Lade Inhalt...

Die Personalentwicklung: Ein Instrument der Beseitigung des Fachkräftemangels

Diplomarbeit 2008 108 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Hintergrund und Motivation
1.2. Zielsetzung

2. Einführung in das Thema Fachkräftemangel

3. Welche Mechanismen sind für den Fachkräftemangel verantwortlich?
3.1. Zu wenig Auszubildende
3.2. Demographischer Wandel
3.3. Mangelnde Flexibilität der Arbeitnehmer
3.4. Abwanderung der Fachkräfte ins Ausland
3.5. Eine kritische Betrachtung des Thema Fachkräftemangel

4. Die Auswirkungen des Fachkräftemangels

5. Wie kann ein möglicher Fachkräftemangel frühzeitig erkannt werden?

6. Wie lässt sich der Fachkräftemangel beseitigen?
6.1. Die Personalentwicklung als Instrument zur Beseitigung des Fachkräftemangels
6.1.1. Ziele derPersonalentwicklung
6.1.2. Umfang und Inhalt der Personalentwicklung
6.1.3. Job-Rotation
6.1.4. Job Enlargement
6.1.5. Job Enrichment
6.1.6. Coaching
6.1.7. Trainee-Programme
6.1.8. Mentoring
6.1.9. Das Personalentwicklungsgespräch
6.1.10. Training “into the Job” zur Reintegration
6.2. Evaluation von Personalentwicklungs-Maßahmen
6.3. Weitere Alternativen um den Fachkräftemangel zu vermeiden
6.3.1. Mehr Frauen für Fachkräftestellen gewinnen und halten
6.3.2. Ältere Arbeitnehmer akquirieren
6.3.3. Familienfreundliche Arbeitsmodelle
6.3.4. Arbeitnehmer aus dem Ausland
6.3.5. Förderung derAusbildung
6.4. Vier Beispiele, wie Unternehmen dem Fachkräftemangel begegnen

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis·

Tabelle 1· Unterschiede PEG und Zielvereinbarungsgespräch

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Personalchefs - Wo der Schuh drückt

Abbildung 2: Umwelteinflüsse bei einer Organisation

Abbildung 3: Jahresdurchschnitt der Erwerbsrechnung

Abbildung 4: Arbeitsverhältnisse

Abbildung 5: Entwicklung der Bevölkerungszahl in Deutschland

Abbildung 6: Altersaufbau 1950

Abbildung 7: Altersaufbau 2007

Abbildung 8: Altersaufbau 2030

Abbildung 9: Altersaufbau 2050

Abbildung 10: Stellenbesetzungsprozesse

Abbildung 11: Mittelstand, auf der Suche nach Fachkräften

Abbildung 12: FreQueNz

Abbildung 14: Säulen der PE

Abbildung 15: Personalentwicklungsmaßnahmen in verschiedenen Kulturen

Abbildung 16: Inhalte der Personalentwicklung

Abbildung 17: Funktionszyklus system. PE

Abbildung 18: Ingenieure - Kein altes Eisen

Abbildung 19: Mangelware Experten

Abbildung 20: Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland

Abkürzungs verzeichnis :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der Fachkräftemangel (FKM) war im Jahr 2007 ein aktuelles Thema in den Medien! in den folgenden Jahren wird vermutlich weiterhin verstärkt über den Mangel an Fachkräften berichtet werden. 2007 hat die Industrie vor allem den Mangel an Ingenieuren und Informationstechnologie-Experten beklagt. Zuvor gab es den FKM bereits in den Bereichen der Pflege (vgl. Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V.), der Lehrkräfte im Jahr 1998 (vgl. sueddeutsche.de_l) sowie den Ärzten im Jahr 2005 (vgl. Welt Online_1). Im Januar 2008 hat die Bundesregierung die 500 Millionen schwere Qualifizierungsoffensive mit dem Titel „Aufstieg durch Bildung“ beschlossen, das Ziel ist es, die Fachkräftebasis für morgen zu sichern (vgl. AFP_1).

In dieser Arbeit wird die Personalentwicklung (PE) als ein Instrument der Beseitigung des FKM erläutert und bearbeitet. Der FKM hat verschiedene Ursachen. Die möglichen Ursachen werden vor der Untersuchung der In­strumente der PE durchleuchtet, um die PE möglichst genau an den Fach­kräftebedarf und den Möglichkeiten der Organisationen anzupassen. Seit den 80er Jahren ist die Diskussion um den FKM immer wieder in der Öf­fentlichkeit diskutiert worden, die letzte große Diskussion um den FKM in Deutschland gab es Ende der 90er Jahre (vgl. IAB_1, S. 51). Die Ursache für den FKM ist scheinbar eine Verkettung aus verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel: zu wenig Berufsinteressenten, Auszubildende und Stu­dierende sowie der demographische Wandel.

Der demographische Wandel wird zur Zeit hauptsächlich für den FKM in Deutschland sowie der Europäischen Union angeführt, da die älteren Fach­kräfte (verfrüht) in die Rente beziehungsweise Pension entlassen werden, während immer weniger junge Fachkräfte die Arbeitsplätze der älteren Ge­neration übernehmen. Als Beispiel für die Überalterung der Fachkräfte, kann man den Beruf des Arztes in Ostdeutschland betrachten. Bei diesem Berufszweig betrug im Jahr 2004 das Durchschnittsalter 50,8 Jahre und nur 16,4% der Ärzte sind unter 35 Jahre alt (vgl. Welt Online_l).

