Lade Inhalt...

Überprüfung der Versicherbarkeit von immateriellen Vermögensgegenständen am Beispiel Bitcoin

Akademische Arbeit 2018 15 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind immaterielle Vermögensgegenstände?
2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände Definition
2.2 Definition Bitcoin
2.2.1. Was bedeutet Blockchain?
2.3 Bedeutungszuwachs von immateriellen Vermögensgegenständen

3. Versicherbarkeit von immateriellen Vermögensgegenständen
3.1 Allgemein
3.2 Am Beispiel Bitcoin
3.2.1 Wie genau entsteht eine Versicherung?
3.2.2 Versicherungsrelevante Risiken von Bitcoin
3.2.3 Möglichkeiten einer Bitcoin-Versicherung

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wir sehen es als unsere Verpflichtung an, Sie über die Risiken eines Bitcoinkaufs umfassend zu informieren. Obwohl Bitcoin inzwischen weltweite Verbreitung gefunden hat, ist die Technologie doch nach wie vor als Experiment einzustufen. Ein Investment in Bitcoin und in digitale Währungen im Allgemeinen ist daher als Hochrisiko-Investment zu betrachten, auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.“1 2 Genau diese Worte findet man auf dem Bitcoin Transaktionsportal Coinfinity. Es wird ersichtlich, dass förmlich vor einer Inves­tition in Bitcoin gewarnt wird, obwohl die Betreiber des Portals mit genau diesen Transaktio­nen und Investitionen ihr Geld verdienen, doch warum ist dies so?

Wenn man Kinder fragt, was Geld denn eigentlich sei, dann hört man sehr oft etwas wie „Geld ist Papier, mit dem man sich Sachen kaufen kann.“. Bei genauerer Betrachtung ist Geld mehr als nur Papier. Es ist im Prinzip ein Buchhaltungssystem, das ausdrückt, wie viel von einem Gegenstand einer Person gehört. Um all dies zu gewährleisten, muss es eine Institu­tion geben, die das Geld verwaltet, aufbewahrt und in Umlauf bringt, welche vereinfacht als unser Staat oder auch als ,die Wirtschaft bezeichnet wird. Dieses System existiert schon seit Jahrzenten und funktioniert mehr oder weniger gut. Dennoch gibt es unzählige Menschen, die sagen, dass wir uns in einer Währungsrevolution befinden. Hierbei beziehen Sie sich fast im­mer auf die Kryptowährung, zu der auch Bitcoin als eine der größten Säulen zählt. Diese Kryptowährungen setzen sich vor allem dadurch ab, dass Sie keine Institution haben, welche die Währung verwaltet und kontrolliert. Sie werden durch die Nutzer kontrolliert und doku­mentiert, was die Transaktionen und Investitionen sowohl anonym als auch sicher machen soll.

Warum wird die Investition in Bitcoin also dennoch als so risikoreich angesehen, wenn man heute immer häufiger hört, dass Bitcoin die Währung der Zukunft sei und man selbst in sei­nem Bekanntenkreis mindestens eine Person kennt, die bereits in dieses imaginäre Zahlungs­mittel investiert hat.

Außerdem steigt durch den Nachfragezuwachs an der Bitcoin Börse auch das Bedürfnis vieler Investoren, sich gegen eventuelle Verluste ihres Vermögens abzusichern, denn wann immer es dazu kommen könnte, etwas zu verlieren, möchte der Mensch dieses Risiko eliminieren. Doch ist für Versicherungen ein Produkt zur Risikoabsicherung des Verlustes von Bitcoins überhaupt durchführbar, rentabel und sinnvoll, wenn es sich dabei um eine Hochrisiko- Inves­tition handelt? Mit dieser zentralen Frage nach der Versicherbarkeit von immateriellen Ver- mögensgegenständen besonders im Hinblick auf Bitcoin soll sich die weitere Arbeit beschäf­tigen.

