaftliche Entwicklung ist „als Zeitbombe anzusehen, die es dringend zu entschärfen gilt“, um es mit den Worten BRETTSCHNEIDERS zu formulieren.[6]

Zunehmend werden auch Zweifel an derart düsteren Prognosen geäußert. Nicht alle Sportpädagogen und wissenschaftlichen Studien bescheinigen den Kindern und Jugendlichen einen solchen eklatanten Negativtrend im Hinblick auf deren motorischen Leistungsfähigkeit, teilweise hat sich diese in einigen Bereichen vergleichsweise sogar verbessert. Zudem werde äußerst schnell auf Ursachen und Wirkungen im Bezug auf die veränderte Leistungsfähigkeit geschlossen. Sind Kinder motorisch leistungsfähiger, weil sie häufiger auf dem Sportplatz sind, oder befinden sie sich dort, weil sie fitter sind und mehr Spaß an der Bewegung haben? Lassen sich erhöhte mediale Beschäftigungen mit sportlichen Betätigungen etwa nicht vereinbaren? – so fragt der Hamburger Erziehungswissenschaftler KRETSCHMER.[7]

Sicherlich haben sich die Lebens- und Umweltbedingungen gerade in den letzten drei Jahrzehnten gravierend verändert – wie sich im Laufe dieser Arbeit auch noch zeigen wird –, diesen Wandel – vor allem im medialen und räumlichen Bereich – für eine reduzierte motorische Leistungsfähigkeit heutiger Heranwachsender geltend zu machen, wird nicht nur vom Sportpädagogen KRETSCHMER kritisiert – wie sich zeigen wird.

1.2 Forschungsfrage

Anlässlich des doch ambivalenten Meinungsbildes und der teils unterschiedlichen Forschungsergebnisse in der aktuellen Kindheitsforschung, stellt sich die Frage, welche Sichtweise Personen mit Erziehungsaufgaben vertreten. Aus diesem Grund habe ich einige Sportlehrer aus den unterschiedlichen Schultypen sowie medizinische Vertreter für ein Gespräch gewonnen und über das motorische Leistungsbild der Schüler befragt.

Können Lehrkräfte jeglicher Schulformen sowie medizinische Vertreter wie Kinderärzte oder Physiotherapeuten eine reduzierte motorische Leistungsfähigkeit heutiger Heranwachsender bestätigen? Hat die Veränderung kindlicher Lebenswelten wirklich dazu geführt, dass Kinder und Jugendliche heutzutage unter Bewegungsmangel und motorischen Problemen leiden? Wo sehen sie die Ursachen für eine eventuell geringere Leistungsfähigkeit und welchen Einfluss hat der Medienkonsum auf die motorische Entwicklung heutiger Kinder? Lassen sich ferner geschlechts- oder schichtspezifische Unterschiede feststellen? Anhand eines entworfenen Fragenkatalogs soll ein Einblick in die vorherrschende Sichtweise einiger Personen mit Erziehungsauftrag gegeben und anschließend miteinander verglichen werden. Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt sind die Maßnahmen, die eventuell getroffen werden müssten, um solchen Problemen entgegenzuwirken.

1.3 Aufbau der Arbeit

Als Einstieg in diese Arbeit soll mit einem historischen Abriss des Kindheitsbegriffs begonnen werden (Kapitel 2.1). Ziel ist es, die Genese und den Wandel dieses noch recht jungen Terminus’ darzustellen – und aufzeigen, dass das jeweilige Kindheitsbild stets durch gesellschaftliche Faktoren und Umstände bedingt wird. Im Anschluss daran werde ich Bezug auf die heutige Kindheit nehmen (Kapitel 2.2) und im Hinblick auf die aktuelle Problematik und Diskussion die Veränderungen in verschiedene Bereiche unterteilen und näher beleuchten. Angefangen mit dem Wandel im familialen Raum (Kapitel 2.2.1) sowie im räumlich- sozialen Umfeld (Kapitel 2.2.2) sollen letztendlich noch Einflüsse aus dem medialen Sektor schwerpunktmäßig beschrieben werden (Kapitel 2.2.3). Daraufhin möchte ich im weiteren Verlauf dieser Arbeit auf die Bedeutung der Bewegung für die kindliche Entwicklung (Kapitel 2.3) sowie des Spiels (Kapitel 2.4) eingehen, bevor ich mich dann den größtenteils geschilderten Folgen und Ursachen der veränderten Lebens- und Bewegungswelt der Heranwachsenden widme (Kapitel 2.5). Zum einen wird die viel vertretende kulturpessimistische Sichtweise ausführlich präsentiert, die das Kind überwiegend als Opfer der Modernisierung klassifiziert, anderseits soll aber auch die kulturoptimistische Betrachtung Erwähnung finden, in der die Kinder eher als eigenständige Akteure ihrer gegenwärtigen Umwelt verstanden werden.

Danach werde ich im dritten Kapitel zunächst den qualitativen Forschungsansatz (Kapitel 3.1) und die Auswahl der Forschungsmethode (Kapitel 3.2) meines empirischen Vorhabens erklären sowie Informationen zur Datenerhebung (Kapitel 3.3) und Datenauswertung (Kapitel 3.4) liefern. Anhand durchgeführter Experteninterviews mit mehreren Sportlehrern unterschiedlicher Schulstufen, einer Kindergärtnerin, einer Physiotherapeutin und einer Kinderärztin möchte ich anschließend einen Einblick in das derzeitige Meinungsbild von Erziehungsbeauftragten und Personen, die in ihrer langjährigen Berufstätigkeit häufig mit Kindern und Jungendlichen arbeiten, zur motorischen Leistungsfähigkeit der heutigen Generation geben und thematisch darstellen (Kapitel 4).

Im fünften und vorletzten Kapitel sollen die Ergebnisse der empirischen Untersuchung hinsichtlich der aktuellen Kindheitsforschung reflektiert und diskutiert werden.

Das Fazit (Kapitel 6) wird letztendlich einen resümierenden Überblick über diese Arbeit geben und eventuelle Maßnahmen und Problemlösungen in Aussicht stellen.

