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Kästner, Erich - Fabian - Autobiographische Merkmale

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 4 Seiten

Leseprobe

Referat zu autobiografischen Elementen in Kästners Roman „Fabian“

Erich Kästner, geboren am 23. Februar 1899 in Dresden, veröffentlicht seinen Roman „Fabian“ 1931; Kästner selbst ist dann also 32 Jahre alt, genauso alt wie sein Titelheld.

Wie Kästners Biografie zeigt, ist das nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen dem Schriftsteller und seinem Protagonisten; der Roman enthält eine ganze Reihe von autobiografischen Elementen.

Ich strukturiere den Vergleich nach den Kriterien:

-Familie -Elternhaus - Kindheit
-Schule, Ausbildung,
-Berufsleben, Ansichten, Gewohnheiten
-Verhältnis zu Frauen
-Freunde

Der Romans „Fabian“ von Erich Kästner trug ursprünglich den Titel „Der Gang vor die Hunde“ und ist eine Satire auf das Leben in der Großstadt Berlin in der Weimarer Republik. Die Hauptfigur ist Fabian, ein Moralist, der das Leben und die Leute in Berlin beobachtet. Er ist ein äußerst genügsamer Mensch, er verdient kaum Geld, was ihm aber nichts ausmacht, da es ihm wenig bedeutet. Symbolisch stimmt sein Tod durch Ertrinken (Fabian ist Nichtschwimmer) am Ende der Erzählung mit seinem Untergang in der Gesellschaft überein.

Er liebt und ehrt seine Mutter, von seinem Vater erfährt man nur sehr wenig. Seine einzige ernsthafte Beziehung zu einer Frau, Cornelia Battenberg, zerbricht nach kurzer Zeit.

Familie - Elternhaus - Kindheit

In Kästners Kindheit, und auch später noch, spielt die Mutter die wichtigste Rolle. Die Familie ist arm, die Eltern Kästners leben in keiner glücklichen Ehe, da die Mutter, Ida Augustin, mit Kästners Vater, Emil Kästner von ihrer Familie verheiratet wurde und ihren Mann nicht aus Liebe heiratete.

Der Vater arbeitet, nach einem missglückten Versuch sich mit einem Geschäft für Lederwaren selbstständig zu machen, in einer Fabrik und muss abends noch alleine im Keller sitzen und dort weiter Geldbörsen und andere Lederwaren herstellen. Die Mutter lebt für ihren Sohn, tut alles, um ihn zu unterstützen , macht sogar noch einen Friseursalon auf, damit sie es Erich ermöglichen kann seinen Traum zu verwirk- lichen, Lehrer zu werden. Und auch Kästner entwickelt eine abgöttische Liebe zu seiner Mutter, er lebt und schläft in der Zweizimmerwohnung der Kästners mit ihr in einem Zimmer, während der Vater alleine in dem anderen Zimmer wohnt. Und auch sonst wird der Vater in nichts mit einbezogen, fährt auf keinen der mehrwöchigen Ausflüge, die der Sohn und seine Frau machen mit und scheint nicht einmal zu wissen, dass Erich gar nicht sein leiblicher Sohn ist, sondern derjenige des befreun- deten jüdischen Sanitätsrates Dr. Zimmermann.

Auch Kästners literarische Figur Fabian hat ein enges Verhältnis zu seiner Mutter, was man z.B. im 12. Kapitel anlässlich eines Besuch der Mutter sehen kann. Genau wie Ida Kästner bringt oder schickt sie ihm seine gewaschene und gebügelte Kleidung, sorgt sie sich um ihn, ihren erwachsenen Sohn, weil dieser „zehn Tage ...nicht geschrieben“ hat. Sie bringt ihm teure Lebensmittel, räumt ihm die Wohnung auf und putzt und schläft erst nach einem langen Wortwechsel freiwillig im bequemeren Bett anstelle des Sofas.

Auch als Fabian am Ende des Romans nach Hause zurückkommt, erinnert das Familienleben stark an das von Kästner. Fabian kommt traurig und von einer Frau enttäuscht nach Hause, die Mutter kümmert sich rührend um ihn, der Vater weiß von nichts.

„Ich wußte gar nicht, daß er einen Freund hatte, man erfährt ja nichts. Du hörst ja nie zu“ (S.216).

Kästner hat in seinen unzähligen Briefen an die Mutter den Vater immer nur kurz grüßen lassen.

Schule -Ausbildung

Kästner geht in Dresden zur Schule, die er als Kinderkaserne bezeichnet.

