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Der soziale Wandel und die Frage nach den Aufgaben der Lehrenden in der konstruktivistischen Erwachsenenbildung

Seminararbeit 2008 9 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

1. Werte: eine Annäherung

2. Die konstruktivistische Erwachsenenbildung: ein Einblick

3. Die Aufgaben der Lehrenden in der konstruktivistischen Erwachsenenbildung im Kontext des Wertewandels: eine Analyse

4. Conclusio

Der soziale Wandel und die Frage nach den Aufgaben der Lehrenden in der konstruktivistischen Erwachsenenbildung

Vorbemerkung:

Den sozialen Wandel, der auch einen Wandel von Tugenden miteinherbringt, hat es im Laufe der Zeit immer gegeben. Allerdings hat er sich in den letzten 10 bis 15 Jahren sehr beschleunigt – ein Grund dafür ist auch die immer stärker werdende Globalisierung – und zieht somit enorme Folgen für die Gesellschaft nach sich. Auch die Individuen in eben dieser sind diesem Wandel unterworfen bzw. können sich ihm nicht widersetzen, ebenso wie und vor allem die Erwachsenenbildung. Wo der Wandel beim Menschen großteils unbewusst von Statten geht, ist die Erwachsenenbildung gefordert bewusst ihre Methodik umzustellen um den neuen, durch den Werte- bzw. sozialen Wandel hervorgerufenen Anforderungen der Gesellschaft an die Individuen gerecht zu werden. . Diese Überlegungen bringen mich zum Thema meiner wissenschaftlichen Arbeit: Der Einfluss des sozialen Wandels auf die Aufgaben der Lehrenden in der konstruktivistischen Erwachsenenbildung.

Mit diesem Thema werde ich herausfinden, wie sich der Wertewandel der letzten Jahre auf die Erwachsenenbildung bzw. auf die Einstellungen der Partizipant/innen in eben dieser auswirkte. Außerdem stelle ich mir die Frage, ob überhaupt ein Wertewandel an sich stattgefunden hat oder sich nur die Akzeptanz der Werte änderte. Darauf beruht meine Forschungsfrage:

Gab es einen Werte- bzw. sozialen Wandel in den letzten 15 Jahren, wie beeinflusst er die Aufgaben in der konstruktivistischen Erwachsenenbildung im deutschsprachigen Raum und was müssen/mussten Seminarleiter/innen in ihrer Lehre demnach berücksichtigen? Die Beantwortung dieser Frage zielt auf eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Werte’. Außerdem soll sie eine Hilfe sein, die Hintergründe bestimmter Verhaltensweisen von Lehrenden und Lernenden im Bildungsprozess bzw. in Bildungsinstitutionen nachzuvollziehen und besser verstehen zu können.

Der Aufbau meiner wissenschaftlichen Arbeit ist wie folgt: In Kapitel 1 werde ich den Begriff des ‚Wertes’ möglichst facettenreich darlegen um Unklarheiten vorzubeugen. In weiterer Folge, in Kapitel 2, wird ein kurzer Einblick in die konstruktivistische Erwachsenenbildung gegeben. Kapitel 3 behandelt die spezifischen Aufgaben der Lehrenden in der Erwachsenenbildung im Bezug auf den sozialen Wandel, also die Beantwortung der Forschungsfrage.