Wenn im Laufe dieser Arbeit von der Motorik die Rede ist, sollen damit in Anlehnung an BÖS/ MECHLING aus der fähigkeitsorientierten Betrachtungsweise (Beschreibung und Erklärung von individuellen motorischen Leistungsdifferenzen) „die Gesamtheit aller Steuerungs- und Funktionsprozesse verstanden werden, die der Haltung und Bewegung zugrunde liegen“ und somit für den Erwerb und das Zustandekommen von Bewegungshandlungen verantwortlich sind.[8] Sie bilden die Voraussetzung für jeweils mehrere strukturell verschiedenartige Ausführungsvarianten und werden zur Erklärung und Beurteilung der motorischen Leistungsfähigkeit in bestimmten Formen klassifiziert. Dabei lassen sich konditionelle (individuelle Differenzen im System der Energiebereitstellung und Energieübertragung) Fähigkeiten wie Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit von koordinativen (individuelle Differenzen im System der informationsorientierten Bewegungssteuerung und Bewegungsregelung), wie beispielsweise Reaktions-, Gleichgewichts-, Differenzierungs- oder Orientierungsfähigkeit unterscheiden. Eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Konstrukten nimmt – wie teilweise auch die Schnelligkeit – die Beweglichkeit (Gelenkigkeit und Dehnfähigkeit ein. Ferner spielen Dauer, Umfang und Intensität eine weitere wichtige Rolle bei der Unterteilung der einzelnen Komponenten.[9]

Aus Gründen der Übersichtlichkeit sollen Formulierungen wie Schüler oder Lehrer auf den nachstehenden Seiten sowohl für männliche als auch für weibliche Akteure gelten. Entsprechendes gilt auch für weitere Personengruppen, die in dieser Examensarbeit genannt werden. Außerdem sollen einleitende Worte zu Beginn eines jeden Kapitels dem Leser die Schwerpunkte meiner nachstehenden Ausführungen darlegen.

2 Kindheit im Wandel

Zunächst möchte ich zur Einführung in diese Arbeit mit einem historischen Abriss des Kindheitsbegriffes beginnen. Das Kindheitsbild – so wird sich herausstellen – war und ist stets gesellschaftlichem Wandel unterworfen, gerade deshalb kann es eine exakte universale und permanente Definition dessen, was unter Kindheit zu verstehen ist, sicherlich nicht geben. Ferner ist das Eingrenzen der Phase der Kindheit innerhalb eines bestimmten Alters auch deswegen kritisch zu beurteilen, da verschiedene Kinder sich sowohl körperlich als auch geistig eklatant voneinander unterscheiden können.

Fest steht allerdings, dass sich vor allem in den letzten 30 Jahren die Lebensbedingungen der Gesellschaft in den unterschiedlichsten Bereichen nicht nur gravierend verändert, sondern auch Einfluss auf die kindliche Entwicklung genommen haben und somit im Fokus der heutigen Kindheitsforschung stehen. Den Wandel der kindlichen Lebenswelten in diesen Bereichen detaillierter zu beschrieben, wird die Aufgabe des zweiten und abschließenden Teils dieses Kapitels sein.

2.1 Geschichte der Kindheit

Der Lebensabschnitt Kindheit „bezeichnet den Freiraum, den eine Gesellschaft ihren physisch, psychisch und intellektuell noch nicht entwickelten Individuen einräumt, damit sie sich spielend und lernend, Erfahrungen sammelnd auf eine mitwirkende Rolle im jeweiligen sozialen Bezugsrahmen vorbereiten können.“[10]

So oder so ähnlich würden wir Kindheit in der heutigen Moderne sicherlich definieren. Aber Kindheit, im Sinne als der „von uns wahrgenommene und wahrgemachte prinzipielle Abstand zwischen Erwachsenen und Kindern“[11] mit einer sich deutlich von der Erwachsenenwelt abgrenzenden Identität, hat es nicht immer schon so, wie wir sie heute verstehen, gegeben. Historisch gesehen ist der Kindheitsbegriff noch recht jungen Datums und eher das „Ergebnis eines jahrhundertelangen Entwicklungsprozesses.“[12]

POSTMAN schreibt:

„Wenn wir mit dem Wort „Kinder“ eine bestimmte Kategorie von Menschen zwischen sieben und sagen wir siebzehn Jahren bezeichnen, die bestimmte Formen von Pflege, Unterricht und Schutz benötigen, dann lässt sich eine Fülle von Belegen dafür anführen, dass es Kinder erst seit weniger als vierhundert Jahren gibt. Und wenn wir das Wort „Kinder“ in dem umfassenden Sinne verwenden, in dem man es allgemein begreift, dann ist „Kindheit“ kaum älter als hundertfünfzig Jahre.“[13]

Bis zum Ende des Mittelalters gab es kein besonderes Interesse an Kindheit und folglich existierte auch kein besonderer Begriff von Kindheit als „eigenwertige Entwicklungsphase des Menschen, welche besonderer Beachtung, Schutz und Fürsorge bedarf.“[14]

TUCHMANN führt an:

„Von allen Eigenheiten, in denen sich das Mittelalter von der heutigen Zeit unterscheidet, ist keine so auffallend wie das fehlende Interesse an Kindern.“[15]

Kindheit wurde als kurze Übergangszeit angesehen, die schnell vorüberging, danach nahm das Kind ohne Schonfrist den Platz in der Erwachsenenwelt ein.[16]

Mit der Bezeichnung „Kind“ brachte man lediglich das Verwandtschaftsverhältnis zum Ausdruck. Eine enge tiefere emotionale Bindung zu den eigenen Kindern wie in der heutigen Industriegesellschaft gab es auch aufgrund der hohen Kindersterblichkeit (größtenteils zurückzuführen auf die desolaten hygienischen Zustände) nicht. Kinder zählten vielmehr in ihrer Anzahl als Fortbestand des Lebens und des Besitzes des „Großen Hauses.“[17] Starb ein Kind, nahm sehr schnell ein anderes Kind seine Stelle ein.[18]

Das Kind wurde zu den Erwachsenen gezählt und unterschied sich nicht mehr von ihnen, sobald es sich allein fortbewegen und verständlich machen konnte und ohne die Fürsorge seiner Mutter, Amme oder Kinderfrau auskam.[19]

POSTMAN führt hier das siebte Lebensjahr an. Die Kinder beherrschten in diesem Alter weitgehend die Sprache und waren somit fähig, die Erwachsenen zu verstehen.[20] Kinder erhielten keine spezielle Erziehung durch pädagogische Betreuung oder gar Institutionen, sie wurden lediglich aufgezogen und auf spätere Aufgaben vorbereitet. Das Kind lebte dabei mit den Erwachsenen in einem natürlichen „Lehrlingsverhältnis“ und half bereits mit jungen Jahren bei den täglichen Arbeiten. Der kindliche Lebensbereich war räumlich wie kulturell mit dem des Erwachsenen nahezu identisch. Das Kind trug die gleichen Kleider, spielte die gleichen Spiele, verrichtete die gleichen Arbeiten wie die Erwachsenen und hatte keine von ihnen getrennte Lebensbereiche. Dabei blieben dem Kind keinerlei Geheimnisse verborgen, sei es in den Bereichen von Religion, Sexualität, Sitte oder Sprache.[21]

Es bleibt festzuhalten, dass Kinder im Mittelalter nicht als eingeständige, individuelle Wesen mit „menschlichen Bedürfnissen“[22] angesehen wurden, sondern ihre Vielzahl schien existenziell von großer Bedeutung zu sein.

