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Berlin im Blick

von Nicolai Fleckenstein (Autor) Özgün Özbey (Autor)

Referat / Aufsatz (Schule) 1999 15 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

BERLIN IM BLICK

Ein Referat von Ö. Özbey und N. Fleckenstein

Berlin ist die alte und neue Hauptstadt Deutschlands, sowie die größte Stadt der Bundesrepublik. Doch nicht dies allein ist der Grund, warum Berlin nach der Wiedervereinigung zu Deutschlands Touristenmagnet Nr. 1 wurde. Es ist vielmehr auch die historische Pracht, kombiniert mit futuristischem Aufbruch, der Berlin so einzigartig macht. Straßen wie der Kurfürstendamm oder Unter den Linden sind gleichermaßen bei Geschäftsleuten und Touristen beliebt, dies schafft sonst nur die Avenue des Champs-Elysées in Paris oder die 5th Avenue in New York.

Doch leider fällt den wenigsten mehr über Berlin ein, als Brandenburger Tor und Berliner Mauer.

1. Zur Geographie Berlins:

Berlin liegt im Nordosten der Bundesrepublik Deutschland, und ist eingeschlossen vom Bundesland Brandenburg. Groß-Berlin hat eine Fläche von 889 km², bei ca. 3,47 Millionen Einwohnern.

Die Stadt ist eingeteilt in 23 Bezirke (12 im ehemaligen Westteil, 11 im ehemaligen Ostteil). Die größten davon sind Köpenick, Reinickendorf und Spandau.

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Abb. 1.1: Die Bezirke Berlins

Durchflossen wird Berlin von der Spree, der Havel und der Panke, welche die zahlreichen Seen in und rund um Berlin bilden, von welchen der Wannsee der größte und bekannteste ist. Die Seen werden hauptsächlich als Naherholungsgebiete genutzt.

Entgegen aller Vorstellungen ist Berlin doch eine ziemlich grüne Stadt.

Mehrere Wälder, sowie die Auen der Spree sind über die Stadt verbreitet. Der Treptower Park, eine der grünen Lungen Berlins dient neben der Erholung im Grünen auch zur Vergnügung. Etwas versteckt im Wald ist der SPREEPARK beheimatet, ein kleiner Vergnügungspark für jung und alt.

Höchste Erhebungen in Berlin sind die Müggelberge (115 m ) und der Trümmerschuttberg (120 m).

Berlin besitzt wie Bremen und Hamburg den Status eines Bundeslandes.

Jedoch hat die Lage Berlins nicht nur gute Seiten. Durch die Grenznähe zu Polen, und den ehemaligen GUS-Staaten, können Kriminelle aus dem Ostblock schnell in die deutsche Hauptstadt gelangen, und ebenso schnell wieder verschwinden. Einer der vielen Gründe, warum Berlin eine hohe Kriminalitätsrate hat, wenn auch nicht die höchste Deutschlands:

Eine weitere Besonderheit Berlins ist die in Deutschland einzigartige Stadtautobahn. Während die Autobahnen im übrigen Deutschland um die Städte herumführen, durchquert die Autobahn in Berlin die Stadt mittendurch. Dies ist notwendig, um den Verkehr in der Stadt selbst zu entlasten.

2. Kultur & Sehenswürdigkeiten

2.1. Das Brandenburger Tor

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit Berlins ist das monumentale Wahrzeichen der Stadt: das Brandenburger Tor. Zwischen 1788 und 1791 wurde es von Carl Gotthard von Langhans errichtet, der sich mit dem Bau an den griechischen Propyläen1 orientierte. 1794 wurde es um den vierspännigen Wagen mit der Siegesgöttin Victoria erweitert. Das Brandenburger Tor ist der westliche Abschluß der Prachtstraße

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Abb. 2.1: Das Brandenburger Tor

Da das Brandenburger Tor nach dem 2. Weltkrieg in den sowjetischen Sektor fiel, und später in den Sperrbezirk der deutsch-deutschen Grenze, galt es lange als Symbol der geteilten Stadt. Nach dem Ende der DDR wurde es grundlegend renoviert und für den Durchgangsverkehr geöffnet.