Im Bericht mit dem Titel Arbeitsmarkt 2006, der Bundesagentur für Arbeit, werden die Auswirkungen des demographischen Wandel auf den Arbeits­markt verdeutlicht:

„Arbeitskräfteangebot nimmt aufgrund demografischer Entlastung leicht ab “

(Bundesagentur für Arbeit_1. S. 28)

„Bevölkerung geht kontinuierlich zurück“

(Bundesagentur für Arbeit_1. S. 28)

„Arbeitsvolumen spürbar gestiegen “

(Bundesagentur für Arbeit_1. S. 52)

Dadurch, dass die älteren Arbeitnehmer zwangsläufig das Renten- oder Pensionsalter erreichen (bzw. erreicht haben), fehlen der Wirtschaft wich­tige Arbeitskräfte. Diese fehlenden Arbeitskräfte sind insbesondere in der Wirtschaft mit dem Verlust von Umsatz verbunden, da durch einen Mangel an Fachkräften das jeweilige Unternehmen nicht in der Lage ist, einer er­höhten Nachfrage nachzukommen oder zu expandieren. So sind der deut­schen Wirtschaft, nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, durch den FKM bereits Schäden in Höhe von 3,48 Milliarden Euro entstanden (vgl. Welt Online_1 & iwd_1, S. 6).

Eine vom Wirtschaftsminister Michael Glos in Auftrag gegebene Studie zum Thema FKM besagt sogar, dass Deutschland durch den FKM jährlich Schäden von bis zu ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes entstehen. Dies bedeutet, dass sich die Schäden im Jahr 2007 auf mehr als 20 Milliarden Euro belaufen (vgl. sueddeutsche.de_2). Die Politik beschäftigt sich seit längerem mit der Thematik des FKM. Dazu ist 1990 ein Forschungsbericht (vgl. Infratest, S. 23) vom Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung mit dem Titel „Arbeitsvermittlung zwischen Arbeitslosigkeit und Fachkräfte­mangel“ erschienen. In diesem Bericht wird erwähnt, dass der FKM vor allem ein Problem der Kleinbetriebe sei. Es ist ebenso erkannt worden, dass Kleinbetriebe eine hohe Fachkräftenachfrage haben, und das sie ge­genüber großen Unternehmen eine unterlegene Position im Wettbewerb um Arbeitskräfte einnehmen. Die Probleme, die Institutionen oder Unter­nehmen durch den Mangel an Fachkräften haben, können mit Hilfe der PE beseitigt werden. Hierfür bietet die PE verschiedene Instrumente an, um den FKM zu beseitigen.

1.1. Hintergrund und Motivation

Die PE erhält im Hinblick auf den FKM einen immer größer werdenden Stellenwert für Unternehmen und Institutionen. So werden in den nächsten sechs Jahren zwischen 180.000 und 490.000 Akademiker (besonders Inge­nieure und Naturwissenschaftler) fehlen. Gründe sind der Eintritt ins Ren­tenalter der Fachkräfte und zu wenig Nachwuchs (vgl. AFP_2). Selbst in der Politik wird die Wichtigkeit der PE erkannt, so hat in der Diskussion (vgl. DW-World) um die sogenannte „Blue Card“ der Wirtschaftsminister Michael Glos auf das Potenzial der inländischen Arbeitskräfte verwiesen und lehnt damit die geplante „Blue Card“[1] ab, um zunächst das Potenzial inländischer Arbeitskräfte und solcher aus dem EU-Ausland auszuschöpfen - um dieses Potenzial aber ausschöpfen zu können - ist die PE entschei­dend. Die PE hat für die Unternehmen den Vorteil, dass die Entwicklung des eigenen Personals relativ zeitnah und unabhängig von der Umwelt ge­schehen kann. Zwar ist die PE mit Kosten verbunden. Daher verfügen viele mittelständische und kleine Betriebe beziehungsweise Institutionen nicht über eine geregelte PE, jedoch sind mögliche Verluste in der Regel höher als die Implementierung von PE-Instrumenten. Die Fachkräfte, welche man über Bewerbungen rekrutiert kann, fordern in der Regel hohe Gehälter. So fordern die Fachkräfte im Jahr 2007 ein bis zu 15 Prozent höheres Gehalt als im Vorjahr (vgl. Welt Online_3). Gerade bei kleineren Unternehmen in Deutschland sind die Personalkosten ein entscheidender Teil der Gesamt­ausgaben. Dadurch können größere Unternehmen, den kleineren Unter­nehmen, die Fachkräfte aufgrund eines höheren Gehaltes abwerben.

1.2. Zielsetzung

Das Ziel dieser Arbeit kann in verschiedene Punkte unterteilt werden. Am Anfang wird der Begriff Fachkräftemangel erörtert. Anschließend findet eine Prüfung statt, welche Mechanismen für den FKM in Deutschland ver­antwortlich sind. Darauffolgend, wird in dieser Arbeit auf die Auswirkun­gen des FKM eingegangen. Schließlich werden im Hauptteil dieser Arbeit die verschiedenen Instrumente der PE untersucht, um aufzuzeigen welche geeignet sind, den FKM zu beseitigen. Im Anschluss der Arbeit werden al­ternative Lösungsvorschläge genannt. Im letzten Teil folgt eine Zusam­menfassung der Möglichkeiten, den FKM, mit Hilfe der PE, zu beseitigen. Das Thema der Arbeit ist sowohl von Interesse für die Wirtschaft, als auch für nicht wirtschaftlich orientierte Einrichtungen, da der FKM eine aktuelle grundsätzliche Diskussion erfährt.

2. Einführung in das Thema Fachkräftemangel

Das Wort Fachkräftemangel (FKM) beinhaltet das Wort Fachkraft, aller­dings gibt es keine allgemeingültige Definition dieses Begriffes (vgl. Ber­telsmann Stiftung_1, S. 5).

Um den Begriff der Fachkraft in dieser Arbeit enger einzugrenzen, wird unter einer Fachkraft eine Person verstanden, die eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorweisen kann (vgl. Eichhorst, W. & Thode, E., S. PO).

