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Gesundheitsmodelle und ihre Anwendung in der betrieblichen Gesundheitsprävention

Hausarbeit 2020 28 Seiten

Gesundheit - Gesundheitswesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gesundheitsmodelle
2.1 Das kontinuierliche Prädiktionsmodell am Beispiel der sozial-kognitiven Theorie von Bandura
2.2 Das Stadienmodell am Beispiel des transtheoretischen Modells
2.3 Die integrative Gesundheitstheorie am Beispiel des HAPA-Modells
2.3 Die transaktionale Stresstheorie nach Lazarus

3 Betriebliche Gesundheitsprävention von Kreislauferkrankungen
3.1 Firmensituation und Vorhaben
3.2 Impulsgeber „Gesundheitstag“
3.3 Verhaltensprävention: Bewegung
3.3.1 Walking und Jogging
3.3.2 Aktive Pausen
3.3.3 Job-Rad
3.3.4 Betriebseigener Bewegungs- und Fitnessraum
3.3.5 Beratungsangebot und Planungshilfe
3.4 Verhaltensprävention: Ernährung
3.4.1 Ernährungsaufklärung
3.4.2 Lieferservice für gesundes Mittagessen
3.5 Verhaltensprävention: Stressbewältigungstraining
3.6 Verhältnisprävention: Arbeitsplatzsituation
3.6.1 Active office
3.6.2 Obstkorb im Betrieb
3.6.3 Betriebsmedizinscher Check-Up
3.6.4 Flexible Arbeitszeitmodelle
3.6.5 Supervision

4 Diskussion und Reflexion

5 Fazit und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

7 Online-Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

BGF Betriebliche Gesundheitsförderung

bspw. beispielsweise

bzw. beziehungsweise

d. h. das heißt

et al. Lat.: et alii = Dt.: und andere

S. Seite

SIT Stressimpfungstraining

SKT Sozial-kognitive Theorie

SWE Selbstwirksamkeitserwartung

TTM Transtheoretisches Modell

u. a. unter anderem

v. a. vor allem

z. B. zum Beispiel

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen die höchsten Kosten in Deutschland

Abbildung 2: Das sozial-kognitive Prozessmodel des Gesundheitsver- haltens (Health-Action-Process-Approach, HAPA)

Abbildung 3: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Todesursache Nr. 1 in Deutschland

Abbildung 4: Mögliche Anordnung eines Active Office

1 Einleitung

In der gegenwärtigen Arbeitswelt verbringen viele Menschen einen großen Teil des Tages im Sitzen. Damit einher gehen gesundheitliche Risikofaktoren wie Bewegungsmangel und die Aufnahme von zu viel Energie über Nahrung, welche durch die wenige körperliche Aktivität nicht verbraucht wird. Die häufigsten Folgen sind Übergewicht, Bluthochdruck, die koronare Herzkrankheit bis hin zu Schlaganfall und Herzinfarkt. Viele Menschen wissen um ihr gesundheitliches Risikoverhalten. Einige nehmen sich vor, die „schlechten Angewohnheiten“ zu ändern, sich mehr zu bewegen und dennoch gelingt vielen eine dauerhafte Verhaltensänderung nicht.

Die angefügte Grafik zeigt, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die höchsten Kosten im deutschen Gesundheitssystem verursachen. Betriebe spüren diese Ausfallzeiten durch entstehende Mehrkosten. Somit ist es aus wirtschaftlich-materieller Sicht im Interesse der Unternehmen, gesunde Mitarbeiter zu haben. Gleichzeitig sind gesunde und zufriedene Angestellte leistungsfähiger. Im Wettstreit um kompetente Fachkräfte punkten zunehmend solche Unternehmen, die Rücksicht auf die „Work-Life-Balance“ ihrer Mitarbeiter nehmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen die höchsten Kosten in Deutschland

(Quelle: Nier, H. (2017), Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen höchste Kosten, Zugriff am 30.09.2020, von https://de.statista.com/infografik/11301/herz-kreislauf-erkrankungen-verursachen-hoechste-kosten/)

Im Zuge dessen engagieren sich immer mehr Unternehmen v. a. für primäre Präventionsangebote innerhalb des Betriebes. Das Ziel ist, gesundheitliche Risikofaktoren zu erkennen und zu modifizieren, bevor sie zu Erkrankungen führen.

