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Wissenschaftliches Arbeiten. Forschungsmethoden und Denkschulen

Eine kurze Darstellung

Hausarbeit 2020 14 Seiten

Politik - Methoden, Forschung

Leseprobe

I. Inhaltverzeichnis

I. Inhaltverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Annäherung an den Begriff der Wissenschaft
2.1 Geschichtlicher Überblick
2.2 Überblick der Wissenschaftsdisziplinen

3 Forschungsmethoden
3.1 Quantitative und Qualitative Methoden
3.2 Induktion und Deduktion
3.3 Falsifikation und Paradigma

4 Denkschulen
4.1 Karl Popper und der kritische Rationalismus
4.2 Max Weber und die Werturteilsfreiheit
4.3 Positivismusstreit und die kritische Theorie der Frankfurter Schule

5 Fazit

III.Literaturverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Mit der vorliegenden Hausarbeit soll die Frage „Was ist Wissenschaft“ näher beleuchtet werden. Obgleich heutzutage wissenschaftliches Arbeiten und Denken omnipräsent erscheinen, ist die Bearbeitung der Aufgabenstellung wichtig, ist doch die ganze Menschheitsgeschichte von Weiterentwicklung durch Forschung und große Denker getragen. Insgesamt kann die Betrachtung der Fragestellung und die Ausführungen zur Beantwortung nur in Ansätzen erfolgen, da der begrenzte Umfang einer ausführlichen Darstellung entgegensteht.

So ist es auch sinnvoll, am Anfang dieser Darstellung kurz auf die geschichtliche Entwicklung für die Begriffsbildung einzugehen. Mit der Betrachtung der Antike und den klassischen Philosophen werden dabei die Grundlagen für die weitere Annäherung an den Begriff Wissenschaft gelegt, damit ersichtlich wird, wie sehr modernes Denken von antiken Philosophen wie Sokrates und Aristoteles und deren postulierten Ansätzen beeinflusst wird. Seit dem Mittelalter und gerade auch in der Moderne werden diese aufgegriffen und weitergedacht. Anschließend wird in diesem Abschnitt ein kurzer Verweis auf die unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen gegeben.

Im weiteren Verlauf ist es Ziel, verschiedene Forschungsmethoden zu erläutern. Zentral dabei sind hier die beiden Felder quantitative und qualitative Forschung. Zudem sollen die Instrumente Induktion, Deduktion und Falsifikation sowie deren Bedeutung für die Ausprägung kritischen Denkens dargelegt werden, indem untersucht wird, welche Probleme durch die Verwendung der Induktion entstehen und welche Lösungsversuche dafür hervorgebracht wurden. Das Kapitel schließt ab, indem auf die Begrifflichkeit des Paradigmas eingegangen und versucht wird, positive und negative Konsequenzen der Verwendung aufzuzeigen.

Den letzten Teil dieser Ausarbeitung bildet die Betrachtung moderner Denkansätze, wie sich in Denkschulen zusammenfassen. Hier stehen Geistesströmungen des 20. Jahrhunderts im Vordergrund, verbunden mit der Frage, wie sich die Entwicklung wissenschaftlicher Methodologie vollzogen hat. Bedeutende Denker und Konzepte wie Karl Popper und der kritische Rationalismus sowie Max Weber und dessen Forderung nach Werturteilsfreiheit sollen näher untersucht werden. Welche Charakteristika wissenschaftlichen Handels sind damit verbunden? Das auch Kritik damit einhergeht, soll am sogenannten Positivismusstreit und der kritischen Theorie der Frankfurter Schule gezeigt werden.

Abschließend ist es die Herausforderung damit die Frage zu beantworten, aus welchen Motiven Wissenschaft betrieben wird und welche Eigenschaften wissenschaftliche Forschung erfüllen muss, um in der Fachwelt anerkannt zu werden.

2 Annäherung an den Begriff der Wissenschaft

2.1 Geschichtlicher Überblick

Aufgrund der Begrenzung der Arbeit kann eine geschichtliche Betrachtung nur in Ansätzen geschehen. Betrachtet man das Wort Wissenschaft, fällt auf, dass das Wort Wissen inkludiert ist. Dies soll Ausgangspunkt für die historische Untersuchung sein, so führt dies doch zu den großen Philosophen der Antike, beginnend mit Sokrates.