2. Was sind immaterielle Vermögensgegenstände?

2.1 Immaterielle Vermögensgegenstände Definition

Immaterielle Vermögensgegenstände, oder auch als nicht- materielle Vermögensgegenstände bezeichnet, beschreiben das Gegenteil zu den Sachanlagen. Sie weisen keine physische Sub­stanz auf und sind daher nicht genau greifbar, haben jedoch trotzdem einen Wert, man spricht auch von „unkörperlicher Beschaffenheit“. In der Bilanzierung nach Handelsgesetz werden immaterielle Vermögensgegenstände auf der Aktivseite ausgewiesen, solange kein Aktivie­rungsverbot vorliegt. Zu den nicht-physischen Vermögensgegenständen gehören unterande­rem: Rechte, Lizenzen, geleistete Anzahlungen, Marken, Software und auch Kundenlisten. Natürlich zählt auch die moderne Kryptowährung wie Bitcoin mit zu den immateriellen Wert­anlagen, die im Weiteren genauer betrachtet werden soll.

2.2 Definition Bitcoin

Bitcoin ist eine Währung, die ausnahmslos dezentral organisiert ist. Es handelt sich dabei um Recheneinheiten, welche in digitalen Transaktionen ausgetauscht werden können. Der Wert eines Bitcoins wird über den Marktpreis bestimmt, also dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Aufgrund dessen wird es als eine Risikowährung bezeichnet, bei der die Prei­se stark schwanken. Bei den Bitcoin-Transaktionen sind keine Banken oder andere dritte Per­sonen zwischengeschaltet, sondern es herrscht eine Peer-to-Peer-Verbindung.3 4 Diese wird ermöglicht durch das digitale Buchführungssystem Blockchain, was eine Art großes Transak­tionsbuch darstellt.5 Die Nutzung von Bitcoins ist prinzipiell jedem möglich und geschieht anonym. Dabei kann man sich selbst Bitcoins kaufen oder sie sich verdienen (durch das soge­nannte Minen). Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Banküberweisung, ist eine Bitcoin­Transaktion innerhalb weniger Minuten möglich. Die Sicherheit der Transaktionen soll durch kryptografische Techniken ermöglicht werden, somit ist ein mehrfaches Ausgeben eines Bit­coins oder eine Überweisung durch einen nicht befugten Nutzer weitgehend ausgeschlossen. Um den Eigentum an Bitcoins einsehen und nachweisen zu können, steht jedem User eine digitale Brieftasche (Wallet) zur Verfügung. Doch wie funktioniert dieses Sicherheitssystem genau?

2.2.1. Was bedeutet Blockchain?

Das Buchführungssystem Blockchain, welches bei der Transaktion von Bitcoin genutzt wird und dafür speziell entwickelt wurde, ist ein dezentrales, webbasiertes und transparentes Sys­tem mit dem Transaktionen durchgeführt, sowie dokumentiert werden.6 7 8 Die Transaktionsda­ten werden gleichzeitig auf allen Geräten gespeichert, die dem System angehören (d.h. Bit­coins verwalten oder erzeugen), wodurch Tausende Kopien auf der ganzen Welt existieren, „ohne zu übertreiben, lässt sich behaupten, dass die Historie der Transaktionsdaten das Herzojeder Blockchain bildet“. Selbiges zeigt die Unveränderlichkeit der Blockchain und eine Ma­nipulation ist kaum möglich. Im Fall von Bitcoin wächst die Bitcoin-Blockchain mit jeder Bitcoin Transaktion stetig an.9 Dies geschieht indem einzelne Transaktionsdaten zu Blöcken zusammengefasst und überprüft werden, um dann an die vorherigen Blöcke angefügt zu wer­den, hieraus entsteht auch der Name Block-Kette oder in Englisch Blockchain. Bei jedem Anfügen eines neuen Blockes, wird ein individueller Code erstellt, der in den neuen Block eingearbeitet wird, sozusagen als zusätzlichen Sicherheitsmechanismus.10 Würde ein Code manipuliert werden, registrieren die restlichen Blockchainabbildungen dies und eliminieren den Fehler.11 Den Prozess des Zusammenfassens der Blöcke bezeichnet man auch als Proof- of-Work-Ansatz. Diese vermeintliche Sicherheit ist einer der Aspekte, weswegen Immateriali­täten für viele immer interessanter werden.