Die vorliegende Arbeit erläutert zunächst unterschiedliche Theorien von Gesundheitsmodellen mit jeweils verschiedenen Schwerpunkten. Je nach Intension finden sie im Praxisteil an unterschiedlicher Stelle Anwendung. Des Weiteren wird im Hauptteil der Arbeit ein Unternehmen vorgestellt, das im Wettbewerb um Fachkräfte sein Angebot zur innerbetrieblichen Gesundheitsprävention ausbauen möchte. Dazu werden sowohl verhaltenspräventive als auch verhältnispräventive Ideen eruiert.

2 Gesundheitsmodelle

2.1 Das kontinuierliche Prädiktionsmodell am Beispiel der sozial-kognitiven Theorie von Bandura

Charakteristisch für ein kontinuierliches Prädiktionsmodell ist, allgemeingültige Risikofaktoren für das Gesundheitsverhalten aufzuzeigen. Es geht nicht um die individuelle Situation einer Person. Vielmehr gilt die Annahme, dass sich alle Menschen auf einer Ebene befinden und Verhaltensänderungen des Menschen einen linearen Prozess durchlaufen (Daniel/Jansen, 2018, S. 39).

Eines der bekanntesten kontinuierlichen Prädiktionsmodelle ist die sozial-kognitive Theorie (SKT) von Bandura (1977). Sie betont die Relevanz von Zielen in Bezug auf Verhaltensänderungen. Der zentrale Begriff der SKT ist die „Selbstwirksamkeitserwartung“. Sie drückt aus, wie sehr eine Person davon überzeugt ist, ihr Ziel (die Verhaltensänderung) erreichen zu können. Weitere Einflussfaktoren sind die Handlungsergebniserwartung und die sozial unterstützenden (oder hemmenden) Faktoren (Knoll/Schwarzer/Rieckmann, 2013, S. 27-28). Die Handlungsergebniserwartung betrifft die Folgen der Verhaltensänderung: Bspw. verliert eine übergewichtige Person durch ihre Verhaltensänderung, regelmäßig Sport zu treiben, an Gewicht. Die Handlungserwartung ist erreicht, weil sich der Blutdruck normalisiert und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sinkt. Bandura räumt der sozialen Komponente in seinem Modell einen wichtigen Stellenwert ein. Einerseits kann soziale Unterstützung in Form von Zuspruch und Ermutigung eine Person positiv bestärken. Zum anderen kann ein Umfeld sich auch negativ auswirken, etwa wenn der Versuch, regelmäßig Sport zu treiben, lächerlich gemacht oder nicht ernst genommen wird.

2.2 Das Stadienmodell am Beispiel des transtheoretischen Modells

Anders als kontinuierliche Prädiktionsmodelle bringen Stadien- oder Stufenmodelle zum Ausdruck, dass Verhaltensänderungen in verschiedenen Phasen vollzogen werden. Stadienmodelle heben die Rücksichtnahme auf die Individualität des Entwicklungsstandes einer Person hervor. Die Gedanken, Gefühle („Mindsets“) und Ziele von Menschen, die sich in verschiedenen Phasen befinden, unterscheiden sich voneinander, während Menschen, die sich in der gleichen Phase befinden, ähnliche Bedürfnisse und Ziele haben (Lippke/Renneberg, 2006, S. 47). Bedingung für eine voranschreitende Entwicklung ist, dass es Reize gibt, die zur Situation bzw. Phase des Individuums passen. Nur so kann eine Stufe abgeschlossen und die nächste beschritten werden.

Ein bekanntes Beispiel eines Stadienmodells ist das „transtheoretische Modell“. Es umfasst sechs Stufen, die im Folgenden benannt sind (Daniel/Jansen, 2018, S. 40; Knoll et al., 2013, S. 53):

1. Präkontemplation

In dieser Phase befinden sich Personen, die nicht darüber nachdenken, ihr Verhalten innerhalb der nächsten sechs Monate zu ändern.

2. Kontemplation

Die Kontemplationsphase zeichnet sich durch die Überlegung aus, ein Risikoverhalten möglicherweise zu ändern.

3. Vorbereitung

Während der Vorbereitungsphase wird eine konkrete Planung der Verhaltensänderung vorgenommen.

4. Handlung

Die Pläne der Vorbereitungsphase werden in die Tat umgesetzt.