Sokrates (469 - 399 v. Chr.) wirkte vor allem in Athen. Er beschäftigte sich intensiv mit der Frage, was Wissen ist und welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit Wissen nicht nur bloße Meinung ist. Zentral war für ihn das Hinterfragen, wodurch er die scheinbare Sicherheit von Wissen angriff und somit Unwissen aufzeigte. Sokrates entwickelte dazu eine argumentative Methode, um im von ihm geleiteten Diskurs Limitierungen des Wissens aufzudecken (Dammer 2015, S. 23). Durch starke Reflexion und genaue Unterscheidung von Begrifflichkeiten wollte er Scheinwissen enttarnen (Weeber 2012, S. 180).1 So gelang es ihm oftmals bei seinem Dialogpartner durch seine Methode des Prüfens zu erreichen, dass diese am Ende des Gespräches überzeugt waren, kaum etwas oder Garnichts mehr zu wissen. Sokrates kristallisierte heraus, dass effektiv viele Menschen etwas glauben zu wissen, ohne es wirklich zu wissen. Eine Meinung kann nur dann als Wissen bezeichnet werden, wenn diese objektiv richtig ist. Wissen verlangt dabei mehr als nur bloße Überzeugung (Dammer 2015, S. 25). Es wird deutlich, dass Erkenntnisgewinn, was zeitlebens das Streben von Sokrates war, gesichert werden muss. Durch Prüfung mit gewissen Methoden muss Erkenntnis hinterfragt werden können, um eine Übertragbarkeit gewährleisten zu können. Dies scheint schon ein Teil des Begriffskerns von Wissenschaft zu sein.

Aristoteles (384 - 322 v.Chr.) war ein weiterer bedeutender antiker Logiker und Schüler Platons. Für ihn waren Wissenschaft und Logik eng verknüpft, so musste die Logik konsistenter Argumentation folgen. Er forderte dabei das, was auch später Max Weber antrieb, nämlich die vollständige Neutralität der Forschung. Sie sollte unabhängig und frei von Voraussetzungen und Wertanhaftungen sein (Duthel 2018, S. 22).2 Zudem ging er davon aus, dass alle Menschen aus Ihrer Natur heraus auf der Suche nach Wissen und Erkenntnis sind. Für Aristoteles sollte Wissenschaft sich einer gewissen Systematik zum Erkenntnisgewinn bedienen. Dabei griff er methodisch auf Induktion (aus Einzelbeobachtungen allgemeine Sätze ableiten) und Deduktion (aus allgemeinen Sätzen Speziellere ableiten) zurück (Vollmer 1999, S. 2).

Wie noch später zu zeigen ist, prägte die Antike und insbesondere die beiden vorgestellten Denker unser heutiges Verständnis enorm. Mit dem Untergang des römischen Reiches und dem Umbruch zum Mittelalter gingen viele antike Schriften verloren. Bis zum Ende des Mittelalters gab es immer wieder Hemmnisse seitens der Kirche für wissenschaftliches Handeln (Mauthner 2011, S. 16).3 Das Beispiel des englischen Bischofs Grosseteste (1168 - 1253) zeigt aber auch Fortschritt im Mittelalter. Er war einer der wenigen, die Zugang zu einigen originalen Werken der Antike hatte, so auch zu Aristoteles. An Naturwissenschaften interessiert erarbeitete er, basierend auf der sog. Analytica posteriora von Aristoteles, eine Systematik für die Experimentalwissenschaften. Dabei war für ihn der Zusammenhang von Ursache und Wirkung essenziell, ein weiterer Grundstein wissenschaftlichen Arbeitens (Roth 2011, S.6f.).

In der Moderne häufen sich wissenschaftlicher Fortschritt und neue Erkenntnisse über die Welt. Gerade seit dem ausgehenden 19. Jhd. Scheinen technische Revolutionen und Forschung unaufhaltbar. In der philosophischen Betrachtung haben sich verschiedenste Denkschulen ausgeprägt, welche auch im späteren Verlauf dieser Abhandlung beleuchtetet werden sollen. Allgemein scheinen sich zwei Lager auszuprägen. Die „Empiristen“ postulieren dabei, dass Erkenntnisgewinn und Wissen in Sinneserfahrungen begründet sind (a posteriori). Ein Vertreter ist John Locke (1632 - 1704). Die „Rationalisten“ im Gegensatz sind der Meinung, dass durch Ableitung mittels Vernunft aus bisherigen Erkenntnissen neues Wissen generiert werden kann, Sinneserfahrungen sind dabei nicht nötig (a priori). Insbesondere sind hier Platon und Leibniz zu nennen (Freede 2008, S. 40f.).