Erst im späten 16. Jahrhundert, besonders aber im 17. Jahrhundert begann sich das Kinderbild aufgrund grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen allmählich zu wandeln. Der Übergang von der Großfamilie (Großes Haus) zur Kernfamilie – „ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft“[23] – sorgt für eine engere gefühlsmäßige Beziehung der einzelnen Familienmitglieder untereinander.

ARIES schreibt:

„Das Familiengefühl, das auf die beschriebene Weise im 16. und 17. Jahrhundert aufkommt, ist von dem Verständnis für die Kindheit nicht zu trennen. Das Interesse, das man ihr bezeugt, [...] ist nur eine Erscheinungsform, ein spezieller Ausdruck jener allgemeineren Empfindung, des Familiensinns.“[24]

Im Zeitalter der Aufklärung wird das absolutistische Weltbild durch jenes abgelöst, in welchem der Mensch für sein eigenes Leben selbst Verantwortung trägt und nicht nach Gottes Willen in eine bestimmte Schicht hineingeboren wird. Die Familie wird allmählich auf denselben Standpunkt gehoben wie Gott und der König.[25]

Die Familie ist nach ROLFF/ ZIMMERMANN nicht mehr nur eine „Institution, die Gut, Stand und Namen erhalten sollte, sondern zudem moralische Anstalt,“[26] die den Körper und die Seele des Kindes formen soll.[27] Der einsetzende Erziehungs- und Bildungsgedanke, das aufkommende Interesse der Moralisten, Pädagogen und Kirchenmänner an Erziehung, Disziplinierung und Formung des Kindes ließen zur Zeit von ROUSSEAU und PESTALOZZI erste Schulen entstehen, um das für das Leben nicht reife Kind einer speziellen Einflussnahme, einer Art Quarantäne zu unterwerfen, ehe es in die Erwachsenenwelt entlassen wird.[28] Lebensnotwendige Dinge erlernte das Kind keineswegs mehr nur im Elternhaus oder im traditionellen Lehrverhältnis, Ausbildung und Erziehung wurden zunehmend der Schule übertragen.

Der Schulbesuch gliederte die Kinder aus der Welt der Erwachsenen aus, allerdings trug erst die Einführung des allgemeinen Schulwesens am Ende des 19. Jahrhunderts dazu bei, dass Kinder aller Bevölkerungsschichten Zugang zu Bildung und Erziehung hatten, während vorher nur die Heranwachsenden aus adligen und wohlhabenden sowie aus Familien des Besitz- und Bildungsbürgertums die Möglichkeiten besaßen, öffentliche Schulen zu besuchen. Kinder aus ärmlicheren Verhältnissen dienten im industriellen Zeitalter lediglich als billige Arbeitskräfte, die unter teilweise unmenschlichen Bedingungen in Manufakturen und Fabriken arbeiteten. Kindheit als den Zeitraum der Behütung und des Spielen Könnens oder gar als „Schonraum individueller Entfaltung“ zu interpretieren, hatte damals lediglich für die Kinder bürgerlicher Familien Gültigkeit.[29]

POSTMAN ist der Auffassung, dass die Erfindung des Buchdrucks durch GUTENBERG und der damit einhergehenden Aufgabe des Lesen Lernens entscheidend zur Entstehung von Schulen und der Entfaltung von Kindheit beigetragen hat, denn in einer damals vorherrschenden „mündlichen Welt“ galt der Erwerb der Lese- und Schreibfähigkeit als primäres Ziel, um „die Geheimnisse der Erwachsenenwelt“ zu erfahren.[30]

Ferner ließen spezielle Kinderkleidung und adäquates Spielzeug ab dem 17. Jahrhundert Kindheit auch äußerlich als einen von der erwachsenen Gesellschaft eigenständigen Lebensabschnitt erscheinen.[31]

Nach ARIES lässt sich der Wandel ebenfalls anhand der damaligen Kunst nachvollziehen. Während in den künstlerischen Darstellungen des Mittelalters die Kinder ausschließlich als „Erwachsene in Miniaturausgabe“[32] portraitiert wurden und die Bilder und Zeichnungen vor allem im Ausdruck keine spezifisch kindlichen Eigenschaften besaßen, traten im 17. Jahrhundert vermehrt Malereien auf, die kindliche Merkmale und Besonderheiten aufwiesen.

Zugleich kann die neue Einstellung zur Kindheit im 17. und 18. Jahrhundert anhand der Entwicklung des kindlichen Spiels verdeutlicht werden. Den Kindern wurden Spiele untersagt, die als moralisch verwerflich galten. Stattdessen empfahl man ihnen diejenigen, die als gut galten, um nicht nur die „moralische Reinheit des Kindes“ zu erhalten, sondern es gleichzeitig zu erziehen.[33] Im Kinderspiel sowie im Umgang mit den Spielgefährten konnten die Kinder ihr Kindsein unabhängig von der Erwachsenenwelt frei entfalten. Die Bedeutung des kindlichen Spiels für die Entwicklung der Heranwachsenden werde ich im Laufe dieser Arbeit noch ausführlicher beschreiben.

Neben der Einführung von Schulen stellte auch der Einzug des Privatlebens in den bürgerlichen Familien im 18. Jahrhundert eine positivere Einstellung von Kindheit dar. Die Familie wahrte eine gewisse Distanz gegenüber der Gesellschaft und zog sich in das eigene Haus zurück. HEIN spricht sogar von der „emotionalen Entdeckung der Kindheit“, da das einsetzende Bedürfnis nach Intimität und die Abschirmung der Privatsphäre ein neues Interesse der Eltern an der Erziehung ihrer Kinder entstehen ließ, wo ihnen Liebe, Zuneigung und Fürsorge zuteil wurde.[34]

Heutige Kindheiten zeichnen sich durch den emotionalen Wert von Kindern aus. Kinder sind nicht mehr in ihrer Anzahl zur Existenzsicherung der Familie von Bedeutung, sondern sie gelten vielmehr als elterliche Sinnerfüllung und erhalten so als einmalige unverwechselbare Persönlichkeiten ihre „volle Daseinsberechtigung.“[35] Auch die Entwicklung von Kinderspielzeug und das Aufkommen von spezieller Kinderliteratur, vor allem aber die Entstehung von eigenen Aufenthaltsräumen für die Kinder – die Kinderzimmer – betonen die neue Deutung und Wertung von Kindheit im 20. Jahrhundert; KEY spricht in ihrem gleichnamigen Werk sogar vom „Jahrhundert des Kindes.“[36]

Schaubild 1: Vorstellungen von der Persönlichkeit, Erziehung und Bedeutung des Kindes im historischen Verlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(aus: Hurrelmann, Klaus/ Bründel, Heidrun: a.a.O., S.62.)

