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Sozialpädagogischer Umgang mit kindlichen Fragen nach dem Tod

Eine kurze Darstellung

Projektarbeit 2020 11 Seiten

Pädagogik - Sozialpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklungspsychologische Aspekte

3 Sorgen der Eltern

4 Das Kind erlebt in seiner Umgebung den Tod

5 Die Aufklärung

6 Pädagogisches Handeln

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der Sozialpädagogik finden sich immer noch Themen, die als Tabu gesehen werden. Dazu gehören die sexuelle Aufklärung, die Scheidung der Eltern oder Trauer und Tod. Kinder gelten als wissbegierige Wesen und fragen nach den kuriosesten Dingen. Oft werden ihnen aber Antworten vorenthalten und sie sind gezwungen, sich selbst aufzuklären und sich somit fiktive und tatsächlich falsche Antworten auf ihre Fragen zu geben. Offenkundige Tabus, die öffentlich angesprochen werden, beenden Kritik und falsche Annahmen. Nur wer darüber spricht, kann das Tabu nichtig machen und das Thema kann salonfähig werden (vgl.(Aßmann, 2008, S. 78 ff.).

„Lange Zeit haben wir Pädagogen [...] mitgewirkt, die Tabus aus der Welt zu schaffen [...]. Wir wollten sie überwinden. [...] Sie führten ja nur dazu, dass dem einzelnen Menschen – dem freien Individuum – das selbstbestimmte Denken untersagt wurde. Und nicht nur das Denken, auch die Gefühle wurden untersagt. Gefühle wurden verboten“ (Bergmann, 2001, S. 152).

Kinder stellen viele Fragen und sind von Natur aus neugierig und interessiert. Besonders für Tabus und unangenehme Fragen haben die Kinder eine Vorliebe. Das klammert auch die Themen Tod und Trauer nicht aus (vgl. (Schroeter-Rupieper, 2013). Der Umgang vieler Erwachsener mit dem Tod lässt aber den Eindruck entstehen, dass „der Tod [...] nicht zu den gesellschaftlichen Werthaltungen [passt]“ (Gebhard, 2013, S. 212).

2 Entwicklungspsychologische Aspekte

Neben Piaget erläutert auch Havighurst mit seinem Konzept der Entwicklungsaufgaben, dass das Interesse der entwicklungspsychologischen Todeskonzeptforschungen hauptsächlich in den kognitiven Dimensionen des kindlichen Verhältnisses zum Tod liegt (vgl. (Sommer-Himmel & Maskim, 2014). Kinder begreifen bis zum 3./4. Lebensjahr nicht die Endgültigkeit des Todes. Erst ab dem 4. Lebensjahr fangen die Kinder an, Fragen zu stellen (vgl. (Schroeter-Rupieper, 2013). Laut Piaget gibt es durchaus entwicklungsbedingte Abhängigkeiten. Jedes Kind entwickelt sich im Grunde genommen anders schnell. Außerdem geht Piaget davon aus, dass auch kleinere Kinder über den Tod nachdenken können, aber ein Bezug zu ihrem Leben und deren Reflexionsfähigkeiten fehlt. Seine kognitive Entwicklung schränkt das Kind in der Wahrnehmung des Todes ein (vgl.(Niethammer, 2008, S. 98).

„Solange Kinder noch nicht über die Komponenten eines reifen Todeskonzeptes verfügen, setzen sie sich primär sachlich mit diesem Phänomen ihrer alltäglichen Lebenswelt auseinander. Sie sind z.B. daran interessiert wie jemand/etwas begraben wird, oder betrachten mit großem Eifer und wissenschaftlicher Neugier tote Tiere“ (Sommer-Himmel & Maskim, 2014).

3 Sorgen der Eltern

Der Tod ist in unserer Gesellschaft seltener geworden. Weniger Menschen sterben im jüngerem Alter. Die Menschen sterben vermehrt im höheren Alter. Noch im 19. Jahrhundert war der Tod ein ständiger Wegbegleiter in unserem Sein. Bereits bei der Geburt war der Tod ein wesentlicher Faktor. Doch die wenigen Erfahrungen mit dem Tod und deren Plötzlichkeit löst Ängste aus (vgl.(Niethammer, 2008, S. 103).