2.2. Die Gedächtniskirche:

Am östlichen Ende des Kurfürstendammes, der größten Einkaufsstraße Berlins, steht die Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirche, die 1891-1895 erbaut wurde. Die im 2. Weltkrieg zerstörte Turmruine, welche auch unter dem Namen ,,Hohler Zahn" bekannt ist, blieb als Mahnmal stehen. Daneben wurde eine moderne achteckige, neue Gedächtniskirche mit sechseckigem Turm erbaut (1959-1961).

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Abb. 2.2: Die Ged ä chtniskirche

2.3. Die Siegessäule

Gegenüber dem Brandenburger Tor, am Ende der Straße des 17. Juni steht die Siegessäule, im Volksmund auch ,,Goldelse" genannt. Die Statue auf der Spitze, sowie die Kanonen sind mit feinstem Gold überzogen.

Im Inneren der Siegessäule befindet sich ein Museum. Wer Kondition hat, kann auch die zahlreichen Stufen bis zur Aussichtsplattform erklimmen.

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Abb. 2.4.: Unter den Linden

Berlins Prachtstraße Unter den Linden lag während der Teilung ebenfalls im Ostteil der Stadt.

Nach der Wiedervereinigung kehrte das Leben in den ,,Ku'damm des Ostens" zurück. Das Standbild erinnert an den Preußenkönig Friedrich den Großen. Unter seiner Herrschaft erhielt die Straße ihr Aussehen.

3. Die Geschichte Berlins:

Die Stadt Berlin entwickelte sich im 12. Jahrhundert aus zwei Kaufmannssiedlungen Berlin und Cölln. Beide Städte, die günstig am Spreeübergang und Schnittpunkt mittelalterlicher Handelsstrassen lagen, nahmen einen schnellen Aufschwung und bildeten 1307 eine Union.

1709 vereinigten sich beide Städte unter Einschluß von drei Vorstädten auf Befehl des Preußischen Königs Friedrich I. ( 1688-1713 ) zur Residenzstadt Berlin mit insgesamt 57 000 Einwohnern.

Im 15. Jahrhundert machten die Hohenzollern Berlin zur Hauptstadt der Mark Brandenburg. Berlin wurde vom 30jährigen Krieg ( 1618-1648 ) schwer getroffen. Die Bevölkerungszahl von ca. 12 000 wurde halbiert. Friedrich Wilhelm, von 1640-1688 Kurfürst von Berlin, holte deshalb die in Frankreich verfolgten Protestanten, die Hugenotten, in die Mark; ca. 6 000 von ihnen kamen ab 1685 nach Berlin.

Im 18. Jahrhundert setzte sich der Aufschwung Berlins stetig fort. Sogar der 7jährige Krieg ( 1756-1763 ) konnte das Wachstum der Stadt nicht wesentlich verzögern. Als 1786 Friedrich II., der Große, König von Preußen ( 1740-1786 ), starb, betrug die Einwohnerzahl bereits 150 000.

Berlin entwickelte sich zu einem Zentrum der Aufklärung in Deutschland. Die in dieser Zeit entstandenen Repräsentationsbauten bestimmen heute noch die Mitte Berlins: Zeughaus, Staatsoper unter den Linden, Alte Bibliothek, Prinz-Heinrich-Palais ( heute Humboldt-Universität ), St.-Hedwigs-Kathedrale.

Nach dem die Stadt durch Napoleon 1806 besetzt worden war, wurde die Preußische Hauptstadt Mittelpunkt der patriotischen Bewegung gegen die Fremdherrschaft und damit auch von Bestrebungen zur gesellschaftlichen Erneuerung Preußens. Die Stadt entwickelte sich zu einem dynamischen Kulturzentrum mit einer Weltbekannten Universität ( Berliner Universität ).

Die bürgerliche Revolution vom März 1848 konnte die Entwicklung Berlins kaum stören. Berlin konnte am politischen und wirtschaftlichen Aufstiegs partizipieren und erreichte 1870 bereits eine Einwohner-Zahl von 800 000.

Durch die Gründung des Deutschen Reiches in Versailles (1871) wurde Berlin die Hauptstadt von Deutschland.

In folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Berlin zu einem wichtigen Industriezentrum, zur Europäischen Metropole.1882 wurden die AEG, bald größer Elektrokonzern Deutschlands, gegründet. Aus der 1847 gegründeten Telegraphenanstalt entstand die Weltfirma Siemens. 1902 fuhr die von Siemens gebaute erste U-Bahn ; ein Jahr später transportierte sie schon 30 Mio. Fahrgäste. Die Stadt konnte auch besonders von ihrer Lage im Mittelpunkt eines großen Eisenbahnnetzes profitieren. Berlin erlangte gleichzeitig in der Wissenschaft internationale Bedeutung, z.B. durch Wissenschaftler wie Rudolf Virchow, Robert Koch und Emil von Behring, Theodor Mommsen oder Max Planck und der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. Durch Schriftsteller wie Theodor Fontane und Gerhard Hauptmann, oder Maler wie Max Pechstein oder Emil Nolde, machten in ganz Europa den Ruf Berlins über seine Grenzen hinaus bekannt.

Der Erste Weltkrieg unterbrach die Entwicklung Berlins. Durch die militärische Niederlage Deutschlands wurde Kaiser Wilhelm II. am 9. November 1918 zum Rücktritt gezwungen, und am selben Tag rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Fenster des Berliner Reichstagsgebäudes die Republik aus. Da Berlin, die Hauptstadt der neuen Republik, schon längst über seine Grenzen hinausgewachsen war, schloß es sich 1920 mit sieben umliegenden Städten, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken zu ,, Groß-Berlin" zusammen. Die Einwohnerzahl stieg auf 3,8 Millionen.

Berlin wurde nun zur größten Industriestadt des Kontinents, zugleich die größte Zeitungstadt Deutschlands ( 149 Tageszeitungen ). Berühmte Architekten wie Walter Gropius und Emil Fahrenkamp bauten in der Stadt. Der Rundfunk erlebte 1923 seine deutsche, 1931 das Fernsehen seine Weltpremiere.

Durch berühmte Wissenschaftler wie Albert Einstein, Carl Bosch und Fritz Haber erhielt Berlin Nobelpreise. Die künstlerische Epoche wurde von Malern wie George Grosz und John Heartfield oder von Schriftstellern wie Berthold Brecht und Kurt Tucholsky geprägt.

Durch die Ernennung von Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler begann der Nationalsozialismus.

170 000 in Berlin lebende Juden wurden von Anfang an verfolgt. 60 000 Berliner Juden wurden im Oktober 1941 in den Vernichtungslagern ermordet. Der Zweite Weltkrieg, der am 1. September von Berlin aus begann, hat Berlin schwer getroffen. Über 600 000 Wohnungen waren völlig zerstört. Von 4,4 Mio. Menschen vor Kriegsbeginn lebten nur noch 2,8 Mio. in der Ruinenstadt.

3.1 Geteilte Stadt:

Die Siegermächte USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich besetzten Deutschland und Berlin bekam einen Sonderstatus:

Die Stadt sollte von allen vier Mächten gemeinsam und einheitlich verwaltet werden. Demzufolge wurde Berlin in vier Besatzungszonen aufgeteilt. 1948 hatten die Sowjets nach der Aufhebung der gemeinsamen Verwaltung Deutschland durch die Siegermächte im Zuge verstärkter Ost-West-Spannungen versucht, das Gebiet Berlin als der Teil der Sowjetischen Zone zur annektieren, indem sie durch eine Blockade, d.h., der Sperrung aller Land- und Wasserwege nach Berlin für den Güterverkehr, die Stadt von der Lebensmittelversorgung abschnitten. Die Westmächte beugten sich diesen Druck jedoch nicht, sondern versorgten den Westteil der Stadt fast ein Jahr lang über eine Luftbrücke, bis die Sowjets aufgaben. Die Luftbrücke führte zu einer Wende im Verhältnis zwischen Westberlinern und den westlichen Siegermächten. Aus Besatzungsmächten wurden ,,Schutzmächte".

Die im November 1948 eingeführte verfassungswidrige Einsetzung einer eigenen Ost- Berliner Stadtverwaltung neben dem legalen, aus den Gesamtberliner Wahlen im Herbst 1946 hervorgegangenen Magistrat schließlich zur politischen Spaltung der Stadt. Die beiden deutschen Staaten, die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik, wurden 1949 gegründet. Ost-Berlin als Hauptstadt der DDR immer stärker in die DDR eingegliedert, während in West-Berlin die formale Oberhoheit der Westalliierten bis 1990 gewahrt blieb, West-Berlin hatte jedoch die Eigenschaften eines Bundeslandes der BRD. In den 50er Jahren suchten viele Bürger der DDR eine Befreiung vom politischen und wirtschaftlichen Druck durch die Flucht in den Westen. Aber Aufstände, wie der Arbeiteraufstand am 17.Juni 1953 wurden sowjetischen Truppen gewaltsam niedergeschlagen.

