Lade Inhalt...

Der Börsengang von Unternehmen. Chancen, Risiken und mögliche Zeitpunkte

Seminararbeit 2020 24 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Aufbau

2. Begriffsdefinition und Entwicklung von IPOs in Deutschland

3 Motive und Chancen für einen Börsengang
3.1 Vorteil eines Börsengang
3.2 Nachteile und Risiken eines Börsengang

4. Ablauf eines Börsengang
4.1 Planungsphase
4.2 Umsetzungsphase
4.3 Platzierungsphase

5. Praxisbeispiel Siemens Healthineers

6. Fazit und kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl der Börsengänge in Deutschland von 1990 bis 2019

Abbildung 2: Prozess der Bafin für Billigung des Wertpapierprospekts

Abbildung 3: Ranking der Top Medizinunternehmen nach Marktkapitalisierung

Abbildung 4: Chartverlauf der Aktie Siemens Healthineers seit Börsengang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der Begriff Börsengang oder auch IPO ist in aller Munde. Täglich berichten größere Medien, dass die Börsenglocken für ein neues Unternehmen geläutet haben. Genau dieses Thema wird der Seminararbeit gewidmet. Was sind die Hauptgründe für Unternehmen die Anteile des Unternehmens am freien Markt handeln zu lassen. Welche Vorteile oder Nachteile sieht ein Unternehmen bei einer solchen Emission. Oder was bringt dem Finanzmarkt Deutschland neue Börsengänge. Diese Fragestellungen verdeutlicht die Thematik der Seminararbeit, denn in der folgenden Abbildung werden die Anzahl der Börsengänge seit 1990 widergespiegelt. Man erkennt eine deutliche Abnahme in den letzten Jahren. Diese Abnahme und die Gründe hierfür wird in der Seminararbeit Quelle: Statista.de1

1.1 Zielsetzung

Ziel der Seminararbeit ist es, die Merkmale eines Börsengangs zu verdeutlichen. Die Vertragspartner zu nennen und zu erläutern. Auch soll die Entwicklung der IPOs empirisch erklärt werden. Auch die Nachteile und Kosten spielen in dieser Seminararbeit eine führende Rolle. Um diese viele Merkmal zu spezifizieren, wird ein Praxisbeispiel eines IPOs der Firma Siemens mit der damaligen Tochtergesellschaft Siemens Healthineers erläutert. Daher ist das Primärziel dieser Seminararbeit die Zusammensetzung eines Börsengangs, wann diese gewisse Vorteile bzw. Nachteile mit sich bringt und eine kritische Würdigung dieser Entwicklung in Deutschland nachgewiesen wird.

1.2 Aufbau

Im ersten Abschnitt wird der Begriff IPO erläutert, um in diese komplexe Thematik eine kleine Einführung zu geben. Dann werden die Motive für einen Börsengang genannt und wann dieser für Unternehmen lohnend sind. Das nächste Kapitel wird sich über die Nachteile oder auch die Kosten eines IPOs befassen, um eine einheitliche Betrachtung der Thematik zu haben und um zu erläutern, warum aufgrund geschichtlicher Hintergründe, Börsengänge seit dem Jahr 2000 deutlich rückläufig sind. Im Hauptkapital werden die Phasen eines Börsengangs erläutert. Die Vertragsteilnehmer, die Inhalte eines Börsengangs und die vertragliche Prüfung eines solchen Vorhabens. Die Phasen werden einen Großteil der Seminararbeit ausmachen, da die wesentlichen Grundlagen detaillierter erläutert werden sollen. Das Kapitel fünf beinhaltet den Börsengang des Medizintechnikhersteller Siemens Healthineers, dieser im Jahr 2018 vollzogen wurde. Hier werden die Hintergründe erläutert. Am Ende der Seminararbeit wird eine kritische Würdigung der Thematik vorgenommen.