2.3 Bedeutungszuwachs von immateriellen Vermögensgegenständen

Für viele Unternehmen, aber auch für einige Privatpersonen gewinnen nicht materielle Ver­mögensgegenstände zunehmend an Bedeutung und vor allem Kryptowährungen wie Bitcoin schlagen immer weitere Wellen. Für Unternehmen nimmt die Bedeutung von nicht physi­schem Vermögen oft durch selbst geschaffene Marken, Rechte und Lizenzen zu. Ein mögli­cher Grund dafür mag sein, dass es immer schwerer in der heutigen Gesellschaft wird, ein Alleinstellungsmerkmal zu erreichen. Der Unternehmenserfolg hängt daher häufiger von der Wahrung firmeneigener Patente und selbst geschaffener Kundenkreise ab. Da die Welt, in der wir heute leben, immer digitaler zu werden scheint, ist es nicht abwegig, auch das eher altmo­dische Geld durch moderne digitale Lösungen zu ersetzen. Einen zusätzlichen Anreiz für so­wohl Unternehmen als auch Privatpersonen stellt dabei der neue Sicherheitsstandard der Kryptowährung dar. Transaktionen sind zudem mit einer deutlich höheren Geschwindigkeit global ausführbar, sodass herkömmliche Banken kaum mithalten können. Der Umschwung von Materialität zu Immaterialität lässt sich also auf vor allem vier Schlagworte zurückführen: Digitalisierung, Globalität, Zeit und Sicherheit. Mit steigender Nachfrage steigt allerdings gleichzeitig auch das Bedürfnis nach der Absicherung dieser nachgefragten Güter. Doch ist solch eine Versicherungspolice sinnvoll, grade in Hinsicht auf die unkörperliche Beschaffen­heit immateriellen Vermögens?

3. Versicherbarkeit von immateriellen Vermögensgegenständen

3.1 Allgemein

Eine Versicherung für Immaterialitäten ist im Allgemeinen nicht leicht festzulegen. Denn bei Versicherungen geht es vor allem darum, die Schadenswahrscheinlichkeiten abschätzen zu können sowie die Schadenshöhe einzugrenzen. Bei materiellen Gegenständen ist dies oft kein Problem, denn es existieren Gegenwerte wie der Kaufpreis oder der Wiederbeschaffungszeit­wert. Anhand dieser Daten ist es möglich, die maximale Schadensumme zu ermitteln und dementsprechend eine angemessene Versicherung anbieten zu können. Die ersten Schwierig­keiten treten auf, wenn es sich um eine Versicherung des Körpers oder des Lebens handelt. Heutzutage ist es zwar für jeden Menschen normal, eine Krankenversicherung oder eine Un­fallversicherung zu besitzen, doch für Versicherungsgeber stellen auch diese Versicherungen eine Herausforderung dar. Grund dafür sind vor allem die unterschiedlichen Lebensweisen und genetischen Veranlagungen der Menschen. Nur durch jahrelange Erfahrung, Erforschung und Untersuchung, gelang es Versicherungen einheitliche Muster festzustellen und dement­sprechend weitgehend einheitliche Versicherungen anzubieten. Versicherungsgeber versuchen trotz allem die Versicherungsprämien an jeden Kunden anzupassen. Problematisch ist jedoch auch bei alltäglichen Versicherungen die Ehrlichkeit und Genauigkeit der Kunden einzuschät­zen. Geben sie falsche Informationen preis oder verschweigen etwas, so kann es für den Ver­sicherungsgeber zu höheren Kosten kommen. Im Gegensatz zu diesen eher alltäglichen Versi­cherungen stehen Versicherungen für Patente und Lizenzen oder firmeneigene Rechte. In un­serem modernen Zeitalter möchten viele Unternehmen auch die immateriellen Vermögensge­genstände abgesichert wissen. Für den Versicherungsgeber resultieren daraus erneut Abschät­zungsschwierigkeiten bezüglich der Versicherungshöhe und der Schadenswahrscheinlichkeit.

Die Gesellschaft für Marken- und Patentschutzversicherung hat sich beispielsweise auf die Versicherungen von Immaterialitäten spezialisiert und möchten „Unternehmen, Hochschulen und Instituten, aber auch Privatpersonen, die Chance geben, ihr Recht auf geistiges Eigentum durchzusetzen“. Sie entschieden sich dafür, keine genauen Patentwerte abzusichern, sondern anfallende Kosten in gerichtlichen Auseinandersetzungen zu übernehmen. Dazu versprechen sie ihren Kunden eine Abwehr sowie eine Geltendmachung von Ansprüchen auf Schadenser­satz, jedoch sind auch diese Leistungen unterschiedlich begrenzt je nach Höhe der Versiche­rungsprämie. Es kommt die Frage auf, wie die Versicherungen den Schritt in die Immateriali­tät wagen oder ob dieser überhaupt sinnvoll und lukrativ erscheint.