„Im alltäglichen Umgang mit Kindern werden Erwachsene regelmäßig damit konfrontiert, dass Kinder in ihrer wunderbaren Unbefangenheit und Wissbegier, meist in völlig unerwarteten Augenblicken, Fragen stellen, die sowohl pädagogischen Fachkräften wie Eltern förmlich den Atem rauben können. Dies geschieht vor allem bei Fragen, die sie persönlich als unangenehm und schwierig empfinden, oder Fragen, auf die es keine kausalen Antworten gibt.

In einem kleinen Forschungsprojekt wurden Kinder zwischen 5 und 10 Jahren zu ihren Vorstellungen und Erfahrungen mit dem Tod befragt. Daraus resultierend werden pädagogische Überlegungen vorgestellt, die im Alltag für professionelle und natürliche Erzieher praktikabel sein können, um Kindern für sie zufriedenstellende Antworten geben zu können“ (Maksim & Sommer-Himmel, 2014).

Große Denker wie Freud, Piaget und andere sind der Auffassung, dass Eltern, die in ihrer Kindheit über den Tod gesprochen haben beziehungsweise mit diesem konfrontiert worden sind, offener mit den eigenen Kindern über das Thema Tod zu reden (vgl.(Niethammer, 2008, S. 104).

„Viele Erwachsene denken und fühlen so, benutzen ihren Widerstand, um das Thema für nicht kindgemäß zu erklären. Ein Kind müsse vor der dunklen Seite des Lebens geschützt werden. Hinter dem Denken der Erwachsenen rührt sich die Angst vor dem Tod. Dieses Argumentieren hat eine lange Tradition. Für Generationen von Kindern war der Tod früher etwas, das sie erlebten, über das aber nie in adäquater Weise mit ihnen gesprochen wurde. Der Tod – das große Tabu des Lebens“ (Ennulat, 1997).

Erwachsene rechtfertigen das Verdrängen und Verschweigen häufig damit, dass sie es den Kindern leichter machen möchten, doch im Endeffekt stellt sich hierbei die Frage, ob sie vielmehr selbst der Konfrontation aus dem Weg gehen möchten. Denn auch wenn das Thema übergangen und verleugnet wird, spüren Kinder dennoch, dass etwas nicht stimmt, und beginnen zu phantasieren (vgl. (Diakonischen Werk, 2010, S. 18).

„Zudem beeinflussen Medien und kulturelle Hintergründe die kindlichen Erfahrungswelten zu Tod und Weiterleben“ (Maksim & Sommer-Himmel, 2014). Gerade digitale Medien können die Phantasie der Kinder anregen. In Filmen, Serien oder Nachrichten werden nicht selten Särge, tote Menschen oder Trauersituationen gezeigt. Bereits 1828 wurde geschrieben, dass Kinder Nachahmer seien und kopieren, was ihnen dargestellt wird. Die Kinder werden so im späteren Leben den Tod ebenso tabuisieren (vgl.(Wilderspin, 1828, S. 86).

4 Das Kind erlebt in seiner Umgebung den Tod

Das Kind erlebt unabhängig vom Alter die Tatsache, dass ein Mensch, der sie einmal umgeben hat, nicht mehr anwesend zu sein scheint. Kinder verstehen oftmals nicht, wieso die Umgebung trauert, da Kinder bis zum 6. Lebensjahr keinen Zusammenhang zwischen dem Fehlen einer Person und trauernden Menschen herstellen können (vgl.(Gebard, 2009, S. 211 ff.). „Für die Kinder ist der Tod ein reversibler Vorgang, der jederzeit wieder rückgängig gemacht werden kann. [...] Das führt beispielsweise zu der kindlichen Schlussfolgerung, dass das Haustier wieder ausgegraben werden könnte, denn es hat sich ja genug ausgeruht“ (Maluga, 2020, S. 69).

„Wenn ein Kind von einer wichtigen Bezugsperson lange Zeit getrennt ist, dann erlebt es dies so, als sei dieser Mensch gestorben. Eine lange Zeit der Abwesenheit kann es seelisch noch nicht überbrücken und trauert mit allen Zeichen kindlichen Schmerzes“ (Ennulat, 1997).

Die Reaktionen von Kindern auf den Verlust sind so verschieden wie jedes Kind selbst.