Als Fabian nach Labudes Tod in seine Geburtsstadt und zu seiner Mutter fährt, macht er auf einem Spaziergang auch seiner alten Schule einen Besuch.

„Es hatte sich nichts geändert, nur die Jahrgänge wechselten. Fabian stand in der dritten Etage und öffnete die Tür zur Aula. Morgenandacht, Abendandacht, Orgelspiel, Kaisers Geburtstag, Sedanfeier, Schlacht bei Tannenberg, Fahnen im Sturm, Osterzensuren, Entlassung der Einberufenen, Eröffnung der Kriegsteilnehmerkurse, immer wieder Orgelspiel und Festreden voller Frömmigkeit und Würde. Einigkeit und Recht und Freiheit hatte sich in der Atmosphäre dieses Raumes festgebissen. Ob es noch so wie früher war, daß man, kam ein Lehrer vorüber, stramm stehen mußte? Mittwochs gab es zwei und Sonnabends drei Stunden Ausgang. Ob man immer noch, wenn der Ausgang entzogen worden war, vom Inspektor angehalten wurde, Zeitungen mit Hilfe einer Schere in Abortpapier zu verwandeln?

War es denn auch nicht manchmal schön gewesen? Hatte er immer nur die Lüge gespürt, die hier umging, und die böse heimliche Gewalt, die aus ganzen Kindergenerationen gehorsame Staatsbeamte und bornierte Bürger machte?...In langer Front standen die eisernen Bettstellen. An den Wänden hingen die Nachthemden militärisch ausgerichtet. Ordnung mußte sein “

Fabian hat ein Herzleiden. Wie aus einem Gespräch mit Labude, bei dem sie in Erinnerungen versinken, deutlich wird, waren beide auch beim Militär. Auch hier zeigt sich eine Übereinstimmung mit dem Autor: Erich Kästner erlitt während seines Dienstes bei der Wehrmacht durch unheimlichen Drill einen Herzfehler.

Kästner studiert nach dem Verwerfen einer Lehrerlaufbahn Germanistik und Theatergeschichte in Leipzig, Rostock und Berlin. Seine erste Wohnung in Leipzig wird natürlich von der Mutter mit ausgesucht.

Berufsleben - Gewohnheiten -Ansichten

Nach dem Studium arbeitet er bei einem Verlag in Leipzig, wo er aber wegen Veröffentlichung von angeblich zu obszönen Texten zu Bildern seines Arbeitskollegen und Freundes Erich Ohser zusammen mit diesem entlassen wird. Er zieht nach Berlin und arbeitet als Autor für mehrere Zeitungen.

Jakob Fabian arbeitet in Berlin in einem Büro und ist Reklamefachmann. Er bewegt sich häufig unter Journalisten, Redakteuren, Setzern und Verlagsangestellten.

Anfangs wohnt Kästner als „möblierter Herr“ in einem Zimmer, „kontrolliert“ und beobachtet von seiner Zimmerwirtin. Diese wird auch im Fabian durch die Wirtin Hohlfeld vortrefflich beschrieben.

Kästner selber sitzt in Berlin oft bis spät in die Nacht in Cafes ,schreibt, trinkt und raucht sehr viel , sehr zum Leidwesen seiner Mutter, die ihm öfter schreibt, er solle wegen seines Herzfehlers das Rauchen reduzieren. Auch Fabians Mutter ermahnt bei ihrem Besuch in Berlin ihren Sohn, nicht so viel zu rauchen.

Verhältnis zu Frauen

Auch Fabians Verhalten zu Frauen ähnelt dem von Kästner.

Kästner lernt in Rostock Ilse Beeks kennen, die zu seiner größten Liebe und acht Jahre später zu seiner größten Enttäuschung wird.

Kästner liebt sie, wie er nie wieder eine Frau lieben wird, doch das Verhältnis geht in die Brüche, Kästner vermutet einen anderen Mann, Ilse beteuert, es gebe keinen , doch sie sagt ihm, daß ihr <<sexuelle Bereitschaft>> unangenehm sei, wie Kästner der Mutter schreibt.

Im Roman lässt Kästner dies Fabians Freund Labude, dessen Beziehung zu seiner Freundin Leda in einer Krise steckt, zum Ausdruck bringen.

„Und dann reist man hin, gibt sich einen Kuß, geht ins Theater, fragt nach Neuigkeiten, verbringt eine Nacht miteinander und geht wieder. Es ist unmöglich, sie in Berlin, die Liebe krepiert an der Geographie.