Der historische Abriss verdeutlicht, dass Kindheit einem ständigen Wandel unterworfen ist. Kindheit kann demnach als „gesellschaftliches Kunstprodukt“[37] bezeichnet werden, welches stets sozialen Wandlungsprozessen unterliegt, die sich selbst ständig verändern. Sie scheint immer dann erlebbar zu sein, wenn eine deutliche Trennung zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt besteht, denn ohne Geheimnisse kann es so etwas wie Kindheit nicht geben.[38]

Bis ins späte 15. Jahrhundert gab es keine Abgrenzung zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, es existierte kein getrennter Lebensbereich und folglich gab es im Mittelalter auch keinen derartigen Kindheitsbegriff. Erst „Prozesse der Privatisierung des Familienlebens“ und der „Ausdifferenzierung von Einrichtungen der Erziehung und Bildung von Kindern“, so HURRELMANN/ BRÜNDEL führten dazu, Kindheit als „vollwertige Form des Menschenseins“ anzuerkennen.[39]

Das Kind wurde demnach erst seit Beginn des industriellen Zeitalters zum Kind im heutigen Wortsinn gemacht, seitdem erfährt es einen gewissen Schonraum zur individuellen Entfaltung und Persönlichkeitswerdung.[40]

2.2 Kindheit heute

Kindheit als eigenen Lebensabschnitt zu erfassen und zu definieren, heißt aber auch, den (aktuellen) gesellschaftlichen und kulturellen Kontext zu beleuchten, denn das Kindheitsbild – so zeigt die Historie – steht in ständiger Wechselwirkung mit der sich ebenfalls wandelnden Umwelt.[41] Im heutigen Zeitalter der Technisierung und der damit einhergehenden beschleunigten Lebensverhältnisse unterliegen auch die kindlichen Lebenswelten immer schneller vielfältigen Modernisierungsprozessen.

„Kaum eine Epoche der Neuzeit hat so radikale Veränderungen in dem gebracht, was wir heute Kindheit nennen, wie die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.“[42]

Diese Aussage von AUFENANGER verdeutlicht, dass sich die Lebensbedingungen der Kinder in der westlichen Welt gravierend verändert und die Qualität von Kindheit in der heutigen Zeit in unterschiedlichen Lebensbereichen entscheidend beeinflusst haben.

ZIMMER spricht von tiefgreifenden Wandlungsprozessen mit rasantem Ausmaß in den letzten vier Jahrzehnten. Gesellschaftliche Veränderungen in den Bereichen Partnerschaft und Familie, in Erziehungseinstellung und Wertvorstellung, im Konsum- und Freizeitverhalten sowie in den neuen Medien und Technologien haben zu einer verstärkten Betrachtungsweise in der soziologischen Kindheitsforschung geführt.[43]

DE MAUSE beispielsweise bewertet die Kindheit als Geschichte des Fortschritts und macht dies an zahlreichen Beschreibungen des Mittelalters fest, die er vergleichend zur heutigen Zeit ausführlich darstellt. Heutige Kinder erfahren im Gegensatz zu damals Empathie und Unterstützung – gerade diese engere emotionale Eltern- Kind- Beziehung sei das Positive.[44]

Anderseits wird die Entwicklung der Kindheit in der heutigen Moderne aber auch negativ betrachtet und sogar in Frage gestellt. POSTMAN beispielweise führt in seinem Buch „Das Verschwinden der Kindheit“ an, die Idee der Kindheit gehe allmählich verloren und zwar in einem „erschreckenden Tempo“. Die enorme Verbreitung der Massenmedien in den letzten Jahrzehnten, vor allem aber der Einzug des Fernsehens habe dazu geführt, dass dem Kind keine Geheimnisse gegenüber der Erwachsenenwelt vorenthalten werden.[45] Für jedermann zugänglich wird den Heranwachsenden alles und das schamlos ohne „analytische Decodierleistung“ gezeigt, so dass die Grenze zwischen der Kindheit und der Erwachsenheit allmählich verwische – wir hätten es vielmehr mit einer „Kindheit ohne Kinder zu tun.“[46]

WINN spricht sogar von unkindlich gewordenen Kindern und einem Zustand, den man als das neue Mittelalter titulieren könnte.[47]

Fest steht, dass elektronische Medien, insbesondere das Fernsehen sowie familiäre und räumliche Faktoren den Kinderalltag beeinflussen und ihn nachhaltig verändert haben. Wenn nun von veränderter Kindheit die Rede ist, soll dies heißen, dass der Wandel der Kindheit einem sozialen Wandlungsprozess einhergeht.

Wie bereits vorher erwähnt, hätten vor allem in den letzten 30 Jahren gravierende gesellschaftliche Veränderungen auch auf die materialen und sozialen Lebensbedingungen von Kindern eingewirkt. HEIN unterteilt die Veränderungen der kindlichen Lebenswelten dabei in drei übergeordnete Bereiche, die heutige Kindheit maßgeblich prägen und somit massiv beeinflussen.[48] Neben der familialen und räumlich- sozialen Lebenswelt, nimmt vor allem die mediale Lebenswelt einen zentralen Punkt der veränderten Kindheit ein.

Aufgabe bzw. Schwerpunkt des folgenden Punktes wird es nun sein, diese Veränderungen ausführlicher zu beschreiben. Ich halte es für sinnvoll, mich der oben genannten Einteilung HEINS im Groben anzuschließen, da sie mir recht plausibel und verständlich erscheint. Zunächst werde ich den familialen Gesichtspunkt beleuchten, mich dann aber detaillierter mit dem Wandel der räumlichen- sozialen und medialen Lebenswelt beschäftigen, denn gerade in den beiden letztgenannten Aspekten wird häufig die Ursache des suggerierten Bewegungsmangels und dessen Folgen gesehen.