2.2 Überblick der Wissenschaftsdisziplinen

Es ist schon deutlich geworden, dass es nicht „die eine Wissenschaft“ gibt.4 Wissenschaftliches Denken und Handeln, welches gewissen Normen und Methoden folgt, gliedert sich in verschiedene Disziplinen auf. Allein der Blick auf das Lehrangebot von Hochschulen verdeutlicht die Lage.5 Speziell auf die klassische Wissenschaftstheorie sei noch hinzuweisen. Sie bildet dabei auch eine separate Wissenschaftsdisziplin und leistet Grundlagenforschung, maßgeblich ist hierbei die Frage, wie Wissenschaft funktioniert und welche Normen sowie Wertvorstellungen gelten. Durch die Beschäftigung mit wichtigen Vertretern dieses Bereichs im weiteren Verlauf dieser Abhandlung, im Besonderen Karl Popper, Max Weber und Theodor Adorno und die Kulmination im sogenannten Werturteilsstreit kann die Wissenschaftstheorie näher beleuchtet werden.

3 Forschungsmethoden der Wissenschaft

Schon die Betrachtung der Antike hat gezeigt, dass Erkenntnisgewinn bzw. die Suche nach neuen Erkenntnissen gewissen Strukturen folgen muss. Eben solches geordnete und strukturierte Handeln zur Erreichung einer Problemlösung wird als Methode bezeichnet (Dammer 2015, S. 20). Nachfolgend sollen exemplarisch verschiedene Forschungsmethoden näher dargelegt werden. Eine wichtige Unterscheidung ist dabei die zwischen quantitativen und qualitativen Methoden.

3.1 Quantitative und Qualitative Methoden

Quantitative Forschungsmethoden wollen Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung erkennen und letztlich Erklärungen liefern. Sie operieren mit quantitativen Daten, also Messergebnissen aus der Beobachtung der Realität, welches in Form von Interviews, Befragungen (z.B. Konsumbefragungen) oder anderen Experimenten erfolgen kann. Durch Auswertung der Datenmenge (durch mathematisch-statistische Verfahren) soll mit Blick auf die Rahmenbedingungen eine allgemeingültige Aussage formuliert werden können. Anwendung finden diese Methoden oftmals in den Naturwissenschaften (Baur/Blasius 2014, S. 41 ff.). Qualitative Forschungsmethoden gehen von einer anderen Ausgangssituation und auch Datenlage aus. Oftmals steht die Forschung in der Realität vielschichtigen Fragestellungen gegenüber. Liegen verbalisierte Befunde vor z.B. beim Beschreiben einer sozialen Situation, dies können Texte, Bilder oder Tondokumente sein, müssen diese qualitativen Daten anders ausgewertet werden. Ziel ist das Verstehen. Dazu wird interpretativ gearbeitet, etwa durch Textanalysen oder narrative Interviews. Anwendung finden diese Methoden oftmals in den Sozialwissenschaften (Lamnek/Krell 2016, S. 15 ff.).