2. Begriffsdefinition und Entwicklung IPOs in Deutschland

Der Begriff IPO wurde schon in der Einleitung durch Börsengang ersetzt. IPO steht für Initial Public Offering oder auch Neuemission oder Börsengang. Hierunter versteht man eine erstmalige Vergabe von Aktien an den freien Kapitalmarkt. Diese Aktien können Investoren erwerben und sind Teilhaber des Unternehmens.2 Ein IPO wird zu einer Änderung der Eigentümerstruktur führen, da Anteile an dritte veräußert werden. Im Umkehr erhält das Unternehmen frisches Geld für neue Investitionen. Daher sollte jedes Unternehmen eine Strategie haben, genügend Finanzmittel für Investitionen aufzubauen, um so die eigene Marktstellung weiter zu steigern.3 In Deutschland wird dies traditionell noch über langfristiges Fremdkapital abgebildet. Entweder über eine Innenfinanzierung oder über eine Außenfinanzierung. Die Außenfinanzierung wird über Banken abgewickelt. Da Banken seit der Finanzkrise größere Außenfinanzierungen immer restriktiver entgegensehen, ist die Finanzierungsform am Kapitalmarkt für Unternehmen immer interessanter geworden. In den 90er Jahren hatte der rasante Anstieg an Börsengänge ein neues Zeitalter angebrochen. Man nannte dies den neuen Markt. In dieser Zeit ist die Deutsche Telekom, mit einem Volumen von über 8,7 Mrd. € für externe Investoren an die Börse gegangen.4 Nach dieser Euphorie ist im Jahre 2002 der neue Markt zusammengebrochen und mit ihm die hohe Anzahl an Börsengänge. Eine Erholung hat stattgefunden, ist noch deutlich unter dem Niveau vom Jahre 2002 zurückgeblieben. Da 2008 die Finanzmarktkrise kam und somit alle Anlageklassen und Märkte zum Erliegen kamen. Ebenfalls die Anzahl der Börsengänge. Kirchhoff Consult brachte im Januar 2020 eine IPO Studie zum Jahr 2019 heraus. Die Börsengänge für das Jahr 2019 war das schwächste Jahr für Börsengänge seit zehn Jahren. Die Anzahl der IPOs im Börsensegment Prime Standard fiel im Vergleich zum Vorjahr von 16 auf 3. Diese drei Börsengänge waren die Firmen Teamviewer AG, Traton SE und Global Fashion Group. Zugleich reduzierte sich das Emissionsvolumen der IPOs um fast 70 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. 2018 waren es noch 11,6 Milliarden Euro gewesen. Die Milliarden-IPOs von TeamViewer und Traton machten 2019 rund 95 Prozent des gesamten Emissionsvolumens aus. Die Kirchhoff Consult AG nannte als Gründe für diesen deutlichen Rückgang, wirtschaftspolitische Unsicherheiten durch den Handelskonflikt, den Brexit und Rezessionsängste. Diese verursachten eine hohe Volatilität an den Börsen. Demgegenüber entwickelte sich der deutsche Aktienmarkt insgesamt sehr positiv. Der DAX verbuchte ein deutliches Plus von rund 25 Prozent, vor allem dank der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die schwache Kursentwicklung der US- Börsenneulinge Lyft und Uber sowie der gescheiterte IPO von WeWork ließen Investoren jedoch skeptischer werden. Aufgrund aktueller Unsicherheiten in Hinblick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie, lässt sich mit Sicherheit sagen, dass das 2020 auch kein neues Rekordjahr für Börsengänge werden. Die Grundvoraussetzung für ein erfolgreichen Börsengang ist aus wirtschaftlicher Betrachtung, eine positive wirtschaftliche Prognose, ein gut funktionierender Aktienmarkt, sowie Risiken zu quantifizieren und minimieren zu können.5 Daher erkennt man eine hohe Korrelation von der eigenen Wirtschaft mit der Anzahl an Börsengängen, denn eine hohe Zahl an Neuemissionen ist dabei ein Indikator für das positive Marktumfeld der inländischen Wirtschaftskraft.