Am 13.August 1961 begann die DDR-Regierung mit dem Bau der Berliner Mauer, um vor allem den steigenden Flüchtlingsstrom von Ost- nach Westberlin ( und somit in die BRD ) zu stoppen.

Die West-Berliner fühlten sich durch den Mauerbau bedroht, der Besuch Kennedys 1963 - bei dem er den berühmt gewordenen Satz ,,Ich bin ein Berliner" sprach- hat den West-Berlinern, trotz östlicher Drohgebärden Vertrauen in die Zukunft ihrer Stadt zu setzen. Kennedy versprach Hilfe, welche dann auch kam - die Amerikaner beteiligten sich an der Versorgungsluftbrücke zwischen der BRD und West-Berlin.

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Abb. 3.1: Die Luftbr ü cke

In den 60er Jahren gingen von Westberlin die Studentenrevolte aus, in den 70er Jahren die Hausbesetzerbewegung und die Alternativ-Bewegung der 80er Jahre, die für ganz Westdeutschland prägend werden sollten. In Ostberlin dagegen kristallisierte schon frühzeitig die Opposition gegen das SED-Regime, die schließlich zum Wegbereiter der Wende in der DDR wurde. Außerdem wurde den Westberlinern erlaubt, kurze Besuche in Ostberlin zu machen, weitere Verbesserungen der deutsch-deutschen Beziehungen infolge des Viermächte-Abkommens von 1971 der Ostpolitik von Willy Brandt (SPD ), von 1957 bis 1966 regierender Bürgermeister von Berlin und 1969 bis 1974 Bundeskanzler zu verdanken.

3.2 Wiedervereinigung:

Der Fall, der am 9. November 1989 völlig unerwartet geöffneten Mauer, markierte das Ende der deutschen Teilung wie auch der Teilung Berlins.

Die Bürgerbewegung in der DDR wurde zu einer wahren Massenbewegung. Die zahlreichen Ausreisenden verstärkten zusätzlich noch den Druck auf die Regierung der DDR.

Somit mußte die DDR-Führung dem Druck der eigenen Bevölkerung nachgeben, der sich schon Monate davor verstärkt hatte. Die neue Regierung unter Lothar de Maizière schloß mit der BRD einen Unions- vertrag, der am 1. Juli 1990 in Kraft trat.

Dies war allerdings nicht das Ziel der Bürgerbewegung. Sie wollte die Fortbestehung der DDR, allerdings politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich grundlegend reformiert. Am 31. August 1990 folgte dann der endgültige Einigungsvertrag der Bundesrepublik mit der DDR. Nach diesem traten die Länder der DDR am 3. Oktober 1990 der BRD bei.

Berlin wurde nach einem halben Jahr der Wiedervereinigung im Oktober 1990 wieder zur Bundeshaupt-stadt, und der 3. Oktober zum ,,Tag der Deutschen Einheit" erklärt. Der Regierungssitz ist seit Anfang Juli 1999 wieder in Berlin, der Bundestag eröffnet nach der Sommer- pause 1999 seine Regierungsgeschäfte erstmals im umgebauten Reichstagsgebäude in Berlin.

Die Mauer wurde indes als Kunstobjekt benutzt. Bereits seit 1984 wurde sie mit großen Bildern bemalt. Die ersten illegalen Künstler waren die Franzosen Thierry Noir und Christophe Bouchet. Tausende von Touristen sehen sich heute noch ihre Bilder an, und hinterlassen selbst ihren Namen auf den kärglichen Resten der einstigen deutsch- deutschen Grenze

4. Berlin heute

Berlin ist die Hauptstadt und zugleich die größte Stadt der Bundesrepublik Deutschland mit 3,5 mio. Einwohnern, darunter knapp 500 000 ausländische Mitbürger (ungefähre Einwohnerzahl Stuttgarts).