2.2.1 Veränderungen der familialen Lebenswelt

Unter der Veränderung der familialen Lebenswelt sollen überwiegend demographische Trends verstanden werden. Der Tatsache, dass seit Jahren ein kontinuierlicher Rückgang der Geburtenrate zu verzeichnen ist und zahlreiche Kinder alleine oder mit nur einem Bruder oder einer Schwester aufwachsen, haben sich mittlerweile neben dem klassischen Familientyp (Vater-Mutter-Kind) eine Vielfalt an anderen Formen des Zusammenlebens von Kindern und Erwachsenen ergeben. Ferner werden heutzutage weniger Ehen geschlossen und mehrere Scheidungen vollzogen. Zudem ist eine steigende Anzahl erwerbstätiger Mütter sowie eine gleichzeitige Berufstätigkeit beider Elternteile zu erkennen.[49]

In der Bundesrepublik Deutschland lebten 2005 rund 14,4 Millionen minderjährige Kinder, was einen Anteil von 17,5 % der Gesamtbevölkerung entspricht.[50] Seit einem längeren Zeitraum ist ein stetiger Rückgang der jährlichen Geburten erkennbar, ab 1997 (812 713 Neugeborene) sank die Zahl der Geburten sogar permanent, der letzte Geburtenüberschuss datiert aus dem Jahre 1971. Seitdem versterben jährlich weitaus mehr Bundesbürger als Neugeborene hinzukommen, die Geburtenrate ist im Verlauf der letzten 35 Jahre um ca. 32 % zurückgegangen.[51] Des weiteren verringerte sich im bundesweiten Vergleich die Anzahl der Haushalte mit Kindern von 13,6 Millionen (1991) auf 12,6 Millionen (2005) um über 6 %. Heutzutage leben etwa in einem Viertel aller Haushalte (8,9 Millionen) minderjährige Kinder, bezieht man die volljährigen ledigen Heranwachsenden mit ein, sind sogar eindrittel der Haushalte (12,6 Millionen) in Deutschland kinderreich. Der Anteil der kinderlosen Haushalte stieg demnach im Vergleich zum April 1991 um über 6 % auf etwa 26,6 Millionen an (vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1: Haushalte mit Kindern und ohne Kindern in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(aus: Duschek, Klaus- Jürgen/ Weinheim, Julia u.a.: Leben in Deutschland – Haushalte, Familien und Gesundheit. Ergebnisse des Mikrozensus 2005. Hrsg. vom Statistischen Bundesamt – Pressestelle. Wiesbaden 2006, S.18.)

Es sei aber gesagt, dass ein Anstieg der Haushalte ohne Kinder nicht automatisch mit einer Zunahme von dauerhafter Kinderlosigkeit gleichzusetzen ist. Haushalte, in denen die Kinder bereits ausgezogen oder noch keine Kinder vorhanden sind sowie Haushalte, in denen nicht mehr ledige Kinder leben bzw. diese bereits Partner oder Partnerin einer Lebensgemeinschaft sind, zählen nach den Ergebnissen des Mikrozensus ebenfalls zu den Haushalten ohne Kinder.

Generell lässt sich ein Rückgang der Kinderzahlen im Laufe der letzten Jahrzehnte nicht verleugnen. Immer mehr Paare[52] im deutschen Bundesgebiet führen ein Leben ohne Kinder. Die Anzahl der kinderlosen Paare nahm seit 1996 kontinuierlich zu und lag im März 2004 bei rund 11,5 Millionen. Gleichzeitig sank die Anzahl der Familien[53] in Deutschland auf rund 12,5 Millionen (vgl. Schaubild 2). Folgende Grafik des STATISTISCHEN BUNDESAMTES belegt außerdem, dass im Jahr 2005 erstmalig mehr Paare ohne Kinder (53 %) zusammenleben als selbige mit Kindern (47 %) (vgl. Schaubild 3).

Schaubild 2: Entwicklung der Familien und Paare ohne Kinder in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(aus: Nöthen, Manuela: Leben und Arbeiten in Deutschland, Sonderheft 1: Familien und Lebensformen – Ergebnisse des Mikrozensus 1996-2004. Hrsg. vom Statistischen Bundesamt – Pressestelle. Wiesbaden 2006, S.7.)

Schaubild 3: Ehepaare sowie Lebensgemeinschaften mit Kindern und ohne Kindern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(aus: Duschek, Klaus- Jürgen/ Weinheim, Julia u.a.: a.a.O., S.28.)

Im Laufe der Jahre haben alternative Familienformen weiter an Bedeutung gewonnen. Neben der traditionellen, mit Abstand häufigsten Form des Zusammenlebens (verheiratete Eltern mit Kind), treten bundesweit immer häufiger nichteheliche oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften oder Alleinerziehende (vgl. Schaubild 4 & vgl. Schaubild 5).

Schaubild 4: Familienformen in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(aus: Duschek, Klaus- Jürgen/ Weinheim, Julia u.a.: a.a.O., S.43.)

Schaubild 5: Entwicklung der Familienformen

(aus: Duschek, Klaus- Jürgen/ Weinheim, Julia u.a.: a.a.O., S.42.)

Zieht man weitere Daten aus den 1970er-Jahren heran, fällt die Verteilung noch drastischer aus. 1975 lebten 93 % der Kinder im früheren Bundesgebiet bei Ehepaaren und 7 % wurden bei Alleinstehenden groß.[54] Außerdem werden im Vergleich zu früheren Jahrzehnten wesentlich häufiger Ehen geschieden und weitaus weniger Ehen geschlossen.[55] Überdies entstehen dadurch wiederum neue Familienstrukturen, das Aufwachsen mit einem nicht leiblichen Elternteil sowie Halb- und Stiefgeschwistern ist keine Seltenheit.

Dem hingegen ist die Verteilung der Familien nach der Zahl der Kinder deutschlandweit relativ konstant. Sowohl im April 1996 als auch im März 2004 versorgten rund die Hälfte (51 %) aller Familien ein lediges Kind im Haushalt, zwei Kinder wuchsen in 37 % der Familien auf, drei oder mehr Kinder lebten in 12 % der Familien.[56] Zum Vergleich wuchsen 1970 in der damaligen Bundesrepublik 45 % in Ein-Kind-Familien, 34 % in Familien mit zwei Kindern und 21 % in solchen mit drei oder mehreren Heranwachsenden auf.[57]

Seit den 1970er-Jahren ist zwar eine Reduzierung der Geschwisterzahl in Richtung der Ein-Kind-Familie zu erkennen, dies bedeutet allerdings noch lange nicht, dass der überwiegende Teil der Kinder als Einzelkind aufwächst, zumal es den Familien einerseits noch offen steht, weitere Kinder zu bekommen. Außerdem stellt der prozentuale Anteil der Ein-Kind-Familien an den bundesweiten kinderreichen Familien (März 2004: 51 %) nicht gleichzeitig den relativen Anteil der Einzelkinder aller Kinder in Deutschland dar. Danach gibt es weitaus mehr Kinder, die mit Geschwistern aufwachsen als solche die alleine groß werden.