Ich hätte Leda, wenn sie mit geschlossenen Augen dalag...das Gesicht wie eine Maske abreißen mögen. Sie log. Aber wen wollte sie belügen? Nur mich oder sich selber auch?“(Seite 81-82)

Nach der gescheiterten Beziehung mit Ilse Beeks hat Kästner nur noch „Schlamassel“, wie er seine Frauensorgen selbst in einem Brief an seine Mutter nennt. In einem solchen Brief schreibt er über eine Frau, die er Moritz nennt, sie würde gut parieren, und das müßte sie auch, sonst würde er aus ihrem Gesichtsfeld verschwinden. Er wusste, dass sie ihn liebte, er liebte sie aber nicht. Auch Fabian hat eine Beziehung die er ernsthaft führen will, mit der Juristin Cornelia Battenberg.

„Der Zufall hatte ihm einen Menschen in die Arme getrieben, für den er endlich handeln durfte.“

Doch auch diese Beziehung geht in die Brüche, da Cornelia mit einem Filmproduzenten schläft, um eine Rolle als Schauspielerin zu bekommen. Sie sagt, sie täte das für sich und Fabian, damit sie irgendwann ein besseres Leben führen könnten, doch Fabian als Moralist kann das nicht dulden.

Fabian hat nach Cornelia auch niemals wieder eine Beziehung, die auf Liebe basiert, sondern nur noch solche rein sexueller Natur. (Letzteres darf man Kästner nicht so nachsagen. Er hatte nach der Veröffentlichung des „Fabian“ eine lang andauernde Beziehung zu Luiselotte Enderle, die er allerdings nicht heiraten wollte.)

Freunde

Fabians Freund Labude hat Erich Kästner Züge seines Klassenkameraden Ralph Zucker verliehen.

Kästner lernt den Juden im Dresdner König Georg Gymnasium kennen, wo er das Abitur nachholt.

Ralph Zucker hat Jahre später im medizinischen Staatsexamen die meisten Fächer schon mit Auszeichnung belegt, als Kommilitonen sich einen „Scherz“ erlauben und ihm erzählen, er sei in Augenheilkunde durchgefallen. Aus Verzweiflung darüber nimmt sich Zucker das Leben. Dabei hatte er diese Teilprüfung glänzend bestanden. Genauso ergeht es auch Labude. Ein neidischer Doktor erzählt ihm, dass seine Habilitationsarbeit nicht anerkannt wird, und Labude erschießt sich.

Wie man gut erkennen kann, hat Kästner in diesem Roman, wenn auch zum Teil mehr oder weniger verfremdet, eine ganze Reihe autobiografischer Details verarbeitet. Abgesehen von so persönlichen Beziehungen wie die zu seiner Mutter, Frauen oder seinem Freund finden sich auch Einstellungen, z.B. gegenüber der Schule und ihrem Drill.

Nicht erwähnt habe ich die Beschreibung der Großstadt, die ja viel Raum in diesem Romans einnimmt. Wie man aber aus dem Vergleich mit anderen literarischen Darstellungen und ebenfalls aus der Malerei ersehen kann, hat Kästner die Atmosphäre in der Metropole Berlin ziemlich authentisch geschildert. Hans Fallada schreibt in seiner Arbeit „Auskunft über den Mann Kästner“:

„Kästner kennt Berlin, was er da zeichnet, ist so sauber und klar hingesetzt...jedes Detail stimmt. Es ist eine Hölle, aber in dieser Hölle leben noch viele Menschen, die an etwas glauben, Idylliker meinethalben.“

Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass, auch wenn Kästner es noch nicht wissen konnte, sich sein fürchterlicher Traum im Fabian in nicht allzu ferner Zukunft bewahrheitet hat:

Aus den Dachluken und aus den Giebeln fielen Schüsse in die Tiefe. Aus den Fenstern hingen Verwundete .Auf einer Giebelkante rangen zwei athletische Männer Man hörte den Aufschlag der hohlen Schädel. Flugzeuge schwirrten unter der Saaldecke und warfen Brandfackeln auf die Häuser. Die Dächer begannen zu brennen. Grüner Qualm quoll aus den Häusern“ (S.153)

Benutzte Literatur:

Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1999 (DVA Berlin 1931)

Klaus Kordon: Die Zeit ist kaputt. Die Lebensgeschichte des Erich Kästner. Beltz und Gelberg, Weinheim 1998

Details

Seiten
4
Jahr
2000
DOI
10.3239/9783638083737
Dateigröße
354 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95695
Note
2+
Schlagworte
Kästner Erich Fabian Autobiographische Merkmale Thema Erich Kästner

Autor

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Titel: Kästner, Erich - Fabian - Autobiographische Merkmale