Durch die nicht allgemeingültige Definition, was eine Fachkraft (oder gar ein FachkräftemangeP) ist, gibt es von den Verbänden und Forschungsein­richtungen unterschiedliche Zahlen zu diesem Thema (vgl. Bertelsmann Stiftung_l, S. 5). Ein Mangel an Fachkräften ist nicht nur in den letzten Jahren in Deutschland aufgetreten, so gab es zum Beispiel im Jahr 1971 einen Ärztemangel (vgl. Titze, H., S. 94) und 1968 einen Lehrermangel (vgl. Boden, P., S. POO).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der FKM wird in letzter Zeit vor allem von der Wirtschaft beklagt. Vor al­lem vor dem Hintergrund eines Konjunkturaufschwungs haben Unterneh­men unter einem FKM zu leiden. Bereits im Jahr POOP haben viele Unter­nehmen einen Handlungsbedarf aufgrund eines FKM gesehen, wie folgende Grafik verdeutlicht.

Abbildung 1: Wo der Schuh drückt (Grafikquelle: iwd_P. S. 1)[2]

Welche Mechanismen sind für den Fachkräfte­mangel verantwortlich?

Das Problem des Fachkräftemangels (FKM) lässt sich nicht auf eine Ursa­che begrenzen, es spielen viele Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel:

- Demographischer Wandel (weniger junge Menschen stehen den Unternehmen zur Verfügung, immer mehr Ältere gehen in den Ruhestand),

- der hiesige Arbeitskräftemarkt wird nicht effizient genutzt,
- weniger Studienanfänger,
- die Verknüpfung der Wirtschaft mit Universitäten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen ist zu gering (mangelnde Ko­operationen),
- mangelnde Qualifikation der Bewerber,
- öffentliche Arbeitsbeschaffungsprogramme sind nicht effizient genug,
- die Wirtschaft hat die interne Aus- und Weiterbildung ver­nachlässigt,
- überzogene Gehaltswünsche von Berufsanfängern,
- unmotivierte Bewerber,
- mangelnde Personalplanung seitens der Unternehmen,
- ausländisches Arbeitspotenzial wird nur mangelhaft genutzt, (vgl. Bertelsmann Stiftung. S.5 - 9) & iwd_3. S.7)

Die meisten der aufgezählten Punkte können nicht durch die Organisation direkt beeinflusst werden. Die folgende Grafik verdeutlicht die verschie­denen Einflussfaktoren auf die Organisationen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Umwelteinflüsse bei einer Organisation (Grafikquelle: Hayn, B., S. 5)

Der demographische Wandel verdeutlicht den Einfluss der Gesellschaft auf die Organisationen, denn Organisationen können zum Beispiel nicht direkt die Geburtenstärke beeinflussen. Die Punkte weniger Studienanfänger (zum Beispiel als Folge von Studiengebühren und geringem Bafög) und mangeln­de Nutzung des hiesigen Arbeitsmarktes kann dem Punkt „Politik“ zuge­ordnet werden. Die mangelnde Nutzung des ausländischen Arbeitspotenzi­als ist ein Problem der unübersichtlichen Rechtslage, zur Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer.

Am 30. Oktober 2007 hat das Statistische Bundesamt Deutschland eine Pressemeldung (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschlands) veröffent­licht, dass nach ersten vorläufigen Berechnungen im September 2007 rund 40,05 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig waren. Das sind 676.000 Personen (+ 1,7%) mehr als im Vorjahresmonat Septem­ber 2006, somit ist die Erwerbstätigenzahl, dank der guten Konjunktur und einer positiven Entwicklung auf dem Ausbildungsstellenmarkt, in Deutsch­land, weiter angestiegen. Dies hat zur Folge, dass die Unternehmen eine geringere Auswahl an Fachkräften zur Verfügung haben, da in einer guten

Konjunktur fast alle Firmen - aufgrund steigender Aufträge - mehr Perso­nal einstellen.

Die folgende Grafik aus dem Statistischen Jahrbuch 2007 vom Statistischen Bundesamt Deutschland, veranschaulicht die Entwicklung von Erwerbstäti­gen[3], Erwerbspersonen[4] und Nichterwerbspersonen[5]. Die Anzahl der Er­werbstätigen ist gestiegen, während ein gleichzeitiger Rückgang von Er­werbspersonen zu verzeichnen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Jahresdurchschnitt der Erwerbsrechnung (Grafikquelle: Statistisches Bundesamt Deutschland_2. Seite 83)

Der Anstieg der Erwerbspersonen hängt vor allem mit einem größeren An­gebot von Arbeitsplätzen zusammen. So geht aus dem Statistischen Jah­resbericht von 2007 hervor, dass die Anzahl der offenen Stellen im Jahr

2006 den Höchststand aus dem Jahr 2000 erreicht hat. Gleichzeitig hat die Anzahl der Arbeitslosen seit dem Jahr 2005 wieder abgenommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Arbeitsverhältnisse

(Grafikquelle: Statistisches Bundesamt Deutschland, S. 91)

Im Jahr 2006 war das Angebot an Arbeitsplätzen so hoch wie zuletzt im Jahr 2000, als Folge ist die Anzahl der Arbeitslosen gesunken, hiervon haben allerdings bis zum Jahr 2006 mehr Männer als Frauen profitiert.

3.1. Zu wenig Auszubildende

Ein Fachkräftemangel kann entstehen, wenn sich zu wenig Personen für eine bestimmte Ausbildung[6] [7] entschieden haben. Dies kann mehrere Ursa­chen haben, weil zum Beispiel bestimmte Berufe (und die damit verbunde­ne Ausbildung) auf junge Erwachsene unattraktiv wirken, oder völlig über­laufen sind, (oder überlaufen wirken). Daher entsteht die Befürchtung, dass nach der Ausbildung keine Arbeitsstelle gefunden wird, da der Arbeits­markt nach der Ausbildung völlig überlaufen ist.