„Im Gefühlsrepertoire des Kindes sind Ausdrucksweisen für Schmerz und Trauer vorhanden, weil es in seinem bisherigen Leben dies bereits kennen gelernt hatte, wenn z.B. eine Freundschaft zu Ende ging, es Abschied nehmen musste, akzeptieren lernte, dass es Vorkommnisse gibt, die nicht nach seinen Wünschen gehen. Doch was es beim Tod erlebt, übersteigt seine Erfahrungen. Es kann sich nur an den Erwachsenen orientieren, spiegelt sich in der Trauer der Mutter oder der Verwandten. In erster Linie lernt es ein neues Fühlen kennen, das Gefühl der Verlassenheit und der Leere. Der Tote hat die Lebenden verlassen. Papa hat mich im Stich gelassen. Das verursacht eine Wunde, die sich nicht schließen will. Schuldgefühle tauchen auf, Papa ist gestorben, weil ich unartig war. Vorwürfe und Wut mögen sich regen, doch an wen sollen sie sich richten? Ein trauerndes Kind lernt neue Gefühlsfacetten kennen, kann sich nicht mehr einordnen und zu Hause fühlen in seiner bisherigen Gefühlslandschaft. Es benötigt für seine emotionale Absicherung einen Erwachsenen, an dem es sich orientieren kann, der ihm Echo gibt. Ohne dieses Gegenüber bildet sich kein konkretes Trauergefühl aus. Ohne den Spiegel des Erwachsenen kann sich das Trauergefühl aber auch nicht verwandeln und verändern“ (Ennula, 1997). Erwachsene müssen das Kind in so einer prekären Situation, bei neuen negativen Erfahrungen, auffangen und ihm Halt geben. Es kennt das Gefühl des Verlustes nicht. Wenn beispielsweise eine Freundschaft wegen einem Spielzeug zerstört wird. Besonders wichtig ist es, die Fragen des Kindes zum Tod objektiv und sachlich zu beantworten.

Deswegen ist es für Kinder von großer Bedeutung, dass sie in Bezug auf ihre Fragen zum Sterben und Tod ernst genommen werden. Ist dies nicht der Fall, verschließen sie sich und bleiben mit ihren Fragen allein (vgl. (Ennulat, 2011, S. 18).

„Ob und wie ein Kind trauert, ist abhängig von der Beziehung oder Abhängigkeit, die zu dem verstorbenen Menschen oder Tier bestand. Zeichen der Trauer können Tränen, aber auch Wut, Aggression, Depression, Schweigen, Überaktivität und vieles mehr sein“ (Schroeter-Rupieper, 2013). Jedes Kind trauert individuell. Der Umgang mit dem Tod eines Menschen kann von Kind zu Kind unterschiedlich sein.

5 Die Aufklärung

Früher war es üblich, Kinder nicht über die Natur des Menschen und dessen Tod aufzuklären. Die allgemeine Meinung war, dass Kinder nicht über den Tod nachdenken – eine Haltung, die auf Sigmund Freud zurückging und später noch von Jean Piaget untermauert wurde. Heute wissen wir, dass das falsch ist und dass Kinder sehr wohl intensiv über Erkrankungen und den Tod sowie deren Folgen nachdenken. Durch das konservative Weltbild der Gesellschaft weichen die Eltern dem für sie unangenehmen Gespräch aber aus, indem sie erklären, sie seien noch zu jung: „Es hat noch Zeit, wir klären dich auf, wenn du größer bist“ (vgl. (Niethammer, 2014, S. 4 ff.).

„Man muss sich im klaren sein, dass die Aufklärung kein einmaliges Geschehen ist, mit dem die Angelegenheit für allemal erledigt ist. Es ist vielmehr ein kontinuierlicher Prozess [...]. Es ist unendlich wichtig, dass die Kinder sich auf die elterliche Antwort verlassen können“ (ebd., 2014, S. 5). Es ist unabdingbar, ein Kind gewissenhaft aufzuklären, denn die Gefahr besteht, dass das Kind sich selbst aufklärt und somit den Bezug zur Realität verliert. Kinder neigen dazu, ihr vorhandenes Wissen zu verknüpfen. Nicht selten erlangen Kinder dadurch unrealistische, falsche Vorstellungen. Die Todesvorstellungen einzelner Kinder können sehr unterschiedlich ausfallen (vgl. (Specht-Tomann & Tropper, 2011, S. 60).

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346296153
ISBN (Buch)
9783346296160
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v953131
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Schlagworte
Tod Sozialpädagogik Umgang mit dem Tod

Autor

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Titel: Sozialpädagogischer Umgang mit kindlichen Fragen nach dem Tod