1. Werte: eine Annäherung

Wir, als mündige Individuen, besitzen Werte. Jede/r von uns trägt seine/ihre Werte täglich mit sich mit und handelt dementsprechend danach. Doch was sind diese ‚Werte’ eigentlich? Der Begriff ‚Wert’ ist in allen Disziplinen vorhanden, wobei er dort wo Menschen zusammenleben und -handeln (müssen) seine Bedeutung stetig gestiegen und gediehen ist. Es bedarf ethischer, auf Werten basierender, Verhaltensmuster um ein Zusammenleben zu ermöglichen. Gesellschaften beruhen auf Gemeinsamkeiten und somit auch auf einem gemeinsamen Wertebild: hierzu verweise ich auf Eisenmann (2006), der Schlorhemmer zitiert: „Werte sind Mosaiksteine für unsere Ideale. In Zuordnung zueinander entsteht erst ein Ganzes“ (Schlorhemmer, S.15 zit. n. Eisenmann 2006, S.132). Die individuellen Werte, die im permanenten Diskurs mit Überzeugungen und Einstellungen zur Welt entstehen, verbinden sich zu einem ganzen Wertebild, welches als Basis für ein ‚nicht wertloses Handeln’ angesehen werden kann. Das Subjekt, wie auch die Gesellschaft, entscheidet sich je nach den Gegebenheiten einer Situation unbewusst für relevante Werte, die in einer Hierarchie angeordnet sind. So findet der/die Einzelne im Zuge seiner/ihrer Interaktion mit der Umwelt die passende, im Laufe der Sozialisation und durch Erfahrung, gelernte, Wertorientierung. Die persönliche Einstellung zu diesen Werten, auf die das soziale Umfeld stark einwirkt, beeinflusst die Akzeptanz von bestimmten Werten.

Werte geben Sicherheit im Handeln. Um diese Sicherheit zu erfahren, muss das Individuum zuerst selbst erlebte Werte verinnerlichen bzw. verinnerlicht haben. Erst dann entsteht eine Vorstellung über richtiges oder falsches Handeln. Des Weiteren muss der/die Einzelne die Werte der Gesellschaft, die diese selbst im Diskurs mit den Mitglieder/innen bestimmt, annehmen um nicht aus ihrem Rahmen zu fallen. So führt Eisenmann berechtigter Weise aus: „Werte [sind] keine abstrakten Konstrukte (…), die von irgendjemand willkürlich festgelegt werden“ (Eisenmann 2006, S.133). Aus dem praktischen Handeln kommend, werden sie wieder in der Praxis eingesetzt, wodurch sie sich ständig verändern. Was mich zum Begriff des ‚Wertewandels’ bringt.

Dieser Terminus ist ein Vielschichtiger und muss auf mehreren Ebenen durchleuchtet werden. Primär werden darunter die sich verändernden Prioritäten im Bezug auf die Handlungsorientierung verstanden. So wurden die ‚alten’ bürgerlichen Tugenden[1], die für den schnellen Wiederaufbau des zerstörten Deutschlands postuliert wurden, in den 1960er, insbesondere durch die 68er Revolution (vgl. Eisenmann 2006, S.146) einer Neuorientierung unterzogen. Es ist anzumerken, dass die bürgerlichen Tugenden jedoch nicht ihre Bedeutung verloren haben, sondern lediglich einen anderen Stellenwert, der sich der Gesellschaft anpasst und an dem sich wiederum die Gesellschaftsmitglieder anpassen, erhielten. Daher ändert sich nur das persönliche Verhältnis zu und die Akzeptanz von Werten, jedoch nicht die Werte selbst . Insbesondere heißt das, dass sich die Lebenskultur veränderte, gesellschaftliche Gegebenheiten wurden zunehmend kritisch hinterfragt. Dazu gehören die Einstellungen zur Religion, Politik, Moral, Sexualität und der Umgang mit anderen Menschen. Neue Wertorientierungen wie Autonomie, Eigenverantwortlichkeit, Akzeptanz des Anderen, Kooperation usw. nehmen den Platz der ‚alten Werte’ ein. Klages (1985) erklärt, dass das Rückgrat des Wertewandels im Wandel von ‚Selbstzwang- und Selbstkontrollwerten’ zu ‚Selbstenfaltungswerten’ liegt. (vgl. Klages 1985, zit. n. Eisenmann 2006, S.146).

[...]


[1] dazu zählen: Fleiß, Ordnungsliebe, Pünktlichkeit und Ehrgeiz

Details

Seiten
9
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640106752
ISBN (Buch)
9783640113989
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94609
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
1,0
Schlagworte
Wandel Frage Aufgaben Lehrenden Erwachsenenbildung Allgemeine Pädagogik

Autor

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