Durchflossen wird Berlin von den Flüssen Spree, Havel und Panke. Berlin hat auch beliebte Naherholungsgebiete wie den Großen Wannsee, den Müggelsee und den Tegeler See.

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Abb. 4.1: Die Stadt Berlin heute

Der erste regierende Bürgermeister von Gesamtberlin war Eberhard Diepgen (CDU).Die Bürger von Berlin entschieden am 5.Mai 1996 per Volksabstimmmung zur Länderehe von Berlin mit Brandenburg.Es kam aber nicht zu dieser Fusion, da die Brandenburger Mehrheit dagegen stimmte.

Berlin hat durch die Wiedervereinigung die wirtschaftliche Unterstützung der Bundesregierung erhalten. Berlin gilt außerdem als bedeutende Messe- und Kongressstadt Deutschlands. Berlin ist gleichzeitig der Veranstaltungsort der Berlinale (Filmfestspiele), der Grünen Woche (größte Landwirtschaftsmesse Deutschlands) und der Internationalen Funkausstellung. Sehr populär geworden ist der jährliche ,,Karneval der Kulturen", bei dem jedes Jahr um Pfingsten herum Berliner aller Nationen einen großen Umzug in Kreuzberg veranstalten.

Doch wie in jeder Stadt, gibt es auch in Berlin Problemzonen. Paradebeispiel: Kreuzberg. Der Stadtteil mit dem höchsten Ausländeranteil und der höchsten Kriminalitätsrate Berlins macht den Stadtvätern schon seit Jahren Sorgen. Die Kriminalität nimmt zwar ab, jedoch ist es immer noch gefährlich, sich nachts in Kreuzberg zu bewegen.

Eine andere Problemzone Berlins ist der Stadtteil Marzahn. In der Trabantenstadt aus DDR-Zeiten wohnen sehr viele Arbeitslose in tristen Plattenbauten. Noch schlimmer ist es in Schöneweide, einem Teil von Köpenick. In den heruntergekommenen Häuserfassaden sieht man meist noch die Einschußlöcher aus dem Zweiten Weltkrieg.

Balkone mussten abgerissen werden, da sie auf die Straße zu fallen drohten, Häuser sind einsturzgefährdet. Obwohl man im Augenblick damit beginnt, das Gebiet rund um die Wilhelminen- hofstraße in Schöneweide zu renovieren, wird es noch lange dauern, bis der Stadtteil völlig saniert ist, und sich von seinem heruntergekommenen Image erholt hat.

5. Die Zukunft Berlins

5.1. Der Potsdamer Platz

Die Zukunft Berlins liegt vor allem an einem Ort: dem Potsdamer Platz. Ende des 19. Jahrhunderts soll es sich um den lebendigsten Platz der Stadt gehandelt haben. In den 20er Jahren war er der verkehrsreichste Platz Berlins. Dann war er - da er nach dem 2. Weltkrieg an der Grenze dreier Sektoren lag - zentraler Schwarzmarktplatz. Nach dem Bau der Mauer war er ein Teil des Todesstreifens und damit plötzlich zu einem der leblosesten Plätze der Stadt geworden.

1999 hält der Potsdamer Platz wieder einen Rekord. Er ist die größte Baustelle Europas. Berlin baut sich ein neues Zentrum. Jedoch hat auch diese Medaille eine Kehrseite: Die historischen Gebäude am Potsdamer Platz werden entweder eingeglast, abgetragen, oder aber sie sind zwischen den gigantischen Hochhäusern nicht mehr zu entdecken. Baut sich die Stadt Berlin ihr eigenes, kleines Manhattan?

Fest steht: Der Potsdamer Platz, soll der neue Zentralpunkt Berlins werden. Die Mittel dazu? Diese heißen beispielsweise Daimler-City oder Sony-Center. Was deutlich zeigt, dass hier Weltfirmen ihre Hand im Spiel um die Neugestaltung (und Neuverschuldung) Berlins haben. Richtig, Neuverschuldung! Denn auch wenn der größte Teil von Großfirmen entwickelt, und finanziert wird, muß die ohnehin schon stark ver- schuldete Stadt Berlin tief in die Tasche greifen. Denn immerhin mussten für das neue Gesicht des Potsdamer Platzes zahlreiche Straßen verlegt werden.

