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Begriffsdefinitionen zu Stress, dem Schematisierungseffekt und dem Bystander-Effekt

Einsendeaufgabe 2012 10 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Stress

2. Schematisierungseffekt und Aussageverfälschung

3. Der Bystander Effekt

1. Stress

„Den Begriff Stress hat der österreichisch-kanadische Forscher Hans Selye in die Psychologie eingeführt, um die Reaktion von biologischen Systemen - also Tieren und Menschen - auf Belastung zu beschreiben. Stress ist als ein Symbol für Belastung ganz allgemein geworden.“ (nach Werner Stangl 2010)

Stress ist ein komplexer, vielfältiger Begriff, der in unterschiedlichsten Formen auftritt und wahrgenommen wird. Es gibt natürlich viele verschiedene Anzeichen, die auf Stress deuten lassen wie Unruhe, Nervosität, Atembeschwerden, Kopfschmerzen, uvm. Allerdings bin ich der Meinung, dass Stress etwas Subjektives ist und sich bei jedem anders bemerkbar macht und auch die Toleranzgrenze für Stressempfindlichkeit bei jedem wo anders liegt.

Um mir also einen kleinen Überblick über die unterschiedlichen Definitionen und Ursachen von Stress zu verschaffen, bat ich 20 Bekannte von mir (männlich und weiblich, zwischen 22 und 55, berufstätig) drei Fragen zum Thema Stress zu beantworten:

1. Wie definierst du Stress und wie kann sich Stress auf die Gesundheit und die Arbeitsleistung auswirken?
2. Welche Maßnahmen würdest du gegen Stress setzen?
3. Gibt es positiven Stress? Wenn ja, wie stehst du dazu?

Wie erwartet, haben alle 20 Testpersonen Stress mit der Arbeit verbunden. Nur sehr wenige fügten zu ihrer Beschreibung über Stress und den dazu führenden Ursachen auch noch Probleme im Privatleben dazu. Aussagen wie „Stress ist für mich, wenn man vor lauter Arbeit nicht mehr weiß wo man anfangen soll und total überfordert ist“ bekam ich von meinen Kollegen des Öfteren zu lesen. Natürlich ist das eine sehr einfache Definition, denn Stress wird als Synonym für Belastung und Überforderung nur allzu gerne benützt.

Doch eigentlich sehe ich Stress schon als fixen Bestandteil unseres Lebens, der durch die Schnelllebigkeit unserer Zeit ausgelöst wird. Ich glaube die Auswirkungen machen sich erst nach einer gewissen Zeit bemerkbar. Gerade weil uns oft nicht bewusst wird, dass wir unter Stress stehen, erlangt der Stress seine gefährliche Wirkung. Es sind viele einzelne Stresssituationen, die unterdrückt, ignoriert oder unterschätzt werden aber schließlich zu einem unüberwindbaren Problem werden können. Stress kann viele Gesichter haben: man unterscheidet negativen Stress „Distress” von positiven Stress „Eustress“.

Einer der häufigsten negativen Stressoren ist heutzutage „der chronische Zeitmangel“. 24 Stunden reichen vielen nicht mehr aus um ihre Tagesziele zu erreichen, aus diesem Grund wird oft der Tag so verplant, als hätte man das Doppelte zur Verfügung. Unsere Gesellschaft will nichts verpassen, immer up-to-date sein und mit allen Tätigkeiten lieber gestern als morgen fertig sein. Stress beginnt schon beim „ständigen Blick auf die Uhr“, bei der 20 minütigen Mittagspause, in der ein schnelles Mikrowellen-Essen Zeit sparen soll und beim ungeduldigen Warten auf den Bus. Die Auswirkungen von Stressbelastungen können sich kurzfristig durch Konzentrationsmängel, Denkblockaden, gesteigerte Herztätigkeit, Schwitzen ,… äußern und langfristig jedoch chronische Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magengeschwüre und sogar Herzinfarkte oder Hirnschläge zur Folge haben. Stress schlägt sich aber auch auf die Ernährung nieder. Ungesundes, schnelles und falsches Essen sind häufig Ergebnisse von zu viel Belastung.

Der geläufigste Begriff im Zusammenhang mit Stress ist seit einigen Jahren das „Burn-out“ also das „ausgebrannt“ sein. Immer mehr Menschen leiden an dieser körperlichen und emotionalen Krankheit. Laut Andreas Remmel, Ärztlicher Leiter des Psychosomatischen Zentrums Waldviertel ist das Burn-out "auch eine Art 'Pop-Psychologie', ein Modekonzept, im Spiel". Wenn es gegen das Wochenende oder zum Urlaub hingeht, meinen mittlerweile immer mehr Personen, sie seien schlicht und einfach Burnout-Opfer“ (nach Remmel, der Standarte, 24. Mai 2011)

In den 60igern war „ausgebrannt sein“ eine unbekannte Bedeutung. Meine Großmutter hatte vier kleine Kinder, eine Haus samt Garten und Tiere, eine pflegebedürftige Mutter und einen Mann der aus beruflichen Gründen nie da war. Heute wäre sie die perfekte Burn-out Kandidatin. Sie erzählte mir, dass sie sehr wohl gestresst war, aber niemals in solch einem Ausmaß, wie man es heute oft in Zeitungen über Betroffene liest.

