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Wissenschaftliche Methoden zum Führen eines Interviews

Essay 2020 10 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Qualitative Forschung
1.1 Methodik
1.2 Datenerhebung und Datenanalyse

2 Qualitative Interviewformen
2.1 Das Fokussierte Interview
2.2 Das Problemzentrierte Interview
2.3 Das Narrative Interview
2.4 Das Tiefeninterview

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Strukturierungsgrade von Interviews

1 Qualitative Forschung

Grundsätztlich beschäftigt sich die qualitative Forschung mit der Erhebung und Auswertung von nicht standardisierten Daten. Der Forschungsgegenstand dieser wissenschaftlichen Methode wird dabei in seiner Tiefe analysiert, um dadurch Informationen und neue Erkenntnisse zu gewinnen.1 Bei der qualitativen Forschung können Informationen und Daten nicht gemessen werden, sondern beschreiben die Hintergründe einer Thematik. Zu den zentralen Methoden in der qualitativen Forschung zählen Einzelfallstudien, Teilnehmende Beobachtungen, Gruppendiskussionen und qualitative Interviews. Qualitative Forschung in Form von Interviews wird verwendet, um Motive, Meinungen, Einstellungen oder Verhaltensweisen zu untersuchen.2

Qualitative Instrumente, wie z.B. Interviews, finden oft in der Marktforschung Verwendung, da die Datenerhebung flexibel und praxisnah ist. Durch die offene Kommunikation können Befragte ihre eigene subjektive Meinung äußern, ohne von vordefinierten Antworten beeinflusst zu werden. Eine Methode dieser Marktforschungsinstrumente ist das qualitative Interview, womit sich diese wissenschaftliche Arbeit genauer beschäftigt. Abhängig von der Intention des Interviewers, der Standardisierung oder Form der Kommunikation werden Interviews in unterschiedliche Formen eingeteilt.3

In diesem Scientific Essay werden folgende qualitative Interviewformen genauer analysiert und miteinander verglichen:

- Das Fokussierte Interview
- Das Problemzentrierte Interview
- Das Narrative Interview
- Das Tiefeninterview4

Zielsetzung dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, diese vier qualitativen Interviewformen zu vergleichen und die jeweiligen Vor- und Nachteile anhand signifikanter Beispiele darzustellen. Daraus leitet sich folgende Fragestellung ab:

Welche jeweiligen Vor- und Nachteile hat das Fokussierte-, Problemzentrierte-, Narrative- und Tiefeninterview als Interviewformen in der qualitativen Forschung?

1.1 Methodik

Bei der hier vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit wurde als Forschungsmethodik die Sekundärdatenanalyse gewählt. Diese Form der Analyse beschreibt eine systematische Auswertung von bereits vorhandenen Daten, die z.B. aus vorherigen Erhebungen und Beobachtungen zurückzuführen sind. Entscheidend für die Auswahl dieser Methodik war, dass sie sich durch die schnelle Verfügbarkeit von Daten als vielfältig einsetzbare Strategie in der qualitativen Forschung bewiesen hat.5

1.2 Datenerhebung und Datenanalyse

Für die Datenerhebung wurde eine systematische Literaturrecherche vom 16.06.2020 bis zum 18.06.2020 in deutsch - und englischsprachigen Literaturquellen durchgeführt. Die Recherche dieses Scientific Essay erfolgte zunächst mit Hilfe der lizenzierten Verlagen Beck-online, SpringerLink und der FOM Datenbanken von EBSCO Discovery Service.

Teilweise wurden die Bibliografische Datenbanken Google Scholar und Google Books für Zitate, Expertenbefragungen und Fachzeitschriften zu diesem Thema ausgewertet .

Häufig zitierte Literatur in Form von Publikationen und Sammelwerken wurden in einem ersten Schritt präferiert ausgewählt und nach inhaltlichen Gemeinsamkeiten zusammengefasst. Des Weiteren wurde bei der Literaturrecherche zwischen primär und sekundär Quellen unterschieden. Durch Ein- und Ausschlusskriterien erfolgte in einem zweiten Schritt eine Reduktion auf die im Literatur- und Internetverzeichnis aufgeführten Quellen zur Thematik dieses Scientific Essays.6