Zwei von drei Müttern und neun von zehn Vätern in der Bundesrepublik sind erwerbstätig. Dies ist das Ergebnis einer umfassenden Studie im Auftrag des STATISTISCHEN BUNDESAMTES aus dem Jahre 2002. Die Erwerbstätigenquote, der prozentuale Anteil der Erwerbtätigen an der jeweiligen Bevölkerungsgruppe, lag im April 2002 bei 64 % für Mütter und bei 87 % für Väter.[58] Dabei arbeitete 2002 jede zweite ostdeutsche Mutter und jede fünfte westdeutsche Mutter in Vollzeit.[59] Allerdings variiert die Zahl der erwerbstätigen Mütter, ob nun Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigte, deutlich mit der Kinderzahl, spätestens mit dem dritten Kind sank der Anteil der berufstätigen Mütter.[60] Ferner nimmt die vollzeitige als auch die teilzeitige Erwerbstätigkeit der Mütter jedoch zu, je älter die Kinder werden. Erreichen die Heranwachsenden das Kindergartenalter, arbeiten lediglich 12,6 % der Mütter in Vollzeit und 19,1 % in Teilzeit, während sie 2002 für die Altersklassen der zehn bis unter 15-jährigen Kinder bei 30,3 % bzw. 42,2 % lag (vgl. Schaubild 6). Außerdem ist anzumerken, dass im Jahre 2002 etwa 65 % der westdeutschen sowie 59 % der ostdeutschen alleinerziehenden Mütter erwerbstätig waren.[61]

Schaubild 6: Erwerbstätigenquoten von Frauen mit Kindern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(aus: Breiholz, Holger/ Duschek, Klaus- Jürgen u.a.: a.a.O., S.47.)

Wenn früher die Kinder das Licht der Welt erblickten , um die Tradition und den Fortbestand der Familie zu sichern, so steht in der heutigen Moderne eher der emotionale Wert des Kindes als Sinnerfüllung elterlicher Lebensfreude im Vordergrund.

In Deutschland gibt es seit Jahrzehnten ein Geburtendefizit und damit einen Rückgang der Kinderzahlen.[62] Auch der Erziehungsstil hat sich gravierend verändert. Gegenüber dem eher patriarchalen und relativ repressiven Grundsätzen, die sich neben der gesellschaftlichen Ordnung natürlich auch in vielen Familien im Umgang mit ihren Kindern widerspiegelte, wandelte sich ab den 1970er- Jahren diese personenbezogene und häufig autoritären Erziehungsleitlinien zu einer personalen, oft direkten oder weichen Kontrolle. Verhandeln, Selbstständigkeit, Kreativität und Kooperationsfähigkeit statt Gehorsam, Ordnung, Sauberkeit und Disziplin sind vorrangige Erziehungsziele heutiger Eltern und prägen das Familienklima.[63]

Einviertel aller bundesdeutschen Haushalte beherbergt minderjährige Kinder und immer mehr Paare bleiben kinderlos oder ziehen im Vergleich zu früheren Jahrzehnten weniger Kinder groß. Dennoch besitzen immer noch dreiviertel aller minderjährigen Kinder mindestens einen Bruder oder ein Schwester.[64]

Zudem erhalten alternative Lebensformen mit und ohne Kinder prozentual weiter an Zuwachs, vor allem der Anteil der vorwiegend weiblichen Alleinerziehenden ist im Laufe der Jahre rapide gestiegen. Neben der Zahl der erwerbstätigen Väter hat sich auch die Anzahl der erwerbstätigen Mütter, ob Teilzeit- oder Vollzeit, vermehrt, die jedoch mit steigender Kinderzahl abfällt. Vor allem Kinder beruftätiger oder alleinerziehender Eltern müssen daher häufiger in anderen Familien oder (öffentlichen) Einrichtungen betreut werden oder sind – zumindest für einen kurzfristigen Zeitraum – auf sich allein gestellt. Des weiteren werden jährlich mehr Ehen als vor 30 Jahren geschieden sowie immer weniger Ehen geschlossen. Häufig gehen die geschiedenen Ehepartner neue partnerschaftliche Bindungen ein, wodurch sich wiederum vielfältige Familienkonstellationen ergeben, insbesondere dann, wenn beide Partner Kinder aus den ersten Ehen mitbringen und eventuell noch gemeinsame Kinder bekommen.

Auf eine Interpretation dieser Veränderungen der familialen Lebenswelt hinsichtlich der Folgen für die kindliche Entwicklung soll zunächst verzichtet und erst im späteren Teil dieser Arbeit aufgegriffen werden. Zunächst soll es die Aufgabe sein, den Wandel im räumlich- sozialen und im medialen Bereich zu beschreiben.

2.2.2 Veränderungen der räumlich- soziale Lebenswelt

Mit dem Wandel der räumlich- sozialen Lebenswelt sind vor allem gravierende Veränderungen der Wohnverhältnisse verknüpft. Der Trend der Urbanisierung und Spezialisierung des Wohnens hat zu einem Leben in neue reine Wohnsiedlungen (Hochhaussiedlungen, Reihen- und Einfamilienhaus-Bebauung) geführt mit der Folge, dass immer mehr Areale für Wohn-, Gewerbe- und Verkehrszwecke genutzt werden. Freie, natürliche Flächen sind seltener geworden und lassen im Vergleich zu früheren Jahrzehnten ehemalige Spielräume der Kinder verschwinden oder zumindest weniger werden. Neben der städtebaulichen Entwicklung gilt auch die zunehmende Verkehrsdichte – die Anzahl der zugelassenen PKW ist im Laufe der Jahrzehnte rapide angestiegen – und die logistische Erschließung als weitere Faktoren für die deutliche Reduzierung der bespielbaren Nahräume für Kinder in ihrer Wohnumgebung.[65] So fielen 1960 etwa 80 Personenkraftfahrzeuge auf tausend Einwohner, 1976 waren es bereits 307 und im Jahr 2004 lag die Dichte gar bei 540 Fahrzeugen.[66]