Gab es Burn out also früher nicht? Oder sind wir heute einfach nur in unserer extremen „facebook – Konsum Gesellschaft“ durch den ständigen Drang besser und schneller zu sein noch viel mehr zusätzlichen Stressbelastungen ausgesetzt? Ich bin der Meinung, dass der menschliche Organismus diesen Trieb nach Anerkennung und Perfektionismus einfach auf Dauer nicht aushält - siehe Burn out, Nervenzusammenbruch oder einfach „nur“ Fertig g´fahren!

Ich bin mir aber sicher, dass beinahe jede Art von Stress vermeidbar ist. Unser Körper liefert uns Zeichen, wenn er nicht mehr kann, wenn er eine Pause braucht – er schickt uns dementsprechende Warnsignale. Der wichtigste Punkt um Stresssituationen zu entfliehen ist es, einen Ausgleich zu schaffen, also bewusst Termine in der Woche für Hobbies, für die Familie und Freunde einzuplanen. Die Zeiteinteilung spielt eine große Rolle, man muss sich bewusst machen, dass die Woche „nur“ sieben Tage hat. Es sollte nicht jede Minute verplant werden, sondern bewusst Pufferzeiten eingeplant werden und ein Tag zur freien Verfügung übrig bleiben. Auch das „Nein sagen“ gehört dazu – „Nein“ heute habe ich nur Zeit für mich und für sonst niemanden! Beim Thema Lernen ist es wichtig, sein Ziel nie aus den Augen zu verlieren und sich Lernanreize zu setzen (Kurzurlaube, Ausflüge, Shoppingtage,…).

Sein Leben völlig Stressfrei zu verbringen ist sicher unmöglich – dann würden wir ja auch keinen positiven Stress empfinden. Wenn man nach der Meinung meiner 20 KollegenInnen fragt, bekommt man zur Antwort, dass es sehr wohl möglich ist, Stress auch positiv und sogar als Motivation zu betrachten: „Wenn Arbeit Spaß macht und man gute berufliche Erfolge erzielt, spricht auch nichts dagegen, das eine oder andere Mal länger in der Arbeit zu bleiben.“ Der große Unterschied zwischen Distress und Eustress ist für mich, dass positiver Stress meist nur kurz andauert und fördernd wirkt und kein Dauerzustand ist. Eustress ist in manchen Situationen der Begleiter von Vorfreude: man steckt mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, organisiert eine Party, bekommt Familienzuwachs oder tritt eine neue Arbeit an. Aber auch das Lernen für eine große Prüfung kann als positiv empfunden werden, zwar verursacht es Stress, man weiß allerdings, dass diese Situation vorüber geht.

Stress in einem gewissen Ausmaß ist notwendig um den Menschen anzutreiben und aus ihm das best-mögliche hinaus zu holen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass wir Stress nicht vollkommen ausweichen können, wir müssen nur darauf achten, dass negativer Stress nicht unser Leben bestimmt sondern wir es sind, die Stress in gewissen Situationen zulassen.

2. Schematisierungseffekt und Aussageverfälschung

„Je besser sich Inhalte in ein allgemeines Struktur oder Ablaufschema bringen lassen, desto leichter können sie gemerkt und wieder abgegeben werden“ (Maderthaner, 2009)

Erinnerungslücken – wer kennt sie nicht oder wurde nicht schon unzählige Male von ihnen heimgesucht? Diese Lücken sind nicht immer auf lange Partynächte zurückzuführen sondern schleichen sich ganz unbewusst in unser Gedächtnis. Unser Gedächtnis funktioniert leider nicht wie ein Computer, in dem alle Erzählungen, Informationen, Geschichten, Lerninhalte und Erlebnisse vollständig gespeichert werden und jeder Zeit zum Abrufen bereit stehen. (Maderthaner, 2009) Unser eigener geistiger „Computer“ ist mit der gesamten Informationsmenge, die wir täglich aufnehmen, überlastet. Wir filtern also jene Inhalte hinaus, die wir als wichtig, interessant oder spannend empfinden. Die Wiedergabe der Speicherinformationen wird zusätzlich damit erschwert, dass wir unser Altwissen zur Reproduktion miteinbeziehen. Dies bedeutet, dass es gut möglich sein kann, dass eigentlich gar nicht die tatsächliche Information weiter gegeben wird, sondern eine abweichende Version davon, welche durch unsere subjektive Meinung beeinflusst wurde. Ein Beispiel dafür wäre das weitererzählen einer spannenden Geschichte: um das Interesse der ZuhörerInnen mehr zu wecken und um mehr Aufmerksamkeit auf wichtige oder interessante Teile der Story zu lenken wird die Erzählung unbewusst „verschönert“. Wir betonen bestimmte Passagen besonders, lassen dafür unwichtigeres weg und lassen unsere Meinung miteinfließen. Wenn Inhalte überhaupt nur zu einem gewissen Teil gespeichert werden, muss bei Abruf nach einem Schema abgeleitet werden.