Bezüglich der Sinnhaftigkeit lässt sich schnell feststellen, dass solche Produkte mehr als ge­fragt sind und eine Vielzahl an Abnehmern findet. Nicht zuletzt spielt hierbei das oft hohe Sicherheitsbedürfnis der Menschheit eine wichtige Rolle. Dazu kommt, dass es für eine Viel­zahl an Menschen noch ungewohnt scheint, von der herkömmlichen Spardose umzusatteln auf digitale Währung, die online gespeichert ist. Es herrscht also auch in der Bevölkerung teilwei­se Unbehagen und das Bedürfnis nach einer erhöhten Absicherung in Form von Versicherun­gen.

Auf der anderen Seite steht die Frage nach der Lukrativität für die Versicherungsgeber, die aus der Versicherung von Immateriellen Vermögensgegenständen resultiert. Diese Frage lässt sich noch recht schwer beantworten, denn es existieren momentan nur zu geringe Zahlen und Fakten zu Schadenswahrscheinlichkeiten. Da Versicherungen auf einer langen Erfahrung be­ruhen, ist es schwer, schnell auf Neuerungen zu reagieren, denn es braucht eine gewisse Zeit, um die nötigen Daten zu sammeln. Trotz allem ist es den Versicherungen möglich, Immate­rialitäten zu versichern, indem man eine Deckelung der Schadensersatzsummen vornimmt und nicht den immateriellen Gegenstand an sich versichert, sondern wie schon zuvor im Bei­spiel beschrieben, nur anfallende Kosten zu übernehmen. Somit ist das Geschäft auch auf­grund der womöglich hohen Nachfrage vermutlich lukrativ und gewinnbringend für Versiche­rungsgeber.

Ob dies jedoch für alle immateriellen Vermögensgegenstände zu verallgemeinern gilt, ist nicht unbedingt vorauszusetzen. Eine explizite Prüfung der Versicherbarkeit wird im Folgen­den am Beispiel Bitcoin vorgenommen. 12 Gesellschaft für Marken- und Patentrechtsschutz VGmbH (2018), Kleiner Name - große Leuchte.

[...]


1 Coinfinity (2018), Warnung vor Risiken.

2 Vgl. Banking on Bitcoin. Christopher Cannucciari. USA 2016. TC: 00:03:25-00:04:30.

3 Bibliographisches Institut GmbH, Duden - Deutsches Universalwörterbuch (08.02.2016), Immaterialität-Seite 909.

4 Vgl. Drescher, Daniel, Blockchain Grundlagen: Eine Einführung in die Elementaren Konzepte in 25 Schritten (2017), S. 78 Z. 5f.

5 Vgl. Halaburda, Hanna (2016), Beyond Bitcoin, S.105 Z. 19ff.

6 Vgl. Drescher, Daniel, Blockchain Grundlagen: Eine Einführung in die Elementaren Konzepte in 25 Schritten (2017), S. 83 Z. 20ff.

7 Vgl. Halaburda, Hanna (2016), Beyond Bitcoin, S.105 Z. 19f.

8 Drescher, Daniel, Blockchain Grundlagen: Eine Einführung in die Elementaren Konzepte in 25 Schritten (2017), S. 86 Z. 32f.

9 Vgl. Drescher, Daniel, Blockchain Grundlagen: Eine Einführung in die Elementaren Konzepte in 25 Schritten (2017), S. 84 Z. 5ff.

10 Vgl. Halaburda, Hanna (2016), Beyond Bitcoin, S.105 Z. 30ff.

11 Vgl. Bennett, Sean (2017), Bitcoin: Understanding Bitcoin, Mining, Investing & Trading for Beginners, Kapitel

Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346290021
ISBN (Buch)
9783346290038
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v950104
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
2,3
Schlagworte
Bitcoin Insurance Versicherung immaterieller Vermögensgegenstand Kryptowährung Crypto-Insurance

Autor

Zurück

Titel: Überprüfung der Versicherbarkeit von immateriellen Vermögensgegenständen am Beispiel Bitcoin