3. Motive und Chancen für einen Börsengang

Wie die vorhergegangenen Kapitel erläutert haben, sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingung eine der Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Börsengang. Ebenfalls sollte das Unternehmen abwägen ob es sich über Fremdkapital, also über das eigene Unternehmen oder mithilfe einer Bank finanzieren lässt oder die Eigenkapitalaufnahme am Kapitalmarkt finanzieren lässt. Denn ein Börsengang eines Unternehmens wird von vielen unterschiedlichen Interessengruppierungen geprägt. Daher ist eine frühzeitige und detaillierte Planung unerlässlich. Als Hauptargument steht die Stärkung des Eigenkapitals und der Schaffung einer hohen Liquidität an oberster Stelle.6 Da Eigenkapital starke und Unternehmen, die eine hohe Liquidität vorweisen können, weiter expandieren können. Die Kapitalaufnahme über die Börse bietet für das Unternehmen die Möglichkeit einer hohen und schnellen Kapitalzufuhr. Darüber hinaus bietet ein erfolgreicher Börsengang weitere Geldbeschaffungen wie etwa durch Kapitalerhöhungen an.7 Also weitere Anteile an der Börse zu veräußern. Daher ist der erstmalige Start eines IPO für das Unternehmen sehr wichtig. Die mit dem Börsengang verbundene Stärkung des Eigenkapitals erweitert auch die Finanzierungsmöglichkeit über weitere Fremdmittel, wie die Aufnahme eines Darlehens. Zudem erweitert sich der Finanzierungsspektrum. Börsennotierte Unternehmen können neue Formen von Anleihen, wie zum Beispiel einer Wandelanleihe vergeben.8 Nicht nur die Stärkung des bilanziellen Eigenkapitals ist ein Motiv für ein IPO. Sondern dient neben der Deckung des Kapitalbedarfs auch die Möglichkeit zur Nutzung von aktienbasierten Leistungsprämien an Mitarbeiter oder Führungskräfte als weiteren Benefit. Durch die Gewährung von Aktienpaketen können diese stärker an das Unternehmen gebunden werden. Ein weiteres Motiv für einen Börsengang ist der Imagegewinn des Unternehmens. Durch mediale Aufmerksamkeit und der dadurch resultierende Bekanntheitsgrad ein weiterer Aspekt für einen Börsengang, da dadurch die Gewinnung von hochqualifizierten Arbeitskräften oder die Gewinnung und Festigung von Kundenbeziehungen unterstützt wird.9

3.1 Vorteile eines Börsengang

Als einer der wichtigsten Vorteile für das Unternehmen, ist der freie Zugang zu den Kapitalmärkten. Das heißt, das Unternehmen kann mithilfe eines Börsengang nicht rückzahlbares Eigenkapital besorgen, um so die Bilanz weiter stärken. Für weitere Kapitalbeschaffungen, wie etwa durch eine Kapitalerhöhung, ermöglicht dem Unternehmen weitere finanzielle Spielräume. Wenn man Unternehmen vergleicht, die nicht börsennotiert sind, wie zum Beispiel einer GmbH, ist die Beschaffung von Geldmittel deutlich ausgeprägter. Denn durch die Stärkung des Eigenkapitals, ist die Robustheit für etwaige Risiken deutliche stabiler.10 Da das Unternehmen durch den Börsengang zwar Anteile verkauft, aber dadurch die Eigenkapitalquote deutlich erhöhen kann. Dies beruhigt Investoren und Shareholder Durch die Erhöhung ist die Ausweitung der Kreditlinien bei Banken deutlich leichter. Weitere Aufnahmen durch Fremdkapital ist möglich. Unternehmen die einen Börsengang forcieren, ist wie in den Motiven erwähnt, eines der Gründe weiter zu wachsen, zu expandieren und weitere Marktanteile auszubauen.11 Ebenfalls können die einbehaltenen Aktien als Unternehmenszukäufe dienen. Durch einen IPO wird das Unternehmen transparenter und schafft durch strenge Richtlinien Vertrauen bei allen Stakeholder. Der Reputationseffekt bei der Akquise von weiteren Angestellten und Ausbau der Marke wurde bereits bei den Motiven erwähnt. Auch ein Vorteil des Börsengang ist die immer weiter wichtige Thematik der Unternehmensnachfolge. So kann durch einen IPO unterschiedliche Anzahl an Aktienpakete an die jeweiligen Gesellschafter ausbezahlt werden. Oder auch Investoren die lange am Unternehmen beteiligt sind und nun eine Exit-Strategie verfolgen, können durch den Börsengang die Anteile am Unternehmen nun liquideren und auszahlen lassen.12 Auch die Risikostreuung im ganzen Konzern ist ein wichtiger Vorteil für ein IPO. Durch die Veräußerung der Anteile von einem Unternehmen, kann das gewonnene Kapital weiter diversifiziert in andere Anlageklassen investiert werden.13