Das Gebiet rund um den Potsdamer Platz ist stark kommerzialisiert, d. h. viele Geschäfte, wenig Wohnungen. So gehören größtenteils Büroflächen, Unterhaltungsmöglichkeiten (Kinos etc.), und Ladenflächen zur Nutzungsfläche, beispielsweise die Potsdamer Platz Arkaden, welche allerdings 200 Meter vom eigentlichen Potsdamer Platz entfernt sind, und auf drei Ebenen reichlich Gelegenheit zum Shopping bieten.

die sich gleichwohl das alte Vorkriegs-Berlin, aber auch im Gegenzug dazu die amerikanischen Metropolen als Leitbild nimmt. Ziel: Eine perfekte europäische Stadt, sowie ein Beitrag zum Zusammenwachsen der beiden Stadthälften. Das beste (Gegen)Beispiel: Daimler-City und das angrenzende Kulturforum. Sie zeigen ihren ,,Zusammenhalt" indem sie direkt nebeneinander schon fast un- vorschriftsmäßig einander architektonisch unangepasst gegenüber stehen.

5.2. Der Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin

Der Umzug der Bundesregierung in das neue Regierungsviertel an der Spree gibt der Stadt eine völlig neue Bedeutung. Berlin, die alte und wiederentdeckte Hauptstadt, 1949 von Bonn als Hauptstadt abgelöst, 1990 Wiedererlangung der Hauptstadtswürde empfängt nach der Sommerpause des Bundestages 1999 die Abge- ordneten. Die erste Sitzung im umgebauten Reichstag ist nicht mehr so weit weg.

Doch ist Berlin wirklich bereit, wieder Sitz der deutschen Regierung zu werden? Kritiker sagen ,,nein".

Der Staatshaushalt sei sowieso zu labil, um einen solchen Großumzug zu finanzieren. Ebenso wie das Stadtsäckel von Berlin, das auch einen Teil der Kosten tragen musste. Man muss sich erst wieder daran gewöhnen, Berlin als deutsche Hauptstadt und Regierungssitz zu nennen.

Sämtliche Fernsehsender planen bereits ihren Umzug nach Berlin - bis auf einen, der dort bereits ansässig ist.

Doch der Regierungsumzug hilft sicherlich auch, Berlin von der Sicht des Auslands wieder ins rechte Licht zu rücken. Waren Politiker bisher in der Rheinstadt Bonn zu Besuch, werden sie nun in Berlin zur Audienz gebeten, wo sie sich persönlich davon überzeugen können, dass Berlin längst nicht mehr die geteilte, auseinandergerissene Stadt ist, die sie einmal war. Vielleicht hilft der Umzug auch dabei, dass die Berliner stolz auf ihre Heimatstadt sein können, wegkommen von den Gedanken, dass in dieser Stadt einst ein Diktator regierte, dessen Herrschaft letztendlich dafür sorgte, dass Berlin geteilt wurde. Dann können sie mit Stolz den Satz sagen, den schon der ehemalige US- Präsident John F. Kennedy auf dem Balkon des Schönefelder Rathauses sprach: ,,Ich bin ein Berliner."

5.3. Bundesland Berlin-Brandenburg?

Man sollte eigentlich denken, dass nach der deutlichen Volksabstimmung zur Länderehe von Berlin und Brandenburg dieses Thema endgültig vom Tisch sei. Irrtum. Berlin hätte es dringend nötig, schon allein aus finanziellen Gründen. Daher bemüht sich der Berliner Senat gleichwohl wie der Regierende Bürger- meister Eberhard Diepgen um eine neue Volksabstimmung. Ob diese bessere Ergebnise bringen würde, weiß keiner. Brandenburgs Bevölkerung hatte sich strikt geweigert, das bankrotte Berlin aufzunehmen, während es sich die Berliner Bevölkerung gewünscht hätte. Sollte es irgendwann zu einer zweiten Ab- stimmung kommen, wird diese wohl genauso ausfallen, zumindest bis Berlin sein Budget wieder voll hat.

Dann ist sicher ein Bundesland Berlin-Brandenburg nicht mehr auszuschließen.

5.4. Sanierung Ost

In der Sanierung des Ostteils der Stadt geht Berlin in den letzten Monaten schnelle Schritte. Häuser werden saniert, Neubauten erstellt. Man hat den Eindruck, Berlin wolle uns zeigen, dass der Solidaritätszuschlag, den die Bewohner der alten Bundesländer zahlen, für gute Zwecke verwendet wird.