5. Aufrechterhaltung

Gegenstand der Aufrechterhaltungsphase ist die Stabilisierung des Verhaltens, um Rückfällen vorzubeugen. Sie dauert ungefähr fünf Jahre.

6. Termination

Die Verhaltensänderung ist zur Gewohnheit geworden und erfordert keine Anstrengung mehr. Eine Rückfallwahrscheinlicht besteht nicht mehr.

2.3 Die integrative Gesundheitstheorie am Beispiel des HAPA-Modells

Anders als in den zuvor beschriebenen Theorien kombinieren integrative Modelle sowohl Elemente aus Prädiktions- als auch aus Stadienmodellen. Dadurch bieten sie derzeit die bestmögliche Berücksichtigung der komplexen Zusammenhänge des Gesundheitsverhaltens. Beispielhaft wird hierfür das „sozialkognitive Prozessmodell des Gesundheitsverhaltens“ eingehend erläutert. Eine Übersicht des Modells nach Berliner Gesundheitspsychologen sieht folgendermaßen aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Das sozial-kognitive Prozessmodell des Gesundheitsverhaltens (Health-Action-Process-Approach, HAPA)

(Quelle: Schwarzer/Fleig, (2015), Von der Risikowahrnehmung zur Änderung des Gesundheitsverhaltens – Ein langer Weg, S. 8).

Wie bei einem Stadienmodell werden die Phasen des HAPA-Modells nacheinander durchlaufen. „Unmotivierte“ oder sogenannte „Non-Intender“ befinden sich in der präintentionalen Phase bzw. im motivationalen Stadium (Lippke/Renneberg, 2006, S. 56). Sie haben sich noch keine Gedanken über eine Verhaltensänderung gemacht. Häufig hängt dies damit zusammen, dass sich die Personen ihres Risikoverhaltens nicht bewusst sind. Damit hier eine Änderung eintritt, spielen drei Impulsgeber eine wesentliche Rolle. Durch die Risikowahrnehmung (Hammelstein, 2006, S. 63) registriert eine Person, dass ihr Verhalten ein Gesundheitsrisiko darstellt, und wird sich ihrer „Verwundbarkeit“ bewusst. Dadurch wird ein Entscheidungsprozess in Gang gebracht und die Motivation, das schädigende Verhalten zu ändern, steigt.

Im Rahmen der Handlungsergebniserwartung wiegt der Betroffene die positiven und negativen Konsequenzen einer Verhaltensänderung ab. Bspw. registriert er, dass es ihn zwar Überwindung kostet, sich regelmäßig zu bewegen, dafür jedoch das Übergewicht reduziert wird und das Risiko, an einer Kreislauferkrankung zu leiden, reduziert wird.

Ein bedeutsamer Einflussfaktor während des gesamten Prozesses ist die Selbstwirksamkeitserwartung (SWE). Der Betroffene kann sein Ziel der Verhaltensänderung nur erreichen, wenn er davon überzeugt ist, sein Vorhaben umsetzen zu können. Utopische Zielsetzungen sind zum Scheitern verurteilt und kontraproduktiv. Wie schon Banduras Theorie nimmt auch im HAPA-Modell die SWE eine fundamentale Rolle ein.