Das Auto gilt zweifelsohne als eine der modernen Errungenschaften, die Kinder vom Sich-Bewegen und Draußen-Sein abhält. Entweder parkt es potentielle Bewegungs- und Spielflächen zu oder es sorgt im bewegten Zustand für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und treibt die Kinder in die schützenden Wohnungen. Die Kinder werden förmlich aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Freies, unkontrolliertes Spielen auf der Straße oder im Hof, wie es die (Groß)Eltern in ihrer Kindheit erfahren haben, ist deshalb in der heutigen Moderne kaum noch möglich. Stattdessen soll das Kinderspiel vorwiegend auf zwecks dafür hergerichteten öffentlichen Spielplätzen verlagert werden, deren Attraktivität gerade für ältere Kinder – wie SCHOTTMAYER & CHRISTMANN belegen konnten – relativ begrenzt ist.[67] Hinzu kommt noch die ängstliche Einstellung vieler Eltern, ihre Kinder aufgrund der Gefahren im Straßenverkehr dort spielen zu lassen.

Das Resultat der eingeschränkten äußerlichen Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten ist die steigende Verlagerung der Spielaktivitäten in die Innenräume, während vorherige Generationen ihre Nachmittage vorwiegend unbeaufsichtigt auf Straßen, Feldern und Wiesen in meist größeren Gruppen zubrachten.[68] Reichhaltige Angebote an Spielwaren sowie die zunehmende Mediatisierung – auf die ich später noch zu sprechen komme – lassen den häuslichen Bereich, besonders aber die Kinderzimmer immer attraktiver erscheinen. Im Gegensatz zur Nachkriegszeit stellt dies eine entscheidende Veränderung dar.

[...]


[1] Kiphard, Ernst Johnny: Verändertes Bewegungsverhalten als Symptom heutiger Kindheit. In: Zimmer, Renate (Hrsg.): Bewegte Kindheit. Verlag Karl Hofmann, Schorndorf 1997, S.49.

[2] vgl. Bös, Klaus: Kinder und Jugendliche brauchen Sport! In: Bös, Klaus/ Schott, Nadja (Hrsg.): Kinder brauchen Bewegung – leben mit Turnen, Sport, Spiel. Sportwissenschaft und Sportpraxis; Band 117. Czwalina Verlag, Hamburg 1999, S.29.

[3] vgl. Zimmer, Renate: Bewegte Kindheit. Über den sozialen Wandel von Kindheit und die Auswirkungen auf das Bewegungs- und Körpererleben. In: Zimmer, Renate (Hrsg.): Bewegte Kindheit. Verlag Karl Hofmann, Schorndorf 1997, S.20.

[4] Brettschneider, Wolf- Dietrich/ Malek, Christoph: „Walking Bus“ – der aktive Schulweg. Eine Präventionsmaßnahme gegen körperliche Inaktivität und Übergewicht im Kindesalter. In: Sportunterricht 54 (2005), Heft 12, S.369.

[5] Bös, Klaus: Kinder und Jugendliche brauchen Sport! a.a.O., S.36.

[6] Brettschneider, Wolf- Dietrich/ Malek, Christoph: a.a.O., S.368.

[7] vgl. Kretschmer, Jürgen/ Giewald, Carsten: Können Kinder wirklich nicht mehr rückwärts laufen? In: Zimmer, Renate/ Hunger, Ina (Hrsg.): Kindheit in Bewegung. Verlag Karl Hofmann, Schorndorf 2001, S.48.

[8] vgl. Schmidt, Werner/ Hartmann- Tews, Ilse/ Brettschneider, Wolf-Dietrich (Hrsg.): Erster Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Verlag Karl Hofmann. Schorndorf 2003, S.88

[9] vgl. Schmidt, Werner/ Hartmann- Tews, Ilse/ Brettschneider, Wolf-Dietrich (Hrsg.): a.a.O., S.88 und vgl. Roth, Klaus/ Willimczik, Klaus: Bewegungswissenschaft. Rowohlt Verlag. Hamburg 1999, S.227 ff.

[10] Akademie der Künste (Hrsg.): Puppe, Fibel, Schießgewehr. Das Kind im kaiserlichen Deutschland. Katalog zur Ausstellung vom 5.12.1976 – 31.1.1977 (Akademie – Katalog 113). Berlin 1976/77, zitiert nach: Hein, Anna- Katharina: Perspektiven auf Kindheit im chronologischen Wandel. Lit Verlag, Münster 2004, S.14.

[11] von Hentig, Hartmut: Vorwort. In: Ariés, Philippe: Geschichte der Kindheit. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1978, S.10.

[12] vgl. Hein, Anna- Katharina: Perspektiven auf Kindheit im chronologischen Wandel. Lit Verlag, Münster 2004, S.14. und vgl. Fölling- Albers, Maria: Kindheit heute. Herausforderungen für die Grundschule. In: Zeitschrift Grundschule, Heft 5/1989, S.10.

[13] Postman, Neil: Das Verschwinden der Kindheit. Fischer Verlag, Frankfurt/ Main 1983, S.7.

[14] Hein, Anna- Katharina: a.a.O., S.15.

[15] Tuchmann, Barbara: Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert. Düsseldorf 1980,,zitiert nach: Hein, Anna- Katharina: a.a.O., S.15.

[16] vgl. Aries, Philippe: Geschichte der Kindheit. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1978, S.93.

[17] Rolff, Hans- Günter/ Zimmermann, Peter: Kindheit im Wandel. Beltz Verlag. Weinheim und Basel 1992, S.10.

[18] vgl. Aries, Philippe: a.a.O., S.46.

[19] vgl. Bitz, Ferdinand: Kinder der Angst. Studien zum anthropologischen Phänomen der Angst im historischen Wandel der Erlebniswelt des Kindes. Bouvier Verlag Herbert Grundmann, Bonn 1986, S.56.

[20] vgl. Postman, Neil: a.a.O., S.24.

[21] vgl. Von Hentig, Hartmut: Vorwort. In: Ariés, Philippe: Geschichte der Kindheit. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1978, S.10.

[22] Hein, Anna- Katharina: a.a.O., S.16.

[23] Rolff, Hans- Günter/ Zimmermann, Peter: a.a.O., S.10.

[24] Aries, Philippe: a.a.O., S.486.

[25] vgl. ebd., S.484.

[26] Rolff, Hans- Günter/ Zimmermann, Peter: a.a.O., S.10.

[27] vgl. Aries, Philippe: a.a.O., S.561.