Und es hat sich tatsächlich schon einiges getan. Die trostlos grauen Plattenbauten wurden bunt gestrichen, einsturzgefährdete Häuser abgerissen und renovierungsbedürftige Gebäude saniert.

Wenn Berlin jetzt diesen Sanierungskurs weiter durchhält, dann wird auch der Ostteil der Stadt bald im gleichen Glanz erstrahlen wie der Westteil. Damit wäre wieder ein großer Schritt zur Einheit Berlins getan.

6. Der Reichstag

Nach dem Umzug der Bundesregierung muss sich der Reichstag einer völlig neuen Aufgabe stellen, diente er doch bisher als Museum.

Der Reichstag hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Er wurde 1884-1894 erbaut.

Nach seiner Fertig- stellung galt er als das modernste Parlamentsgebäude der Welt.

Bereits 2 Jahre nach seiner Eröffnung, 1896, wird das erste Bürgerliche Gesetzbuch verabschiedet. 1918, nach dem 2. Weltkrieg wird von ihm aus die Republik ausgerufen. Kurz danach beginnen die Tagungen der Nationalversammlung.

1932 der erste Eklat. Es kommt zu Saalschlachten zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten.

Am 27.2.1933, vier Wochen nach der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler geht der Reichstag in Flammen auf. Das Parlament zieht in die Kroll-Oper.

1936 plant der Architekt Hitlers den Abriß des Reichstages. An seine Stelle soll die ,,Halle des Volkes" gebaut werden. Doch Hitler stellt sich gegen den Abriß.

1945, bereits nach Hitlers Tod wird rund um den Reichstag noch gekämpft. Zahlreiche Soldaten lassen in den letzten Zügen des Krieges noch ihr Leben. Am 30. April 1945 hissen die Sowjets die rote Fahne auf dem Reichstag.

1954 beginnt man mit den Aufräumarbeiten. Die zerschossene Glaskuppel wird entfernt und das Parla- mentsgebäude notdürftig saniert. Im Reichstag wird ein Museum eingerichtet.

Mit dem Fall der Mauer 1989 beginnt man sich wieder für den Reichstag zu interessieren. Der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble plädiert in einer Rede für Berlin als gesamtdeutsche Hauptstadt. Der contra-orientierte Bundestag lässt sich umstimmen. In einer Abstimmung wird Berlin wieder zur Hauptstadt gwählt. Im Oktober 1991 erklärt der Bundestag das Reichstagsgebäude wieder zum Parlaments- ort. Es beginnt der großangelegte Umbau des Reichstags.

Bei der Suche nach dem besten Umbauvorschlag siegt das Modell des englischen Stararchitekten Sir Norman Foster. Zum Umbau wird der Reichstag von dem Künstler Christo und seiner Frau in Folie verpackt. Alternative Technik derweil im Reichstag. Rapsöl-Heizung und Erdwärme-Klimaanlage.

Am 19.April 1999 ist der Umbau beendet, und das Volk erhält Zutritt zum Reichstag und seiner neuen Glaskuppel. Nach der Sommerpause 1999 beginnt hier der Bundestag zu arbeiten.

Impressum / Quellenverzeichnis:

Quellen: Microsoft EncartaTM Enzyklopädie

Stadt Berlin online ( www.berlin.de)

Hamburg-Web (www.hamburg-web.de)

Arbeitsgemeinschaft Mauerkunst (www.berliner-mauer.de)

Technische Universität Berlin (www.tu-berlin.de)

Bildquellen & Photos: Microsoft Encarta Enzyklopädie (Abb. 1.1; 2.1; 2.2; 2.4; 3.3)

Das Reichstagsarchiv (Abb. 6.1; 6.2)

Sebastian Zaune / Nicolai Fleckenstein (Abb. 2.3; 3.1; 3.2)

Verfasst von: Özgün Özbey und Nicolai Fleckenstein

Datum: 4. Juli 1999

Kontakt:NFleckenstein@gmx.de

Berlin im Blick MNI-Referat

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1 Zugang zur Akropolis in Athen

Details

Seiten
15
Jahr
1999
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94799
Note
2
Schlagworte
Berlin Blick

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Titel: Berlin im Blick