„Schemata können als kondensierte Wissensinhalte über komplexe Sachverhalte unserer Lebenswelt angesehen werden. Schematisiert wird etwa der Charakter von Menschen (Typologie), typische Lebensentwicklungen (Karriere, Schicksale) oder regelhafte Handlungsabläufe (Skripts).“ (Maderthaner 2009)

Skripts sind also einzelne Handlungsabläufe, die Situationen in Teile zerlegen und uns so dabei helfen können Zuständen zu rekonstruieren wie zum Beispiel der Skript „Skifahren“: ich ziehe Winterbekleidung an, fahre auf einen Berg, schnalle die Ski an,… Da ein Ereignis aber kaum so detailliert beschrieben wird, wird die Tatsache damit erleichtert, dass mit „Skifahren gehen“ die gesamten Handlungsabläufe, also der gesamten Skript gemeint wird.

Gespeicherte Informationen werden auch umso schwieriger wahrheitsgetreu wieder zu geben, desto länger sie zurück liegen. Nach einer gewissen Zeit erinnert man sich an Erlebnisse, die für uns wenig einprägungswürdig waren, also wenig interessante und spannende Themen oder auch an Routineabläufe, nur mehr verzerrt. Kann man sich also nur mehr vage an ein erlebtes Geschehen erinnern, können Skripts helfen die einzelnen Situationen zu rekonstruieren, damit man sich so an bestimmte Handlungen erinnert z.B. „wo habe ich meine Skibrille verstaut?“. Skripts können auch hilfreich sein, wenn man vorhat, etwas Bestimmtes zu tun oder etwas Bestimmtes zu erzählen, der Gedanke dann aber durch Ablenkung kurzzeitig unterbrochen wird und man den „Faden“ verliert. Ich kenne das Gefühl nur allzu gut, wenn mir etwas auf der Zunge liegt und ich mich frage: „was wollte ich jetzt eigentlich sagen?“ Dann rekonstruiere ich die Situation, versuche mich zu erinnern was ich gerade gemacht habe und verfolge meine Gedankensprünge so weit zurück, bis ich wieder bei meinem Ursprungsgedanken angelangt bin.

Beim Thema Lernen hängt unsere Aufnahmefähigkeit bzw. die Wiedergabefähigkeit noch zusätzlich davon ab, welchem Lerntyp wir entsprechen: man unterscheidet zwischen auditiv Lernende(durch Hören, Sprechen), visuell Lernende (durch Sehen, Beobachtung), haptische Lernende (durch Anfassen, Fühlen) und durch den Intellekt Lernende. (Vester, 1978) Bin ich also ein visueller Typ werde ich Dinge leichter aufnehmen und besser wiedergeben können, wenn ich sie sehe, als wenn ich nur von ihnen erzählt bekomme.

Unsere Wahrnehmung und somit auch die Wiedergabefähigkeit kann durch einzelne Passagen oder sogar durch einzelne Wörter manipuliert werden. Loftus und Palmer erforschten hierzu im Jahr 1974 welchen Einfluss eine bestimme Formulierung von Fragen auf die Antworten von Zeugen hat. Hierbei wurde Versuchspersonen ein Film gezeigt, in dem zwei Autos ineinander krachten. Ihre Antwort wurde beeinflusst, im dem die Frage nach der Geschwindigkeit mit der die Fahrzeuge zusammenstießen immer durch anderes Verb verändert wurde: „ Wie schnell waren die Wagen, als sie zusammen fuhren / knallten / krachten / stießen? Mit dem Wort „krachen“ verbindet man natürlich eine schnellere Geschwindigkeit als mit dem Wort „stoßen“. Durch solche sogenannten „Suggestivfragen“ kann es zu Problemen mit Zeugenaussagen vor Gericht kommen, weil die Art zu fragen die Antwort in eine bestimmte Richtung lenkt (Maderthaner, 2009) Aus diesem Grund schaffte Fischer mit seinen Mitarbeitern im Jahr 1989 das Modell des „Kognitiven Interviews“. Hierbei wird zum Beispiel durch sprachliches Nachvollziehen, offenes Interpretieren, Vermeidung von Angst und Stress, Unterlassen von beurteilenden und persönlichen Kommentaren, Pausen zwischen den Befragungen und Anpassung der Sprache die Anzahl von brauchbaren Zeugenauskünften um fast 50% erhöht und die Aussageverfälschung reduziert. (Maderthaner 2009)

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Details

Seiten
10
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783346303554
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v948279
Institution / Hochschule
Ferdinand Porsche FernFH
Note
1,0
Schlagworte
begriffsdefinitionen stress schematisierungseffekt bystander-effekt

Autor

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Titel: Begriffsdefinitionen zu Stress, dem Schematisierungseffekt und dem Bystander-Effekt