3.2 Induktion und Deduktion

Induktion und Deduktion wurden schon in der Antike als Wege zum Erkenntnisgewinn genutzt. Wie bereits dargelegt versteht man unter Induktion die Ableitung von allgemeinen Sätzen aus Einzelbeobachtungen und unter Deduktion die Ableitung von spezielleren Aussagen aus allgemeinen Sätzen. Beide Methoden bürgen dabei in der Anwendung Risiken. Bedeutende Denker, die induktiv bzw. empirisch gearbeitet haben, waren beispielsweise Francis Bacon (1561 - 1626), welcher den Begriff "induktive Wissenschaften" prägte und Charles Darwin (1809 - 1882) (Schmitz 1982, S. 92). Doch das Beispiel von Bertrand Russell über einen Truthahn verdeutlicht das Problem der Induktion: Ein Truthahn bemerkt an seinen ersten Tag auf dem neuen Bauernhof, dass die Fütterung um 9 Uhr morgens war. Dies geschah auch jeden weiteren Tag in den darauffolgenden Wochen. Nun dachte der Truthahn nach dem Prinzip der Induktion, dass er jeden Tag um 9 Uhr gefüttert wird und es auch immer so weiter geht. Als er allerdings kurz darauf für das Thanksgivingfest geschlachtet wurde, stellte sich dieser Schluss als falsch heraus (Franz 2013, S. 122f.). Durch eine falsche Prädiktion der Zukunft kam es hier zu einem Fehlschluss, auch Induktionsproblem genannt, welches später in diesem Kapitel noch als Grundlage für weitere Betrachtung diesen soll. Ein ähnliches Problem gibt es auch bei der Deduktion. Klassische Beispiele der deduktiven Denkart finden sich, wie schon gezeigt, bei Aristoteles. Ausgehend von der ersten These „Jeder Mensch ist sterblich“ und der zweiten These „Daniel ist ein Mensch“ folgt dann die Konklusion „Daniel ist sterblich“. Niemand würde aktuell die Richtigkeit der Thesen bezweifeln. Geht man allerdings von einer falschen Voraussetzung aus, entsteht trotz richtiger Anwendung der Methode ein Fehlschluss, wie folgendes Beispiel zeigt: aus der ersten These „Alle Säugetiere sind Vierfüßer“ und der zweiten These „Alle Menschen sind Säugetiere“ folgt die Schlussfolgerung „alle Menschen sind Vierfüßer". Es zeigt sich dabei, dass häufig beide Verfahren in Verbindung miteinander benutzt werden, statt einzeln (Vollmer 1999, S. 3). Durch das Aufzeigen der Probleme beider Methoden wird schon hier deutlich, was sowohl Popper als auch Weber gefordert haben, nämlich dass Erkenntnisse prüfbar bzw. falsifizierbar sein müssen. Für diese Prüfung müssen auch die verwendeten Methoden transparent und nachvollziehbar sein.

3.3 Falsifikation und Paradigma

Die Falsifikation nimmt das Induktionsproblem auf, welches auch schon z.B. David Hume (1711 - 1776) erkannte und monierte (Franz 2013, S. 122). Noch viel prägender in diesem Bereich war allerdings Karl Popper (1902 - 1994), welcher mit Hume übereinstimmte und eine Lösung für das Induktionsproblem suchte. In der Argumentationslogik Poppers ergibt sich für das Beispiel von Russels Truthahn, dass die Annahme des Truthahns, er würde jeden Tag um 9 Uhr gefüttert werden, nicht empirisch belegbar bzw. verifizierbar ist. Denn egal wie viele Tage dies eintritt, reicht eine gegenteilige Beobachtung (Schlachtung an Thanksgiving), um die Annahme zu widerlegen (Keuth 2007, S. 3f.). Für Popper kann somit eine Aussage über die ontische Realität nicht nur anhand von Erfahrung bestätigt werden. Vielmehr sind solche Aussagen nicht als verifizierbar, sondern als falsifizierbar zu betrachten. Von Falsifizierbarkeit geht Popper aus, wenn es eine logische Beobachtungaussage gibt, die der Hypothese entgegensteht. Insgesamt legt er allem menschlichen Wissen eine Unsicherheit und Fehlbarkeit zugrunde (Keuth 2007, S. 6).6 In den weiteren Betrachtungen zu Karl Popper wird sich zeigen, dass diese Annahme Eckpfeiler seines kritischen Rationalismus ist. Gleichzeitig macht diese Annahme auch die Verwendung von Dogmen unmöglich.

[...]


1 Dies bildete für Sokrates die Grundlage für Weisheit.

2 Bekannt als sog. tabula rasa.

3 Besonders sind hier die „kopernikanischen Wende“ durch Nikolaus Kopernikus (1473-1543) und der Prozess um Galileo Galilei (1564-1642) zu nennen.

4 Auch wenn in der öffentlichen Diskussion oftmals der Begriff Wissenschaft zur Vereinfachung geführt wird. So wird teilweise auch in dieser Hausarbeit verfahren.

5 Zur vollständigen Übersicht der Wissenschaftsdisziplinen sei auf das revised field of sciene and technology (FOS) classification der OECD verwiesen, insbesondere Annex 2.

6 Auch unter dem Begriff Fallibilismus bekannt.

Details

Seiten
14
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346293718
ISBN (Buch)
9783346293725
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v954137
Institution / Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
2,0
Schlagworte
Deduktion Induktion Wertfreiheit Paradigmen Denkschulen Wissenschaftsstreit Quellen der Wissenschaft Abduktion Sokrates Max Weber Frankfurter Schule Positivismusstreit Falsifikation Quantitative und Qualitative Methoden Karl Popper Werturteilsfreiheit Aristoteles

Autor

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Titel: Wissenschaftliches Arbeiten. Forschungsmethoden und Denkschulen