[28] vgl. ebd.

[29] vgl. Schmidt, Werner/ Hartmann- Tews, Ilse/ Brettschneider, Wolf-Dietrich (Hrsg.):a.a.O., S.20.

[30] Hein, Anna- Katharina: a.a.O., S.16.

[31] vgl. Aries, Philippe: a.a.O., S.120.

[32] Hein, Anna- Katharina: a.a.O., S.16.

[33] vgl. Aries, Philippe: a.a.O., S. 151.

[34] vgl. Hein, Anna- Katharina: a.a.O., S.41.

[35] vgl. ebd.

[36] siehe Key, Ellen: Das Jahrhundert des Kindes. Beltz Verlag, Weinheim, Basel, Berlin 1992.

[37] Postman, Neil: a.a.O., S.7.

[38] vgl. ebd., S.91.

[39] vgl. Hurrelmann, Klaus/ Bründel, Heidrun: Einführung in die Kindheitsforschung. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Beltz Verlag, Weinheim, Basel, Berlin 2003, S.61.

[40] vgl. Schmidt, Werner: Sportpädagogik des Kindesalters. (Kinder-Jugend-Sport-Sozialforschung; Band 1). 2., neu bearb. Auflage. Czwalina Verlag, Hamburg 2002, S.15.

[41] ebd., S.11.

[42] Aufenanger, Stefan: Kindheit als Medienkindheit am Ausgang unseres Jahrhunderts: Konformität in der Individuierung. In: Ullrich, Heiner und Hamburger, Franz (Hrsg.): Kinder am Ende ihres Jahrhunderts. Langenau- Ulm 1991, zitiert nach: Hein, Anna- Katharina: a.a.O., S.46.

[43] vgl. Zimmer, Renate: Kindheit heute. In: Kindergarten heute 23 (1993) Heft 10, S.4.

[44] vgl. de Mause, Lloyd: Hört ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/ Main 1980.

[45] vgl. Postman, Neil: a.a.O., S.8.

[46] vgl. Bitz, Ferdinand: a.a.O., S.181.

[47] vgl. Winn, Marie: Kinder ohne Kindheit. Rowohlt, Reinbek 1984. S.293.

[48] vgl. Hein, Anna- Katharina: a.a.O., S.47.

[49] Teilweise werden heutige demographische Zahlen lediglich mit den vor etwa zehn Jahren verglichen, die aber dennoch einen eindeutigen Trend erkennen lassen.

[50] vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2006: Zwei von drei Kindern werden mit Geschwistern groß. (Pressemiteilung vom 19.09.2006). http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2006/p3880024.htm (11.05.2007).

[51] vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2006: Geborene und Gestorbene http://www.destatis.de/indicators/d/lrbev04ad.htm (11.05.2007)

[52] zu den Paaren ohne Kinder zählen im Mikrozensus Ehepaare und Lebensgemeinschaften ohne Kinder im befragten Haushalt. Neben dauerhaft kinderlosen Paaren fallen darunter also auch Paare, deren Kinder die Herkunftsfamilie bereits verlassen haben, etwa um einen eigenen Hausstand zu gründen.

[53] zu den Familien zählen im Mikrozensus alle Lebensformen mit ledigen Kindern im befragten Haushalt (siehe auch Schaubild im Anhang); im Einzelnen gehören dazu Ehepaare, Lebensgemeinschaften und allein erziehende Mütter und Väter mit Kindern. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um leibliche Kinder, Stief-, Pflege-, oder Adoptivkinder handelt. Voraussetzung ist, dass die Kinder nicht bereits eine eigene Lebensform bilden, z. B. indem sie selbst Kinder im Haushalt betreuen.

[54] vgl. Lenz, Michael/ Tillmann, Klaus- Jürgen: Zerfall oder neue Vielfalt? Familienformen im Spiegel empirischer Daten. In: Pädagogik 49 (1997), Heft 7-8, S.14.

[55] vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2006: Eheschließungen, Ehescheidungen http://www.destatis.de/indicators/d/lrbev06ad.htm (11.05.2007)

[56] vgl. Nöthen, Manuela: a.a.O., S.12.

[57] vgl. Lenz, Michael/ Tillmann, Klaus- Jürgen: a.a.O., S.12.

[58] vgl. Breiholz, Holger/ Duschek, Klaus- Jürgen u.a.: Leben und Arbeiten in Deutschland. Hrsg. vom Statistischen Bundesamt – Pressestelle, Wiesbaden Juni 2003, S.39.

[59] vgl. ebd., S.43.

[60] vgl. ebd., S.44.

[61] vgl. ebd., S.43.

[62] vgl. Lenz, Michael/ Tillmann, Klaus- Jürgen: a.a.O., S.11.

[63] Rolff, Hans- Günter/ Zimmermann, Peter: a.a.O., S.141 und vgl. Fölling- Albers, Maria: Kindheit heute. Herausforderungen für die Grundschule. a.a.O., S.10 ff.

[64] vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2006: Zwei von drei Kindern werden mit Geschwistern groß. a.a.O.

[65] vgl. Hein, Anna- Katharina: a.a.O., S.61.

[66] vgl. Rolff, Hans- Günter/ Zimmermann, Peter: a.a.O., S.85 und vgl. Harenberg, Bodo (Hrsg.): Aktuell 2004. 20. Jahrgang. Harenberg Verlag, Dortmund 2003, S.27.

[67] vgl. Schottmayer, Georg/ Christmann, Renate: Kinderspielplätze. Ein Beitrag zur kindorientierten Gestaltung der Wohnumwelt. Teil 1. Schriftenreihe des Bundesministers für Jugend, Familie und Gesundheit. Verlag Kohlhammer, Stuttgart 1976, S.156.

[68] vgl. Fölling- Albers, Maria: Veränderte Kindheit – Herausforderungen für die Schule. In: Melzer, Wolfgang/ Sünker, Heinz (Hrsg.): Wohl und Wehe der Kinder. Pädagogische Vermittlungen von Kindheitstheorie, Kinderleben und gesellschaftlichen Kindheitsbildern. Juventa Verlag, Weinheim und München 1989, S.64.

Details

Seiten
121
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640099900
ISBN (Buch)
9783640127238
Dateigröße
2.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94580
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Schlagworte
Veränderte Kindheit Kinder Diskussion Einfluss Lebensbedingungen Entwicklung Heranwachsenden

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Veränderte Kindheit - veränderte Kinder? Diskussion über den Einfluss moderner Lebensbedingungen auf die Entwicklung von Heranwachsenden