Die Phasen des Unterangebotes und des anschließendem Überschusses wird unter anderem als Schweinezyklus[7] bezeichnet. Dieser Begriff stammt aus der Wirtschaftswissenschaft und bezeichnet eine periodische Schwan­kung auf der Angebotsseite (Arbeitnehmer / Arbeitssuchende), die zuerst auf dem Schweinemarkt genauer untersucht wurde (vgl. Goldfuß, J., S. 21­22). Der Begriff Schweinezyklus ist dadurch entstanden, dass sobald Schweinefleisch knapp wurde, die Preise für Schweinefleisch gestiegen sind. Als Reaktion auf die hohen Preise haben die Bauern viele ihrer Schweine geschlachtet, um hohe Gewinne zu erzielen. Allerdings sind in Folge des Überangebotes die Preise gesunken (worauf die Bauern auch wieder weniger Schweine geschlachtet haben).

Daher wird der Begriff Schweinezyklus im übertragenen Sinne für ähnliche Vorgänge auf dem Arbeitsmarkt, Ausbildungs- oder Studienplätze ge­braucht: Hohe Gehälter (oder ein vom Land oder Wirtschaft ausgerufener Mangel an Absolventen) führen zu einer steigenden Zahl von Studienanfän­gern, die dann nach mehreren Jahren, gleichzeitig auf den Arbeitsmarkt drängen. Die schlechteren Job-Aussichten schrecken sodann neue mögli­che Studienanfänger ab (vgl. Kollmann, T. & Stöckmann, C., S. 587-588). Diese Schwankungen finden sich typischerweise beim Beruf des Lehrers, Juristen, Arzt, etc.,. Bei Berufsgruppen wie Lehrkräften, Juristen, Ärzten, etc. wird in der Literatur eher vom Akademikerzyklus gesprochen (vgl. Die Zeit_1).

Laut des OECD-Berichtes (vgl. OECD_1. S. 2) hat die Altersgruppe der 25-32jährigen dreimal so oft ein naturwissenschaftliches Studium gewählt, als die Gruppe der 55-64 jährigen. Es kann daher sehr stark davon ausge­gangen werden, dass im Bereich der Naturwissenschaften kein flächende­ckender Fachkräftemangel auftreten wird.

Im Bereich der Ingenieurwissenschaften, liegt dieser Quotient allerdings unter dem erforderlichen Maß, um Ingenieure, die in den kommenden Jah­ren in den Ruhestand gehen, zu ersetzen. Der Bericht der OECD (vgl. O- ECD_1. S. 2) zeigt auch, dass in Deutschland, Dänemark, Norwegen und Ungarn bald mehr Ingenieure (altersbedingt) aus dem Erwerbsleben aus­scheiden werden, als frei werdende Stellen durch Absolventen ausgefüllt werden können. Allerdings entschließt sich fast ein Drittel der Studienan­fänger, für ein Studium in den Fachbereichen der Sozialwissenschaften, Betriebswirtschaft oder Jura.

Dadurch ist die junge Bevölkerung (25 - 32 Jahre) 3,5 mal mehr als die ältere Bevölkerung (55-64 Jahre) in diesen Berufsbereichen vertreten (vgl. OECD_l. S. 3). Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass in den Bereichen der Sozialwissenschaften, Betriebswirtschaft oder Jura kein flächende­ckender Fachkräftemangel zu befürchten ist. Bei den Lehramtsabschlüssen ist die Situation umgekehrt: In Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Schweden und dem Vereinigten Königreich haben sich weniger junge Men­schen zu einem Lehramtstudium entschlossen, als Lehrer in Pension (bzw. Rente) gehen werden.

Dies könnte ein Hinweis sein, dass es in den kommenden Jahren schwierig werden könnte, die in Rente gehenden älteren Lehrkräfte zu ersetzen, wo­durch ein Fachkräftemangel an Lehrern entsteht (vgl. OECD_l. S. 3). Die Zahl der Studiumsberechtigten ist bisher in Deutschland immer weiter ge­stiegen. Eine Untersuchung des Statistischen Bundesamtes hat ergeben, dass immer mehr Schüler im Vergleich zur restlichen vergleichbaren Be­völkerung einen höheren Schulabschluss erreichen. So gaben im Jahr 2005 36% der 20-25jährigen an, die Fachhochschul- oder Hochschulreife zu besitzen. 1991 lag diese Quote bei 25% (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland_2. S. 127, & Statistisches Bundesamt Deutschland_3). Allerdings entscheiden sich laut des Statistischen Bundesamtes (vgl. Sta­tistisches Bundesamt Deutschland_3) nicht alle Menschen, die studienbe­rechtigt sind, für ein Studium. Es haben sich 73% der Schulabgänger des Jahrgangs 2000 bis 2004 für ein Hochschulstudium entschieden. Insgesamt ist die Anzahl der Studierenden deutlich gestiegen. An den deutschen Hochschulen des Wintersemesters 2004/2005 waren 1,96 Millionen Stu­dierende eingeschrieben. Dies sind 3% weniger als im Wintersemester zu­vor. Dieser Rückgang ist vermutlich auf die Studiengebühren zurückzufüh­ren, welche in Hessen und Nordrhein-Westfalen ab 2004 erstmals erhoben worden sind. Dadurch ist vor allem ein Rückgang bei den Langzeit- und Zweitstudierenden zu verzeichnen.

Im Bereich der Ausbildungsverträge ist eine Verbesserung aufgetreten. Während in der Zeit zwischen den Jahren 2000 bis 2006 ein Abwärtstrend beim Abschluss neuer Ausbildungsverträge zu verzeichnen war (vgl. Sta­tistisches Bundesamt Deutschland_5), hat sich ab dem Jahr 2006 der Kon­junkturaufschwung in Deutschland auch bei den Ausbildungsplätzen be­merkbar gemacht. So gab es im Jahr 2006 erstmals vier Prozent mehr neue Ausbildungsverträge (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland_6).