Aufgrund des Wissens wird ein Ziel formuliert, wie bspw. sich regelmäßig zu bewegen, um Übergewicht abzubauen. Mit dieser Intention wechselt der „Non-Intender“ zum „Intender“ bzw. zu einem Motivierten und gelangt in die postintentionale und volitionale Phase. Gegenstand dieses Stadiums ist die konkrete Planung der Verhaltensänderung (Daniel/Jansen, 2018, S. 45). Dieser Schritt wird auch präaktionale Phase genannt, weil er unmittelbar vor der Umsetzung der Verhaltensänderung stattfindet. Idealerweise beinhaltet ein Plan Fakten wie Zeitpunkt, Ort und Methode. Z. B. ist die Planung, sich nach dem Arbeiten noch bewegen zu wollen, nicht besonders zielführend. Konkreter wäre das Vorhaben, um 18 Uhr mit den Laufschuhen drei Runden um den Stadtgarten zu joggen. Eine Metaanalyse von Gollwitzer und Sheeran (zit. nach Schüz/Renneberg, 2006, S. 130) zeigte, dass mit Hilfe von konkreten Plänen Vorhaben zuverlässiger umgesetzt werden. Zur Planungsphase gehört neben der Interventionsplanung die Planung von Bewältigungsstrategien. Diese können so aussehen, dass für den Fall von Regenwetter statt der genannten Joggingrunden zur gleichen Zeit zwanzig Bahnen im städtischen Hallenbad geschwommen werden. Wie zuvor bereits ausgeführt, ist es bedeutsam, dass die Pläne im Sinne der SWE für die jeweilige Person zu bewältigen sein müssen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass zwischen präaktionaler SWE in der motivationalen Phase und einer Aufrechterhaltungs- bzw. Wiederherstellungs-SWE in der volitionalen Phase unterschieden wird (Schwarzer/Renner, 2000, zit. nach Knoll et al., 2013, S. 51). Beginnt nun der „Intender“ mit der Ausführung seiner Verhaltensänderung, tritt er in die aktionale Phase ein und wechselt zum Status eines „Aktiven“. Um auch während widriger Umstände das Ziel aufrechtzuerhalten, muss der Betroffene über Ressourcen verfügen, die ihm das Durchhalten ermöglichen. Das kann in Form von sozialer Unterstützung von Freunden oder der Familie sein. Menschen, die über eine hohe SWE verfügen, fällt es leichter, an ihren Zielen festzuhalten (Lippke/Renneberg, 2006, S. 42).

Das HAPA-Modell endet mit der postaktionalen Phase, nämlich einer Auswertung von Erfolg und Misserfolg. Es ist naheliegend, dass eine erfolgreiche Umsetzung der Motivation und weiteren Durchführung des „neuen“ Verhaltens dienlich ist. Im Falle von Misserfolg gibt es einerseits die Möglichkeit, dass das „neue“ Verhalten abgebrochen wird (Disengagement) oder die Motivation aufrechterhalten bzw. wiederaufgenommen wird, um das ursprüngliche Ziel doch noch zu erreichen (Wiederaufnahme). In dieser Situation nehmen Rückfallinterventionsprogramme einen großen Stellenwert ein.

2.3 Die transaktionale Stresstheorie nach Lazarus

Neben den reaktions- und stimulusbezogenen Stresstheorien, welche sich auf die Reaktionsmuster und die stressverursachenden Reize konzentrieren, existieren transaktionale Stresstheorien. Eines der bekanntesten Modelle ist die transaktionale Stresstheorie nach Lazarus und Folkman (1984). Neuartig an deren Stresstheorie ist die zunehmende Rolle des Kognitivismus im Gegensatz zu den zuvor sehr behavioristisch geprägten Modellen. Die transaktionale Stresstheorie führt das Wahrnehmen von Stress nicht allein auf Reize zurück, sondern darauf, wie eine Person die Reize bewertet. Selbst fordernde Situationen müssen für ein Individuum nicht zwangsläufig Stress bedeuten. Erst wenn das Individuum die Situation als „aversiv“ bewertet (Knoll et al., 2013, S. 94), sich also der Herausforderung nicht gewachsen fühlt, kommt es zu einem Stressempfinden. Folglich liegt es maßgeblich an der Interpretation und Wahrnehmung einer Person, wann und wodurch deren individuelle Grenzen überschritten werden und negativer Stress empfunden wird. Lazarus hat für diesen Sachverhalt den Begriff der „Primärbewertung“ geprägt, womit die Situationseinschätzung gemeint ist (Knoll et al., 2013, S. 95). Parallel oder daran anknüpfend findet die „Sekundärbewertung“ statt. Dabei gleicht eine Person ihre individuellen Ressourcen und Bewältigungsstrategien mit der Situation ab. Essentiell an dieser Theorie ist, dass nicht nur einer der Aspekte (Situation oder Ressourcen) in Betracht gezogen wird, sondern die Wechselwirkung des sogenannten „Person-Umwelt-Prozesses“ relevant ist (Daniel/Jansen, 2018, S. 52).

Wird dabei ein Ungleichgewicht festgestellt, d. h., die eigenen Kräfte und Strategien reichen nicht aus, um eine Herausforderung zu meistern, liegen Stress-episode­n bspw. in Form von Schaden, Verlust, Bedrohung sowie Gewinn oder Gleichgültigkeit vor (Knoll et al., 2013, S. 96). In welchem Ausmaß Reize zu Stressepisoden führen, hängt nach Lazarus maßgeblich von den Coping-Strategien eines Individuums ab, d. h. über welche Mittel eine Person zur Stressbewältigung verfügt.