3.2 Nachteile und Risiken eines Börsengangs

Auch wenn sich die Vorteile und die daraus resultierenden Chancen das Unternehmen bekannter und handlungsfester machen, hat der Börsengang auch bestimmte Nachteile und Risiken. Zu den Hauptrisiken eines IPOs zählen die Prospekthaftung, diese noch in dem nächsten Kapitel genauer erläutert wird, ebenfalls kann ein erhöhtes Reputationsrisiko als Folge der erhöhten Transparenzanforderungen auftreten. Auch die steuerlichen Folgen eines IPOs können komplex und erhöhten Risiko auftreten.14 Wenn ein Börsengang forciert wird, die ist persönliche Haftung von Vorstand und Aufsichtsrat ebenfalls Gegenstand der Thematik. Diese kann durch eine D&O-Versicherung gedeckt werden.15 Aber auch Alt-Investoren oder Alt-Gesellschafter können sich haftbar machen, daher ist im Hinblick auf die Risiken besonders zu achten. Durch die erhöhte Publizitätspflicht kann dies zwar als Vorteil für alle Beteiligten und die Öffentlichkeit wirken, aber dieser Aspekt ist mit deutlichem Mehraufwand verbunden. Durch Investor­Relations-Verordnungen hat das Unternehmen den Mehraufwand, viele vertrauliche Informationen der Öffentlichkeit mitzuteilen. Dieses Verfahren ist mit erheblichen Kosten - und Zeitaufwand verbunden. Sobald der Börsengang vollzogen ist, müssen Hauptversammlungen durchgeführt werden. Ebenfalls ist man verpflichtet wichtige Informationen Add-Hoc mitzuteilen und die Quartalszahlen zu veröffentlichen. Ein weiterer großer Kostenblock ist die eigentliche Durchführung des Börsengangs. Hier müssen die Banken, Juristen, Shareholder, Staat und weitere Teilnehmer bezahlt werden.16 Durch die Ausgabe von Unternehmensanteile verliert das Unternehmen bzw. die Geschäftsführung an Macht. Da durch den IPO nun die Anteile an der Börse gehandelt werden, kann dies zu einer feindlichen Übernahme führen. Dies kann durch bestimmte Maßnahmen begrenzt werden. Zum Beispiel von der Ausgabe einer Anteilsquote von 20% oder durch die Ausgabe von stimmrechtslosen Aktien. Dies wiederrum ist unattraktiver für potenzielle Investoren. Daher kann man als Hauptgrund gegen ein Börsengang, die Verschlechterung der eigenen Machtposition im Unternehmen nennen.17

4. Ablauf eines Börsengang

Die nun im folgenden Kapitel erläutert die unterschiedlichen Phasen und den Ablauf eines Börsengangs. Der Ablauf eines IPOs gliedert sich grundsätzlich in drei Phasen. Der Planungsphase, der Umsetzungsphase und der Platzierungsphase. Grundsätzlich ist die Dauer eines Börsengangs unterschiedlich. Die Vergangenheit und Erfahrungsberichte zeigen, dass durch die drei Phasen eine zeitliche Dauer von ca. 7 Monaten eingeplant werden muss.18

[...]


1 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/152876/umfrage/boersengaenge-in-deutschland-seit-2000

2 Vgl. Schanz, K.-M., Börseneinführung, 2012. S. 14.

3 Vgl. Schanz, K.-M., Börseneinführung, 2012. S. 16. ff.

4 Vgl. Hackmann, S., Imtegrationsansätze, 2013, S. 22.

5 Vgl. https://www.kirchhoff.de/fileadmin/20 Download/Studien/20191209 IPO-Studie.pdf, Zugriff am 25.07.2020.

6 Vgl. Schanz, K.-M., Börseneinführung, S. 42.

7 Vgl. Poelzig, D., Kapitalmarktrecht, S. 104.

8 Vgl. Hackmann, S., Integrationsansätze, S. 57. ff.

9 Vgl. Schanz, K.-M., Börseneinführung, S. 46.

10 Vgl. Buck-Heeb, P., Kapitalmarktrecht, S. 60. ff.

11 Vgl. Habersack, M., Einführung, S. 108.

12 Vgl. Schanz, K.-M., Börseneinführung, S. 54

13 Vgl. Langenbucher, K., Kapitalmarktrecht, S. 146

14 Vgl. Grunewald, B., Einführung, S. 186

15 Vgl. Poelzig, D., Kapitalmarktrecht, S. 284

16 Vgl. Langenbucher, K., Kapitalmarktrecht, S. 158

17 Vgl. Krüger, W., Change, S. 207.

18 Vgl. Schanz, K.-M., Börseneinführung, S. 106. ff.

Details

Seiten
24
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346301994
ISBN (Buch)
9783346302007
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v958164
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,3
Schlagworte
IPO Coperate Börsengang Public Offering Coperate Banking Financial Management Coperate Management Going Public
Zurück

Titel: Der Börsengang von Unternehmen. Chancen, Risiken und mögliche Zeitpunkte