Es gab laut Statistik (vgl. Bundesagentur für Arbeit_2. S. 1), der Bundes­agentur für Arbeit, zum Thema Angebot und Nachfrage auf dem Ausbil­dungsmarkt 1996 bis 2006 insgesamt betrachtet, immer eine höhere Nach­frage, als Angebote von Ausbildungsplätzen.

Im Jahr 2006 wurden insgesamt 591.554 Ausbildungsplätze angeboten. Al­lerdings gab es eine Gesamtnachfrage von 625.640 Ausbildungsplätzen. Dies ist eine Differenz 34.086 Ausbildungsplätzen. Rein mathematisch müssten somit alle angebotenen Ausbildungsplätze vergeben worden sein. Das ist jedoch nicht der Fall, denn es konnten 15.401 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden (vgl. Bundesagentur für Arbeit_2. S. 1).

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (vgl. Bundesagentur für Ar- beit_2. S. 2) zeigt, dass trotz des Konjunkturaufschwungs in folgenden Be­reichen im Jahr 2006 weniger Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vor­gängerjahr abgeschlossen wurden:

- Hauswirtschafter/-in im ländlichen Bereich -23,1%
- Pharmazeutisch-kaufmännische(r) Angestellte(r) -17,0%
- Verkehrsberufe im öffentlichen Dienst -5,7%
- Radio- und Fernsehtechniker/-in,

Informationselektroniker/-in -6,4%

- Arzthelfer/-in -4,6%
Allerdings wurden im Jahr 2006 (im Vergleich zum Vorjahr) in folgenden Bereichen wesentlich mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen:
- Verkäufer/-in + 15,5%
- Landmaschinenmechaniker/-in + 13,4%
- Zentralheizungs- und Lüftungsbauer/-in +8,8%
- StufenausbildunginderBauwirtschaft/-gewerbe +8,3% o Neue Medienberufe +8,1%

Zusammenfassend kann man davon ausgehen, dass es sowohl bei der Be­rufsausbildung, sowie den Studiengängen, in einzelnen Bereichen einen Mangel an Auszubildenden oder studieninteressierten Personen gibt. Allerdings liegen die Ursachen für den Mangel nicht am quantitativen Man­gel an Studierenden oder Auszubildenden, sondern viel mehr daran, dass die Schüler befürchten, nach der Ausbildung keinen Arbeitsplatz zu finden. Hier sollte die Wirtschaft und die Kommunen, den Schülern die späteren Berufschancen aufzeigen und dazu Informationsveranstaltungen anbieten. Im Rahmen dieser Informationsveranstaltungen in den verschiedenen Ab­schlussklassen (welche idealerweise zwei Jahre vor dem Schulabschluss beginnen sollten), sollte den Schülern vermittelt werden, welche Ausbil­dungsplätze derzeit ein völliges Überangebot erfahren und welche kaum nachgefragt sind. In diesen wenig nachgefragten Bereichen würden somit gute Berufschancen bestehen. Es sollte bei den Empfehlungen Absprachen zwischen den verschiedenen Schulen getroffen werden, um den auf Seite 15 dieser Arbeit genannten Schweine-/Akademikerzyklus zu vermeiden. Der Mangel an Auszubildende lässt sich nicht zu 100% beseitigen. Dies liegt daran, dass es sogenannte Modeberufe gibt, und Berufe, die nicht so begehrt sind.

3.2. Demographischer Wandel

Der aktuelle Fachkräftemangel (FKM) ist anscheinend auch ein Symptom des demographischen Wandels. Die Belegschaft erreicht in den Berufs­gruppen der Ingenieure, Ärzte, etc. ein höheres Durchschnittsalter. Gleich­zeitig können die älteren Arbeitnehmer nicht schnell genug durch jüngere ersetzt werden (vgl. Hayn, B., S. 11).

Der demographische Wandel gilt laut der Kommission der Europäischen Gemeinschaft (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaft 2002, S. 4) als mögliche Hauptursache für einen langfristigen und lang anhaltenden Fachkräftemangel in Deutschland. Dieser Effekt des demographischen Wandels ist jedoch auch ein globales Problem. Bis zum Jahr 2050 wird in Europa und in Japan die Bevölkerung am stärksten altern:

In Europa werden im Jahr 2050 ca. 37% der Einwohner über 60 Jahre alt sein, in Japan wird der Anteil der über 60jährigen noch über dem Wert von Europa liegen.

In Deutschland verläuft der demographische Wandel vor allem in ostdeut­schen Städten problematisch. Hier gab es zwischen den Jahren 1991 und 1994 einen Geburteneinbruch, welcher durch soziale und wirtschaftliche Unsicherheiten nach der Wiedervereinigung ausgelöst wurde - so ist die Geburtenziffer (pro Frau) zwischen den Jahren 1990 und 1994 von 1,52 auf 0,77 (Kinder pro Frau) - gefallen (vgl. Knorr, F., S. 4 bis 5).

Ein weiteres Problem von vielen ostdeutschen Städten ist der Fortzug der Bevölkerung in den Westen. Rostock und Schwerin haben in den vergangen 10 Jahren über 20% ihrer Bürger verloren. Zwar verzeichnen auch west­deutsche Städte wie Essen und Bremerhaven einen Einwohnerschwund von 20%, aber hier ist dieser Prozess in einem Zeitraum von über 30 Jahren geschehen (vgl. Knorr, F., S. 6).