3 Betriebliche Gesundheitsprävention von Kreislauferkrankungen

Gegenstand der betrieblichen Gesundheitsprävention sind die Aufklärung über gesundheitliche Risikofaktoren und die Förderung der Bewältigungsressourcen. Zur Umsetzung bieten einige Firmen innerbetriebliche Angebote, wie bspw. Bewegungsprogramme oder Entspannungsverfahren. Der Sinn, weshalb Arbeitgeber in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren sollten, ist leicht zu verstehen: Zum einen verursachen krankheitsbedingte Arbeitsausfälle enorme Kosten und zum anderen erbringen gesunde und „fitte“ Arbeitnehmer eine bessere Arbeitsqualität. Wie die untenstehende Grafik zeigt, sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen neben Krebs- und Lungenerkrankungen die häufigste Todesursache in Deutschland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Todesursache Nr. 1 in Deutschland

(Quelle: Wagner, P. (2018), Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Todesursache Nr. 1, Zugriff am 30. 09. 2020, von https://de.statista.com/infografik/15480/haeufigste-todesursachen-in-deutschland/)

Obwohl die WHO bereits 1986 mit der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung aufrief, hat die deutsche Bundesregierung erst zum 01. Januar 2018 ein Gesetz verabschiedet, das die betriebliche Gesundheitsförderung steuerlich unterstützt. Im Rahmen von Präventionsmaßnahmen wie Bewegungsprogrammen, Ernährungsangeboten, Suchtprävention und Stressbewältigung kann ein Unternehmen bis zu 600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr steuerfrei absetzen.

Man unterscheidet zwischen verhaltenspräventiven und verhältnispräventiven Ansatzpunkten. Die verhaltenspräventiven Aspekte verfolgen eine Verhaltensänderung des Individuums. Die Verhältnisprävention hingegen betrachtet die Interaktionsweise der physischen und sozialen Umgebung, in der sich eine Person befindet.

3.1 Firmensituation und Vorhaben

Die Firma Reservix GmbH mit Sitz in Freiburg ist Experte für die Ticketorganisation von Veranstaltungen. Der Ticketexperte wickelt von der Buchung über die Raumbelegung bis zur Zahlung und Zusendung der Tickets alle Vorgänge für die betreffenden Veranstalter ab. Die knapp 300 Mitarbeiter verrichten ihre Tätigkeit hauptsächlich am Schreibtisch. Aufgrund der Coronakrise gelten nun strenge Auflagen für das Belegen von Konzert- und Veranstaltungshallen. Um die Kapazitäten der Veranstaltungsräume optimal nutzen zu können, will Reservix spezielle Belegungsprogramme entwerfen, die für verschiedene Veranstalter individuell einsetzbar sind. Dafür benötigt die Firma IT-Fachkräfte und will sich sowohl für die bestehende Belegschaft als auch für die zukünftigen Mitarbeiter als zukunftsträchtiges Unternehmen stark machen, bei dem die Gesundheit der Mitarbeiter einen hohen Stellenwert einnimmt.

Die Geschäftsführung folgt der Empfehlung des Bundesministeriums für Gesundheit und hat ein kleines Team aus Mitarbeiter verschiedener Abteilungen zusammengestellt (Bundesgesundheitsministerium: Betriebliche Gesundheitsförderung – Einstieg und erste Schritte). Ziel des Treffens ist es, Ideen und konkrete Handlungsvorschläge zu sammeln, um im Rahmen einer betrieblichen Gesundheitsprävention den Mitarbeitern ein fundiertes Konzept anbieten zu können. Da einer der häufigsten Gründe für krankheitsbedingtes Fehlen auf Erkrankungen des Kreislaufsystems zurückzuführen ist, wird an diesem Punkt angesetzt.

3.2 Impulsgeber „Gesundheitstag“

Mit einem „Gesundheitstag“ will das Team von Reservix den Kollegen die Relevanz von Risikofaktoren für Kreislauferkrankungen näherbringen. Durch eine ansprechende Auftaktveranstaltung am Vormittag soll der gesamten Belegschaft klar gemacht werden, dass der Firma das Thema ein ernstes Anliegen ist. Bezugnehmend auf das HAPA-Modell wird so die motivationale Phase mit der Intentionsbildung angestoßen.