2 Qualitative Interviewformen

In diesem Kapitel wird zunächst der Begriff „Interview“ erläuert. Aufgrund der formalen Einschränkung dieser wissenschaftlichen Arbeit, werden die Definitionen und theoretischen Grundlagen auf das Wesentliche reduziert. Der Begriff Interview stammt von dem französischen Wort „entrevue“ ab und bedeutet „verabredete Zusammenkunft“ oder „einander kurz sehen“.7 Grundlegend handelt es sich bei einem Interview um eine Befragung mit dem Ziel, Informationen oder Sachverhalte zu ermitteln.8

„Unter Interview als Forschungsinstrument sei hier verstanden ein planmäßiges Vorgehen mit wissenschaftlicher Zielsetzung, bei dem die Versuchsperson durch eine Reihe gezielter Fragen …zu verbalen Informationen veranlasst werden soll.“9

Wie in folgender Abbildung zu sehen ist, können Interviews in Bezug auf ihren Strukturierungsgrad in standardisierte, halboffene sowie offene Interviews differenziert werden.10

Abbildung 1 : Strukturierungsgrade von Interviews

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Misoch, S., Interviews, 2015, S. 14

In den folgenden Kapiteln werden die vier ausgewählten Interviewformen im Detail vergleichen. Die Vor- und Nachteile jeder Interviewtechnik werden dabei anhand eines eindeutigen Beispiels dargestellt.

2.1 Das Fokussierte Interview

Charakteristisch für diese Form des Interviews ist die Fokussierung auf vorab fest definierte Gesprächsgegenstände bzw. Gesprächsanreize. Mögliche Anreize oder Gegenstände kann z.B. ein Film sein, der von den Berfagten gesehen wurde oder ein gelesener Zeitungsartikel. Im darauf folgenden fokussierten Interview wird mittels eines Gesprächsleitfadens festgehalten, wie die Befragten auf den zuvor festgelegten Fokus reagiert und interpretiert haben.11 Das Ziel dieser Form des Interviews ist es, die subjektiven Erfahrungen der Befragten in früher erlebten Situationen zu erfassen. Beispielsweise wurde einer Gruppe Jugendlicher ein gewalttätiger Spielfilm gezeigt. In einen danach durchgeführten fokussierten Interview, erzählten die Jugendlichen spontan von eigenen Gewalterfahrungen. Somit diente der Film der Aktivierung von Erinnerungen. Vorteil dieser Interviewform ist die Möglichkeit, eine zurückhaltende Gesprächsführung mit der spezifischen Informationsgewinnung zu verknüpfen. Als Nachteil des fokussierten Interviews zählt die leichte Beeinflussung des Befragten durch bestimmte Fragestellungen.12

2.2 Das Problemzentrierte Interview

Bei der Methode des Problemzentrierten Interviews stehen primär die Erfahrungen, Relexionen und Wahrnehmungen des Befragten zu einem bestimmten Problem im Fokus.13 Als Vorbereitung auf das Interview erstellt der Forschernde durch die Rechereche von Fachliteratur oder eigene Erkundungen im Untersuchungsfeld eine zu analysiernde Forschungsfrage wie z.B. „Welche Folgen hat die Corona Pandemie für die europäische Wirtschaft?“14

Unterstützend kann der Interviewer daraufhin einen Leitfaden in Bezug auf die wirtschaftlichen Folgen erstellen. Die Probanden werden zwar durch die Verwendung eines Leitfadens auf bestimmte Fragestellungen hingeleitet, sie sollen aber offen auf die Fragen antworten und ihre subjektive Meinung äußern.15

Grundlegend bestimmen Offenheit und Vertrauen den Interviewprozess, d.-h. es werden keine Antwortalternativen vorgegeben. Dadurch kann der Interviewer überprüfen, ob er überhaupt vom Befragten verstanden wird.16

Im Vergleich mit dem zuvor beschriebenen fokussierten Interview zeichnet sich das Problemzentrierte Interview durch seine hohe Flexibilität und Offenheit während der Befragung aus. Ein Nachteil dieser Interviewform ist der hohe Zeitaufwand durch die theoretisch wissenschaftliche Rechereche und Konzepterstellung sowie Auswertung.17

2.3 Das Narrative Interview

Bei dieser Form des Interviews wird der Befragte im Zuge einer Eingangsfrage aufgefordert, das Gespräch mit einer unvorbereiteten bzw. spontanen Erzählung zu beginnen. Durch die Formulierung einer bestimmten Eingangsfrage soll der Befragte an einen bestimmten Zeitpunkt in seiner Biographie oder Lebensgeschichte errinnert werden und in einer gewählten Erzählform beschreiben.18 Grundsätzlich sollte der Befragte hierbei nicht durch Zwischenfragen des Interviewers unterbrochen werden. Ziel des Narrativen Interviews ist es, die subjektiven Wahrnehmungen des Befragten in Form von Sinneszusammenhängen mit Hilfe der Erzählung zu erfassen.19