Das Statistische Bundesamt Deutschland hat in seinem Bericht aus dem Jahr 2006 mit dem Titel „Bevölkerung Deutschlands bis 2050 - 11. Koor­dinierte Bevölkerungsvorausberechnung,, (Statistisches Bundesamt

Deutschland_7) ein düsteres Bild gezeichnet, was die Anzahl der Bevölke­rung im erwerbsfähigen Alter in Deutschland betrifft. So sind seit 1972 in Deutschland mehr Menschen verstorben, als geboren worden sind. Aller­dings konnte bis zum Jahr 2003 der Anteil der Gesamtbevölkerung, durch Zuwanderungen aus dem Ausland, aufrechterhalten werden (vgl. Statisti­sches Bundesamt Deutschland_7. S. 13 bis 14).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Entwicklung der Bevölkerungszahl in Deutschland (Grafikquelle: Statistisches Bundesamt Deutschland_7. S. 15)

Die 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundes­amts hat ergeben, dass die Bevölkerung immer weiter schrumpfen wird. Für die Berechnung wurden zwei Annahmen zu Grunde gelegt: Die mittlere Bevölkerung Obergrenze geht von einem Wanderungssaldo von 200.000 Menschen aus, die mittlere Bevölkerung Untergrenze geht von einem Wanderungssaldo von 100.000 Menschen aus.

Durch den geringer werdenden Zuwanderungssaldo und dem weiter stei­genden Geburtendefizit, sinkt die Gesamtbevölkerung seit dem Jahr 2003 (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland_7. S. 5) in Deutschland. So ha­ben im Jahr 2005 82,4 Millionen Menschen in Deutschland gelebt.

Wenn sich die demographische Entwicklung nicht grundlegend ändert, werden in Deutschland im Jahr 2050 nur noch 74 Millionen Menschen in Deutschland leben. Dies entspricht einem Bevölkerungsrückgang von fast 10% (innerhalb von 45 Jahren) (vgl. Statistisches Bundesamt Deutsch- land_7. S. 15). Folgende vier Grafiken wurden mit Hilfe einer interaktiven Anwendung (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland_8) des Statistischen Bundesamt Deutschland erstellt, um die Entwicklung der Gesamtbevölke­rung in Deutschland von 1950 bis zum Jahr 2050 zu veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Altersaufbau 2007

Im Jahr 2007 betrug die Gesamtbevöl¬kerung 82,2 Mio., davon waren 49,8 Mio. im Alter zwischen 20 und 64 Jah¬ren, 0 bis 19 Jahre 15,9 Mio. und der Anteil der Bevölkerung über 65 betrug 16,5 Mio. Einwohner.Im Jahr 1950 betrug die Gesamtbevöl­kerung 69,3 Millionen, davon waren 41,5 Mio. im Alter zwischen 20 und 64 Jahren, 0 bis 19 Jahre 21,1 Mio. und der Anteil der Bevölkerung über 65 betrug 6,7 Mio. Einwohner. [8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Altersaufbau 2030

Im Jahr 2030 wird die Gesamtbevölke¬rung in Deutschland wahrscheinlich 79,7 Mio. betragen, davon werden 44,2 Mio. Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren sein, 13,3 Mio. Menschen werden zwischen 0 bis 19 Jahre alt sein und der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahren wird 22,2 Mio. betragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Altersaufbau 2050

Im Jahr 2050 wird die Gesamtbevölke¬rung in Deutschland wahrscheinlich 74.0 Mio. betragen, davon werden 39.1 Mio. Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren sein, 11,4 Mio. Per¬sonen werden zwischen 0 bis 19 Jahre alt sein und der Anteil der Bevölke¬rung über 65 Lebensjahren wird bei ca. 23,5 Mio. Einwohnern liegen.

Die Grafiken verdeutlichen, dass die Anzahl der Personen im erwerbsfähi­gen Alter sowie der Altergruppe der 0 bis 19-jährigen, nach den Voraus­berechnungen des Statistischen Bundesamtes, sinken wird. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Bevölkerung, welche über 65 Jahre alt ist. Durch den Rückgang der Gruppe der 0-19 - Jährigen wird zukünftig eine geringere Nachfrage von Ausbildungs- und Studienplätze bestehen.

Die Meinung, dass durch den immer niedriger werdenden Wanderungssaldo weniger Erwerbspersonen dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, wird allerdings von Fachleuten als überzogen dargestellt. So wurde bei der Tagung am 11. März 1993 in München mit dem Titel „Mitarbeiter­potenziale entwickeln - Erfolgsfaktoren für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen“ vom Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit[9] a.D. Heinrich Franke in seinem Vortrag „Arbeitsmärkte 2000 - Anforderungen an die

Unternehmen“ eine andere Perspektive genannt: Herr Franke geht von ei­nem längerfristigen starken Zuwanderungsdruck aus dem Osten Europas aus (vgl. Franke, H., S. 20).

Allerdings ist diese Prognose bisher nicht eingetroffen, da die Grafik auf Seite 21 dieser Arbeit zeigt, dass die Bevölkerungsanzahl in Deutschland seit dem Jahr 2003 geringer wird.

Durch die Erweiterung des „Schengener Abkommens“ existiert für den deutschen Raum bis spätestens 2011 eine Übergangsregelung, welche die Freizügigkeit von Arbeitnehmern der neuen EU-Beitrittsländer Länder, wie zum Beispiel: Polen, Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Slowenien, den drei Baltenstaaten sowie Malta in Deutschland reglementiert (vgl. EU- Info). Ab dem Jahr 2011 könnte sich die Aussage von Herrn Franke even­tuell doch noch bewahrheiten und dadurch den Bevölkerungsrückgang durch einen positiven Wanderungssaldo schmälern oder sogar stoppen.

3.3. Mangelnde Flexibilität der Arbeitnehmer

Der Fachkräftemangel (FKM) ist zum Teil auch auf die mangelnde Flexibi­lität von Arbeitnehmern zurückzuführen. Besonders die geographische Un­flexibilität ist häufig eine der Ursachen für den FKM in kleinen bis mittle­ren Unternehmen oder Instituten.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2007 des Antiviren-Software Herstellers Avira (vgl. Avira), ist die Ortgebundenheit von Arbeitnehmern sehr hoch. So haben bei einer Umfrage (mit 305 Teilnehmern) von Avira 40% der Be­fragten geantwortet, dass sie nicht für eine Arbeitsstelle umziehen würden. Daher müssen immer mehr Unternehmen in Deutschland ihre Fachkräfte bundesweit akquirieren, weil sie die benötigten Fachkräfte nicht in der Umgebung des Unternehmens finden. Die Arbeitnehmer sind auch unflexi­bel, was die Höhe ihres Gehaltes betrifft. Vor allem haben Absolventen von

Hochschulen überzogene Gehaltsvorstellungen(vgl. iwd_3. S. 7), welche gerade kleinere Unternehmen nicht erfüllen können. Sie sind somit nicht in der Lage, die benötigte Anzahl von Fachkräften zu akquirieren, da kleine und mittelständische Betriebe nicht über die Kapitalmittel der Großbetriebe verfügen.