Die Basisveranstaltung wird von einem Mediziner gehalten, der generelle Informationen über Ursachen und Folgen von Kreislauferkrankungen gibt. Das Hauptziel der Maßnahme ist eine Sensibilisierung der Mitarbeiter für die Risikowahrnehmung in ihrem (Arbeits-) Alltag. Außerdem wird durch eine Überblicksveranstaltung am Vormittag gewährleistet, dass Mitarbeiter, die sich bislang noch keine Gedanken über ein gesundheitliches Risikoverhalten gemacht haben, einen interessanten Einstieg und eine grundlegende Wissensbasis in das Themenfeld bekommen.

Der Mediziner könnte bspw. erklären, wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall entstehen. Er referiert über die Artherosklerose als auch die Arteriosklerose und erklärt für Laien verständlich, was dabei im Körper passiert und worin die Gesundheitsgefährdung besteht. Die Angestellten erfahren, dass es sich um zwei degenerative Erkrankungen handelt, deren Voranschreiten durch bestimmte Lebensweisen massiv gefördert und hervorgerufen wird. Bei der Artherosklerose handelt es sich um Ablagerungen (Plaque) von Cholesterin und Blutfetten (Lipiden) an den Arterien. Diese führen zu Verengungen und Durchflussstörungen des Blutes. Die Arteriosklerose stellt eine Verhärtung der Arterien dar und lässt die Blutgefäße schlechter auf Blutdruckveränderungen reagieren (Schwarzer, 1996, S. 127). Sowohl die Artherosklerose als auch die Arteriosklerose sind ursächlich für eine Mangelversorgung des Körpers mit Sauerstoff, insbesondere des Herzens und des Gehirns. Physische Folgen sind die bereits genannten Krankheiten. Der Mediziner fasst zusammen, dass Übergewicht, zu hohe Cholesterin- und Blutfettwerte aber auch Stress gesundheitliche Risikofaktoren mit großer Tragweite darstellen.

Bezugnehmend auf das sozial-kognitive Modell nach Bandura wird ein „Startschuss“ für alle Mitarbeiter gleichermaßen gesetzt, sich mit Risikoverhaltensweisen auseinanderzusetzen. Das TTM betreffend wird so den sich in der Präkontemplationsphase befindenden Personen ein Anreiz gegeben, das eigene Verhalten und die gewohnten Lebensweisen zu überprüfen. Im Sinne des HAPA-Modells erfahren die bisherigen „Non-Intender“ eine Risikowahrnehmung, die sie dazu motiviert, ihr Verhalten zu überdenken und ggf. eine Verhaltensänderung zu planen.

Das Team eruiert, dass Bewegungsmangel und damit einhergehendes Übergewicht, Bluthochdruck, falsche Ernährung und Stress die Hauptrisikofaktoren für Kreislauferkrankungen sind.

Deshalb engagiert es für den Nachmittag Fachleute, die prägnante Impulsvorträge über verhaltenspräventive Interventionsmöglichkeiten halten. Dabei könnten bspw. ein Physiotherapeut für den Bereich Bewegung, ein Ernährungsberater für den Aspekt Fehlernährung und ein Psychologe für den Themenkomplex „Umgang mit Stress“ eingeladen werden. Das Team von Reservix möchte die Kollegen im Umgang mit der eigenen Gesundheit einen Kompetenzgewinn ermöglichen. Denn im Gegensatz zu genetisch bedingten Krankheiten haben verhaltensbedingte Erkrankungen einen wesentlichen Vorteil: Das (Fehl-)Verhalten kann geändert werden, das Genom nicht.

Weiterhin plant das Team, den Kollegen konkrete Übungen und Ideen vorzuschlagen, die das Gesundheitsverhalten positiv beeinflussen. Um keinen demotivierenden Druck auszuüben, bittet das Unternehmen, dass sich die Mitarbeiter wenigstens für eine Intervention entscheiden und diese ausprobieren. Sie wollen ihre Kollegen anregen, die jeweilige Maßnahme zehn Wochen durchzuführen und anschließend an einer betriebsinternen Evaluation teilzunehmen.

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Details

Seiten
28
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346290908
ISBN (Buch)
9783346290915
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v948315
Institution / Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,7
Schlagworte
gesundheitsmodelle anwendung gesundheitsprävention

Autor

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Titel: Gesundheitsmodelle und ihre Anwendung in der betrieblichen Gesundheitsprävention