Ein Narratives Interview könnte beispielsweise folgendermaßen beginnen:

„Hallo Herr Müller, vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben. Wie bereits erwähnt interessiere ich mich für den aktuellen vegetarischen und veganen Ernährungstrend. Daher würde ich sie bitten, mir ihre Lebensgeschichte zu erzählen, bis zu dem Tag, an dem Sie entschieden haben, sich ausschließlich vegan zu ernähren.“

Die Vorteile des Narrativen Interviews sind, dass die erhaltenen Informationen bedeutungsvoller und umfassender sind als bei standardisierten Interviews. Dagegen wird vorausgesetzt, dass die Befragten bereit sind ihre „Lebensgeschichte“ frei zu erzählen, was nicht oft der Fall ist. Ein weiterer Nachteil ist die beschränkte Vergleichbarkeit durch unterschiedliche Qualitäten des Interviews.20

2.4 Das Tiefeninterview

Das Tiefeninterview wird beispielsweise in der Psychoanalyse angewendet. Hierbei versucht der Interviewer, in diesem Fall der Theraupeut, durch gezielte Fragestellungen die tief liegenden psychologischen Strukturen des Patienten zu erforschen. Der Theraupeut beeinflusst somit stark den Gesprächsverlauf.21

Daher ist das Tiefeninterview ein individuelles Gespräch und nicht objektiv bzw. quantitativ auswertbar.22 Je nach Zielsetzung kann diese Form der qualitativen Forschung themenzentriert oder auch tiefenpsychologisch erfolgen. Durch das Tiefeninterview erhält der Interviewer schwer zugängliche unbewusste Einstellungen und Meinungen des Befragten. Ein weiterer Vorteil ist die flexible Gesprächführung sowie individuelle Anpassungsmöglichkeiten des Interviewers an den Befragten. Nachteile dieser gewählten Methode sind hohe zeitliche und finanzielle Aufwendungen, da die Auswertung der Informationen und Daten viel Zeit in Anspruch nimmt.23

[...]


1 Vgl. Hopf, C., Interviews, 2012, S. 350 f.

2 Vgl. Misoch, S., Interviews, 2015, S.13.

3 Vgl. Froschauer, U., Lueger, M., Interview, 2020, S.14 f.

4 Vgl. Aghamanoukjan, A., Buber, R., Meyer, M., Interviews, 2018, S. 421.

5 Vgl. Braun, S., Zeidler, J., Sekundärdaten, 2012, S.243.

6 Siehe Literaturverzeichnis, Seiten 8-9.

7 Vgl. Misoch, S., Interviews, 2015, S.13.

8 Vgl. Hopf, C., Interviews, 2012, S. 351.

9 Reinecke, J., Interview, 2014, S. 601.

10 Vgl. Misoch, S., Interviews, 2015, S.13 ff.

11 Vgl. Lamnek, S., Krell, C., Interview, 2016, S. 349 ff.

12 Vgl. Hopf, C., Interviews, 2012, S. 353 f.

13 Vgl. Lamnek, S., Interview, 2005, S. 363 f.

14 Vgl. Kurz, A. et al., Interview, S.465 f.

15 Vgl. Buber, R., Marktforschung, 2007, 465 f.

16 Vgl. Kurz, A., Stockhammer, C., Fuchs, S., Meinhard, D., ( Interview, ) S.465 f.

17 Vgl. Witzel, A., (Interview, 2000) S. 15

18 Vgl. Küsters, I., Interview, 2009, S.13 ff.

19 Vgl. Misoch, S., Interviews, 2015, S.37.

20 Vgl. Kaiser, R., Experteninterviews, 2014, S.24 f.

21 Vgl. Boenigk, M. et al., Tiefeninterview, 2007, S. 115 f.

22 Vgl. Raab, G., Unger, A., Unger, F., Marketing-Forschung, 2009 , S.38.

23 Vgl. Eisend, M., Kuß, A., Marktforschung, 2010, S. 132.

Details

Seiten
10
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346304926
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v957841
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Schlagworte
wissenschaftliche methoden führen interviews

Autor

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Titel: Wissenschaftliche Methoden zum Führen eines Interviews