3 4. Abwanderung der Fachkräfte ins Ausland

Im Jahr 2006 sind laut des Statistischen Bundesamtes (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland_10) 155.300 Deutsche ausgewandert, wobei das Durchschnittsalter der Auswanderer bei 32,2 Jahren liegt. Dies ist seit 1954 die höchste Zahl deutscher Auswanderer. Die Gründe der Auswande­rer sind pragmatisch. Die jungen Akademiker, welche sich unter den Aus­wanderern befinden, gehen ins Ausland, weil sie dort mehr verdienen, die Berufsaussichten besser sind oder sie mit dem Fortzug einer drohenden Arbeitslosigkeit in Deutschland entgehen wollen (vgl. Spiegel Online_1).

Die meisten Deutschen wandern zum Arbeiten in die Schweiz aus. Somit wurden die Vereinigten Staaten als Lieblingsziel der Arbeitsimmigranten abgelöst. Für die Schweiz spricht vor allem die „ähnliche“ Kultur, sowie, dass die Schweiz ein Nachbarland von Deutschland ist und dass dort in den meisten Kantonen Deutsch verstanden wird. Bei der Betrachtung der Liste der begehrtesten Auswanderungsziele im Jahr 2006, fällt auf, dass sich die meisten Länder in der Nachbarschaft von Deutschland befinden (bis auf Norwegen und die Vereinigten Staaten):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland_2. S. 62 & Spiegel Online_1)

Leider beinhaltet die Statistik keine Aussage, welchen Berufsgruppen die Auswanderer angehörten. Aber es kann davon ausgegangen werden, dass dies in den vielen Fällen Fachkräfte waren und das sich diese im Ausland ein höheres Gehalt versprechen.

3.5. Eine kritische Betrachtung des Thema Fachkräftemangel

Der von der Wirtschaft beklagte Fachkräftemangel (FKM) wird - im Ge­gensatz zu den meisten Medien - von manchen Personen angezweifelt. Sie behaupten, dass es keinen echten FKM gibt bzw. ein solcher in Deutsch­land nicht so schnell zu erwarten sei.

So weist zum Beispiel Thome darauf hin, dass es durch Rationalisierungs­maßnahmen sowie der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, in Deutschland ein immer geringer werdendes Arbeitsvolumen gibt (vgl. Thome, R. 1997, S. 53), welches zur Folge hat, dass weniger Fachkräfte benötigt werden.

Ferner schreibt Kistler (vgl. Kistler, E., (2004), S. 74), dass die Debatte um den bestehenden bzw. früheren FKM dazu dienen soll, die Massenarbeits­losigkeit klein zu reden, um von der eigentlichen Ursache, nämlich, das der Faktor Arbeit in Deutschland zu teuer und zu knapp ist, abzulenken. Da die Industrie bzw. Verbände einen Mangel an Fachkräften beklagen, sollte be­dacht werden, dass es sich auch um ein Missmatch (die Bewerber verfügen nicht über die von den Unternehmen gewünschten Qualifikationen) handeln kann - in diesem Fall gäbe es keinen echten Fachkräftemangel (vgl. Licht, G. / Steiner, V. / Bertschek, I. / Falk, M. & Fryges, H., S. 78).

So konnten im Jahr 2003 16.600 Ingenieursstellen, laut Auskunft der Un­ternehmen, nicht besetzt werden, jedoch gab es zur gleichen Zeit 65.000 Ingenieure, welche arbeitslos gemeldet waren (vgl. Mikosch, B, S. 56).

Zu dem Entschluss, dass es noch keinen flächendeckenden FKM in Deutschland gibt, ist das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gekommen. Es spricht in seinem am 4. September 2007 veröffentlichten Kurzbericht (vgl. IAB_2. S. 1) zwar von Engpässen, aber noch keinem all­gemeinen Ingenieurmangel.

So heißt es weiter in dem Bericht, dass zwar ein Teil der Betriebe Schwierigkeiten bei der Personalsuche hat, es flächendeckend aber noch keinen bedrohlichen Mangel an Ingenieuren in Deutschland gibt. Die Anzahl geeigneter Bewerbungen sei kaum zurückgegangen. Auch die Dauer der Personalsuche hat sich kaum verlängert. Jedoch sind noch immer 4.100 Ingenieure arbeitslos.

Die Stellenbesetzungszeiten[10] haben sich für die Unternehmen unwesent­lich verlängert. Die Unternehmen haben im Jahr 2006 maximal sechs Tage mehr im Vergleich zum Vorjahr (2005) benötigt, um eine frei gewordene Arbeitsstelle zu besetzen.

Verlauf von Stellenbesetzungsprozessen bei Neueinstellungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: lÄB-Kurcberlcht Ni. tí, D4SS.2W7, S. 2.

Abbildung 10: Stellenbesetzungsprozesse (Grafikquelle: IAB_2. S. 2)

Die Unternehmen benötigen laut der IAB-Erhebungen des gesamtwirtschaftlichen Stellenangebots 2000 bis 2006 nur für spezielle Ingenieursstellen im Jahr 2006 fünf Tage länger als die beiden Jahre zuvor, dabei gibt es einen sehr großen Un­terschied zwischen der geplanten Besetzungsdauer (Jahr 2006: 58 Tage) und der tatsächlichen Besetzungsdauer (Jahr 2006: 122 Tage) (vgl. IAB_2. S. 2).

Da die Verbände der Industrie von einem Ingenieurmangel sprechen, lässt sich als Ursache vermuten, dass sich weniger Ingenieure bei den Unter­nehmen bewerben. Diese Vermutung ist laut des iab-Kurzberichtes (I- AB_2) vom September 2007 allerdings nicht zutreffend. Es gab im Jahr 2006 durchschnittlich 21 Bewerbungen auf eine offene Stelle in einem In­genieurberuf und damit 14 weniger als im Jahr zuvor. Allerdings waren es nach Aussagen der befragten Betriebe nur sechs geeignete Bewerber. Ei­ner weniger als im Jahr 2005. Somit lässt sich ein Mangel bis zumindest Ende 2006 nicht belegen.

Kritisch betrachtet, könnte zynisch behauptet werden, dass sich die großen Unternehmen die Rosinen aus dem „Fachkräftekuchen“ herauspicken wol­len. Um dann weitere möglichst kostengünstige Fachkräfte zu fordern, um von denen, den günstigsten mit der meisten Erfahrung einzustellen.

Die IG Metall macht die Unternehmen in einer am 29. November 2007 ver­öffentlichten Pressemitteilung (vgl. IG Metall) selbst für den FKM verant­wortlich. Den Unternehmen wird vorgeworfen, dass sie es jahreslang ver­säumt haben, genug Ausbildungsplätze anzubieten und daher selbst für den FKM verantwortlich sind.

Im Jahr 2006 hat nicht einmal jeder zweite Jugendliche einen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten. Die Bundesregierung will daher 100.000 Lehr­stellen bis zum Jahr 2010 mit Prämien fördern, um besonders Altbewerber und Jugendliche, welche maximal über einen Realschulabschluss verfügen, zu fördern (vgl. Braunschweiger Zeitung_1, S. 2).

Wie bereits in Kapitel 2 (Einführung in das Thema Fachkräftemangel) die­ser Arbeit erläutert, gibt es keine einheitliche Definition, was eine Fach­kraft ist oder was ein Fachkräftemangel ist.

Aus diesem Grund wird es - so lange keine einheitliche Definition seitens der Verbände und Forschungseinrichtungen vorliegt - eine Diskussion dar­über geben, ob es sich beim Thema FKM nur um ein Phantom handelt, oder ob der Mangel an Fachkräften real ist oder Deutschland bevor steht.

Jedoch wäre es sehr fahrlässig, wenn Unternehmen aufgrund der kritischen Stimmen, was den FKM betrifft, keine Vorsorge in Form einer effizienten Personalentwicklung betreiben würden.

[...]


[1] Die „Blue Card“ ist in Anlehnung an die amerikanische „Green Card“ entstanden; so sollen qualifiziertere Einwanderer angelockt werden. Diese „Blue Card“ gibt ihrem Inhaber das Recht, während eines Zeitraums von zwei Jahren, der verlängert werden kann, im Schengen-Raum zu arbeiten und sich dort frei zu bewegen.

[2] Unter dem Begriff Hochschule werden Fachhochschulen und Universitäten zusammengefasst.

[3] Erwerbstätige sind Personen im Alter von 15 Jahren und mehr, die im Berichtszeitraum wenigstens eine Stunde für Lohn oder sonstiges Entgelt irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen bzw. in einem Arbeitsverhältnis stehen (Arbeitnehmer einschl. Soldaten und Soldatin- nen sowie mithelfende Familienangehörige), selbstständig ein Gewerbe oder eine Landwirtschaft betreiben oder einen freien Beruf aus­üben. Je nach Verwendungszweck werden die Erwerbstätigen mit Wohnsitz in Deutschland (Inländerkonzept) oder mit Arbeitsort in Deutschland (Inlandskonzept) dargestellt.

[4] Erwerbspersonen sind Personen mit Wohnsitz in Deutschland (Inländerkonzept), die eine unmittelbar oder mittelbar auf Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben oder suchen (Selbstständige, mithelfende Familienangehörige, abhängig Beschäftigte), unabhängig von der Bedeutung des Ertrages dieser Tätigkeit für ihren Lebensunterhalt und ohne Rücksicht auf den Umfang der von ihnen tatsächlich geleisteten oder vertragsmäßig zu leistenden Arbeitszeit. Erwerbspersonen setzen sich aus den Erwerbstätigen und den Erwerbslosen zusammen.

[5] Nichterwerbspersonen sind Personen, die nach dem ILO-Konzept weder als erwerbstätig noch als erwerbslos einzustufen sind. Definitionen aus: (Statistisches Bundesamt Deutschland_2. S. 78)

[6] Hierzu zählt die Ausbildung in einem Betrieb oder ein Hochschulstudium (Fachhochschule oder Universi­tät).

[7] Bei Akademischen Berufen wird auch vom Akademikerzyklus gesprochen.

[8] Annahmen: Geburtenhäufigkeit annähernd konstant bei 1,4 Kindern je Frau; Lebenserwartung Neugeborener im Jahr 2050: Jungen 83,5 Jahre und Mädchen 88,0 Jahre Sowie einem Wanderungssaldo von 100.000 Menschen (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland).

[9] Die Bundesanstalt für Arbeit trägt seit dem 1. Januar 2004 den Titel Bundesagentur für Arbeit.

[10] Das sind die Zeiten, welche die Unternehmen benötigen, um eine vakante Arbeitsstelle zu besetzen.

Details

Seiten
108
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640099955
ISBN (Buch)
9783640256358
Dateigröße
4.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94598
Institution / Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Wilhelmshaven
Note
1,7
Schlagworte
Personalentwicklung Instrument Beseitigung Fachkräftemangels

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Personalentwicklung: Ein Instrument der Beseitigung des Fachkräftemangels